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Die ohne Skrupel sind

BASTEI ENTERTAINMENT

Kapitel 1

Die Yacht lag an einem der Piers von Greenpoint. Einige Lichter brannten. Auf Deck gingen zwei Kerle hin und her, die mit Maschinenpistolen bewaffnet waren. Sie trugen Sportschuhe, sodass ihre Schritte nicht zu hören waren, lediglich das leise Quietschen der Gummisohlen. Es ging auf 24 Uhr zu. In Queens und Brooklyn schliefen die meisten Menschen. Die Lichter Manhattans spiegelten sich auf dem East River.

Wir waren mit einem SWAT-Team angerückt. Von einem V-Mann hatten wir erfahren, dass an diesem Abend auf dem Boot ein immenser Deal durchgeführt werden sollte. Es ging um Heroin im Wert von mehreren Millionen Dollar. Lieferant war ein Mexikaner namens Josè Alvarez, Abnehmer ein Amerikaner, hinter dem wir schon längere Zeit her waren, der uns aber bisher noch keinen Hebel geboten hatte. Sein Name war Hendrik Sommerset. Ein Dealer der übelsten Sorte, dem wir in dieser Nacht das Handwerk legen wollten.

Auf dem Pier stand ein Oldsmobile. Dahinter parkte ein Ford. Während sich die drei Männer aus dem Oldsmobile auf der Yacht befanden, saßen in dem Ford zwei Kerle und warteten. Wir hatten uns hinter Lagerhallen und anderen Gebäuden verschanzt. Die Kent Street war abgeriegelt. Für den Einsatz waren wir entsprechend ausgerüstet: kugelsichere Westen, Helme, Headsets …

Ich leitete die Aktion. Zusammen mit Phil befand ich mich im Schatten einer Baracke mit flachem Dach, deren Fenster eingeworfen worden waren und in der nur noch Ratten und Mäuse ihr Unwesen trieben.

»Wir sind bereit«, kam es durch den Lautsprecher meines Headsets. Ich schaute auf die Uhr. Es war eine Minute vor 24 Uhr. »Okay«, sagte ich ins Mikro. »Zugriff!«

Die Dunkelheit wurde lebendig. Schritte trampelten. Auf der Yacht schrie jemand etwas, dann begann eine MP zu rattern. Feuergarben tanzten vor der Mündung der Waffe. Die beiden Kerle im Ford sprangen heraus. Bei ihnen blitzte es auf. Sie schossen mit Pistolen. Geschrei wurde laut. Auf der Yacht bäumte sich einer der MP-Schützen auf und brach dann zusammen. Einer der beiden Kerle beim Ford kippte gegen den Wagen und rutschte daran zu Boden.

Die Gewalt eskalierte. Recht und Unrecht trafen aufeinander wie Feuer und Wasser. Es ging darum, dem Gesetz Geltung zu verschaffen …

Polizisten hetzten über das Deck. Schritte trampelten. Die Wachposten wurden überwältigt, niedergerungen und gefesselt. Der Mann beim Ford riss die Hände in die Höhe und brüllte: »Ich ergebe mich! Nicht schießen!« Zwei SWAT-Leute rissen ihn zu Boden. Die Polizisten drangen in die Yacht ein. Schließlich ertönte es aus dem Lautsprecher meines Headsets: »Sie können kommen, Special Agent. Wir haben die Kerle.«

Wir gingen auf das Schiff und stiegen über eine schmale Treppe nach unten in den Bauch des Wasserfahrzeuges. Ein Polizist wies auf eine Tür und wir betraten einen Salon. Drei Amerikaner und zwei Latino-Typen befanden sich im Raum. Einige Polizisten hielten sie in Schach. Auf dem Tisch in der Raummitte stand ein Koffer. Er war geöffnet und ich sah sauber gebündelte Hunderter.

Ein Polizist trat an uns heran und sagte: »Wir haben zwei Männer überwältigt, die mit dem Heroin aus dem Maschinenraum kamen. Dieses Mal wird es Sommerset nicht gelingen, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Und der Mexikaner wird ihm Gesellschaft leisten in Rikers Island.«

Ich trat vor Sommerset hin. »Hallo, Mr. Sommerset. So schnell kann eine Karriere den Bach runtergehen. Hat man Sie schon über Ihre Rechte aufgeklärt?«

Der Gangster presste die Lippen zusammen, dass sie nur noch einen dünnen, messerrückenscharfen Strich bildeten. Hart traten die Backenknochen in seinem Gesicht hervor. Hass glitzerte in seinen Augen.

»Bringen Sie Alvarez und Sommerset ins Field Office«, wies ich den Teamleiter des SWAT-Kommandos an. »Der Rest der Bande kann nach Rikers Island überführt werden. Stellen Sie bitte die Namen fest und fertigen Sie einen Bericht, den Sie uns zuleiten. Die weiteren Ermittlungen übernimmt das FBI.«

»In Ordnung, Special Agent.«

Wir hatten in dieser Nacht dem organisierten Verbrechen in New York einen empfindlichen Schlag versetzt. Ich verspürte ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit und der Genugtuung.

