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Die heiligen 2 Könige

Leonie von Sandtown

Die heiligen 2 Könige

Gay Romance





BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Safer Sex

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Helden dieser Geschichte sind fiktive Figuren, die sich nicht schützen müssen. Im wahren Leben gilt Safer Sex!

Heimat

Kapitel 1

 

 

Melchior

 

Mit einem mulmigen Gefühl im Magen passiere ich mit dem Auto, ein alter, silberner Renault Clio, das Ortseingangsschild meines Heimatdorfes, in dem ich aufgewachsen bin. Nichts hat sich verändert, seit ich es vor fünf Jahren verlassen habe.

 

Ich setze den Blinker und biege an dem alten Rittergut vorbei, das Gott sei Dank in gute Hände gekommen ist und modernisiert wurde, rechts ab. Prachtvoll erstrahlt es jetzt wieder in altem Glanz.

Der Weg zu meinem Elternhaus führt über die Bahnschiene, dann den Berg hinauf. Mein Herz schlägt immer schneller und ich drehe die Musik lauter, um meine Erinnerungen zurückzudrängen. Wie immer habe ich Pech, denn ausgerechnet das Lied, welches mein Seelenleben widerspiegelt, hämmert gerade durch die Boxen - „Meine Soldaten“ von Maxim. Verdammt, die trüben Gedanken kommen zurück. Mein Herz lässt sich nicht zum Schweigen bringen, egal wie viele Soldaten ich auch losschicke. Immer wieder habe ich mich davor gedrückt, zurückzukommen, und habe stattdessen meine Schwester sowie ihre Familie gebeten, mich zu besuchen. Oft genug sind sie dieser Bitte nachgekommen, aber dieses Mal hatte ich keine Chance.

Ich erreiche den Gipfel des Berges, noch eine scharfe Linkskurve und ich bin in meiner alten Wohnstraße.

Graue Einfamilienhäuser, nach DDR-Standard gebaut, säumen links und rechts die Fahrbahn. Nach knapp hundert Meter biege ich in die Einfahrt ein. Meine Stimmung ist auf dem Nullpunkt, als ich den Motor ausschalte.

Nein, mein Herz schweigt einfach nicht, egal was Maxim singt, vor allem als mein Blick zum Nachbarhaus wandert. Ein schmerzhafter Stich durchzieht mein Herz.

So viele schöne Erinnerung verbinde ich mit diesen beiden Häusern, aber leider auch schmerzhafte.

Mit einem Seufzer öffne ich die Tür meines Wagens und steige aus. Ganz langsam sehe ich mich um und werfe die Autotür ins Schloss.

Da das Küchenfenster in Richtung Straße geht, sehe ich sofort, dass darin Licht brennt. Der Raum direkt daneben war früher mein Kinderzimmer. Soviel ich weiß, haben es meine Schwester und ihr Mann zu einem Esszimmer umgebaut.

Die Fenster im ersten Stock gehören zum Bad sowie zum Elternschlafzimmer. Internet sei Dank bin ich über jede Veränderung, die im Haus vorgenommen wurde, im Bilde. Meine Schwester schickt mir jedes Mal Fotos, die mit genauen Erläuterungen versehen sind.

Die Wohnstube und das Kinderzimmer liegen auf der Rückseite des Hauses, mit Blick auf den Garten. Das Dach ist bereits neu und soviel ich weiß, soll auch der graue Putz der Außenwände bald einem schönen Sonnengelb weichen. Zwei große Paletten mit Pflastersteinen warten schon auf ihre Verlegung und werden der Einfahrt ein neues Gesicht geben.

 

Gemächlich bewege ich mich die Treppe hinauf, die am Haus entlangführt. Meine Augen wandern kurz über die kleine Mauer, hinter der sich die Kellertür befindet.

Ich sehe meine Schwester und mich als Kinder dort stehen, während mein Vater uns fotografiert. Eines der wenigen Farbbilder, die es von uns gibt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb es noch existiert. Meine Schwester trug damals einen unvorteilhaften Bob, was ihr heute mehr als peinlich ist. Genau erinnere ich mich daran, wie wir in die Kamera gelächelt haben und dass sich jemand zu uns gesellt hat.

Eilig schüttele ich den Kopf und schließe die Lider, denn an diesen einen Menschen möchte ich gerade nicht denken.

 

Ich öffne die Augen wieder. Es hat sich viel verändert seit damals. Meine Eltern konnten nicht viel an dem Haus machen, weil Materialien zu DDR-Zeiten knapp waren, wenn es überhaupt welche gab. Nach der Wende sind die beiden lieber in den Urlaub gefahren, um ihre neue Freiheit zu genießen. Von einer dieser Reisen sind sie dann nicht mehr zurückgekommen. Ganz genau erinnere ich mich an diesen Tag. Es hatte seit den frühen Morgenstunden geregnet und ich war gerade dabei, meine Sachen fürs Studium zu packen, als es an der Tür klingelte. Ohne mir Gedanken zu machen, habe ich sie geöffnet. Den Gesichtern der beiden Polizisten, die vor der Tür standen, konnte ich schon ansehen, dass etwas nicht stimmte. Der kurze, stumme Augenkontakt machte mich nervös und ich war froh, als einer der Beamten fragte: „Herr Tappe?“

Ich nickte nur und der Beamte redete mit leiser Stimme weiter: „Ich muss ihnen leider mitteilen, dass ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind.“

Ich kam nicht dazu, etwas zu sagen, denn die Stimme meiner Schwester hielt mich davon ab.

