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Die Weltenbummler auf Kreuzfahrt

Gerhard Moser

&

Achim Kurtz

Die Weltenbummler auf Kreuzfahrt

Tagebuch einer Reise in 121 Tagen um die Welt

Weltreise – Die Idee

Januar 2017

06.01. Freitag – Tag 1 - Anreise und Check in

11.01. Mittwoch – Tag 6 - Flores, Ponta Delgada

18.01. Mittwoch – Tag 13 - Barbados

20.01. Freitag – Tag 15 - Willemstad, Curaçao

21.01. Samstag – Tag 16 - Oranjestad, Aruba

23.01. Montag – Tag 18 - Passage Panamakanal

27.01. Freitag – Tag 22 - Acapulco, Mexiko

Februar 2017

05.02. Sonntag – Tag 31 - Nuku Hiva

08.02. Mittwoch – Tag 34 - Papeete, Tahiti

09.02. Donnerstag – Tag 35 - Bora Bora

16.02. Donnerstag – Tag 42 - Auckland, NZ

18.02. Samstag – Tag 44 - Wellington, NZ

23.02. Donnerstag - Tag 49 - Sydney, Australien

24.02. Freitag - Tag 50 - Sydney, Australien

27.02. Montag - Tag 53 - Hamilton Island, AU

28.02. Dienstag - Tag 54 - Townsville, AU

März 2017

01.03. Mittwoch - Tag 55 - Cairns, AU

02.03. Donnerstag – Tag 56 - Cairns, AU

06.03. Montag – Tag 60 - Darwin, AU

09.03. Donnerstag – Tag 63 - Insel Komodo

10.03. Freitag - Tag 64 - Bali, Indonesien

11.03. Samstag – Tag 65 - Bali, Inselrundfahrt

13.03. Montag – Tag 67 - Semarang, Java

16.03. Donnerstag – Tag 70 - Muara, Brunei

17.03. Freitag - Tag 71 - Kota Kinabalu, Borneo

19.03. Sonntag - Tag 73 - Manila, Philippinen

21.03. Dienstag – Tag 75 - Hongkong

22.03. Mittwoch – Tag 76 - Hongkong

24.03. Freitag - Tag 78 - Halong Bay, Vietnam

26.03. Sonntag – Tag 80 - Chan May, Vietnam

28.03. Dienstag – Tag 82 Saigon, Vietnam

29.03. Mittwoch – Tag 83 - Saigon, Vietnam

31.03. Freitag – Tag 85 - Singapur

April 2017

01.04. Samstag – Tag 86 - Singapur

02.04. Sonntag – Tag 87 - Port Kelang, Malaysia

03.04. Montag - Tag 88 - Penang, Malaysia

04.04. Dienstag – Tag 89 - Phuket, Thailand

08.04. Samstag – Tag 93 - Chennai, Indien

10.04. Montag – Tag 95 - Colombo, Sri Lanka

12.04. Mittwoch – Tag 97 - Male, Malediven

16.04. Ostersonntag – Tag 101 - Salalah, Oman

21.04. Freitag - Tag 106 - Safaga, Ägypten

22.04. Samstag - Tag 107 - Akaba, Jordanien

25.04. Dienstag - Tag 110 - Ashdod, Israel

28.04. Freitag - Tag 113 - Valletta, Malta

Mai 2017

01.05. Montag – Tag 116 - Gibraltar

02.05. Dienstag - Tag 117 - Lissabon, Portugal

05.05. Freitag - Tag 120 - Tilbury, England

06.05. Samstag - Tag 121 - Amsterdam, Holland

Weltreise – Die Idee

„Wenn du in den Ruhestand gehst, dann wollten wir doch immer die Reise machen, die am weitesten entfernt und körperlich am anstrengendsten ist.“ Achim schaute mich fragend an. „Das dauert noch etwas, bis es soweit ist.

“Wir saßen im Wohnzimmer, jeder seinen Laptop vor sich und surften durch das World Wide Web.

„Die Monate bis zum nächsten Jahr sind schnell vorbei, auch wenn jetzt erst März ist. Außerdem benötigt eine Reise viel Vorbereitung. Australien ist groß. Wenn wir dann auch noch zwei Monate Neuseeland anhängen wollen, brauche ich schon Zeit, um alles einigermaßen zu koordinieren.“ Er ließ nicht locker.

„Wenn du so ausgiebig fragst, hast du bestimmt schon irgendwelche

Ideen.“ Alles schien mir noch so weit weg.

„Mir geht ein Gedanke durch den Kopf, der mich nicht mehr loslässt. Nachdem wir so viele Folgen von Verrückt nach Meer gesehen haben überlege ich, ob wir die Rückreise vielleicht mit einem Schiff machen könnten. Ich suche schon seit Tagen im Internet, habe aber bis jetzt noch nichts Passendes gefunden. Was hältst du von dieser Idee?“

„Können wir ja mal recherchieren.“ Überzeugt war ich von dieser Idee nicht. Aber es konnte ja nicht schaden, mal darüber nachzudenken.

Damit war für mich das Thema zunächst abgeschlossen.

Doch, wie Achim nun mal ist, hakte er immer wieder nach.

Einige Tage später, wir waren wieder beide mit unserem Laptop zu Gange, schickte er mir per Mail einen Link zu einer Seite, auf welcher man verschiedene Schiffsreisen ansehen konnte.

„Nur zur Info; schau doch mal auf die Seite, da sind ganz interessante Angebote dabei, allerdings noch nicht das, was ich suche.“

Also klickte ich die Seite an.

„Das sind alles nur Weltreisen, die können wir mal machen, wenn wir zwanzig Jahre älter sind.“

„Das ist klar, aber wir suchen doch eine Möglichkeit, mit dem Schiff von Australien nach Hause zu kommen. Such einfach mit, vier Augen sehen mehr.“

So begab ich mich auch auf die Reise durchs Internet, sah viele tolle Reisen und noch mehr Ideen, die ich aber alle als Schnapsidee fallen ließ.

„Das ist es, ich habe die Reise.“ Ich war elektrisiert.

„Hör mal zu, ich glaube, ich habe genau das Richtige gefunden.“

Gespannt schaute mich Achim an.

„Ich suche seit Tagen, und du willst nach zwei Stunden genau die Reise gefunden haben?“ Ich hörte nur Skepsis und Zweifel aus seiner Stimme.

„Cruise & Maritime Voyages (CMV) bietet nach umfangreicher Renovierung und Umbau ihres Schiffes Magellan eine Weltreise zu Sonderkonditionen. Da unser Schiff zu seiner ersten Weltreise aufbricht, bieten wir alle Kabinen mit 50% Preisnachlass an. Die Reise dauert 120 Tage. Den genauen Verlauf und nähere Einzelheiten entnehmen sie dem Anhang.“

„Wie bekloppt ist das denn?“ Achim sah mich entrüstet an.