Am Morgen holte ich Phil ab. Wir fuhren gemeinsam zum Field Office. »Du siehst nicht gerade ausgeschlafen aus, Partner«, knurrte Phil und gähnte herzhaft.

»Du hast dich heute wohl noch nicht im Spiegel betrachtet?«, gab ich zurück. »Müder Blick, dunkle Ringe unter den Augen, hängende Unterlippe – du bist nur halbwertig, alter Freund. Was hast du denn in der Nacht getrieben?«

»Ha, ha«, machte Phil und verzog den Mund.

Ich grinste. Tatsächlich spürte ich Müdigkeit. Wir waren nach der Aktion auf den Greenpoint Piers erst gegen Morgen ins Bett gekommen. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn ich mich überhaupt nicht niedergelegt hätte. Ich hätte mir einen starken Kaffee kochen und ihn trinken sollen. Jetzt war ich wie erschlagen.

Ich steuerte den Jaguar durch das morgendliche Verkehrschaos von Manhattan und regte mich einmal mehr über das Unvermögen anderer Autofahrer auf. Es war ein grauer Tag. Tief hingen die Wolken über dem Big Apple. Wir hatten Ende März, und der Frühling focht einen heftigen Kampf gegen den Winter aus. Das Wetter war deprimierend.

Nun, wir erreichten die Federal Plaza, ich fand in der Tiefgarage des Bundesgebäudes einen Parkplatz, mit dem Aufzug fuhren wir hinauf in den dreiundzwanzigsten Stock und suchten unser Büro auf. Ich zog meine Lederjacke aus und hängte sie über die Stuhllehne, lockerte den Knoten meiner Krawatte ein wenig und fuhr meinen Computer hoch. In dem Moment, als ich mein Kennwort eintippen wollte, läutete mein Telefon. Ich schnappte mir den Hörer, hob ihn vor mein Gesicht und nannte meinen Namen.

Es war Helen. »Du und Phil, ihr sollt gleich mal zu Mr. High kommen.«

»Wir kommen.« Ich legte auf. »Zum Chef.« Mein Zeigefinger stach in Richtung Tür.

Zwei Minuten später betraten wir Helens Büro. Die Verbindungstür zum Büro des Assistant Directors war geschlossen. Es roch nach frischem Kaffee. Helen lächelte und sagte: »Geht nur hinein. Der Kaffee kommt gleich.«

Ich klopfte gegen die Tür, und ohne die Aufforderung, einzutreten, abzuwarten, öffnete ich sie. Mr. High und ein weiterer Mann saßen an dem kleinen Konferenztisch, um den einige gepolsterte Stühle gruppiert waren. »Treten Sie ein, Gentlemen«, sagte der Assistant Director. Und als wir das Büro betreten hatten, fuhr Mr. High fort: »Das ist Dr. Miguel Santoz aus Asunción, Paraguay.« Der schwarzhaarige Mann, der Mitte der vierzig sein mochte, erhob sich und lächelte. Der Chef wies auf Phil und mich und fuhr fort: »Das sind die Special Agents Cotton und Decker. Ich habe Ihnen von den beiden erzählt.«

Wir schüttelten Dr. Santoz die Hand, dann forderte der Chef uns auf, Platz zu nehmen. Als wir saßen, ergriff er sogleich das Wort. »Dr. Santoz ist Rechtsanwalt. Er ist im Auftrag von UNICEF in die Staaten gekommen. Bitte, Dr. Santoz, erklären Sie meinen Agents, in welcher Mission Sie hier sind.«

Helen betrat das Büro. Sie brachte eine Thermoskanne voll Kaffee, schenkte uns ein und stellte die Kanne in die Tischmitte. Und während wir den Kaffee mit Milch und Zucker aufbereiteten, begann Dr. Santoz zu sprechen. Er sagte: »Es geht um illegale Adoptionen in den USA. In den letzten fünf Jahren wurden hunderte von Babys in Paraguay geraubt und entführt, man hat sie zum Teil buchstäblich aus den Leibern ihrer Mütter herausgerissen. Viele dieser Kinder sind an Paare in den Vereinigten Staaten verkauft worden. Meine Aufgabe ist es, die Hintermänner des Kinderhandels zu entlarven und ihnen mit Hilfe der örtlich zuständigen Polizei das schmutzige Handwerk zu legen.«

»Haben Sie schon eine Spur?«, fragte ich.

»Wir haben in Asunción das Büro eines Rechtsanwalts durchsucht. Er steht im Verdacht, Organisator des Kinderhandels in Paraguay zu sein.« Santoz machte eine kurze Pause, dann fuhr er fort: »Die Adoption eines Kindes aus Paraguay ist an eine Reihe von Anforderungen geknüpft. Paraguay ist einer der Vertragsstaaten des Haager Übereinkommens über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption. Die Staaten, die das Übereinkommen ratifizierten, haben sich auf einen rechtlichen Rahmen geeinigt, in dem die Ziele des Übereinkommens festgeschrieben wurden. Vorrangig sind Sicherstellung des Kindeswohls und die Wahrung der Grundrechte bei internationalen Adoptionen, außerdem die Verhinderung von Kinderhandel.«

Der Rechtsanwalt aus Paraguay ließ seine Worte kurze Zeit wirken.

»Von Juan Mendoza, das ist der Anwalt, den wir des Kinderhandels verdächtigen, führt die Spur in die Staaten. Wir sind auf einen Namen gestoßen: Jim Baldwin. Wir nehmen an, dass es sich bei Baldwin um den Verbindungsmann von Mendoza in den USA handelt.«

»Gibt es sonst irgendwelche Erkenntnisse?«, fragte ich.

»Baldwin lebt in New York«, erklärte Mr. High. »Er betreibt in der Wooster Street ein Im- und Exportgeschäft und verfügt über eine eigene Seite im Internet. Unter anderem verweist er auf seine Verbindungen nach Paraguay.«

»Wie laufen die Adoptionen ab?«, fragte Phil.

»Man versucht den Wünschen der potentiellen Eltern gerecht zu werden. Geeignete Kinder findet man zum Beispiel in Waisenhäusern. Es sind oft langwierige Prozesse, bis es zu einer Adoption kommt. Dieses Procedere versucht man zu umgehen. Die Babyhändler gehen in die Slums. Junge Mütter verkaufen ihre Neugeborenen, weil sie sie nicht ernähren können. Wenn sich kein geeignetes Baby auf diesem Weg findet, greift man zu kriminellen Methoden. Wie ich schon sagte: Es kommt zu Entführungen. Das geht so weit, dass die Babys sogar aus den Krankenhäusern geraubt werden. Die Adoptionspapiere werden gefälscht. Die Ehepaare, die die Kinder adoptieren, wissen wahrscheinlich gar nicht, woher die Kinder kommen.«

»Aber sie wenden sich doch an die Babyhändler, um legale Wege zu vermeiden«, sagte ich. »Also wissen sie auch, dass ihr Tun illegal ist.«

»Sicher wissen sie das«, antwortete Santoz. »Das nehmen sie in Kauf, Hauptsache ihr Wunsch nach einem Kind wird erfüllt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie keine Ahnung haben, woher das jeweilige Kind stammt. Es gibt Fälle, in denen junge Frauen, die kurz vor der Entbindung standen, entführt und ermordet wurden. Die Kinder hat man ihnen aus dem Leib geschnitten. Den Babyhändlern ist nichts heilig.«

»Ich möchte Sie bitten, Jerry, Phil, sich des Falles anzunehmen«, sagte Mr. High. »Bei Ihnen weiß ich die Sache in den besten Händen.«

»Haben Sie sonst noch irgendetwas?«, fragte ich an Santoz gewandt. »Die Adressen von Ehepaaren, die gegebenenfalls eines dieser Kinder adoptiert haben.«

»Mendoza schweigt verbissen. Die einzige Spur, die in die USA führt, endet bei diesem Jim Baldwin.«

»Dann werden wir uns diesen Mister wohl zur Brust nehmen müssen«, bemerkte Phil.

Mr. High nickte. »Kümmern Sie sich drum. Solche Missstände dürfen wir nicht dulden. – Wie verlief Ihr Einsatz in der Nacht?«

»Ein voller Erfolg«, versetzte ich. »Alvarez und Sommerset sind auf Nummer sicher, ihre Helfershelfer ebenfalls. Wir haben einige Millionen Dollar und eine große Menge von Heroin sichergestellt. Dieses Mal kommt Sommerset nicht mehr davon.«

»Gute Arbeit«, lobte der AD und heftete seinen Blick auf Dr. Santoz. »Eines unserer großen Probleme ist der Drogenhandel. New York ist ein Drogenumschlagplatz. Wir führen gewissermaßen einen Kampf gegen Windmühlenflügel, haben aber dennoch immer wieder gute Erfolge zu verzeichnen.«

Während wir unseren Kaffee tranken, sprachen wir über dieses und jenes. Dann begaben wir uns in unser Büro, ich holte die Homepage von Baldwins Im- und Export auf den Bildschirm und machte mich kundig. Phil schaute mir über die Schulter. Dann fuhr ich den Computer herunter, zog meine Jacke an und sagte: »Wooster Street 265. Es ist nur ein Katzensprung.«

»Wenn Baldwin Dreck am Stecken hat, wird er uns das nicht sagen«, gab Phil zu verstehen. »Wir werden seinen Betrieb und wahrscheinlich auch seine Wohnung durchsuchen müssen. Ich werde das Police Department informierten und einige Leute anfordern.«

»Gute Idee.«

Phil telefonierte. Dann notierte er eine Telefonnummer. Den Zettel legte er in seine Brieftasche und dann sagte er: »Sie schicken ein Team in die Wooster Street. Über diese Nummer kann ich mit dem Einsatzleiter Verbindung aufnehmen.«

»Aha. Ich dachte schon, eine hübsche Kollegin hat dir ihre Telefonnummer gegeben.«

»Witzbold.«

Wir fuhren nach SoHo. Vor dem Gebäude Nummer 265 fand ich keinen Parkplatz, sodass wir ein Stück laufen mussten. Die Gehsteige waren voller Menschen. Es war nasskalt. Ich hätte wohl doch besser meinen Übergangsmantel angezogen. Es handelte sich um ein reines Geschäftshaus. Die Büroräume der Im- und Exportfirma befanden sich in der zweiten Etage. In der Halle des Gebäudes gab es eine Rezeption mit einem Doorman. Er musterte uns fragend.

»Zu Jim Baldwin«, sagte ich.

»Soll ich Sie anmelden?«

»Nicht nötig.«

Der Mann zuckte mit den Achseln. Wir nahmen die Treppe. Das Treppenhaus war hell und großzügig. Einige Leute kamen uns entgegen. Grußlos schritten sie an uns vorüber. Dann erreichten wir die zweite Etage. Baldwins Betrieb befand sich im rechten Flur. Eine doppelflügelige Tür aus Milchglas trennte den Korridor vom Treppenhaus. Ich stieß sie auf und dann standen wir in einem Flur, von dem mehrere Türen nach beiden Seiten abzweigten. An der Wand neben den Türen waren Namensschilder angebracht, eine Tür war mit der Aufschrift »Sekretariat« versehen. Phil klopfte. »Herein!«, ertönte eine Frauenstimme, mein Kollege öffnete die Tür. Eine Lady mittleren Alters saß an einem Computer. Sie war dunkelhaarig, die Brille, die sie trug, war schwarz eingefasst, ihr Lippenstift war dunkelrot und ihre Nägel waren schwarz lackiert. Sie schien ein Fabel für dunkle Farben zu haben.

»Was kann ich für Sie tun?«

Ich übernahm es, uns vorzustellen. Zur Untermauerung meiner Angaben zeigte ich ihr meine ID-Card. Dann trug ich unser Anliegen vor: »Wir möchten zu Mr. Baldwin.«

»Sie haben keinen Termin«, stellte sie fest. Es klang ziemlich energisch.

»Wenn es trotzdem möglich wäre, ihn zu sprechen.« Phil lächelte die Lady entwaffnend an.

»Darf ich fragen, in welcher Angelegenheit?«

»Das werden wir Mr. Baldwin selbst erklären«, antwortete ich und verspürte Ungeduld. Schließlich wollten wir nicht den Präsidenten der Vereinigten Staaten, sondern lediglich den Chef einer Im- und Exportfirma sprechen. Und der hatte den Ermittlungen der Bundespolizei gefälligst zur Verfügung zu stehen.

»Mr. Baldwin hat gerade Besuch. Warten Sie mal …« Die Sekretärin angelte sich den Telefonhörer, tippte eine Kurzwahl und sagte dann: »Hier sind zwei Special Agents vom FBI, Sir, die Sie gerne sprechen würden.« Sie lauschte kurze Zeit, dann sagte sie: »Ich werde es den beiden bestellen. Vielen Dank, Sir.« Sie legte auf und wandte sich an uns. »Wenn Sie sich noch eine Viertelstunde gedulden würden.«

»Was ist schon eine Viertelstunde gemessen am Alter des Sonnensystems?«, philosophierte Phil.

Die Lady warf ihm einen strengen Blick zu, dann sagte sie: »Warten Sie bitte draußen auf dem Flur. Da stehen Stühle.«

Wir verließen das Büro. Während Phil sich setzte, schaute ich mir die Bilder an den Wänden an. Es waren Kunstdrucke und zeigten die Werke moderner Maler. Hin und wieder schaute ich auf die Uhr. Ich war gespannt auf den Mann, von dem Dr. Miguel Santoz vermutete, dass er den illegalen Kinderhandel in den Staaten organisierte. Die Zeit schien stillzustehen.

Aber sie stand nicht still, und die Viertelstunde verstrich. Aus dem Zimmer der Sekretärin kamen zwei Männer, schossen uns einen schnellen Blick zu und wandten sich in Richtung Treppenhaus. Wir blickten ihnen hinterher, da erschien auch schon die Sekretärin und sagte: »Wenn ich bitten darf.«

Erneut betraten wir ihr Büro. Sie öffnete die Verbindungstür zum Büro von Jim Baldwin und vollführte eine einladende Handbewegung. Dabei lächelte sie starr. Ich konnte mich plötzlich des Eindrucks nicht erwehren, dass unser Besuch bei dieser Lady zu Unbehagen führte. Der Grund hierfür entzog sich jedoch meinem Verstand.

Jim Baldwin war ein dunkelhaariger Mann Mitte der vierzig; groß, schlank, solariengebräunt – ein Frauentyp. Er stand hinter seinem Schreibtisch, musterte uns durchdringend und fragte: »Was verschafft mir die Ehre, Special Agents?«

Ich stellte zunächst mich und Phil vor und wies mich aus. Baldwin forderte uns nicht auf, an dem Besuchertisch in der Ecke seines großen Büros Platz zu nehmen. Irgendwie wirkte er unruhig. Sein Blick war unstet. Sein Gesicht verriet Anspannung.

»Es dauert vielleicht länger«, sagte ich. »Und im Sitzen spricht es sich leichter.«

»Oh, sorry, bitte, nehmen Sie Platz.«

Wir ließen uns nieder und Baldwin setzte sich zu uns. Die Sekretärin war wieder verschwunden und hatte die Tür geschlossen.

Ich beugte mich ein wenig nach vorn. »Es geht um illegale Adoptionen.«

Baldwins Brauen schoben sich zusammen. Über seiner Nasenwurzel bildeten sich zwei senkrechte Falten. »Ich verstehe nicht.«

»Um Kinder aus Paraguay, die in die Staaten entführt und hier an adoptionsbereite Eltern vermittelt werden«, verdeutlichte Phil.

»Warum kommen Sie damit zu mir?« Baldwin lehnte sich auf dem Stuhl zurück. Er hüllte sich in Arroganz. Ich war der Meinung, dass er sich zwang, ein hohes Maß an Ruhe zu verströmen, was ihm jedoch nicht so richtig gelingen wollte. Seine Augen flackerten.

»In Asunción wurde ein Rechtsanwalt namens Juan Mendoza hochgenommen. Er wird verdächtigt, Organisator des Kinderhandels in Paraguay zu sein. In seinen Unterlagen wurde Ihr Name entdeckt.«

»Na und? Ich besitze eine Im- und Exportfirma und stehe mit Kunden in Paraguay in Verbindung. Was ist daran außergewöhnlich?«

»UNICEF hat sich eingeschaltet«, erklärte Phil. »Ein Rechtsanwalt aus Asunción, sein Name ist Dr. Miguel Santoz, der im Auftrag der UNICEF auftritt, befindet sich in New York. Er soll dem Kinderhandel hier auf den Grund gehen. Er hat mit dem FBI Verbindung aufgenommen.«

»Was soll ich dazu sagen?«

»Sie brauchen dazu nichts zu sagen«, versetzte ich. »Wo wohnen Sie?«

»Warum wollen Sie das wissen?«

»Sagen Sie’s mir.«

»Queens, 211 44th Avenue, gleich beim Park.« Die Unrast, die Baldwins Gesicht prägte, verstärkte sich. Er knetete jetzt seine Hände. Seine Überheblichkeit war wie weggeblasen. Er schluckte öfter als normal.

Ich nickte Phil zu. Der zog sein Handy aus der Jackentasche, holte den Zettel heraus, auf dem er sich die Nummer des Kollegen aus dem Police Department notiert hatte, wählte sie und sagte: »Mr. Baldwin wohnt in Queens, 44th Avenue Nummer 211. Schicken Sie ein Team zu der Adresse und lassen Sie die Wohnung auf den Kopf stellen? – Außerdem können Sie nun auch hier in Aktion treten. Kommen Sie in das Büro von Mr. Baldwin. Da sind mein Kollege und ich anzutreffen.«

Wie von Schnüren gezogen hatte sich Baldwin erhoben. Er mutete sprungbereit an, wie ein Mann, der sich im nächsten Moment herumwerfen und die Flucht ergreifen würde. »Habe ich Sie richtig verstanden?«

»Ich denke schon.«

»Ich rufe meinen Anwalt an!«, presste Baldwin hervor.

»Das bleibt Ihnen unbenommen«, erklärte ich. »Allerdings wird er die Haussuchung nicht aufhalten können.«

In Baldwins Augen blitzte es auf. »Haben Sie überhaupt einen Durchsuchungsbefehl?«

»Bei Gefahr im Verzuge können wir den nachreichen.«

Die Kiefer des Burschen mahlten. Sein Blick irrte zwischen Phil und mir hin und her. Plötzlich durchfuhr ihn ein Ruck und er setzte sich in Bewegung, ging zu seinem Schreibtisch, nahm den Telefonhörer, tippte eine Nummer und sagte: »Clara, rufen Sie Warren Sinclair, meinen Rechtsanwalt an und stellen Sie das Gespräch durch. Gleich, Clara.« Er knallte den Hörer auf den Apparat und wandte sich uns zu. »Ich – ich werde mich über Sie beschweren!«

Es beeindruckte uns nicht im Geringsten. Fünf Minuten später wurde gegen die Tür geklopft. Phil öffnete. Der Mann, der den Raum betrat, stellte sich als Sergeant Wesley Taylor vor. Ich sagte: »Lassen Sie von Ihren Leuten sämtliche Büros durchsuchen, Sergeant. Worum es geht, wissen Sie. Unterlagen, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen, werden beschlagnahmt und ins FBI-Hauptquartier gebracht.«

Mein Handy läutete. Es war der Assistant Director. »Wie sieht es aus, Jerry?«, fragte er.

»Baldwin zeigt sich völlig unbedarft. Aber das war nicht anders zu erwarten. Wir haben das Team aus dem Police Department mobilisiert. Es wird sowohl den Laden als auch die Wohnung von Baldwin auf den Kopf stellen.«

»Gut«, meinte der AD. »Ach ja. Ich habe auf Sommerset und Alvarez zwei unserer Vernehmungsspezialisten angesetzt. Die werden die beiden in die Mangel nehmen. Ich denke, dass wir spätestens mittags ein Geständnis von ihnen haben.«

»Angesichts der Beweislage wird ihnen schon gar nichts anderes übrig bleiben«, antwortete ich.

»Melden Sie sich bei mir, sobald Sie ins Field Office zurückkehren.«

»Klar, Sir.« Ich unterbrach die Verbindung.

Wir fanden nichts. Weder in Baldwins Wohnung noch in seinem Betrieb gab es irgendwelche Hinweise, dass er die Finger im illegalen Adoptionsgeschäft hatte.

Wir mussten unverrichteter Dinge abziehen.

»Das hat ein Nachspiel«, drohte Baldwin. Sein Rechtsanwalt war immer noch nicht aufgetaucht.

»Ihrer Beschwerde sehen wir mit Gelassenheit entgegen«, erklärte ich. »Wir können nämlich unser Vorgehen rechtfertigen.«

Baldwin knirschte mit den Zähnen.

Zurück im Field Office begaben wir uns sofort in das Büro unseres Chefs. Viel gab es nicht zu berichten. Wortlos hörte Mr. High zu. Als ich geendet hatte, sagte er: »Es war also ein Schuss in den heißen Ofen. Fakt ist jedoch, dass die Ermittler in Paraguay in der Kanzlei dieses Anwalts … Wie war doch gleich wieder sein Name?«

»Juan Mendoza.«

»Genau. In seinem Büro sind die Ermittler auf den Namen Jim Baldwin gestoßen. Eine Geschäftsverbindung zu dem Rechtsanwalt konnte nicht festgestellt werden. Also muss Baldwin zu ihm in anderer Verbindung gestanden haben. Vielleicht betreibt er seine illegalen Geschäfte weder von seinem Betrieb noch von zu Hause aus.«

Ich wechselte mit Phil einen bedeutungsvollen Blick. »Eventuell sollten wir Jim Baldwin einige Zeit observieren«, regte ich an.

»Von Santoz weiß ich, dass Mendoza laufend verhört wird«, ergriff wieder Mr. High das Wort. »In Paraguay ist man vielleicht weniger zimperlich im Umgang mit Verdächtigen. Es besteht also Hoffnung, dass Mendoza redet. Apropos: Alvarez ist zusammengebrochen und hat ein Geständnis abgelegt. Er versorgt Sommerset seit über zwei Jahren mit Drogen, und zwar im großen Stil. Nun haben wir den Gangster am Haken. Die Freiheit wird er so schnell nicht wiedersehen.«

»Sehr gut«, sagte Phil.

»Ich verlasse mich lieber nicht darauf, dass Mendoza redet«, erklärte ich. »Darum werden wir Baldwin einige Zeit beobachten. Sein Verhalten und seine Körpersprache ließen den Schluss zu, dass er nicht ganz so unbedarft ist, wie er sich gibt. Dass man im Büro des Rechtsanwalts in Paraguay auf seinen Namen gestoßen ist, hat sicher seinen Grund. Wenn Baldwin seine Finger in dem schmutzigen Spiel hat, dann kriegen wir ihn.«

»Das klingt wie ein Versprechen«, murmelte Phil.

»Es ist ein Versprechen. Mein Gefühl sagt mir, dass Baldwin in illegale Geschäfte verwickelt ist. Menschenhandel ist eines der schäbigsten Verbrechen, das ich mir denken kann. Und wenn sich die Gelegenheit ergibt, einem dieser skrupellosen Gangster das Handwerk zu legen, müssen wir sie beim Schopf ergreifen.«

Nur selten zeigte ich mich dermaßen emotional. In der Regel erledigte ich meinen Job mit kühler Sachlichkeit. Der Gedanke an das Leid und die Verzweiflung, die diese Verbrecher heraufbeschworen, ließ bei mir jedoch keine andere Reaktion zu. Diese Gangster gingen mit erschreckender Kaltblütigkeit und Gewissenlosigkeit vor. Ihre Habgier kannte keine Grenzen. Kein Land der Welt durfte den Handel mit Kleinkindern und Babys dulden. Jeder Mensch, egal welcher Rasse und Hautfarbe, musste Abscheu davor empfinden.

»Wenn er in dieser Inszenierung mitwirkt«, knurrte der AD, »dann klopfen Sie ihm auf die Finger, Agents. Dann ist er die Luft nicht wert, die er atmet.«

Dr. Miguel Santoz telefonierte. Er hatte sich im »Westpark« eingemietet, einem Hotel in der 58th Street, zwischen Eight und Ninth Avenue. Es war 19 Uhr vorbei. Draußen war es noch hell. Ein böiger Wind trieb Regentropfen gegen die Fensterscheiben.

Der Rechtsanwalt aus Paraguay machte sich einige Notizen. Dann sagte er auf Spanisch: »Nehmt Mendoza weiterhin in die Mangel. Vor allen Dingen will ich wissen, welche Rolle Jim Baldwin spielt. Ich habe hier in New York mit dem FBI Verbindung aufgenommen. Bei Baldwin gab es eine Hausdurchsuchung, doch sie brachte keine Erkenntnisse. Ich halte dich auf dem Laufenden.«

Nach diesen Worten verabschiedete er sich und legte auf. Dann zog Santoz seine Jacke an, warf noch einen Blick auf den Zettel, schob ihn ein und verließ das Zimmer. Wenig später trat er ins Freie. Er ging zur Eight Avenue und winkte einem Taxi, und als er im Fond des Wagens saß, sagte er: »132 East 17th Street, bitte.«

Das Yellow Cab brachte ihn nach Süden. Vor dem Gebäude Nummer 132 bezahlte Santoz den Taxifahrer, dann stieg er aus. Die Haustür war nicht verschlossen. Es handelte sich um ein zwölfstöckiges Gebäude, in dem auch eine Rechtsanwaltskanzlei und ein Steuerberater untergebracht waren. In der Halle gab es eine Rezeption, aber sie war verwaist. Neben der Treppe befanden sich zwei Aufzüge. Santoz entschied sich für die Treppe.

Einen Moment fragte er sich, ob es gut war, was er tat. Man war in Mendozas Unterlagen auf den Namen und die Adresse gestoßen. Vielleicht wäre es besser gewesen, das FBI zu involvieren.

Santoz warf seine Bedenken über Bord. Er war in New York, um der Sache auf den Grund zu gehen. Seiner Pflicht, die zuständige Polizeibehörde in Kenntnis zu setzen, war er nachgekommen. Seine Vorgehensweise wollte er sich jedoch nicht von irgendwelchen amerikanischen Beamten vorschreiben lassen.

In der zweiten Etage wurde Santoz fündig. Auf dem Türschild stand der Name T. Shannon. Santoz’ Gesicht nahm einen entschlossenen Ausdruck an. Er legte seinen Finger auf den Klingelknopf. Der Klingelton war durch die geschlossene Tür zu hören. Durch die Linse des Spions glitzerte Licht. Jetzt verdunkelte sie sich, dann wurde die Tür einen Spaltbreit aufgezogen. »Was wünschen Sie?«, fragte der Mann, der geöffnet hatte. Sein halbes Gesicht wurde vom Türblatt verdeckt. Er mochte um die fünfunddreißig Jahre alt sein.

»Sind Sie Mr. Tom Shannon?«

»Ja.«

»Mein Name ist Dr. Miguel Santoz. Ich bin im Auftrag der UNICEF in New York.«

Tom Shannon schluckte würgend. Jähe Unruhe prägte seine Miene. »Was wollen Sie?«, fragte er mit belegter Stimme.

»Sie haben ein Kind aus Paraguay adoptiert, nicht wahr?«

Shannon nickte. »Ramon. Er ist ein halbes Jahr alt. Warum fragen Sie?«

»Können wir in der Wohnung darüber reden?«

»Bitte, kommen Sie herein.«

Shannon ließ den Rechtsanwalt an sich vorbei. In einem Sessel saß eine junge, hübsche Frau mit dunklen Haaren. Der Fernseher lief. Tom Shannon sagte: »Das ist meine Frau Carrie. Carrie, das ist Dr. Santoz. Er kommt im Auftrag der UNICEF. Es – es ist wegen Ramon.«

Die junge Frau atmete tief durch, sagte aber nichts, sondern nickte dem Besucher lediglich zu.

»Nehmen Sie Platz, Dr. Santoz«, sagte Shannon. Und als der Rechtsanwalt saß, fragte er: »Was ist mit Ramon? Ist irgendetwas nicht in Ordnung?«

»Ich möchte die Adoptionspapiere sehen.«

»Sie sind von der Zentralen Adoptionsbehörde in Paraguay ausgestellt«, gab Shannon zu verstehen. »Wir haben den Antrag bei der Vermittlungsstelle eingereicht und …«

»Wir sind auf Ihren Namen im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen einen Rechtsanwalt in Paraguay gestoßen, den wir verdächtigen, Kinderhandel zum Zwecke der Adoption in Ländern wie Amerika zu betreiben.«

Von Carrie Shannon kam ein erschreckter Laut. Sie presste die linke Hand auf ihren Halsansatz. Als Santoz den Blick auf sie richtete, schaute sie schnell weg.

