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Die heiße Nacht in seinen Armen

1. KAPITEL

Skylar tippte ihre Anfrage ein und wartete darauf, dass die Weltzeituhr ihre Arbeit tat. Kurze Zeit später las sie vom Computerbildschirm ab: „Freitag, 21.06 Uhr in Sioux Falls, South Dakota, USA.“ Und weiter: „Samstag, 16.06 Uhr in Christchurch, Neuseeland.“

Ob er zu Hause war? Oder arbeitete er noch?

Sie presste die Handflächen aneinander und holte tief Luft. Es war viel zu viel Zeit vergangen. Sie hätte es schon vor drei Monaten tun müssen. Nun war es höchste Eisenbahn, sie konnte die Wahrheit nicht länger für sich behalten.

Um ihre zitternden Hände zu beschäftigen, räumte sie den Schreibtisch auf, rückte Telefon und Adressbuch an ihren Platz, steckte Bleistifte und Kugelschreiber in den dafür vorgesehenen Behälter und ordnete einen Stapel Papiere. Vielleicht sollte sie etwas trinken. Oder ins Badezimmer gehen. Sie kam nicht umhin festzustellen, dass eine unangenehme Aufgabe nicht gerade leichter wurde, wenn man sie vor sich herschob.

Ein Klopfen an der Haustür ließ sie zusammenzucken. Wer mochte das sein? Eine höchst willkommene Ablenkung? Ein Anlass, sich noch länger vor der Erledigung dieser dringenden Angelegenheit zu drücken? Skylar stand auf und zupfte ihr weites Flanellhemd zurecht. Sie wurde das Gefühl nicht los, Schmetterlinge im Bauch zu haben.

Es war nicht schwer, neugierige Blicke zu vermeiden, da sie in einem Cottage bei den Ställen wohnte, weit entfernt vom Haupthaus des Anwesens. Bis jetzt war niemandem etwas aufgefallen. Das war nicht weiter verwunderlich, denn wer nahm schon Notiz von ihr? Ihr fiel ein, wie besorgt ihr Bruder Blake sie angesehen hatte, als er in der vergangenen Woche zu einem seiner seltenen Besuche bei ihr aus Deadwood angereist war.

„Ich komme“, rief sie, riss die Tür auf und fand sich unvermittelt einer Ohnmacht nahe.

Zack Manning stand auf der Schwelle, öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Dabei gab er etwas von sich, das wie ein Schnappen klang. Ihre Knie zitterten so sehr, dass sie sich kaum auf den Beinen halten konnte.

Wortlos schaute er sie an. Der Anflug eines Lächelns auf seinem gut aussehenden Gesicht war plötzlich wie weggewischt.

Ihr schlimmster Albtraum war unversehens Wirklichkeit geworden. Ihr Körper wurde von Adrenalin überschwemmt, und sie war nicht fähig, Zack aus den Augen zu lassen. Sie spürte, wie sich ihre Lippen bewegten, aber sie brachte keinen Ton heraus. Krampfhaft ballte sie ihre zitternden Hände zu Fäusten.

Es kam ihr vor, als würde eine Ewigkeit vergehen. Er ließ seinen Blick abwärts gleiten bis zu ihrem Bauch, dann sah er ihr fassungslos in die Augen. Während sie beobachtete, wie sein gebräuntes Gesicht jegliche Farbe verlor, stützte sie sich unauffällig am Türrahmen ab.

„Zack“, kam es tonlos von ihren Lippen. Leugne es einfach, sagte sie sich. Er konnte unmöglich erkennen, was sich unter ihrem weiten Hemd verbarg.

„Wann hattest du vor, es mir mitzuteilen?“, fragte er barsch.

Sie ließ den Kopf sinken und betrachtete ihre Füße. „Ich habe gerade an meinem Computer gesessen. Ich wollte …“ Resigniert brach sie ab. Wie sollte sie ihm erklären, dass sie seit vier Monaten schwanger war und erst jetzt ernsthaft überlegt hatte, ihn davon in Kenntnis zu setzen?