„Warum, so ein günstiges Angebot kommt bestimmt nicht so schnell wieder. Wissen wir, wie alt wir werden und welche Reisen wir in zehn Jahren noch machen können?“ Ich war von meiner Idee begeistert. Lass uns doch einfach mal nachfragen, welche Kosten insgesamt auf uns zukommen. Dann können wir immer noch entscheiden, ob wir wollen. Die Reise beginnt ohnedies erst im Januar. Bis dahin haben wir noch alle Zeit der Welt.“

Ich sah Achim an, dass er der Sache nicht traute.

„Wir wollten eigentlich nach Australien und Neuseeland, und nicht vier Monate über die Meere dieser Welt schippern.“

„Australien wird auf der Reise mehrfach angefahren, Neuseeland ebenfalls. Da bekommen wir mindestens einen kleinen Eindruck von diesen zwei Ländern. Wenn es uns gefällt können wir im Rahmen einer Überwinterung in Indonesien für einige Wochen rüber fliegen. Das sind von Bali aus nur wenige Stunden.“

Wir diskutierten den halben Tag, kamen aber noch zu keinem endgültigen Ergebnis.

„Ich rufe nachher bei TransOcean in Offenbach an. Das ist die deutsche Vertretung von CMV,“ erklärte ich Achim beim Frühstück am nächsten Morgen. Ich hatte den Eindruck, dass er der Weltreise nicht mehr ganz ablehnend gegenüberstand.

„Ja, mach mal. Vielleicht wissen wir dann mehr,“ war der einzige Kommentar.

„Wann immer sie Fragen haben, rufen sie an. Wir sind täglich zu den üblichen Bürozeiten telefonisch gerne für sie da.“ Die Dame im Büro war sehr freundlich und gab gerne Auskunft.

„Die Landausflüge kosten ca. 50 bis 100€ pro Person. Über alles andere kann sie noch nichts sagen, da die Magellan vorher noch nie eine Weltreise gemacht hat. Sie kann nur mit der Astor, einem Schwesterschiff vergleichen. Warten wir eben noch ab. Allerdings sollten wir nicht mehr zu lange warten, da in unserer Preisklasse nur noch wenige Kabinen zur Verfügung stehen.“ Mehr konnte ich Achim über das geführte Telefonat nicht berichten.

„Das sagen sie immer. Ausgebucht sind die noch lange nicht. Alles in allem hört sich das aber nicht schlecht an.“ Wir diskutierten den Rest des Tages immer wieder, tauschten unsere Gedanken und Ideen aus und waren uns schließlich einig, am nächsten Tag zu buchen.

„Wann bekommen wir die Unterlagen zugeschickt?“ fragte ich bei der Buchung am nächsten Tag.

„Die endgültigen Unterlagen bekommen sie ca. sechs bis acht Wochen vor der Abfahrt. Sie können uns aber jederzeit kontaktieren. Die Rechnung geht ihnen in den nächsten Tagen zu. Wenn sie uns anrufen, geben sie die Buchungsnummer durch. Die Anzahlung überweisen sie bitte in den nächsten zwei Wochen. Damit ist ihre Buchung dann verbindlich.“

Geschafft, die Weltreise war gebucht!!! Eine verrückte Idee wird zur Wirklichkeit.

„Sophia wollte doch vielleicht mit uns auf die Reise gehen. Hatte sie nicht irgendwann erwähnt, dass sie solch eine Reise gerne mit uns machen würde?“ Achim sah mich fragend an.

„Stimmt, da sollte ich mal nachfragen.“

Gesagt, getan.

„Hallo Sophia, wir haben eine Reise rund um die Welt gebucht. Dauert allerdings vier Monate und ist nicht in Abschnitten zu buchen. Wenn, müsstest du die ganze Zeit mit uns reisen.“

Spontan wie immer und nach nur wenigen Sekunden kam die Antwort. „Momentan habe ich Besuch. Wir können uns ja später darüber unterhalten. Buch bitte schon mal eine Einzelkabine für mich. Kommt aber nur eine mit Fenster in Frage.“

„Wenn ich jetzt für dich buche, gibt es aber kein Zurück mehr.“

„Nein, nein alles in Ordnung. Es bleibt dabei und wir reden morgen weiter. Habe jetzt keine Zeit, da ich mit meinem Besuch in die Stadt möchte.“

Die Monate vergingen. Es gab viel zu tun. Die Anzahlung war geleistet und somit die Buchung rechtsgültig. Eigentlich sollten die Reiseunterlagen sechs Wochen vor der Abreise bei uns eintreffen. Es kam nichts.

Fünf Wochen vor dem Abfahrtstermin in Amsterdam rief ich das Reisebüro in Offenbach an.

„Wir warten auf die Reisedokumente, damit wir endlich Ausflüge buchen können und nähere Einzelheiten über den genauen Reiseverlauf, den Zubringerbus und Angaben zum Gepäck haben.“

„Ausflüge können sie im Internet schon lange buchen. Die Reiseunterlagen bekommen sie rund drei Wochen vor der Abreise. Denken sie bitte daran, die Restsumme frühzeitig zu überweisen. Nur dann bekommen sie die endgültigen Dokumente zugeschickt.“

Die denken doch nur an ihr Geld. Ob der Kunde genaue Informationen hat, interessiert keinen.

„Wissen sie, wir reisen seit über zwanzig Jahren, aber solch schlechte Vorbereitung wie dieses Mal hatten wir noch nie. Jetzt erzählen sie mir von Buchungen der Ausflüge im Internet. Hätte da nicht mal eine kurze Info, wenn vielleicht auch nur per E-Mail kommen können? Aber von ihnen kommt überhaupt nichts.“

„Ich schicke ihnen nochmals einige Infos per Post. Da können sie alles genau nachlesen. Das Schiff Magellan macht seine erste Weltreise. So können wir immer nur auf die Erfahrungen des Schwesterschiffs Astor zurückgreifen. Da gelten aber oft ganz andere Bedingungen.“

Im Internet konnten wir uns tatsächlich anmelden und die Landausflüge vorbuchen. Das war vermutlich schon längere Zeit möglich, denn die schönsten Ausflüge waren bereits ausgebucht. Eine langwierige Suche begann. Da wir jeweils für Sophia und uns in unterschiedlichen Accounts buchen mussten, ging das alles nur über zwei PCs parallel.

Zwei Tage später kamen tatsächlich noch Unterlagen, die allerdings nur noch mehr Verwirrung stifteten. Da war die Rede von einem Koffer pro Person, von einem Getränkepaket für nicht-alkoholische Getränke, von einem kostenlosen Wäscheservice, und, und, und.

Wieder war es notwendig, das Reisebüro in Frankfurt zu kontaktieren.

