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Die gekaufte Braut des sexy Scheichs

1. KAPITEL

Jeder Mensch hat seinen Preis. Jafar Al-Shehri wusste das besser als die meisten Leute. Den Preis der Brautjungfer Tiffany Chapelle kannte er ganz genau – und zahlte ihn nur zu gern, um sein Ziel zu erreichen.

Er hätte alles getan, um seinen Cousin in Schach zu halten. Immer aggressiver beanspruchte Simdan das Königreich, das Jafar nach dem unerwarteten Tod seines Bruders geerbt hatte. Es war zwar nie sein Ehrgeiz gewesen, Shamsumara zu regieren, doch die Verpflichtung seinem Volk, dem Königreich und seinem Bruder gegenüber nahm er sehr ernst. Miss Chapelle mit ihrem unkonventionellen Beruf der Miet-Brautjungfer war genau das, was er brauchte, um Simdans Umsturzversuch zu vereiteln.

Jafars Blick traf den der großen schlanken Frau im hellblauen Brautjungfernkleid. Fragend zog sie die Brauen hoch, widmete sich dann aber wieder ihren Aufgaben bei der Hochzeit seines Freundes und Geschäftspartners Damian Cole. Ihre glänzenden dunkelbraunen Haare waren hochgesteckt und passend zu diesem Fest im idyllischen England mit weißen Blümchen geschmückt. Sie hatte ein paar Sommersprossen, die sie noch interessanter machten. Wie anziehend sie war, schien sie gar nicht zu wissen. Bei der gestrigen Generalprobe hatte man Jafar, dem Trauzeugen, die Brautjungfer vorgestellt. Seitdem malte er sich ärgerlicherweise ständig aus, wie er ihre üppigen Lippen küsste.

Miss Chapelles Lächeln hatte ihn aus dem Konzept gebracht. Wegen des Geschäfts, das ich ihr vorschlagen will, redete er sich ein. Nicht wegen dieses intensiven Prickelns, das er mit ihrer rechten Hand in seiner empfunden hatte.

Die Nachricht, dass Damian seine Jugendliebe heiraten wollte, war für Jafar nicht überraschend gekommen. Verblüfft hatte ihn hingegen die Tatsache, dass die Haupt-Brautjungfer weder eine enge Freundin noch Verwandte der Braut, sondern eine eigens für diesen Job engagierte Person war. Tiffany Chapelle verdiente ihren Lebensunterhalt nicht nur als Hochzeitsplanerin, sondern auch als Brautjungfer. Über seine Frage, warum eine Fremde diese Rolle übernahm, hatte Damian gelacht. Jede Braut sollte ihre Haupt-Brautjungfer engagieren, fand er. Erst recht, wenn sie – wie seine Verlobte – übereifrige Freundinnen hatte. Nach diesem Gespräch hatte Jafar gründliche Recherchen über Tiffany angestellt. Sehr gründliche.

Romantik schien für sie etwas zu sein, das sich auf die Hochzeiten anderer Frauen beschränkte. Zu ihren Kundinnen zählten viele Reiche und Prominente. Dass sie sich gegen Bezahlung als Brautjungfer verdingte, machte sie zur perfekten Kandidatin für Jafar. Außerdem gab es keine Indizien für einen Mann in ihrem Leben. Noch wichtiger: Sie hatte beträchtliche Schulden und war kürzlich aus einem gemieteten Appartement zu ihrer Schwester gezogen. Bisher wusste er nicht, woher ihre Schulden stammten, doch er war zuversichtlich, dass er mit ihr ins Geschäft kommen konnte. Für ihn war die Summe ein Klacks. Er beabsichtigte, ihr deutlich mehr Geld anzubieten, damit sie einen Auftrag annahm, der in den nächsten drei Monaten ihren vollen Einsatz erfordern würde.

Das Orchester begann zu spielen. Jafar hatte genügend Hochzeiten im westlichen Ausland erlebt, um zu wissen, dass Braut und Bräutigam zunächst allein tanzten. Von ihm als Trauzeugen erwartete man, etwas später die Haupt-Brautjungfer auf die Tanzfläche zu führen. Er hatte vor, seine Pflicht mit demselben hohen Anspruch zu erfüllen, den er stets an sich stellte. Vor allem, weil er bei dieser Gelegenheit dezent Verhandlungen mit der hinreißenden Frau aufnehmen konnte, die das Schicksal ihm als Lösung für seine Probleme gesandt hatte.