Sie spürte seinen Blick wie eine Berührung. Seufzend machte sie einen Schritt zu Seite, damit Zack eintreten konnte. Nachdem sie die Tür geschlossen hatte, drückte sie die Stirn einen Moment an das hölzerne Türblatt, um ihre Gedanken zu ordnen. Ein sinnloses Unterfangen, denn sie hatte keine Ahnung, was sie ihm sagen sollte.

Langsam drehte sie sich um. Zack ging im Wohnbereich ihres gemütlichen kleinen Hauses auf und ab, er wirkte ziemlich wütend. Sehr beherrscht, aber wütend. Sein hochgewachsener muskulöser Körper schien vor Anspannung zu vibrieren, seine Lippen waren zusammengepresst.

Skylar blieb bei der Tür stehen und hoffte inständig, dass sie nicht so verzweifelt aussah, wie sie sich fühlte.

Zack hielt abrupt inne und legte die Hände auf die Rückenlehne ihres alten Ledersofas. „Wir haben doch verhütet“, sagte er knapp.

Skylar war überrascht, dass er die Vaterschaft nicht infrage stellte. Er ging offenbar ganz selbstverständlich davon aus, dass es sein Kind war. Sie biss sich auf die Unterlippe, um ein bitteres Lächeln zu unterdrücken. Wer sollte sie denn schon wollen? Immerhin war sie bis zu jener Nacht Anfang Februar noch Jungfrau gewesen.

„Vielleicht ist es kaputt gegangen“, sagte sie leise und senkte den Blick. Sie konnte das Wort nicht aussprechen. Ihre Wangen fühlten sich so heiß an, als ob man ein Spiegelei darauf braten könnte. Es war ihr schrecklich peinlich, mit Zack über diese Sache zu reden. „Ich glaube, es ist passiert, als Maya ins Haus platzte.“

Ihre beste Freundin hatte das unverschlossene Haus betreten, als ihre leidenschaftliche Begegnung gerade zu Ende gegangen war. Sie geriet in Panik, sprang aus dem Bett und versetzte Zack einen Schubs, während sie sich den Bademantel überwarf. Maya hatte die Angewohnheit, ohne zu zögern, die Treppe hinaufzusteigen und in ihr Schlafzimmer zu stürmen.

„Das hätte ich gemerkt“, sagte er in eisigem Ton.

Erneut brannten ihre Wangen vor Scham, als Skylar sich daran erinnerte, wie sie ihn ins Bad gedrängt und hastig die Tür geschlossen hatte. Die Zeit hatte gerade noch gereicht, um seine Kleidung unter dem Bett verschwinden zu lassen und die zerwühlten Laken zu ordnen, bevor Maya tränenüberströmt das Zimmer betrat. Ihr erstes Mal war wunderschön und leidenschaftlich gewesen, hatte jedoch ein ziemlich lausiges Ende gefunden.

„Ich hätte es gemerkt“, wiederholte er.

„Das Licht war aus“, flüsterte sie. Sie hatte ihn energisch daran gehindert, es einzuschalten. „Du konntest es gar nicht sehen.“

„Du hast das damals mit keinem Wort erwähnt.“

„Ich war mir nicht sicher.“ Sie massierte sich die Schläfen und unterdrückte ein Seufzen. Es war ihr erstes Mal gewesen. Wie hätte sie wissen sollen, dass etwas schiefgegangen war? Und selbst wenn, hätte sie mit ihm nicht darüber sprechen können, die Details waren viel zu intim. „Ich fand, dass wir uns dafür noch nicht gut genug kannten.“

Er gab ein ersticktes Lachen von sich. „Wir kannten uns nicht gut genug?“

„Wir hatten keine Beziehung oder so“, murmelte sie. „Es war mir zu peinlich, über … solche Dinge zu reden.“

Sie warf ihm einen unsicheren Blick zu. Zu ihrer Erleichterung wirkte er nicht mehr so angespannt und zornig wie zuvor und sie hoffte, dass er ihr glaubte.

