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Die neue Trinkwasserverordnung

Robert Färber
Dr. Regina Kolch
Michael Reichmann
Daniel Schwagenscheidt

Die neue Trinkwasserverordnung

Praxisnahe Umsetzung der trinkwasserrechtlichen Vorschriften

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.dnb.de abrufbar.

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Vorwort

Um die geänderten Anhänge II und III der europäischen Trinkwasserrichtlinie 98/83/EG in deutsches Recht umzusetzen, wurde die Trinkwasserverordnung durch die vierte Änderungsverordnung 2018 umfassend überarbeitet. Nach der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt am 08.01.2018 ist die neue Fassung der Verordnung am 09.01.2018 in Kraft getreten.

Ziel der Trinkwasserverordnung ist es, den Schutz der Trinkwasserqualität in Deutschland zu gewährleisten, indem Regelungen bzgl. der Trinkwassergewinnung sowie der Zurverfügungstellung von Trinkwasser vorgegeben werden. Die Verordnung regelt somit die Qualität des Wassers, aber auch die Verantwortlichkeiten und Pflichten, die damit zusammenhängen.

Dieses Fachbuch thematisiert die gesetzlichen Vorgaben, die durch die neue Trinkwasserverordnung gemacht werden, erläutert sämtliche Regelungen und weist auf die Neuerungen hin, die nun zu beachten sind. Immer wieder ergänzen Praxistipps und Hinweise die Ausführungen sowie den kommentierten Verordnungstext und bieten bei der korrekten, rechtssicheren Umsetzung der Anforderungen Hilfestellungen.

Kapitel 1 des vorliegenden Fachbuchs führt in die Thematik ein und stellt die Grundlagen zur Beschäftigung mit der Trinkwasserverordnung dar. Neben einer Erläuterung der rechtlichen Grundlagen werden Aufbau und Ziele der Verordnung (§ 1 TrinkwV), Anwendungsbereich (§ 2 TrinkwV) sowie grundlegende Begriffe (§ 3 TrinkwV) dargestellt und kommentiert.

Die Beschaffenheit des Trinkwassers, die durch Abschnitt 2 der Verordnung geregelt wird, wird in Kapitel 2 behandelt: Neben allgemeinen Anforderungen (§ 4 TrinkwV) werden sämtliche Anforderungen an das Trinkwasser (§§ 5 bis 7 TrinkwV) in Deutschland vorgestellt; auch wie mit Grenzwerten (§§ 9 und 10 TrinkwV) umzugehen ist, erfahren Sie in diesem Kapitel.

Kapitel 3 thematisiert die Bereiche rund um Aufbereitung und Desinfektion (§ 11 TrinkwV) und führt zudem aus, wie es sich mit Ausnahmegenehmigungen (§ 12 TrinkwV) verhält. Zudem ist die Liste des Umweltbundesamts (UBA) zu Aufbereitungsstoffen und Desinfektionsverfahren Thema dieses Kapitels.

Die Pflichten des Unternehmers und des sonstigen Inhabers (UsI) einer Wasserversorgungsanlage kommentiert ausführlich Kapitel 4. Hier werden Anzeige-, Untersuchungs- und Handlungspflichten (§§ 13 bis 16 TrinkwV) dargestellt und mit Praxistipps kommentiert. Außerdem wird das Thema Untersuchungsstellen behandelt, und die Anforderungen an Anlagen für die Gewinnung, Aufbereitung oder Verteilung von Trinkwasser (§ 17 TrinkwV) werden erläutert.

Die Rolle des Gesundheitsamts (§§ 18 bis 20 TrinkwV) sowie alles zu Verbraucherinformationen und Berichtspflichten (§ 21 TrinkwV) enthält Kapitel 5 dieses Fachbuchs.

Den Abschluss bildet Kapitel 6, das neben Ausführungen zu Haftung und Verantwortung nach der neuen Trinkwasserverordnung die Bereiche der Straftaten (§ 24 TrinkwV) und Ordnungswidrigkeiten (§ 25 TrinkwV) behandelt sowie schließlich mit Beispielen aus der Rechtspraxis die Regelungen verdeutlicht.

FORUM VERLAG HERKERT GMBH

Merching, im Mai 2018

Autorenverzeichnis

Robert Färber

(Kapitel 3 und 5)

Robert Färber (geb. 1960 in München) machte eine Ausbildung als Trinkwasser-Hygienetechniker. Als Sachverständiger und Gutachter für Trinkwasserhygiene ist er bei einer Vielzahl von Unternehmen im Bereich Gefährdungsanalysen und Bewertung von hygienischen Mängeln an Trinkwasser-Installationen tätig. Zudem arbeitet er im VDI (Verband Deutscher Ingenieure) und weiteren Verbänden der Wohnungswirtschaft mit.

Robert Färber ist zudem Autor von Publikationen im Bereich Facility Management, Property Management und Trinkwasserhygiene. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender im VDI-Ausschuss „Betreiben und Instandhalten von Trinkwasser-Installationen“ sowie im VDI-Ausschuss „Betreiben und Instandhalten von Gebäuden“.

