Logo weiterlesen.de
Die gute Stadt Paris

Über Robert Merle

Robert Merle (1908–2004) hat mit der Romanfolge »Fortune de France« über das dramatische Jahrhundert der französischen Religionskriege sein wohl bedeutendstes Werk vorgelegt. Er erzählt darin die Geschichte dreier Generationen der Adelsfamilie Siorac, zunächst auf Burg Mespech in der Provinz Périgord, später am Hof in Paris. Die insgesamt dreizehn Romane der Folge, die den Zeitraum von 1550 bis in die vierziger Jahre des 17. Jahrhunderts überspannen, liegen nun alle in deutscher Übersetzung vor:

Fortune de France

In unseren grünen Jahren

Die gute Stadt Paris

Noch immer schwelt die Glut

Paris ist eine Messe wert

Der Tag bricht an

Der wilde Tanz der Seidenröcke

Das Königskind

Die Rosen des Lebens

Lilie und Purpur

Ein Kardinal vor La Rochelle

Die Rache der Königin

Der König ist tot

Informationen zum Buch

Sommer 1572. Der junge Pierre de Siorac, Sohn eines hugenottischen Edelmannes aus dem Périgord und gerade frischgebackener Mediziner, muß sich – wegen eines Duells von des Todesstrafe bedroht – in die Hauptstadt flüchten, die Gnade des Königs zu erflehen. Er ist tolerant im Glauben und schlagfertig, listig, intelligent im Leben, dazu von unwiderstehlicher Ausstrahlung auf Frauen – Talente, die ihm bei seinem gefahrvollen Vorhaben sehr von Nutzen sind. Er lernt das Paris der kleinen Leute kennen, aber auch den prunkvollen, düsteren Louvre. Er hofiert hohe Damen, die wahre Kokotten sind. Er begegnet den Günstlingen der Prinzen und den großen Geistern der Zeit. Seinem Geschick verdankt er es, daß er schließlich dem König vorgestellt wird und seine Begnadigung erlangt. – Aber in Frankreich tobt seit zehn Jahren ein mörderischer Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten, der in der Nacht des 24. August – der Hochzeitsnacht der katholischen Königstochter Marguerite mit dem »Ketzer« Henri de Navarre – ihren blutigen Höhepunkt erreicht. Und auch Pierre de Siorac wird in den Strudel der Bartholomäusnacht gerissen.

Robert Merle

Die gute Stadt Paris

Roman

Aus dem Französischen von Edgar Völkl

Erstes Kapitel

Eines weiß ich mit Gewißheit: es stehet mit uns wie mit dem Meere, dessen Stille nur trügt. Darunter ist alles Bewegung, Unruhe, Aufruhr. Ebenso findet der Mensch keine Zufriedenheit, seine Seele keinen Frieden. Kaum ist er eines Glückes teilhaftig, verlangt es ihn nach einem anderen.

Als ich Herrn de Montcalms Schloß verließ, war ich erfüllt von dem Glück, meinen Vater nach so langer Trennung wieder heil und gesund an meiner Seite zu wissen, erfüllt von der Freude, mich mit ihm auf den Weg nach Sarlat und meinem vielgeliebten Mespech zu begeben: das Herz schlug mir höher bei dem Gedanken an all seine Bewohner. Allein, meine Freude war nicht ungetrübt, und das Herz wurde mir immer wieder schwer, ließ ich doch Angelina de Montcalm und das ungewisse Glück zurück, welches wir uns geschworen und als dessen Unterpfand ich einen blaubesteinten Ring am linken kleinen Finger trug, welchselben sie mir im Erker des Ostturmes von Barbentane geschenkt.

Als »ketzerischer« Hugenott und Zweitgeborener ohne Vermögen, so dachte ich, war es da nicht vermessen, eines Tages um ihre Hand anhalten zu wollen, falls sie, der ablehnenden Haltung Herrn de Montcalms nicht achtend, überhaupt zu warten gewillt war, bis ich in langen, mühevollen Jahren die Stufenleiter erklommen, den Doktortitel erworben und mich als Medicus niedergelassen, um endlich in der Lage zu sein, ihr eine Ehe entsprechend ihrem Stande und – wie ich dafürhalten möchte – auch entsprechend dem meinen zu bieten?

Himmel! wie liebte ich sie! Und wie schrecklich, wie entmutigend war der Gedanke, sie zu verlieren. Denn welche Hoffnung verblieb mir – trotz all meines Glaubens an ihr gegebenes Wort – angesichts der Tyrannei eines Vaters, des quälenden Drängens einer Mutter, der Bedenken der Geliebten selbst, unverheiratet zu altern in schier endlosem Warten, dessen glückliches Ende nicht gewiß sein konnte in diesen unsicheren Zeiten, da das Leben eines Mannes, gar eines Hugenotten, nicht schwerer wog als das eines Huhnes?

Doch inmitten dieser dunklen Gedanken, die mir schier das Herz erdrückten, war es ein Labsal, mir im Geiste ihren graziösen, schmeichelnden Gang vorzustellen, den zärtlichen Blick ihrer großen glänzenden Augen, ihre bewundernswerte Herzensgüte. Wahrlich, dachte ich bei mir, du hast dich in deiner Wahl nicht geirrt: solange du auch suchen magst, du würdest in der ganzen Welt keine andere Frau finden, die soviel Herz mit soviel Schönheit vereint.

Mein Vater hatte gewollt, daß wir den Weg über die Cevennen nahmen und also durch die Berge nach dem Périgord ritten, da er den zwar weiteren, aber bequemeren Weg über Carcassonne und Thoulouse als zu gefahrvoll erachtete. Nach dem Überraschungsangriff von Meaux, bei dem die Führer der Reformation, Condé und Coligny, um ein Haar den König gefangengenommen hatten, wütete nunmehr der Krieg im Königreich zwischen Hugenotten und Katholiken, und da sich die vorgenannten Städte in der Hand der Papisten befanden, hätte ihre Durchquerung Gefahr für unser Leben bedeutet, obgleich wir wohlbewaffnet waren. Doch mein Vater, die beiden Vettern Siorac, ich selbst, mein Halbbruder Samson, unser Diener Miroul, unser Gascogner Cabusse und der Steinbrecher Jonas, wir waren nur acht Mann: genug, sich der unterwegs im Hinterhalt lauernden Wegelagerer zu erwehren, aber zu wenig, um den Kampf mit den Kriegsmannen der königlichen Offiziere zu bestehen.

In Sarlat und im ganzen Sarladischen Land hatten selbst die Papisten (außer den ärgsten Fanatikern) Achtung vor uns, da mein Vater ein königstreuer Hugenott war, der niemals den Degen gegen seinen König gezogen; zudem hatte er während der Pest die Stadt mit Lebensmitteln versorgt und sie danach von dem Schlächterbaron zu Lendrevie und seinen Erzbösewichtern befreit. Doch in Carcassonne und Thoulouse waren wir niemandem bekannt, und da jeder Hugenott in jener Zeit als Rebell galt, der sogleich zu ergreifen und abzuurteilen war, hätte das für uns den sicheren Tod bedeuten können.

Sobald die Bergstraße für den Trab zu steil wurde, ließen wir unsere schweißbedeckten Rösser im Schritt gehen, und mein Vater, der jetzt an meiner Seite ritt und mich so nachdenklich sah, »schwarzen Gedanken nachhängend« (wie meine arme Fontanette gesagt hätte), ersuchte mich, ihm von meinem Leben als Scholar zu Montpellier zu berichten, doch in größeren Einzelheiten als in meinen Briefen und ohne etwas zu verblümen noch hinwegzulassen.

»Mein Herr Vater«, sagte ich, »so Ihr einen wahrhaftigen und ehrlichen Bericht wollet, lasset uns unserer Schar ein Stück vorausreiten. Aus Feingefühl möchte ich nicht von unseren Vettern Siorac oder unseren Leuten gehört werden und vor allem nicht von meinem vielgeliebten Bruder Samson, dessen Unschuld ich mit meinem Bericht allzusehr zu verletzen fürchte.«

Worauf mein Vater, aus vollem Halse lachend, zustimmte, seinem Pferd die Sporen gab und mit mir ein Stück vorausritt. Von meinem Leben, meinen Mühen, meinen Liebschaften, von den großen Widrigkeiten, Freuden und Gefahren, die mir zu Montpellier und Nismes begegnet waren, berichtete ich getreulich alles, ohne etwas zu verschweigen außer dem höchst beklagenswerten Ende meiner armen Fontanette; nicht daß ich es ihm hätte verhehlen wollen (ebensowenig die Rolle, die ich dabei gespielt), sondern weil ich befürchtete, bei meinem Bericht in Schluchzen auszubrechen, wie es mir in Barbentane zu Füßen meiner Angelina ergangen war.

»Mein Herr Sohn«, sprach mein Vater, als ich geendet, »Ihr seid ein Heißsporn voller Mut, der schnell seinem Mitgefühl, aber auch seinem Zorn nachgibt. Ihr waget zuviel. Ihr wollet stets alles Unrecht tilgen. Dies ist ein edeles, doch gefährliches Streben. Eure Bedachtheit in Euerm Tun ist ebenso groß wie Eure Unbedachtheit vor Euerm Tun. Beherziget stets die Weisheit: Zweifel, Vorsicht und Geduld sind die Nährmütter großer Taten. Wenn Ihr lange leben wollt in diesem grausamen Jahrhundert, so haltet Euch an diese Weisheit. Nehmet Rücksicht auf das Schicksal, so wird es Rücksicht auf Euch nehmen. Nosse haec omnia, salus est adolescentis.1«

Während er so sprach, betrachtete ich meinen Vater und war ganz gerührt, daß er seine Rede erwartungsgemäß mit einem Ciceroschen Zitat abschloß, denn der Held von Ceresole und von Calais war auf sein elegantes Latein fast ebenso stolz wie auf seine medizinische Kunst, der er sich ursprünglich verschrieben hatte. Er saß in tadelloser Haltung auf seinem Pferd, und mit seiner kräftigen wohlgewachsenen Gestalt ohne einen Ansatz von Dickleibigkeit, seinen blitzenden blauen Augen und dem trotz seiner fünfzig Jahre kaum ergrauten Haar erschien er mir so, wie ich ihn immer gekannt hatte.

»Mein Herr Vater«, sprach ich, »Eure Rede ist wohl wahr. Ich danke Euch für den weisen Rat und werde danach streben, meinen Mangel an Bedachtsamkeit auszugleichen. Allein«, so fuhr ich fort »wäret Ihr wohl Baron, Herr Baron von Mespech, wenn Ihr nicht alles gewagt hättet in Eurem ersten Duell, welches zur Folge hatte, daß Ihr den Arztberuf mit dem Waffenhandwerk tauschen mußtet?«

»Pierre de Siorac«, sagte mein Vater mit gestrenger Miene, »dies war ein Gebot der Ehre, und die Ehre stehet höher als das Leben. Doch könnt Ihr das gleiche sagen von den Gefahren, in die Ihr Euch begeben? Zum ersten steht doch außer Zweifel: wer sich mit einer reichen Dirne abgibt, dem droht Gefahr durch eines Gauners Messer.«

»Es ist dem Leichtfuß auch übel bekommen!«

»Und dabei hat er noch Glück gehabt. War es nicht gegen jedes Gesetz, daß Ihr mit Euren Gefährten die beiden Toten auf dem Friedhof zu Saint-Denis ausgrubet, sie zu sezieren?«

»Das hat der große Vesalius auch getan.«

»Und hat dabei sein Leben riskiert! War es weiter auch zum Zwecke der Sezierung, daß Ihr mit einer bezaubernden Zauberin auf dem Grabe des Großinquisitors Unzucht getrieben?«

»Ich mußte sie um jeden Preis von dem Ort der Grabesöffnung entfernen.«

»Entfernen?« sprach Jean de Siorac, »indem Ihr solcherart in sie dranget? Wahrlich, eine seltsame Art des Entfernens!«

Er lachte bei diesem kleinen Scherz, was auch ich tat, jedoch nicht ohne den Gedanken, daß er an meiner Stelle wohl ein Gleiches getan hätte, da jeder Weiberrock – auch wenn es nicht der einer Zauberin war – ihn magisch anzog.

»Und drittens, mein Herr Sohn«, fuhr er fort, wobei seine Miene wieder ernst wurde, »was hat Euch angefochten, daß Ihr den gottlosen Abbé Cabassus mit Eurer Büchse auf dem Scheiterhaufen totschosset?«

»Ich tat es aus Mitgefühl. Er litt gar große Schmerzen.«

»Und es war ebenfalls aus Mitgefühl, nehme ich an, daß Ihr den Bischof Bernard d'Elbène zu Nismes gerettet?«

»Gewiß.«

»Und das war recht getan. Es war ein Gebot der Ehre, einen ehrlichen Gegner vor feigem Mord zu bewahren. Jedoch für die Grabesöffnung, das Totschießen und die Unzucht gibt es keine Entschuldigung. Wo bleibt bei all dem das Gesetz, die Vernunft, die Umsicht? Ihr habt gehandelt wie ein Tollkopf!«

Ich schwieg dazu, ohne jedoch den Kopf zu senken, denn Demütigkeit lag nicht in meiner Natur.

»Mein Herr Sohn«, fuhr Jean de Siorac in höchst ernstem Ton fort, mich Auge in Auge anblickend, »ich habe beschlossen, daß Ihr nicht nach Montpellier zurückkehrt, solange unser Krieg mit den Papisten andauert.«

»Aber Herr Vater!« rief ich voller Schrecken und Bestürzung, »meine Medizinstudien! Was wird aus ihnen während all dieser Zeit?«

»Ihr werdet sie in Mespech mit meiner Hilfe weiter betreiben, indem Ihr fleißig in Euren Büchern studieret und mit mir zusammen sezieret.«

Worauf ich schwieg, nicht wissend, was ich antworten sollte, denn sosehr ich aus tiefstem Herzen Mespech mit seinen Ländereien liebte, erfüllte mich doch der Gedanke, eine so lange Zeit weit entfernt von Montpellier und – ich sage es offen – von Barbentane weilen zu müssen, mit großer Trauer und Betrübnis.

»Mein Pierre«, sprach darauf Jean de Siorac, der meine Gedanken erraten hatte, in milderem Ton, »grämet Euch nicht: eine große Liebe wird durch Trennung nur noch größer. Überdauert sie eine solche nicht, war sie nicht groß genug.«

So wahr diese Worte waren, vermochten sie mich dennoch nicht vollends zu trösten.

»Mir ist allein an Eurer Sicherheit gelegen«, sprach er, »und deshalb will ich Euch von den Wirren in Montpellier fernhalten, solange sich dort Hugenotten und Papisten im Namen Christi gegenseitig die Kehle durchschneiden.« Nach kurzem Schweigen fuhr er mit einer gewissen Traurigkeit in seinen sonst lebhaften und fröhlichen Augen fort: »François ist mein Ältester, also wird er Mespech erben. Und Ihr wißt, was von ihm zu halten ist. Doch Ihr, mein Zweitgeborener, glänzet durch so viel Mut und Talent, daß es Euch unzweifelhaft gegeben sein wird, dem Namen, den Ihr tragt, eines Tages zu großem Glanz zu verhelfen. Indes seid Ihr von heftiger Natur, unbedacht und vorschnell im Handeln. Also will ich mit Gottes Hilfe Euer Leben schützen, denn Ihr besitzet nur eines, und ich möchte nicht, daß Ihr es in der Blüte Eurer Jugend verliert, was mir in meinen alten Tagen großen Schmerz und Kummer bereiten würde. Mein Pierre, ich sage es freiheraus: Ihr bedeutet mir mehr als mein Baronat.«

Auf diese Worte, die mich zutiefst bewegten, schwieg ich, die Kehle wie zugeschnürt und Tränen in den Augen, denn mein Vater hatte mir noch nie offenbart, wie groß seine Liebe zu mir war, obgleich seine Rede gewöhnlich seinen Gedanken sehr nahe folgte, denn er war – wie ich, den er so geprägt hatte – ein freiherziger Mensch, der außer vor seinen Feinden nichts zu verbergen pflegte.

Oh, Leser! Wie herzlich wurde ich in Mespech aufgenommen (wo wir weniger als vierzehn Tage nach unserem Aufbruch von Barbentane anlangten, da wir manchen Tag kein Quartier gemacht und in schärfster Gangart geritten waren); wie glücklich fühlte ich mich als Liebling des ganzen Schlosses, wohlgelitten und verwöhnt von allen, ob Herren oder Gesinde, und meinerseits allen zugetan bis zum letzten Knecht; wie groß war meine Freude über das Wiedersehen mit meiner geliebten Amme Barberine, die mich mütterlich in die Arme schloß und an deren Busen ich mich abends schmiegte, ohne mich zu beschämen. Allein, sobald mein Vater Briefe aus dem Norden erhielt (und in diesen unruhigen Zeiten zirkulierten die Nachrichten schnell von Hugenott zu Hugenott), drang ich in ihn, sie lesen zu dürfen, und verschlang sie sogleich, immer auf den Sieg unserer Seite hoffend, das Ende dieses blutigen Krieges ersehnend, das ich aus Liebe zu den Menschen und zum Königreich, aber auch um meinetwillen, um meiner Rückkehr nach Montpellier und um meiner Angelina willen aus ganzer Kraft herbeiwünschte.

Gewiß, das Kriegsglück war uns nicht abhold, ganz im Gegenteil. Mit kaum zweitausend Mann waren Condé und Coligny in ihrer unglaublichen Kühnheit nach Paris vorgestoßen und hatten in dieser riesigen, ganz den Papisten ergebenen Stadt die zwanzigtausend Soldaten des Konnetabel de Montmorency eingeschlossen.

Ein wahres Wunder: die Fliege belagerte den Elefanten. Mehr noch: sie hungerte ihn aus. Sie plünderte die Dörfer, so sie sie nicht besetzt hielt wie Saint-Denis, Saint-Ouen und Aubervilliers, leerte die Scheunen, brannte die Mühlen nieder, fing die Viktualientransporte ab. Das Brot aus Gonesse gelangte nicht mehr in die Hauptstadt. Der Markt zu Saint-Cloud war leer, weder Butter noch Fleisch kamen mehr aus der Normandie.

Die vom Hunger geplagten und in ihrem Haß von den eifernden Pfaffen aufgereizten dreihunderttausend Pariser fieberten danach, über die Handvoll frecher Hugenotten herzufallen, deren Kühnheit der großen Stadt spottete. Doch der Konnetabel suchte Zeit zu gewinnen. Er zögerte, den Kampf aufzunehmen, nicht etwa, weil er beabsichtigte – wie man ihm vorwarf –, Condé und Coligny zu schonen, die seine eigenen Neffen waren (welch bezeichnendes Sinnbild dieses brudermörderischen Krieges!), sondern weil er in seiner übergroßen Vorsicht und seiner von Arroganz überdeckten Mittelmäßigkeit die Ankunft der spanischen Verstärkung abzuwarten gedachte, ehe er den Angriff wagte.