Er konzentrierte sich auf das Brautpaar und beobachtete, wie der knallharte Unternehmer seiner frischgebackenen Ehefrau anbetend in die Augen schaute. Jafar verspürte einen Stich. Sicher, eigentlich sollte er sich für Damian freuen. Doch der Anblick solcher Hingabe, solcher Liebe, erinnerte ihn an alles, was er verloren hatte, nachdem er Nieshas wahres Ich erkannt hatte. Schon als Kinder waren sie einander versprochen worden. Er hatte sie auf eine Weise gemocht, die er für Liebe gehalten hatte. Mehr als bereit war er gewesen, sie zu heiraten und eine gute Ehe zu führen. Niesha allerdings hatte einen ranghöheren Mann gewollt als den jüngeren Sohn des Herrschers von Shamsumara.

Schmerz erfüllte ihn beim Gedanken an den Tod jenes Mannes, der für ihn sowohl Bruder als auch Vaterfigur gewesen war. Malek hatte ihn vor dem machthungrigen Vater beschützt, der das Königreich fast zerstört hätte, und hart gearbeitet, um das Vertrauen des Volkes zurückzugewinnen. Dies war nun Jafars Pflicht. Er wollte und durfte seinen Bruder nicht enttäuschen.

„Jetzt sind Sie dran, glaube ich.“ Die sinnliche, einen Hauch vorwurfsvolle Stimme der Brautjungfer riss ihn aus seinen düsteren Gedanken. Tiffany stand neben ihm.

„Ich wollte dem glücklichen Paar nur Gelegenheit geben, das Rampenlicht auszukosten.“ Er sah hinunter in blaue Augen. So hellblau wie ihr Kleid, mit einem dunkleren Rand um die Iris und einem eindringlichen Blick, der für jede Menge Temperament sprach. Da war es wieder, dieses Prickeln, das er gestern bei der ersten Begegnung gespürt hatte, noch stärker diesmal. Wie ein Blitz im Himmel über der Wüste seiner Heimat.

Weil er endlich seinen Plan umsetzen konnte, das Volk von Shamsumara vor dem Anspruch seines Cousins aus dem Nachbarland zu bewahren? Oder weil er gleich beim Tanzen diese Frau in den Armen halten durfte?

„Und ich dachte schon, Sie würden einen Bogen um mich machen.“

Aus ihrer übermütigen Bemerkung schloss er auf ein unbefangenes Wesen. Diese Frau genoss das Leben. „Davon kann wohl kaum die Rede sein, wenn ich Ihnen Zeit lasse für jene Aufgaben, für die man Sie engagiert hat. Das ist doch Ihre Rolle, oder? Miet-Brautjungfer?“ Sein scharfer Unterton überraschte ihn ebenso wie die knisternde Spannung in Miss Chapelles Nähe. Doch das Geschäft, das er mit ihr abschließen wollte, war viel zu wichtig, um sich von einem hübschen Gesicht und einer sexy Figur ablenken zu lassen – oder von dem herausfordernden Blick aus ihren betörenden Augen.

„Sie haben etwas gegen mich, nicht wahr, Mr. Al-Shehri?“ Ärgerlich presste sie die Lippen aufeinander, stemmte eine Hand auf die Hüfte und funkelte ihn an. Ihr frostiger Blick erinnerte ihn an die Eiszapfen, die ihn in den Wintern im englischen Internat fasziniert hatten. „Oder missfällt Ihnen, dass ich es Frauen in Rechnung stelle, wenn ich nicht nur ihre Hochzeitsplanerin, sondern auch ihre Brautjungfer bin? Es mag unkonventionell sein, aber Bridesmaid Services ist nicht das einzige Unternehmen, das diese Dienstleistung anbietet.“

„Heute Nachmittag hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, die beste Freundin der Braut kennenzulernen. Seitdem kann ich durchaus den Bedarf nachvollziehen, eine Brautjungfer zu engagieren, die alles Nötige ohne Theatralik erledigt.“ Jetzt wusste er, was Damian gemeint hatte.