Dr. Regina Kolch

(Kapitel 4)

Dr. Regina Kolch (geb. 1964) lebt mit ihrer Familie in Herford. Nach dem Studium der Biologie an der Universität zu Köln und der Promotion an der RWTH Aachen war Dr. Kolch in den Bereichen Lüftungstechnik für Profiküchen und Vertrieb von UV-Strahlern für Wasserdesinfektionsanlagen tätig. In den letzten Jahren ist Dr. Regina Kolch zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und arbeitet nun im Bereich Trinkwasserhygiene.

In ihrer derzeitigen Funktion bei der Domatec GmbH unterstützt sie nicht nur die Kunden bei der Umsetzung der Anforderungen der aktuellen Trinkwasserverordnung, sondern ist auch als Referentin bei Schulungen tätig.

Michael Reichmann

(Kapitel 1 und 2.7)

Michael Reichmann ist seit 1999 ausgebildeter Zentralheizungsbau-, Gas- und Wasserinstallationsmeister. Anfang 2018 stellte er sich erfolgreich der Personenzertifizierung durch die DIN CERTCO. Als Erster in Bayern ist er Sachverständiger für Trinkwasserhygiene nach VDI/BTGA/ZVHSK 6023 Blatt 2 und ist damit zertifiziert, Gefährdungsanalysen gemäß Blatt 2 zu erstellen. Bereits seit 2016 ist er Referent im Bereich „Technik“ nach VDI/DVGW 6023/D.

Ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung der TrinkwV 2001 und neben seiner langjährigen Funktion in leitender Position in der Sanitärbranche galt sein Interessenschwerpunkt der Trinkwasserhygiene. Nebenberuflich veröffentlichte er bereits 2015 als Fachautor einen Artikel in der SBZ, der thematisierte, wie sich Legionellen mit Ultrafiltrationen aus dem Wasser herausfiltern lassen.

In seinen Schulungen vermittelt Michael Reichmann als persönliches Mitglied im DVGW und VDI Sanitärbetrieben, Hausverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften die richtigen Wege zum Trinkwassermanagement. Mit dem Wissen aus unzähligen besichtigten Trinkwasseranlagen erweitert er auch weiterhin seinen Erfahrungsschatz und teilt diesen professionell in Vorträgen.

Daniel Schwagenscheidt

(Kapitel 2 und 6)

Daniel Schwagenscheidt studierte erfolgreich Humanmedizin und Rechtswissenschaften. Im Jahr 2011 wurde er von der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf mit dem Studierendenpreis ausgezeichnet.

Schwagenscheidt hat als wissenschaftlicher Mitarbeiter einer mittelständischen Rechtsanwaltskanzlei im Schwerpunkt des öffentlichen Wirtschafts- und Umweltrechts mehrere Aufsätze in juristischen Fachzeitschriften veröffentlicht.

Daniel Schwagenscheidt ist zudem unternehmerisch im Bereich der Forschung und Entwicklung von pharmakologischen sowie ökologischen Erzeugnissen tätig. Ein Fokus seines Forschungs- und Entwicklungsschwerpunktes ist die Entwicklung von pharmazeutischen Produkten zur Behandlung interdisziplinärer Erkrankungen des Menschen. Entscheidend ist, dass diese Erzeugnisse ökologisch aus einem ECA-Verfahren auf einer Wasserbasis entwickelt werden. Infolge dessen beschäftigt sich Schwagenscheidt seit 2012 mit der Thematik hinsichtlich der Entwicklung von Trinkwasser und dessen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus.

1 Einführung und Grundlagen

1.1 Trinkwasser allgemein

Der Zusammenhang von Wasser und Leben

Vor Millionen von Jahren war die Erde völlig mit Wasser – dem Salzwasser der Urmeere – bedeckt. Erst als dieses im Laufe der Zeit durch die Sonneneinstrahlung verdunstete, entstand festes Land. Heute ist unsere Erdoberfläche immer noch zu 70 % von Wasser bedeckt. Deshalb wird die Erde auch als blauer Planet bezeichnet, denn vom Weltraum aus betrachtet, besticht sie durch ihre einzigartige blaue Farbe.

Wasser ist die Grundlage allen Lebens; es steht am Anfang eines jeden Lebenszyklus {Lebenszyklus}. Unser Leben und unsere Gesundheit, wie auch das Leben und die Gesundheit unseres Planeten, hängen vollständig vom Wasser ab. Nicht nur die Erde wird zu 70 % von Wasser bedeckt, auch der menschliche Körper besteht zu etwa 70 % aus Wasser. Betrachten wir die Erde vom Weltall aus und vergleichen diesen Anblick mit einem einzigen Wassertropfen unter dem Mikroskop, so stellen wir eine verblüffende Ähnlichkeit fest.

Wasser durchdringt jede Körperzelle und ermöglicht erst die Kommunikation der unterschiedlichen Zellverbände. Es regelt alle Funktionen des Organismus {Organismus}, wie z. B. Körperbau, Stoffwechsel, Verdauung, Herz-Kreislauf-Funktionen. Alle Stoffwechselvorgänge in unserem Körper können nur mithilfe von Wasser ablaufen. Auch die Ausscheidung von Giftstoffen – über Nieren, Darm, Haut und Lunge – kann nur mithilfe von Wasser erfolgen. Wasser ist aber auch für unser Bewusstsein verantwortlich und macht unsere Denkvorgänge, Gefühle und Stimmungslagen erst möglich. Das Wasser ist der Träger aller körperlichen und geistigen Informationen. Wasser ist also nicht nur für die Funktionsfähigkeit unseres Organismus unentbehrlich, sondern auch für unser Denken, Fühlen und Empfinden. Über seine biophysikalische, lebensvermittelnde Wirkung hinausreichend, wirkt Wasser außerdem chemisch betrachtet als Lösungs-, Transport- und Reinigungsmittel. Es fördert die Entschlackung, transportiert Nährstoffe, beseitigt Abbauprodukte aus dem Stoffwechsel, hält den osmotischen Druck der Zellen aufrecht und reguliert die Körpertemperatur.