Doch die Tumulte, die daraufhin unter den Parisern ausbrachen, zwangen ihn dazu; und in seinem Zorn darüber, daß sie ihren Willen gegen ihn behauptet hatten, setzte der rachsüchtige Konnetabel als Vorhut noch vor den Reihen der Schweizer die Pariser Bürgerwehr ein, wohlbeleibte Männer, die ihre Schmerbäuche unter Goldtressen und blitzenden Waffen verbargen. Coligny stürzte sich mit seinen weißgewandeten mageren Gesellen auf sie, überrannte sie und schlug sie in die Flucht. In ihrem wilden Rückzug brachten die dicken Bürgerlein die Kampfordnung der Schweizer völlig durcheinander, was der Konnetabel in seiner Kurzsichtigkeit nicht vorauszusehen vermocht hatte.

Der türkische Botschafter, welcher sich auf dem Hügel des Dörfchens Montmartre postieret hatte, daß er das Geschehen besser überblicke, wußte sich kaum zu fassen vor Erstaunen über den Mut und die Kühnheit unserer Weißröcke. »Wenn Seine Hoheit diese Weißröcke hätte«, rief er aus, »würde er um die ganze Welt ziehen, und nichts könnte ihn aufhalten.«

In der Tat, nichts konnte Condé aufhalten, der an der Spitze seiner Reiter direkt auf den Konnetabel vorstieß. Was war das für ein Getümmel! Einer der Gefährten Condés, der Schotte Robert Stuart, welcher früher von den Papisten grausam gefoltert worden, kämpfte sich zu Montmorency durch und schoß ihn mit seiner Pistole über den Haufen.

Nun der Befehlshaber des königlichen Heeres tot war, zog sich unsere kleine Armee, die zuwenig Mannen zählte, um siegen zu können, ungeschlagen nach Montereau zurück, wo sie versuchte, ihre Reihen aufzufüllen, während Paris sich die von den hugenottischen Wölfen geschlagenen Wunden leckte und gleichfalls bestrebt war, seine Verluste wieder auszugleichen. So stellte sich eine Art Waffenstillstand ein, welcher den ganzen Winter andauerte, da jede Seite sich für den entscheidenden Angriff zu stärken suchte. Wie endlos schien mir jener Winter in meinem zinnenbewehrten Logis! Um so mehr, da er in unserem Perigord voller Raureif und Schnee war und mir diese Kälte nach der linden Luft von Montpellier gar sehr in die Glieder fuhr. Ich schrieb nach Montpellier an meinen »Studienvater«, den Kanzler Saporta, an meinen Quartierherrn, Meister Sanche, an meinen Studiengenossen Fogacer. Ich schrieb alle Tage, die Gott werden ließ, an meine Angelina. Und einmal schrieb ich an Madame de Joyeuse und an die Thomassine.

Letztere, so muß ich sagen, fehlten meinen Sinnen wie Angelina meinem Herzen. Nicht daß ich – sei es auch nur in Gedanken – meinem schönen Engel hätte untreu werden wollen, ganz gewiß nicht! Allein, wie sollte ich die Bitterkeit und Pein der Enthaltsamkeit so lange ertragen, da ich ein gar großes Verlangen nach dem holden weiblichen Körper in mir trug? Dazu dürften sich die animalischen Geister, welche den nicht zu bezähmenden Organen (von denen ein jedes bestrebt ist, seinen Daseinszweck um jeden Preis zu erfüllen) entspringen, nicht in solcher Menge in die Kanäle des Hirns drängen. Denn sobald unsere täglichen Vergnügen unterbrochen sind, lockt die Abstinentia selbige Geister in großer Menge hervor, und wir sehen uns tyrannisiert von unseren Träumen – des Tages, wenn wir unbeschäftigt sind, und des Nachts, sobald der Schlaf uns flieht. Indem nun mein Denken derart von Liebesverlangen beherrscht war, erinnerte ich mich wieder und wieder der Wonnen, welche ich gar viele Male im Nadelhaus der Thomassine und im Palais de Joyeuse genossen, was mich bei genauerer Überlegung doch recht verdroß, denn ich hätte immer nur von denen träumen wollen, welche ich mir mit Angelina erhoffte. Aber ach! wie wahr ist das Sprichwort aus unserem Périgord: Bratenduft allein macht nicht satt, und der Vorgeschmack von künftigem Liebesglück vermag den bescheidenen Brotkanten nicht zu ersetzen, welcher zur Hand ist, wenn der Magen leer und das Wasser im Munde zusammenläuft.

Gegenwärtig hatte ich jedoch gar nichts, weder himmlische Ambrosia noch irdischen Brotkanten, da ich in Mespech eingesperrt saß wie in einem Kerker und es mir verboten war, mich in Sarlat oder auch nur in unseren Dörfern zu zeigen, so sehr fürchteten die Herren Brüder (womit ich meinen Vater und Sauveterre meine), daß in diesen unruhigen Zeiten mein Leben in Gefahr kommen könne.

Während meiner Abwesenheit hatte sich mein Onkel Sauveterre verändert: sein Haar war noch stärker ergraut, der Hals in der kleinen hugenottischen Halskrause gemagert; sein verletztes Bein stark nachziehend, lief er griesgrämig umher, kaum drei Worte am Tage sprechend (und davon noch zwei aus der Bibel), mit mißbilligender Miene mehr denn je grommelnd über Jean de Sioracs Schwäche für Franchou, das ehemalige Kammermädchen meiner verstorbenen Mutter, obgleich er den Bastard, David geheißen, wohl leiden mochte, den mein Vater mit der Schönen gezeugt und welcher nun schon ein Jahr alt war.

Franchou, die ihn noch säugte, war bereits wieder schweren Leibes und sehr erfreut, daß der Baron ihr bedeutet hatte, ihm wäre auch ein Mägdlein recht, da es, wie er sagte, mit Jacquou und Anet (meinen Milchbrüdern, den Söhnen meiner Amme Barberine) und meinem Halbbruder David auf Mespech schon kleine Buben zur Genüge gebe und er diesmal etwas Hübsches wolle, das mehr Freundlichkeit in unsere alten Mauern hineinbringen möchte. Welchselbe Worte bewirkten, daß Franchou sich ohne Furcht den Freuden der kommenden Mutterschaft überließ, da sie gewiß sein konnte, daß die Frucht ihres Leibes in jedem Falle willkommen wäre, denn wenn mein Vater auch ein Mägdlein wollte, so hat man doch niemals einen Mann gesehen, der über männliche Nachkommenschaft die Nase gerümpft hätte.

Ah! welch ergötzliche Tischgesellschaft waren wir des Sonntags in jenem Winter trotz der Kälte und des Schnees, wenn Cabusse mit seiner Cathau von Le Breuil heraufkam, unser Steinbrecher Jonas mit der Sarrazine aus seinem Haus an der Grotte und Coulondre Bras de Fer mit seiner Jacotte aus der Beunes-Mühle, die drei Frauenzimmer trefflich anzusehen in Sonntagsstaat und Spitzenhäubchen, jede mit einem Kindelein auf dem Arm, ohne Franchou zu vergessen, welche von allen am stolzesten war, weil ihr David einen Baron zum Vater hatte. Zum Ende des Mahles (das an solchen Tagen höchst deliziös war) geschah es dann, daß die eine oder andere der vier ihr Mieder aufschnürte und eine weiße Brust hervorholte, um ihr Kind zu säugen; nur die Cathau drehte sich dazu um, weil Cabusse gar eifersüchtig war. Allein, der Anblick der drei anderen reichte hin, das Auge zu erfreuen und das Herz zu rühren, und von der Stirnseite des Tisches her unterbrach mein Vater mit der Hand Sauveterres ernste Rede, daß er schweigend die Schönheit dieses Anblickes genösse, an dem er sich nicht sattsehen konnte, so sehr liebte er das Leben. Sauveterre hingegen hielt die Augen gesenkt – überzeugt, das Weib sei nur Sinnestrug und Seelenverderb oder bestenfalls kurze Freude und lange Sorge, doch immerhin erfreut, daß sich auf Mespech die kleinen Hugenotten mehrten, welche nach uns die Fackel der wahren Religion auf dieser Erde weitertragen würden.

»Ach!« rief meine Barberine aus beim Anblick der Jacotte, welche ihrem Kinde die Brust gab, das den Vornamen Emmanuel trug und ganz im Unterschied zu seinem wortkargen Vater Coulondre Bras de Fer ein Schreihals war, desgleichen man in diesen Mauern noch nicht gehört hatte. »Ach! meine Zeit ist vorbei!« (Sie seufzte.) »Was bleibt mir hier, seit Madame nicht mehr ist?« (Letzteres sprach sie mit leiser Stimme, um Moussu lou Baron nicht zu betrüben.) »Was bin ich noch nütze, da ich nur verstehe, meine Milch zu geben wie eine arme Kuh im Stalle? Als Madame noch unter uns war, da ließ ich mich, sobald sie schwanger ging, von meinem Manne ebenfalls schwängern, so daß die Frau Baronin nur eine Aushilfsamme brauchen möchte, bis ich niederkäme und meine Milch schösse. Doch was tue ich alljetzt? Das Herz möchte mir zerspringen, wenn ich sehe, wie diese vortrefflichen jungen Weibspersonen ihren prächtigen Kleinen die Brust geben und sie mit ihrer guten Milch reichlichst säugen, wie ich es einst mit den keinen Sioracs getan. Ach, ich Ärmste! Was soll ich noch hier? da ich nicht einmal Braten oder andere Speise zu bereiten vermag wie die Maligou und auch nicht das Haus zu versorgen wie die Alazaïs.«

»Barberine«, sprach ich, »ist es etwa nichts, François de Siorac genährt zu haben, der Baron von Mespech werden wird? Und mich, der ich einst Medicus in der Stadt sein werde? Und meine kleine Schwester Catherine, welche hübsch genug ist, eines Tages einen hohen und mächtigen Herrn zu heiraten?«

Worauf Catherine errötend die Lider über ihre himmelblauen Augen senkte, vor Verlegenheit ihre blonden Zöpfe ergriff und deren Enden in den Mund steckte. Sie hatte gerade ihr dreizehntes Lebensjahr erreicht wie auch die Gavachette (die Tochter, von der die Maligou sagte, sie stamme von einem Zigeunerhauptmann, welcher ihr vermittels Zauberkraft fünfzehnmal Gewalt angetan in ihrer Scheune), und ich erinnerte mich gut, wie wütend meine kleine Catherine mit drei Jahren wurde, wenn ich die Gavachette auf meinen Schultern trug; die Tochter der Maligou war heute schon ein Weib und meine Schwester noch immer nur ein Kind, dessen einzige Schönheit ihr liebliches Gesichtchen war: ganz Milch und Blut, mit blauen Augen, blondem Haar, Kirschmund und Stupsnäschen; denn der Körper zeigte noch keine weiblichen Rundungen, die langen Beine waren noch ganz dünn, das Hinterteil flach und der Busen kaum gewölbt.

Deutlich wurde ich dieses Unterschiedes den darauffolgenden Tag gewahr, als ich, von Zimmer zu Zimmer schlendernd, den Raum im Ostturm betrat, den mein Vater im Spaß die »Badestube« nannte: vor dem Kamin, darin ein kräftiges Feuer loderte, war ein eichener Zuber aufgestellt, den Alazaïs, die Maligou und Barberine mit heißem, dampfendem Wasser aus der Küche gefüllt hatten.

»Ha! mein Pierre!« rief Barberine, »entferne dich, mein Kleiner! Es schickt sich nicht für einen Knaben, die Mägdelein im Bade zu beschauen!«

»Wie!« rief ich aus, »ist Catherine nicht meine Schwester? Und die Gavachette in gewisser Weise auch? Habe ich sie nicht beide in meinen Kindestagen mehr als hundertmal nackt gesehen?«

Während ich so sprach, näherte ich mich, die Hände auf die Hüften gestützt, dem Zuber und genoß das Vergnügen, die beiden jugendhaften Schönheiten in natura zu betrachten. Hochrot im Gesicht, tauchte Catherine sofort bis zum Hals ins Wasser, die Gavachette jedoch, keck, wie sie war, sprach plötzlich:

»Ich bin jetzt sauber genug, Barberine!«

Worauf sie ohne Scham in voller Nacktheit aus dem Zuber stieg, sich in wechselnden Stellungen vor dem Kamin plazierte, damit das Feuer sie trocknen sollte, und mich, mit den Lidern zwinkernd, aus großen dunklen Augen unter ihrem tiefschwarzen Haar hervor verstohlen anblickte. Ich brauchte mich nicht zu rühren, um das schöne Kind von allen Seiten mit den Augen liebkosen zu können: sie drehte und wendete sich gar eifrig, die mattbraune Haut vom Feuer gold überglänzt, Leib und Glieder schlank und anmutig, die Brust straff und bereits wohlgerundet, unter der zierlichen Taille das Hinterteil höchst vollkommen geformt, weder zu knöchern noch zu dick.

»Oh, du Schamlose!« schrie meine kleine Schwester Catherine, die blauen Augen dunkel vor Erregung. »Schamlose, verderbte Person! Liederliche Dirne! Willst du dich wohl bedecken, dunkelhäutiges Zigeunerweib! Weißt du nicht, daß es eine gar schlimme Todsünde ist, vor einer leibhaftigen Mannsperson zu zeigen, was du zeigst?«

»Geh, geh, meine kleine Perle!« sprach Barberine lachend, »nicht der Blick ist sündig, nur der Gebrauch. Sehen ist nicht kosten. Und kosten ist nicht verspeisen. Doch das eine kann aus dem andern entstehen, wie man wohl weiß. Und du, mein stolzer Hahn«, fuhr sie, zu mir gewandt, fort, »dir habe ich es schon einmal gesagt: Entferne dich! Ich weiß nicht, wofür noch für wen unser Herr diesen schönen Pfirsich hier bestimmt hat, und also steht es dir nicht an, solange du es nicht weißt, Gavachette mit deinen begehrlichen Blicken den Kopf zu verdrehen.«

»Meine gute Barberine«, sagte ich, indes ich zu ihr trat und sie auf Wange, Hals und Brustansatz herzte (zu meinem Vergnügen wie um sie zu besänftigen), »ich tue es ohne Arg, wie du dir wohl denken magst!«

Ich denke vielmehr das Gegenteil, du Schelm!« antwortete Barberine halb lachend, halb erbost. »Das Feuer schlägt dir aus den Nüstern wie dem Schälhengst auf der Weide, und es ist ein Jammer, daß du nicht deinem Bruder François davon abgeben kannst, welcher weniger Leidenschaft besitzt denn ein Hering im Faß.«

»Er ist so ganz ohne Leidenschaft nicht«, sagte ich, »denn er träumt beständig von seiner Diane de Fontenac.«

»Träumen ist eine Speis ohne Würze, wenn am Ende nicht die Erfüllung stehet. Und wie sollte François die Tochter des ärgsten Feindes von Mespech je heiraten?«

Diese Worte ließen mich an meine Angelina denken und an das Hindernis, welches die Religion ihrer Eltern (obgleich sie mir recht zugetan waren) für unsere Liebe darstellte, und Trauer zog in meinen Sinn, so daß ich die Badestube gar nachdenklich verließ. In dem Verlangen, meiner »schwarzen Gedanken« ledig zu werden, lenkte ich meine Schritte nach dem Saale, darin der Gascogner Cabusse meinen Bruder François in der Fechtkunst unterwies; François grüßte mich mit dem Degen, wobei sein Gesicht jedoch ohne Lächeln blieb und sein Auge ohne Glanz, denn er empfand gar wenig Liebe für mich, ganz im Gegensatz zu meinem Halbbruder Samson, welcher sich bei meinem Anblick sogleich von seinem Schemel erhob, mich gar herzlich umarmte und wohl ein dutzendmal küßte; in seiner Schönheit, Stärke und Unschuld war er wie ein Engel Gottes anzusehen. Ich setzte mich zu seiner Seite nieder und schaute, seine Hand in der meinen haltend, auf François, welcher – um der Wahrheit die Ehre zu geben – nichts von Häßlichkeit an sich hatte: er war von kräftiger Gestalt, nicht ungeschickt, focht eine gute Klinge mit jeglicher Hand, hielt sich trefflich zu Pferde, war auch nicht von simplem Verstande, jedoch verschlossen, in sich gekehrt, undurchdringlich, über alle Maßen nachtragend, höchst dünkelhaft ob seines Ranges als Erbe der Baronie, hochmütig gegenüber unseren Leuten und zu Lebzeiten meiner armen kleinen Hélix voller Geringschätzung für meine Zuneigung zu ihr, wie er seinerseits einer nahen Gefährtin von niederem Rang seine edle, unerfüllbare Liebe vorzog.

Und unerfüllbar war sie gewißlich, denn der raubsüchtige Baron de Fontenac, dessen Ländereien den unseren benachbart waren, erträumte, ersehnte und erstrebte nur unsere Vernichtung, welchselbige Gesinnung er jedoch unter dem Deckmantel der Religion verbarg, denn er war Papist. Zwar war ihm sein Eheweib mit ihrer sanften, christlichen Sinnesart nicht ähnlich, und seine Tochter kam – Gott sei's gedankt – der Mutter nach. Allein, was konnten die beiden armen Frauenzimmer ausrichten gegen diesen wütenden Eber? Er wollte mit einem Streich seinen Vater rächen, den die Brüder für seine Untaten hatten verbannen lassen, und gleichzeitig unsere schönen Ländereien sich einverleiben, welche ihn, vereinigt mit den seinen, zum mächtigsten Baron im ganzen Sarladischen Land gemacht hätten.

Eine Zeitlang hatte man in Mespech an eine Aussöhnung geglaubt, als nämlich Diane mit der Pest darniederlag, kein Medicus aus Sarlat sich dem Schloß auch nur nähern wollte und Fontenac meinen Vater in einem Brief gebeten hatte, daß er sie behandeln möge, worin mein Vater einwilligte unter der Bedingung, daß dies in Mespech geschähe; daselbst ließ er ihr, abgesondert in einer Kammer des Torhauses, eine so treffliche Behandlung angedeihen, daß sie geheilet ward, jedoch bei ihrem Abschied eine unheilbare Wunde in François' Herz hinterließ.