„Ich konnte tatsächlich nichts sehen“, sagte er eher zu sich selbst. „Ich habe das Kondom weggeworfen und darauf gewartet, dass du Maya wieder loswirst.“ Er brach ab und sah sie prüfend an. „Danach schienst du sehr erpicht zu sein, mich ebenfalls loszuwerden.“

Skylar ging zum Esstisch und setzte sich auf einen Stuhl. „Ich dachte, es würde nichts passieren, weil es mein erstes Mal war.“

Fassungslos schüttelte er den Kopf. „Skylar, du züchtest Pferde. Jungfrau oder nicht, du warst dir doch bestimmt darüber im Klaren, wohin ungeschützter Sex führen kann.“

Skylar legte die Handflächen aneinander und nickte. Zack lehnte an der Couch und betrachtete sie schweigend. Sie atmete erleichtert auf, endlich hatte sie es hinter sich gebracht. Das Schlimmste war vorbei. Verstohlen beobachtete sie ihn aus dem Augenwinkel. Sein Gesicht entspannte sich und seine markanten Züge, die ihr so vertraut schienen, hatten die übliche Wirkung auf sie und wühlten sie noch mehr auf, als sie es ohnehin schon war.

Seine Haut liebte die Sonne. Heimlich verglich sie ihre blassen Unterarme mit seinem gesunden bronzefarbenen Teint und fand, dass sie ziemlich schlecht abschnitt. Die Jahreszeiten in Neuseeland lagen genau entgegengesetzt zu den hiesigen. South Dakota hatte einen langen und kalten Winter hinter sich. Zacks dunkelblondes Haar war nach wie vor kurz geschnitten, aber an den Seiten und in der Stirn trug er es länger als früher. Die Grübchen, die sich beim Lächeln unter seinen hohen Wangenknochen bildeten, waren jetzt nicht zu sehen, sie konnte sich jedoch gut an sie erinnern. Sie waren hinreißend und einer der Gründe, weshalb sie sich bis über beide Ohren in Zack verliebt hatte.

„Weiß schon jemand außer uns davon?“

Sie schüttelte den Kopf. Es war nicht weiter aufgefallen, dass sie Begegnungen mit ihrer Familie vermieden und die monatlichen Treffen mit Maya abgesagt hatte. Der Frühling war auf dem Gestüt die arbeitsreichste Saison. Jeder hatte in dieser Jahreszeit Verständnis dafür, wenn sie sich kaum blicken ließ.

„Und wann willst du es ihnen sagen? Nach der Geburt oder vielleicht doch schon vorher?“

Sein sarkastischer Tonfall erfüllte sie mit heftigen Schuldgefühlen. „Es tut mir leid.“

„Ach, es tut dir leid.“

Zack nahm seine unruhige Wanderung durch das Zimmer wieder auf. Er kam ihr vor wie ein Raubtier, das seine Beute einkreiste.

„Ich habe nicht vor, dich zur Verantwortung zu ziehen.“

„Wie bitte?“

Bei der Anspannung in seiner Stimme flatterten ihr die Nerven. „Ich meine finanziell.“

Sein Schweigen lastete wie ein Albdruck auf ihr.

„Das muss keine Auswirkungen auf dich haben“, sagte sie, ohne ihn anzusehen.

Zack ließ sich auf einen Stuhl sinken, als hätte ihn plötzlich jede Energie verlassen. „Nein. Ich bin ja nur der Vater.“

Er war kreidebleich. Skylar stand auf und räusperte sich schuldbewusst. „Möchtest du vielleicht was trinken?“

„Triffst du dich mit jemandem?“, fragte er, ohne auf ihr Angebot einzugehen.

Sie verzog das Gesicht, als hätte er etwas völlig Lächerliches von sich gegeben. „Nein. Wen auch?“

Seine schweigende Zustimmung war ziemlich verletzend.

