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Im Bann der Sinne

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Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

1. KAPITEL

Wenn du es wagst, auch nur einen Fuß auf den Boden von Zulheil zu setzen, sei bereit, dein Leben dort zu verbringen, denn ich werde dich nie mehr fortlassen.”

Diese Worte spukten Jasmine im Kopf herum, als sie mit weichen Knien um eine Gruppe von Reisenden herum auf die automatischen Glastüren zuging, die aus dem Gebäude hinaus und in Tariqs Land führten.

“Madam.” Eine dunkle Hand legte sich auf den Griff ihres Kofferkulis.

Überrascht blickte sie auf. Der Mann, der sie anlächelte, schien zum Flughafenpersonal zu gehören. “Ja?” Es war eine Mischung aus Furcht und Hoffnung, die ihr Herz wild pochen ließ.

“Sie gehen in die falsche Richtung. Taxis und Mietwagen befinden sich auf der anderen Seite.”

“Oh.” Jasmine kam sich ziemlich dumm vor. Natürlich würde Tariq seine Drohung nicht im buchstäblichen Sinne wahr machen. Damals, als er sie davor gewarnt hatte, jemals sein Land zu betreten, da war sein Zorn so groß gewesen, dass er ihr Angst gemacht hatte. Aber nun war Tariq ein anderer geworden. Sie hatte ihn mehrmals im Fernsehen gesehen, weil er zwischen verfeindeten arabischen Staaten vermittelt hatte. Jetzt war ihr Tariq ein sehr beherrschter Mann, eine Autorität. Er war Tariq al-Huzzein Donovan Zamanat, der Scheich von Zulheil, der Führer seines Volkes.

“Danke”, sagte sie. Der hellblaue Stoff ihres knöchellangen Gewandes raschelte, als sie weiterging.

“Bitte sehr. Ich werde Sie begleiten.”

“Das ist sehr nett. Aber was ist mit den anderen Reisenden?”

“Aber, Madam, Sie waren die einzige Ausländerin in dem Flugzeug.”

“Das war mir gar nicht aufgefallen.”

“Die Grenzen von Zulheil waren eine Zeit lang für Besucher geschlossen.”

“Aber ich bin doch auch eine Besucherin.” Sie blieb stehen und fragte sich, ob es wohl zu viel war, zu hoffen, dass Tariq sie tatsächlich kidnappen würde. Keine Frau, die auch nur einen Funken Verstand hatte, würde sich wünschen, von einem Wüstenscheich entführt zu werden, der sie verachtete. Aber für Jasmine hatte diese Logik keine Bedeutung.

Ihr Führer zögerte. Jasmine glaubte einen Hauch von Verlegenheitsröte unter seinem goldbraunen Teint zu bemerken. “Erst letzte Woche wurden die Grenzen erstmals wieder geöffnet.”

Er bedeutete ihr weiterzugehen, und sie setzte ihren Gepäckwagen wieder in Bewegung. “War es wegen der Staatstrauer?”, fragte sie ruhig.

“Ja. Der Verlust unseres geliebten Scheichs und seiner Frau war ein schwerer Schlag für unser Volk.” Sein Blick verdüsterte sich. “Aber wir haben einen würdigen Nachfolger in ihrem Sohn, Scheich Tariq.”

Jasmine blieb fast das Herz stehen, als Tariqs Name ausgesprochen wurde. Dennoch musste sie die Kraft aufbringen, eine äußerst wichtige Frage zu stellen: “Und er regiert allein, der neue Scheich?”

Wenn der Mann ihr jetzt sagen würde, dass Tariq sich in der Phase der totalen Medienblockade unmittelbar nach dem Tod seiner Eltern eine Frau genommen hatte, dann würde sie auf dem Absatz kehrtmachen und mit der nächsten Maschine zurückfliegen. Angespannt bemühte sie sich, ruhig zu atmen.

Ihr Begleiter warf ihr einen abschätzenden Blick zu und nickte kurz. Sie verließen das Gebäude, und die heiße Wüstenluft traf Jasmine wie ein scharfer Hieb ins Gesicht, doch sie ließ sich nichts anmerken.

Am Straßenrand parkte eine schwarze Limousine. Jasmine wollte an ihr vorbeigehen, ihr Begleiter hielt sie jedoch auf.

“Das ist Ihr Taxi.”

“Aber das ist doch eindeutig kein Taxi.”