Innerhalb von 24 Stunden fließen 1.400 l Blut durch unser Gehirn. Im selben Zeitraum wird unsere Niere von 2.000 l Blut durchströmt. Dabei scheidet der Mensch etwa 1,5 bis 2 l Wasser täglich aus. Diesen täglichen Flüssigkeitsverlust müssen wir durch Trinken wieder ersetzen. Die benötigte Flüssigkeitsmenge ist vom individuellen Körpergewicht abhängig. Als Faustformel gilt: Pro Kilogramm Körpergewicht sollte man etwa 30 ml Wasser trinken. Wenn wir so ausreichend Wasser trinken, wird unser Körper Giftstoffe viel schneller wieder los.

Die Anomalie des Wassers {Anomalie des Wassers}

Wasser ist ein höchst außergewöhnliches Element. Moderne Wissenschaftler haben das Wasser jedoch bislang noch sehr wenig erforscht. Mit der Formel H2O kann man zwar die chemische Zusammensetzung des Wassers definieren, allerdings sagt dies nichts über sein Wesen aus.

Wasser verhält sich in keiner Weise so, wie es den Erwartungen der Wissenschaft entsprechen würde: Der Siedepunkt des Wassers müsste nach den Gesetzen der Physik bereits bei -46 °C liegen. Tatsächlich verdampft Wasser allerdings erst bei 100 °C. Wenn Wasser gefriert, also vom flüssigen in den festen Zustand wechselt, dehnt es sich aus, anstatt sein Volumen zu verringern.

Bei 37 °C Wassertemperatur – also unserer Körpertemperatur – hat Wasser seine niedrigste spezifische Wärme. Bei dieser Temperatur ist die größte Energie notwendig, um die Wassertemperatur zu verändern. Für das Leben auf der Erde hat das anormale Verhalten des Wassers eine zentrale Bedeutung, denn dadurch wird die Existenz der Lebewesen erst ermöglicht. Wenn sich Wasser auch nur in einem Punkt „normal“ verhalten würde, gäbe es kein Leben auf der Erde. Gerade diese Wassertemperatur von 37 °C wird uns – besonders in Bezug auf Legionellen – noch weiter begleiten.

Die Bewegung des Wassers

Wenn man fließendes Wasser in der Natur beobachtet, stellt man fest, dass es niemals geradeaus fließt, sondern sich in Spiralform dreht. Dadurch entstehen die Windungen der Bäche und Flüsse. Überall in der Natur und im Kosmos finden wir eine zentripetale Bewegung, d. h. eine Bewegung von außen nach innen, und zwar spiralförmig in Richtung eines Bewegungszentrums. Dies ist bei der Berechnung von Rohrdurchmessern und deren gleichmäßiger Durchströmung wichtig. Daraus kann gefolgert werden, dass außen die Strömung geringer ist als innen. Anderenfalls würde das Ufer von einem Fluss abgetragen werden, wenn die Strömung außen größer wäre als innen.

Jeder weiß, dass Wasser von oben nach unten fließt. Aber die wenigsten wissen wahrscheinlich, dass ein Teil des Wassers durch die levitanten Kräfte, die das Wasser in sich trägt, auch nach oben fließt. Diese levitanten Kräfte sind es, die es dem Quellwasser ermöglichen, auch in 3.000 m Höhe ans Tageslicht zu gelangen. Wasser ist somit immer im Fluss. Es bewegt sich ständig, wenn es nur kann. Das heißt, Wasser fließt sowohl nach unten (gravitant) als auch nach oben (levitant).

Die Qualität unseres Wassers

Die Bereitstellung von gutem Trinkwasser ist ein Hauptproblem der heutigen Zeit. Mittlerweile gelangen hunderttausende chemische Stoffe in unsere Umwelt. Allein in Deutschland werden in der Landwirtschaft jedes Jahr 30.000 t Pestizide und Fungizide eingesetzt. Von den verwendeten Substanzen wirken mehr als 280 nachweisbar krebserregend.

In unserem Leitungswasser werden gegenwärtig Rückstände von bis zu 300 verschiedenen Pestiziden {Pestizid} und Fungiziden {Fungizid} gefunden. Bis 1992 wurden per Gesetz nur 63 der insgesamt bekannten 300 Pestizide analysiert, obwohl genau bekannt war, dass über 300 Formen existieren. Wir leben demnach mit einer enormen Dunkelziffer an Pestiziden und Fungiziden in unserem Wasser, von denen wir weder Namen noch Grenzwerte kennen. Als in den letzten Jahren maßgeblich Grenzwerte von Fungiziden und Pestiziden überschritten wurden, hat der Gesetzgeber die Grenzwerte sogar nach oben gesetzt und die Zahl der zu untersuchenden Substanzen von 63 auf 18 reduziert. Man tut offiziell also so, als gäbe es nur 18 Pestizide und Fungizide, obwohl die Zahl ständig steigt.