Ein netter Herr erklärte mir, dass tatsächlich nur ein Koffer und ein Handgepäck pro Person im Bus transportiert werden könne und der Rest des Gepäcks über den Sonderservice verschickt werden müsse. Selbstverständlich koste das extra. Von einem Getränkepaket None - Alkoholika wisse er nichts, auch nicht von einem kostenlosen Wäsche Service.

„Ich hoffe, ihnen damit gedient zu haben. Bei weiteren Fragen, rufen sie gerne wieder an.“

Zack – aufgelegt.

Noch vier Wochen bis zur Abreise und keine genauen Informationen.

Die Verwirrung wird immer größer. Wenn jeder nur einen Koffer im Bus mitnehmen darf, und zwei Gepäckstücke über den Sonderservice transportiert werden müssen, wird das teuer. Nach meinen Berechnungen kämen wir dann zusammen auf rund 1500 € für Hin - und Rückfahrt. Das kann ja wohl nicht sein. Sofort fange ich wieder an zu recherchieren. Die Taxizentrale erklärte mir, dass eine Rückfahrt ab Amsterdam nicht buchbar sei. Wir überlegten, ob uns jemand aus unserem Bekanntenkreis fahren könnte. Christian, Sophias Sohn sagte sofort zu. In der Autovermietung im Haus nebenan fragte ich auch nach, ob es eine Möglichkeit gab, uns – und das viele Gepäck! - kostengünstig zu transportieren.

„Ich höre mich um. Da wird sich bestimmt etwas finden. Ich habe da eine Idee, will aber noch nichts versprechen. Ich melde mich bei ihnen.“ Herr T. war für uns bisher immer Ansprechpartner, wenn es, bezogen auf Autos und Transport, Probleme gab.

Tatsächlich fand er jemanden, der uns für 800€ nach Amsterdam und zurückbringen wollte. Welch eine Erleichterung. So konnten wir Christian dankend absagen, da er ohnedies genug zu tun hatte.

Jetzt blieb nur noch, die Busfahrt bei TransOcean zu stornieren.

„Kein Problem,“ beschied mir die nette Dame im Büro in Offenbach. „Warum wollen sie die Fahrt eigentlich stornieren? Das kostet nur unnötige Gebühren.“

Ich erklärte ihr unsere Gründe. Überrascht unterbricht sie mich in meinem Redefluss.

„Wer erzählt ihnen diesen Blödsinn. Sie haben je zwei Koffer mit bis zu 30 kg und ein Handgepäck mit 5 kg frei.“ Ich war – mal wieder – völlig irritiert. „Zehn Mal anrufen in ihrem Büro, bedeutet zehn verschiedene Personen am Telefon zu haben und zehn unterschiedliche Nachrichten zu bekommen. Selbst, wenn ich namentlich bei ihnen jemanden sprechen möchte, werde ich immer vertröstet, dass auch die betreffende Person mir kompetent weiterhelfen könne. Und das ist das Ergebnis.“

„Das tut mir leid. Aber ich kann ihnen definitiv zusagen, dass sie mit dem Bus keinerlei Probleme haben werden. Welche Fragen haben sie noch, die für sie nicht geklärt sind?“

Gleich zückte ich meine Liste und fragte erneut nach dem Getränkepaket und dem Wäscheservice.

„Ein Getränkepaket gibt es in jedem Fall, allerdings keines für Non-Alkoholika. Den aktuellen Preis erfahren sie beim Check in. Wäscheservice haben sie ebenfalls. Bei der Weltreise sollten sie pro Person jede zweite Woche ein freies Paket haben. Auch da werden sie genaue Informationen erhalten. Wenn irgendetwas unklar sein sollte, wenn Fragen oder Probleme auftauchen, wenden sie sich einfach an die deutsche Reisebegleitung. Sie ist jederzeit gerne für sie da. Konnte ich ihnen jetzt weiterhelfen?“ Sie wartete auf weitere Fragen, die ich aber nicht hatte. So schnell können sich Probleme lösen. Ich bedankte mich und notierte mir vorsichtshalber ihren Namen.

Also, alles zurück auf Anfang. Sophia informiert, in der Autovermietung Bescheid gesagt. Jetzt konnte es ans Kofferpacken gehen. Zum Glück hatte Achim frühzeitig die Visa für Indien beantragt, da wir wussten, dass diese etwas länger brauchten. Bevor wir aus dem Reisebüro die endgültigen Unterlagen bekamen, hatten wir schon die Visa.

Nun ging es in die letzte Woche. Sophia besorgte über ihre Bank US Dollars. Wir gingen noch Kleidung kaufen, da wir für „festliche Anlässe“ nicht viel im Schrank hatten. Für Samstag bestellte ich in der Taxi Zentrale ein Großraum Taxi und erklärte dem Mitarbeiter in der Zentrale, wie wichtig es sei, genug Platz zu haben.

„Kein Problem, wird pünktlich da sein...“

Wir hatten noch unendlich viele Termine zu absolvieren. Jeder aus unserem Freundeskreis wollte vor der Abreise nochmals mit uns zum Italiener, zum Thailänder oder Japaner. Kochen brauchte ich deshalb in dieser Woche nicht. Jeden Tag nahmen wir uns vor, mit dem Packen zu beginnen. Zwei Tage vor der Abreise blieb nichts anderes mehr übrig, wir mussten beginnen. Wie sollten diese Massen in unsere vier Koffer passen? Donnerstagabend hatte jeder bereits einen Koffer voll, Freitag folgte der Zweite. Es war nicht leicht, den großen Koffer zu schließen. Endlich war fast alles verstaut. Laptops und Kameras wurden im Handgepäck untergebracht. Zusätzlich nahmen wir einen dritten Rucksack mit, da wir nicht alles unterbringen konnten. Fünf Handgepäckstücke, ob das wohl gut geht?

Täglich telefonierten wir mit Sophia. Sie hatte ihre Koffer längst fertig und kämpfte mit dem Problem, diese täglich wieder zu öffnen und umzuschichten. Achim klärte die letzten Probleme wegen unseres Blogs im Internet. Ich hatte die bescheuerte Idee, dieses Mal keine Mails zu verschicken, sondern einen eigenen Blog zu erstellen, auf welchen jeder zugreifen kann, der Lust verspürt uns auf der Reise zu begleiten. Christian und Achim waren seit Wochen daran, diesen Blog zu erstellen. Gut, dass Christian in diesen Dingen ein Profi ist. Per Telefon saßen die Beiden Stunden am PC und erstellten einen Teil nach dem Anderen. Gut, dass beide eine Telefonflatrate hatten. Schließlich war auch dieser Teil der Vorbereitungen fertig. Achim hatte Visitenkarten drucken lassen, die wir an alle möglichen Leute verteilten oder verschickten. Von den 250 Karten blieb rund die Hälfte übrig, die wir dann mit auf die Reise nahmen. Christian versprach, uns auf der Reise zu begleiten und alles zu korrigieren, was schieflief. Hätten wir gewusst, wie schlecht das Internet auf dem Schiff funktioniert, hätten wir das Ganze Thema Blog überhaupt nicht in Angriff genommen.