„Nein, das kann nicht sein.“ Unbemerkt war sie neben mich getreten und hatte den letzten Satz gehört. Als ich mich zu ihr drehte, liefen ihr bereits die Tränen übers Gesicht und ich konnte sie gerade noch auffangen, bevor ihre Beine nachgaben.

Die Polizisten boten ihre Hilfe an, doch ich lehnte ab. Fest drückte ich den zitternden Körper meiner Schwester an mich. Noch immer treibt es mir Tränen in die Augen, wenn ich an diesen Augenblick zurückdenke. Eilig wische ich sie weg.

 

Damals verschob ich den Antritt meines Studiums um einige Wochen, bis ich mir sicher war, dass es meiner Schwester wieder besser ging und trotzdem musste sie mich fast aus dem Haus jagen. Zum Glück wich mein Schwager nicht von ihrer Seite, weswegen ich letztendlich nachgab. Der regelmäßige Kontakt zueinander half uns, aber vermissen tun wir unsere Eltern immer noch. Wir hatten eine schöne Kindheit, mit liebevollen Eltern, die mir auch zur Seite standen, als es mir wegen ihm sehr schlecht ging. Nein, bloß nicht an ihn denken.

 

Bevor ich den Eingang erreiche, der sich auf der Rückseite des Hauses befindet, streift mein Blick den kleinen Durchgang, der zum Nachbargrundstück führt und mit einem Blumenbogen überdacht ist, um den sich im Sommer rote Rosen winden.

Dort habe ich oft mit ihm gesessen, den ersten Kuss bekommen - von ihm, der Liebe meines Lebens - der mir herzlos das selbige gebrochen hat.

Warum ich zurückkomme, obwohl alles so schmerzhaft ist? Meine Schwester hat mich fast schon gezwungen. Nach dem Tod unserer Eltern habe ich ihr unser Elternhaus überlassen. Natürlich hat sie mich ausgezahlt, aber das haben wir ganz unbürokratisch geregelt. Da bei mir nicht mit Nachwuchs zu rechnen ist - ich bin durch und durch schwul - sie aber bereits verheiratet und mit meinem Neffen schwanger war, fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Der Kleine ist übrigens auch der Grund, warum ich heute überhaupt hier bin.

 

Ich kann nicht erklären, warum, aber mein Lieblingsfeiertag war immer jener der ‚Heiligen drei Könige’, vielleicht weil ich diesen Tag mit ihm zusammen verbringen konnte.

Balthasar - der Nachbarsjunge, mein bester Freund und die erste große Liebe.

Jedes Jahr, seit ich denken kann, sind wir in unseren Kostümen - Krone auf dem Kopf, Stern in der Hand und wehendem Umhang - von Haus zu Haus gezogen. Wir wurden von der Pfarrgemeinde ausgesucht und ausgesandt. Irgendwann haben wir uns freiwillig gemeldet und als wir dann zu alt waren, haben wir die anderen Kinder begleitet. Mir war es egal, Hauptsache wir waren zusammen.

Gut, um das noch ein wenig zu erklären: Den Menschen, die uns eingelassen haben, wurde etwas vorgesungen, ein Gebet gesprochen oder ein Gedicht aufgesagt. Dann schrieben wir mit geweihter Kreide die traditionelle Segensbitte ‚C+M+B’, die so viel bedeutet wie ‚Christus segne dieses Haus’, verbunden mit der jeweiligen Jahreszahl an die Haustüren bzw. die Türbalken. Zum Abschluss erhielten wir eine Spende für einen wohltätigen Zweck.

Balthasars Vater mochte es nicht, wenn wir zusammen abhingen, weswegen wir diesen Tag besonders ausnutzten. Auch wenn sein Vater auf Geschäftsreise war - was glücklicherweise sehr häufig vorkam - sahen wir uns.

 

„Melchior, da bist du ja endlich. Ich habe mir schon Sorgen gemacht.“

Erschrocken drehe ich mich um, als ich die Stimme meiner Schwester Christin vernehme. Mit weit ausgebreiteten Armen kommt sie auf mich zu und schließt mich lächelnd in ihre Arme.

Es ist schön, wieder einen vertrauten Menschen zu spüren, deshalb lasse ich mich in ihre Arme fallen.

„Sorry, es war etwas Stau auf der Autobahn. Ich hätte dich anrufen sollen.“

Seit dem Tod unserer Eltern ist unsere Verbindung noch tiefer geworden als sie vorher schon war.

„Ist nicht schlimm. Ich bin nur erleichtert, dass du gut angekommen bist.“ Ganz kann ich ihr die Aussage nicht glauben, denn die Angst ist noch deutlich in ihren Augen zu sehen. Sie streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht, als ob sie sich überzeugen muss, dass ich echt bin, und sagt dann erleichtert: „Los komm, dein Neffe wartet schon sehnsüchtig auf dich.“

Sie hakt sich bei mir ein und wir betreten gemeinsam das Haus. Im Windfang ziehe ich mir die Schuhe aus und schlüpfe in schwarze Pantoffeln, die meine Schwester mir reicht. Als ich mich aufrichte, bemerke ich, wie sie mich aufmerksam mit besorgtem Gesichtsausdruck mustert.

Nur allzu genau weiß ich, was dieser zu bedeuten hat, denn sie kennt mein Herz nur zu gut.

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