„In dem Fall muss ich es sein, die Ihnen missfällt“, folgerte sie mit einem provokativen Lächeln.

Statt sich auf ein Wortgefecht einzulassen, nahm er ebenso sanft wie entschieden die Hand, die auf ihrer Hüfte ruhte. Er unterdrückte ein Lächeln, als sich ihre Augen überrascht weiteten. Bevor sie protestieren konnte, führte er sie auf die Tanzfläche. Wenn sie keine unerwünschte Aufmerksamkeit erregen wollte, musste sie mitspielen.

Die Hochzeitsgäste applaudierten, als er sie behutsam an sich zog, bis er den schlanken Körper an seinem fühlte. Sofort reagierte sein Körper auf ihren, auf ihr Parfüm, leicht und blumig wie die Arrangements aus klassischen englischen Gartenblumen in diesem Landhotel. Sie begannen, zu der langsamen Musik zu tanzen, und die sich wiegende Hüfte unter seiner rechten Handfläche löste eine Welle der Lust in ihm aus.

Was zum Teufel passiert hier? Es kam ihm vor, als würde diese dunkelhaarige Schönheit seine Kraft rauben. Die Selbstbeherrschung untergraben, für die er bekannt war. Sie ließ ihn Dinge wünschen, die unerreichbar waren, wie er vor langer Zeit gelernt hatte. Er begehrte Tiffany, und zwar viel stärker, als er normalerweise eine Frau begehrte. Sie brachte jenen Mann in ihm zum Vorschein, der das Bedürfnis nach dem Leben an der Seite einer Partnerin vor langer Zeit zu den Akten gelegt hatte. Solche Wünsche konnten destruktiv sein. Deshalb verbat er sich den Gedankengang und erlaubte stattdessen Lust, sowohl Geist als auch Körper zu erobern.

„Verraten Sie es mir?“ Die stolz hochgezogenen Brauen und herausfordernde Stimme rissen ihn aus Erinnerungen, denen er Ewigkeiten nicht mehr nachgehangen hatte und die er auf keinen Fall wieder zulassen wollte. An das Leben, das er mit der jungen Frau hätte führen können, mit der er aufgewachsen war. Die seine Braut hatte werden sollen. Resolut rief er sich zur Ordnung. Er konnte es sich nicht leisten, die Zukunft durch die Vergangenheit und frühere Hoffnungen schwieriger zu machen.

„Es trifft nicht zu, dass Sie mir missfallen“, antwortete er und hielt den Blickkontakt, während sich andere Paare zu ihnen auf die Tanzfläche gesellten. „Ganz im Gegenteil.“

„Sie finden meine Arbeit gut?“, fragte sie entgeistert.

Trotz der Erinnerungen, die sie fast an die Oberfläche geholt hätte, lachte er leise. „Ja.“ Ihre verdatterte Miene entlockte ihm ein Lächeln. „Sie sind die einzige Frau in meinem Bekanntenkreis, die eine Hochzeit nicht mit sentimentalem Unsinn verbindet.“

Tiffany legte den Kopf schief und sah ihn argwöhnisch an. „Das ist mein Job, Mr. Al-Shehri. Ich tue, wofür ich engagiert wurde, und sorge dafür, dass dies der schönste Tag im Leben der Braut ist.“

„Dann sind Sie also pflichtbewusst?“ Er war froh, weil er von ihr selbst etwas über ihren Charakter erfahren konnte, statt auf Erkenntnisse aus zweiter Hand angewiesen zu sein. Die Möglichkeiten von Privatdetektiven waren begrenzt. Sie konnten nicht aufdecken, wie ein Mensch tickte, und er brauchte Antworten auf seine Fragen, bevor er ihr den Deal vorschlug. Einen Deal, der sein Königreich retten und vielleicht sogar die Geister der Vergangenheit ein für alle Mal verjagen konnte.

„Immerhin tanze ich mit Ihnen, oder?“ Ihre Augen blitzten vergnügt.

