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Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 477 - Liebesroman

Triumph der Liebe

Der traumhafte Roman eines großen Schicksals

Niemand weiß, wer sich hinter dem Namen Sihori verbirgt. Einzig der Clown Ramon erkennt in ihm den Thronfolger Radschpatunas. Mit Besorgnis nimmt er wahr, dass sich zwischen dem Prinzen und der Tochter des Clowns, Swatjé, eine große Liebe entfacht. In einer traumhaft schönen Sommernacht erklärt der Prinz, überwältigt von seiner Liebe und der Schönheit der vollendeten Frau, seine Leidenschaft in der schönen, blumenreichen Sprache seines Landes.

Swatjé ist bereit, für den Geliebten alles zu opfern und ihm zu folgen, wohin er zu gehen wünscht. Doch der stolze, unbeugsame Vater des Prinzen verbietet diese Ehe …

An diesem Abend war das Drängen und Hasten auf dem Hamburger Hauptbahnhof besonders auffällig. Die Schalterbeamten konnten sich nicht entsinnen, jemals so viele Bahnsteigkarten verkauft zu haben.

All diese Besitzer von Bahnsteigkarten strebten zu jenem Gleis, auf dem soeben der Alpenzug Kopenhagen–Hamburg–München–Rom eingelaufen war.

Fauchend und nach heißem Öl riechend, stand die gewaltige Lokomotive in der hoch gewölbten Bahnhofshalle, und die rußigen Gesichter von Lokführer und Heizer beugten sich aus dem kleinen Seitenfenster über dem Einstieg. Auch sie wunderten sich über den Trubel, denn die Menschen standen Schulter an Schulter wie bei einer Volksbelustigung.

Ärgerlich lauerten die Verkaufsfahrer der Zeitungs-‍, Obst- und Erfrischungskarren vor dem Trenngeländer, das den Bahnsteig von den Schaltergängen abschloss. Unmöglich, mit den leichten Wägelchen an den Zug zu kommen. Man ließ sie einfach nicht durch.

Die Männer rätselten nach dem Grund dieses ungewöhnlichen Auflaufes und tauschten Vermutungen aus. Möglicherweise, meinte man, hatte sich wieder ein Regierungsmitglied angemeldet, und die Masse stand sich deswegen die Beine in den Leib. Andererseits glaubten sie nicht, dass ein Abgeordneter oder Minister beliebt genug war, um dieses freiwillige Aufgebot zu mobilisieren.

Auffällig war ferner, dass etwa ein Dutzend Bildreporter der prominenten Zeitungen am Zuge entlangstrichen und sich bemühten, einen Blick in die Coupés zu werfen. Allein ihr Bestreben, das Opfer für ihre Kamera zu finden, war vergebens. Also fanden sie sich nach einer Weile wieder vor dem ersten Zugang zum Schlafwagen ein, um dort ihren Platz selbst gegen die Bahnpolizei zu behaupten, die die Menschenmauer fortgesetzt aufforderte, zurückzutreten.

Einzelne Abteilfenster waren herabgelassen. Reisende schauten hinaus. Mancher fragte einen der Beamten nach dem Grund dieser Zusammenkunft, erhielt jedoch keine befriedigende Auskunft.

Die Uhr über dem Bahnsteig zeigte fünf Minuten nach zweiundzwanzig Uhr. In einer Viertelstunde würde der Zug seine Fahrt fortsetzen.

In diesem Augenblick hielt vor dem Hauptportal am Glockengießerwall ein Stadttaxi, dem zwei Herren entstiegen. Sie waren elegant, aber nicht geckenhaft gekleidet. Offenbar hatten sie sich lange an der See oder im Gebirge aufgehalten, denn ihre Gesichter waren sonnenbraun.

Der kleinere Herr bezahlte den Fahrer und trug die beiden Handkoffer. Sich an der linken Seite seines Begleiters haltend, betrat er die Bahnhofshalle.