Den Schlüssel der Wohnung hatten wir vor Tagen bereits an Frau Krumm vom Hausservice übergeben. Sie wird sich in den vier Monaten um Post und Ordnung in unserer Wohnung kümmern. Ein gutes Gefühl, unser Zuhause in guten Händen zu wissen.

Januar 2017

06.01. Freitag – Tag 1 - Anreise und Check in

Ohne Wecker werden wir am frühen Morgen wach. Trotz Reisefieber haben wir erstaunlich gut geschlafen. Schnell noch die letzten Dinge erledigen: die Orchideen gießen, den Müll runterbringen und das Handgepäck überprüfen. Alles da. Da man ja nie weiß, wie pünktlich das Taxi kommt, machen wir uns frühzeitig fertig. Achim ist dabei seine Schuhe zu binden, da klingelt es an der Haustür. Tatsächlich kommt das Taxi 25 Minuten zu früh. Sophia sitzt bereits im Fahrzeug, ihr Gepäck ist im Kofferraum verstaut. Was da aber vor der Tür steht – ist ein ganz normales Taxi.

„Wo ist das bestellte und zugesagte Großraum Taxi?“ Auf diese Frage zuckt der Fahrer nur mit den Schultern.

„Wird schon klappen...“ Er fängt an zu drücken, zu drehen und zu stapeln. Es gelingt ihm tatsächlich, die sechs großen Koffer und die sieben kleineren Rucksäcke und Taschen in seinem Auto unter zu bringen. Wir saßen allerdings eingequetscht wie Dosenfisch. Kurz nach der Abfahrt leuchtet es am Armaturenbrett rot auf: Überladen, Reifendruck kontrollieren.

„Das macht nichts, schaffen wir...“, ist der einzige Kommentar des Fahrers. Mehr Deutsch kann er offensichtlich auch nicht. Er fährt einfach etwas langsamer.

Am Flughafen geht die Suche nach der Bushaltestelle los. Die auf dem Voucher angegebene Haltestelle gibt es nicht. Ich laufe die Haltestellen der Fernbusse ab, frage an den Schaltern in der Halle – aber keiner kann mir helfen. Da es eisig kalt ist, stellen wir uns in der Halle in die Nähe des Ausgangs. So haben wir den ganzen Platz im Blick und sehen alle Busse, die an- oder abfahren.

Schließlich kommt ein Bus von Hunau Reisen. Er fährt direkt auf den ersten Halteplatz. So brauchen wir unser Gepäck nicht weit zu schleppen. Im Bus ist Platz genug. Für unseren Voucher interessiert der Fahrer sich überhaupt nicht. Er hakt die Namen auf einer Liste ab. Damit hat er seine Pflicht erfüllt. Außer uns steigt noch eine weitere Person ein. Im Bus sitzen fünf Leute. Insgesamt neun Personen in diesem riesigen Bus. Welch ein Luxus. In Düsseldorf, Essen und Oberhausen steigen noch fünf weitere Mitreisende ein. Jeder sitzt in seiner Ecke, kaum jemand unterhält sich. Das ändert sich, als in Oberhausen Usch einsteigt. Sie kommt direkt auf uns zu und fragt, ob sie sich uns anschließen darf. Sie sei alleine und hätte eine solch lange Reise noch nie alleine unternommen. Wir laden sie ein, sich zu uns zu setzen.

Sophia sieht man an, dass sie dieses „Eindringen in unsere Dreisamkeit“ überhaupt nicht mag. Sie reagiert reserviert und sehr zurückhaltend. Usch stört sich überhaupt nicht daran und unterhält sich aufgeweckt mit uns. Trotz eines Staus auf der Strecke geht die Fahrt nach Amsterdam sehr zügig. Allerdings verfährt sich unser Busfahrer mehrfach, bis er die richtige Halle zum Check In findet. Dort kommt kurzfristig etwas Stress auf. Das große Gepäck wird uns direkt abgenommen. Jeder mit Taschen und Rucksack behängt soll nun auf die Schnelle seinen Pass und die Reisedokumente finden. „Wo hast du...?

Hattest du nicht dort...?“ Das Durcheinander löst sich aber schnell auf und wir können in Richtung Schiff gehen. Der Bordfotograf will das erste Bild machen, was wir ablehnen. So zerzaust und verstruwwelt wie wir sind! Dann geht es durch den ersten Sicherheitscheck. Das Handgepäck wird durchleuchtet, wir gehen durch das Sicherheitstor. Natürlich piepst die Schleuse. Der Gürtel und eine Münze in der Tasche sind der Grund. Ablegen und erneut durch die Schleuse. Alles in Ordnung, keine Terrorgefahr. Und dann stehen wir zum ersten Mal vor dem riesigen Schiff, welches für die nächsten vier Monate unser Zuhause sein wird. Ein komisches Gefühl, da wir noch nie eine Schiffsreise gemacht haben. Alles ist für uns neu und ungewohnt. Das Schiff macht auf uns einen guten Eindruck. Alles weiß gestrichen. Hoch oben hängen die Rettungsboote. Wir gehen durch den Zugangstunnel und kommen direkt auf die Ebene fünf, wo sich auch die Rezeption befindet. Auch hier herrscht ein enormes Chaos. Alle rennen durcheinander. So lassen wir zunächst unsere Bordkarte abändern und bringen den Check-in hinter uns. Weil wir in Amsterdam einsteigen, werden wir automatisch als Holländer registriert. Das kleine Problem ist aber schnell behoben. Als nächstes steht die Frage an, ob wir das „Getränkepaket“ buchen wollen. Wir überlegen, rechnen und diskutieren. Das Paket kostet 12,50 Pfund pro Person, macht umgerechnet rund 32 € zusammen. Da alle Getränke, auch die alkoholischen Drinks in diesem Preis eingeschlossen sind, buchen wir. So muss keiner überlegen, ob er jetzt einen Wein, eine Limo oder einen Cocktail trinken will. Die Kreditkarte wird für die Abbuchungen freigeschaltet – und das war es auch schon. Jetzt sind wir offiziell Mitreisende auf dieser „Jungfernfahrt der Magellan“.

Ein junger Mann bringt uns zu unserer Kabine. Wir haben die Nummer 4033 auf der untersten Ebene. Tiefer unten wohnt nur noch das Personal. Wir drücken dem Boy ein Trinkgeld in die Hand, nachdem er uns den Fernseher, die Schränke und das Badezimmer gezeigt hat. Er bedankt sich und geht.