Von Ort zu Ort unterliegt die Wasserbelastung {Wasserbelastung} großen qualitativen Schwankungen. Mithilfe von Wasseraufbereitungsanlagen versuchen die Wasserwerke, das Wasser von Schadstoffen zu reinigen und von Bakterien zu befreien. Biochemisch gesehen erhalten wir so gereinigtes Leitungswasser. Wenn nötig, wird unser Trinkwasser mit Chlor und Fluor aufbereitet.

Die Qualität unseres Trinkwassers kann u. a. als eine Ursache für die Zunahme von Krankheiten in unserer Gesellschaft gesehen werden. Im Umkehrschluss heißt das: Je besser die Trinkwasserqualität ist, desto gesünder sind die Menschen und desto älter werden sie. Als Vergleich kann man hier die westlichen Industrieländer im Verhältnis zu den Drittländern bezogen auf den Zusammenhang des durchschnittlichen Alters der Bevölkerung anführen.

Der Umgang mit Mineralwasser

Der Verbraucher kann heute zwischen mehr als 400 Wassern wählen. Dabei unterscheidet man vier verschiedene Wasser: Tafelwasser {Tafelwasser}, Quellwasser {Quellwasser}, Mineralwasser {Mineralwasser} und Heilwasser {Heilwasser}. Unser Körper ist jedoch nicht in der Lage, die Mineralien aus Mineralwässern aufzunehmen, da sie viel zu grobstofflich sind. Schlimmer noch: Diese verhindern sogar, dass Giftstoffe aus dem Körper ausgeschieden werden können, denn die Reinigungskraft des Wassers ist umso höher, je weniger Mineralstoffe im Wasser enthalten sind. Das beste Wasser für den Menschen ist das reine, mineralarme, natürliche Quellwasser.

Tafelwasser hat mit der Natur überhaupt nichts zu tun, sondern ist lediglich mit Kohlensäure angereichertes Leitungswasser. Nur Quell-, Mineral- und Heilwässer sind natürlichen Ursprungs und müssen direkt an der Quelle abgefüllt werden. Mineral- und Heilwässer unterscheiden sich von Quellwässern durch ihren höheren Mineralgehalt. Tafel- und Mineralwässer unterliegen nicht der Trinkwasserverordnung. Heilwässer unterliegen im Gegensatz zu den anderen dem Arzneimittelgesetz {Arzneimittelgesetz}.

Beim Umstieg von Leitungs- auf Mineralwasser kommt man in den meisten Fällen vom Regen in die Traufe. Tatsächlich ist es sogar so, dass die Qualität des örtlichen Leitungswassers immer noch besser ist als die gekauften Mineralwässer. Natürlich kann kohlensäurehaltiges Mineralwasser getrunken werden; in manchen Restaurants bleibt einem oft gar nichts anderes übrig, wenn man ein Mineralwasser bestellen möchte. Nur sollte man sich darüber im Klaren sein, dass dies nichts mit den 2 l Wasser zu tun hat, die täglich getrunken werden sollten, um gesund zu bleiben oder zu werden. Wenn überhaupt Mineralwasser gekauft wird, sollte dies ausschließlich in Glasflaschen und nicht in Plastikflaschen abgefüllt sein. Das Leitungswasser – obwohl regional in unterschiedlicher Qualität – ist somit häufig besser als das angebotene in Flaschen abgefüllte Mineralwasser.

Nicht nur die Meere werden immer mehr mit Plastik zugemüllt. Mittlerweile ist es sogar so, dass Kleinstpartikel von Plastik schon bei uns im Trinkwasser gefunden werden. Hinzu kommt, dass durch die Presse angeregte Schlagzeilen wie „Trinkwasser in Gefahr“, „Tod aus dem Wasserhahn“ oder „Wasserwirtschaft sorgt sich um Trinkwasser“ immer mehr Menschen nach einer individuellen Lösung für das Trinkwasserproblem suchen.

Auf diesem Boden hat sich ein neuer Industriezweig entwickelt, die Trinkwasseraufbereitung {Trinkwasseraufbereitung}. Dabei unterscheidet man zwischen Anlagen zur biochemischen und zur energetischen Aufbereitung. Zur biochemischen Reinigung des Wassers, d. h. zur Beseitigung von Schad- und Mineralstoffen, werden beispielsweise Aktivkohlefilter {Aktivkohlefilter}, Ionenaustauscher {Ionenaustauscher}, Ultrafiltration {Ultrafiltration}, Umkehrosmose {Umkehrosmose} oder Dampfdestillation {Dampfdestillation} eingesetzt. Destilliertes Wasser ist dagegen zwar rein, wirkt allerdings aggressiv und strukturlos und ist deshalb zum Verzehr nicht zu empfehlen.

