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Die Tote von Dresden

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Zitat
  7. 1 – 18. Mai
  8. 10:45
  9. 2 – 9. Mai
    1. 5:30
    2. 13:00
    3. 14:25
    4. 15:30
    5. 19:30
  10. 3 – 10. Mai
    1. 7:30
    2. 16:30
    3. 20:00
    4. 23:30
  11. 4 – Jennie
    1. 14. Mai 1995
    2. 14. Mai 1995
    3. 18. Juni 1995
    4. 13. August 1995
  12. 5 – 11. Mai
    1. 01:45
    2. 8:45
    3. 9:30
    4. 9:50
    5. 10:25
  13. 6 – Lukas Biermann
    1. 5. Januar 1991
    2. 4. April 1991
    3. 8. April 1991
    4. 6. Juni 1995
  14. 7 – 12. Mai
    1. 6:30
    2. 8:45
    3. 10:30
    4. 11:15
    5. 11:45
    6. 12:30
    7. 13:00
    8. 17:00
    9. 20:30
  15. 8 – Jennie
    1. 14. Dezember 2006
    2. 15. Dezember 2006
    3. 15. März 2007
    4. 19. April 2007
  16. 9 – Sascha
    1. 14. Dezember 2006
    2. 14. Dezember 2006
    3. 5. März 2007
    4. 21. Juni 2007
  17. 10 – 13. Mai
    1. 14:00
    2. 14:45
    3. 16:00
    4. 16:30
    5. 17:00
    6. 17:05
    7. 17:15
    8. 18:00
    9. 19:45
    10. 23:00
  18. 11 – 14. Mai
    1. 00:15
    2. 0:50
    3. 1:30
    4. 1:50
    5. 9:45
    6. 10:15
    7. 10:45
    8. 12:30
  19. Nachwort

Über dieses Buch

Die Kommissare Frank Haberking und Anna-Maria Slakow haben nur eines gemeinsam: nichts zu verlieren. Sie wurden strafversetzt und sollen die zehn Jahre zurückliegende Entführung der Dresdner Familienrichterin Jennie Flagant aufklären. Ein Fall, an dem bisher alle Ermittler gescheitert sind. Jennie Flagant wurde damals in die Zwangsprostitution verschleppt. Da sie wenige Tage nach ihrer Befreiung durch die Polizei Selbstmord beging, blieben viele Fragen offen. Wer hat sie durch diese Hölle gehen lassen – und vor allem: Warum? Auf der Suche nach Antworten geraten Slakow und Haberking in einen Fall mit ungeahnten politischen Dimensionen, der sie in höchste Gefahr bringt …

Über den Autor

Julius Kron lebt im Rheinland und schreibt überall in der Welt. Mit Dresden verbindet ihn neben der Schönheit des wiederauferstanden Elbflorenz vor allem die Mentalität der Einwohner. Wie die Rheinländer plaudern sie gerne, sind hilfsbereit, freundlich und pflegen eine Streitkultur, in der auch Platz ist für feurige Auseinandersetzungen. Darüber hinaus bietet Dresden alles, was ein Krimiautor braucht: Menschen mit all ihren Leidenschaften und Abgründen, im Spannungsfeld der deutschen Geschichte und Gegenwart.

J  U  L  I  U  S

KRON

DIE TOTE
VON
DRESDEN

Slakow und Haberking ermitteln

Besser, man riskiert, einen Schuldigen zu retten,
als einen Unschuldigen zu verurteilen.

Voltair

1    18. Mai

10:45

Haberking hing über der Kloschüssel und würgte grüne Galle. Er hatte Scheiße gebaut und einen Mörder laufen lassen. Das Schlimmste, was einem Bullen passieren konnte.

Das Frühstück war bereits raus, aber der Brechreiz hielt an.

Und was für Scheiße er gebaut hatte. Genug für zwei Leben.

Am liebsten hätte er sich hier versteckt, hätte vorgegeben, krank zu sein, ein Magengeschwür zu haben, das gerade aufgebrochen war. Aber Flucht hätte es nicht besser gemacht. Einen letzten Rest Würde wollte er behalten, er würde sich dem stellen, was er verbockt hatte. Er würde zurückgehen in den Gerichtssaal und alles ertragen. Das war er dem Opfer und seinen Angehörigen schuldig. Und seinen Kollegen der SoKo Lisa, deren monatelange Arbeit er zunichtegemacht hatte.

Das arme Mädchen. Sie war gerade siebzehn geworden, Römfeld hatte sie mehrfach vergewaltigt, dann mit bloßen Fäusten totgeschlagen und in einen Müllcontainer geworfen.

Haberking schüttelte sich. Der Geruch des Erbrochenen war ekelerregend, sein Versagen noch schlimmer, es vergiftete ihn, die Schuld wog so schwer, dass er das Gefühl hatte, nie mehr aufrecht gehen zu können.