„Was tust du eigentlich hier? Ich dachte, du wolltest erst im Herbst wiederkommen.“

„Blake hat mich angerufen“, murmelte er. „Er macht sich Sorgen um dich. Er meinte, du wärst nicht du selbst.“

„Das hätte er nicht tun dürfen.“

„Was?“, fragte Zack zerstreut.

„Dich damit belästigen.“

„Genau. Ich bin ja nur der Vater.“ Er schnaubte.

„Blake weiß nichts davon.“

„Dann wären wir schon zwei. Jedenfalls bis vor fünf Minuten. Da wusste ich auch nichts davon“, sagte er ungehalten.

Skylar zuckte zusammen. Sie spürte eine sachte Regung in ihrem Bauch. Das war erst zweimal passiert. Instinktiv legte sie eine Hand darauf.

„Was ist los?“ Alarmiert sprang Zack auf. „Ist etwas nicht in Ordnung?“

Sie schaute auf und blinzelte. „Es ist nichts.“

„Und warum hältst du dann die Hand auf den Bauch?“

„Das Baby hat sich bewegt.“

Der fassungslose Ausdruck auf seinem Gesicht traf sie bis ins Mark. Ratlos strich er sich durchs Haar.

„Ich kann das einfach nicht begreifen“, sagte er leise. „Du bist seit vier Monaten schwanger, das Baby bewegt sich schon und ich hatte nicht die geringste Ahnung davon.“

Er war verletzt, das konnte sie an seinem Blick erkennen, ebenso wie an seiner Stimme, die heiser und brüchig klang.

„Und ich soll wirklich keinen Anteil daran haben?“, fragte er. „Du willst mich völlig ausschließen?“

„Davon kann keine Rede sein.“ Sie verschränkte die Finger ineinander. Nervös stand sie auf. Sie wusste nicht, was sie sagen oder tun sollte, um die Dinge richtigzustellen. Oder zumindest die Situation zu retten.

„Ich glaube, ich möchte jetzt doch etwas trinken“, sagte er nach einer Weile.

Skylar überlegte, was sie ihm anbieten konnte. Außer dem Wein, den Maya bei ihren Besuchen mitzubringen pflegte, hatte sie niemals Alkohol im Haus. An dem Tag, als sie mit Sicherheit wusste, dass sie schwanger war, hatte sie die letzte halb leere Flasche aus ihrem Kühlschrank weggeschüttet.

Sie warf einen Blick auf die verstaubte Aprikosenlikörflasche im Regal. Die musste dort schon seit Jahren stehen. Schließlich schenkte sie ihm ein Glas Wasser ein.

Sobald er es ihr aus der Hand genommen hatte, trat sie einige Schritte zurück. Sie konnte seine Anspannung und seinen Zorn fast körperlich spüren, das war schwer zu ertragen, daher wandte sie sich ab und hörte, wie er in großen Schlucken trank.

Was hatte sie da nur angerichtet? Eine Entschuldigung lag ihr auf den Lippen, doch sie wusste, wie banal und unzureichend sich das anhören würde, und kam sich unglaublich ungeschickt, naiv und dumm vor. In dem drückenden Schweigen begann sie, nervös an einem Daumennagel zu kauen.

„Wo übernachtest du?“, fragte sie, als sie die Stille nicht mehr aushielt.

Zack spuckte ihr den Namen des besten Hotels der Stadt förmlich vor die Füße. Er hatte sich im Fortune’s Seven Hotel einquartiert. Es gehörte neben einigen anderen Hotels ihren Brüdern.

Mit Zack zu schlafen, war die dümmste Sache gewesen, die sie jemals getan hatte, obwohl diese Erfahrung ihre kühnsten Träume bei Weitem übertraf. Sie sollte sich wohl besser mit der Gesellschaft ihrer Pferde zufriedengeben. Der Umgang mit ihnen war ihr nie schwergefallen, ganz im Gegensatz zu Menschen. Die Tiere hatten keine Vorurteile und störten sich nicht an linkischem Benehmen. In ihrer Gegenwart fühlte sie sich frei und unbeschwert.