Leider hatte der Hundsfott von Fontenac nicht einmal die Dankbarkeit eines Hundes: sobald der Bruderkrieg unter den Untertanen ein und desselben Königs von neuem ausbrach, erhielten wir Kunde, er habe Sprache gehalten mit mehreren Adelsherren katholischen Glaubens im Sarladischen Land, welche er zu überreden versuchte, daß sie ein Bündnis schließen sollten zu dem Zwecke, Mespech anzugreifen und dieses »Ketzernest« zu zerstören, welcher Versuch überall auf Ablehnung gestoßen war, so sehr wurden die Herren Brüder geschätzt und so wenig er selbst. Puymartin (er war, obwohl Papist, gut Freund mit uns, da er an unserer Seite gegen den Schlächterbaron zu Lendrevie gekämpft) hatte uns als erster Mitteilung gegeben von dem Ränkespiel Fontenacs und uns bedeutet, wir sollten auf der Hut sein, denn nachdem der Versuch der offenen Aufwiegelung gegen uns fehlgeschlagen, stand zu befürchten, daß der Schurke seine Zuflucht zu Heimtücke und Hinterhalt nähme.

Diese Mitteilung, welche uns ein Reiter am 16ten Februar überbrachte, veranlaßte uns zu verdoppelter Wachsamkeit. Hatten wir schon vorher unsere schützenden Mauern kaum verlassen, so taten wir es jetzt noch seltener und stets angetan mit der eisernen Sturmhaube, Morion geheißen, und dem Brustpanzer, die Pistolen im Sattel, indes die Vettern Siorac vorausritten, welche treffliche Jäger waren, deren scharfem Auge und feinem Gehör nichts entgehen mochte.

Beim Herannahen der Nacht, wenn Mensch und Tier in ihrem Quartier waren, ward alles verriegelt; das mächtige Portal des Torhauses von innen mit einer eisernen Stange versperrt, das Fallgatter herabgelassen und – so es nicht regnete – die Fackeln in die Mauerlöcher gesteckt, um beim ersten Alarm angezündet zu werden, daß der nahende Feind, seine Zahl und seine Angriffsbewegungen erkannt würden. Dem im Torhaus wachenden Escorgol wurde mein Diener Miroul beigegeben (»Miroul mit den zwiefarbenen Augen, eines blau, eines braun«, sang meine arme kleine Hélix vor sich hin in den Augenblicken der Besserung während ihres langen Sterbelagers), welcher bei der ersten Wahrnehmung verdächtigen Geräuschs loslaufen und uns Kunde davon bringen sollte, denn er lief behender und schneller als ein Hase.

Auch nahm mein Vater mit mir und Samson den unterirdischen Gang in Augenschein, welchen er während meines Aufenthalts zu Montpellier hatte graben lassen als Verbindung zwischen der Burg und der Beunes-Mühle, welchselbige Mühle der schwache Punkt unserer Wehranlagen war, denn obgleich sie von unserem Steinhauer Jonas befestigt worden, welcher die Fensteröffnungen verkleinert und hier und da verdeckte Schießscharten angelegt hatte, stand sie doch direkt am Wege hingebaut, von einem großen Holzzaun umgeben, die Mauern nicht mächtig genug, einer Belagerung durch zwei Dutzend wagemutige Strauchritter zu widerstehen, zumal Coulondre und seine Jacotte die einzigen Verteidiger waren, welch beiden es zwar an Tapferkeit nicht gebrach, aber Coulondre hatte nur anderthalb Arme und Jacotte ein Wickelkind in den ihren.

Das ganze Jahr hindurch lagerten in dieser Mühle große Vorräte von Getreide (die ganze Umgebung ließ allhier mahlen), große Mengen von Nüssen, aus welchen Öl gepreßt ward, und befanden sich da auch viel Schweine – die unseren und die des Coulondre –, wohlgenähret mit der frischen Kleie aus dem Mahlwerk, welche Schätze in diesen Zeiten der Not angetan waren, das Verlangen der Strauchdiebe anzustacheln. Und hatte nicht der Fontenac 1557 (im sechsten Jahr meines Lebens), indes mein Vater und unsere Soldaten bei Calais im Kampfe lagen, eine zahlreiche Zigeunerbande aufgewiegelt, besoldet und gegen Mespech geschickt, welche es beinahe eingenommen hätten und denen mein Oheim Sauveterre zähneknirschend Lösegeld gezahlet, daß sie sich zurückzögen?

»Mein Herr Vater«, so sprach ich, »könnte dieser unterirdische Gang, welcher uns ermöglicht, der Mühle zu Hilfe zu kommen, nicht auch, so die Mühle eingenommen, dem Feinde ermöglichen, in die Burg einzudringen?«

»Mein Pierre«, sprach Jean de Siorac, »wisset zuerst, daß der Gang innerhalb der äußeren Befestigungsmauer mündet, von wo noch der die Burg umgebende See zu überwinden bleibt, zu welchem Zwecke der Feind sich erst der beiden Zugbrücken bemächtigen müßte, der äußeren, welche das feste Land mit der Insel verbindet, und der inneren, welche von der Insel zur Innenburg führet. Zum zweiten wird die Mündung des Ganges von einem gar mächtigen Fallgatter versperrt, welches nur von außen zu öffnen. Und schließlich senkt sich auf unseren Befehl hin zehn Klafter hinter dem ersten Gatter ein zweites hernieder, welches die Angreifer also in einer Falle einschließet und unserer Gewalt ausliefert.«

»Und auf welche Weise werden sie unserer Gewalt ausgeliefert?« fragte mein lieber Samson, die blauen Augen vor Staunen weit geöffnet und wie immer bei jedem S lispelnd.

»Durch diese Falltür hier«, sprach mein Vater, »hat man gebückt Zugang zu jenem Teil des Ganges, welcher sich zwischen den beiden Gattern erstreckt und wo die Decke aus losen Bohlen bestehet; also vermag man von oben den Feind, welcher gefangen in der Falle sitzet, mit Piken, Spießen oder Lanzen und – so er gepanzert ist – mit Büchsenkugeln zu durchbohren.«

»Ist's nicht ein Jammer«, sprach mein Samson mit einem Seufzer, »daß so viele Leute zuschanden gehen müssen?«

»Es ist ein Jammer«, sprach Jean de Siorac, »doch könnet Ihr Euch vorstellen, so sie Mespech einnähmen, was sie uns antäten? Und den Weibspersonen auf der Burg?«

Nach diesen Worten bewegte er die Gatter zwischen ihren Führungsbohlen auf und ab, sich zu versichern, daß sie sich auch gemäß seinem Willen hoben und senkten.

In der Nacht vom 24sten auf den 25sten Februar, kaum eine Woche nachdem uns die Warnung Puymartins erreicht hatte, trat mein Vater mit einer angezündeten Laterne in der Hand in meine Schlafkammer und sprach mit ruhiger Stimme, ich solle mich erheben und zum Kampfe rüsten, denn es sei ein Überraschungsangriff zu befürchten, Escorgol habe verdächtige Geräusche aus der Richtung unserer Beunes-Mühle gehört und einen Schein wie von Feuer über den Bäumen wahrgenommen. Spornstreichs tat ich, wie mir geheißen, rüstete und waffnete mich und stieg in den Hof hinunter. In der kalten klaren Nacht standen dort alle Männer der Burg in der allergrößten Stille versammelt, ein jeder angetan mit Morion und Brustpanzer, den Spieß oder die Arkebuse in der Faust. Mein Vater trug noch immer seine Laterne und hatte zwei Pistolen im Gürtel stecken.

»Mein Bruder«, sprach er zu Sauveterre, »ich nehme Pierre, Samson, meine Vettern Siorac sowie Miroul mit mir zur Verteidigung der äußeren Mauer um den See. Ihr behaltet Faujanet, François und Péromol zur Bewachung der Innenburg. Zündet die Fackeln in den Mauern nicht an, und keiner soll einen Laut von sich geben. Diese Schurken werden sich wundern. Die böseste Überraschung erlebt, wer überrascht wird, wenn er sich schon am Ziel glaubt.«

Ich war höchst erfreut, daß ich in der Gesellschaft meines Vaters verbleiben durfte, denn ich vermeinte, in jener Nacht an seiner Seite kühne Handstreiche zu erleben und zu Ehren kommen zu können; zumal er, kaum daß wir die beiden Zugbrücken hinter uns gelassen, Samson und die Vettern Siorac anwies, auf dem Wehrgang der Ringmauer zu patrouillieren, und nur Miroul und mich bei sich behielt, eine Wahl, die mich mit Stolz erfüllte. Mit der Laterne in der Hand, welche angesichts des hellen Mondscheines von wenig Nutzen war, schritt er unverzüglich auf den unterirdischen Gang zu; dort aber öffnete er nicht das erste Fallgatter, wie ich vermeint hätte, sondern ließ statt dessen das zweite herab.

»Wie«, sprach ich mit leiser Stimme, »steigen wir nicht in den Gang hinab, Coulondre und seiner Jacotte zu Hilfe zu eilen?«

»Tätest du solches an meiner Stelle?«

»Ei gewiß!«

Er lächelte, und im Mondschein glänzten seine Augen unter dem Visier seiner Sturmhaube.

»Das wäre gar leichtfertig gehandelt, denn wisset Ihr, ob nicht am anderen Ende schon der Feind steht?«

Worauf ich schwieg, die Lippen zusammengepreßt und gar sehr betrübt ob meiner Torheit. Doch wie verwundert war ich erst, als ich sah, daß mein Vater das erste Gatter öffnete.

»Mein Pierre«, sprach er, die Laterne vor sich haltend, »sobald ich darinnen bin, läßt du das Gatter am Eingang herab, ohne jedoch das zweite zu öffnen, welchselbes du erst auf meinen ausdrücklichen Befehl nach oben bewegst.«

»Aber Herr Vater«, sagte ich reichlich erschreckt, »was wollet Ihr tun in dieser Falle?«

»Mich in einer Nische verbergen, welche sich zur Linken befindet und gerade groß genug ist für einen Mann, sodann die Laterne verhüllen und warten.«

»Wessen wollet Ihr warten?«

»Der Jacotte.«

»Mein Herr Vater, und was soll ich indes tun?«

»Halte dich bereit, das Gatter am Ausgang zu öffnen, und Miroul möge gewärtig sein, das zweite zu öffnen und zu schließen. Halte dich außer Sicht, denn der Mond steht hoch.«

Ich hockte mich seitlich vom Gatter nieder, so daß ich außer Sicht war, und suchte mit meinen Augen die rabenschwarze Finsternis zu durchdringen, darinnen mein Vater verschwunden war wie der Fuchs in seinem Bau. Obgleich er seine Laterne verhüllet hielt, verbreitete sie doch einen schwachen Schein; hingegen verstand er sich so vollkommen still zu verhalten, daß ich – sosehr ich auch meine Ohren anstrengte – nicht einmal seinen Atem wahrnahm. Was ich indes bald gar deutlich vernahm, war das eilige Klappern von Jacottes Holzschuhen auf der nackten Erde des Ganges.

»Wer da?« rief mein Vater, ohne sich mit dem kleinsten Teil seines Körpers zu zeigen und ohne den Schein seiner Laterne freizugeben.

»Jacotte.«

»Allein?«

»Mit dem Kindelein.«

Darauf sprach mein Vater die folgenden Worte, welche mich in großes Erstaunen versetzt, hätte ich nicht an der Art, wie er sie sprach, erkannt, daß sie im voraus verabredet waren:

»Geht es dem Kindchen gut, Jacotte?«

»Es geht ihm gut.«

Was ganz sicherlich bedeutete, daß sie frei und ohne Zwang sprach und niemand ihr den Degen in den Rücken setzte; denn mein Vater streckte den Arm mit der Laterne hervor, ohne jedoch sein Versteck zu verlassen. Nun sah ich die Jacotte hinter dem Gatter stehen, keuchend vom schnellen Lauf, das Gesicht ganz fahl und die Augen voller Schrecken. Sie war in der Tat allein.

»Miroul, das Gatter!« befahl mein Vater.

Miroul zog augenblicks das Gatter nach oben und ließ es, sobald die Jacotte hindurchgeschritten, wieder herab.

»Pierre, das Gatter!« rief mein Vater.

Ich öffnete das Gatter am Ausgang, und mein Vater, welcher das wackere Weibsbild am Arm gefaßt, kam mit ihr aus dem Gang heraus.

Jacotte war eine gar große, kräftige und beherzte Frauensperson, die mit einem Messer, welches sie am Gürtel trug, zwei Jahre zuvor einen von vier Strauchdieben niedergestochen, die ihr Gewalt antun wollten. Coulondre Bras de Fer, welcher von ungefähr des Weges kam, machte die drei anderen nieder, aus welchem Grunde sie ihn geehelicht hatte, wiewohl er doppelten Alters denn sie selbst war. Jetzt zitterte diese kräftige Weibsperson, so beherzt sie auch war, gleichwohl wie eine Hündin vor dem Wolf, doch keineswegs um ihretwillen, sondern um ihren Mann, den sie in der Mühle allein gelassen.

»Wie viele sind es?« fragte mein Vater mit leiser Stimme.

»Nicht weniger als ein Dutzend und nicht mehr als zwanzig.«

»Haben Sie Feuerrohre?«

»Gewiß, doch sie schießen nicht. Und gemäß Euerm Befehl schießt Coulondre ebenfalls nicht. Aber der Arme«, fuhr sie mit zitternder Stimme fort, »kann sich nicht lange halten; diese Hundsfötter haben unsere Reisigbündel vor der Tür aufgehäuft und in Brand gesetzt, und obgleich es eine eichene Tür ist, wird das Feuer sie bald zerstören.«

»Es wird sie zerstören«, sprach mein Vater mit schneidender Stimme, »doch die Schnapphähne werden keinen Grund zum Jubeln haben. Miroul, lauf und hole mir Alazaïs herbei! Aber hurtig!«

Miroul eilte hinweg, schnell wie der Pfeil einer Armbrust, und die kurze Weile, bis er, von Alazaïs gefolgt, zurückkam, stand mein Vater nachdenklich da, seine Nase zwischen Daumen und Zeigefinger reibend, und ich wagte kein Wort zu sprechen, da ich ihn also in Gedanken versunken sah.

Alazaïs, welche – wie mein Vater zu sagen pflegte – die »Stärke zweier Männer besaß, nicht gerechnet ihre moralische Stärke« (denn sie war eine strenge und standhafte Hugenottin), war erschienen, den Oberkörper, welcher bar jeder weiblichen Rundung, mit einem Brustpanzer umgeben und zwei Pistolen nebst einem Messer im Gürtel.

»Alazaïs«, sprach mein Vater, »die du so schnell läufst, wie der Vogel fliegt, eile zu Cabusse auf Le Breuil und zu Jonas am Steinbruch und gib ihnen Bescheid, sie mögen die Waffen bereithalten und auf der Hut sein, denn es kann geschehen, daß auch sie angegriffen werden.«

»Ich eile«, antwortete sie.

»Und sage Escorgol, er möge mir Samson und meine Vettern Siorac schicken. Wir wollen Coulondre Bras de Fer zu Hilfe eilen.«

»Oh, Moussu lou Baron!« sprach Jacotte, über alle Maßen erleichtert; sie vermochte indes nicht weiterzusprechen, das Gesicht ganz und gar von Tränen benetzt.

»Jacotte«, sprach mein Vater, ihr mit beiden Händen besänftigend über die Arme streichend, »lauf zu dem Herrn Stallmeister und sage ihm, wohin wir uns begeben, und er möge nichts unternehmen bis zu meiner Rückkehr. Und du, laß dein Kind in Barberines Obhut in der Innenburg, dann komme wieder hierher zurück und schließe das Gatter hinter uns.«

Was sie getreulich tat. Wir eilten indes den unterirdischen Gang entlang: Samson, Miroul, die Vettern Siorac, ich selbst und mein Vater, welcher, obgleich er sich im vierundfünfzigsten Jahr seines Alters befand, lief wie ein Hase auf dem Felde, die Laterne vor sich haltend. Freilich verlief der Gang sehr abschüssig, da Mespech, wie sein Name wohl besagt (pech, das ist: Hügel), auf einer Anhöhe gelegen und die Beunes-Mühle in einer Niederung.

Coulondre war heilfroh, da wir in seiner Mühle erschienen, obgleich seinem kummervollen Gesicht nichts Derartiges anzusehen war und er stumm blieb wie ein Fisch. Das Gelaß, in welchem der Gang mündete, war reichlich groß und wies zur Linken vorgemeldte Tür auf, welche die Angreifer dem Feuer auszuliefern trachteten, dessen Knistern durch die eichenen Bohlen zu hören war; und zur Rechten eine Art Gatter, hinter welchem sich der Schweinestall befand, wo Sauen, Ferkel und Bärche ohrenbetäubend quiekten und grunzten, als fühlten sie die Gefahr, welche von den Flammen ausging.

»Herr Baron«, sprach Coulondre mit gedämpfter Stimme, »wollet Ihr, daß wir die Schweine in den Gang treiben und also in Sicherheit bringen?«

»Nein«, sprach mein Vater mit einem Blick zur Tür, hinter der das Feuer prasselte. »Dazu fehlt uns die Zeit; wir haben Dringenderes zu tun, Männer«, fuhr er fort, »stapelt die Getreidesäcke aufeinander, damit wir dahinter Deckung finden, mit dem Rücken zum Gang, welcher uns, so dies vonnöten sein sollte, die Flucht ermöglichen wird. Lasset es dem Wall nicht an Dicke fehlen und führet ihn auf bis in Schulterhöhe, damit wir dahinter sicher sind vor den Blicken oder gar den Kugeln der Angreifer.«

Wir taten, wie er geheißen, und er legte selbst Hand an, mit lebhafter Miene wackerer denn ein jeglicher von uns zu Werke gehend, schier erfreut ob all der Mühen und des bevorstehenden Kampfes.

Solches Hin und Her verursachte einiges Geräusch, doch ich wette, die Strauchdiebe vermochten nichts zu hören, denn die Schweine machten die ganze Zeit einen Höllenlärm, daß einem das Trommelfell hätte platzen mögen. Da das Werk schließlich getan, begaben wir uns alle hinter unseren Körnerwall, welcher einen halben Klafter dick war und brusthoch, auch hier und da einige schmale Lücken zwischen den Säcken aufwies, um den Feind zu erspähen. Alsdann bliesen wir die Lunten unserer Arkebusen an, prüften das Zündpulver der Pistolen und warteten nicht ohne einige Unruhe und Herzklopfen, doch beruhigt durch den Gedanken an den unterirdischen Gang in unserem Rücken.

»Männer!« sprach mein Vater, »wenn ich rufe ›mit Gott voran‹, dann erhebet die Köpfe, lasset ein gewaltiges Geschrei ertönen und gebt Feuer.«

»Und wie ich feuern werde«, sprach Coulondre Bras de Fer, »wacker und mit Fleiß und daß sie vor die Hunde gehen. Wenn ich daran denke, daß diese Hundsfötter mir die Tür mit meinem eigenen Reisig abbrennen!«

Er sagte dies mit grämlicher Miene, und grämlich war oder schien seine Miene immer, dazu sprach er selten ein Wort, und wenn, dann war es ein Klagewort, obgleich er sich nicht schlecht stand mit unseren Schweinen und unseren Äckern im Beunes-Grund, welche er in Halbpacht hatte, und zudem als Graukopf noch eine treffliche junge Maid geehelicht hatte, bei der gut liegen war.