Er zog Klopapier von der Rolle, wischte sich über den Mund. Der Brechreiz ließ langsam nach.

Das letzte Mal, als er so über einer Kloschüssel gehangen hatte, war vor zwölf Jahren gewesen, als er seine Beförderung zum Kriminaloberkommissar gefeiert hatte. Der Anlass war eindeutig angenehmer gewesen. Er hatte die Position erreicht, die er hatte erreichen wollen. Genug Geld, aber nicht zu viel Verantwortung.

Doch jetzt drohten ihm der Rausschmiss, die Arbeitslosigkeit und der Entzug der Pension. Die Vernichtung. Was er getan hatte – oder, besser gesagt, nicht getan hatte –, war kein Kavaliersdelikt mehr. Dass er die Katastrophe nicht hatte vorhersehen können, spielte dabei keine Rolle. Er hatte es verbockt.

Haberking richtete sich auf, trat ans Waschbecken, schaute in den Spiegel. Das weiße Hemd war noch immer weiß, keine Flecken von Erbrochenem darauf. Auch nicht auf der silbergrauen Weste, dem dunkelblauen Sakko und seinem Lieblingsseidenschlips in Bordeauxrot.

Ein Gong ertönte. Die Verhandlung ging weiter.

Haberking hob einen Arm bis zur Brust, streckte ihn aus. Seine Hand zitterte wie bei einem Greis. Er atmete dreimal tief durch, dann machte er sich auf den Weg zu seinem ganz persönlichen Armageddon.

Der Justizwachtmeister hielt ihm die Tür auf, blickte zu Boden.

Es hatte sich anscheinend bereits herumgesprochen. Der Haberking, der Depp, der Volltrottel, hat alles in den Sand gesetzt. Den sollte man einsperren, genauso lange, wie es Römfeld verdient hätte.

Haberking betrat den Schwurgerichtssaal. Alle blickten zu ihm hin. Über hundert Zuschauer, eine anonyme Menge, die ihm Angst machte. Drei Richter und zwei Schöffen mit steinernen Mienen, in denen zu lesen war, was sie von Haberking hielten: nichts, absolut nichts. Staatsanwalt Recktenwald, der den Anschein machte, Haberking verprügeln zu wollen. Er ballte seine Fäuste, öffnete sie wieder, ballte sie, öffnete sie. Staatsanwältin Salim, die ihn nur kurz mit einem Blick durchbohrte und dann wegsah. Die Mutter des Opfers. Schluchzend, den Blick auf den Boden geheftet. Haberking wurde der Hals eng. Sie hatte nicht nur ihre Tochter verloren, sondern musste mitansehen, wie ihr Mörder auf freien Fuß gesetzt werden würde. Der Verteidiger. Ein Pokerface. Keine Regung. Nichts. Römfeld, der Angeklagte. Ein Grinsen von einem Ohr zum anderen. Kein Wunder. Man bekam als Mörder nicht alle Tage einen Freispruch geschenkt.

»Herr Haberking!«

Der Vorsitzende Richter Antonius Müller hob selten die Stimme. Seine erhabene Erscheinung sorgte bereits für den nötigen Respekt. Doch seit einer halben Stunde war seine Nonchalance verschwunden. Er bellte durch den Gerichtssaal wie ein Feldwebel bei der Armee.

»Können wir weitermachen?« Er wartete keine Antwort ab. »Zurück in den Zeugenstand.«

Haberking wurde schon wieder übel, aber er konnte nicht ein zweites Mal rausrennen wie ein Steppke, der sich vor Angst in die Hosen macht.

»Kehren wir noch mal zum Abend des 3. April zurück.«

Der Abend des 3. April! Haberking hatte seiner Frau versprochen, pünktlich zu Hause zu sein, trotz der Mordermittlung. Seit Wochen schob er Überstunden, und er wollte wenigstens an ihrem Geburtstag früh daheim sein. Sie hatte zu einem japanischen Abend eingeladen. Wie immer hatte sie alles minutiös geplant, ihre beiden Schwestern waren angereist und halfen ihr in der Küche. Haberking sollte um achtzehn Uhr da sein, um die Gäste zu begrüßen, um halb sechs war er noch immer hinter den Zeugen her gewesen. Und dann hatte er den Fehler seines Lebens begangen.

»Ihre Aufgabe war es, Zeugen zu vernehmen, im Hinblick auf Relevanz für die Anwesenheit von möglichen weiteren Personen am Tatort. Ist das richtig?«

Haberking schluckte.

»Das ist richtig.«

Gegen Römfeld gab es nur Indizien. Stichhaltige, ja, aber nur ein Stein musste fallen, um die gesamte Kette ins Wanken zu bringen.