Wasserqualität in den Entwicklungsländern

Auch wenn mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, sind davon nur 0,007 % direkt als Trinkwasser geeignet. In Entwicklungsländern werden 90 % des Abwassers und 70 % des Industrieabfalls direkt in Gewässer geleitet und kontaminieren die Trinkwasserreservoirs. Außerdem sind die meisten staatlich geführten Wasserbetriebe absolut überfordert: Das Wasser ist stellenweise extrem belastet, u. a. durch Salze, Metalle, Nährstoffe, Pestizide und Mikroorganismen. Diese Belastungen entstehen vor allem durch Industrieabfälle, Abwasser und unsachgemäße Landwirtschaftspraxis. Zunehmende Wasserknappheit und die sich verschlechternde Wasserqualität gehören somit zu den großen internationalen Herausforderungen.

Trinkwasserversorgung in den Entwicklungsländern

Obwohl im Jahr 2010 das Recht auf sauberes Trinkwasser von den Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannt und in die allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen wurde, haben immer noch Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser ist nicht nur ein elementares menschliches Grundbedürfnis, sondern auch eine notwendige Voraussetzung für jegliche ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung. Immer noch sterben zwischen 2,2 und 5 Millionen Menschen – überwiegend Kinder – jährlich in Entwicklungsländern an Krankheiten, die durch fehlenden Zugang zu reinem Trinkwasser, durch schlechte sanitäre Einrichtungen und mangelnde hygienische Bedingungen übertragen werden. Eine schlechte Trinkwasserversorgung hemmt des Weiteren Produktivkräfte und verschärft folglich die Armut.

Zugang zu Trinkwasser

Für die meisten von uns ist Wasser ein selbstverständliches Gut und jederzeit verfügbar. Dass uns Wasser in hochwertiger Qualität fast unbegrenzt zur Verfügung steht, ist für 11 % der Weltbevölkerung unvorstellbar. 312 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser leben in Afrika, südlich der Sahara. Dort fehlt es an Hausanschlüssen, öffentlichen Zapfstellen, Bohrungen, geschützten Schachtstellen, Quellen oder Regenwassersammlungen.

Jeder Mensch sollte freien Zugang zu ausreichend Wasser haben, doch die Realität sieht leider noch immer anders aus. Wasserversorgungen eröffnen Wege aus der Armut, erhöhen die persönliche Hygiene und vermindern dadurch Krankheiten. Immer wieder machen große Konzerne Schlagzeilen, weil das Recht auf Trinkwasser umgangen wird.

Trinkwassergewinnung

Zur Trinkwassergewinnung in Deutschland eignen sich Niederschlagswasser, Oberflächenwasser, Sickerwasser und Grundwasser.

Niederschlagswasser {Niederschlagswasser} (Regen, Schnee, Nebel, Hagel) steht zwar überall, je nach örtlicher Niederschlagshöhe, zur Verfügung, allerdings ist die Versorgung auf dieser Grundlage wegen der unregelmäßigen und nicht vorhersehbaren Verteilung sehr unsicher. Hinzu kommt, dass Regenwasser entsprechend seiner Beschaffenheit für den menschlichen Gebrauch u. U. nicht unmittelbar geeignet ist. In den meisten Fällen wird Regenwasser durch Luftverschmutzung und Berührung (z. B. mit Vogelkot auf Dächern) auf unterschiedliche Weise verschmutzt. Zur Gewinnung von Niederschlagswässern werden künstliche oder natürliche Becken genutzt wie z. B. Zisternen oder Regentonnen. Unbehandeltes Niederschlagswasser ist i. d. R. für Trinkwasser nicht geeignet.

Als nächster Punkt ist das Oberflächenwasser {Oberflächenwasser} zu nennen. Als Oberflächenwasser werden Flusswasser, Seewasser, Talsperrenwasser und Meerwasser genannt. Der Hauptanteil aller Niederschläge entsteht durch Verdunstung über den Weltmeeren. Aufgrund unserer geografischen Lage ist dies aber nicht wirtschaftlich.

Flusswasser {Flusswasser} ist Verunreinigungen am stärksten ausgesetzt und deshalb für die Trinkwasserversorgung am wenigsten geeignet. Nur wenn kein anderes Wasser verfügbar ist, sollte auf dieses zurückgegriffen werden. Flusswasser wird aufgrund seiner starken Qualitätsschwankungen vorwiegend für die Betriebswasserversorgung verwendet, da die Wasserqualität oft nicht ausreichend ist für eine wirtschaftliche Nutzung zur Trinkwasserversorgung.

Zur Seewassergewinnung {Seewassergewinnung} eignen sich vorwiegend nährstoffarme, tiefe Seen mit ausreichendem Zulauf. Seen mit einer Tiefe von ca. 40 m haben eine ähnliche Temperaturkonstanz wie das Grundwasser. Der wohl größte See in diesem Zusammenhang ist der Bodensee.

Talsperrenwasser {Talsperrenwasser} entsteht durch künstliche Sperrung von Tälern. In Talsperren werden große Trink- und Brauchwasserreserven gespeichert. Außerdem können die Pegel von Flüssen über Talsperren reguliert werden. Genau wie die natürlichen Seen ist die Talsperre als künstlicher See von der Qualität der Zuläufe abhängig.

Sickerwasser {Sickerwasser} ist ursprünglich Niederschlagswasser, welches durch die ersten Bodenschichten bereits filtriert wird und sich unterirdisch, i. d. R. vertikal, bis zu einer wasserundurchlässigen Schicht bewegt. Wasserundurchlässige Schichten sind häufig in den Gebirgsgegenden vorzufinden.

