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Die zehn Gebote

I. ZWISCHEN PARTEITAG, HEINO UND „QUICK“

Erste Auffälligkeiten

1. Eine Wichtigkeit, die niemand näher kennt

Soeben macht der Generalsekretär auf dem Bundesparteitag eine bedeutungsschwangere Pause. Wieder einmal geht es in seiner Rede um Grundsätzliches. Um Werte, um Traditionen, um Leitlinien und Programme. Wahlen stehen bevor, und die Stimmung im Land steht zurzeit nicht zum Besten. Da sollte man der Öffentlichkeit schon sagen, wo es in den nächsten Jahren ganz allgemein langgehen soll. Nun ist der Redner gerade bei seiner offenbar gut kalkulierten Pause angelangt. Wer ihn kennt, weiß, dass gleich etwas überaus Gewichtiges kommen wird. Und in der Tat: Keiner im großen Rund der Messehalle wird enttäuscht. „Wer von den jungen Leuten“, so klagt der gewiefte Politprofi jetzt in geübtem Pathos in die Stille des Plenums hinein, „hört heute noch von den Zehn Geboten?“ Dabei sagt seine bedenkenschwere Miene mehr als seine Worte. Anscheinend gehören die Zehn Gebote für ihn genau zu jenen Grundsätzlichkeiten, um die es heute geht. Und das – wie er mehrfach betont – nicht nur für seine Partei, sondern vor allem für das Land, dessen Zukunft es mit dem neuen Programm zu gestalten gelte. Satter Applaus.

Mit dieser Einschätzung der Zehn Gebote befindet sich der Herr Generalsekretär durchaus in guter Gesellschaft. Nicht zu zählen sind ja die vielen prominenten Äußerungen, die den Zehn Geboten höchste Wichtigkeit bescheinigen. Schon vor Jahren etwa ließ uns Schlagerstar Heino wissen: „In unserer schnelllebigen Zeit muss man nachdrücklich auf allgemeingültige Werte hinweisen. Die Zehn Gebote sind für mich dabei wichtige Anhaltspunkte.“ Möglicherweise hatte er sich gerade in die Lektüre von Thomas Manns Novelle „Das Gesetz“ vertieft, in der die Zehn Gebote immerhin als „die Quintessenz des Menschenanstandes“ bezeichnet werden. Oder sich jenes eindrucksvollen Artikels in der „Quick“ erinnert. Diese ehemalige deutsche Illustrierte, die sich ansonsten mehr „Sex and Crime“-Themen zu widmen pflegte, befand nämlich seinerzeit zum Erstaunen ihrer Leserschaft: „Die Zehn Gebote haben ewigen Bestand. Sie geben uns mit wenigen Worten die Idee eines menschlichen und menschenwürdigen Lebens.“ Es ist schon auffallend: Nicht nur ausgewiesene Theologinnen und Theologen attestieren den Zehn Geboten eine enorme, auch über den Glauben hinausgehende Bedeutung.

Dieser Beobachtung steht allerdings eine auffallende Unkenntnis der angeblich so wichtigen und grundlegenden Zehn Gebote gegenüber. Vor Jahren scheiterten bei einer ZDF-Quizsendung die Kandidaten reihenweise an der Aufgabe, das eine oder andere Gebot ordentlich herzusagen oder wenigstens seinen Inhalt zu nennen. Rundfragen unter unbefangenen Zeitgenossen, was denn eigentlich in den Zehn Geboten stehe, haben meist ähnliche Ergebnisse. Manchmal langt es gerade einmal noch zu „Du sollst nicht töten“, „Du sollst nicht ehebrechen“ oder „Du sollst nicht lügen“. Mitunter auch zu „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Lässt man einmal dahingestellt, inwieweit diese Formulierungen überhaupt in den Zehn Geboten vorkommen, muss man zunächst konstatieren, dass die allgemeine Kenntnis dieser vermeintlichen Wichtigkeit von angeblich sogar „ewigem Bestand“ überaus dürftig ist. Man behauptet irgendeine große Bedeutsamkeit und weiß gar nicht, worum es dabei im Einzelnen überhaupt geht. Verrückt.

Über die Gründe für diesen eklatanten Widerspruch kann man sicher lange mutmaßen. Liegt es an dem allgemeinen und viel beklagten „Werteverfall“ unserer Gesellschaft? Liegt es an den verschiedenen, immer wieder auch statistisch festgestellten „Traditionsabbrüchen“? Liegt es an einer erheblichen Wandlung der religiösen Erziehung in Elternhaus, Schule und Kirche? „Die lernen ja heutzutage auch nichts mehr“, klagt nicht selten die ältere Generation – unabhängig davon, ob ihr das bloße „Lernen“ der Zehn Gebote dieselben überhaupt nahegebracht hat. Oder liegt es gar daran, dass die Zehn Gebote am Ende gar nicht das sind, was man ihnen – gerade auch von theologischer Seite – vollmundig zuschreibt? Nämlich „Grundwerte“ für unsere Gesellschaft darzustellen, wie es etwa der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland in einem gemeinsamen Wort mit der Deutschen Bischofskonferenz formuliert hat.

Und man kann weiterfragen. Etwa, wie von einem Text, der schlappe zweieinhalb Jahrtausende auf dem Buckel hat, überhaupt behauptet werden könne, in ihm gehe es um „Grundwerte“ auch für unsere heutige Zeit und Gesellschaft. Oder wie man sich zu der These versteigen wolle, dass eine gute Handvoll sozialer Regeln, die sich offensichtlich auf eine kleine, antike Gesellschaft irgendwann im vorderen Orient beziehe, geeignet sei, den vielfältigen neuen und auch überaus komplexen Problemen der Gegenwart auch nur annähernd gerecht zu werden. Wie sollen wir Worten, die von „Knecht“ und „Magd“, von „Rind“ und „Esel“ handeln, maßgebliche Orientierung für aktuell drängende Themen wie „Globalisierung“, „Menschenrechte“, „Migration“, „Klimawandel“ oder „Digitalisierung“ entnehmen, um nur einige gegenwärtige Probleme zu nennen? Schließlich: Wie verhalten sich denn die Zehn Gebote der Bibel überhaupt zu anderen biblischen Geboten, etwa zu den Aussagen der Bergpredigt Jesu oder zu den reichlichen Ermahnungen eines Apostels Paulus? Geht es überhaupt an, einen ursprünglich dem jüdischen Glauben entstammenden Text zum Zentrum einer christlichen Ethik zu erklären? Nicht zuletzt: Wie steht es eigentlich um die Besonderheit der Zehn Gebote angesichts mancherlei ähnlicher Maximen auch in anderen Religionen, Philosophien und Welt­anschauungen? Fragen über Fragen. Ob wir immer zu einer befriedigenden Antwort kommen werden, sei dahingestellt.

Was wir aber jetzt schon sagen können: Wir werden im Folgenden zunächst jeweils vor allem den Wortlaut der Zehn Gebote selbst sprechen lassen, um von dorther einigermaßen plausible Bezüge zur Gegenwart herzustellen. Dass das nicht immer ganz einfach ist, versteht sich fast von selbst. Denn wo steht geschrieben, dass das, was wichtig ist, immer nur einfach zu haben ist? Es gibt ja manchmal auch die beglückende Erfahrung, dass man gerade nach einer vielleicht auch etwas größeren Mühe am Ende reich belohnt wird. Frag einen Sportler. Frag eine Chorsängerin. Frag nach bei einem Hobbykoch oder einer x-beliebigen Wandergruppe des Sauerländischen Gebirgsvereins. Wem wirklich an einem überzeugenden, vielleicht auch schönen und erfreulichen Ergebnis gelegen ist, der wird eine gewisse Anstrengung nicht grundsätzlich scheuen. Dass eine Mühe nicht immer nur „vergeblich“ sein, sondern manchmal auch „guten Lohn“ haben kann, weiß schon die Bibel (vgl. Psalm 90, 10 und Prediger Salomo 4, 9). Und so wird es auch beim Lesen und Verstehen der Zehn Gebote nicht immer mühelos zugehen. Doch keine Bange: Am Ende winkt auch hier guter Lohn. So viel zumindest sei schon jetzt verraten.

2. Zwei Texte, aber eine Menge Fragen

Der Text der Zehn Gebote begegnet uns in der ganzen Bibel gerade einmal an zwei Stellen. Das ist für ein Buch mit ungefähr tausend Seiten nicht eben überwältigend, zumindest prozentual gesehen. Beide Stellen, nämlich 2. Mose 20, 2-17 und 5. Mose 5, 6-21, stehen dazu noch in ein und demselben erzählerischen Zusammenhang. Es ist die Geschichte von der Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft, die Geschichte von der langen und beschwerlichen Wanderung durch die Wüste und schließlich von dem Betreten des gelobten Landes in Kanaan. Später werden dann die Gebote sowohl im Alten als auch im Neuen Testament nur noch vereinzelt zitiert. Trotz dieses relativ bescheidenen Vorkommens erhalten sie allerdings durch ihre besondere Stellung innerhalb der biblischen Erzählung ein außergewöhnliches Gewicht. Das ist erklärungsbedürftig.

Unmittelbar vor der ersten Erwähnung der Zehn Gebote kommt es zu einer mächtigen Gotteserscheinung am Sinai. Mitten in der Wüste, inmitten von Hunger und Durst, von Verirrung und Verzweiflung, Glaubensabfall und Gewalt begegnet Gott seinem Volk mit einer fundamentalen Botschaft: „Ihr sollt mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein“ (2. Mose 19, 5f). Ehemalige Sklaven nun auf einmal Könige! Ehemalige Gotteshaderer nun auf einmal Priester und Heilige! Was für eine Botschaft! Wenig später schließt Gott mit seinem Volk sogar einen Bund. Das alles ist zum Verständnis der Gebote insgesamt nicht ohne Belang. Denn durch diesen Zusammenhang erhalten sie offenbar ein besonderes, geradezu überragendes Gewicht. Hier erhebt nicht irgendwer seine Stimme. Hier geht es nicht nur um irgendwelche sozialen „Werte“, wie wir sie so oder ähnlich sicher auch woanders antreffen mögen. Hier geht es nicht um irgendwelche moralischen Forderungen, über die man bei Gelegenheit sicher trefflich diskutieren kann. Hier in diesen Geboten, „geschrieben von dem Finger Gottes“ (2. Mose 31, 18), spricht der Höchste selbst. Deshalb heißt es unmittelbar vor den Geboten: „Und Gott redete alle diese Worte“ (2. Mose 20, 1). Hier geht es also um eine alleroberste Autorität. Und deshalb geht es hier aufseiten des Menschen um ein unbedingtes In-die-Pflicht-Nehmen, das kein Wenn und kein Aber duldet. Geringe Prozentzahlen hin oder her – manchmal kommt es eben nicht auf die Quantität an.

Die zweite Erwähnung der Zehn Gebote findet sich zum Ende jener großen Erzählung. Die lange, sage und schreibe vierzig Jahre währende Wüstenwanderung liegt hinter dem Volk. Nun befindet es sich kurz vor dem Übertritt ins neue Land der Freiheit. Mose, der bisher das Volk durch alle Irrungen und Wirrungen hindurchgeführt hat, muss allerdings Abschied nehmen und sein Amt an seinen Nachfolger Josua übergeben. Bevor es dazu kommt, holt er noch einmal die Zehn Gebote hervor: „Und Mose rief ganz Israel zusammen und sprach zu ihnen: Höre, Israel, die Gebote und Rechte, die ich heute vor euren Ohren rede, und lernt sie und bewahrt sie, dass ihr danach tut!“ (5. Mose 5, 1). Auch diese Stellung der Gebote innerhalb der Erzählung ist nicht ohne Bedeutung. Das Volk befindet sich ja im Übergang. Übergänge – das kennt jedes Kind – sind immer mit Unsicherheit verbunden. Wenn nun ausgerechnet in dieser Situation die Gebote noch einmal wiederholt werden, so sagt das schlicht: Diese Weisungen sind ein Geländer, an dem sich das Volk auch in der vor ihm liegenden, noch unsicheren Zukunft festhalten kann. Eine gültige Orientierung, mit der das Miteinander im neuen Land gestaltet werden soll. Vielleicht hat Heino doch nicht so ganz unrecht.

Wir schauen uns nun diese beiden Textstellen zunächst in Ruhe an, indem wir sie einfach einmal nebeneinanderlegen.

 

2. Mose 20, 2-17:

5. Mose 5, 6-21:

Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.

Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft.

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

Du sollst dir kein Bildnis machen in irgendeiner Gestalt, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.

Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligst, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Rind, dein Esel, all dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt, auf dass dein Knecht und deine Magd ruhen gleichwie du. Denn du sollst da­ran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der Herr, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm. Darum hat dir der Herr, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollst.

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebest und dir’s wohlgehe in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.

Du sollst nicht töten.

Du sollst nicht töten.

Du sollst nicht ehebrechen.

Du sollst nicht ehebrechen.

Du sollst nicht stehlen.

Du sollst nicht stehlen.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was sein ist.

 

Schon nach einem ersten flüchtigen Lesen drängen sich verschiedene Fragen auf, die wir vorerst nur einmal benennen wollen, ohne gleich eine passende Antwort parat zu haben:

Wie kann es sein, dass wir in der Bibel überhaupt zwei Versionen der Zehn Gebote haben, die zudem noch – wie man leicht ersieht – nicht hundertprozentig deckungsgleich sind?

Wie reimen sich eigentlich bestimmte Angaben in den Zehn Geboten, die eher auf eine gewisse Sesshaftigkeit hindeuten – etwa „Stadt“, „Haus“ oder „Acker“ – mit der Erzählung der Gebote, die ja in der Wüste spielt, zusammen, wo es Städte, Häuser und Äcker nun einmal nicht gibt?

Kann man überhaupt nähere Angaben über die Zeit und auch die Zeitumstände, in denen die Zehn Gebote aufgeschrieben worden sind, machen?

Wieso gibt es sowohl Gebote als auch Verbote?

Warum gibt es Gebote, die in der ersten, und andere, die in der dritten Person von Gott reden?

Was hat es damit auf sich, dass einige Gebote mit, andere ohne ein Objekt, auf das sie sich beziehen, erscheinen?

Weshalb haben manche Gebote eine zum Teil sehr ausführliche Begründung, andere wiederum gar keine?

Inwiefern reden wir überhaupt von den Zehn Geboten? In den beiden Texten jedenfalls taucht diese Zahl gar nicht auf. Und in dem Zusammenhang: Wie kommt es, dass verschiedene Glaubensrichtungen die Zehn Gebote völlig unterschiedlich durchzählen?

Und weiter: Wie verhalten sich zu dieser Zehnzahl die berühmten „zwei steinernen Tafeln“, von denen doch auch immer wieder die Rede ist, wenn es um die Zehn Gebote geht?

Nicht zuletzt: Wer ist eigentlich genau mit dem „Du“ gemeint, das sich durch alle Gebote hindurchzieht („du sollst …“)?

Wieder einmal also eine Menge Fragen. Auf den ersten Blick scheinen sie mehr formaler Natur zu sein. Damit sie uns nicht sogleich die Sicht auf die Inhalte der Gebote verstellen, wollen wir sie für alle neugierig Gewordenen am Ende des Buches noch einmal aufgreifen (vgl. Kapitel XIV.) und versuchen, sie, so gut es geht, gemäß dem derzeitigen Stand der Bibelwissenschaft zu beantworten. Dabei wird sich herausstellen, dass manchmal auch scheinbar „bloße Formsachen“ zum inhaltlichen Verständnis eines Textes sehr wohl beitragen können. Dass es in Dingen des Glaubens nicht nur um ein großes Vertrauen geht, sondern eben auch um ein Verstehenwollen dessen, woran wir glauben, ist christliche Weisheit seit alters. Der große mittelalterliche Theologe Anselm von Canterbury sprach deshalb immer wieder von einem „Glauben, der nach Erkenntnis sucht“ (fides quaerens intellectum). Es könnte das heimliche Programm auch eines Buches sein, das sich mit den Zehn Geboten beschäftigt: Verstehen, was wir – um Gottes willen – tun können.

II. „ICH BIN DER HERR, DEIN GOTT“

Eine Präambel, die es in sich hat

1. Mehr als ein Vorwort

Es ist uns bereits aufgefallen: Der erste Satz der Zehn Gebote ist gar kein richtiges Gebot. Ein solches steht nach den Regeln der Grammatik bekanntlich in der Befehlsform (Imperativ). Dies aber ist ein Satz in der Aussageform (Indikativ): „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.“ Trotz dieses Unterschieds steht dieser Satz aber nun einmal in einem sehr engen Zusammenhang mit den folgenden Geboten. Es scheint sich um eine Art Prolog (wörtlich „Vorwort“) oder eine Präambel zu handeln. Solche Vorworte kennen wir ja auch aus anderen Zusammenhängen. Nicht wenige Bücher zum Beispiel beginnen mit so einem vorangestellten Wort, in dem uns etwas Wichtiges zum Verständnis des Buches etwa durch den Herausgeber mitgeteilt wird.

Und wenn wir den Kreis noch etwas weiterziehen, dann stellen wir fest, dass Prologe manchmal sogar Teil des ganzen literarischen Werkes sind. Bereits die alten griechischen Tragödien machten reichlich Gebrauch davon. Oder wir denken an den berühmten „Prolog im Himmel“ in Goethes „Faust“, an den einen oder anderen Roman von Erich Kästner, ja selbst an das biblische Buch „Hiob“. Auch im übertragenen Sinne begegnet uns der Begriff hier und da. So heißt etwa die erste Etappe der „Tour de France“ seit jeher „Prolog“, weil es auch hier um eine wichtige Vorentscheidung geht, nämlich darum, wer das begehrte Gelbe Trikot des Spitzenreiters bis auf Weiteres tragen darf.

Vielleicht kommen wir jenem ersten Satz der Gebote noch etwas näher, wenn wir in ihm nicht nur ein Vorwort, sondern geradezu eine Präambel sehen. Eine solche hat eigentlich ein noch größeres Gewicht als ein bloßes Vorwort. Sie steht nämlich in der Regel vor besonders herausgehobenen Texten: Urkunden, Verträgen oder auch ganzen staatlichen Verfassungen, und gibt dabei die grundsätzliche Richtung vor, unter der der folgende Vertrags- oder Verfassungstext zu verstehen ist. Umgekehrt muss sich dieser immer wieder eben an den in der Präambel vorangestellten Grundsätzen messen lassen. So sind uns seit den Tagen des Englischunterrichts etwa die Worte aus der Präambel der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung im Ohr: „We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal …“ Noch näher ist uns natürlich die Formulierung aus der Präambel unseres eigenen Grundgesetzes: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen … hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.“ Andere, die ebenfalls in der Schule ein wenig aufgepasst haben, vergleichen eine Präambel gerne mit dem Vorzeichen vor einer Klammer. Ein solches – so viel sollte vom Mathematikunterricht hängen geblieben sein – bestimmt entscheidend den gesamten Inhalt dessen, was sich in der Klammer befindet. Plus oder minus. Wie auch immer – die in einer Präambel formulierten Grundsätze bestimmen also entscheidend den „Charakter“ des ihr folgenden Textes.

Um nun dem Charakter der Zehn Gebote auf die Spur zu kommen, ist es demzufolge sinnvoll, sich die Grundsätze klarzumachen, die in dieser Präambel formuliert werden. Ohne das Beachten dieser Grundsätze könnten wir sonst Gefahr laufen, die Gebote völlig misszuverstehen. Das kann niemand wollen. Und dass es beim Verständnis der Zehn Gebote von Missverständnissen nur so wimmelt, gehört leider zu den eher betrüblichen Seiten der Christentumsgeschichte. Über manche davon werden wir noch reden müssen. Gucken wir uns also zunächst in aller Ruhe an, was überhaupt in dieser Präambel drinsteht.

2. Was für Gott typisch ist

„Ich bin die Katrin.“ Wir sitzen gerade in einer Vorstellungsrunde. Bevor es an die eigentliche Arbeit geht, soll jeder kurz etwas Typisches über sich sagen. „Ja, also, ich bin die Katrin“, ist nun gerade Katrin an der Reihe. „Ich bin 32 Jahre alt, habe zu Hause einen süßen kleinen Kater, lache gerne und bin manchmal etwas ungeduldig.“ Nun wissen wir also schon etwas mehr über Katrin. Zumindest einiges von dem, was sie selbst uns als für sie typisch mitteilen möchte.

Auch die Präambel der Zehn Gebote fängt mit so einer „Ich-bin“-Formulierung an: „Ich bin der Herr, dein Gott …“ Wenn das Katrin-Beispiel zutrifft, dann können wir also auch hier etwas von dem erfahren, was Gott selbst uns als für ihn typisch mitteilen möchte. Solche sogenannten „Selbstvorstellungs­formeln“ Gottes kommen in der Bibel gar nicht so selten vor. „Ich bin dein Schild und sehr großer Lohn“, sagt er zum Beispiel zu Abraham (1. Mose 15, 1). „Ich bin mit dir“, sagt er zu Jakob (1. Mose 28, 15). „Ich bin der Herr, und sonst keiner mehr“, sagt er zu Jesaja (Jesaja 45, 5). Aus all diesen Worten spricht zunächst eine unbedingte göttliche Autorität. Wer Gott ist, kann nur Gott selbst sagen. (Nebenbei: Es ist ähnlich wie in jener Vorstellungsrunde. Wer Katrin ist, kann auch nur Katrin selbst sagen.) Aber was ist das – wenn man so will – Typische für Gott?

Er selbst sagt von sich: „Ich bin der Herr.“ Was Martin Luther und andere an dieser Stelle mit „Herr“ übersetzen, ist im hebräischen Urtext der Zehn Gebote nur eine merkwürdige Folge von Buchstaben: JHWH. Dieses Kürzel geht zurück auf die Geschichte von der Berufung des Mose am Berg Horeb in der Wüste (2. Mose 3). Auch dort stellt sich Gott vor: „Ich bin, der ich bin.“ Der hebräische Text lässt auch zu, es mit „Ich werde sein, der ich sein werde“ oder mit „Ich bin da, weil ich da bin“ wiederzugeben. Dieses kurze Sätzchen lässt sich im Hebräischen in der Buchstabenfolge JHWH, dem sogenannten Tetragramm, zusammenfassen. Fortan steht in der jüdischen Tradition bis heute das Tetragramm für den Namen Gottes. Während die christliche Tradition in der Regel dort, wo es auftaucht, unbefangen das Wort „Herr“, manchmal auch „Jahwe“ verwendet, spricht ein jüdischer Mund diesen Namen Gottes grundsätzlich nicht aus. Aus Ehrfurcht. Stattdessen werden Umschreibungen gewählt: „der Ewige“, „der „Heilige“, „der Erhabene“ oder einfach auch nur „der Name“.

Wie auch immer man die Selbstvorstellungsformel Gottes in der Berufungsgeschichte des Mose auch übersetzt, in jedem Fall scheint eine Grundbotschaft unmissverständlich hindurch: Gott stellt sich als derjenige vor, der unbedingt für sein Volk da ist und bleiben wird. Die Erzählung setzt sich nämlich so fort: „So sollst du zu den Israeliten sagen: Der ,Ich bin da‘ hat mich zu euch gesandt“ (2. Mose 3, 14). Und so ist auch aus der Selbstvorstellungsformel unserer Präambel zunächst nichts anderes als die unbedingte Zuwendung Gottes zu den Seinen herauszuhören. Wenn Gott sagt: „Ich bin“, so ist das etwas grundsätzlich anderes als die bloß theoretische Behauptung der Existenz einer Gottheit. Über diese Frage kann man gerne anderenorts philosophisch streiten. Hier geht es darum, dass von Gott her eine Beziehung gestiftet wird: „Ich bin der Herr, dein Gott.“

Ja, es ist schon auffallend, dass in der Bibel überall dort, wo von Glauben die Rede ist, wenig bis gar nicht über die sogenannte „Gottesfrage“ abstrakt theoretisiert wird. Im Glauben geht es dort immer zuerst um eine Beziehung, und zwar um eine überaus vertrauensvolle. „Abraham glaubte dem Herrn und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit“, heißt es zum Beispiel von einem der Erzväter (1. Mose 15, 6). Und wenn Jesus im Neuen Testament die starke „Ich-bin“-Formel übernimmt, so beansprucht er damit nicht nur göttliche Autorität, sondern veranschaulicht in vielen verschiedenen Bildworten immer wieder andere und neue Seiten eben einer unverwechselbaren Beziehung: „Ich bin der gute Hirte“ (Johannes 10, 11). „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ (Johannes 15, 5). „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14, 6). Es ist nicht verwunderlich, wenn etwa Konfirmanden, die sich ihren Konfirmationsspruch selbst aussuchen dürfen, häufig eins dieser Ich-bin-Bildworte wählen. Was auch immer sie im Unterricht gelernt oder auch nicht gelernt haben mögen, sie haben wenigstens verstanden: Da ist jemand für mich da. Ich gehöre zu ihm, komme, was da wolle. Auf meiner Konfirmationsurkunde sind die Worte aus dem Heidelberger Katechismus zu lesen: „… dass ich mit Leib und Seele, beides, im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heilandes Jesu Christi eigen bin.“

Diese von Gott selbst gestiftete Zugehörigkeit zu ihm wird nun in der Präambel der Zehn Gebote noch einmal präzisiert, wenn es dort heißt: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.“ Das erinnert unschwer an die Geschichte des Volkes Israel, wie sie ja in aller Breite in der Bibel erzählt wird. Durch dramatische Umstände, vor allem aufgrund wirtschaftlicher Nöte, gerät die Großfamilie des Erzvaters Jakob in die Fremde nach Ägypten. Nach etlichen Generationen werden sie dort zu einem großen Volk, vor dem sich die Ägypter irgendwann allerdings zu fürchten beginnen. Wir lesen: „Siehe, das Volk der Israeliten ist mehr und stärker als wir. Wohlan, wir wollen sie mit List niederhalten, dass sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich auch zu unsern Feinden schlagen und gegen uns kämpfen und aus dem Land hinaufziehen“ (2. Mose 1, 9f). Fortan wird das Volk der Israeliten nicht nur „mit List niedergehalten“, sondern unterdrückt, geknechtet und ausgebeutet: „Da zwangen die Ägypter die Israeliten unbarmherzig zum Dienst und machten ihnen ihr Leben sauer mit schwerer Arbeit in Ton und Ziegeln und mit mancherlei Frondienst auf dem Felde, mit all ihrer Arbeit, die sie ihnen mit Gewalt auferlegten“ (13f).

Doch dann kommt es zu einer dramatischen Wende. Gott selbst greift in diese schreckliche Geschichte ein: „Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen, und ihr Geschrei über ihre Bedränger habe ich gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie aus diesem Lande hinaufführe in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt“ (2. Mose 3, 7f). Wie auch immer sich diese Geschichte im Einzelnen historisch gesehen abgespielt haben mag, das Volk Israel lebt bis heute von dieser – psychologisch gesprochen – „Urerfahrung“: Gott ist nicht nur einfach „da“, so wie man etwa davon reden kann, dass ein Baum oder ein Haus „da“ ist, also bloß existiert. Gott ist vielmehr für seine Menschen da („dein Gott“), ja, mehr noch: Er ist so für seine Menschen da, dass er sie aus der Unterdrückung befreit („der ich dich aus der Knechtschaft geführt habe“).

Halten wir fest: Wenn es in der Präambel der Zehn Gebote um die Selbstvorstellung Gottes geht, und wenn – noch einmal dem Katrin-Modell folgend – Gott selbst über sich etwas für ihn Typisches sagt, dann ist die Botschaft ganz einfach: Aus Gottes eigener Sicht ist Befreien etwas für ihn Typisches. Der Gott, der uns in den Zehn Geboten begegnet, ist ein grundsätzlich befreiender Gott. Wie quer liegt allein diese Erkenntnis zu den vielen Vorurteilen, die einem bei der Erwähnung der Zehn Gebote auch begegnen. Auf die Frage, was das Christentum sei, antwortete mir ein Konfirmand: „Alles das, was man nicht darf.“ Hat er recht? Die Präambel spricht jedenfalls eine andere Sprache.

3. Eine theologische Grammatik der besonderen Art

Wir müssen noch einmal auf die Grammatik zu sprechen kommen. Die Zehn Gebote sind ja – so ist das eben bei Geboten – grammatikalisch in der sogenannten „Befehlsform“ (Imperativ) verfasst: „Du sollst …“ beziehungsweise „Du sollst nicht …“. Solche imperativischen Formulierungen begegnen uns ja auch sonst häufig im Leben. „Übersetzen Sie bitte den folgenden Abschnitt!“ Wie oft bin ich seinerzeit unter solchen „Befehlen“ zusammengezuckt. Wenn man mal darauf achtet: Überall sind wir eigentlich von Befehlen, Vorschriften, Geboten, Verboten, Regeln, Aufforderungen oder Anweisungen umzingelt. „Keine Reklame einwerfen!“, ist zum Beispiel in harschem Ton an meinem Briefkasten zu lesen. Und relativ humorlos kommt sogar eine harmlose Straßenverkehrsordnung daher, wenn es in einem ihrer ersten Paragrafen heißt: „Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass …“ Das Zusammenleben von Menschen funktioniert offenbar nur so, dass vieles nicht dem persönlichen Ermessen überlassen werden kann oder der Frage, ob ich gerade dazu Lust habe, sondern dass es schlicht eingefordert werden muss. Befehlsform, Imperativ. Um mit einem ehemaligen Bundeskanzler zu sprechen: „Basta!“ So weit, so gut.

Doch nun ist uns bereits aufgefallen, dass die den Geboten vorausgehende Präambel selbst nicht in der Befehls-, sondern in der sogenannten Aussageform (Indikativ) steht. Diese Vorordnung des Indikativs vor dem Imperativ ist eine Besonderheit, die für die gesamte theologische Grammatik der Bibel kennzeichnend ist. Bevor es dort nämlich um irgendein menschliches Sollen (Imperativ) geht, geht es grundsätzlich zunächst einmal um das Feststellen dessen, was von Gott her bereits ist (Indikativ). Erst mit Blick auf das, was Gott tut und bereits getan hat, nimmt die Bibel das in den Blick, was nun vom Menschen her zu tun und zu lassen ist. Der Apostel Paulus zum Beispiel hat nach diesem theologischen Grundmuster ganze Briefe konzipiert. Es kann gut sein, dass der Dekalog mit seiner vorangestellten Präambel dabei Pate gestanden hat. Und der Theologe Karl Barth hat dieser Grammatik mit seiner berühmten Formel „Evangelium und Gesetz“ (statt „Gesetz und Evangelium“) Rechnung getragen.

Die Wichtigkeit dieser Vorordnung des Indikativs vor dem Imperativ kann man sich leicht an zwei einfachen Gedankenspielen klarmachen. Nehmen wir zum Ersten einmal an, jene indikativische Präambel gäbe es gar nicht. Die übrig bleibenden Zehn Gebote könnten dann leicht als ein bloßer Moralkodex missverstanden werden, als angeblich ehernes Sittengesetz oder nur als „Quintessenz des Menschenanstandes“, um mit Thomas Mann zu reden. Das hätte am Ende womöglich das Gegenteil dessen zur Folge, was eigentlich beabsichtigt ist. „Keiner tut gern tun, was er tun darf – was verboten ist, das macht uns grade scharf“, singt Wolf Biermann. Wo er recht hat, hat er recht.

Oder nehmen wir zum Zweiten einmal an, es verhielte sich mit der biblischen Grammatik genau umgekehrt, also so, dass der Indikativ (Gottes Tun) dem Imperativ (Tun des Menschen) nachfolgte. Das hieße dann ja, dass Gottes Tun eine Art „Quittung“ – sei’s Lohn, sei’s Strafe – für unser Tun wäre. Nach dem Motto des bekannten Karnevalschlagers: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind.“ Und leider ist das Befolgen der Gebote auch in der Christenheit häufig genau so missverstanden worden: als eine moralische Leistung, um Gottes Gunst zu erwerben. „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“

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