Obwohl er beim Thema bleiben und das Gespräch geschäftsmäßig halten wollte, musste er lachen. „Ich hatte keine Ahnung, dass es so eine mühselige Aufgabe für Sie sein würde.“ Er schwang sie zum Rand der Tanzfläche, nah am Ausgang des riesigen weiß und blassrosa geschmückten Festzeltes. Auch die Blumenarrangements waren in diesen Farben gehalten; nur die hellblauen Kleider der Brautjungfern scherten aus der Reihe. „Wollen wir die Nachmittagssonne genießen?“

„Haben Sie vor, mich von meinen Pflichten abzuhalten, Mr. Al-Shehri?“

Jafar schaute hinüber zu Damian, der eng umschlungen mit seiner Ehefrau tanzte. „Ich denke, Ihre Pflichten sind vorläufig erledigt. Braut und Bräutigam haben ausschließlich Augen füreinander.“

Er klang gereizt. Schon den ganzen Tag fühlte Tiffany sich von ihm beobachtet. Seit der ersten Begegnung gestern Nachmittag beschäftigte er sie, machte sie unruhig, erinnerte sie an längst aufgegebene Träume von Liebe und Glück. Sie hatte sich aufrichtig bemüht, den missbilligenden Zug um den Mund zu ignorieren, mit dem er sie taxierte. Bei jedem Zusammentreffen schien dieser Zug etwas ausgeprägter zu sein.

Dass der Mann außergewöhnlich attraktiv und groß war und mit seiner dunklen Haut einen exotischen Reiz auf viele weibliche Hochzeitsgäste – ledige wie verheiratete – ausübte, wollte sie ebenfalls ignorieren. Hätte sie nicht gearbeitet, wäre er vielleicht genau jene Ablenkung gewesen, die sie jetzt brauchte.

Entsetzt über die Richtung, in die ihre Gedanken abdrifteten, besann sie sich aufs Wesentliche. Oder versuchte es zumindest. Hätte Lilly, ihre beste Freundin, ihr doch bloß nicht den Floh ins Ohr gesetzt, ein One-Night-Stand sei das beste Mittel, um miese Erinnerungen an ihren Exfreund loszuwerden! So eine Frau war sie einfach nicht. Deshalb hatte ihr Ex sie ja auch abserviert.

„Da höre ich eine Spur Zynismus heraus.“ Sie hob eine Hand über die Augen, um nicht von der Sommersonne geblendet zu werden, wenn sie zum Trauzeugen hochblickte. Inzwischen standen sie am Ende der von Rosen gesäumten Terrasse. Offenbar teilte er ihre Abneigung gegen die Ehe. Männer wie er hatten ihr die Illusion von wahrer Liebe geraubt.

„Glauben Sie an Liebe und Glück, Miss Chapelle?“ Aufmerksam schaute er sie an. Seine leuchtend grünen Augen bildeten einen scharfen Kontrast zu den tiefschwarzen Haaren.

Diese Augen hatte sie nicht erwartet, als die Braut sie informiert hatte, der Trauzeuge sei ein Scheich, Herrscher eines fernen Königreiches. Seine direkte Frage verunsicherte sie ebenso wie der grimmige Unterton. Nun bestätigte sich ihre Vermutung – er hielt absolut nichts von der Ehe. Außerdem kannte sie seinen Ruf als Frauenheld, denn die Braut hatte mit den anderen drei Brautjungfern darüber geplaudert. Eine ihrer Freundinnen war unverkennbar verrückt nach dem Fremden aus der Wüste.

„Nein.“ Sie verdrängte ihre Vision, jene Art von Liebe zu finden, die ihren Eltern versagt geblieben war, und straffte die Schultern. „Nicht, dass ich es je einer Braut auf die Nase binden würde, mit der ich zusammenarbeite.“

Noch immer sah er ihr in die Augen. Die Verbindung war derart intensiv, dass Tiffany kaum zu atmen wagte. Sie gönnte dem Trauzeugen nicht den Triumph, dass sie zuerst wegschaute, mit den Wimpern klimperte und ihn lockte, sie zu seiner nächsten Eroberung zu machen.

Was für ein abwegiger Gedanke! Wie um alles in der Welt kam sie auf die Idee, ein Mann wie er könnte sich für sie interessieren? Für eine fünfundzwanzigjährige Frau, die noch kein Mann zärtlich gestreichelt hatte. Die noch nicht wusste, wie sich die intimste Zweisamkeit von Mann und Frau anfühlte. Damit wollte sie bis zu ihrer Hochzeitsnacht warten. Bis sie doch noch ihr märchenhaftes Happy End gefunden hatte.