»Auf Ihrer fraglos umfangreichen Liste stand auch Klara Missfeld. Ist das richtig?«

»Ja.«

»Ist es weiterhin richtig, dass Sie die Zeugin Klara Missfeld am 3. April nicht vernommen haben?«

»Ja.«

Haberkings Übelkeit legte sich, machte einem tauben Gefühl im ganzen Körper Platz.

Müller lehnte sich nach vorne.

»Ist es richtig, dass Sie die Zeugin Missfeld auch am nächsten Tag nicht vernommen haben?«

Haberking blieb das Wort im Halse stecken.

Müller schlug mit der Faust auf das Richterpult.

Haberking zuckte zusammen, atmete noch einmal tief durch.

»Ja.«

»Sie haben sie überhaupt nicht vernommen. Ist das korrekt?«

Jetzt musste Haberking das »Ja« aussprechen, das ihm das Genick brechen würde.

Das »Ja«, das Römfeld zu einem freien Mann machen würde.

»Ja.«

Müller warf sich in seinem Sessel nach hinten.

»Herr Staatsanwalt, irgendwelche Fragen an den Zeugen?«

Recktenwald schüttelte den Kopf.

»Frau Staatsanwältin?«

Salim winkte ab.

Haberking hielt es nicht mehr aus.

»Aber ich habe doch auf dem Laufzettel …«

»Was erlauben Sie sich? Sie sind nichts gefragt worden, also haben Sie zu schweigen!«

Haberking klingelten die Ohren, so laut brüllte Müller. Sogar Recktenwald und Salim zuckten zusammen.

Der Laufzettel. In einer Sonderkommission mit den Ausmaßen wie der SoKo Lisa, in der mehr als dreihundert Kolleginnen und Kollegen mitarbeiteten, wurde beim Morgenappell an jeden ein Aufgabenzettel verteilt. In seinem Fall waren es eine Zeugenliste und eine Liste von Fragen gewesen, die er hatte abarbeiten müssen. Für jeden Zeugen, den er aufgesucht und befragt hatte, unterschrieb er in einem dafür vorgesehenen Feld und trug auf einem beigefügten Formular Daten und Ergebnis der Befragung ein. Er hätte schwören können, dass er bei Klara Missfeld ein Häkchen unter »Nicht angetroffen« gemacht und unterschrieben hatte. Doch als der Laufzettel heute Morgen als Beweisstück eingebracht worden war, fehlte das Häkchen. Allerdings fehlte auch der Beizettel. Danach hatte der zuständige Sachbearbeiter natürlich nicht mehr geschaut. Er war wohl davon ausgegangen, dass die Zeugin ohne Ergebnis befragt worden war.

»Hat die Verteidigung noch Fragen?«

»Keine weiteren Fragen, Herr Vorsitzender«, sagte der Anwalt und schlug Römfeld mit der rechten Hand auf die Schulter.

»Der Zeuge bleibt unvereidigt«, sagte Müller.

Haberking stand auf, seine Knie zitterten. Es waren zehn oder zwölf Schritte bis zum Ausgang. Wie sollte er die schaffen?

»Gibt es noch irgendetwas, Herr Haberking?«, zischte Müller.

Haberking schüttelte den Kopf.

»Dann wäre ich erfreut, wenn Sie meinen Gerichtssaal verlassen würden. Ich möchte weitermachen.«

Müllers Ton konnte ätzender nicht sein.

Haberking setzte einen Fuß vor den anderen, der Justizwachtmeister öffnete die Tür, Haberking trat über die Schwelle, verließ das Gebäude durch den Hinterausgang, hörte das Rufen von Journalisten.

Schnellen Schrittes ging er weiter und sprang in ein Taxi. Haberking atmete durch, wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Der Fahrer warf ihm über den Rückspiegel einen Blick zu.

»Wohin soll’s denn gehen?«

»Zum Luftbad Dölzschen.«

»Die haben aber noch zu. Da ist nichts mit Schwimmen. Die machen erst in zwei Wochen auf, obwohl es schon echt warm ist.«

»Ich will einfach nur raus aus der Stadt.«

Haberking merkte, dass seine Stimme zitterte.

Klara Missfeld, eine Schulkameradin der Getöteten, hatte sich zur entscheidenden Zeugin entwickelt. Sie schwor Stein und Bein, am Tattag eine weitere Person am Tatort gesehen zu haben. Und zwar den Ex-Freund des Opfers, der Lisa seit Monaten stalkte. Ein perfekter Verdächtiger. Warum sie sich nicht gemeldet habe? Sie sei nie vernommen worden und habe sich nichts dabei gedacht. Der Verteidiger hatte sie ausfindig gemacht und im letzten Moment als Zeugin benannt. Recktenwald hatte versucht, sie als unglaubwürdig darzustellen. Das war gründlich danebengegangen, weil Haberking sie tatsächlich nicht vernommen hatte. Und das war erst herausgekommen, als die Verteidigung die Zeugin befragt hatte. Zwar hatte Richter Müller die Nase gerümpft und gerügt, dass die Staatsanwaltschaft keine Zeit gehabt habe, sich auf die Zeugin vorzubereiten, aber angesichts der schwerwiegenden Anklage und der verpatzten Ermittlungen hatte er die Verteidigung gewähren lassen. Damit konnte der Verteidiger berechtigte Zweifel an der Täterschaft Römfelds vorbringen. Die Indizienkette war gerissen. Müller würde Römfeld aus Mangel an Beweisen freisprechen und den Haftbefehl aufheben müssen, er konnte nicht anders, egal, was er glaubte. In dubio pro reo. Im Zweifel für den Angeklagten. Richter Müller stand für diesen Grundpfeiler des Rechtsstaates, auch wenn ihm das schlaflose Nächte bereiten würde.