Hier ließ das grellweiße Licht aus den Verkaufsständen erkennen, dass die beiden keine Europäer waren. Nicht die Sonne hatte sie gebräunt, sondern in ihrer Heimat verlieh die Natur dem Menschen dieses Aussehen. Doch nur ein aufmerksamer Beobachter hätte das festgestellt. Ihre Haut war fast so hell wie die eines Europäers. Hieraus ging hervor, dass es hochgestellte Persönlichkeiten ihres Landes sein mussten, wo die Hauttönung dunkler wurde, je geringer die Kaste war, der der Mann angehörte.

Ihr Haar war von seidigem, fast glänzendem Schwarz. Die dunklen Augen wirkten trotz aller Verträumtheit klug und weltoffen, fein geschnitten und aristokratisch war das Gesicht. Der wohlgeformte Mund ließ vermuten, dass er Liebesworte flüstern konnte, aber ebenso gut harte Befehle zu formen vermochte. Der Gang beider war aufrecht und elastisch.

„Von welchem Bahnsteig fahren wir, Tonk?“, fragte der größere Herr.

„Ich werde mich unverzüglich danach erkundigen, Königliche Hoheit.“

Der so Angeredete verzog die Mundwinkel.

„Lassen Sie das. Es braucht nur jemand zu hören …“

„Jawohl, Königliche Hoheit, pardon, Herr … Sihori“, verbesserte sich der Sekretär des Prinzen von Radschpatuna.

Er wusste, dass dies keine Zurechtweisung bedeutete. Zu einer solchen hätte der Prinz sich nie hinreißen lassen, denn Mawar Tonk galt ihm mehr als ein Sekretär.

Ihr Verhältnis war freundschaftlich, zumal es im Leben des Prinzen nichts gab, was Tonk nicht wusste. Aber all diese Episoden, gleichgültig, ob es sich um die Belange des Landes oder um harmlose Abenteuer und Flirts handelte, die der Prinz auf seinen häufigen Weltreisen erlebte, waren im Herzen des Sekretärs wohlbehütet und drangen nicht an die Öffentlichkeit.

Mawar Tonk nahm diese Vorzugsstellung bei seinem hohen Freund seit einem Jahrzehnt ein. König Schahpur hatte die Wahl seines Sohnes begrüßt, weil Mawar es meisterlich verstand, diesen zu lenken und im Sinne des Vaters zu beeinflussen.

Prinz Sihori besaß nicht nur die verfeinerte, blumenreiche Sprache und Denkungsart des Orients, sondern verfügte auch über die kühle, geschäftliche Art der Engländer, die er sich als Oxfordstudent angeeignet hatte.

Darin lag, wie die Praxis ergeben hatte, der Kern zu den gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Vater und Sohn, wenn der eine am Althergebrachten festhielt, während der andere Neuerungen durchsetzen wollte, die ihn bei einer Reise nach Europa begeistert hatten.

Allein der große Stolz seiner Abstammung, die sich nicht zuletzt in seinem sicheren, würdevollen Auftreten kundtat, ließ König Schahpur, einen Nachkommen der uralten Kschatria-Kriegerkaste, nie nachgeben. Darum begrüßte er es, in Tonk einen Gleichdenkenden gefunden zu haben.

Gleichmütig lochte man an der Sperre die Fahrkarten der beiden Reisenden und beobachtete nicht, dass der Prinz missmutig verharrte, als er das Gedränge auf dem Bahnsteig wahrnahm. Unwillig wandte er sich an seinen Sekretär.

„Also haben Sie doch nicht reinen Mund gehalten.“

„Ich begreife das nicht“, sagte Tonk.

„Und wie erklären Sie sich die Anwesenheit dieser Leute? Wahrscheinlich haben Sie im Hotel eine unbedachte Äußerung über unser Ziel fallen lassen. Ein gewitzter Reporter hat sie aufgeschnappt und sofort nach hier durchgegeben.“

„Auf mein Wort, Herr Sihori, Sie irren. Ich habe zu keinem über unsere Reisepläne gesprochen. Wer weiß, welcher illustre Fahrgast außer Ihnen in den Zug steigt.“

Sihori blickte den Freund prüfend an.

„Wir werden sehen.“

Als sie auf den Bahnsteig einbogen, gewahrten sie die Bildreporter. Aber sie kamen unerkannt und unbehelligt in den Schlafwagen, wo der Schaffner sich ihre Karten zeigen ließ und ihnen die reservierten Abteile zuwies.