„Sie gefallen mir, Miss Chapelle.“ Er wandte sich ab. Jetzt merkte sie, wie anstrengend es gewesen war, seinem Blick standzuhalten. Richtig schwach fühlte sie sich. Bei seinem nächsten Satz drehte sich der Strudel der Verunsicherung, in dem sie trieb, seit er sie auf die Tanzfläche geführt hatte, noch ein bisschen schneller. „Ich finde es wichtig, die Person zu mögen, mit der man verheiratet ist.“

Sie betrachtete seine breiten Schultern, an die sich das anthrazitfarbene Sakko schmiegte. Warum konnte ein so selbstbewusster, fast schon arroganter Mann ihr diese Worte nicht ins Gesicht sagen?

Mit den Fingerspitzen strich sie über eine pinkfarbene Rosenblüte neben ihr. Die weichen Blütenblätter fühlten sich merkwürdig beruhigend an. „Ja, Sie haben recht. Wenn man den Menschen nicht mag, den man heiratet, stehen die Chancen für eine dauerhafte Ehe ziemlich schlecht.“

Ihre Eltern waren der Beweis dafür. Genau wie die Wortgefechte, gefolgt von eisigem Schweigen, die sie in ihrer Kindheit für normal gehalten hatte. Dass sie es nicht waren, hatte sie erst nach der Trennung ihrer Eltern erkannt. Als sie alt genug gewesen war, um auch mal bei Freundinnen zu übernachten. Jene unsteten frühen Lebensjahre hatten sie in ihrem Entschluss bestärkt, selbst eine glückliche, liebevolle Ehe zu führen.

Er drehte sich zu ihr um. „Wenigstens sind wir uns in dem Punkt einig.“

„Sind wir das?“ Dieser Mann brachte sie ganz durcheinander. In einem Moment redete er, als meinte er Ehe und Freundschaft ganz allgemein, und im nächsten, als ginge es konkret um sie und ihn. Als wären sie ein Paar kurz vor der Hochzeit.

„Oh ja.“ Er trat näher, und genau wie auf der Tanzfläche stieg ihr der orientalische Duft seines Aftershaves in die Nase. Zum Glück war sie diesmal nicht an seinen Körper gepresst, fühlte nicht jede seiner Bewegungen, die ganz neue Empfindungen – tiefe, aufregende Empfindungen – in ihr weckten. „Und genau deshalb möchte ich Sie engagieren.“

„Sie wollen heiraten.“ Tiffany hörte selbst, wie erschrocken sie klang. Dieser Mann war ein Playboy und machte kein Geheimnis um die vielen Frauen, die er verlassen hatte. Auf die Information war sie sofort gestoßen, als sie im Internet recherchiert hatte. Wie sie es bei jedem Trauzeugen tat, mit dem sie zusammenarbeiten musste, um herauszufinden, was für ein Mensch sie erwartete. Allerdings übertraf Jafar Al-Shehri alle übrigen Trauzeugen, denn er regierte ein Königreich in der Wüste und hatte sein Playboy-Dasein an den Nagel gehängt, nachdem er unerwartet Herrscher geworden war. Er verkörperte alles, was sie an einem Mann störte.

Und gleichzeitig alles, was sie in einem Mann suchte, ohne zu erwarten, es je zu finden. Seit ihr bisher einziger fester Freund sie verlassen hatte, weil sie vor der Hochzeit keine Intimitäten zulassen wollte, war sie Männern gegenüber sehr zurückhaltend. Die Vorstellung, dieser Scheich könnte der richtige Kandidat für den von Lilly empfohlenen zügellosen One-Night-Stand sein, ging zu weit.

„Richtig“, sagte er mit seiner tiefen, befehlsgewohnten Stimme.

Wie konnte sie nur in dieser Art und Weise an den Trauzeugen denken? Sie zwang sich, ihm in die sexy Augen zu sehen, wie jemand, der alles im Griff hatte, obwohl ihr Herz hämmerte. Weil er noch einen Schritt nähergekommen war, oder wegen ihrer erotischen Fantasie? „Sie möchten, dass ich Ihre Hochzeit organisiere und Brautjungfer Ihrer künftigen Ehefrau bin?“

Er musterte sie. „Nein, ich möchte Sie vielmehr engagieren – als meine Braut.“

Tiffany blinzelte verdutzt und starrte ihn an, unfähig, etwas zu erwidern. Dann fing sie zu ihrem Entsetzen an zu lachen.