»Gemach, Coulondre!« sprach mein Vater, welcher sein Hauptmann in der Normannischen Legion gewesen und ihm wohlgesinnt war. »Gräme dich nicht um deine Tür! Ich habe auf Mespech schöne trockene Eichenholzbohlen. Daraus wird dir Faujanet auf mein Geheiß eine neue Tür verfertigen, dicker mit Eisen beschlagen und bewehret denn diese hier!«

»Gott danke es Euch, Herr Baron!« sprach Coulondre, welcher sich nur beklagt hatte, damit er solches versprochen bekomme.

Und obgleich die Traurigkeit nicht aus seinen grauen Augen wich, vermeinte ich doch einige Zufriedenheit darin wahrzunehmen. Ich meinerseits war, obgleich mir das Herz schlug, erfüllt von Hochgefühl darüber, daß ich mich hier befand, umgeben von meinem Vater und Samson wie im Kampf zu Landrevie gegen den Schlächterbaron, um so mehr, da sich die Sache gut anließ: das Gelichter wähnte die Mühle leer und den Müller zum Abendschmaus auf Mespech, denn es war die Nacht von Sonntag zu Montag, und Coulondre hatte gemäß meines Vaters Befehl weder einen Laut von sich gegeben noch einen Schuß abgefeuert, seit die Strauchritter in die Mühle einzudringen suchten.

»Mein Pierre«, sprach Jean de Siorac mit leiser Stimme, »ich weiß, wie mutig Ihr sein könnt, doch seid es nicht gar zu sehr. Wenn Ihr Eure beiden Pistolen abgefeuert, so senket den Kopf und suchet ohne Scheu noch Scham wieder Deckung.«

»Mein Herr Vater«, sprach ich, gerührt von seiner großen Liebe, »Euer Herz möge ohne alle Sorge sein, ich habe meine Lektion wohl gelernt: Geduld, Vorsicht und Zweifel sind die Nährmütter großer Taten.«

Worauf mein Vater lachte, doch ohne mehr Geräusch zu verursachen denn ein Fisch, und ich, vermeinend, daß es nach dem Erhalt solcher weiser Ratschläge das beste sein möchte, auch meinerseits welche auszuteilen, stieß meinen vielgeliebten Samson mit dem Ellenbogen an und sagte ihm ins Ohr:

»Mein Herr Bruder, traget Sorge, daß Ihr nicht wieder so spät abfeuern mögt, wie es schon zweimal geschehen: im Kampf zu Landrevie und dann gegen die Strauchritter von Corbières.«

»Mein Pierre, ich werde Euern Rat wohl beherzigen«, antwortete Samson mit seinem ergötzlichen Lispeln, und als er so sprach, stand die Tür mit einem Male ganz in Flammen, welche sein schönes Gesicht und die gar anmutig sein Ohr umgebenden kupferroten Haarlocken beleuchteten. Da ich ihn so sah, küßte ich ihn auf die Wange, den Arm um seine breite Schulter gelegt, ein Anblick, welcher meinen Vater lächeln machte.

»Welch große Kraft«, sprach er mit leiser Stimme, die Augen auf die brennende Tür gerichtet, »sind doch zwei sich liebende Brüder. So auch Sauveterre und ich selbst: keiner hat uns jemals zu besiegen vermocht, und wie Ihr sehen werdet, wird es auch diesem Hundsfott Fontenac nicht gelingen! Männer!« fuhr er fort, »Gott schütze Euch. Mich deucht, es ist an der Zeit!«

Wenn man bedenkt, welch lange Zeit es braucht, ehe gutes Eichenholz gewachsen, könnt es einen jammern, es so schnell verbrennen zu sehen wie diese arme Tür, welche noch dazu gar viele Mühen zu ihrer Verfertigung gekostet hat. Mein Hugenottenherz empörte sich ob solcher Vergeudung schönen festen Holzes, ganz zu schweigen von unseren Schweinen, unserem Getreide und unserer Mühle, welche Güter alle verloren wären, sollten die Strauchdiebe die Oberhand gewinnen. Der Zorn auf diese Schurken, welcher mich darob erfaßte, ließ alles Mitgefühl aus mir weichen, und die Pistolen fest in beiden Händen, war mein ganzes Sinnen und Trachten darauf gerichtet, sie niederzumachen.

Die Tür brannte jetzt lichterloh, so daß schließlich die Beschläge nachgaben, sie unter einigen Rammschlägen niederbrach und mit Gabeln nach draußen gezogen wurde, worauf der Weg frei war. Den Strauchdieben mußte er in der Tat frei erscheinen und die Mühle leer, denn sie kamen arglos alle in einem Haufen hereingegangen mit Fackeln in der Hand, als wollten sie sogleich alles in Brand stecken, beim Anblick welchselbiger Flammen die Schweine zum Gotterbarmen quiekten.

»Mit Gott voran!« schrie mein Vater. Worauf wir, die Waffen im Anschlag, aus unserer Deckung emporschnellten und ein solches Geheul ausstießen, daß selbst ein Taubstummer Furcht bekommen hätte und die Bösewichter regungslos stehenblieben, vor erschrecktem Staunen Maul und Nase aufreißend und wie Lots Weib zur Salzsäule erstarrt. Wir feuerten wie beim Taubenschießen, und außer einem, welcher die Geistesgegenwart besessen, sich niederzuwerfen, wurden alle verwundet oder getötet.

Coulondre Bras de Fer stürzte sich auf den Unverletzten in der Absicht, ihn niederzumachen, was mein Vater jedoch verhinderte. Er befahl vielmehr, daß ihm die Hände gebunden werden sollten, und brachte ihn zum Zwecke eines Verhörs durch den unterirdischen Gang auf die Burg.

Dieser Strauchdieb war ein Gesell von einiger Schönheit, mit schwarzem Haar und dunkler Haut gleich einem Sarazener, mit blitzenden Augen, stolzem Gesicht und – wie es schien – furchtloser Miene.

Er wurde im großen Saal zu Mespech auf den Boden niedergeworfen, und mein Vater trat vor ihn, die Hände in die Hüften gestützt, und sprach ohne Umstände und Umschweife zu ihm:

»Dein Name, Schurke!«

»Hauptmann Bouillac, Herr Baron«, antwortete der Gesell mit lebhaften Augen, ohne den Kopf zu senken.

»Hauptmann!« rief Jean de Siorac aus, »du bist mir ein rechter Hauptmann!«

»Zu Euren Diensten, Herr Baron.«

»Deine Dienste brauche ich nicht. Ich werde dich hängen.«

»Herr Baron«, sprach darauf Bouillac, ohne die Miene zu verziehen, »kann ich mich nicht freikaufen?«

»Wie!« sprach mein Vater, »soll ich von einem Strauchdieb gestohlenes Geld annehmen?«

»Hoho! Geld, das man bekommt, ist immer gut«, antwortete Bouillac, »und dieses hier ist ehrlich erworben: es ist der Lohn für meine geleisteten Dienste.«

»Ich vermeine«, rief Oheim Sauveterre, welcher mit finsterer Miene in den Saal gehinkt kam, indes alle unsere Leute zur Seite traten, so sehr fürchteten sie ihn ob seines finsteren Wesens, »ich vermeine, man sollte den Kerl unverzüglich hängen.«

»Gemach«, sagte mein Vater, »es hat auf unserer Seite keinen Toten und keinen Verwundeten gegeben.«

»Ich vermeine trotzdem, daß er hängen soll.«

»Gemach! Bouillac, woher stammt das Geld?«

»Dies werde ich Euch sagen, wenn Ihr mein Angebot angenommen habt.«

»Du wirst es sogleich sagen, wenn ich dich auf die Folterbank spannen laß!« sprach Sauveterre mit zornblitzenden Augen.

»Gewiß, Herr«, antwortete Bouillac ungerührt, »aber die Folter wird ihre Zeit brauchen, und Euch tut Eile not. Ich hingegen, der ich an den Galgen soll, habe die Ewigkeit vor mir.«

Zu diesem Scherzwort, welchem es nicht an Würze noch Hintersinn und Absicht fehlte, lachte mein Vater, dem die Kühnheit dieses Strauchritters wohl gefiel und der auch begierig war zu wissen, was selbiger zu vermelden hätte.

»Bouillac«, sprach er also, »machen wir es kurz. Wieviel bietest du für dein Leben?«

»Hundert Dukaten.«

Da schwiegen alle still und sahen sich gegenseitig an, so sehr waren sie erstaunt, daß ein Strauchdieb eine solche Menge Geldes besaß. Doch beim Klang der großen und kleinen Münzen wurde Sauveterre anderen Sinns und sprach mit schneidender Stimme:

»Zweihundert.«

»Pfui, Herr!« sprach Bouillac. »Mit einem armen Schlucker feilschen!«

»Kein guter Hugenott, der nicht feilscht!« sprach mein Vater lachend.

»Zweihundert!« rief Sauveterre.

Darauf Bouillac: »Oh, Herr, Ihr nehmt mir das Letzte!«

»Ist dir der Strang etwa lieber?«

»Topp! So sei es denn«, seufzte Bouillac, »um meines Halses willen!«

»Der Handel gilt!« sprach mein Vater ohne Zögern. »Und jetzt lasset hören, warum Eile not tut.«

»Herr Baron, im selben Augenblick, da ich mich auf den Weg begab, Eure Schweine niederzumachen und Eure Mühle abzubrennen, brach die Bande des Hauptmanns Belves auf, Le Breuil zu überfallen und Eure Schafe abzustechen.

»Heiliges Gemächt!« rief mein Vater aus, »ich ahnte es! Wie viele sind ihrer?«

»Sieben mit Belves.«

»Dank sei dir, Bouillac. Dem Gelichter werde ich die Suppe versalzen.«

Mit langen Schritten eilte mein Vater zu dem Saale hinaus, wobei er Miroul, Faujanet, Péromol und den Vettern Siorac befahl, unverzüglich ihre Pferde zu satteln und in schnellstem Galopp Cabusse zu Hilfe zu eilen, welcher – dem Herrn sei Dank – nicht allein war, denn der hünenhafte Jonas befand sich bei ihm und vielleicht auch Alazaïs, so es ihr gelungen war, bis zur Schäferei durchzudringen, woran ich nicht zweifelte; der trefflichen Weibsperson fehlte es nicht an List.

»Bouillac«, wandte sich mein Vater wieder an ihn, »wer hat all das bezahlt und angestiftet?«

»Ein Raubritter, welcher raubt, ohne sein Schloß zu verlassen und ohne den kleinen Finger zu rühren.«

»Fontenac?«

Bouillac nickte mit dem Kopf, sprach jedoch kein Wort – ein Schweigen, das mein Vater wohl zu deuten verstand, denn er drang nicht weiter in Bouillac, sondern blickte ihm nur wortlos ins Auge.

»Herr Baron, bin ich frei?« fragte der Strauchdieb.

»Sobald das Lösegeld gezahlt ist.«

»Ich eile, es herbeizuholen«, sprach Bouillac, »Ihr möget nur befehlen, daß mir mein Pferd, meine Pistolen, mein Degen nebst meinem Dolch wiedergegeben werden, ohne welche Gerätschaften ich mein Handwerk nicht auszuüben vermag.«

»Nichts da!« sprach Sauveterre, »du wirst freigelassen, so wie du bist. Wenn du deine Gerätschaften willst, kostet dich das noch fünfzig Dukaten.«

»Oh, Herr!« rief Bouillac aus, »Ihr verursacht mir gar große Pein und Qual.«

»Fünfzig Dukaten oder nichts«, sprach da mein Vater.

»Nichts?« sprach Bouillac fragenden Blickes.

»Nichts, so du einwilligst, vor dem Notario Ricou Zeugnis abzulegen wider Fontenac.«

Worauf Bouillac eine gar lange Zeit schwieg, ehe er einwilligte. Sein Zeugnis war jedoch nur von geringem Nutzen: die Herren Brüder beriefen sich vergeblich darauf, als sie die Sache vor den königlichen Gerichtshof zu Bordeaux brachten und Fontenac anklagten, denn die papistischen Richter waren derart gegen jeglichen Hugenotten eingenommen, daß unsere Klage nicht den kleinsten Erfolg zeitigte.

Doch ich greife den Ereignissen voraus. Kaum eine Stunde nach Bouillacs Gefangennahme erschien Michel Siorac (welcher sich von seinem Zwillingsbruder durch das Wundmal unterschied, das er im Kampf zu Landrevie davongetragen) auf seinem schaumbedeckten Hengst vor dem Torhaus von Mespech und schrie Escorgol zu, auf Le Breuil seien alle Angreifer niedergemacht oder in die Flucht geschlagen. Nach Beratschlagung entschieden mein Vater und Oheim Sauveterre, daß die Toten der beiden Banden auf einen Karren geladen, alsdann im Schutze der noch andauernden Dunkelheit zur Burg Fontenacs gebracht und vor die Zugbrücke geworfen werden sollten.

»Soll er selbst sie in die Erde bringen«, sprach Sauveterre, »denn er hat sie bezahlt!«

Doch ehe der Totenwagen sich in Bewegung setzte, wählte mein Vater einen der an der Mühle Getöteten aus, welchen er mit mir, noch ehe ihn die Leichenstarre ergriff, sezieren wollte. Alazaïs trug den Leichnam allein auf dem Rücken zum Tisch der Bücherkammer von Mespech, auf welchem sie ihn ablegte und ohne Schamhaftigkeit noch Gefühlsregung entkleidete, denn in den Augen der wackeren Jungfer zählte ein Mann kaum mehr als eine Laus, da ihre Liebe allein Gott im Himmel und ihr Verlangen nur der Ewigkeit galt.

Miroul fachte das Feuer im Kamin wieder an, entzündete eine große Anzahl Kerzen, und kaum, daß wir Morion und Brustharnisch abgelegt, gingen wir, noch schwitzend vom Kampf, zu Werke, wobei mein Vater sich nicht für zu gering erachtete, das Messer selbst zu führen und so das Amt des Prosectors zu übernehmen, was in der Medizinischen Schule zu Montpellier kein einziger der ordentlichen Doctores getan hätte, so sehr dünkten sie sich darüber erhaben in eingebildeter Vornehmheit, nach der allem, woran der Mensch Hand anleget, der ehrenrührige Geruch der mechanischen Künste anhaftet, welche von den Gelehrten als gering und ihrer unwürdig betrachtet werden. Dies hat – was höchst bedauerlich ist – zur Folge, daß der Prosector, meist ein Bader, oft mehr weiß denn der Arzt, da er mit eigener Hand, welche durch das Auge nicht zu ersetzen ist, die Organe des Menschenkörpers wieder und wieder hin und her gewendet und zergliedert hat.

Im Schein eines Leuchters, welchen Miroul über seinen Kopf hielt, begann mein Vater in der wieder eingekehrten nächtlichen Stille (auch Sauveterre hatte sich erschöpft und zerschlagen, das Bein nachziehend wie ein alter Rabe, zur Ruhe begeben), die Brust dieses armen Gesellen zu öffnen, der am Morgen desselben Tages noch heil und gesund gewesen, indes ich das Blut abtupfte, um besser zu sehen.

»Dieser Bursche«, sprach ich, »hatte gar viel Blut. Es fließt in Menge.«

»Ja!« sprach mein Vater, »Ihr sagt sehr richtig: es fließt. Und das ist das große Geheimnis des Lebens. Das Blut fließt in der Tat. Aber wieso und auf welche Weise? Welche Kraft bewegt es, entgegen seiner natürlichen Neigung zu fließen, nicht von oben nach unten, wenn wir aufrecht stehen oder gehen? Denn wohlgemerkt, würde das Blut fließen wie das Wasser des Beunes-Baches oder der Dordogne, so müßte unser Kopf leer von Blut werden und die Beine voll davon, sobald wir uns des Morgens erheben. Doch dem ist nicht so. Daraus folgert: das Blut wird von einer ihm eigenen Kraft in Bewegung gesetzt. Doch welcherart ist diese Kraft?«

»Mein Herr Vater, kennt der Mensch diese Kraft?«

»Nicht vollends, aber er befindet sich vielleicht auf dem rechten Wege, dies zu ergründen. Miroul, halte den Kandelaber so nahe als möglich heran. Sehet, mein Pierre, in dem Herzen da, welches ich geöffnet habe, die kleinen Pforten. Sie sind gar trefflich beschrieben worden von Sylvius zu Paris und Aquapendente zu Padua. Es sind in der Tat Pforten oder Schleusen, welche – bald geöffnet, bald geschlossen – den Strom des Blutes hindurchlassen oder absperren. Geht die treibende Kraft, welche wir suchen, also vom Herzen aus? Servet war dieser Ansicht, denn er spricht von der Anziehung, welche das Herz auf das Blut ausübt.«

»Servet?« sprach ich fragenden Tones, »Michel Servet? Der hochberühmte Arzt, welchen Calvin zu Genf hat verbrennen lassen?«

»Er ließ ihn verbrennen wegen seiner Ketzerei, nicht wegen seiner medizinischen Kunst, welche Servet, um mit der Wahrheit zu sprechen, beide miteinander in seinem Buche Christianismi restitutio dargelegt; davon sind – Gott sei's geklagt – alle Exemplare auf dem Scheiterhaufen, worauf der Autor zu Asche ward, in Flammen aufgegangen.«

»Alle, mein Herr Vater?« sprach ich, die Kehle zugeschnürt wie seinerzeit, da der gottesleugnerische Abbé Cabassus vor meinen Augen zu Montpellier verbrannt wurde zusammen mit seinem NEGO.

»Alle außer einem«, sprach mein Vater. »Außer einem, welches zum Glücke vom Scheiterhaufen fiel, ein wenig angesengt schon vom Feuer, doch ansonsten vollständig erhalten.2

Ich habe es auf einer Reise bei einem jüdischen Händler zu Genf gekauft, und es befindet sich noch immer in meinem Besitz.«

Mein Vater legte sein Messer auf den Leichnam nieder und ging, aus einem Fach seiner Bücherei das Buch zu holen, welches er mit bewegtem Gesicht und blitzendem Auge an einer Stelle öffnete, an der ein Buchzeichen steckte. Ich gestehe ohne Scham, daß ich kaum zu atmen wagte und mir das Herz bis zum Halse schlug, so sehr war ich von Kopf bis Fuß von einem unbändigen Wissensdurst erfaßt.