Nachdem Tonk den Handkoffer des Prinzen abgestellt und den zweiten in sein Schlafabteil gebracht hatte, trat er zu Sihori, der das Fenster herabließ und auf den Bahnsteig sah.

Das entsprach nicht seiner Art. Mawar Tonk lächelte kaum merklich, als er sich klar machte, dass selbst Königssöhne wissbegierig sein konnten.

Respektvoll, doch keineswegs unterwürfig, lehnte Tonk sich ebenfalls zum Fenster hinaus.

„Die Anwesenheit der Presseleute gibt mir recht“, meinte der Prinz. „Man erwartet zweifellos eine Prominenz.“

Tonk nickte.

„Sie können sich ja mal beim Zugschaffner erkundigen“, fuhr Sihori fort. „Es ist nie verkehrt, wenn man weiß, mit wem man reist.“

Mawar verließ das Abteil. Als er zurückkehrte, winkte der Prinz ihn zu sich.

„Da, sehen Sie.“

Tonk schaute hinaus und gewahrte ein bemerkenswertes Paar, das sich dem Schlafwagen näherte.

Der große grauhaarige Herr trug einen Kamelhaarmantel mit breit aufgesetzten Taschen, und ein bunter Seidenschal schützte seinen Hals. Seine Bewegungen waren gemessen, aber lässig. Am auffälligsten waren seine Augen, in deren hellem Blau sich alle Weisheit der Welt zu spiegeln schien.

Seine um einen Kopf kleinere Begleiterin trug ein gelb-braunes Reisekomplet, Glacéhandschuhe, eine mit dem Kostüm farblich abgestimmte Tasche, Krokodillederschuhe und einen Hut aus weichem Sommerfilz. Ihr Gesicht wies unverkennbare Ähnlichkeit auf mit dem des Mannes, nur dass alles, was bei jenem herb war, bei ihr in fraulicher Weise abgemildert wurde.

Obzwar sie auf jegliches Make-up verzichtet hatte, zeigten ihre Wangen die samtene Farbe des Pfirsichs, ihre Lippen das Rot der reifenden Kirsche, die feinen Wimpern und Brauen den Schimmer dunklen Mahagonis. Ihre großen, klaren Augen von der Bläue und Tiefe eines Bergsees waren so wundersam und rein, dass man von ihnen angezogen wurde wie der müde Wanderer von einem erfrischenden Quell.

In schwerer Wellenpracht flutete ihr Haar auf die feingliedrigen Schultern und hatte die Farbe der golden im Osten aufsteigenden Sonne.

Wie das Rauschen der Meeresbrandung lief ein „Ah“ der Bewunderung durch die Wartenden. Selbst die Frauen konnten sich dem Zauber des Mädchens nicht verschließen und bewunderten neidlos dessen vollendete Schönheit.

Hier und da überreichte man dem Paar Blumen. Bald hatte die königliche Frau in ihren Armen so viel duftende Blüten, dass sie diese kaum halten konnte.

Auch ihr Begleiter war von der Begeisterung der auf ihn harrenden Menge nicht verschont geblieben und erfüllte lächelnd die Bitten um ein Autogramm, das er auf Bildkarten oder Notizbuchseiten schrieb.

Inzwischen zuckten die Blitzlichter der Bildjournalisten auf.

Wie hingezaubert waren ihre Kollegen aus den Lokalredaktionen erschienen, um schnell ein paar Fragen zu stellen. Allein der Herr, dem ihr Interesse galt, antwortete ganz allgemein und entschuldigte sich mit der knappen Zeit, die es ihm gerade noch erlaubte, den Schlafwagen zu besteigen, bevor der Schaffner die Tür zuwarf und die Stimme im Lautsprecher die Abfahrt des Zuges verhieß.

Wie auf Kommando stürmte die Menge zu dem Fenster, hinter dem gleich darauf der Herr und die Dame auftauchten.

Winkende Hände und lachende Gesichter baten, es herabzukurbeln.

Der Mann im Abteil erfüllte den Wunsch.

„Wer ist das, Tonk?“, erkundigte sich der Prinz.