Die Kabine gefällt uns. Sie ist größer als erwartet. Zwei getrennte Betten, drei Schränke, in denen sich auch ein Safe befindet und ein kleines Badezimmer mit Dusche und WC. Das Beste ist allerdings das riesige Fenster, durch welches wir das Meer beobachten können. Was will der Mensch mehr? Bis unser Hauptgepäck kommt, dauert es recht lange. Sophia ist in der 7. Etage untergebracht. Von der Aufteilung her ist die Kabine wie die unsrige. Da sie eine Einzelkabine hat und in der „besseren Klasse“ untergebracht ist, hat sie zusätzlich einen Wasserkocher zur Verwendung. Daneben sind einige Kaffeetüten und Teebeutel mit Zucker und Milchersatz gelagert. Nun ja, bei dem Preis...

Wir testen das Telefon. Kabinennummer ist auch die Telefonnummer. Es klappt und sie hebt sofort ab. Gleich beim ersten Telefonat gehen die Probleme los.

„Mir fehlt ein Handgepäck,“ klagt Sophia.

Da wir ohnedies auf dem Weg zu ihr sind, um sie zur Sicherheitsübung abzuholen, schauen wir an der Rezeption vorbei. Tatsächlich stehen da drei einsame Taschen, alle ohne Namensschild. Auch Sophias Tasche ist dabei. Irgendwie war das Schild abhandengekommen. Wir nehmen die Tasche mit, ohne dass uns jemand aufgehalten oder um Legitimierung gebeten hätte. Sophia ist froh, jetzt ihr ganzes Gepäck zu haben. So gehen wir zum Deck 9, wo im Taverner`s Pub die Erklärungen zum Sicherheitsverhalten im Notfall abgegeben werden. Die Anwendung der Sicherheitsweste, welche jeder aus seiner Kabine mitgebracht hat, wird erklärt und die einzelnen Gruppen begeben sich an ihren „Sammelpunkt im Falle eines Notfalls“. In unserem Falle ist das die Show Lounge auf Deck 8 und 9. Danach wissen wir allerdings noch nicht, welches Rettungsboot wir aufsuchen sollen. Vielleicht ist das auch unwichtig. Wird wohl jeder in irgendeines der vielen Boote springen. Nach der Übung legen wir die Westen in Sophias Kabine und gehen zum Abendessen. Heute ist „offene Sitzung“. Jeder kann sich in einem der Restaurants auf Deck 8 oder im Bistro auf Deck 10 setzen, wohin er will. Ab Morgen wird Tisch 3 im Waldorf Restaurant unser fest zugewiesener Platz sein. Es ist ein Tisch für sechs Personen und wir fragen uns natürlich, wer unsere Tischnachbarn sein werden. Nach dem Essen machen wir einen Rundgang durchs Schiff. Am Ende des kleinen Erkundungsganges liefern wir Sophia in ihrer Kabine ab und nehmen unsere Rettungswesten mit in unser Domizil. Der Abend ist dem Auspacken der Koffer gewidmet. Erstaunlich, was alles in die Schränke passt. Insgesamt ist es zwar etwas eng, aber wir bringen fast alles unter. Dinge, die man selten braucht werden im

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Erste Eindrücke auf der MS Magellan

Koffer gelassen. Und diese packen wir unter die Betten. Sieht doch schon alles recht ordentlich aus. Wir merken aber auch, dass die Wände zwischen den Kabinen sehr dünn sind. Auf der einen Seite befindet sich ein englisches Paar, von denen wir jedes gesprochene Wort hören. Die andere Seite ist mit einem deutschen Paar belegt. Deren Fernseher überträgt das deutsche Programm so laut, dass wir meinen, unser Gerät sei eingeschaltet. Nun denn, es wird sich hoffentlich mit der Zeit alles regeln.

Es klopft. Gilbert, unser Kabinen Steward für die nächsten vier Monate stellt sich vor. Er ist Inder und macht einen netten Eindruck. Über die Schachtel belgischer Pralinen, die wir ihm in die Hand drücken, freut er sich sehr. Kurz darauf kommt über die Lautsprecher eine Durchsage. Durch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in der Schleuse wird sich die Ausfahrt aus Amsterdam auf 02.15 Uhr in der Nacht verschieben. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, die erste Ausfahrt unseres Lebens zu beobachten, aber das war uns zu spät.

Beim Schlafengehen probieren wir die Betten. Sie sind mit sehr guten Matratzen bestückt. Allerdings zieht es am Fenster enorm. So tauschen wir die Betten und Achim legt sich in das Bett in der Mitte der Kabine.

Der Tag war lange und anstrengend. Viele Eindrücke sind auf uns eingestürmt und wollen verarbeitet werden. Trotzdem schlafen wir recht schnell ein. Nachts werden wir öfters wach und merken, dass es schaukelt. Wir sind unterwegs! Trotz Schaukeln des Schiffes ist für Achim alles im grünen Bereich. Da er mit Reiseübelkeit zu tun hat, wird sich zeigen, wie das Schaukeln sich auf sein Wohlbefinden auswirken wird.

07.01. Samstag – Tag 2 - auf See

In der Nacht hören wir das Piepen des Handy Akkus unseres englischen Nachbarn. Er springt aus dem Bett und zieht den Stecker. Danach öffnet er eine Wasserflasche, trinkt einige Schlucke und geht wieder ins Bett. Langsam dämmert es. Da die Jalousie nicht tief genug gezogen war, wird es schnell hell in der Kabine. Nach dem Öffnen sehen wir, dass es draußen neblig und trüb ist.

Gegen acht Uhr holen wir Sophia zum Frühstück ab. Auch sie hat ihre Koffer ausgepackt und alles in die Schränke und Schubladen verteilt. Die Nacht war für sie erholsam. Allerdings wurde sie bereits gegen sechs Uhr wach.

Zum Frühstück gehen wir ins Waldorf Restaurant. Wir bekommen einen Tisch in der Nähe des Buffets zugewiesen. Alles ist festlich mit Stoffservietten eingedeckt. Die Auswahl ist riesig. Da der überwiegende Teil der Mitreisenden Engländer sind, gibt es natürlich auch englisches Frühstück. Neben gebackenen Bohnen und Tomaten kann sich jeder Würstchen, Eier in allen möglichen Varianten, Toast in Ei und natürlich Porridge holen.

Selbstverständlich gibt es auch Wurst, Käse und Fisch, diverse Brötchen und Brot Sorten, süße Teilchen und ein extra Buffet mit Obst. Wer da nicht satt wird...

Die Bedienung bringt Kaffee, Wasser für Tee und Orangensaft an den Tisch und füllt immer wieder nach. Wir lassen uns Zeit und genießen dieses erste Frühstück auf See. Das Schaukeln hält sich in Grenzen. Beim Spaziergang an Deck merken wir, dass es längst nicht mehr so eisig kalt ist wie gestern. Gegen zehn Uhr fordert eine Durchsage über die Bordlautsprecher alle Reisenden auf, die Außendecks zu verlassen und in die Innenräume zu gehen, da wegen eines medizinischen Notfalls ein Hubschrauber landen wird. Nach einer knappen Stunde werden die Außendecks wieder frei gegeben.