„Ich werde mich um alles kümmern“, brach es aus ihr hervor. Sie war nicht mehr in der Lage, sein Schweigen zu ertragen.

Er nahm noch einen Schluck Wasser. „Das ist großartig. Wirklich großartig, Skylar“, erwiderte er sarkastisch.

Die Bitterkeit in seiner Stimme ließ sie herumfahren. Seine spöttische Miene verriet ihr, dass er das alles andere als großartig fand.

„Dem Baby wird es an nichts fehlen“, verteidigte sie sich. Das musste er doch wissen. Mit ihrer Arbeit verdiente sie gutes Geld und sie war ein Mitglied der Familie Fortune, der praktisch die ganze Stadt gehörte, und würde einmal ein beachtliches Erbe bekommen.

„Abgesehen von einem Vater“, erwiderte er trocken.

Sie seufzte. „Mein Vater und Patricia werden über ihren Enkel außer sich vor Freude sein. Außerdem habe ich drei Brüder, die sich um ihren Neffen oder ihre Nichte kümmern werden. Das Kind watet sozusagen knietief in männlichen Vorbildern.“

„Und deiner Meinung nach spielt der leibliche Vater keine Rolle in dieser Familienidylle, die du da beschreibst?“

„Zack, wenn du dein Kind sehen möchtest, wenn du Zugang haben willst, ist das in Ordnung.“

„Zugang?“ Er umkreiste sie beinahe bedrohlich.

Sie blinzelte nervös. „Wenn du willst. Was willst du denn eigentlich?“

Er maß sie mit einem abfälligen Blick. „Danke, dass du fragst. Such dir einen Termin aus. Wir rufen morgen deine Familie zusammen und teilen ihr mit, dass wir heiraten werden.“

„Wie bitte?“, fragte sie schockiert.

„Es sollte möglichst bald sein. Ich kann es mir aus geschäftlichen Gründen nicht leisten, lange von zu Hause wegzubleiben.“

„Heiraten?“ In ihrem Kopf drehte sich alles.

Er stellte das Glas auf dem Tisch ab. „Mein Kind wird zwei liebende Elternteile haben. Nicht nur einen.“

„Ich werde dich nicht heiraten, Zack“, entfuhr es ihr so heftig, dass sie sich verschluckte. „Ich habe nicht vor, überhaupt je zu heiraten.“

Er trat dicht an sie heran. Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt. „Du hast mich bisher von allem ausgeschlossen, von der Sorge, der Aufregung, der Morgenübelkeit und den ersten Kindsbewegungen, aber das wird sich ab sofort ändern.“

Sein Blick aus grauen Augen wirkte stählern. So hatte sie ihn noch nie gesehen.

„Wir werden heiraten. Du gewöhnst dich besser an den Gedanken.“

Sie versuchte ein Lächeln, das eher kläglich ausfiel. „Das ist doch Blödsinn.“

„Was ist Blödsinn?“, hakte er nach. „Dass du so tust, als wäre nichts passiert? Dass du versuchst, deinen Zustand vor der Welt zu verbergen? Ich nehme an, du willst im Stall entbinden und deiner Familie erzählen, der Storch habe das Kind gebracht.“

Seine höhnische Bemerkung ließ heftigen Zorn in ihr aufwallen. „Ich schätze, ich habe es dir genau deshalb nicht gesagt. Ich habe befürchtet, du würdest alles an dich reißen und nicht eher Ruhe geben, bis die ganze Angelegenheit nach deinen Vorstellungen verläuft.“

Ihre Stimme war klar, fest und energisch. Zack blickte sie erstaunt an. Skylar war nicht minder verwundert. Sie schien für einen Moment vergessen zu haben, dass es ihr sonst nicht leichtfiel, in Gegenwart von Zack Manning zusammenhängende Sätze zu formulieren.