Grundwasser ist Wasser unterhalb der Erdoberfläche, das durch Versickern von Niederschlägen oder teilweise auch durch Migration aus Seen und Flüssen dorthin gelangt. Der Gesteinskörper, in dem sich das Grundwasser aufhält und fließt, wird als Grundwasserleiter bezeichnet. Beinahe 25 % der Weltbevölkerung erhalten ihr Trinkwasser aus Grundwasser {Grundwasser} (häufig aus Brunnen gewonnen), welches aufgrund seiner häufig sehr stabilen Qualität bevorzugt für die Trinkwassergewinnung genutzt wird.

Trinkwasseraufbereitung

In Deutschland wird das Trinkwasser zu über 70 % aus Grundwasser oder Ultrafiltrat {Ultrafiltrat} gewonnen. Obwohl dieses meist eine sehr gute Qualität aufweist, ist von Region zu Region eine Aufbereitung notwendig.

Oberflächenwasser muss grundsätzlich aufbereitet werden. In der Wasseraufbereitung werden vor allem Eisen, Mangan, natürliche Verunreinigungen und natürliche Schadstoffe vermindert. Das Ziel der Aufbereitung ist, die Trinkwasserqualität für die Wasserverteilung so herzustellen, dass dieses nicht korrosiv wirkt und es nicht zu Ablagerungen kommt. In einigen Fällen ist auch eine Desinfektion erforderlich.

Aufbereitungsverfahren {Aufbereitungsverfahren} beginnen i. d. R. mit der Entfernung von Partikeln, z. B. durch Filtration. Zusätzlich können Membranverfahren eingesetzt werden, um noch kleinere Partikel aus dem Wasser zu entfernen, ggf. ist eine Entfernung von gelösten Stoffen durch spezielle Verfahren notwendig. Besonders umweltfreundliche und chemikalienfreie Trinkwasserfiltration {Trinkwasserfiltration} wird durch Ufer- und Langsamsandfiltrationen umgesetzt.

Je nach Wassergewinnung wird das Rohwasser vom Wasserversorger nach allen Regeln der Kunst aufbereitet. Die Qualität des Trinkwassers wird nicht nur in entsprechenden Behältern der Wasserversorger geprüft, sondern auch regelmäßig in den Verteilungsnetzen. Jeder Wasserversorger prüft sein Trinkwasser und hat in seinem Verteilungsnetz entsprechende Entnahmestellen, die mit Ortskennzahlen {Ortskennzahl} (OKZ) gekennzeichnet sind (Beispiel Berlin: Hier entnehmen die Berliner Wasserbetriebe aus über 800 Brunnen das Rohwasser, welches aus einer Tiefe von 30 und 170 m gewonnen wird).

Das Rohwasser verfügt nicht über einen freien Sauerstoff und wird so über eine Belüftungsanlage in das Reaktionsbecken überführt. Im Reaktionsbecken werden aus dem Rohwasser Eisen- und Manganverbindungen gelöst. Dabei entstehen Flocken, die in einer Schnellfilteranlage herausgefiltert werden. In einer ca. 2 m dicken Kiesschicht werden Eisen- und Manganflocken zurückgehalten. Diese Kiesschicht wird regelmäßig gespült. Von dort fließt das Rohwasser in einen Reinwasserbehälter {Reinwasserbehälter}. Dieser Reinwasserbehälter dient auch als Speicher, da tagesabhängig unterschiedliche Mengen an Trinkwasser benötigt werden.

Am Reinwasserbehälter sind verschiedene Pumpen angeschlossen. Diese Pumpen werden sowohl mit Elektro- als auch mit Dieselmotoren angetrieben. So ist die Wasserversorgung auch dann gesichert, falls die öffentliche Stromversorgung einmal ausfallen sollte. Ab diesem Zeitpunkt, wo das Trinkwasser, welches für den Versorger bestimmt ist, das Reinwasserbecken verlässt, wird es durch Leitungen unterhalb der Straße zu den einzelnen Gebäuden bzw. Nutzern transportiert. Wurden früher noch entsprechende Wassertürme genutzt, sorgen jetzt die Pumpen für den entsprechenden Druck.

Die Trinkwasserqualität ist auch abhängig vom Alter und dem Material der Trinkwasserverteilleitungen des Wasserversorgers. Man stelle sich nur vor, wie viel Wasser durch eine Hauptleitung, die schon länger als 30 Jahre unter der Straße verlegt ist, wohl geflossen ist. Durch verändertes und sparsames Verbraucherverhalten können in metallischen Rohren Ablagerungen entstehen, welche die Trinkwasserhygiene in ihrer Qualität bereits bei der Anlieferung durch den Versorger verändern können.

Trinkwasserhygiene

Unter Hygiene im Allgemeinen versteht man die Lehre der Verhütung von Infektionskrankheiten {Infektionskrankheit}. Diese befasst sich mit der Gesunderhaltung des Menschen. Umgangssprachlich wird die Hygiene mit dem Begriff Sauberkeit gleichgesetzt. Für den Bereich Trinkwasser-Installation bedeutet die Hygiene, dass bereits bei der Planung, dem Bau und dem Betrieb darauf zu achten ist, dass keine Krankheiten durch die Trinkwasser-Installation verursacht werden können. Ein Einblick in die Geschichte verdeutlicht den Stellenwert der Trinkwasserhygiene.