Um 10.30 Uhr sind alle Personen ins Waldorf Restaurant eingeladen, die eine spezielle Diät benötigen. Da Achim Vegetarier ist und ich Diabetiker, gehen wir hin. Mit uns sind noch gut 50 andere Mitreisende da. Das Ganze hätten wir uns schenken können, da nichts Brauchbares dabei herauskam. Jeder sollte am Abend einen Speiseplan bekommen, auf welchem er für den nächsten Tag seine Essenswünsche ankreuzen kann. Mal sehen, ob sich diese Idee im normalen Alltag als praktikabel erweist. Nahtlos geht es über zu einem „Begrüßungscocktail“ in der Hampton`s Bar.

Zum Sekt werden kleine Häppchen gereicht. Da wir noch recht satt sind, erkunden wir nach der Begrüßung das Schiff, bevor es schon wieder zum Essen ins Waldorf geht. Zum Glück gibt es Buffet und wir können nehmen, so viel – oder besser, so wenig – wie wir wollen.

Danach legen wir uns etwas hin. Allerdings dauert die Ruhe nicht lange, da die Lautsprecher scheppernd übers Deck und in die Kabinen quaken. Für die Engländer mag das schnelle Gequassel noch zu verstehen sein, wir haben so unsere Schwierigkeiten damit.

Danach ziehen wir uns warme Jacken an und spazieren über das Außendeck. Die frische Luft tut gut, wenn auch der Wind recht kräftig bläst. Allerdings bleibt uns nicht viel Zeit, da um 16.45 Uhr der Kapitänsempfang und das anschließende Dinner stattfinden. Wir duschen und ziehen unsere extra für diesen Anlass gekauften Anzüge an. Wie ungewohnt, eine Krawatte zu tragen. So etwas habe ich seit Jahren nicht mehr angehabt. So setzen wir uns mit Sophia in die Bar auf Deck 9 und warten, bis der Kapitän zur Fotosession einlädt. Er begrüßt jeden mit Handschlag und danach wird ein Foto mit ihm gemeinsam gemacht. So lassen wir uns mal mit Sophia und Kapitän ablichten, dann nur wir Zwei mit dem Kapitän. In knapp zwei Minuten ist das Theater vorbei und die Nächsten sind dran.

Anschließend gehen wir mit Usch und Doris zusammen in die Show Lounge, wo der Kapitän, stellvertretend für die gesamte Mannschaft seine Offiziere vorstellt. Er erhebt das Glas – und das war es.

Im Speisesaal können wir anschließend zum ersten Mal an unserem Tisch Platz nehmen, der ab sofort jeden Abend für uns reserviert ist. Tisch Nr.3 liegt etwas abseits und ist der erste in einer langen Reihe entlang der Fensterfront. Die nette Dame, die bereits beim Mittagessen an unserem Tisch saß, ist auch hier unsere Tischnachbarin. Ihre besten Freunde, ein Ehepaar aus der Nähe von Hannover komplettiert unsere Runde. Wir begrüßen uns recht förmlich. Die Zeit wird es zeigen, wie harmonisch unsere Gemeinschaft sich entwickeln wird.

Das Essen wird uns per Speisekarte angeboten. Es gibt fünf Gänge mit jeweils mindestens zwei bis drei Gerichte zur Auswahl. Natalia, unsere Servicekraft am Tisch wird uns die ganzen vier Monate betreuen. Sie notiert von jedem das Wunschmenü. Danach wird Gang für Gang serviert. Ich komme mir vor, wie im französischen Restaurant. Die Portionen sind sehr übersichtlich, schmecken aber ganz gut. Für die Getränke haben wir einen extra „Wein Boy“, einen Balinesen. Er ist sehr zurück haltend, während die Bedienung aus der Ukraine viel redet. Sie spricht erstaunlich gutes Deutsch. Nach dem Essen gehen wir auf die Kabine und entledigen uns der steifen Klamotten. Ist für uns doch sehr ungewohnt und wir fühlen uns in legerer Kleidung viel wohler. Die Frauen am Tisch – inklusive Sophia – waren von unserem Outfit begeistert, wir sind froh, jetzt wieder in Jeans und Pullover auftreten zu dürfen. Mit Sophia gehen wir in die Hampton`s Bar, wo wir die klassische Musik genießen. Klavier und Violine bieten verschiedene Stücke und wir können den Abend harmonisch ausklingen lassen. Bei unserer Rückkehr auf die Kabine, ist diese erneut geputzt, das Bett für die Nacht aufgedeckt und das Programm für den morgigen Tag aufs Kissen gelegt. Allerdings ist das Programm auf Holländisch. Vermutlich hatte man unsere Karten nur abgeändert, aber die Nationalität nicht im System geändert. Achim geht an die Rezeption und lässt dies ändern. Von dort bringt er gleich das deutsche Programm für den morgigen Tag mit. Auf dem Kopfkissen liegt ein kleiner Zettel mit der Aufforderung, vor dem Schlafen gehen die Uhren um eine Stunde zurück zu stellen.

Gegen zehn Uhr gehen wir zu Bett. Das leichte Schaukeln des Schiffes wiegt uns ruhig in den Schlaf.

08.01. Sonntag – Tag 3 - auf See

Eine ruckelige Nacht. Als ich auf die Toilette gehe, komme ich mir wie besoffen vor. Trotzdem schlafen wir recht gut. Das Meer ist am Morgen etwas unruhiger und die Wellen schlagen höher als am Tag zuvor, aber es ist noch gut zu ertragen. Der Nebel des Vortages ist weg und es ist sonnig.

Der Wind ist allerdings noch recht kräftig. Wenn man ein windstilles Örtchen an Deck findet, lässt es sich sehr gut aushalten, ja sogar richtig genießen. Kurz nach acht rufen wir Sophia an und holen sie zum Frühstück ab. Um zehn Uhr hat die deutsche Hostess Stefanie zu einem Rundgang durch das Schiff geladen. Viel Neues können wir dabei allerdings nicht entdecken. Fast alles, was sie uns zeigt haben wir in den zwei Tagen davor bereits selbst erkundet.