»Alles klar, Chef.«

Das Taxi fuhr los.

Haberking blickte ins Leere, dachte an seine Zukunft. Er würde achtkantig rausfliegen. Das war so gut wie sicher. Ein Kopf musste rollen für diesen Ermittlungsskandal, und es würde seiner sein. Wie sollte er die Raten für das Haus bezahlen, wenn er seinen Job verlor? Es würde Diana und den Kindern das Herz brechen, wenn sie das Haus verkaufen und zurück in eine kleine Wohnung ziehen mussten, und die Kinder konnten nicht wie geplant zum Auslandsstudium in die USA. Haberking rechnete im Kopf zusammen, was sie monatlich aufbringen mussten. Fast dreieinhalbtausend Euro summa summarum. Mindestens. Sie konnten das Wochenendhaus samt Grundstück verkaufen, das würde eine Zeit lang reichen, aber dann … Haberking schlug die Hände vors Gesicht. Außerdem musste er den Spott seines Vaters ertragen. Der würde ihn zuerst auslachen, ihm dann eine Predigt halten, er habe es ja schon immer gewusst, und der Krug ging nun mal so lange zum Brunnen und so weiter und so fort. Haberking überlegte, ob es nicht am besten sei, wenn er seine Sachen packte und abhaute. Einfach nur weg. Von allem.

»Kann jedem mal passieren.«

Haberking schreckte auf.

»Was?«

»Sie sehen so aus, als hätten Sie ein Problem. Hat Ihre Frau rausgekriegt, dass Sie fremdgehen?«

Als Haberking nicht antwortete, ging er wohl davon aus, ins Schwarze getroffen zu haben.

»Reden Sie mit ihr. Kaufen Sie Rosen. Schwören Sie ihr, dass es nie wieder vorkommt. Sagen Sie ihr, dass sie einen Seitensprung frei hat. Hey, Mann, jeder macht mal einen Fehler.«

Haberking besah sich den Fahrer im Rückspiegel. Ein Jungspund. Keine dreißig. Studierte wahrscheinlich seit zehn Jahren Psychologie, so gescheit, wie er daherredete. Dem würde er nicht auf die Nase binden, dass er der größte Idiot der Welt war, dass er nur bekam, was er verdiente. Haberking stellte sich vor, wie er mit einem Strauß roter Rosen bei Recktenwald auflief, der gerade die Unterlagen für die Revision fertigstellte. Es war nicht witzig.

»Rosen kommen zu spät.«

»Hat sie einen Privatdetektiv auf Sie angesetzt? So richtig wie im Film?«

Haberking hätte nicht gedacht, dass er sich eines Tages wünschen würde, sein einziges Problem wäre ein Seitensprung. Das war auch völlig abwegig. Seine Ehe war in Ordnung. Er würde Diana niemals betrügen. Und auch Diana war ihm treu wie Gold. Das hatte sich schon bald, nachdem sie sich kennengelernt hatten, herausgestellt. Sie wünschten sich Ehrlichkeit, Treue, Verlässlichkeit. Und genau so lebten sie seit mehr als zwei Jahrzehnten zusammen.

»Sie haben ja keine Ahnung. So einfach ist das nicht.«

»Boah, echt, jetzt lassen Sie sich doch nicht so hängen! Scheiße bauen, das passiert. Aber dann rumheulen wie ’ne Pussy, das bringt doch nix. Sorry, dass ich das so deutlich sage, aber ist doch wahr! Hey, meine Ex hat mich gehörnt, und jetzt muss ich ihr den Unterhalt zahlen. Deswegen muss ich neben meinem Job auch noch Taxi fahren. Das ist echt scheiße. Und die Kinder sehe ich nur alle vierzehn Tage.«

Wer heulte denn hier? Aber es war nicht ganz dumm, was der Jungspund sagte, der wohl doch kein Student war. Haberking beglückwünschte sich zu seiner Menschenkenntnis.

»Das mit dem Unterhalt würde ich mal von einem Anwalt prüfen lassen.«

»Meine Ex hat gesagt, wenn ich mit einem Anwalt komme, dann sehe ich die Kinder nie wieder.«

»Nicht rumheulen! Kämpfen.«

Der Taxifahrer lachte und hielt an.