“Zulheil ist ein reiches Land, Madam. So sehen bei uns die Taxis aus.”

Jasmine fragte sich, ob er ernsthaft erwartete, dass sie ihm glaubte. Sie biss sich auf die Lippen, um nicht hysterisch loszukichern und sah zu, wie ihr Gepäck im Kofferraum verstaut wurde. Mit pochendem Herzen wartete sie darauf, dass ihr Begleiter ihr die hintere Wagentür öffnete.

“Madam?”

“Ja?”

“Sie haben gefragt, ob unser Scheich allein regiert. Ja, das tut er. Es heißt, sein Herz sei gebrochen.” Seine Stimme war nur noch ein Flüstern.

Bevor Jasmine etwas erwidern konnte, öffnete er die Wagentür. Ihre Gedanken überschlugen sich, als sie in den luxuriösen, klimatisierten Wagen einstieg.

Die Tür schloss sich hinter ihr.

“Du hast es tatsächlich getan”, flüsterte sie und starrte den Mann an, der ihr gegenübersaß.

Tariq beugte sich vor. Im Halbdunkel wirkten seine Gesichtszüge wie gemeißelt. Nichts an diesem Fremden erinnerte an die Feinfühligkeit des jungen Mannes, den sie damals gekannt hatte.

“Hast du daran gezweifelt, meine Jasmine?”

Der Klang seiner Stimme ließ sie erschauern. Sie war tief und sexy, schön und gefährlich. Vertraut und doch anders. “Nein.”

Tariq hob die Brauen. “Und doch bist du hier?”

Mit zitternden Lippen holte Jasmine Luft. Der Blick aus seinen dunklen Augen ruhte auf ihr wie der eines Raubtiers kurz vor dem tödlichen Angriff.

“Ja, ich bin hier.”

In dem Moment setzte sich der Wagen in Bewegung. Jasmine schaffte es gerade noch, sich an der Kante der Sitzbank festzuhalten, doch Tariq legte die Arme um sie und hob sie auf seinen Schoß.

Sie hielt sich an seinen breiten Schultern fest. Der Stoff seines weißen Gewandes verzog sich unter ihren Fingern. Sie wehrte sich nicht. Auch nicht, als er ihr Kinn umfasste und ihren Kopf so drehte, dass sie ihn ansehen musste. Seine grünen Augen schienen Funken zu sprühen – Funken des Zorns.

“Warum bist du hier?” Der Griff seiner Arme wurde noch fester, als der Wagen über eine Unebenheit holperte. Tariq war so viel größer als sie, so viel stärker. Jasmine fühlte sich ihm völlig ausgeliefert.

“Weil du mich brauchst.”

Sein Lachen war wie das Echo eines schmerzlichen Aufstöhnens. Es tat ihr weh. “Oder weil du beschlossen hast, noch eine kleine Liaison mit einem exotischen Wilden zu haben, bevor du den Mann heiratest, den deine Familie für dich ausgesucht hat?” Mit einem Fluch schob er sie zurück auf ihren Sitz.

Jasmine hob trotzig ihr Kinn. “Ich habe keine Liaisons.” Sein Misstrauen war offensichtlich, aber das war kein Grund für sie zu verzagen.

“Nein”, sagte er kalt. “Wenn, dann wäre es eine leidenschaftliche Liebe, wenn auch nicht unbedingt von deiner Seite.”

Jasmines ohnehin labiles Selbstvertrauen erlitt einen herben Schlag. Ihr Leben lang hatte sie darum gekämpft, geliebt und akzeptiert zu werden. Doch nun schien selbst Tariq, der einzige Mann, der sie jemals so behandelt hatte, als ob sie der Liebe wert wäre, seine Meinung geändert zu haben.

“Du kannst einen Mann wie Tariq nicht halten. Er wird dich vergessen, sobald eine glamouröse Prinzessin auftaucht.”

Plötzlich hallten Sarahs Worte in ihrem Gedächtnis wider. Diese Warnung ihrer älteren Schwester, die so viel besser Bescheid wusste über Männer, hatte ihr damals vor vier Jahren den letzten vernichtenden Schlag versetzt. Was, wenn es nicht nur Gehässigkeit gewesen war? Was, wenn Sarah recht hatte?

Als Jasmine den schicksalhaften Entschluss gefasst hatte, Tariq aufzusuchen, war sie sich keineswegs sicher gewesen, dass sie tatsächlich wieder Zugang zu dem Mann finden würde, den sie einst gekannt hatte. Wie aber sollte sie nun Zugang zu dem Mann finden, zu dem er geworden war? Voller Zweifel wandte sie sich ab und sah aus dem Fenster. Nichts als endlose Wüste erstreckte sich hinter den getönten Scheiben.

Starke Finger umfassten ihr Kinn und zwangen sie, sich dem Mann, der angespannt wie ein Panter vor dem Sprung ihr gegenübersaß, erneut zuzuwenden. Seine grünen Augen übten einen geradezu hypnotischen Zwang aus. “Ich werde dich hierbehalten, meine Jasmine.” Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.

“Und wenn ich nicht möchte, dass …” Sie hielt inne, auf der Suche nach den richtigen Worten.

“… ich dich wie eine Sklavin halte?”, beendete er den Satz für sie.

Jasmine schluckte. Einerseits hatte sie tatsächlich Angst vor der mühsam beherrschten Wut, die aus Tariqs Blick sprach. Andererseits war sie schon viel zu weit gegangen, um sich jetzt von Furcht überwältigen zu lassen. “Wie eine Sklavin?”, wiederholte sie heiser. Ihre Lippen waren trocken geworden, doch aus Angst vor Tariqs möglicher Reaktion darauf, wagte sie nicht sie zu befeuchten.

Tariq zog seine Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. “Du hältst mich also für einen Barbaren?”

“Ich finde, du tust wirklich alles, um diesen Eindruck zu erwecken”, gab sie zurück.

Seine Mundwinkel zuckten. “Ah, ich hätte es wissen müssen.”

“Was?” Jasmine fasste nach seinem Handgelenk und versuchte ihr Kinn aus seinem Griff zu lösen. Vergebens.

“Dass nicht nur dein Haar feurig ist”, erwiderte er. “Deine Lippen sind trocken. Befeuchte sie.”

Jasmine sah ihn trotzig an. “Und wenn nicht?”

“Dann werde ich es für dich tun.”

Bei dieser überaus erotischen Vorstellung färbten sich ihre Wangen verräterisch rot. Tariqs durchdringender Blick gab Jasmine das Gefühl, ein leckerer Happen zu sein, den er am liebsten sofort verschlingen würde. Sie wagte kaum zu atmen, als sie ihre Zungenspitze über ihre Lippen gleiten ließ.

“So ist es besser.” Plötzlich klang Tariqs Stimme viel tiefer und wärmer. Sachte strich er mit dem Daumen über ihre feuchte Unterlippe. Als er sie plötzlich losließ, verlor Jasmine fast das Gleichgewicht und bewegte sich ihm ungewollt entgegen. Sie wurde rot vor Verlegenheit und rutschte auf der Sitzbank so weit wie möglich von ihm weg.

“Wohin bringst du mich?”

“Nach Zulheina.”

“Die Hauptstadt?”

“Ja.”

“Wohin in Zulheina?” Sie war nicht bereit, sich mit seinen einsilbigen Antworten zufriedenzugeben.

“In meinen Palast.” Er stellte einen Fuß direkt neben sie auf den Sitz, sodass sie zwischen ihm und der Wagentür eingesperrt war. “Erzähl, meine Jasmine, was hast du in den vergangenen vier Jahren gemacht?”

Es war offensichtlich, dass er nicht bereit war, ihr nähere Auskünfte zu geben. Jasmine hätte gerne darauf bestanden, doch sie befand sich auf unsicherem Boden. “Ich habe studiert.”

“Ah, ja, Betriebswirtschaft”, erwiderte er und erinnerte sie damit an jene Augenblicke, in denen sie sich an seiner Schulter ausgeweint hatte, weil sie dieses Studium hasste.

“Nein.” Ha, dachte sie. Jetzt soll er mal zappeln.

Plötzlich saß Tariq dicht neben ihr. Von “zappeln” konnte keine Rede sein. “Nein?”, sagte er. “Deine Familie hat dir also erlaubt, das Fach zu wechseln?”

“Es blieb ihnen nichts anderes übrig.”

Jasmine war dem Diktat ihrer Familie gefolgt und hatte sich von Tariq losgesagt. Das hatte sie fast umgebracht. Sogar ihre Eltern und Geschwister waren erschüttert gewesen, und niemand hatte auch nur ein Wort darüber verloren, als sie dann ihr Studienfach wechselte. Als sie später doch versuchten, sie umzustimmen, war sie innerlich zu hart geworden, um sich noch in ihre Angelegenheiten reinreden zu lassen. Nicht nur der Schmerz über den Verlust Tariqs hatte sie reifer werden lassen, sondern auch die Erkenntnis, wie unglaublich egoistisch die Menschen gehandelt hatten, denen sie immer am meisten vertraut hatte.

“Welches Fach hast du wohl gewählt, hm?” Tariq legte eine seiner großen starken Hände um ihren Nacken, eine unglaublich besitzergreifende Geste. Seine Wärme umfing sie wie eine heiße Wolke.

“Musst du so nah bei mir sitzen?”, platzte sie heraus.

Zum ersten Mal lächelte Tariq. Er bleckte dabei seine makellosen Zähne wie ein Raubtier, das sein Opfer dazu verlocken will, die Flucht zu versuchen. “Stör ich dich, Mina?”

Er hatte sie damals oft Mina genannt, wenn er sie dazu bringen wollte etwas zu tun, wie zum Beispiel, ihn zu küssen. Er hatte nie viele Überredungskünste gebraucht. Ein Blick hatte genügt. Schon sein heiseres Flüstern ihres Namens hatte genügt, um sie schwach werden zu lassen.

Als sie nicht antwortete, beugte er sich über sie und strich mit seinen Lippen über ihren Hals. Es war, als durchdränge seine Wärme ihren Körper. Er hatte sie immer gern berührt. Und sie hatte es geliebt, von ihm berührt zu werden, aber jetzt drohte seine Zärtlichkeit sie völlig aus der Fassung zu bringen.

“Tariq, bitte …”

“Was möchtest du, Mina?” Tariq strich mit seiner Daumenspitze von ihrem Kinn bis hinab zu ihrem Dekolleté.

Jasmine schluckte schwer. “Abstand.”

Er hob den Kopf. “Nein. Du hattest vier Jahre lang Abstand. Jetzt gehörst du mir.”

Die Intensität seines Blickes war fast beängstigend. Als Achtzehnjährige hatte sie seiner charismatischen Persönlichkeit wenig entgegenzusetzen gehabt. Obwohl Tariq nur fünf Jahre älter war als sie, hatte er schon damals die nötige Ausstrahlung gehabt, um von seinem Volk respektiert zu werden. Jetzt, vier Jahre später, war es offensichtlich, dass er noch mehr innere Stärke und Charisma entwickelt hatte. Sie war jedoch auch nicht mehr das behütete kleine Mädchen von damals, und sie würde lernen müssen, ihm gegenüber ihren Standpunkt zu vertreten, wenn sie eine Zukunft mit ihm haben wollte.

Ohne seinem Blick auszuweichen, hob sie ihre Hand und legte sie auf seine. Er gab sie frei. Spöttisch hob er eine Braue und sah sie fragend an. Jasmine nahm seine Hand, legte sie an ihre Wange und drückte einen Kuss auf die Innenfläche. Tariq atmete hörbar aus.

“Ich habe Modedesign studiert.” Wie warm sich seine Haut an ihren Lippen anfühlte. Sein männlicher Duft wirkte auf Jasmine wie ein Aphrodisiakum.

“Du hast dich verändert.”

“Zum Besseren.”

“Das wird sich zeigen.” Seine Augen wurden zu schmalen Schlitzen. “Wer hat dir das beigebracht?”

“Was?” Jasmine erschauerte, so dunkel und fordernd klang seine Stimme.

“Dieses Spiel mit meiner Hand und deinen Lippen.” Tariqs Gesicht wirkte wie in Stein gemeißelt.

“Das warst du.” Es stimmte. “Erinnerst du dich daran, wie wir die Höhlen von Waitomo besichtigt haben? Als das Kanu durch die Grotte glitt, hast du meine Hand genommen und mich genau so geküsst.” Sie beugte sich vor, und er ließ es zu, dass sie die zärtliche Geste wiederholte. Als sie ihn wieder ansah, wusste Jasmine, dass er sich erinnerte, doch seine Züge blieben hart. In seinen Augen, die zu glühen schienen, spiegelten sich Gefühle, die sie nicht einordnen konnte.