Tom Shannon erhob sich, verschwand in einem angrenzenden Raum und schloss hinter sich die Tür.

Betretenheit machte sich breit. Carrie Shannon sagte: »Leider war ich nicht in der Lage, Kinder zu gebären. Nachdem uns dies von zwei Ärzten bescheinigt wurde, entschlossen wir uns zur Adoption. Vor drei Monaten bekamen wir Ramon.«

»Wenn Sie ordnungsgemäße Papiere der Zentralen Adoptionsbehörde vorweisen können, brauchen Sie nichts zu befürchten, Mrs. Shannon«, erklärte Santoz. »Sie müssen wissen, dass die Zahl der illegalen Adoptionen von Jahr zu Jahr zunimmt. Die Menschenhändler werden immer dreister. Das betrifft nicht nur Paraguay, sondern auch Brasilien, Argentinien, Kolumbien …«

Tom Shannon kam ins Wohnzimmer zurück. Er hielt eine dünne Mappe in der Hand, die er Santoz reichte. »Sehen Sie selbst. Das sind die Adoptionspapiere. Alles hat seine Ordnung.«

Santoz nahm die Mappe, schlug sie auf und blätterte darin herum. Dann heftete er seinen Blick auf Shannon: »Kennen Sie einen Mann namens Jim Baldwin?«

In Shannons Mundwinkeln zuckte es. Er schoss seiner Frau einen gehetzten Blick zu. Nachdem er sich einige Male mit der Zungenspitze über die Lippen geleckt hatte, antwortete er: »Der Name sagt mir nichts. Wer ist Jim Baldwin? Was hat es mit ihm auf sich?«

Santoz winkte ab. »Auf den ersten Blick sehen die Papiere echt aus«, gab er zu verstehen. »Fraglich ist, ob sie tatsächlich echt sind. Ich muss sie mitnehmen und morgen mit der Zentralen Adoptionsbehörde in Paraguay Verbindung aufnehmen.«

»Sie werden verstehen, dass ich die Papiere nicht aus der Hand gebe«, stieß Shannon hervor. »Vor allen Dingen überlasse ich sie keinem, der sich nicht einmal ausgewiesen hat.« Shannon holte Luft. »Ramon stammt aus einem Waisenhaus in Asunción. Seine Eltern kamen bei einem Verkehrsunfall ums Leben, als er einen Monat alt war. Wir …«

Santoz unterbrach ihn. »Es besteht der Verdacht, dass die Adoption nicht auf legalem Weg durchgeführt wurde. Nun, ich kann Sie nicht zwingen, mir die Papiere auszuhändigen. Also werde ich morgen wiederkommen und zwei FBI-Agents mitbringen. Ein entsprechender Beschlagnahmebeschluss dürfte nur Formsache sein.« Santoz erhob sich und legte den dünnen Hefter auf den Tisch. »Falls Sie sich an einen Kinderhändler gewandt haben, um eine Reihe lästiger Vorschriften zu umgehen, dann sollten sie mir das sagen und mir Namen nennen. Es wäre einfacher für mich – und auch für Sie.«

»Was – was geschieht mit Kindern, die auf illegalem Weg in die Staaten gekommen sind?«, fragte Carrie Shannon mit brüchiger Stimme.

»Sie werden in ihre Herkunftsländer zurückgebracht. Wenn sie Eltern haben, werden sie diesen übergeben. Wenn nicht, kommen sie in ein Waisenhaus.«

Die Augen der Frau begannen feucht zu schimmern. Tom Shannon erhob sich schnell und trat hinter den Sessel, in dem seine Frau saß, legte ihr beide Hände auf die Schultern und stieß hart hervor: »Wir haben Papiere. Die Adoption erfolgte auf legalem Weg. Wir müssen keine Angst haben, dass uns Ramon weggenommen wird.«

»Dann können Sie mir die Papiere ja guten Gewissens überlassen.«

»Nein!« Es klang abschließend und endgültig.

»Dann muss ich morgen wiederkommen«, murmelte Santoz. »Wie es aussieht, haben Sie etwas zu verbergen.«

»Wo kann ich Sie gegebenenfalls erreichen?«, fragte Shannon.

»Sie wollen noch einmal drüber nachdenken?«

Shannon biss die Zähne zusammen und gab darauf keine Antwort.

»Sie sollten es sich noch einmal überlegen«, sagte Santoz eindringlich. »Es ist Menschenhandel. Man stiehlt jungen Müttern die Kinder und verkauft sie an Leute wie Sie, die gerne ein Kind haben würden aber keines bekommen können. Können Sie sich vorstellen, wie viel Leid man damit den Familien der Kinder bereitet? Möchten Sie mitschuldig daran sein, dass die Mutter des kleinen Ramon sich vielleicht irgendwo in Paraguay die Augen ausweint, weil man ihr das Kind geraubt und sie keine Ahnung über dessen Schicksal hat?«

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