»Sehet hier das opus magnum«, sprach mein Vater. (Und ich sah seine Hände zittern vor Erregung.) »Mein Sohn, ich hege höchste Abscheu gegen die Theologie, welche in dieser Abhandlung enthalten, schätze jedoch die darin gemachten Ausführungen zur Medizin höher denn alle meine vergänglichen Güter, da sie – wie ich vermeine – das Wirken unserer edelsten Organe mit höchster Klarheit verdeutlichen. Höret, mein Pierre, mit weit geöffneten Ohren, was ich Euch verlesen will, denn dies ist die letzte Weisheit und der höchste Gipfel des menschlichen Wissens unserer Zeit in der Medizin:

Der Strom des Blutes durchfließt die Lungen, allwo es die Wohltat der Reinigung erfährt, und wird, befreit von allen schlechten Säften, vermittels der Anziehungskraft des Herzens zurückbeweget!«

»O mein Vater«, sprach ich, vor Aufregung zitternd, »ich bitt Euch, wiederholet diesen höchst wunderbaren Satz, dessen Weisheit mir das Herz erfreut.«

Und mit bebender Stimme verlas mein Vater den Satz ein zweites Mal, welchen ich – nicht ohne daß mir die Feder in der Hand gezittert – in mein Heft niederschrieb und in der innersten Kammer meines Gedächtnisses verschloß, damit mir kein Jota davon verlorenginge. Und dort befindet er sich noch immer, unversehrt, unverändert, vollständig bis zum letzten Buchstaben, gleich einem Banner, aufgepflanzt von einem friedlichen Eroberer in den unbekannten Regionen des menschlichen Körpers.

»O mein Vater«, sprach ich, »woher kommt die leuchtende Klarheit, welche mit einemmal den Geist erhellt, sobald man diesen Satz gehöret? Wie kommt es, daß man ihn sogleich als wahr erkennet?«

»Weil er«, so sprach mein Vater nicht ohne Freudigkeit in der Stimme, »in Einklang steht mit der natürlichen Vernunft, welche Gott uns verliehen, damit wir die Wahrheit erkennen mögen. Euch ist nicht unbekannt, was jener Aristoteles, welchen die Papisten zu ihrem Idol gemacht und von dem sie ein jegliches Wort für heilig halten, über das Herz gesagt: nämlich daß das Herz warm sei und die Neigung besitze, sich zu überhitzen, und die Lungen Blasebälgen glichen, welche ihm Luft zuführen, es zu kühlen! Törichtes Geschwätz!« rief mein Vater, die Christianismi restitutio von Michel Servet hochhaltend. »Törichtes Geschwätz! Widersinnige, offenkundige Ungereimtheiten! Trug und Täuschung! Gelehrte Eselei! Denn ist es nicht klar und ersichtlich, daß im Sommer, während der Hundstage, die warme Luft, welche die Lunge einsaugt, ganz und gar nicht das Herz kühlen kann! Ganz im Gegenteil! Und also enthalten die Worte Michel Servets, welche ich soeben verlesen, eine unumstößliche Wahrheit. Denn wozu sonst, so frage ich Euch, sollte Luft von der Lunge eingesaugt werden, wenn diese Luft nicht dazu diente, das Blut zu nähren und zu reinigen, und wie sollte wohl das Blut wieder aus der Lunge hinausgelangen, wenn es nicht zurückbeweget – achtet wohl auf dieses Wort – zurückbeweget würde vom Herzen?«

»Ei gewiß!« rief ich, wie trunken davon, daß ich von dem Kelche dieses herrlichen Wissens gekostet, »das ist die Wahrheit, man fühlt es, die wunderbare Wahrheit. Das Geheimnis allen Lebens ist eingeschlossen in diesem Satz! Denn es gibt keinerlei Leben ohne das Blut, welches unseren Körper in gewundenen, verzweigten Bahnen durchströmt. Mein Herr Vater, warum mußte dieser große Denker auf dem Scheiterhaufen enden?«

»Nun, mein Pierre«, sprach Jean de Siorac mit betrübtem Gesicht, »ich kann Calvin nicht gänzlich unrecht geben; in törichter Kühnheit hatte Michel Servet gewagt, eine andere unumstößliche Tatsache zu bestreiten, nämlich das Geheimnis der heiligen Dreifaltigkeit.«

Ich wollte mit meinem Vater nicht über diesen Gegenstand disputieren, um seine Betrübnis nicht zu mehren, doch ich vermeinte in meinem Innersten, daß jene beiden Wahrheiten – die medizinische und die theologische – unterschiedlicher Natur seien, da erstere auf der Beobachtung der Natur beruhte, die zweite, was heißen soll: die der heiligen Dreifaltigkeit, sich hingegen auf die Autorität eines heiligen Textes gründete und durch diese Tatsache ebenfalls heilig war, aber dem menschlichen Geiste so wenig verständlich, daß man sie schlucken mußte, ohne zu kauen, und mit geschlossenen Lidern; so schluckte ich sie wie eine bittere Pille, ohne das geringste dabei zu verspüren noch zu begreifen und folglich ohne die göttliche Erleuchtung, welche ich in der ersteren fand.

Mein Vater, welcher sich nach erfolgter Sezierung die Hände mit Essig gewaschen und schließlich nach den Aufregungen der Nacht einige Müdigkeit verspürte, gedachte sich noch an einem Imbiß zu laben, ehe er sich auf sein Lager begab. Worauf ich mit größtem Gelüst und Appetit einging, denn in jenen Jünglingsjahren war mein Magen schier unersättlich. Miroul leuchtete uns mit seinem Kandelaber zum großen Saal, trug allerlei Speisen auf und setzte sich zum Schmause zu uns. Wir tafelten anfangs schweigend mit großem Hunger, die Kiefer wacker regend wie ein zufriedener Ochs auf der Weide, glücklich darüber, daß wir gesund und munter allhier saßen, indes die Bösewichter, welche uns morden wollten, den Tod gefunden, und all unser Besitz unversehrt geblieben war, ausgenommen eine Tür.

Sapperment! wie gut tat es doch, die sicheren Mauern von Mespech um sich zu wissen, seinen großen See und seinen Ringwall, jenseits dessen sich unsere wohlbestellten Ländereien, aus welchen wir unseren Lebensunterhalt zogen, weithin erstreckten. Denn es befand sich nichts auf diesem Tisch, das nicht von unserem Grund und Boden stammte: der Schinken von unseren Schweinen im Beunes-Grund, das Weißbrot von unseren Weizenfeldern, der Rotwein von unserem Weinberg; der Tisch selbst war verfertigt aus dem Holz einer unserer Eichbäume, dessen Größe und Mächtigkeit ich in meinen Kindesjahren oft bewundert hatte, bis ich ihn eines Tages, vom Sturme niedergerissen, auf der Erde liegen sah.

Zu den Wundern der Natur, mit denen uns Gott in seiner Güte so zahlreich beschenkt, gehöret ohne Zweifel das Essen, welches ein Entzücken für den Gaumen als auch zugleich das allertrefflichste Abwehrmittel gegen jegliche ansteckende Krankheit darstellt, eine Wahrheit, welche mir mein Vater übermittelt hat, der sie wiederum Ambroise Paré und dessen hochgelehrter Abhandlung über die Pest verdankte, in welchem Werke ich gelesen, daß ein wohlgenährter Leib einer wohlbefestigten Burg mit Wassergraben, Mauer und Pechnasen gleichet. Denn solange Blut- und Pulsadern nicht mit Speise gefüllet, gewähren sie den Giften der Luft freien Zutritt, welche, die vorgefundene Leere ausfüllend, sich alsbald der edlen Körperteile bemächtigen, vornehmlich des Herzens, der Lunge und der Geschlechtsteile. So sagte ich mir: je mehr du deinen Leib füllest, desto mehr schützest du ihn, und wenn ich recht in mein Inneres hineinspürte, vermeinte ich zu fühlen, wie Brot, Wein und Fleisch in den Kanälen meines Körpers gleich wachsamen kleinen Soldaten zirkulierten, bereit, jeglichen üblen Eindringlingen den Weg zu versperren, sollte die Pest oder sonst eine Seuche sie an meine Körperöffnungen heranbringen. Indem ich also aufs allerbequemste bei Tische saß, die Beine weit von mir gestreckt, mich wacker labend an Speis und Trank, dabei traulich plaudernd mit meinem vielgeliebten Vater zur Rechten und Miroul zur Linken, die Glieder wohlig warm, Milz und Leber unbeschwert, war ich erfüllt von großem Wohlbehagen.

»Mein Herr Vater«, sprach ich schließlich in meiner Wohlgemutheit, »darf ich wohl fragen, wofür Ihr die Gavachette bestimmt habt?«

Worauf mein Vater mich erstaunt anblickte, mit heimlichem Spott in den blauen Augen.

»Wozu sonst als zu dem Amt und Stand, so sie jetzt innehat, nämlich Hausmagd?«

»Ich verstehe wohl.«

Doch da ich nicht weitersprach, fuhr mein Vater in scheinbar arglosem Ton fort:

»Was bedeutet Eure Frage? Sehet Ihr eine andere Verwendung für die Jungfer?«

Da entschloß ich mich, alle Brücken hinter mir abzubrechen.

»Ja, in der Tat«, sprach ich.

»In der Tat?« sprach mein Vater. »Und welche?«

»Es ist so, daß ich vermeine …«, hub ich an, meine Rede sogleich zügelnd, aus übergroßer Scham weiterzusprechen.

»Was vermeinet Ihr?«

»Ich vermeine …«

»Ei! mein Herr Sohn, was ist der Gedanke ohne die Rede! Wenn Euer Hirn schwanger ist mit einer Idee, dann heraus damit!«

»Nun gut«, sprach ich mit einigem Herzklopfen, »ich finde, daß die Gavachette, so wie sie gebaut ist, mehr zum Bettenzerwühlen taugt denn zum Bettenmachen.«

Worüber mein Vater aus vollem Halse lachte, indes in Mirouls Gesicht, welches sich zu keinem Lächeln verzog, das blaue Auge unbewegt blieb, wohingegen das braune vor Heiterkeit blitzte.

»Hoho! mein Herr Sohn«, hub Jean de Siorac wieder an, »so habt Ihr also Geschmack gefunden an der kleinen Schlange und ihren Äpfelchen? Und Ihr tatet recht daran! Denn ein hübscheres Kätzchen, so zierlich und wohlgerundet, hat wohl keiner je im Sarladischen Land gesehen! Aber ich will mit Euch von Mann zu Mann sprechen und Euch nicht verhehlen: ich hätte gar sehr gewünscht, Euerm älteren Bruder François wäre es in den Sinn gekommen, in dieses schöne Blumengärtchen einzudringen, um sich seine ersten Sporen zu verdienen. Doch er zieret sich gar seltsam, rümpft die Nase über unsere Leute und will als erste Buhlerin nur ein adelig Fräulein, welches ich, der ich nicht König von Frankreich bin, ihm nicht geben kann. Und so hat er in seinem Alter noch nie einem Weibe beigewohnet und läuft in seiner Unerfahrenheit und Einfältigkeit wie ein Küken umher, dem der Schnabel noch gelb und die Eierschalen noch am Sterz kleben.«

Ich schwieg, wohl merkend, wie sehr mein Vater trotz seines spottenden Tones Gram und Kummer darüber verspürte, daß sein Ältester so lange brauchte, um zum Manne zu werden und ihn mit einem Sohn – sei es auch nur ein Bastard – zu erfreuen, ihn, der seine eigenen Bastarde mit offenen Armen aufnahm (wie es übrigens im Périgord üblich war, insonderheit bei den Edelleuten) und sie in allem seinen wirklichen Söhnen gleichstellte, so wie auch Sauveterre sie wie seine eigenen Neffen behandelte, denn obgleich die Unzucht Sünde in den Augen des Oheims war, so galt ihm doch Fruchtbarkeit als eine Tugend. Ein Grund mehr, weswegen Fontenac in unserer Familie verachtet wurde, denn er hatte vor dem eigenen Fleisch und Blute nicht mehr Respekt als vor dem der anderen und jagte die Kinder, welche er außerhalb der Ehe gezeugt, aus dem Hause.

»Mein Herr Vater«, sprach ich schließlich, da das Schweigen länger andauerte, als ich gewollt, »habt Ihr François angezeigt, wie es um die Gavachette steht? Vielleicht glaubt er sie Euch vorbehalten und also unerreichbar für Eure Söhne?«

Worauf mein Vater, mir in die Augen blickend, zu lachen anfing.

»Dies ist eine Frage, von der ich wohl sagen möcht, daß sie höchst geschickt und verschlagen sei, denn offensichtlich sollen so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.«

Er gab jedoch keine Antwort darauf, sondern erhob sich unvermittelt und forsch, bedeutete Miroul, den Kandelaber aufzunehmen und uns zu leuchten.

»Mein Herr Sohn«, sprach er kurz und bündig, »wir wollen uns zur Ruhe begeben!«

Ich folgte ihm hängenden Kopfes, da nichts entschieden war – weder für heute noch für morgen –, der Bitternis meiner Einsamkeit abzuhelfen. Als wir jedoch vor der Kammer ankamen, in welcher der Baron von Mespech mit Franchou schlief, wendete er sich auf einmal zu mir, der ich ihm folgte, blickte mich lächelnd mit blitzenden Augen an und flüsterte mir, indem er mich gar herzlich umarmte, auch auf beide Wangen küßte, ins Ohr:

»Vale, mi fili; et sicut pater tuus, ne sit ancillae formosae amor pudori.3«

»Ei, mein Herr Vater«, sprach ich mit bewegter Stimme, »nichts anderes vermeine ich.«

Nachdem sich die Tür hinter Jean de Siorac geschlossen, umarmte ich meinen wackeren Miroul, welcher – so schläfrig er war – mir zulächelte, da er die Worte des Herrn Baron sehr wohl verstanden hatte, obzwar er des Lateins nicht mächtig war. Er bot mir den Leuchter, allein ich nahm ihn nicht, da ich die Hände frei haben wollte und auch der helle Mond durch die Fenster schien. Nachdem sich Miroul entfernt, lief ich flugs zu der Kammer im Westturm, darinnen in einem Bett Barberine schlief und in einem anderen Anet, Jacquou sowie die Gavachette. Welchselbige ich, so bloß und nackt, wie sie war, mit meinen Armen aufhob und, ohne daß sie gänzlich erwachte, wie ein Diebsgesell zu meiner Kammer trug, wobei mir das Herz gar stark in der Brust schlug. Dort legte ich sie sacht auf mein Bett nieder, wohin ich ihr augenblicks folgte. Indem sie, ruhig und friedlich atmend, in tiefem Schlafe lag, kam mir der verlockende Gedanke, ihr also beizuliegen, daß sie mich für einen Traum hielte. Allein, als ich es recht bedachte, tat ich es nicht, denn ich wollte nicht, daß sie durch den Schmerz erwache, welchen ich ihr wohl oder übel antun müßte, damit sie mein werde. Also bezähmte ich mich, so schwer es mir auch fiel, und nahm es auf mich zu warten, bis daß sie beim Morgengrauen von selbst erwache. Indem ich sie, schlank und zierlich, mit knospenden Rundungen, das maidenhafte Gesicht von einem Mondstrahl beschienen, fest mit meinen Armen umschlossen hielt, verbrachte ich also, halb im Schlaf, halb im Traum, lange Stunden des Wartens, welche mir in ihrer wonnigen Beschwerlichkeit bis auf den heutigen Tag lebhaft erinnerlich sind, mehr noch als was danach folgte, denn so heiß das Gelüst auf die Frucht, so schnell ist sie verspeiset.

Und obgleich es große Sünde war, wie Alazaïs laut klagte, indes Sauveterre mißbilligend die Stirn darüber runzelte und mein Vater sich insgeheim darüber lustig machte, bekenne ich mich offen zu meinem Tun. Wäre es denn nicht eine gar heuchlerische List, zu behaupten, man bereue sein Tun, wenn man doch nicht davon abläßt? Und warum sollte ich wohl meinen Schöpfer um Verzeihung anflehen, wenn mir Tag um Tag soviel Freude daraus erwächst, daß Er in seinem Garten Eden dem Manne eine solch holde und liebreizende Gefährtin gegeben?

Die glühenden Liebesgedanken, die ich für meine Angelina hegte, als auch das Herzeleid, welches mir ihr Fernsein verursachte, wurden dadurch mitnichten gemindert, und Mespech, worin ich fern von ihr festgehalten, deuchte mir noch immer eine Art Kerker, ein Kerker freilich, mit dem mich abzufinden mir jetzt leichter fiel. Nicht daß ich für die Gavachette die gleichen zarten Gefühle empfunden hätte wie in meinen Kindesjahren für die kleine Hélix. Doch sie gefiel mir gar wohl, diese Zigeunertochter, eine Wildkatze, geschmeidig und grazil, mit spitzen kleinen Zähnen stets bereit zum Zubeißen, mit gar noch flinkeren Krallen und dunklen, im Zorne tiefschwarzen Mandelaugen; dazu über alle Maßen großtuerisch vor Stolz, meine Buhlerin zu sein; verspielt, schelmisch und widerspenstig, sich gern der Müßigkeit hingebend (insonderheit im Bett), die Mühen der Haushaltung meidend und eitle Tändelei ernstem Werk vorziehend; aufsässig und widersetzlich gegen Alazaïs, dieses hünenhafte Weib, das sie anzügelte wie eine giftige kleine Schlange; niemals klein beigebend, so viele Maulschellen sie darob auch erhielt; zu den Männern (ausgenommen Sauveterre) höchst kokett, denn auf den kleinsten Blick hin begann sie die Augen zu verdrehen und den ganzen Körper – Schultern, Brüste, die schlanke Taille, das wohlgerundete Hinterteil – gar aufreizend zu regen; bissig und kratzig zu allen Weibspersonen, ausgenommen Barberine, welcher sie gar sehr zugetan; und allen gegenüber von einer Spitzbübigkeit, welche einen rasend machen konnte. Doch bei alledem hatte sie kein böses Herz.

So rauh und hart der Winter im Périgord gewesen, so lieblich war der Frühling Anno 1568, mit Regen lau und lind, den Boden zu tränken, mit Sonne genug, daß Baum und Strauch mit Saft sich füllten und gegen Mitte des März die ersten Blüten sich zeigten (wie auch die ersten mattglänzenden Knospen). Zum Unglück hatte der Frühling nicht allein den Fluß der Säfte wieder in Gang gebracht, sondern auch den Krieg, welcher des Winters im endlosen Schlamm zum Stehen gekommen. Unsere Hugenottenarmee umfaßte nicht mehr nur die zweitausend tapferen Kriegsleute, welche die Stadt Paris durch ihre Belagerung in Angst und Schrecken versetzten. Die zehntausend Reiter und Landsknechte, welche der pfälzische Kurfürst gesandt, sowie die Verstärkung, die zahlreich aus dem Rouergue, dem Quercy und dem Dauphine angerückt war, hatten sie auf dreißigtausend Mann anwachsen lassen, mit denen Condé und Coligny alsbald gegen die Stadt Chartres zogen, einen der Kornspeicher und Vorposten der Hauptstadt.