„Ramon, der Welt größter Clown.“

„Aha. Und die Dame?“

„Eine Künstlerin, die sich ‚Prinzessin Swatjé’ nennt. Laut Auskunft des Zugbegleiters haben sie separate Schlafabteile.“

„Verheiratet?“

„Das weiß ich nicht.“

„Bringen Sie es in Erfahrung“, sagte der Prinz versonnen. Irgendwie fühle er sich durch den Clown an seinen Vater erinnert, obwohl beide äußerlich nichts gemein hatten. Nur das Hoheitsvolle ihrer Erscheinung, die verbindliche Unnahbarkeit der Gesten und die majestätische Art war beiden gegeben. Dabei saß der eine auf einem Herrscherthron, während der andere nur ein Künstler war, der um die Gunst des Publikums buhlen musste.

Überrascht sah Tonk auf, als der Prinz ein wenig zu hart das Fenster nach oben zog.

„Fragen Sie nicht nach der Frau“, befahl Sihori.

„Wie Sie wünschen.“ Mit Recht vermutete Mawar Tonk, dass der Prinz verstimmt war und die Erkundigung aus diesem Grunde unterbleiben sollte. Das schloss natürlich nicht aus, dass Sihoris Interesse am nächsten Morgen neu erwachte. Darum verließ der Sekretär das Abteil mit der Begründung, nach dem Gepäck fragen zu wollen.

Für Tonk war Ramon ein Begriff. Er las viel Zeitung, um den Prinzen täglich über die Weltpolitik zu informieren. Da er außerdem eine Vorliebe für Kunst hatte, verfolgte er aufmerksam die Karriere jener, die durch Leinwand und Bühne bekannt geworden waren. Somit wusste er nicht allein über Charlie Rivel und Grock Bescheid, sondern auch über Ramon, diesen einmaligen Interpreten des Lachens, der in aller Welt geschätzt wurde.

Auf der Suche nach dem Schaffner näherte er sich der Tür in dem Augenblick, als der Zug anfuhr.

Im gleichen Moment wurde die Tür aufgerissen, und eine schwarzhaarige Dame sprang herein. Dabei hatte sie solchen Schwung, dass sie Tonk beinahe zur Seite stieß und unweigerlich gestürzt wäre, hätte der sie nicht aufgefangen. Allerdings konnte er nicht verhindern, dass ihr einige Handkoffer und Taschen entglitten und die beiden Zwergpudel, die sie unter dem Arm gehalten hatte, unsanft zur Erde purzelten, wo sie ein wütendes Gekläff begannen.

Eine Flut von Entschuldigungen hervorbringend, bückte sich die Dame, um ihre Gepäckstücke aufzuheben.

Tonk war ihr behilflich, nachdem er die hin und her schwingende Tür ins Schloss gezogen hatte.

In reinstem Pariser Französisch bedankte sie sich für seine Liebenswürdigkeit und lockte die Hunde hinter sich her, die lebendigen Wattebäuschen ähnelten.

Als sie die Abteiltür aufzog, in der vor ihr der Clown und seine Begleiterin verschwunden waren, vernahm Tonk eine jener sonderbaren, getragenen Melodien, wie sie für Deutschland typisch sind. Er sah nicht, dass Clown Ramon am offenen Fenster lehnte und auf einer Okarina spielte.

Auf dem Bahnsteig war es still geworden. Ungeachtet des anrollenden Zuges blickten die Menschen wie verzaubert auf den Clown.

Während seine Finger auf der kurzen Schnabelflöte die Melodie formten, verwandelte sich der Bahnsteig vor seinem geistigen Auge in das in purpurne Dämmerung gehüllte Rund eines Zirkus. Er glaubte sich übergossen von einem Scheinwerfer, der seine Gestalt aus der Dunkelheit hervorhob.

Ringsumher aber war das andächtige Schweigen der Zuschauer, die feierliche Stille während der Höhepunkte seiner Auftritte.

Glasklar und doch weich drang die Melodie in die Nacht: Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb …

Das Lied seiner Nummer, das seinen Namen über Kontinente getragen hatte.

Und der Zug glitt aus der Halle, während das Lied im immer schneller werdenden Rhythmus der Räder verklang.