Nach dem Mittagessen schreibe ich den ersten Blog, Achim fügt einige Bilder bei. Der Versuch, unser Werk anschließend auf unsere Seite zu stellen scheitert an der mehr als schlechten Qualität des Internets. Wir verschwenden ergebnislos kostbar bezahlte Onlinezeit. Wir versuchen es am späten Abend erneut und es klappt. Allerdings sehr, sehr langsam. Was zu Hause in drei Minuten erledigt ist, dauert hier mindestens 30 bis 40 Minuten. Nach dem Abendessen besuchen wir in der Show Lounge die Darbietung eines englischen Komikers. Er macht Witze über englische Prominenz. Die Engländer klatschen und lachen, wir verlassen den Saal, da wir zwar die Sprache, aber den Sinn des Witzes nicht verstehen. Unsere drei Tischgenossen verlassen mit uns die Show und wir setzen uns gemeinsam auf einen Absacker in eine der Bars. Ein weiterer Seetag ist geschafft. Von Langweile keine Spur. Täglich lernen wir neue Leute kennen.

09.01. Montag – Tag 4 - auf See

Der Ablauf am Vormittag ist meist der gleiche. Da wir gegen halb acht ohne Wecker wach werden, geht jeder ins Bad und wir rufen gegen acht Sophia an, damit wir gemeinsam zum Frühstück gehen.

Meist haben wir da unseren festen Tisch mit der gleichen Bedienung.

Um 10 Uhr steht heute ein Vortrag zu den anstehenden Ausflügen an. Es wird über Ponta Delgada, Bridgetown und Curaçao, unsere nächsten Ziele berichtet. Neuigkeiten erfahren wir kaum, wissen aber jetzt, wie das Tendern – das Ausschiffen von See aufs Land - funktioniert.

Danach tut ein Spaziergang an der frischen Luft gut. Es ist kühl und leicht windig. Wir merken, dass das Wetter von Tag zu Tag besser wird. Zum Aufwärmen gehen wir ins Bistro um einen Tee oder Kaffee zu trinken. Am Eingang steht, wie immer und an allen Restaurants eine Bedienung, die uns Desinfektionsgel auf die Hände gibt. Hygiene wird auf dem ganzen Schiff großgeschrieben. An der Getränkestation kann sich rund um die Uhr jeder selbst bedienen. Achim entscheidet sich für einen grünen Tee, Sophia nimmt einen Schwarztee mit Milch und ich mische mir einen Kaffee mit etwas Milch und, eine Marotte von mir, 1/3 kaltem Wasser. Irrtümlich drücke ich auf den falschen Knopf und es fallen Eiswürfel in die Tasse. Nun denn, dann eben Eiskaffee. Ohne auf die Zeit zu achten sitzen wir am Tisch und unterhalten uns. Das Mittagsbuffet wird eröffnet. Wir sind völlig überrascht, dass der Vormittag so schnell vergangen ist.

So dehnen wir unser Getränkekränzchen gleich zum Mittagessen aus. Die deutsche Hostess Stefanie kommt auch zum Essen und setzt sich zu an den Tisch. Im Verlauf des Gesprächs kommen wir auf mein neuestes Buch zu sprechen und sie fragt, ob ich nicht Lust hätte, eine Lesung zu halten. Sie sucht noch Unterhaltung für das deutschsprachige Publikum. Spontan sage ich zu.

„Ich werde Tobi, den Kreuzfahrt Direktor fragen. Dieser muss sich von der Zentrale in England grünes Licht geben lassen – dann kann es losgehen.“ Wir unterhalten uns noch längere Zeit. Beim Abschied sind wir beim „Du“ angekommen.

Nach dem Essen gehen wir aufs Deck 10 und beobachten das Meer, welches sich hinter unserem Schiff kräuselt. Eine angenehme Art zu reisen. Man schippert um die Welt und hat sein Hotelzimmer immer dabei.

Beim Eintritt ins Bistro sitzen Doris und Usch am Tisch und fordern uns auf, uns zu ihnen zu setzen. Da die Chemie zwischen Sophia und Usch, wie zu allen anderen Frauen an Bord überhaupt nicht stimmt, setzt sich Achim zu den Beiden. Ich gehe mit Sophia weiter. Wie kann jemand so grundlos auf andere Menschen eifersüchtig sein. Hoffentlich legt sich das im Verlauf der Reise.

Danach gehen wir auf die Kabine und machen Siesta.

Um 17 Uhr ist laut Programm ein Treffen der LGBT (Lesben, Gay, Bi und Transgender) Reisenden. Sophia, die uns wie immer begleiten will, lassen wir dieses Mal im Bistro sitzen und gehen alleine in die Sinatra Bar. Wir sind mit dem Host Adam alleine. Es kommt kein weiterer Gast. So lösen wir das Treffen nach wenigen Minuten wieder auf.

Nach dem Abendessen im Restaurant gehen wir in die Hampton`s Bar und lassen uns von der klassischen Musik eine halbe Stunde berieseln. Herrlich entspannend. Danach geht Achim mit Sophia, Dagmar und Gerda, unseren Damen vom Tisch, in die Show. Es wird „Cinderella, die

Pantomime“ angekündigt. Viel Gesang, Tanz und englischer Humor, der Dank der englischen Sprache kaum zu verstehen ist. Der Schauspieler, welcher mit riesigen Brüsten aus Luftballons als Frau verkleidet über die Bühne hüpft um seinen Witz zu versprühen, kommt mit seinem Humor nicht an. Einige der Lieder waren super gesungen. Trotzdem sind die Vier froh, als die Show zu Ende ist.

10.01. Dienstag – Tag 5 - auf See

Beim Frühstück möchten wir uns zu der alten Dame setzen, die auch mit unserem Bus angereist ist. Sophia blockt direkt wieder ab und es fällt ihr ein Stein vom Herzen, als die alte Dame „wegen dem Platz, den sie für ihren Gehwagen braucht“ ablehnt. Sofort kehrt das Lächeln in Sophias Gesicht zurück.

Laut Tagesprogramm, welches jeden Abend auf das Bett gelegt wird finden auch heute wieder unzählige Veranstaltungen statt. Es wird gebastelt, gelesen, geschrieben und gespielt. Fast wie im Seniorenzentrum. Für fast jeden Geschmack ist etwas dabei. Da wir aber weder Stricken, noch Häkeln, Lesungen hören oder Geschichten schreiben wollen, können wir die Zeit zu unseren Gunsten nutzen. Die für uns wichtigen Punkte im täglichen Programm sind die Wetter Vorhersage, die Kleiderordnung im Restaurant, die Show Ankündigung und aktuelle Informationen.

Nach dem Frühstück treffen wir Usch, die uns erzählt, dass eine Kürzung des obligatorischen Trinkgeldes möglich ist. So gehen wir direkt zur Rezeption und lassen auch unsere „Personal Spenden“ auf 250 Pfund festschreiben. Das so „eingesparte“ Geld geben wir lieber den Personen, die uns bedienen oder für uns etwas tun, da uns keiner den genauen Verteilungsschlüssel des Trinkgeldes erklären kann.