1892 brach in Hamburg eine der schwersten Cholera {Cholera}-Epidemien in Deutschland aus. Dies führte damals zu über 8.000 Toten. Aufgrund der Forschungen von Robert Koch erkannte man die Zusammenhänge zwischen schlecht aufbereitetem Trinkwasser und schlechter Abwasserentsorgung. Diese gravierende Cholera-Epidemie und die fortschreitenden Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Hygiene und Gesundheit beschleunigten den Ausbau von zentralen Wasseraufbereitungsanlagen.

Zur damaligen Zeit wurden hauptsächlich Sandfilter eingesetzt. 1906 entstand die Anleitung für die Errichtung, den Betrieb und die Überwachung öffentlicher Wasserversorgungsanlagen, welche nicht ausschließlich technischen Zwecken dienten. Diese Anleitung wurde am 16.06.1906 vom Bundesrat veröffentlicht.

Zum Schutz des Trinkwassers wurden verschiedene Maßnahmen entwickelt. Aufseiten des Rohwassers wurden erste Multibarrieresysteme eingeführt. Die Wasseraufbereitung wurde an die Qualität der Rohwasserquelle angepasst. Bereits 1930 wurde die DIN 1988, die technische Regel bzw. Vorschrift für den Bau- und Betrieb von Grundstückbewässerungsanlagen, veröffentlicht. Mittlerweile ist diese Norm mehrmals technisch angepasst und durch europäische Normen ersetzt worden. Die meisten Vorkommnisse – heute ebenso wie früher –, die zu einer Kontamination des Trinkwassers beim Transport und in der Trinkwasser-Installation führen, resultieren aus dem Nichteinhalten der technischen Regeln.

Betrachtet man nur die letzten 20 Jahre, hat sich unser Verbraucherverhalten enorm verändert. Tatsächlich haben die Deutschen das Wassersparen verinnerlicht wie sonst keine andere Nation in Europa. Wurden hierzulange Anfang der 1990er-Jahre noch 150 l pro Tag und Person verbraucht, sind es jetzt nur noch 130 l. In vielen Veröffentlichungen wurde den Menschen in Deutschland geraten, beim Zähneputzen brav das Wasser abzustellen und einen Zahnputzbecher zu nutzen, alte Waschmaschinen und Geschirrspüler wurden durch neue wassersparende Geräte ersetzt. Auf jeder Messe ist eine Vielzahl von Bauteilen wie Spartasten, Regulierer und sonstiges käuflich zu erwerben. All das, um ausschließlich eines zu erreichen: Wasser zu sparen. Doch eines wurde dadurch nicht erreicht: Der Wasserpreis wurde durch das Sparen nicht gesenkt. Hinzu kommt, dass die Dimensionierungen der Rohrleitungen im Straßennetz viel zu groß sind und die Rohrleitungsdimensionen im Straßennetz des Wasserversorgers nicht so schnell angepasst werden können. Außerdem würde eine Sanierung des vollständigen Straßennetzes den Wasserpreis noch weiter nach oben steigen lassen.

In Spanien beispielsweise ist der Wasserverbrauch doppelt so hoch wie in Deutschland. Hinzu kommt, dass in Deutschland nicht über Wasserknappheit geklagt werden kann. Tatsache ist sogar, dass in Deutschland Wasser im Überfluss zur Verfügung steht. Jährlich könnte hier auf knapp 190 Milliarden Kubikmeter Wasser zurückgegriffen werden.

Die Berechnungen in den 1970er-Jahren gingen davon aus, dass der damalige Verbrauch um mehr als das Doppelte je Verbraucher steigen würde. Entsprechend ausgebaut wurden damals nicht nur die Wasserwerke und Kläranlagen, sondern das gesamte deutsche Versorgungsnetz sowie die Kanalisation. Im Gegensatz zu den Berechnungen ist nicht nur der private, sondern auch der industrielle Wasserverbrauch erheblich zurückgegangen. Heutzutage wird in deutschen Unternehmen jeder Liter Brauchwasser im Durchschnitt ca. sechs Mal genutzt. Damit passen jedoch die Infrastruktur und die tatsächliche Entnahmemenge nicht mehr zusammen.

Dieser sinkende Wasserverbrauch hat somit beträchtliche Auswirkungen:

In manchen Regionen fließt das Trinkwasser zu langsam durch die Rohre, wodurch sich Keime bilden können; zudem kann stehendes Wasser zu Korrosionen führen.

Es werden nicht mehr alle Ablagerungen aus der Kanalisation herausgespült.

In Deutschland gibt es Regionen, in denen der Grundwasserspiegel steigt, weil zu wenig Wasser entnommen wird. Dies hat zur Folge, dass das Grundwasser in die Häuser gedrückt wird.

Um diese Probleme zu vermeiden, müsste das gesamte Wasserversorgungsnetz {Wasserversorgungsnetz} in Deutschland zurückgebaut werden. Nur so könnte man sinnvoll die Auswirkungen des sinkenden Wasserverbrauchs umgehen. Hinzu kommt, dass viele Leitungen noch gar nicht abgeschrieben sind. Die stetig „klammen“ Gemeinden und Stadtkassen der Kommunen würden solche weitreichenden Maßnahmen gar nicht zulassen.