♥♥♥

Während beidseitig des Schienenstranges die Lichter des Stadtteils Harburg in der Nacht versanken, hatten die Reisenden der Schlafwagenabteile ihre Ruhe gefunden. Nur der Schaffner saß in seiner kleinen Kabine und dachte an seine Familie, die er so selten sah.

Ramons Abteil war von dem seiner Tochter durch eine Verbindungstür erreichbar. Swatjé hatte sie nicht geschlossen, und so sah der Vater, dass sie sich für die Nacht vorbereitete.

Sie hatte einen Pyjama aus dem Koffer genommen, sich in einen grünen Morgenrock gehüllt und reinigte nun sorgfältig ihre Gesicht mit einer Reinigungscreme.

Ramon hatte sich einen seidenen Morgenrock übergezogen und sich auf der Bettkante gesetzt.

„Und du meinst, dass du es lange bei mir aushältst, Kind?“, fragte er seine Tochter.

Swatjés Lachen klang glockenhell.

„Bis du der Bühne und dem Zirkus einmal Adieu sagst, Papuschka. Und das wird, hoffe ich, auf sich warten lassen, aber selbst dann bist du mich noch nicht los.“

Der große Clown, der die ganze Welt gesehen hatte und die Menschen so genau kannte, lauschte dem Sang der Räder und dem Heulen des Fahrtwindes. Wie oft hatte er schon in Zügen gesessen, um einem Ziel, einem neuen Engagement entgegenzufahren.

Mitunter sind es kurze, manchmal auch sehr lange Strecken, die die Artisten zurückzulegen haben. Doch immer fahren sie nachts, gleich nach Beendigung ihrer Nummer, denn am nächsten Tage sollen sie in der neuen Gastspielstadt wieder ihre Kunst beweisen.

„Und“, setzte Ramon die Unterhaltung fort, „wenn einmal ein Freiersmann erscheint, um deine Hand zu erbitten?“

„Das hat, meine ich, noch viel Zeit.“

Der Clown dachte an jene Jahre, die jetzt wie ein fast vergessenes Traumbild anmuteten. Das Bild der Frau aber war ihm immer gegenwärtig, die bei Swatjés Geburt ihr Leben gelassen hatte.

„Mitunter kommt das Glück des Herzens früher, als du denkst“, sagte er leise.

„Vielleicht im Roman, Papuschka“, entgegnete Swatjé. „Im wirklichen Leben spielt sich alles weitaus weniger romantisch ab.“

Ramon nickte. Auch ihm hatte das Schicksal mitgespielt, doch er hatte sich behauptet und durchgesetzt. Wenn er heute eine Parallele zog zu seinem damaligen und dem jetzigen Leben, musste er sich eingestehen, dass er in diesem Beruf sehr viel glücklicher und reicher geworden war, weil er den Menschen das befreiende Lachen schenkte.

„Du bist stark genug, diesen Daseinsstürmen zu trotzen, mein Kind. Hast du es nicht wiederholt bewiesen?“

„Als deine Tochter fiel es mir nie sonderlich schwer.“

„Weil du meinen Namen trägst?“

„Nein, weil ich von deinem Blute bin, weil nichts uns jemals unterkriegen kann, weil wir weder zurückschrecken noch weichen.“

Seine Augen wurden ernst, als er sich jene Abendstunde vergegenwärtigte, in welcher Männer in Uniformen erschienen waren, um ihm jene Order auszuhändigen, die besagte, dass er sein Land unverzüglich verlassen musste.

Zwei Stunden waren ihm damals verblieben, das Notwendigste einzupacken. Damit war er dann in die Kutsche gestiegen und zum Bahnhof gefahren, während roter Feuerschein aufloderte, wo er seine Kindheit verbracht und ein Volk glücklich gemacht hatte.

Auf dem Bock neben dem Kutscher hatte ein Soldat gesessen, das Gewehr mit dem aufgepflanzten Bajonett zwischen den Knien. Er hatte geringschätzig gelächelt, als der greise Kutscher seinem Herrn zum Abschied die Hand geküsst und ihn Gottes Gnade empfohlen hatte.

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