Nach dem Tod des Konnetabels hatte die Medici ihrem Goldkind, ihrem Liebling, ihrem Herzchen, dem Herzog von Anjou, welcher gerade meines Alters war, den Oberbefehl über die königliche Armee übertragen. Jedoch die Schatzkammer war wie gewöhnlich leer. Und wenn die Hugenotten Chartres einnähmen, was würde dann aus dem schönen Korn der Beauce? Die Medici war eine gute Mutter, doch nur für einen ihrer Söhne. Dessen älteren Bruder, den König, liebte sie nicht, schätzte indes um so mehr, was sie von ihm übernommen: die Herrschaft im Königreiche, und so widerstrebte es ihr, diese Herrschaft und gar noch die Ehre des Hauses Anjou im Würfelspiel einer ungewissen Schlacht aufs Spiel zu setzen. Sie ließ sich auf Verhandlungen ein, und Condé, welcher keinen roten Heller hatte, die deutschen Reiter zu löhnen, fand sich bereit, mit ihr den Frieden von Longjumeau zu schließen, welcher – wer hätte es bezweifeln wollen – nur eine trügerische Waffenruhe war. Denn kaum war die Tinte des Vertrages trocken, als schon mancherorts im Königreiche die Verfolgungen der Unseren wieder ihren Lauf nahmen.

Der Vertrag zu Longjumeau wurde am 23sten März geschlossen, und im Sarladischen Land erreichte uns die Kunde davon bereits am 8en April, so schnell wanderten in den unruhigen Zeiten die Neuigkeiten von Hugenott zu Hugenott.

»Mein Herr Vater«, sprach ich, nachdem ich ihn unversehens in seiner Bücherei aufgesucht, »möget Ihr uns, meinen Bruder und mich, jetzt, da der Krieg zu Ende, wieder gen Montpellier ziehen lassen.«

»Und was wollet Ihr dort«, sprach Jean de Siorac, »wenn die Lectiones zu Pfingsten enden werden?«

»Die Lectiones der Schule, jedoch keineswegs die privaten Lectiones, welche der Kanzler Saporta und der Doyen Bazin gegen Bezahlung geben! Und so ich rechtzeitig ankomme, läßt mein ›Vater‹ Saporta mich vielleicht das Examen eines Bakkalaureus der Medizin vorbereiten, so daß ich dann Kranke visitieren und Recepta werde ausfertigen können, sie von ihren Übeln und Gebrechen zu kurieren.«

»Freilich«, sprach mein Vater mit einem Seufzer, »all dies ist gut und trefflich, doch die Gefahren und Bedrängnisse, in welche Ihr zu Montpellier geraten könntet?«

»Mein Herr Vater, sie sind nicht größer denn diejenigen, welche allhier lauern, wo einer nicht die Nase hinausstecken kann, ohne fürchten zu müssen, eins draufgehauen zu bekommen, solange dieser Hundsfott Fontenac nicht seine gerechte Strafe gefunden. Überdies hegen – so ich Madame de Joyeuse glauben darf – die Papisten zu Montpellier mir gegenüber weniger Haß und Feindseligkeit, seit ich den Bischof von Nismes gerettet.«

»Doch kann man dem, was sie schreibt, Glauben schenken?« sprach mein Vater mit einem Seufzer. »Mich deucht, diese edle Dame gelüstet es gar sehr nach einem Wiedersehen mit Euch.«

So redete er zwei Tage lang dawider, höchst betrübt und bedrückt, Samson und mich ziehen zu lassen, sintemalen es ihm große Freude gebracht, daß er uns den ganzen Winter in seiner Gesellschaft gehabt. Doch was half es! Ich mußte meine Studien fortsetzen und Samson in Meister Sanches Apotheke zurück, seine Lehre zu vollenden. Nachdem er sich schließlich damit abgefunden, daß wir Mespech wieder verlassen müßten, worüber Oheim Sauveterre nicht weniger traurig war, wenngleich er dies hinter seiner ewig finsteren Miene verbarg, bestand mein Vater doch darauf, uns mit Cabusse und Pétromol zu begleiten.

Aber ach, welch bedauerliche Schicksalsfügung sollte uns widerfahren! Mein Vater, welcher am 28sten April 1568 zu Montpellier Abschied von uns nahm, sollte uns erst im September Anno 1570 auf Mespech wiedersehen, zweiundeinhalb Jahre später! Der Krieg war nämlich bald wieder entbrannt, da die Medici versucht hatte, Condé und Coligny in Noyers durch Verrat ergreifen und umbringen zu lassen. Wenn der Krieg also von neuem überall wütete, wie hätten wir da über Land reiten können, ohne Gefahr zu laufen, in die Hände der Papisten zu fallen?

Als ich Anno 1570 auf Mespech zurückkehrte, gab mir mein Vater unverzüglich die Briefe zu lesen, welche er während der Kriegszeit von zwei gar guten Freunden erhalten; der eine, Rouffignac geheißen, kämpfte in der Armee der Hugenotten, und der zweite war kein anderer als der Vicomte d'Argence, der als Hauptmann in der königlichen Armee diente und bekanntlich den Prinzen von Condé in der Schlacht zu Jarnac gefangennahm. Ich las diese Schreiben mit dem größten Interesse, und da sie nie veröffentlicht wurden und solches auch nicht mehr geschehen kann, da der Herrgott ihre Verfasser zu sich gerufen, will ich nachstehend ihren wesentlichen Inhalt zur Unterrichtung des Lesers wiedergeben.

Obgleich Rouffignac den Admiral Coligny gar sehr bewunderte, verhehlte er doch in seinen Briefen nicht, daß dieser in der nachfolgend geschilderten Schlacht einen ganz unbegreiflichen Fehler beging. Als Tavannes (welcher der eigentliche Befehlshaber der königlichen Soldaten des Herzogs von Anjou war) auf dem rechten Ufer des Charente-Flusses an der Brücke von Chateauneuf auftauchte, stand Condé bei Bassac und Coligny bei Jarnac. Und anstatt augenblicks einen Schwenk auf Condé hin zu vollziehen, vertat der Admiral viel kostbare Zeit, seine Streifwachen zurückrufen zu lassen, und als er sich schließlich, von Tavannes bedrängt, auf den Kampf einlassen mußte, wäre er um ein Haar der Übermacht erlegen und mußte Condé zu Hilfe rufen. »Das Unglück wollte es, »so schrieb Rouffignac, »daß sich der Prinz das Bein brach, als er den Fuß auf den Steigbügel setzte, da gerade in diesem Augenblick La Rochefoucaulds Pferd ausschlug und ihn mit dem Huf traf. Obgleich das Bein so gebrochen war, daß der Knochen aus dem Stiefel herausragte, wollte er trotzdem den Angriff reiten und erklomm mit schmerzverzogenem Gesicht unter viel Mühe und Qual sein Pferd.

›Messieurs‹, sprach er zu den ihn umgebenden Edelleuten (und zu La Rochefoucauld, der mit Tränen in den Augen auf sein Pferd einschlug), ›Messieurs, sehet, in welchem Zustand der Prinz von Bourbon für Christus und sein Vaterland in die Schlacht zieht!‹

Nach diesen Worten stürmte er mit gewohnter Heftigkeit gegen den zehnmal stärkeren Feind an.«

Was weiter geschah, ist bekannt: Condé entlastete Coligny aufs trefflichste, doch umschlossen von den unübersehbaren Scharen der königlichen Soldaten, wurde er abgedrängt, sein Pferd unter ihm getötet, worauf er, an einen Baum gelehnt, Dolch und Degen zog, nachdem er die nutzlos gewordenen Pistolen weggeworfen, und gar wacker um sich schlug. »Ich erkannte ihn«, schrieb d'Argence, »und eilte hinzu.

›Monseigneur‹, so sprach ich, die Degen zurückdrängend, welche ihn bedrohten, ›ich bin d'Argence, welcher tief in Eurer Schuld steht. Mögen Eure Hoheit sich mir ergeben. Ihr könnt doch nicht weiterkämpfen, wenn Euch der gebrochene Schenkelknochen aus dem Stiefel ragt.‹ Und da er nicht antwortete, sprach ich von neuem: ›Ich flehe Euch an, Monseigneur, ergebt Euch. Was mich betrifft, so bürge ich für Euer Leben.‹

›Was wird deine Bürgschaft schon ausrichten können, d'Argence!‹ rief der Prinz mit bitterer Stimme, indem er endlich Dolch und Degen fallenließ.

Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als ich die Gardesoldaten des Herzogs von Anjou, welche man schon von weitem an ihren roten Umhängen erkannte, auf uns zu galoppieren sah.

›Sehet‹, sprach Condé mit unbewegtem Gesicht (obwohl ihm sein Schenkel gar große Schmerzen verursachte), ›sehet, da kommen die roten Raben, welche mir den Garaus machen werden!‹

›Monseigneur‹, sprach ich, ›Ihr befindet Euch in der Tat in großer Gefahr! Verberget Euer Angesicht, auf daß man Euch nicht erkennen möge!‹

Allein er wollte meinem Rate nicht folgen, da ihm eine solche Vermummung seinem Stande nicht angemessen erschien.

›Oh! d'Argence!‹ sprach er, ›du wirst mich nicht retten!‹

Und in der Tat, kaum hatte Montesquiou, der Gardehauptmann des Herzogs von Anjou, den Namen des Gefangenen gehört, schrie er auch schon:

›Tötet ihn, Teufel noch mal! Tötet ihn!‹

Ich eilte zu ihm, als er vom Pferd stieg, und hielt ihm vor, der Prinz sei mein Gefangener und ich hätte mich für sein Leben verbürgt; doch Montesquiou, welcher mit langen Schritten herankam und dabei seine Pistole spannte, antwortete mir mit keiner Silbe, und indem er hinter den Prinzen trat, schoß er ihm eine Kugel durch den Kopf, welche vorn wieder herausfuhr und dabei das Auge aus seiner Höhlung riß.

›Ha! Montesquiou!‹ schrie ich, ›ein unbewaffneter Mann und dazu ein Prinz von Geblüt! Das ist ein gemeines Bubenstück!‹

›Das ist es in der Tat‹, sprach Montesquiou, den auf der Erde liegenden Prinzen betrachtend, und ihm flossen plötzlich Tränen über das sonnengebräunte Gesicht, er fügte hinzu: ›Ihr wisset wohl, daß nicht ich dies befohlen habe.‹

Ich wußte in der Tat«, so schrieb d'Argence, »daß dieser Befehl, alle gefangenen Hugenottenführer auf der Stelle niederzumachen, vor allem aber Condé und Coligny, sowie sie in unsere Hände fielen, vom Herzog von Anjou kam, welcher auch anordnete, daß ihm die Leiche Condés nicht auf einem Pferd gebracht werden solle, sondern – die Schande und Erniedrigung noch zu steigern – auf einer Eselin; der Kopf hing auf der einen Seite des Tieres herab, die Beine auf der anderen, daß es ein Jammer war! Eine schändliche und unwürdige Tat, die dem Herzog, obgleich er der Bruder des Königs war, die heimlich geäußerte Mißbilligung von manch einem königlichen Hauptmann einbrachte, so sehr wurde der Prinz wegen seiner Tapferkeit geschätzt.«

Mein Vater hatte diesen Brief über meine Schulter hinweg noch einmal mitgelesen, während ich am Tische seiner Bücherkammer saß, und ich sprach zu ihm:

»War solches nicht gemeiner, schändlicher Mord?«

»Gewiß, und ein Fehler obendrein! Denn es wäre für den König leichter gewesen, sich mit Condé denn mit Coligny zu einigen. Ich weiß nicht, wer einmal gesagt hat Condé sei ein kleiner Prinz, so hübsch und fein, der lacht und singt tagaus, tagein. Das trifft ihn haargenau, potz Blitz! Er war tapfer im Kampf, den Freuden des Lebens zugetan, streitbar, hitzig und – bei der Wahrheit zu bleiben – leichtfertig. Mehr Feuerkopf als politischer Denker, hat er zweimal mit der Medici Verträge geschlossen, welche für die Unseren höchst nachteilig waren. Doch lest laut, was Rouffignac über Coligny schreibt.«

»›Der Admiral – so ich dies sagen darf – erweist sich nicht immer als ein glänzender Feldherr und Schlachtenlenker, wie sich bei Jarnac gezeigt hat. Doch unerschütterlich in Glauben und Zuversicht, beharrlich und niemals der Verzweiflung erliegend, ist er überzeugt, daß der Krieg nicht mit einer Schlacht verloren ist. Deshalb beherrscht er auch die Kunst des Rückzuges. Und so rettete er nach dem unglückseligen Tag von Jarnac wiederum seine Armee, indem er sich dem Gegner entzog, und konnte mit ihr einen Sicherheitsplatz erreichen. Dort suchte ihn die Königin von Navarra auf. Oh, mein Freund! Welch mutige und unbeugsame Hugenottin ist diese Frau! Sie hat Condé, den Sohn des toten Helden, und ihren eigenen Sohn, Heinrich von Navarra, welcher kaum sechzehn Jahre zählt, in die Armee eingeführt.‹

»Oh, ist es nicht Jammer und Schande«, sprach ich, nicht ohne einigen Neid, »Navarra ist zwei Jahre jünger denn ich und dient in der Armee!«

»Mein Herr Sohn«, entgegnete mein Vater mit spöttischer Miene, »was muß ich hören? Seid Ihr ein Bourbone? Seid Ihr ein Prinz von Geblüt? Erbet Ihr den Thron Frankreichs, so die drei Söhne der Medici ohne Nachkommen sterben? Lasset also Navarra sich für sein Fortkommen mühen, und mühet Ihr Euch hier für das Eure. So gebietet es die Vernunft.«

Nach solchem Tadel und Zurechtweisung, doch darob mehr lächelnd denn betrübt, fuhr ich mit der Lektüre von Rouffignacs Brief fort:

»›Nachdem der Admiral die Schlacht zu Jarnac infolge des vorbesagten Fehlers verloren, ging die von Moncontour durch die Schuld seiner deutschen Reiter verloren.

Kaum hatten sie die befestigten Stellungen bezogen, welche ihnen Coligny angewiesen, was tun da die lieben Deutschen? Sie legen die Waffen ab und verlangen ihren Sold! Ohne Geld kein Kampf! schreien sie in ihrem Kauderwelsch. Oh, mein Freund, welch mißliche Lage, welche Fährnis! Und insonderheit welch unheilvolle Verzögerung! – für niemanden unheilvoller als für sie selbst. Denn im flachen Lande überrascht, während sie disputieren, werden sie von den Schweizern des Herzogs von Anjou umzingelt, überrannt und aus altherkömmlichem Brotneid bis auf den letzten Mann niedergemacht. Und das war der ganze Lohn, der diesen armen Schluckern im Leben hienieden zuteil ward.

Wir unsererseits verloren nach Jarnac die Schlacht zu Moncontour, was dem Herzog von Anjou (welcher im übrigen nichts dazu beigetragen, da alles allein Tavannes Werk war) großen Ruhm einbrachte und worüber die Medici, die alte Hündin, höchst erfreut war, denn es entzückte sie, daß das Ansehen ihres Lieblingssohnes über das des Königs hinauswuchs. Doch vermeinet Ihr, dies schlechte Glück hätte Coligny, dem eine Kugel die Wange durchbohrt und vier Zähne ausgerissen hatte, entmutigt, so schmerzlich es für ihn war? Keineswegs! Mit Moncontour beginnt für den Rest unserer Armee ein langer, unglaublicher Marsch, welcher uns in weitem Bogen durch das Land führt und von dem Ihr vielleicht schon einige Kunde erhalten.

Höret wohl! Von Saintes, wohin wir uns zurückgezogen, ritten wir gegen Aiguillon, nahmen dort sogleich das Schloß im Sturm und plünderten es. Von Aiguillon zogen wir, unsere lahmen Pferde überall auf den Wegen zurücklassend, gen Montauban, allwo die Armee der sieben Vicomtes zu uns stieß. Solcherart ermutigt und verstärkt, verwüsteten wir das Land um Thoulouse, um diese törichte Stadt wegen des Meuchelmordes an Rapin zu strafen. Von dort ging es nach Carcassonne, welche Stadt wir uns hüteten anzugreifen, da wir uns nicht die Zähne an ihren wehrhaften Mauern ausbeißen wollten. Dann nach Narbonne, wo wir ebenfalls nicht angriffen; wir begnügten uns damit, das Umland zu plündern, und unsere Trompeten schmetterten, die Papisten verhöhnend, papi-papa-papo! Geradewegs weiter nach Süden vordringend, überschritten wir, Ihr werdet es nicht glauben, die Grenze des Roussillon, um dem spanischen Königreich einen Denkzettel zu verpassen und Philipp II., diesem übertünchten Grab4, zu zeigen, daß nicht alle Hugenotten bei Moncontour gefallen waren!

Nachdem wir dort einige gute Beute gemacht, wandten wir uns wieder gen Norden, nach Montpellier (woselbst, wenn mein Gedächtnis mich nicht trügt, sich Eure beiden wackeren Scholaren befanden). Auch diese einfältige Stadt griffen wir nicht an, sondern plünderten lediglich die umliegenden Dörfer! Hingegen blieben wir einige Zeit in Nismes, welche Stadt unser ist seit der Nacht der Michelade. Von dort zogen wir, dem Tal des Rhône-Flusses folgend, nach Saint-Etienne und darauf nach La Charité, welches auch in unserer Hand ist, wie Ihr wisset, und wo wir Soldaten, Waffen, Kanonen und Geld bekommen konnten.

Und nun höret wohl! Fast jedesmal, da wir auf unserem langen Rundmarsch königliche Garnisonen angriffen, wurden wir geschlagen, doch jedesmal wichen wir aus und tauchten andernorts plündernd und brandschatzend wieder auf, gleich dem Wolfe, welcher sich nicht in die Enge treiben läßt, sondern um sich beißt und die Flucht nimmt. Und so vermochte Coligny, ohne in einer einzigen Schlacht zu siegen, doch den Krieg gegen seine abgemüdeten Gegner zu gewinnen!‹

Mein Herr Vater«, sprach ich in höchstem Erstaunen, »ist es denn wahr, daß Coligny den Krieg allein durch vielen Rückzug gewonnen?«

»Rouffignac«, sprach mein Vater lachend, »neigt zum Prahlen, Aufschneiden und Fabulieren. Doch ist, was er sagt, zur Hälfte wahr. Leset d'Argence, und Ihr werdet die andere Hälfte finden.«

Und er reichte mir ein Blatt, randvoll bedeckt mit d'Argence' Schrift, so eng und winzig, wie die von Rouffignac großzügig und nachlässig war, und keine Unterschrift tragend (denn die Vorsicht war ihm angeboren).