Auf Deck 9 gibt es die Foto Galerie. Dort werden alle aufgenommenen Bilder ausgestellt. Links und rechts der Galerie sind hunderte von Fotos in Halterungen fixiert. Die Fotos mit dem Kapitän gefallen uns ganz gut und wir kaufen sie. Zusätzlich kauft Achim für kleines Geld die Datei auf einem Datenstick. So kann er zu Hause jederzeit am PC Bilder ausdrucken. Die Preise sind gesalzen, aber wir müssen ja nicht alle Fotos kaufen, die von uns geschossen werden.

Alle Gäste, welche die gesamte Weltreise gebucht haben, sind heute zum Mittagessen mit dem Kapitän ins Waldorf Restaurant geladen. Wieder machen wir uns schick, ziehen Anzug und Krawatte an und sind pünktlich da, um unseren Platz zu bekommen. Der Kapitän hält eine kurze Ansprache, die von Stefanie übersetzt wird. Das Mittagessen steht unter dem Motto „Portugal“, passend zum momentanen Stand der Reise. Neben Vorspeise und Suppe gibt es ein Fischgericht, bestehend aus Muscheln, Garnelen und verschiedenen Fischsorten in einer sehr delikaten Soße. Achim ist begeistert und meint, es sei das beste Essen, welches uns bisher offeriert wurde.

Das Schiff schaukelt heute ganz schön. So beschließen wir, nach dem Essen eine kleine Siesta zu machen. Allerdings verschlimmert sich Achims Seekrankheit in der Zeit. So beeilen wir uns, an Deck und an die frische Luft zu kommen. Dort geht es ihm schnell besser, da er die Wellen und das Meer aus weiter Entfernung beobachten kann. Sophia hat sich im Bistro einen Kakao bestellt und kommt anschließend zu uns auf das Außendeck.

Zum Abendessen bestellt sich Achim ein stilles Wasser und Ginger-Ale. Für das Wasser wird ihm der volle Preis in Rechnung gestellt, obwohl alle Getränke im Paket enthalten sind. An der Rezeption wird dies schnell bereinigt, ist aber trotzdem ärgerlich, dass man sich mit solchen Kleinigkeiten herum ärgern muss. Auf das Show Angebot in der Lounge verzichten wir gerne, da es sich erneut um englische Comedy handelt. So treffen wir uns mit einigen deutschen Mitreisenden in der Sinatra Bar und unterhalten uns bei einem leckeren Cocktail.

11.01. Mittwoch – Tag 6 - Flores, Ponta Delgada

Aufenthalt von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ponta Delgada hat rund 360 Einwohner und ist eine kleine Gemeinde auf der Azoren Insel Flores. Gegen 8 Uhr legt die Magellan in Ponta Delgada, auf der Insel Flores an. Hier haben wir bereits um die 16°C, was uns den Frühling signalisiert.

Wir genießen ein ausgedehntes Frühstück und gehen anschließend wieder auf die Kabinen. Da unser Ausflug erst um 13.30 Uhr beginnt, haben wir genug Zeit. Ich lege die Ausflugs Voucher und alles für den Ausflug Notwendige bereit. Sonnencreme, Mütze, Kamera.... Da fällt mir die Nummer auf dem Voucher auf. Warum trägt unsere Tour kein D für deutsche Führung. Hektisch vergleiche ich die Ausflugsnummern aus dem Tagesprogramm mit der Nummer auf unserem Voucher. Wie Schuppen fällt es mir von den Augen:

wir hatten den deutschen Ausflug in einen englischen umgetauscht, da es dort mehr zu besichtigen gab.

Jetzt kam Freude auf! Sophia anrufen, Sachen packen, kurz mit der Bürste durchs Haar – und los geht’s. Keine Zähne geputzt, nicht geduscht...

In 20 Minuten fährt der Bus, 15 Minuten vorher sollte jeder im Bus sein. Auch Sophia steht schon an der Rezeption. Und tatsächlich sind wir nicht die Letzten am Bus. Glück gehabt.

Das Englisch unserer Reiseleitung ist gut zu verstehen. Der erste Stopp ist ein kleines Dorf in den Bergen, Ribeira Grande. Die Kirche, das Theater und das Rathaus sind unsere Ziele. Es gibt je einen Laden für Schokolade und Liköre. Alkohol ist für uns uninteressant, das Schokoladen Geschäft unterscheidet sich kaum von den Läden in Deutschland. Und weiter geht es zum Kraterrand des Pico do Ferro. Hier werden wir mit einem herrlichen Blick über den Kratersee belohnt. Der botanische Garten – Parque Terra Nostra – ist das nächste Ziel. Wir lösen uns von der Gruppe und gehen alleine durch den großen Park mit heißen Quellen, tollen alten Bäumen, Rosenfeldern und unzähligen anderen Blumen. Für uns ein herrliches Erlebnis, da es ja erst Mitte Januar ist und zu Hause gerade mal der Winter seinen Höhepunkt erreicht. Der Reiseleiter nennt uns den Zeitpunkt und den Ort, wo wir uns zum Mittagessen wieder treffen werden. Wir sind pünktlich, die Gruppe kommt 15 Minuten zu spät. Obwohl Achim gleich zu Beginn um vegetarisches Essen gebeten hat, kommt nichts. Alle anderen sind bereits fast fertig. So ist eine Beschwerde beim Reiseleiter notwendig. Leider ist sowohl das vegetarische, wie auch das nicht vegetarische Essen nichts Besonderes. Vielleicht sind wir aber nur von der Vielfalt der Angebote auf dem Schiff verwöhnt.

Der nächste Besuch gilt den Schwefelquellen von Furnas. In der Umgebung dieser heißen Quellen liegt der intensive Geruch des Schwefels in der Luft. Überall hört man Weihnachtsmusik und auch die Deko vom Fest hängt überall herum. Wir laufen durch die verschiedenen Quellbereiche, Sophia immer an meinem Arm. Achim macht unzählige Fotos.

Der letzte Ausflugspunkt ist die Ananasfarm. In unterschiedlichen Wachstumsphasen können wir die Pflanze in den Gewächshäusern sehen. Was alles aus der Frucht hergestellt und produziert wird, kann im angegliederten Verkaufsraum angeschaut, verkostet und natürlich gekauft werden.

Und dann geht es zurück zum Schiff, wo wir nach knapp sieben Stunden wieder ankommen.

Sophia will lieber an Bord bleiben. So gehen wir alleine noch eine Runde durch das kleine Dorf. Allerdings gibt es wenig zu sehen. Darum gehen wir bald wieder aufs Schiff, wo wir mit Sophia zum Abendessen gehen.

Gegen 19.30 Uhr beginnt an der Eros Bar am Pool auf Deck 10 die Sail-Away Party. Die Musik ist uns zu laut und wir gehen auf das hintere Deck. Zum ersten Mal sehen wir das Schiff aus einem Hafen auslaufen.