Er erholte sich rasch von seinem Schock. „Bisher ist alles nach deinen Vorstellungen verlaufen, so geht es nicht.“

„Ich werde dich nicht heiraten, Zack.“

„Kein Kind von mir wird ohne zwei Elternteile mit Eheringen an den Fingern aufwachsen.“

„Es wird ihm an nichts fehlen“, wiederholte sie. Die Unterstellung, sie könnte nicht allein für ihr Kind sorgen, nagte an ihr. Eigentlich war es nicht ihre Art, sich auf Diskussionen einzulassen und jemandem zu widersprechen. Ihre Streitlust hatte vermutlich mit ihrem derzeitigen Hormonhaushalt zu tun. Jedenfalls verspürte sie das dringende Bedürfnis, das Baby und sich selbst zu beschützen.

„Nein, das wird es nicht. Weil ich ab jetzt für euch beide sorge.“

Ungläubig schüttelte sie den Kopf. „Ich glaube dir kein Wort.“

„Wie auch immer.“ Er zuckte die Achseln und ging zur Tür.

„Wohin willst du?“

„Wenn ich in einer Stunde nicht zurück bin, hat dein Vater sein Jagdgewehr auf mich abgefeuert.“

„Nein!“ Entsetzt eilte Skylar ihm nach. „Bitte, Zack. Lass mich es ihm sagen. Auf meine Weise.“

„Die Dinge laufen seit vier Monaten auf deine Weise. Du hattest jede Chance, es ihm mitzuteilen. Die nächsten fünf Monate gehören mir.“

Skylar versuchte, vor ihm an der Tür zu sein. „Er ist ein alter Mann und hat im Moment seine eigenen Sorgen.“

Mühelos verhinderte Zack ihr Bestreben, ihm den Weg zu verstellen. „Dein Vater ist zäh wie ein alter Ochse.“

„Zack, Patricia hat ihn verlassen. Er ist am Boden zerstört.“

„Dann wird die Aussicht auf eine Hochzeit und ein Enkelkind ihn auf andere Gedanken bringen.“

„Würdest du das bitte lassen?“, forderte sie energisch. „Ich muss in Ruhe darüber nachdenken, wie ich es ihm möglichst schonend beibringe.“

„In Ruhe darüber nachdenken?“, wiederholte er und zog die Augenbrauen hoch. Dabei umfasste er die Türklinke so fest, dass seine Fingerknöchel sich weiß färbten.

„Ich werde es ihm bald sagen. Und ich halte dich auf dem Laufenden.“

Er riss die Tür auf und verdrehte die Augen. „Ja, genau. Wie in den letzten vier Monaten.“

Sie hatte Mühe, ihm zu folgen, und musste fast rennen.

Zack drehte sich abrupt zu ihr um. „Geh wieder ins Haus.“

„Auf keinen Fall. Ich komme mit dir.“

„Skylar, das ist ein Gespräch unter Männern. Da willst du nicht wirklich dabei sein.“

„Hör gefälligst auf, mich zu bevormunden.“ Ihre Stimme klang panisch, aber das war ihr egal. Sie musste ihn unbedingt aufhalten.

„Beruhige dich.“ Er legte ihr die Hände auf die Schultern. Diese sanfte Geste stand in krassem Widerspruch zu seinem harschen Tonfall. „Ich bin bald zurück.“

„Dad ist nicht zu Hause“, log sie verzweifelt. „Er ist unterwegs, um Patricia zu suchen.“

„Entschuldige, wenn ich dir nicht glaube.“

„Du bist unmöglich!“

„Nein, ich bin ein braver Junge.“ Er schob sie ins Haus zurück. „Aber du bist eine verlogene hinterhältige … setz dich hin.“ Er drückte sie energisch auf einen Stuhl. „Und warte hier auf mich.“

„Wann habe ich dich jemals angelogen?“, verlangte sie zu wissen. Sie überlegte, ob sie auf Befehl in Ohnmacht fallen konnte, bereit, einen billigen Trick anzuwenden, nur um ihn daran zu hindern, mit ihrem Vater zu sprechen. Er beugte sich zu ihr, sodass sie seinen Atem auf ihrem Gesicht spürte.

„Wie ist es mit meinen zwei Anrufen pro Monat? Ich habe dich jedes Mal gefragt, wie es dir geht und ob alles in Ordnung ist“, erklärte er und zog eine finstere Miene.

Sie biss sich auf die Unterlippe und senkte den Blick. Es sah ihm ähnlich, das zur Sprache zu bringen.

„Du hast offenbar nie daran gedacht, mir zu antworten: Es geht mir gut, Zack. Danke der Nachfrage. Ich bin schwanger von dir, aber ansonsten ist alles in Ordnung.“ Er schaute sie böse an und drehte sich auf dem Absatz um.

Skylar sank in sich zusammen. Er hatte natürlich recht. Sie hatte zahlreiche Gelegenheiten gehabt, ihm zu sagen, dass er Vater werden würde. Als er das erste Mal angerufen hatte, war sie sehr aufgeregt gewesen. Zwar war ihr das unrühmliche Ende ihrer leidenschaftlichen Nacht noch immer peinlich, aber sie hatte sich gefreut, seine Stimme zu hören.

In den darauf folgenden Telefonaten hatte er vorgeschlagen, sie solle ihn besuchen, um sich sein neues Gestüt anzusehen. Und er hatte angedeutet, dass er im September zur großen Keeneland-Pferdeauktion wiederkommen würde. Vielleicht kannst du dir ein paar Tage freinehmen und mich begleiten, hatte er gesagt. Sie war viel zu schüchtern und verlegen gewesen, um über etwas anderes als Pferde zu reden.

Nachdem sie entdeckt hatte, dass sie schwanger war, gerieten diese Gespräche natürlich zu einer ziemlichen Tortur. Sie hatte sich gefragt, warum er sich noch um sie kümmerte und den Kontakt aufrechterhielt. Wenn sie jedoch ehrlich war, war das schon immer so gewesen. Er hatte von Anfang an Interesse an ihr gezeigt und sich oft nach ihr erkundigt oder ihr Grüße ausrichten lassen.

Sie hörte, wie Zack vor dem Haus den Motor seines Wagens anließ. Hastig stand sie auf.

Ihr Vater! Sie musste ihn unbedingt warnen, daher griff sie zum Telefon und wählte die Nummer des Haupthauses. Als sie ihren Vater am Apparat hatte, bat sie ihn, nicht mit Zack zu sprechen. „Bitte Peggy, ihm zu sagen, dass du nicht da bist“, schlug sie vor. Sie hatte ihn noch nicht oft um etwas gebeten und hoffte, dass er tat, was sie verlangte, ohne Fragen zu stellen.

Tatsächlich stimmte Nash Fortune zu, aber er war neugierig geworden und teilte ihr mit ruhiger Stimme mit, dass er sie nach Zacks Besuch sofort zu sehen wünschte.

Einige Minuten später kehrte Zack zurück. Die Tatsache, dass sein Vorhaben vereitelt worden war, hatte seine Laune nicht gerade gehoben.

„Wenn du morgen früh nicht hier bist, werde ich dich suchen. Und ich finde dich, darauf kannst du dich verlassen“, erklärte er ebenso grimmig wie entschieden.

Sobald er sich verabschiedet hatte, fuhr Skylar zum Haupthaus. Ihr Vater öffnete ihr die Tür.

„Was ist eigentlich los?“, wollte er wissen.

Er sah so müde aus. Sie hasste die Vorstellung, ihm noch mehr aufbürden zu müssen. Er machte gerade eine schwere Zeit durch. Es war keine Lüge gewesen, als sie Zack erzählte, dass seine Frau ihn verlassen hatte. „Gibt es etwas Neues von Patricia?“

Traurig schüttelte Nash den Kopf. „Nein. Was treiben Zack Manning denn für Flausen um?“

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