»›Lieber Freund! Was ist doch ein Königshof für eine seltsame Welt, und wie sehr muß man dort einem jeden mißtrauen, sei er gleich Bruder, Mutter, Schwester oder Freund. Nach Moncontour ließen die Lorbeeren des Herzogs von Anjou den König nicht schlafen, so sehr giftete er sich darob. Er will unbedingt den Befehl über die Armee übernehmen, doch anstatt Coligny nachzusetzen, welcher sich auf dem Rückzug befindet, läßt er sich auf die endlose Belagerung von Saint-Jean d'Angély ein. Auch den Guise, der in der Armee gar wenig Ruhm zu erringen vermochte, grämt und peinigt das erhöhte Ansehen des Herzogs von Anjou. So schreibt er an Philipp II., der Bruder des Königs habe sich heimlich mit Coligny verständigt. In seinem fernen Escorial glaubt Philipp II. dieser Anschuldigung und schickt uns kein Gold mehr aus seinen amerikanischen Besitzungen. Im ganzen Jahre 1570 nicht einen Sol für ein schnelles Ende des Krieges! Und der Guise treibt es noch schlimmer. Er macht Margot, der Schwester des Königs, schöne Augen und setzt so diese leicht entflammbare Lunte in Glut. Lüstern und verbuhlt, wie sie nun einmal ist (hatten es doch ihre Brüder schon in frühesten Mädchenjahren mit ihr getrieben), öffnet sie dem Lothringer im Handumdrehen den Hosenschlitz und zieht ihn in ihren Alkoven. Der König bekommt Wind von diesem unzüchtigen Treiben und läßt Margot im Morgengrauen zu sich rufen. Sobald sie sein Gemach betritt, fallen die Medici und der König gleich teufelswilden Fischweibern über sie her, setzen ihr mit Prügel und Hieben gar gewaltig zu und vergerben ihr das Fell, so daß sie etliche Beulen und blaue Flecke davonträgt und auch ihr Hemd in Fetzen geht. Der Guise erhält am folgenden Tag davon Kunde, und aus Furcht, von einem Mordbuben des Königs umgebracht zu werden, bringt er sich in Sicherheit und nimmt sich ein Weib. Doch nun steht er in Ungnade auf Grund des Verdachts, durch Buhlschaft nach dem Throne gestrebt zu haben, und die eifrigen Papisten, welche ihn angestachelt, sind ihres Ansehens ganz und gar verlustig.

Die Medici hat wiederum andere Gründe für ihren Grimm gegen die Häupter des katholischen Lagers. Philipp II., dessen Frau Elisabeth, eine Tochter der Medici, gestorben ist, will von Margot, welche ihm die Königinmutter ungesäumt aufzudrängen sucht, nichts wissen, wohl da er fürchtet, die Glut dieser Demoiselle möchte sich schlecht mit seiner Eiseskälte vertragen. Und schnappt unserer wütenden Florentinerin die ältere der österreichischen Erzherzoginnen weg, welche Katharina für ihren Sohn Karl IX. im Auge hatte, so daß letzterer sich mit der jüngeren begnügen muß! Schlimmer noch: der hochmütige Herrscher fordert, daß der Heiratskontrakt seines Vetters, des Königs von Frankreich, eine Viertelstunde später als der seinige unterzeichnet werde! Ha, mein Freund! Die jüngere der beiden Herzoginnen und diese Viertelstunde! Welche Schmach! Liegt da nicht die Versuchung nahe, sich an dem anmaßenden Spanier und dem Guise – jedesmal wieder wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt? Und so wird eiligst der Friede zu Saint-Germain ausgehandelt, aufgesetzt und unterzeichnet, welcher mir recht vorteilhaft für die Euren zu sein dünkt, so ihn beide Seiten nur einhalten.‹

Mein Herr Vater«, sprach ich, »urteilt d'Argence recht? Gereicht dieser Friede den Hugenotten zum Vorteil?«

»Keineswegs«, sprach Jean de Siorac, der hinter mir stand und mir seine kräftigen Hände auf die Schultern legte, »keineswegs, mein Pierre, er gewährt zwar Religionsfreiheit, jedoch ist die freie Ausübung des Gottesdienstes auf die Burgen und auf zwei Städte in jedem Gouvernement begrenzt. Und was ist die Freiheit des Glaubens wert, wenn dessen Ausübung nicht frei und unbeschränkt ist? Deshalb verspreche ich mir nicht viel von diesem Frieden zu Saint-Germain: der Krieg mit den Papisten wird bald wieder aufflammen.«

Zweites Kapitel

Die Ruhepause sollte dennoch zwei Jahre dauern. Möge der Leser mir verzeihen, wenn ich mit verhängten Zügeln durch diese zwei Jahre galoppiere, denn es drängt mich, über die wundersame Reise und die große Gefahr zu berichten, die mich aus meinem heimatlichen Périgord hinwegführte, in Paris die Gnade des Königs zu erbitten.

Mein geliebter Samson erhielt im August Anno Domini 1571 den Meisterbrief als Apotheker, welche Begebenheit in meiner Erinnerung untrennbar verbunden ist mit dem berühmten Zwiebelmarkt, der am selben Tage zu Montpellier abgehalten wurde und den ich das Glück hatte zu entdecken, während mein Bruder mit beträchtlichen Kosten jenen Theriaktrank herstellte, für den mehr als siebenundzwanzig verschiedene Elemente und Substanzen gebraucht werden und dessen Rezeptur so geheimgehalten und gehütet wird, daß es niemandem – sei er gleich Arzt – gestattet ist, bei seiner Herstellung zugegen zu sein, denn der Anblick dieser Geheimnisse ist allein den Apothekermeistern vorbehalten, die den Kandidaten in ihren Berufsstand aufnehmen.

Während also mein Bruder diese berühmte Medizin herstellte, deren Eigenschaften unübertroffen bei der Heilung zahlreicher Übel sind, schlenderte ich durch die winkligen Straßen von Montpellier, und die Sonne brannte mit einer Stärke, daß schier die Fliegen tot zu Boden fielen (obgleich man Rohrmatten von Haus zu Haus gespannt hatte, die Kraft der Sonne zu mildern). Da bot sich meinem Auge auf der Place Canourgue ein wundersames Bild, wie ich es an keinem Ort je wieder erblickte: eine Stadt ganz aus Zwiebeln gebaut.

Diese Feldfrüchte werden im Sarladischen Land lose verkauft, hier jedoch flicht man sie kunstvoll zu Zöpfen. Diese wiederum werden gebündelt und die Bündel dergestalt übereinandergestapelt, daß wahre Wände von zehn Fuß Höhe entstehen, zwischen welchen enge Durchgänge verbleiben und der ganze Platz in eine Stadt verwandelt wird, darinnen man zwischen würzig riechenden Mauern umherschreiten kann. Und die Zahl der von diesen Mauern gebildeten Gassen und Gäßchen ist so groß, daß man sich darin verlaufen kann wie in einem Labyrinthe. Dies alles ergötzte mich gar sehr, der ich noch nie eine so ungeheure Menge von diesem Gemüse gesehen hatte, welches im Languedoc roh oder gekocht zur täglichen Nahrung gehört, aus welchem Grunde die Stadtleute an diesem Tage einen Vorrat davon kauften, der für den ganzen Winter reichen sollte. Doch mehr noch als die Menge setzte mich die unendliche Vielfalt dieser Früchte in Erstaunen: alle bekannten Arten waren zu sehen, von jeglicher Größe, Beschaffenheit und Farbe: gelbe und rote, manche faustgroß, andere von der Größe einer Aprikose, wieder andere ganz klein, diese dann von weißer Farbe und süßlichem Geschmack.

Zwei gute Stunden verweilte ich dort, so sehr ergötzte mich der Anblick all dessen. Auch an dem bunten Gewimmel erfreute sich mein Auge, denn es war eine große Menge Volkes in der Zwiebelstadt zusammengeströmt: Mägdelein und Hausfrauen, welche kaufen wollten, ebenso wie Bauernburschen und Gaffer, die nur Kurzweil und Ergötzung suchten. Und welch fröhlichen Mutes war die Menge, die sich lachend und lärmend zwischen diesen vegetabilischen Mauern hin und her bewegte, denn der Geruch dieser Gewächse ist gesund und stärkend, wohltuend für Herz, Leber und Geschlechtsteile, dazu ohne jeden Zweifel heilkräftig; auch erfreute es das Volk, welches hier zusammengekommen, so riesige Mengen an Nahrung aufgehäuft zu sehen, welche der Schöpfer in seiner übergroßen Güte und Barmherzigkeit aus der guten Erde des Languedoc hatte wachsen lassen, auf daß alle, einschließlich der am wenigsten Bemittelten, gewiß sein konnten, den Winter über etwas zu beißen zu haben. Denn ein Zwiebelzopf kostet nur zwei Sols, und für die Ärmsten ist eine dieser guten Früchte zusammen mit einem Kanten Brot schon ein ganzes Mahl.

Vor diesen Zwiebelbauten standen, ein jeder stolz auf seine Früchte, die Bauersleute, welche sie gesäet und geerntet, und priesen sie ohne Unterlaß in Okzitanisch an, die Käufer herbeizulocken:

»Zwiebeln, gute Zwiebeln!«

oder:

»Wer Zwiebel nimmt, nimmt Arzenei!«

oder:

»Viel Zwiebel auf dem Tisch macht langes Leben!«

oder auch:

»Ißt Zwiebeln viel und Lauch der Mann,

dem Weibe er's trefflich besorgen kann.«

Höchlichst erfreut, an diesem Tage in klingender Münze den Lohn für ihre Mühen einnehmen zu können, hatten die Landleute trotzdem ein wachsames Auge und hielten in ihren Händen lange Gerten, womit sie geschickt nach denen schlugen, die versuchten, im Gedränge lange Finger zu machen und auch nur das kleinste Zwiebelchen zu entwenden. Doch die Gertenhiebe gegen diese kleinen Gauner trafen nicht hart, wurden ausgeteilt ohne Zorn und Schimpfworte, in der unbeschwerten heiteren Art der Menschen des platten Landes.

Der Zwiebelmarkt wird abgehalten am 24sten August, dem Tag des heiligen Bartholomäus, welcher sich damals für uns Hugenotten in nichts unterschied von all den anderen papistischen Heiligen, deren abergläubischen Kult wir abgeschafft hatten; doch sollte, wie ich noch vermelden werde, derselbe Heilige ein Jahr später für uns auf ewig Anlaß zu höchstem Grauen und Abscheu werden.

Mein prächtiger Bruder Samson liebte den Apothekerstand derart, daß er sich vor Freude kaum zu lassen wußte, da er nach so vielen Jahren voller Mühen zum Meister ernannt ward. Während des Umzuges, welcher auf seine bestandenen Prüfungen folgte, wurde er gemäß dem Brauche hoch zu Roß in großer Begleitung durch die Stadt geführt. Und indes er so dahinritt, über alle Maßen schön von Angesicht und Gestalt, hörte ich etliche Leute sagen, es wäre Jammer und Schade, daß er Hugenott sei, wo er doch ganz aussähe wie der Erzengel Michael auf einem Kirchenfenster. Ich überlasse dem Leser, sich das Aufsehen auszumalen, welches er unter den Frauenzimmern verursachte, die, in Scharen herbeigelaufen, ihn mit den Augen verschlangen. Wiewohl die Bewohnerinnen von Montpellier omnium consensu1als die hübschesten Weiber im ganzen Königreich gelten, nahm mein treuherziger Samson die feurigen Blicke, welche ihm die Wangen streichelten, nicht einmal wahr, hatte er doch Liebesgedanken nur für die Dame Gertrude du Luc, welcher, kaum daß wir in unser Quartier zurückgekehrt, er mich bat, in einem langen Brief den actus triumphalis zu schildern, dessen Hauptperson er gewesen; nicht daß er des Schreibens unkundig, sondern da seine Ausdrucksweise kurz und knapp wie die auf einem Rezept war. Worin ich nach einigem Widerstreben schließlich einwilligte, obgleich ich nicht geringen Groll hegte gegen das Vögelchen, welches, nicht zufrieden, sich in den Azur zu erheben, hier auch auf dem Mist scharren wollte! Der Teufel soll sie holen! Mit einem Hauptmann des Herrn de Joyeuse Hurerei zu treiben, kaum daß sie sich aus der Umarmung meines lieben Samson gelöst hatte! Ist das recht gehandelt, ehrsam und treu? Ha! ich hätte die Metze umbringen mögen ob ihrer Treulosigkeit! Welche mein vielgeliebter Samson in seiner Unschuld gar nicht gewahrte und die ich ihm auch nicht entdeckte, da ich seinem edlen Herzen den Schmerz ersparen wollte.

Ich selbst erlangte den Doktorgrad am 14ten April im Jahre des Herrn 1572. Um die Wahrheit zu gestehen, mir war ganz sappermentisch bange zumute vor den triduanes, den Examina, welche so genannt, da sie drei Tage währen, an denen ich vormittags und nachmittags meine Thesen verteidigen und auf Latein disputieren mußte, nicht nur mit den vier königlichen Professores, sondern auch mit den ordentlichen Doctores, davon zu solchen Gelegenheiten einige sich präparierten, heimtückische und hinterhältige Fallen zu stellen in dem Bestreben, sich auf Kosten des Kandidaten hervorzutun.

Da ich jedoch fleißigst studiert und über meinen Büchern gesessen, auch seziert und dazu noch seit zwei Jahren – in Vertretung meines »Vaters« Saporta – keine geringe Zahl von Kranken examiniert und behandelt hatte, verließ mich mein Vertrauen in mein Wissen nicht ganz. Allein, ich sorgte mich nicht nur wegen der triduanes, sondern auch weil es mir an Geld mangelte, das üppige Festmahl zur Feier der Verleihung des höchsten Grades entsprechend den Gebräuchen der Medizinischen Schule gebührend ausrichten zu lassen. Gewiß, ich hätte meinem Vater schreiben können, doch es widerstrebte mir, eine solche Menge schönen Geldes von ihm zu fordern, und nachdem ich die Sache in meinem Kopf nach allen Seiten gedreht und gewendet, beschloß ich, mich Madame de Joyeuse anzuvertrauen, während wir nach einer gemeinsamen Lektion unserer »Schule der Verzückung« hinter dem blauen Vorhang ihres Himmelbettes eine Atempause einlegten.

»Was höre ich da?« sprach die hohe Dame. »Es mangelt Euch an Geld? Warum habt Ihr mir das verschwiegen? Soll es meinem kleinen Vetter versagt sein, sich seines Standes ebenso würdig zu zeigen wie jeder andere? Aglaé de Mérol wird Euch unverzüglich hundert Dukaten einhändigen.«

»Oh, Madame!« rief ich, »wie dankbar bin ich Euch für Eure wunderbare Güte. Ihr seid so hochherzig wie schön. Mein ganzes Herz und auch mein ganzer Körper – werden Euch dafür auf ewig höchsten Dank wissen.«

Dies sagend, küßte ich wieder und wieder ihre liebreizenden Hände, voller Wohlgeruch von Balsam und Essenzen und geübter im Kosen als alle anderen Frauenhände in diesem Königreiche.

»Oh, mein Liebling!« sprach Madame de Joyeuse, welche jugendliche Frische über alles liebte und mit höchstem Schrecken die Vorboten des Alters nahen sah, »sagt mir nicht Dank, es ist nichts als ein wenig Gold, das mir wenig bedeutet angesichts der Wohlhabenheit meines Vaters! Denn Ihr, mein Pierre, gebt mir unendlich mehr, als ich Euch zu geben vermag, alt und häßlich, wie ich bin.«

»Alt, Madame! Häßlich!«

Und wahrlich, sie war weder das eine noch das andere, sondern höchst bezaubernd in ihrer reifen üppigen Schönheit, was ich ihr in wohlgesetzten Worten zu sagen wußte und auch mit solch überzeugender Kraft, daß sie schließlich, in meinen Armen dahinschmelzend, mir in einem Ton süßer Tyrannei verlangend ins Ohr flüsterte: »Mein Liebling, macht mit mir, was ich so mag!« Ha! wie liebte ich sie damals ob ihrer unendlichen Güte und auch darob, daß sie mir solche Macht über sich gab!

Als die hundert Dukaten lustig klingend aus ihrer Schatulle in meinen Beutel wanderten, sprach die schöne Aglaé de Mérol, welche sie mir in einem Salon einhändigte, worinnen wir uns allein befanden (sie war eine muntere Jungfer voller Mutwillen, die mich gern neckte):

»Was ist mir das? Schon wieder eine Zuwendung? Ihr kostet uns nicht wenig, so vermein ich! Fast so viel wie Monsieur de Joyeuse! Doch dafür seid Ihr auch von größerer Dienstfertigkeit!«

»Aber Madame!«

»Kein Aber! Dieser große Mann hat den Fehler, niemals dazusein, so beschäftigt ist er, einem jeden Weiberrock in seinem Amtsbezirk nachzulaufen. Ihr aber, ehrwürdiger Doktor und Medicus, seid da, sooft man will, und scheuet keinerlei Mühe bei Euren vortrefflichen Behandlungen!«

»Madame!« sprach ich, »Ihr versetzt mich in Verwunderung! Sind das die Spötteleien einer Jungfrau?«

»Mein Herr«, sprach sie, »wie Ihr wißt, bin ich Jungfrau, nicht weil mir dies gefiele, sondern weil ich gemäß meinem Stande nur einen Mann mit einem jährlichen Einkommen von fünfzigtausend Livres zur Ehe nehmen könnte und es von solchen Männern in unseren Landen nur drei oder vier gibt, welche mir alle höchst wenig zusagen.«

»Madame«, sprach ich, die kleine Tändelei mit ihr fortsetzend, »habe ich Euch nicht schon gesagt, daß ich Euch zur Frau nehmen will, sobald ich fünfzigtausend Livres Einkommen habe?«

»Die werdet Ihr aber nie haben!« sprach sie lachend, denn sie hörte solche Worte gern. »Und außerdem weiß ich wohl, daß Ihr ganz vernarrt in Eure Angelina seid und Euer Herz so beständig ist wie Euer Leib unbeständig, welchen es immerfort wie einen Schmetterling von einer Blume zur anderen zieht.«

»Solches denkt Ihr von mir?«

»Leugnet nicht! Wohin sonst wird dieses Geld fließen, wenn nicht in die Tasche irgendeiner Zimmermagd?«

»Diese Zimmermagd heißt Doktorwürde der Medizin.«

»Ho! Hundert Dukaten, um zum Doktor erhoben zu werden?«

»Hundertdreißig! Dreißig fehlen mir noch! Die Auslagen eines Doktoranden nehmen kein Ende!«

»Wenn Euch noch dreißig Dukaten fehlen«, sprach sie darauf, »werde ich sie Euch aus meiner eigenen Schatulle geben.«

»Oh, Madame!« rief ich aus, »Ihr seid der holdeste Engel auf Erden, doch meine Scham verbietet mir, dies anzunehmen.«

»Wie!« sprach sie zornigen Blicks, »lehnet Ihr meine Gabe etwa ab, weil ich als Jungfrau nicht in Eure ›Schule der Verzückung‹ eintreten kann? Muß es erst so weit kommen, um Eure Freundin zu sein?«

Mir blieb nichts anderes, als anzunehmen, sonst hätte sie sich erzürnt, so unendlich gebefreudig ist das zarte Geschlecht, sobald sein Herz gerührt ist, sei es auch nur durch freundschaftliche Gefühle. Denn sie duldete nicht die kleinste Vertraulichkeit, nur einige züchtige Küßchen auf ihre Grübchen und einen einzigen ganz kurzen Kuß auf ihre schönen Lippen, mit beiden Händen auf dem Rücken – so befahl sie es.