Jafar holte tief Luft und wartete, bis Miss Chapelle, die stets wie aus dem Ei gepellt war und das politisch Korrekte sagte, sich beruhigte. Wie konnte sie es wagen, ihn auszulachen? Nicht einmal seine engsten Freunde trauten sich das! Wusste sie etwa nicht, wen sie vor sich hatte?

„Sie haben wohl zu viel Champagner getrunken, Mr. Al-Shehri“, meinte sie belustigt.

Ihre heitere Art faszinierte ihn, doch er verkniff sich das Lächeln. „Ich habe mich vollständig unter Kontrolle“, erwiderte er und zog sein Ass aus dem Ärmel: „Ich brauche eine Braut, und Sie brauchen eine hohe Geldsumme. Um Schulden zu begleichen, wenn ich richtig informiert bin.“

Stille. Schlagartig wurde Tiffany ernst und sah ihn misstrauisch an. Die dunkelblauen Ränder ihrer Iris erinnerten ihn an das Meer, das sein Königreich auf einer Seite begrenzte. Das hellere Innere hingegen wirkte feindselig, wie die Hitze in der Wüste.

„Offenkundig bin ich nicht die Einzige, die recherchiert hat.“

Ihre schroffe Stimme warnte ihn, dass er zu weit gegangen war. Doch wie immer trieb ihn die Motivation vorwärts, genau das zu bekommen, was er wollte. „Ich lasse mich nie ohne Recherchen auf etwas ein, Miss Chapelle. Nicht einmal darauf, Trauzeuge meines besten Freundes zu sein.“

„Dann klären Sie mich doch mal auf: Was ist bei Ihren Recherchen herausgekommen?“ Sie legte den rechten Arm unter den Brüsten quer über den Bauch und schloss die Hand um den Ellenbogen des anderen Arms. Dann hob sie in einer aufreizenden Geste den linken Daumen unter das Kinn und den Zeigefinger auf die Lippen.

Heißes Verlangen durchzuckte Jafar. Ihre Augen leuchteten wie die reinsten Edelsteine, während sich sein Blick wie von selbst auf die vollen Lippen unter dem roten Fingernagel heftete. Die Sonnenstrahlen verliehen ihren Haaren einen feurigen Bronzeton und betonten ihre Sommersprossen. Er konnte nur noch daran denken, sie fest an sich zu ziehen, ihre Rundungen hautnah zu spüren und sie zu küssen. Nichts war sanft an der Hitze, die durch seinen Körper strömte, an der Sehnsucht, diese Frau zu berühren, zu küssen, in sie einzudringen. Hätte er dem Impuls nachgegeben, wäre hemmungsloser Sex gefolgt. Ganz und gar hätte er sie in Besitz genommen, und ohne den sonderbaren Deal wäre er mit ihr vielleicht schon auf dem Weg in seine Hotelsuite gewesen.

„Sie bluffen, Mr. Al-Shehri.“

Ihre Worte verscheuchten die erotischen Vorstellungen, was er gern mit ihr tun würde.

Er konzentrierte sich. „Sie haben Schulden. Und Sie brauchen noch viel mehr Geld, dank Ihres Schwagers, der Ihre Schwester in einer finanziell ausgesprochen prekären Lage zurückgelassen hat.“

Tiffany riss die Augen auf. „Woher wissen Sie das?“

„Ich weiß immer alles, Miss Chapelle.“ Er kam noch etwas näher und atmete unwillkürlich ihren zarten Duft ein, der die Bedürfnisse seines Körpers anfachte. „Jeder Mensch hat seinen Preis, und ich kenne Ihren.“

„Sie wollen mich bezahlen, damit ich Ihre Braut werde?“

„Ja, Miss Chapelle, ich will.“ Die letzten beiden Worte hatte er vorhin Damian sagen hören, aber in ihnen hatten Liebe und Hoffnungen für die Zukunft gelegen. Nun sagte er sie zu dieser Frau, die seine Sinne ansprach wie keine andere. Nicht einmal Niesha hatte dies in ihm ausgelöst.

„Wie kommen Sie darauf, dass ich so ein bizarres Angebot annehme?“

Jetzt verschränkte sie beide Arme. Das hellblaue Kleid konnte nicht verbergen, wie ihre Brüste bei dieser Haltung aneinandergepresst wurden. Lust keimte in ihm auf, doch er schob sie beiseite. Dies war keine flüchtige Affäre. Vor ihm stand jene Frau, die die Zukunft seines Königreiches in den Händen hielt. Ihre Antwort entschied über das Schicksal seines Volkes – und sein eigenes.

Lehnte sie ab, hätte Simdan allen Grund, die Eignung seines Cousins als Herrscher anzufechten. Jafar fehlte die Zeit, um auf die in seiner Heimat traditionelle Weise eine Ehefrau zu suchen. Außerdem erwartete seine Schwester ihr erstes Kind, das er zu seinem Erben machen wollte. Deshalb brauchte er keine Ehefrau, nur eine Braut.

„Da unsere Hochzeit in zwei Wochen stattfinden soll, werden Sie finanziell großzügig entlohnt und nicht nur Ihre Schulden, sondern auch die Ihrer Schwester begleichen können. Zudem stelle ich sicher, dass Sie eine beträchtliche Summe erhalten, sobald unsere Vereinbarung abgeschlossen ist.“

„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich heirate definitiv für kein Geld der Welt. Schon gar nicht in zwei Wochen.“

Er hatte nicht erwartet, dass sie sofort zustimmte. Andernfalls hätte er befürchtet, sie würde in ihm einen Ritter in glänzender Rüstung sehen, die Antwort auf ihren Traum vom Happy End. Doch angesichts ihrer finanziellen Situation hatte er auch nicht mit einem unverblümten Nein gerechnet.

„Was ist der Frau, die alle Wünsche einer Braut verwirklicht, widerfahren, dass sie die Ehe so vehement ablehnt?“, spottete er. Sie wird blass, registrierte er mit Genugtuung. Anscheinend hatte auch sie Probleme mit dem Ehestand.

„Warum glauben Sie, dass mir etwas widerfahren ist?“

„Wer es stets vorzieht, Brautjungfer statt Braut zu sein, versteckt sich vor irgendetwas.“ Er widerstand der Versuchung, ihr eine dunkle Strähne, die aus der Hochfrisur gerutscht war, hinter das Ohr zu stecken. Allerdings musste er dafür die Hände zu Fäusten ballen.

„Dies ist mein Job, Mr. Al-Shehri.“ Sie funkelte ihn an, und wieder musste er an sich halten, um die zusammengepressten Lippen nicht zu küssen. „Nur ein Mann wie Sie kann ernsthaft in Betracht ziehen, eine Braut zu kaufen.“

Wut über sein Verlangen züngelte in ihm auf. Diese Frau wagte es, ihm die Stirn zu bieten? „Und was für ein Mann ist das, Miss Chapelle?“

Tiffany konnte sich nur mit Mühe beherrschen. Was fiel ihm ein? Was für ein Land regierte er, wenn er glaubte, sich bei Bedarf einfach eine Braut kaufen zu können? Noch schlimmer war allerdings, dass sie tatsächlich versucht gewesen war, sein Angebot anzunehmen. Sie hätte alles getan, um Bethany von dem tyrannischen Spieler zu befreien, den diese vor sieben Jahren geheiratet hatte. Wie gern hätte sie das finanzielle Chaos beseitigt, das der Kerl angerichtet und ihrer Schwester überlassen hatte.

„Ein Mann, der so gut wie alles kaufen kann, was er begehrt, sogar eine Braut“, fauchte sie, drehte sich auf dem Absatz um und ging. Sie wollte weg von der Verlockung, Bethanys Probleme zu lösen, weg von dem schier unwiderstehlichen Reiz des Trauzeugen.

„Können Sie es sich wirklich leisten, so ein Angebot abzulehnen?“

Sie blieb mit dem Rücken zu ihm stehen, immer noch durcheinander – wegen ihrer Gefühle in seiner Nähe ebenso wie wegen seines unerhörten Vorschlags.

„Können Sie Ihrer Schwester das antun?“, legte er nach.

Sie fuhr herum.

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