So werden vielerorts vom Wasserversorger die Rohre und Kanäle mit Trinkwasser gespült, da solche Spülungen immer noch günstiger sind als eine Erneuerung des Wasserversorgungsnetzes.

Eine Spirale nach unten

Viele tausend Liter Trinkwasser werden trotzdem durch das Rohrnetz gepumpt, um die Leitungen freizuhalten. Der Wasserpreis bleibt paradoxerweise nur stabil, wenn der tägliche Wasserverbrauch ebenfalls stabil gehalten wird. Die Probleme mit dem sparsamen Wasserverbrauch und die Folgen für überdimensionierte Leitungen sind natürlich kein Freibrief dafür, Wasser in rauen Mengen zu verschwenden, denn auch dadurch wird der Wasserpreis nicht sinken.

Es empfiehlt sich außerdem, bewusst zwischen kaltem, warmem und virtuellem Wasser zu entscheiden. Beim Verbrauch von warmem Wasser ist aus ökologischer Sicht zusätzlich die Erwärmung zu bedenken. Für die meisten Verbraucher ist schlecht abzuschätzen, wie viel Wasser in Produkten steckt, die wir zudem kaufen und verzehren. Der Verbrauch des sog. virtuellen Wassers ist nämlich im Schnitt um ein Vielfaches höher: Mit dem Verzehr von Tomaten aus warmen Regionen Europas, dem Fleischverzehr oder dem Kauf von T-Shirts aus Baumwolle verbrauchen wir täglich bis zu 4.000 l virtuelles Wasser. Dieser Wasserverbrauch ist für uns unsichtbar.

Jeder Betreiber einer Trinkwasser-Installation, sei es öffentlich oder privat, ist für deren Instandhaltung verantwortlich. Im öffentlichen Bereich werden hierzu Instandhaltungspläne erstellt. In der Wohnungswirtschaft und im privaten Bereich wird mit Instandhaltung bezüglich der Trinkwasser-Installation jedoch anders umgegangen: Solange das Wasser dort fließt, wo es fließen soll, wird über Instandhaltung, Inspektion oder Wartung nur sehr wenig nachgedacht. Erst wenn einmal Wasser auftritt, wo es nicht fließen soll, werden Instandhaltung, Erneuerung usw. zum Thema. Nahezu jede Heizungsanlage verfügt über einen Wartungsvertrag {Wartungsvertrag}, obwohl dies keine Verordnung vorschreibt; in Bezug auf die Sanitärinstallation in Wohnimmobilien ist dies jedoch genau anders herum.

Fazit

Zusammenfassend und allgemein kann man sagen, dass Trinkwasser ein Naturprodukt ist und in unseren Breitengraden zu 70 % aus Grund- und Quellwasser gewonnen wird. Zu 13 % wird See-, Talsperren- oder Flusswasser direkt genutzt. Im Übrigen sind 17 % eine Quersumme aus ursprünglichen, oberflächlichen Wassern. Trinkwasser schmeckt in jeder Gegend etwas anders, je nach Mineralien, die sich aus dem jeweiligen Untergrund lösen.

Trinkwasser soll zum Genuss anregen, farblos, klar, kühl sowie geruchlos und geschmacklich einwandfrei sein. In der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) wird die Qualität des Trinkwassers gesetzlich geregelt. Hinzu kommen verschiedenen Leitlinien, rechtliche Grundlagen, technische Empfehlungen und Regelwerke.

An die Qualität des Trinkwassers werden dabei hohe Anforderungen gestellt:

Krankheitserreger können, wenn sie ins Trinkwasser geraten, rasch viele Menschen erreichen und infizieren; deshalb muss das Risiko sehr gering gehalten werden. So werden beispielsweise Legionellen als biologisches Kampfmittel gewertet. Fremdstoffen, die ins Trinkwasser gelangen, wären wir ggf. ein Leben lang ausgesetzt. Deshalb gilt es, diese aus dem Trinkwasser herauszuhalten, soweit wie möglich, und vorsorglich auch solche, durch die bislang keine Gesundheitsrisiken bekannt sind.

Die Trinkwasserverordnung legt Grenzwerte und technische Maßnahmenwerte fest. In vielen Bereichen gehen diese Grenzwertbestimmungen jedoch nicht weit genug, andere Stoffe hingegen werden gar nicht erst aufgelistet (s. dazu auch Kapitel 2.7). Barrieren gegen Verunreinigungen sind in der gesamten Prozesskette wichtig, und zwar bei der Gewinnung, der Aufbereitung und der Verteilung des Trinkwassers. Wird die Ressource Trinkwasser gut geschützt, ist weniger technische Aufbereitung notwendig. Wenn Verteilungssysteme nach den technischen Regeln gebaut, gewartet und betrieben werden, entstehen keine Verunreinigungen durch Abgabe von Substanzen aus Werkstoffen oder durch das Wachstum von Legionellen.

Entscheidend für die Trinkwasserqualität ist daher das Management der Systeme: Dafür tragen die Betreiber die Verantwortung, also Wasserversorger und Eigentümer bzw. Betreiber von Gebäuden. Die staatliche Überwachung erfolgt durch die Gesundheitsämter {Gesundheitsamt} in der Verantwortung der Länder und Kommunen. Jedoch wird dabei häufig vergessen, dass die Verantwortung der täglichen Nutzung beim eigentlichen Nutzer selbst ...

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