Ich verließ das Palais derer von Joyeuse beschwert mit Dukaten, erleichtert an Sorgen und voller dankbarer Gefühle für diese beiden trefflichen Frauenzimmer. Allein, nachdem mein Beutel wohlgefüllt, mußte ich ihn doch bald wieder leeren, so leid es mir auch tat. Also machte ich mich auf, meinem »Vater«, dem Kanzler Saporta, die ihm geschuldete Summe zu bringen: dreißig Dukaten Honorar, denn er sollte bei meinen triduanes den Vorsitz führen. Während dieses Besuches hoffte ich inständig, Typhema, das hübsche junge Eheweib dieses Graubartes, zu Gesicht zu bekommen, doch vergebens. Saporta war ein wahrer Türke, welcher sein Weib in einer Kammer eingesperrt hielt aus Angst, es könnte sie ihm einer entführen – und sei es nur mit den Augen, so gingen meine dreißig Dukaten dahin, ohne daß ich das Vergnügen ihres Anblickes hatte, und erhielt auch kaum ein Dankeschön dafür.

Beim Doyen Bazin, den mein Studiengenosse Merdanson »Fötus« nannte – er war nämlich klein, mager, schwächlich und kränklich, gleichwohl aber giftig in Blick und Rede –, ward ich noch unfreundlicher empfangen, denn als den »Sohn« des Kanzlers Saporta haßte er mich ebenso wie meinen »Vater«. Überdies hatte er den Vorsitz bei meinen triduanes führen wollen und fühlte sich nun, da Saporta ihm dieses Amt weggeschnappt hatte, um die dreißig Dukaten gebracht, war er doch ein Geizkragen und Küssenpfennig wie kein Sohn einer ehrlichen Mutter im ganzen Languedoc. So kann man sich leicht vorstellen, wie er mit sauertöpfischer und verdrossener Miene meine zwei Dukaten und zehn Sols einsteckte und mir mit schneidender Stimme »stürmische und fährnisreiche« triduanes prophezeite.

Doktor Feynes indes, welcher der einzige Katholik unter den vier königlichen Professoren war, nahm meinen Obolus mit seiner gewohnten Gutmütigkeit entgegen. Bläßlich und verschroben, zog er sich hier noch mehr in sich zurück, wo er sich vorkam wie eine arme kleine papistische Maus, welche sich in ein hugenottisches Loch verirrt hat. Von ihm waren keine Schikanen zu erwarten, aber auch keine Hilfe: er machte kaum den Mund auf und würde in unseren Disputationen keine große Rolle spielen.

Was den Doktor Salomon betraf, den ich als letzten aufsuchte, so dankte er mir für meine zwei Dukaten und zehn Sols, als hätte ich ihm alle Schätze jenes Königs zu Füßen gelegt, dessen Namen er trug. Gemeiniglich führte er jedoch diesen Namen nicht mehr, sondern ließ sich d'Ássas nennen nach seinem Besitz in Frontignan. Wie schon einige Male delektierte er mich im schattigen Grün seines Gartens mit dem köstlichen Rebensaft seiner Weinberge und dem Kuchen, welchen seine Hausmagd Zara verfertigt, die in ihrer lieblichen Anmut so schön war, daß ich nach dem Backwerk gern die Bäckerin genossen hätte. Doch solches durfte nicht sein. Es wäre Frevel und Verrat gewesen, da der Doktor d'Ássas sie gar sehr liebte und mir so große Freundschaft bezeugte.

»Höret, Pierre de Siorac«, sprach er, »nehmet Euch wohl in acht: der Mann, welcher Euch ›stürmische und fährnisreiche‹ Disputationen prophezeit hat, bereitet Euch gar hinterhältige Fallen. Keine Frage ohne Hinterlist! Dies ist so sicher wie das Amen in der Kirche.«

»Was soll ich nur beginnen? Was dagegen tun?«

»Ich will es Euch sagen«, entgegnete d'Ássas, offenherzig und gutmütig von Kopf bis Fuß.

Er hub schon an zu sprechen, doch schien er sich plötzlich anders zu besinnen.

»Ehrwürdiger Doktor, um des Himmels willen, sprecht!«

»Ich weiß nicht«, sprach er, seine dunklen Augen voller Sanftheit und Verschmitztheit auf mich richtend, »ob ich es sagen soll.«

»Um des Himmels willen, sagt es.«

»Pierre, werdet Ihr jemals zu einem anderen davon sprechen?«

»Bei meiner Seele, nein!«

»Pierre, ich vermeine, dem Doktoranden hinterhältige Fragen zu schwierigen, umstrittenen und obskuren Themata zu stellen, ist ein gar verwerflich Unterfangen. Stimmet Ihr dem zu?«

»Ei, ganz gewiß.«

»Pierre, auf eine List anderthalbe.«

»Sehr wohl.«

»Pierre, höret gut zu. Der Mann, um welchen es sich handelt, tut sich groß mit dem Griechischen, dessen er jedoch gar nicht mächtig ist. Er zitiert, aber ohne Verstand. Pierre, memorieret also bis morgen etliche Abschnitte aus den Texten des Hippokrates und des Galenus, und wenn der Kerl Euch bei den triduanes eine Frage stellt, auf welche Ihr keine Antwort wisset, so saget unbeirrt eines Eurer griechischen Sprüchlein auf, mit triumphierender Miene.«

»Wie!« sprach ich, »auch wenn der griechische Text in keinerlei Zusammenhang zu der Frage steht?«

»Gewiß! das ist ja gerade der Witz der Sache. Rabelais verfuhr nicht anders mit seinen verschlagenen Widersachern! Und beherrschten selbige das Griechische, so überschüttete er sie mit Hebräisch!«

»Ei«, rief ich aus, »welch ergötzliches Possenspiel, welch trefflicher Spaß!«

Worauf Doktor d'Ássas und ich, über unsere Becher hinweg uns vielsagend anblickend, in ein homerisches Gelächter ausbrachen.

Am selbigen Tage brachte ich mein Scherflein noch zu den Doktoren Pinarelle, Pennedepié und de la Vérune, welche keine königlichen Professoren, sondern nur ordentliche Doktoren waren, die einige Vorlesungen an der Schule gaben und die der Kanzler Saporta allein aus Höflichkeit in mein Prüfungskollegium aufgenommen, worauf ich gern verzichtet hätte, da ihre Anwesenheit mich sechs Dukaten und dreißig Sols kostete, welche Summe das Honorar für meine Examinatores auf dreiundvierzig Dukaten erhöhte.

Doch damit nicht genug! Am Tage vor meinen triduanes ließ ich jedem der Doktoren, welchen ich zuvor schon vorgemeldetes hübsches Sümmchen eingehändigt hatte, noch die Gaben und Geschenke überbringen, welche seit undenklichen Zeiten durch die Gebräuche der Schule in Art und Menge wie folgt festgelegt waren:

Erstens: ein Marzipanbrot von mindestens vier Pfund, reichlich bestrichen mit Mandelpastete und gefüllt mit kandierten Früchten.

Zweitens: zwei Pfund Zuckerwerk.

Drittens: zwei Kerzen aus gutem wohlriechendem Wachs von der Dicke eines Zolls.

Viertens: ein Paar Handschuhe.

Diese Ehrengeschenke wurden vom Pedell Figairasse in die Häuser der sieben Doctores gebracht, und ich händigte ihm zwei Dukaten und zwanzig Sols ein als Lohn für selbige Besorgung dafür, daß er während meiner triduanes das Publikum in den Festsaal einlasse und plaziere, auch die Schulglocke zu meiner Ehre läute, wenn ich zum Doktor ernennet würde, und schließlich bei meinem Umritt durch die Stadt mit der Hellebarde vor meinem Pferd einherschreite.

Auch hatte ich gemäß Sitte und Gebrauch vier Musikanten gedungen, welche Querpfeife, Trommel, Trompete und Viole spielten, und führte sie zu Sonnenuntergang am Abend vor meinen triduanes unter die Fenster der besagten Doctores, diesen ein Ständchen zu bringen. Fast alle öffneten sie huldvoll ihr Fenster, sich zu zeigen; sie warfen den Musikanten, welche von mir schon reichlich Lohn erhalten, einige Münzen zu und erwiderten meinen tiefen Bückling, indes ihre Gattinnen höflich in die Hände klatschten. Nur bei Saporta zeigte sich – gewiß auf Geheiß ihres Herrn und Gemahls – Thyphema nicht. Und Doktor Bazins Wohnung schließlich blieb so verschlossen wie das Herz des Geizhalses, welcher damit sicherlich zeigen wollte, wie sehr er mich verabscheute. Schließlich verabschiedete ich die Musikanten, nicht ohne sie vorher noch für den Umritt zu bestellen, welcher in drei Tagen stattfinden würde und bei dem sie, noch vor dem Pedell an der Spitze des Zuges schreitend, lustige Weisen spielen sollten, welche dem Anlaß angemessen.

Oh, Leser! Glaube nicht, daß nach all dem Musizieren schon das Ende meiner Kosten, Ausgaben und Aufwendungen ereicht wäre, sosehr es mir auch mein hugenottisch Herz abdrückte, meinen Beutel für all diese kostspieligen Überflüssigkeiten leeren zu müssen. Und ist es nicht großer Jammer und verabscheuungswürdiger Bombast, daß so viel Geld für eine Sache draufgehet, für die allein das Wissen ausreichen sollte! Doch vernehmet dies: Die ganzen drei Tage, welche meine Prüfungen dauerten, hatte ich gemäß Sitte und Gebrauch nicht nur meine Examinatores mit weißem Weine und Kuchen zu bewirten, sondern auch die Zuhörer, welche sich im Prüfungssaale drängten und welchen, solcherart mit Speis und Trank gelabet, die Länge der Sitzungen gar erträglich erschien. Ich hatte die Wirtin der Herberge Zu den drei Königen ersucht, mir Hilfe und Unterstützung während der ganzen Zeit meiner triduanes zu gewähren, wozu sie sich ohne Zögern, nicht aber ohne Zahlung bereit erklärte, und nun lief sie ohne Unterlaß zwischen den Zuhörern mit Krügen, Bechern, Backwerk und Marzipan hin und her, unterstützt von zwei geschickten Hausmägden, und ich sah mehr als einen – selbst von den ordentlichen Doctores – sie betätscheln, wenn sie, beide Hände voller Leckereien, vorbeigingen.

Die Unkosten waren groß, aber leider notwendig, damit alle, Prüfer wie Zuhörer, guten Mutes und mir wohlgewogen blieben, denn anderenfalls hätten die einen mich noch länger im Feuer ihrer Fragen rösten lassen und die anderen mich mit Schmäh- und Spottrufen überschüttet, anstatt jede Antwort mit ohrenbetäubendem Applaus zu quittieren, wie sie es taten, wenn ihr Bauch gefüllet und die Milz vom Wein besänftigt war.

Der »Fötus« Bazin versuchte sehr wohl, mich in die Falle zu locken, doch auf die erste heimtückische Frage, welche er mir stellte, antwortete ich ohne Zögern mit einem gar langen griechischen Zitat aus den Texten des Hippokrates, welches ich erhobenen Hauptes, mit fester Stimme, stolzer und triumphierender Miene und gemessenen Gebärden vortrug, so daß die Zuhörer, in dem Glauben, ich hätte ihm den Wind aus den Segeln genommen und ihn übertrumpft, aus Leibeskräften in die Hände klatschten. Worauf Doktor d'Ássas, den Kopf wiegend und mit dem Hintern tönend, vergnüglich grinste; der Kanzler Saporta, obgleich er zu gut griechisch sprach, um meine scheinheilige List nicht zu durchschauen, schwieg trotzdem und bedachte den Dekan sogar mit einem höchst verächtlichen Blick, indes Bazin sich wieder niedersetzte, völlig außer Fassung, beschämt, verwirrt und wie erstickt an seinem eigenen Gift.

Da sie den Dekan nun mit solcherart gestopftem Maul dasitzen sahen, überlegten es sich die ordentlichen Doctores zweimal, ob sie mir Fallen stellen sollten. Nur Doktor Pennedepié, welcher den Doktor Pinarelle über alle Maßen haßte, da dieser ihm einen Patienten weggeschnappt, wollte sich auf meine Kosten an ihm rächen und fragte mich, ob nach meinem Bedünken der Uterus des Weibes einteilig oder zweigeteilt sei. Die Frage brachte mich in eine nicht geringe Verlegenheit, denn ich wußte wohl, daß Doktor Pinarelle in dieser Sache gegen jede Vernunft sich an die Autorität von Galenus hielt und sich das Gelächter der ganzen Stadt zugezogen, als er zu Sankt Lukas Anno 1567 erklärte, er ziehe es vor, »sich mit Galenus zu täuschen, als mit Vesalius recht zu haben«, welche Begebenheit der Doktor Pennedepié also in seiner Arglist wieder in Erinnerung bringen wollte. Da mir jedoch schon der Haß Bazins genügte, wollte ich nicht noch einen der beiden Doctores gegen mich aufbringen, welche nebeneinander, doch in geringer Freundschaft zueinander, in meinem Prüfungskollegium saßen. So beschloß ich also, in diesem Dispute mit der gleichen Vorsicht vorzugehen, mit der die Katze eine Pfote vor die andere setzt, und sprach auf Latein mit sanfter Stimme und großer Bescheidenheit:

»Hochgeehrter Doktor Pennedepié, haec est vexata questio2. Denn einerseits hat der große Galenus, nachdem er den Uterus einer Häsin seziert und ihn in zweigeteilter Form vorgefunden, dafürgehalten, der des Weibes sei ebenso gestaltet. Dies ist gewiß eine Meinung von beträchtlichem Gewicht, wenn man nur den Ruhm dieses Mannes betrachtet, welcher überall als einer der Meister der griechischen Medizin verehrt wird. Doch andererseits hat unser Zeitgenosse Vesalius, ein kühner und geschickter Doktor der Medizin, welcher an unserer Schule studiert hat, nach Sezierung nicht einer Häsin, sondern eines Weibes festgestellt, daß deren Uterus einteilig ist.«

Nach welchen Worten ich schwieg.

»Und Ihr selbst, was meint Ihr? Einteilig oder zweigeteilt?« sprach Doktor Pennedepié, mit dem Fuß aufstampfend.

»Hochgeehrter Doktor Pennedepié«, sprach ich mit demutsvoller Miene, »in diesem Saale sind so viele Männer anwesend, deren Gelehrsamkeit die meine weit übertrifft, daß ich es vorzöge, sie würden die Frage an meiner Statt entscheiden.«

»Dessen ungeachtet«, so sprach Doktor Pennedepié, »muß Sorge getragen werden für die Kurierung der Krankheiten des Weibes, und so Ihr eine Patientin hättet, welche am Uterus leidet, müßtet Ihr Euch wohl oder übel entscheiden.«

»In solchem Fall, hochgeehrter Doktor, entschiede ich mich, da ich ihn bei der Sezierung immer dergestalt vorgefunden, für die Einteiligkeit des Uterus, ohne deshalb den berühmten und verehrten Galenus zu mißachten, welcher nach den Erkenntnissen seiner Zeit geurteilt.«

Es folgte eine Stille, welche mir höchst beunruhigend erschienen wäre, hätte nicht Doktor d'Ássas, beide Arme erhebend, mit lauter Stimme ausgerufen:

»Welch treffliche Antwort voll bewundernswerter Bescheidenheit für einen so jungen Examinanden!«

Ich vermeinte, daß es damit sein Bewenden hätte und ich glimpflich davongekommen wäre. Doch als das Prüfungskollegium beriet, sprach Doktor Pinarelle dagegen, daß mir die höchsten Ehren zuerkannt würden, weil ich »hoffärtig und selbstgefällig gewagt, die Autorität des göttlichen Galenus anzuzweifeln«. Zu meinem guten Glücke hatte er als ordentlicher Doktor nur beratende Stimme und konnte also nicht an der Abstimmung teilnehmen. Zu meiner großen Überraschung stimmte jedoch Doktor Bazin, welcher als königlicher Professor beschließende Stimme besaß, für die vorgenannten Ehren, denn er war zu klug, um nicht die Maske der Gönnerhaftigkeit über seine Niederlage zu decken. Überdies war er ein Mann, welcher selbst im Angesicht des Todes noch auf sein Fortkommen bedacht gewesen wäre, und als er zur letzten Sitzung meiner triduanes Madame de Joyeuse und ihre Hofdamen in vollem Flitterstaat erscheinen und in der ersten Reihe Platz nehmen sah, wandelte sich die Giftigkeit in seinem Blick, mit dem er mich betrachtete, augenblicklich in einen Ausdruck des Wohlwollens.

Oh, Leser! Wie du dir wohl denken kannst, schlug mir das Herz zum Zerspringen, als mein »Vater«, der Kanzler Saporta, mich auf das Podest rief, wo die Examinatoren saßen, mich mit höchsten Ehren zum Doktor der Medizin ernannte und mir, sobald ich den hippokratischen Eid geschworen, mit feierlichem Ernst und gravitätischer Würde, wie es der Brauch für solchen Anlaß fordert, die Insignien meines neuen Grades überreichte, welche sind:

Erstens: ein schwarzer viereckiger Doktorhut, versehen mit einer karmesinroten Quaste, welchen ich sogleich aufsetzte.

Zweitens: ein goldfarbener Gürtel, drei Zoll breit, den ich um meine Lenden band.

Drittens: ein breiter Goldring mit meinem Namen darin eingraviert, welchen ich auf den Ringfinger meiner Linken streifte, wo er neben Angelinas Ringlein saß, welches ich am kleinen Finger trug.

Viertens: die »Aphorismen« des Hippokrates, aufs schönste gebunden in Kalbsleder.

Also angetan mit Hut, Gürtel und Ring, das magnum opus

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Die gute Stadt Paris" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen