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Sexy, süß, frech sucht …

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Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

1. KAPITEL

“Was für ein heißer Typ!”

Kasey Braddock blickte auf. Während ihre beiden männlichen Kollegen Bemerkungen über Chauvinistinnen von sich gaben, eilten die weiblichen ans Fenster des Büros im dritten Stock, wo Gretchen Davies ihre Nase an die Scheibe presste. Zustimmende Seufzer ertönten im Chor.

Aus der Reaktion ihrer Kolleginnen schloss Kasey, dass sich der Anblick wirklich lohnen musste. Sie speicherte ihre Arbeit am Computer und ging ebenfalls ans Fenster. Sie arbeitete gerade an einer PR-Kampagne für ein Dessousgeschäft, das sein Image verändern wollte.

Die stundenlange Beschäftigung mit verführerischer Seidenwäsche und Lederdessous erinnerte sie daran, dass sie ernsthaft das Ziel aus den Augen verloren hatte, das sie sich gesetzt hatte: die Frau zu werden, die sie immer sein wollte. Sicher, sie hatte an ihrer äußeren Erscheinung gearbeitet, doch jetzt musste sie sich auch noch so sexy geben, wie sie aussah. Die schüchterne Kasey jedoch, die noch immer in ihr schlummerte, schien der verführerischen Frau, die sie äußerlich geworden war, gegenteilige Befehle zu geben. Vielleicht half es beim Aufbau ihres neuen Images, einen tollen Mann zu betrachten.

“Jetzt bin ich an der Reihe.” Sie näherte sich den fünf Frauen, die ihr die Sicht versperrten. “Zwei von euch sind sowieso nicht mehr zu haben, also gebt einem Single eine Chance.”

“Ich wollte dir nur einen guten Platz sichern.” Brandy Larsons Verlobter, Eric Lassiter, befand sich im Moment nicht im Büro, doch sie zog ein schuldbewusstes Gesicht, als sie zur Seite trat. “Er ist wirklich ein Traummann”, murmelte sie.

“Hey, Brandy, das erzähle ich Eric.” Ed Finley beobachtete amüsiert den Aufruhr.

“Fang nicht an zu tratschen, Ed.” Kasey warf ihm einen warnenden Blick zu. Sie hoffte, dass er es nicht ernst gemeint hatte.

“Ich mache nur Spaß, Kasey.” Ed machte das Friedenszeichen.

“Dein Glück.” Kasey behauptete sich in diesem lärmenden Büro, doch sie fragte sich, ob dies auch der Fall wäre, wenn die anderen wüssten, dass sie erst zwanzig Jahre alt war. Sie hatte den Job schon vor ihrem neunzehnten Geburtstag angetreten, und nur ihr Chef, Mr Arnold Beckworth, kannte ihr wirkliches Alter. Und so sollte es auch bleiben, denn sie wollte als gleichwertige Kollegin behandelt werden.

“Ich wette zehn Dollar, dass er in den nächsten fünf Minuten sein Hemd ausziehen wird”, sagte Gretchen.

Kasey warf endlich einen Blick auf den Angepriesenen. “Mein Gott, das ist ja Tarzan mit einer Kettensäge.” Direkt in Augenhöhe stutzte ein unglaublich süßer dunkelhaariger Typ die Äste einer großen Platane. Die abgesägten Zweige fielen einige Meter tief auf die Straße und wurden von den anderen Arbeitern zerkleinert und auf einen LKW geladen.

“Ich halte dagegen”, sagte Amy Whittenburg, eine geschiedene Vierzigjährige mit roten Haaren. “Er trägt ein Shirt mit einem Firmenlogo auf dem Rücken. Ashton Landscaping erwartet sicherlich von seinen Angestellten, dass sie das Hemd anbehalten, um Werbung für die Firma zu machen.”

“Ich würde sagen, er präsentiert die Firma verdammt gut”, meinte Myra Detmar, die Empfangsdame. “Seht euch nur die Schultern an. Schade, dass er Handschuhe trägt, sonst könnten wir einen Blick auf seinen Ringfinger werfen.”

“He, ihr, hört auf, aus dem armen Kerl ein Sexobjekt zu machen”, rief Jerry Peters von seinem Tisch am anderen Ende des Raumes. “Wenn wir Männer uns so verhalten würden wie ihr, würdet ihr uns kreuzigen.”

“Unsinn”, erwiderte Gretchen. “Er kann kein Wort von dem verstehen, was wir sagen, und dank des Spiegelglases sieht er uns auch nicht. Es ist, als würden wir einen Film betrachten.”

“Es erinnert mich eher an Die versteckte Kamera”, sagte Jerry. “Ich glaube, ich gehe mal nach draußen und erzähle ihm, dass er von einer Horde wilder Weiber beobachtet wird.”

Gretchen wandte sich an Jerry. “Tu das, doch dann bekommst du nie wieder einen doppelten Espresso mit Schokolade von mir, mein Lieber.”

“Tarzan sieht wirklich klasse aus”, schwärmte Robbi Harrison, die gerade vor einer Woche aus ihren Flitterwochen zurückgekehrt war, “aber ich bin vergeben. Ich überlasse ihn euch.” Sie setzte sich wieder an ihren Schreibtisch. “Ich wollte ihn mir nur einmal ansehen, der guten alten Zeiten willen.”

“Und ich sage euch, er wird das T-Shirt gleich ausziehen”, beharrte Gretchen. “Es sind mindestens dreißig Grad draußen, und es muss doch anstrengend sein, mit der Kettensäge zu arbeiten. Seht, er hat sie ausgestellt. Gleich zieht er das Hemd aus.”

“Ich lege noch zehn Dollar drauf, dass er es tatsächlich tun wird”, sagte Kasey. Sie betrachtete das fragliche Shirt. Ashton Landscaping stand in grüner Schrift auf dem Rücken. Der Name kam ihr irgendwie bekannt vor. Selbst der Mann schien ihr vertraut. Sie überlegte hin und her, kam jedoch zu keinem Ergebnis.

“Was haltet ihr davon auszulosen, wer ihn anspricht und ein Date ausmacht für den Fall, dass er noch zu haben ist?”

“Ihr seid unmöglich”, knurrte Jerry.

“Bei so einem heißen Typen muss man etwas unternehmen”, sagte Gretchen. “Robbi, halte du die Strohhalme.”

Kaseys Herz klopfte. Es war ein beliebtes Spiel unter den Kolleginnen, auszulosen, wer einen Typ anmachte, es dann aber nicht zum allerletzten kommen zu lassen. Bisher hatte Kasey immer den Kürzeren gezogen. Zwei ihrer Kolleginnen waren bei dem Spiel allerdings im Hafen der Ehe gelandet. Das würde Kasey nicht passieren.

“Also los.” Robbi stellte sich vor sie. Sie hielt vier Halme in der geballten Faust. “Möge die beste Frau gewinnen.”

Kasey starrte auf die Halme. Es war alles nur ein Spiel, aber hatte sie nicht vor, ihr sexy Image endlich in die Tat umzusetzen?

Sie holte tief Luft, griff nach den Halmen und zog.

Nick Ashton liebte es, große, wild gewachsene Platanen in Kunstwerke zu verwandeln. Das Beschneiden von anderen Bäumen überließ er seinen Arbeitern, aber er traute niemandem zu, die richtigen Schnitte bei einem Baum wie diesem anzubringen. Außerdem liebte er es noch immer, auf Bäume zu klettern.

Während er arbeitete, dachte er über die Frau nach, die er an diesem Morgen beobachtet hatte, als sie ihren kleinen roten Miata auf dem Parkplatz neben dem Bürogebäude parkte. Er hatte in seinem Lastwagen gesessen und Kaffee getrunken, während er auf seine Arbeiter wartete. Das war die Zeit, in der er üblicherweise darüber nachdachte, wie er das Geschäft noch weiter ausbauen konnte.

Mehr Geschäfte wären gut für ihn, aber noch besser für die Band seines kleinen Bruders, die unbedingt einen Sponsor brauchte. Obwohl Colin und die anderen Bandmitglieder praktisch mit nichts angefangen hatten, besaßen die Tin Tarantulas im Gebiet um Phoenix mittlerweile eine Menge Fans. Nick würde ihnen nur zu gern helfen, eine bessere Ausrüstung zu kaufen und eine Demo-CD aufzunehmen. Sie hatten alles, was man brauchte, um erfolgreich zu werden.

Er hatte davon geträumt, als ein kleiner roter Wagen auftauchte und direkt vor ihm parkte. Das rote Cabrio war nicht zu übersehen, aber als wenn das noch nicht genug wäre, stand auf dem Nummernschild des Wagens, der von einer blonden jungen Frau gefahren wurde: BE REIT.

Nicks Pulsschlag beschleunigte sich. Er stand seit eh und je auf Frauen in roten Sportwagen, und eine, die versprach “bereit” zu sein, hatte etwas. Er trank von seinem Kaffee, als sie die Sonnenblende herunterklappte, die Sonnenbrille abnahm und ihre blonden schulterlangen Haare kämmte. Schließlich trug sie noch Lippenstift auf, der wahrscheinlich genauso knallrot wie ihr Wagen war, was er allerdings nicht sehen konnte.

Er war in den letzten Monaten nicht viel ausgegangen, vor allem weil er wählerischer geworden war. Wenn eine Beziehung nicht vielversprechend verlief, löste er sie heute viel schneller als früher. Mit dreißig wollte er keine Zeit mehr verschwenden. Seine letzte Freundin war zu einer festen Beziehung nicht bereit gewesen, vor allem aufgrund ihres Alters. Er musste zugeben, dass sieben Jahre Altersunterschied auch viel waren.

Doch selbst wenn er jetzt an Heirat dachte, war er immer noch ein typischer Mann und sah sich gern eine schöne Frau an. Eigentlich sollte er sich nur noch für den Charakter einer Frau interessieren und nicht für ihre Figur, aber so weit war er noch nicht.

Deshalb wartete er sehnsüchtig darauf, dass sie ausstieg, damit er ihre Figur betrachten konnte, bevor er die Entscheidung traf, ob er interessiert war oder nicht. Mittlerweile hatte sie die Tür geöffnet und ein Bein ausgestreckt. Sein Interesse war sofort geweckt.

Er stellte seinen Kaffeebecher in den Halter an der Konsole, legte beide Arme um das Lenkrad und beugte sich vor. Im nächsten Moment bekam er einen Blick auf den süßesten Hintern, den er seit Langem gesehen hatte. Er steckte in einem superkurzen Minirock. Gott sei Dank war Mini noch in Mode.

Nachdem sie die Tür geschlossen hatte, beugte sie sich vor und holte ihre Tasche von dem Beifahrersitz. Herrlich. Das weiße Material straffte sich über ihrem Po. Wow. Er beobachtete sie, hatte seinen Spaß an dem Anblick … und drückte unbeabsichtigt auf die Hupe. Sofort lehnte er sich zurück und fluchte. Hoffentlich entdeckte die Schönheit ihn nicht.

Sie drehte sich um und sah zu seinem Lastwagen. Er griff nach dem Auftrag für den heutigen Tag und gab vor, ihn genau zu studieren, während er sie aus den Augenwinkeln heraus weiter beobachtete. Meine Güte, wie blöd war es, aus Versehen auf die Hupe zu drücken. Sie zuckte jedoch nur mit den Schultern und ging mit schwingenden Hüften auf das Gebäude zu. Ihre hohen Absätze klapperten auf dem Asphalt.

Nick atmete aus. Er musste unbedingt herausfinden, wer sie war. Während er den Baum beschnitt, überlegte er, in welchem Büro sie wohl arbeitete. Schade, dass die Fenster aus Spiegelglas bestanden. Von seinem Platz auf dem Baum wäre er sonst in der Lage gewesen, in einige der Büroräume hineinzusehen.

Andererseits war es vielleicht ganz gut so. Wenn er sie bei der Arbeit beobachten konnte, vor allem, wenn sie sich über einen Aktenschrank beugte, würde er vielleicht vom Baum fallen. Sie war eine süße Maus.

Bei dem Gedanken an sie wurde ihm heiß, was nicht nur an der sommerlichen Temperatur lag. Der Schweiß rann ihm über den Rücken. Das Leben wäre wesentlich schöner ohne das Shirt.

Er stellte die Säge aus und verstaute sie vorsichtig in einer Astgabelung. Dann zog er seine Arbeitshandschuhe aus und legte sie neben die Säge. Schließlich griff er nach dem Saum seines Shirts.

Kasey zog an dem Halm. Sie zog noch weiter, bis sie ihn schließlich in der Hand hielt. Ohne Zweifel war es der lange. Die drei anderen Frauen seufzten enttäuscht.

Bevor Kasey überhaupt richtig bewusst war, dass sie gewonnen hatte, schrie Gretchen: “Das Hemd!”

Alle Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf das Fenster, als Tarzan sein Hemd auszog und es über einen Ast hängte. Die Frauen seufzten hingebungsvoll.

“Ich kann seinen Ringfinger sehen”, rief Myra. “Kein Ring.”

Amy räusperte sich. “Ist mir gar nicht aufgefallen. Ich war viel zu sehr mit seinem Körper beschäftigt. Ein Meisterwerk.”

“Als wenn ich es geahnt hätte”, stöhnte Gretchen. “Da ist die Antwort auf alle meine Gebete, und was mache ich, ziehe den kürzesten Strohhalm.”

Kaseys erster Impuls war, mit Gretchen den Halm zu tauschen. An den Mann kam sie nicht heran. Die Männer, mit denen sie bisher ausgegangen war, hatten in einer anderen Liga gespielt, auch wenn sie nicht schlecht gewesen waren. Aber keiner von ihnen hatte einen Körperbau gehabt, der mit diesem zu vergleichen gewesen wäre. Aber den Strohhalm zu tauschen, kam überhaupt nicht infrage, nicht wenn sie ihr Image als heiße Biene festigen wollte. Eine heiße Biene mit dem Nummernschild BE REIT würde die Chance nutzen und sich ihren Preis holen.

“Er ist ein absoluter Traummann”, sagte Amy. “Seht ihn euch bloß an. Er hat sogar ein Tattoo.”

Kasey nahm all ihren Mut zusammen und warf erneut einen Blick auf die Herausforderung des Tages, die sich gerade das Gesicht am Hemd abwischte. Ja, er hatte ein Tattoo an seinem Oberarm, das aussah wie ein Stacheldraht.

Als sie auf das Tattoo starrte, erinnerte sie sich plötzlich daran, woher sie den Mann kannte. Sie hatte das Tattoo bereits vor zwölf Jahren gesehen. Am Arm des Schulfreundes ihres Stiefbruders Jim, eines tollen Typs namens Nick Ashton.

Sie sah die beiden Teenager noch am Swimmingpool ihrer Familie vor sich. Sie selbst war damals gerade acht Jahre alt gewesen, eine freche Göre, die die beiden von ihrem Platz im Pool aus nass gespritzt hatte. Schließlich hatte Nick reagiert, war ins Wasser gesprungen und hatte sie untergetaucht.

Dass sie sich dabei eine Wunde am Mundwinkel zuzog, war ausschließlich ihre Schuld gewesen. Hätte sie nicht so wild um sich geschlagen, hätte sie sich nicht mit ihrem Fingerring verletzt. In dem Moment, als Nick merkte, dass sie blutete, hatte er sie tropfnass wie sie waren ins Haus gebracht und darauf bestanden, mit ihr in die Notfallaufnahme zu fahren, wo der Arzt ihre Wunde mit zwei Stichen genäht hatte.

Nick war bei ihr geblieben, ganz grün im Gesicht, als der Arzt nähte. Er hatte sich wohl hundertmal entschuldigt. Am nächsten Tag hatte er ihr sogar Blumen geschickt. Das war der Moment gewesen, in dem sie sich hoffnungslos in ihn verliebt hatte, so schwer, wie sich eine Achtjährige in einen weltgewandten Achtzehnjährigen nur verlieben kann.

Danach hatte sie Jim endlos mit der Frage genervt, wann Nick wieder zu Besuch käme. Aber das Examen hatte ihn so sehr beschäftigt, dass er in dem Sommer nicht mehr aufgetaucht war. Danach war Nicks Familie nach Oregon gezogen, und Nick hatte dort die Universität besucht. Jim war zur Marine gegangen, und die beiden Freunde hatten den Kontakt verloren. Kasey hatte Nick nicht mehr gesehen … bis heute.

“Also, Kasey, wie stellst du es an?”, fragte Gretchen.

Kasey blinzelte und kehrte mit ihren Gedanken in die Gegenwart zurück. Sie, Kasey Braddock, sollte den Mann ansprechen. Sie kämpfte gegen die aufkommende innere Panik an und überlegte, ob auch nur die geringste Chance bestand, dass er sie erkannte.

Wahrscheinlich nicht. Jim war ihr Stiefbruder, deshalb hatten sie unterschiedliche Nachnamen. Warum sollte sich Nick an ein kleines nerviges Mädchen namens Kasey erinnern? Außerdem sah sie nicht mehr wie die Achtjährige aus. Die Narbe war kaum noch sichtbar, dank der damals ungeliebten Zahnspange hatte sie heute ein wunderschönes Gebiss, ihre ehemals krausen blonden Haare waren glatt und lang, und gegen ihre Kurzsichtigkeit trug sie farbige Kontaktlinsen. Hormone und gute Ratschläge von Jims Freundin Alicia, jetzt Exfreundin, hatten den Rest erledigt.

Kasey hatte viel dafür getan, älter und erfahrener zu wirken, als sie war. Angefangen bei dem Wagen bis hin zu ihrer Kleidung, hatte sie sich ein Image geschaffen, das einfach von ihr verlangte, sich an Nick heranzumachen und sein Interesse zu wecken.

“Ihm scheint heiß zu sein, meinst du nicht auch?”, fragte sie Gretchen.

“Darling, er ist heiß. Und ich möchte jetzt wissen, was du vorhast.”

“Nein, ich meine, ihm ist heiß. Die Hitze.”

“Ich sage doch, er ist heiß. Also, was hast du …”

“Ich werde ihm ein schönes, kaltes Wasser bringen.”

“Brillant.” Gretchen lächelte.

“Aber dann weiß er, dass wir ihn beobachtet haben”, gab Myra zu bedenken.”

“Er weiß nur, dass Kasey ihn beobachtet hat”, sagte Amy, “und ich denke, das gehört zu ihrer Strategie, stimmt’s, Kasey?”

“Natürlich”, log Kasey. Sie ging an ihren Schreibtisch, nahm etwas Kleingeld aus dem Portemonnaie und machte sich auf den Weg in den Aufenthaltsraum, gefolgt von Gretchen, Myra und Amy.

“Kannst du überhaupt werfen?”, fragte Amy.

“Sehr gut sogar.” Kasey steckte das Geld in den Getränkeautomaten. “Mein Bruder hat es mir beigebracht, als ich ein Kind war.”

“Du solltest dich ein bisschen beeilen”, sagte Myra. “Er ist gerade dabei, die Säge wieder einzuschalten. Und bei dem Lärm bemerkt er dich vielleicht nicht.”

Kasey zog ihren weißen Blazer aus. Darunter trug sie ein enges Top, das ihre Brüste betonte.

“So müsstest du es schaffen.”

“Das werde ich.” Sie verließ das Büro, ohne noch einen Blick aus dem Fenster zu werfen. Die Frauen riefen ihr aufmunternde Worte zu, während Jerry und Ed sich weiter über Chauvinistinnen ausließen. Kasey störte sich nicht daran. Sie hatte ihren großen Bruder lange genug beobachtet, um zu wissen, dass Frauen es schwer hatten, bis die Männer im Büro sie akzeptierten.

Aber sie hatte Angst. Ganz einfach Angst. Theoretisch war sie bereit, einen Mann anzumachen. Aber dass sie ausgerechnet bei Nick anfangen sollte …

2. KAPITEL

Auch wenn Nick von seinen Arbeitern verlangte, dass sie beim Sägen Ohrschützer trugen, ließ er selbst die verdammten Dinger weg, wann immer es möglich war. Wie zum Beispiel jetzt. Deshalb hörte er auch Carlos Schreie.

Er stellte die Säge aus und schaute hinunter zu seinem Assistenten. “Was gibt es?”

“Die Lady möchte wissen, ob du eine Flasche Wasser haben möchtest.” Carlos deutete links neben sich.

Nick nahm seine Sicherheitsbrille ab und ließ sie um den Hals baumeln, als er durch die Zweige nach unten sah. Fast hätte er seine Säge fallen lassen. Sie war es. Die Frau mit dem roten Miata.

Ihre blonden Haare glänzten in der Morgensonne. Und nicht nur das, sie hatte ihren weißen Blazer ausgezogen. Kein Wunder bei der Hitze, aber das Ergebnis war, dass Nick fast vom Baum gefallen wäre, als er ihre schönen Brüste sah.

Sie hob ihr hübsches Gesicht zu ihm, blinzelte gegen das Sonnenlicht. “Gute Arbeit!”

“Danke!” Er starrte hinab auf die schönste Frau, die er seit Langem gesehen hatte.

“Ich dachte, Sie könnten vielleicht einen Schluck Wasser gebrauchen.” Sie hielt eine Plastikflasche hoch.

Er könnte viel mehr als nur Wasser gebrauchen. Eine kalte Dusche wäre gut, und das nicht nur, weil er schwitzte. Dass er sich so stark zu ihr hingezogen fühlte, war ihm ehrlich gesagt ein wenig peinlich. In seinem Alter sollte man darüber hinweg sein, so heftig auf ein hübsches Mädchen zu reagieren. Er hatte viele schöne Frauen gesehen, auch viele nackte schöne Frauen. Doch diese besondere Frau faszinierte ihn.

“Etwas Wasser wäre nicht schlecht.” Jetzt war nicht der Zeitpunkt, ihr zu sagen, dass er mehrere Flaschen in der Kühlbox in seinem Laster hatte.

“Ich werfe sie hoch.”

“Nein, ich komme runter.” So wie sie ihn durcheinander brachte, vertraute er seinen Fangkünsten nicht. Und nichts wäre peinlicher, als die Flasche zu verfehlen.

Falsch. Noch schlimmer wäre es, die Flasche nicht aufzufangen und auch noch vom Baum zu fallen. Außer dass er sich ernsthafte Verletzungen zuziehen könnte, wäre auch sein Stolz für immer verletzt, ganz zu schweigen von der Chance, mit dieser Frau auszugehen.

Er ließ die Säge auf dem Baum zurück. Dann nahm er die Brille vom Hals und hängte sie über einen Zweig. Schließlich zog er sich sein Hemd über.

Er war noch nie vor einer Zuschauerin einen Baum hinabgeklettert, und die Befangenheit machte ihn unbeholfen. Er rutschte ab und wäre fast gefallen. Mit beiden Händen hielt er sich an einem starken Ast fest und baumelte ein, zwei peinliche Sekunden lang mit den Beinen in der Luft, bevor er wieder Halt fand.

Er stellte sich vor, wie Carlos und Murphy über diese Vorstellung hinter vorgehaltener Hand lachten. Beide wussten, dass er genug Wasser im Laster hatte. Er brachte immer genug für alle mit. Dehydrierung war eine echte Gefahr, wenn man in Arizona im Freien arbeitete.

Aber er war gewillt, sich vor seinen Kollegen lächerlich zu machen, wenn er dafür eine Flasche Wasser von einer wunderschönen Frau bekam, die er unbedingt kennenlernen wollte. Er hätte sie natürlich lieber unter anderen Umständen getroffen, weniger verschwitzt, aber er hoffte das Beste.

Warum sollte er diese tolle Gelegenheit verpassen, nur weil er verschwitzt war? Wenn mit dieser Frau alles so lief, wie er sich erhoffte, würden sie irgendwann sowieso beide verschwitzt sein.

Er sprang auf den Boden und ging zu ihr, ohne auf seine beiden Angestellten zu achten. Wenn einer von ihnen sich in diesem Moment eine gekühlte Flasche Wasser aus dem Laster holt, wird er den Rest des Sommers damit verbringen, Unkraut zu jäten, schwor er sich.

“Ich wollte Ihre Arbeit nicht unterbrechen.” Ihre Stimme klang weich wie Seide.

Er mochte Seide. Bei einer Frau bedeutete sie Sinnlichkeit. “Ist schon okay. Ich wollte sowieso eine Pause machen.”

“Ihnen muss ganz schön heiß sein.”

Und du siehst heiß aus, Süße. Ihre Augen waren von einem unglaublichen Blau, wahrscheinlich trug sie gefärbte Kontaktlinsen. Ihm gefiel die Farbe, auch wenn er sich fragte, welche Farbe ihre Augen wirklich hatten. “Aber es ist eine trockene Hitze.”

“Ja, stimmt.” Sie lachte und hielt ihm die Flasche hin. “Hier. Das wird Ihnen helfen.”

“Sie sind meine Lebensretterin.” Er nahm die Flasche, wobei sich ihre Finger berührten. Er vermutete, dass es mit Absicht geschah. Sie hatte ihm offensichtlich die Flasche gebracht, um mit ihm ins Gespräch zu kommen. Kein schlechter Beginn, einen Mann kennenzulernen.

“Kasey, die Lebensretterin.”

“Kasey?” Er öffnete die Flasche. “Freut mich, Sie kennenzulernen, Miss Kasey, die Lebensretterin. Ich bin Nick, der Dankbare.” Er setzte die Flasche an den Hals und leerte sie fast zur Hälfte in einem Schluck. Er war durstig, aber das Trinken gab ihm auch einen Moment Zeit, nachzudenken. Er würde sie zum Essen einladen. Ja, das war eine gute Idee. Wie wär’s mit heute Abend. Hatte er schon irgendwas vor?

Verdammt, ja. Die Tin Tarantulas hatten einen Auftritt in einem kleinen Club in der Stadt, und er hatte versprochen zu kommen. Er glaubte nicht, dass eine Frau darauf erpicht war, beim ersten Date die laute Rockmusik seines Bruders zu hören. Also morgen Abend, auch wenn es ihm gar nicht gefiel, so lange warten zu müssen.

Er trank noch einen Schluck, setzte die Flasche ab und lächelte Kasey an. “Danke. Das tat gut.”

“Gern geschehen.”

“Hören Sie, als Dank für das Wasser würde ich Sie gern …”

“Wie kommt es, dass Sie in dem Baum herumklettern? Wäre es nicht sicherer, wie die Kirschpflücker eine lange Stange zu benutzen?”

Offensichtlich hatte er sie mit seinen Künsten nicht beeindruckt. “Sie meinen, weil ich fast hinuntergefallen wäre? Normalerweise stelle ich mich geschickter an.”

“Ich habe einen Schreck bekommen, aber das meine ich nicht. Ich halte es einfach für sehr gefährlich, mit einer Kettensäge in dem Baum zu sitzen.”

“Nun, das ist mein Job. Aber probieren Sie es lieber nicht aus.”

“Keine Sorge! Es reicht mir schon, Sie dabei zu beobachten. Es macht mich nervös.”

“Das muss es nicht.” Ihrer Bemerkung nach zu urteilen, arbeitete sie wahrscheinlich in einem Büro in der Nähe und konnte ihn beobachten. Doch er wollte nicht über seine Arbeit sprechen. Er wollte sie zum Essen einladen. “Hören Sie, würden Sie …”

“Hätten Sie zufällig Zeit, heute Abend mit mir essen zu gehen?”

Verdammt, jetzt war sie ihm zuvorgekommen. “Nicht heute Abend, aber morgen würde ich sehr gern mit Ihnen ausgehen.”

Sie zögerte. “Morgen Abend habe ich … Vielleicht den Abend darauf … nein, da ist …”

“Warten Sie. Ich erzähle Ihnen, was ich heute Abend vorhabe. Vielleicht haben Sie Lust mitzukommen.”

“Okay. Was ist es?”

“Mein kleiner Bruder hat eine Rockband. Heute Abend spielen sie im Cactus Club. Es ist nicht gerade meine Art von Musik – sie spricht eher Jüngere an, aber es ist ein wichtiger Auftritt, und ich möchte ihn unterstützen, deshalb habe ich versprochen zu kommen.”

Statt das Gesicht zu verziehen, zeigte sie Interesse. “Wie heißt die Band?”

Tin Tarantulas. Sie haben wahrscheinlich noch nie davon gehört.”

“Doch, das habe ich! Ich habe sie spielen hören, als ich … ähm … als ich zufällig letztes Jahr an der Uni war. Es war eine Art Open-Air-Konzert. Ich … die Studenten schienen die Musik zu lieben.” Sie strich mit beiden Händen die Haare zurück, eine Geste, bei der sich ihre Brüste unter dem engen Top hoben. “Ich hätte nichts dagegen, dorthin zu gehen, wenn das Ihre Frage ist.”

“Das ist sie.” Er bemühte sich, seinen Blick von ihrem Busen zu nehmen und ihr wieder in die Augen zu schauen. “Es wäre also nicht zu schrecklich? Wir könnten natürlich zuerst etwas essen, aber ich muss um neun im Cactus Club sein. Colin erwartet von mir, dass ich komme.”

“Abgemacht.” Sie lächelte. “Und denken Sie daran, ich habe Sie gefragt, ob wir essen gehen wollen. Also zahle ich auch.”

“Okay.” Er war so fasziniert von ihrem Lächeln, dass er nicht darüber streiten wollte, wer die Rechnung beglich. Ihre Lippen, genauso rot wie ihr Auto, ließen ihn an heiße Küsse denken. Am faszinierendsten aber fand er die kleine Narbe an ihrem Mund.

Sie war so klein, dass man schon genau hinsehen musste, aber diese kleine Narbe machte sie einzigartig, und das gefiel ihm. Vielleicht würde er sie heute Abend fragen, woher sie stammte. Er liebte solche Geschichten bei Menschen. Daraus lernte er, wer sie waren.

“Was halten Sie davon, wenn ich Sie gegen sieben abhole?”, fragte sie.

Er lachte. “Sieben ist okay. Aber ich werde fahren. Um in Ihren Wagen zu passen, brauche ich einen Schuhanzieher.”

Oh, jetzt hatte er sich verraten. “Ich habe heute Morgen gesehen, wie Sie ausgestiegen sind.”

“Wirklich? Waren Sie derjenige, der gehupt hat?”

“Unabsichtlich.” Als ich mich vorgebeugt habe, um einen besseren Blick auf deinen Po zu haben, dachte er. “Tut mir leid, wenn ich Ihnen einen Schreck eingejagt habe.”

“Ich dachte, jemand wollte mich auf sich aufmerksam machen. Als aber niemand rief, dachte ich, ich sei nicht gemeint gewesen.”

Du warst gemeint, aber das würde er nicht zugeben. “Ich kannte Ihren Namen nicht.” Er lachte. “Auch jetzt kenne ich nur den Vornamen, Miss Lebensretterin.”

Sie hielt ihm die Hand hin. “Kasey Braddock.”

Er wischte seine Hand an den Jeans ab. “Nick Ashton.” Ihr Händedruck war fest, und ihre Haut fühlte sich kühl und unglaublich weich an. Ihre Blicke trafen sich während der kurzen Berührung, und er fühlte geradezu, wie es zwischen ihnen knisterte.

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