“Hat es andere gegeben?”

“Was?”

“Haben dich andere Männer berührt?”

“Nein. Nur du.”

Tariq legte einen Arm um ihre Schultern und hielt sie mit festem Griff. Jasmine fühlte sich gefangen und verwundbar. “Belüge mich nicht. Ich werde die Wahrheit herausfinden.”

Sie schlang die Arme um seinen Nacken. “Ich auch”, sagte sie ruhig und stellte fest, dass sein Haar sich weich und seidig anfühlte. Sie hätte es gern berührt, hielt sich jedoch zurück.

Wieder verhärteten sich Tariqs Züge. “Was meinst du?”

“Ich werde es merken, wenn andere Frauen dich berührt haben.”

Tariqs Augen weiteten sich. “Seit wann bist du so eigenwillig? Du warst früher immer fügsam.”

Jasmine wusste, dass er ihr noch verübelte, dass sie sich damals der Kontrolle ihrer Familie unterworfen und dabei sogar die Stimme ihres Herzens ignoriert hatte.

“Ich musste mir Krallen wachsen lassen, um zu überleben.”

“Ah, und ich soll mich wohl jetzt vor deinen niedlichen Krallen fürchten?”

Statt einer Antwort bohrte Jasmine ihre Fingernägel in seinen Nacken, ohne daran zu denken, dass Tariqs Instinkte und Verhaltensweisen sie schon immer an ein Raubtier, etwa einen gefährlichen Panter, erinnert hatten. Doch der Panter schien nichts dagegen zu haben. Sein Lächeln hatte etwas Gefährliches, doch es war sehr sexy.

“Ich möchte diese Krallen auf meinem Rücken spüren, Mina”, raunte er. “Wenn du erst einmal da bist, wo du hingehörst – unter mir, flach auf dem Rücken.”

“Da, wo ich hingehöre?” Jasmine versuchte sich loszureißen, doch er gab sie nicht frei. Sie stemmte sich gegen seine Brust. “Geh weg, du … Mann!”

“Nein, Mina.” Tariq legte eine Hand auf ihre Wange und drehte ihr Gesicht zu sich herum. “Ich werde dir nicht mehr gehorchen wie ein Hund seinem Herrn. Von diesem Tag an wirst du mir gehorchen.”

Er hielt sie fest, als er sie küsste. Aber das wäre nicht nötig gewesen. Jasmine hatte den schmerzlichen Ausdruck bemerkt, der kurz in seinem Blick aufgeflackert war. Sie war die Ursache dieses Schmerzes. Also war es wohl sein Recht, ein wenig Vergeltung zu fordern.

2. KAPITEL

Tariq konnte nicht anders, er musste Jasmine küssen, musste wenigstens auf diese Weise seinen Anspruch auf sie geltend machen. Er versuchte zärtlich zu sein, aber sein Verlangen war viel zu groß. Und dann spürte er, wie sie ihre kleinen, weichen Hände auf seinen Nacken drückte, als wollte sie ihn anspornen. Das schmerzliche Verlangen, das er all die Jahre unter Verschluss gehalten hatte, ließ sich nicht mehr unterdrücken. Er wollte Jasmine besitzen, sich an ihr berauschen.

Doch nicht jetzt.

Er wollte Zeit, um sie zu lieben, viel Zeit. Stunden, Tage. Doch er musste etwas tun, um die so lange unterdrückte Sehnsucht fürs Erste zu stillen. Fast zornig und voller Begierde presste er seine Lippen auf ihre. Kein anderer Mann durfte sie jemals berühren. Und er würde ihr niemals verzeihen, wenn sie einem anderen auch nur die kleinste Zärtlichkeit gestatten sollte.

Jasmine gehörte ihm.

Und diesmal würde er dafür sorgen, dass sie das nie mehr vergaß.

Er spürte, wie sie in seinen Armen erschauerte und verlor fast die Kontrolle. Genüsslich zeichnete er die Umrisse ihres Mundes mit seiner Zungespitze nach, bis Jasmine bereitwillig die Lippen teilte. Sie zu küssen war wie eine Droge, und er war viel zu lange enthaltsam gewesen. Wie hatte sie es wagen können, ihn zu verlassen?

“Kein anderer hat dich berührt.” Das beruhigte ihn ein wenig.

“Und keine andere hat dich berührt”, erwiderte Jasmine überrascht.

Er lächelte sein Raubtierlächeln. “Ich habe großen Hunger, Mina.”

Jasmine spürte, wie ihr Körper genau wie früher auf Tariqs exotische Sinnlichkeit reagierte. “Hunger?”

“Sehr großen Hunger.” Er streichelte ihren Hals.

“Ich brauche Zeit.” Jasmine war nicht darauf vorbereitet, ihn so verändert vorzufinden. Verändert, unergründlich, schön, imposant und zornig.

Tariq sah ihr tief in die Augen. “Nein. Ich bin nicht länger bereit, dir immer nachzugeben.”

Jasmine wusste nichts zu erwidern auf diese nüchterne Feststellung. Damals hatte es Tariq immer Spaß gemacht, sie zu verwöhnen. Niemals hatte sie gegen ihn kämpfen müssen. Er hatte ihre Unschuld respektiert, und wenn er sie berührt hatte, hatte Jasmine sich niemals benutzt gefühlt, sondern geliebt. Jetzt benahm Tariq sich nicht wie ein Liebhaber, sondern wie ein Eroberer. Erst jetzt wurde ihr klar, was sie tatsächlich verloren hatte.

Er rutschte ein Stück ab und gab sie frei, ließ jedoch einen Arm auf der Rückenlehne ihres Sitzes liegen. “Du studierst jetzt also Modedesign.”

“Ja.”

“Möchtest du eine berühmte Modeschöpferin werden?” Sein Ausdruck zeigte die typisch männliche Belustigung.

Jasmine straffte die Schultern. “Was ist daran so lustig?”

Er schmunzelte. “Kein Grund, deine Krallen auszufahren, Mina. Ich kann mir nur einfach nicht vorstellen, dass du solche lächerlichen Fetzen entwerfen willst, wie man sie auf den Laufstegen sieht. Deine Kleider würden doch wohl nicht durchsichtig sein und aller Welt preisgeben, was anzuschauen doch eigentlich nur einem bestimmten Manne zusteht?”

Sie wurde rot unter seinem Blick und fühlte sich lächerlich erleichtert, weil er nicht über sie geschmunzelt hatte.

“Antworte.”

“Ich möchte einfach feminine Mode kreieren.” Für sie hatte dieser Traum eine sehr reale Bedeutung, ganz gleich, was der Rest der Welt davon hielt, zumindest bis zu diesem Augenblick. “Die männlichen Modeschöpfer scheinen derzeit eine ziemlich makabre Vorstellung vom weiblichen Körper zu haben. Die Models sind alle flach wie Waschbretter, ohne einen Anflug von weiblichen Rundungen.”

“Ah.” Ein typisch männlicher Ausruf.

Jasmine blickte auf. “Ah, was?”

Tariq legte besitzergreifend eine Hand auf ihren Bauch. Ihr blieb fast der Atem stehen. “Du bist voller weiblicher Rundungen, Mina.”

“Ich habe nie behauptet, den Körper einer Nymphe zu haben.”

Im nächsten Moment spürte sie Tariqs heißen Atem an ihrem Ohr. “Du verstehst mich falsch. Ich finde deine Rundungen wundervoll. Sie werden mir ein perfektes Polster sein.”

Erst war sie verletzt, dann verlegen, dann erfüllt von schockierend heißem Verlangen. “Ich möchte schöne Mode für richtige Frauen machen.”

Tariq betrachtete sie mit nachdenklicher Miene. “Ich werde dir erlauben, dieser Tätigkeit weiter nachzugehen.”

“Erlauben? Du wirst mir erlauben zu arbeiten?”

“Du wirst schließlich eine Beschäftigung brauchen für die Zeiten, in denen ich nicht da bin.”

Jasmine gab einen entnervten Laut von sich und rutschte ein Stück weiter von ihm ab, sodass sie mit dem Rücken zur Tür saß und erbost zu ihm aufblicken konnte. “Du hast kein Recht, mir irgendetwas zu erlauben!” Sie stach ihm mit dem Zeigefinger in die Brust.

Tariq packte ihre Hand. “Im Gegenteil. Ich habe jedes Recht.”

Jasmine stockte der Atem angesichts der plötzlichen Kälte in seiner Stimme.

“Du bist jetzt mein Besitz. Du gehörst mir. Das bedeutet, ich habe das Recht, mit dir zu tun, was mir beliebt.” Diesmal war kein Funken von Humor in seinem Blick zu erkennen. Dieser Tariq hatte nicht die leiseste Ähnlichkeit mit dem Mann, den Jasmine einst gekannt hatte. “Du provozierst mich besser nicht. Ich habe nicht die Absicht, grausam zu dir zu sein, aber ich werde mich auch kein zweites Mal zum Narren machen und mich von deinem Charme einwickeln lassen.”

Als er sie endlich freigab und sich auf die entgegengesetzte Seite des Wagens setzte, starrte Jasmine aus dem Fenster und bemühte sich, sich auf die kläglichen Überreste ihres Selbstverstrauens zu besinnen. Hatte sie das angerichtet? Hatte sie mit ihrer Feigheit all das Schöne, das einmal zwischen ihnen war, völlig zerstört? Am liebsten hätte sie geweint, doch eine unbekannte Kraft in ihr – die gleiche Kraft, die sie dazu bewogen hatte, zu ihm zu fliegen, als sie vom Tod seiner Eltern gehörte hatte – weigerte sich, so schnell aufzugeben.

Ohne dass sie es wollte, kehrten die Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit zurück. Früher hatte er sie beschützend in die Arme genommen, wenn sie wieder einmal vor der Enge ihres Zuhauses geflohen war.

“Komm nach Hause mit mir, meine Jasmine. Komm mit nach Zulheil.” So hatte er sie oft beschworen.

“Ich kann nicht! Meine Eltern …”

“Sie wollen dich festhalten, Mina. Ich würde dich befreien.”

Welch bittere Ironie, dass der Mann, der ihr einst Freiheit versprochen hatte, sie jetzt offenbar einsperren wollte.

“Ich war erst achtzehn!”, rief Jasmine abrupt.

“Jetzt bist du keine achtzehn mehr.” Er klang gefährlich.

“Kannst du nicht verstehen, was das damals für mich bedeutet hat?”, rief sie flehend. “Es waren schließlich meine Eltern, und dich kannte ich erst sechs Monate.”

“Warum hast du mich dann – wie nennt ihr das?” Er hielt inne. “Ja … warum hast mich dann so zum Narren gehalten? Hat es dich amüsiert, einen echten Araber um den kleinen Finger wickeln zu können?”

So war das nicht gewesen. Damals, mit achtzehn, war ihr Selbstvertrauen kaum entwickelt gewesen. Er jedoch hatte ihr das Gefühl gegeben, von Bedeutung zu sein. “Nein! Ich habe nicht …”

“Genug.” Tariqs schneidende Stimme brachte Jasmine zum Schweigen. “Jedenfalls, als deine Familie dich aufgefordert hat, eine Entscheidung zu treffen, hast du dich nicht für mich entschieden. Und du hast mir nicht einmal etwas davon gesagt, sonst hätte ich für unsere Sache kämpfen können. Es gibt nichts weiter dazu zu sagen.”

Jasmine schwieg. Ja, es stimmte. Wie sollte sie einem Mann wie ihm verständlich machen, wie das damals für sie war? Tariq war von Kindheit an zum Herrscher erzogen worden und hatte nie erfahren, wie es war, erniedrigt und klein gemacht zu werden, bis man kaum noch wusste, wer man war. Unwillkürlich zog sie die Schultern ein, als sie an jenen Tag dachte, der ihr Leben für immer verändert hatte. Ihr Vater hatte ihr verboten, sich mit Tariq zu treffen. Sie hatte ihn angefleht, doch er hatte sie vor die Wahl gestellt: entweder der Araber oder die Familie.

Er hatte Tariq immer als “den Araber” bezeichnet. Nicht aus rassistischen Gefühlen, nein, viel schlimmer.

Anfangs hatte Jasmine geglaubt, ihre Familie erhoffe sich eine Verbindung für sie mit einer der anderen Familien des Landadels. Erst später hatte sie die ganze hässliche Wahrheit erfahren.

Die schöne Sarah hatte sich gewünscht, Prinzessin zu werden. Und alle hatten geglaubt, dass es passieren würde. Wenn es nach ihrer Familie gegangen wäre, dann hätte Tariq um Sarah werben sollen. Allerdings hatte er vom ersten Moment an nur Augen für Jasmine gehabt, die Tochter, die gar keine Tochter war; die Tochter, für die man sich schämen musste.

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