»Dreizehn vierzig.«

Haberking drückte dem Fahrer zwanzig Euro in die Hand.

»Der Rest ist für die fachmännische psychologische Beratung.«

Er stieg aus, der Fahrer tippte sich mit zwei Fingern an den Kopf, wendete das Taxi und fuhr zurück in die Stadt.

Diana, schoss es ihm durch den Kopf. Er musste unbedingt seine Frau anrufen. Sie sollte nicht aus den Medien erfahren, dass ihr Ehemann ab heute offiziell ein Volltrottel war. Er wählte ihre Nummer, aber es meldete sich nur die Mailbox. Vielleicht war sie in einem Meeting.

»Hi, Süße. Nur ganz kurz. Es ist ganz schlecht gelaufen. Der Prozess ist geplatzt. Ich bin im Wald, melde mich. Bis später. Ich liebe dich.«

Nachdenken konnte er am besten, wenn er marschierte, so wie beim Bund. Er musste einen Plan schmieden. Irgendwie musste es weitergehen. Sich in die Weißeritz zu stürzen hatte wenig Sinn – vor allem bei noch nicht einmal einem halben Meter Tiefgang jetzt im Frühling. Er hätte sich von der Klippe stürzen können, die sich keine hundertfünfzig Meter vom Luftbad entfernt über die Landstraße erhob. Die Fallhöhe hätte gereicht, um ihm alle Knochen zu zerschmettern. Aber er würde sich nicht wie ein Feigling aus dem Leben stehlen und seine Liebsten zurücklassen. Wenn er bei der Polizei rausflog, dann würde er eine Detektei aufmachen oder bei einem Kollegen in eine Sicherheitsfirma einsteigen. Das hätte auch seine Vorteile, denn dann wäre er den ganzen Vorgesetzten- und Verwaltungskram los. Allerdings hätte er dann auch keinen Dienstausweis mehr und musste Ehebrecher verfolgen. Oder irgendwelche Politiker und Manager beschützen und den ganzen Tag grimmig in die Gegend schauen. Oh Gott, nein. Nur das nicht.

Haberking marschierte am Luftbad vorbei in das kleine Wäldchen hinein, hinauf zur Gartenkolonie.

Dort, im Schutz der Bäume, hatte er zum ersten Mal ein Mädchen geküsst, so richtig mit Zunge. Anita. Leider entschied sich Anita am nächsten Tag für einen Typen aus der Parallelklasse, einen Schönling mit einer Figur wie Wastl und einem Hirn wie ein Eichhörnchen.

Das war geschlagene siebenundzwanzig Jahre her. Eine Ewigkeit. Haberking wurde sich bewusst, dass er alt wurde. Was hatte er nur aus seinem Leben gemacht?

Sein Handy vibrierte und riss ihn aus seinen Gedanken. Er fischte es aus der Tasche, warf einen Blick darauf. Es war Polizeioberrat Schröder, der Polizeipräsident. Genickschuss von ganz oben. Haberking sah auf die Uhr. Zwölf. High Noon. Um seinen guten Vorsätzen gerecht zu werden, ging Haberking ran.

»Verdammt noch mal, Haberking, wo stecken Sie?«

»Am Luftbad. Da gibt es ein paar schöne Bäume, an denen man sich aufhängen kann, und eine wirklich hohe Klippe, um sich hinunterzustürzen.«

»Haberking, hören Sie auf, Unsinn zu reden, und machen Sie, dass Sie in mein Büro kommen. Wir haben das eine oder andere zu besprechen.«

Schröder legte auf.

Haberking hatte keine Wahl, bestellte ein Taxi zum Luftbad. Es war derselbe Fahrer wie vorhin.

»Na, wie geht’s?«

»Ich werde es zuerst mit Rosen versuchen und dann mit dem Anwalt. Wahrscheinlich nimmt sie mir alles ab, was ich habe. Was soll’s?«

»Wir brauchen immer Fahrer.«

Wider Willen musste Haberking lachen.

»Danke für das Angebot, mein Bester.«

»Immer gerne. Wohin?«

»Polizeidirektion Dresden. Schießgasse.«

»Alles klar, Chef.«

Der Rest der Fahrt verlief schweigend. Irgendwann tauchte die Polizeidirektion auf, der strenge neugotische Bau mit seinen verspielten Renaissance-Elementen löste bei Haberking immer wieder gemischte Gefühle aus. Einerseits war das Gebäude ein architektonisches Kleinod, anderseits war es trutzig wie eine Festung, mit seinen Seitentürmen und dem Portal, dem nur noch eine Zugbrücke fehlte, um es als Burgtor durchgehen zu lassen.

Die geistige Zugbrücke war immerhin letztes Jahr ein wenig heruntergelassen worden. Nach zwölf Jahren Abschottung hatte es endlich wieder einen Tag der offenen Tür gegeben, siebentausend Neugierige waren gekommen, und Haberking, der von Sebnitz als Entertainer abkommandiert worden war, hatte hundertmal erklären müssen, warum Wohnungseinbrüche so schwer aufzuklären waren. Er hatte natürlich die offizielle Lesart verbreitet und nicht die wahren Gründe, nämlich, dass es einfach zu wenig Personal gab und die Priorität bei den Kapitaldelikten lag.

Der Fahrer hielt im Halteverbot direkt vor dem Haupteingang. Haberking reichte ihm einen Zwanzig-Euro-Schein.

»Danke, Chef. Und nehmen Sie’s mit Humor.«

Haberking zählte bis fünf, stieg aus, wünschte weiterhin gute Fahrt und nahm sich vor, den Rat des Taxifahrers zu beherzigen.

Schröders Büro lag im dritten Stock des mittleren neuen Anbaus, der den Charme der Plattenbau-Architektur verströmte.

Haberking musste durch das Vorzimmer, die Sekretärin wusste Bescheid und schickte ihn mit einer lässigen Handbewegung rein. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Was immer auf ihn zukam, es würde nicht angenehm werden.

Schröder thronte in einem Ledersessel, der auch gut in die Vorstandsetage eines DAX-Unternehmens gepasst hätte, vor sich ein grauer Schreibtisch, hinter sich der Blick auf die Baustelle des Quartiers Hoym.

Nach anderthalb Jahren und viel Hickhack um Fassade und Gebäudehöhe rollten jetzt die Bagger. Wohnungen sollten dort entstehen, schick und teuer, seniorengerecht, sechzehn Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Wer konnte sich denn das leisten? Rentner?

Auf den ersten Blick war Schröder ein sympathischer Kerl, mit dem man gerne mal ein Bier trinken würde. Doch hinter dem jovialen Gesicht lauerte ein harter, unerbittlicher Chef.

»Setzen Sie sich, Haberking.«

Nichts an Schröder verriet seinen Gemütszustand.

Haberking ließ sich auf einem Sessel aus Metall und Leder nieder, streckte sein Rückgrat, stellte die Sohlen fest auf den Boden und legte die Hände auf die Oberschenkel. Vielleicht half ihm diese Körperhaltung, dem Sturm, der ihn erwartete, besser zu widerstehen.

Schröder zeigte auf eine Akte.

»Da steht alles über Sie drin.«

Haberking wollte schon protestieren, sagen, dass es ein paar Geheimnisse in seinem Leben gab, die nicht von den Schnüfflern der Personalabteilung enthüllt worden waren, aber er war klug genug, den Mund zu halten.

»Sie sind die seltene Ausgabe eines Polizeibeamten, der nicht den geringsten Ehrgeiz hat, befördert zu werden. Zweimal haben Sie die Beförderung abgelehnt aus gesundheitlichen, einmal aus familiären Gründen, und einmal sind Sie durch die Schießprüfung gefallen, nur um sie einen Monat später als Bester der sächsischen Polizei zu bestehen, als die Beförderung vom Tisch war. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, denn es gibt mehr als genug Kolleginnen und Kollegen, die auf berechtigte Beförderungen warten, und es gibt viel zu wenig Stellen. So weit, so schlecht.«

Schröder hielt inne und rieb sich die Augen.

»Sie machen so gut wie keine Überstunden. Sie kommen morgens um sieben und gehen nachmittags um vier. Wie ein Schweizer Uhrwerk. Mit minimalen Ausschlägen. Als Sie der SoKo Lisa zugewiesen wurden, haben Sie einen schwachen Versuch gemacht, Ihre Dienststelle in Sebnitz nicht verlassen zu müssen. Nicht sonderlich überraschend, ich weiß, dass Sie Veränderungen nicht besonders schätzen. Sie haben allerdings auch nicht krankgefeiert und haben keine anderen fadenscheinigen Gründe vorgeschoben, um aus der SoKo rauszufliegen. Sie haben sogar Überstunden gemacht, wunderbar, aber dann verstießen Sie das erste Mal im Leben gegen Vorschriften und lösten damit die Katastrophe aus, die im Freispruch von Römfeld gipfelte. Gerade kam die Nachricht. Das Schwurgericht hat keine zehn Minuten gebraucht. Römfelds Haftbefehl wurde aufgehoben. Er läuft frei herum und sucht sich das nächste Opfer.«

Schröder ließ es sich nicht nehmen, Haberking die ganze Scheiße noch mal um die Ohren zu hauen.

Natürlich wurde Römfeld rund um die Uhr überwacht. Aber dennoch. Tauchte Römfeld unter, würde er wieder töten, höchstwahrscheinlich.

Haberking wusste nicht, wo er hinschauen sollte. Warum machte Schröder es so spannend? Warum suspendierte er ihn nicht einfach kurz und schmerzlos? Genoss er es, ihn zu quälen?

»Recktenwald hat noch im Gerichtssaal Revision angekündigt.«

»Herr Polizeioberrat Schröder, ich weiß, dass ich den Fehler meines Lebens gemacht habe und mich die gesamte Polizei dafür hasst. Kommen Sie auf den Punkt. Geben Sie mir den Gnadenstoß.«

Schröder beugte sich vor, kniff die Augen zusammen.

»Bei Gott, Haberking, das würde ich gerne. Aber ich darf nicht. Ginge es nach mir, würde ich Sie in dieser Sekunde achtkantig rauswerfen, glauben Sie mir. Ihr Fehler«, Schröder schrieb Anführungszeichen in die Luft, »war, überhaupt Polizist zu werden. Sie gehen an diesen Beruf mit der Haltung eines Sozialschmarotzers heran. Möglichst viel rausholen, möglichst wenig reinstecken.«

Schröder lehnte sich nach hinten, legte die Fingerspitzen aneinander, schwieg, starrte Haberking an, dem das Blut in den Adern pochte.

Was Schröder sagte, war ungerecht. Haberking hatte sich nur nicht fertigmachen lassen wie viele seiner Kollegen. Seine Ehe war intakt, er wusste, wie die Freunde und Freundinnen seiner Töchter hießen, er verbrachte viel Zeit mit seiner Familie. Er hatte bisher einwandfreie Arbeit geleistet. Dass er den Fall Römfeld versaut hatte, würde er sich nie verzeihen, natürlich nicht. Aber andererseits: So war das Leben. Ein Moment, eine Sekunde, eine falsche Entscheidung warf alles über den Haufen, konnte ganze Existenzen vernichten. Diesmal hatte es ihn erwischt.

Oder etwa doch nicht? Was hatte Schröder gesagt? »Ich darf nicht?« Haberking begriff erst mit Verzögerung, was diese Worte bedeuteten.

»Das heißt, ich bleibe im Dienst?«

»Der Innenminister hat mich angerufen. Er sorgt sich um das Ansehen der Polizei. Er möchte Ihren Fall nicht noch größer in den Medien sehen. Wir haben schon genug Probleme mit medienwirksamem Fehlverhalten von Kollegen und Kolleginnen in der letzten Zeit.«

Schröder war als Polizeioberrat mehr Politiker als Polizist und ein Meister im Beschönigen. Haberking hatte einen Kollegen, der in der Inneren Dienst tat und das Gegenteil von ihm war. Überstunden ohne Ende, zwei Scheidungen, kurz vor dem Burn-out. Von ihm wusste er, dass die Innere nicht mehr hinterherkam, weil die von ganz oben neuerdings wegen jeder Kleinigkeit gleich die Nazi-Keule schwangen. Klar gab es braune Schafe, in Chemnitz war einiges schiefgelaufen, und manche Kollegen waren auf dem rechten Auge sehgeschwächt, manche blind. Dass Nazis bei der Polizei nichts zu suchen hatten, das stand für Haberking außer Frage. Aber das größere Problem lag ganz woanders. Zu wenig Leute, Überforderung, keine Supervision, und dann rissen die Nerven auch bei Kolleginnen und Kollegen, die ansonsten einen anständigen Dienst versahen. Was sollte ein Dienststellenleiter machen, wenn ihm pro Schicht zwei Leute fehlten? Noch zwei suspendieren, weil sie über die Stränge geschlagen hatten? Da drückte man schnell ein Auge zu.

»Dafür ist es doch zu spät. Jeder Sender, jede Zeitung macht morgen mit dem Prozess auf, und im Netz kocht die Sache in zehn Minuten hoch. Die werden mich schlachten. Und wenn ich nicht suspendiert werde, werden sich die Medien an mir festbeißen. Es wird Rücktrittsforderungen gegen den Innenminister geben.«

»Wird es nicht.«

»Aber warum …«

Schröder hob abwehrend die Hände.

»Sie werden keine Antwort bekommen. Das ist nicht Ihre Gehaltsklasse.«

Okay. Sollten die ihre Spielchen spielen. Das war Haberking in diesem Fall egal.

»Kein Diszi?«

»Doch. Es wird eingeleitet. Das Verfahren wird dauern. So lange, bis sich der Staub gelegt hat. Es gibt täglich neue Säue, die von den Medien durchs Dorf getrieben werden. Glauben Sie mir, in vier Wochen ist die Sache durch. Wir werden Sie, so gut es geht, schützen.«

So viel Freundlichkeit war verdächtig.

»Wenn es keinem mehr wehtut außer mir, fliege ich raus, oder?«

»Ehrlich gesagt, der Gedanke, dass Ihnen das Schmerzen bereiten könnte, ist mir noch gar nicht gekommen.«

Schröder grinste.

»Dann kann ich ja Urlaub nehmen.«

»Können Sie nicht. Sie haben Urlaubssperre. Das wäre ja noch schöner. Sie vergeigen einen Mordfall und legen sich dann auf die faule Haut. Sie sind nicht der Präsident des Verfassungsschutzes. Der Innenminister hat mir freie Hand gelassen, Ihnen eine angemessene Aufgabe zuzuteilen.«

»Und?«

»Ich habe einen Fall für Sie. Einen, der nur von einem Genie gelöst werden kann.«

Haberking schwante Übles.

Schröder grinste noch breiter.

2    9. Mai

5:30

Anna-Maria Slakow brauchte einen Moment, bis sie wusste, wo sie war. Ihr Handy spielte ihren Lieblingssong von den Comedian Harmonists. »Veronika, der Lenz ist da …«

Sie drehte sich auf die Seite und lauschte. Im Hintergrund rauschte der beruhigende Lärm der Inneren Neustadt wie ein ferner Ozean. Sie war zu Hause. In ihrem Bett. Alleine. Kein Kater, denn sie hatte sich geschworen, den Riesenfrust, den sie wegen ihrer Versetzung aufs Land schob, nicht mit Alkohol zu bekämpfen. Auch nicht mit Sex. Das Einzige, was sie als Medikament gegen ihre Verzweiflung gelten ließ, war Sport.

Mit einem Ruck riss sie sich die Decke herunter, spannte die Bauchmuskeln an, richtete sich seitlich auf und sprang mit einer halben Drehung aus dem Bett. Mit kalten Muskeln war das gefährlich, aber sie musste schnell raus aus den Federn, sonst würde sie einfach liegen bleiben.

Sie schaltete den Wecker aus. Halb sechs in der Früh. Genug Zeit, ihr Programm zu absolvieren und trotzdem pünktlich nach Sebnitz zu kommen.

Sebnitz! An der Grenze zu Tschechien. Sie wusste nur eins: Um acht trat sie im dortigen Polizeirevier ihre neue Stelle an. Nichts weiter. Matthias, ihr Dienstgruppenleiter, hatte ihr eine Warnung zugeraunt: »Du wirst dir wünschen, dich beherrscht zu haben. Da, wo du jetzt hingehst, gibt es keine Sonne.«

Slakow führte ihr Morgentraining durch: dehnen, neunzig Sit-ups, fünfundzwanzig Liegestütz, einen Satz Rumpfbeugen und vierzig Hampelmänner. Danach heiß duschen, trockenrubbeln.

Zum Frühstück gab es den Smoothie des Tages. Sie schälte drei Möhren, warf sie in den Mixer, packte einen Apfel dazu, ein paar Walnüsse und Mandelmilch. Ihr ganz privates Vitaminmonster, ein halber Liter, den sie in kleinen Schlucken trank.

Sie stellte sich vor den geöffneten Kleiderschrank. Sie wollte ihre neuen Kollegen nicht gleich am ersten Tag überfordern. Jeans, weiße Turnschuhe, cremefarbene hochgeschlossene Bluse mit dunkelblauem Dreiecksdekor und eine Strickjacke in sanftem Türkis, passend zu ihren roten Haaren. Nicht zu spießig und nicht zu überdreht.

Slakow nahm Dienstwaffe und Magazin aus dem Tresor, packte beides in ihre rote Handtasche von Dolce & Gabbana. Die Tasche war ein Geschenk ihres letzten Freundes, der Geld hatte wie Heu, aber leider auch fast genauso viele Frauen. Ein Hallodri, der wirklich gut im Bett war und äußerst spendabel. Aber Slakow teilte nicht gerne. Zumindest nicht die Männer. Sie hatten sich einvernehmlich getrennt. Sie hatte die Tasche behalten, nicht, weil sie auf Marken stand, sondern als Erinnerung an eine gute Zeit.

Von ihrer Wohnung im Obergraben brauchte sie eine gute Stunde bis Sebnitz, wenn sie die B6 nahm, sie kalkulierte eine Viertelstunde Puffer ein. Stadtauswärts gab es so gut wie nie Staus, stadteinwärts sah das schon anders aus. Da ging zwischen sieben und neun gar nichts. Bisher war ihr das egal gewesen. Sie war entweder mit dem Fahrrad gefahren oder zu Fuß gegangen. Bis zur Polizeidirektion auf der anderen Seite der Elbe waren es keine zwei Kilometer. Aber das war jetzt erst mal vorbei.

Damit sie nicht unnötig auffiel, hatte sie sich einen VW Golf zugelegt. Gott sei Dank mit Benzinmotor. Wer wusste schon, wann Dresden ein Fahrverbot für Diesel erlassen würde?

Das Polizeirevier in Sebnitz zu finden war kein Problem, Parkplätze gab es mehr als genug. Sebnitz nannte sich Große Kreisstadt, hatte gerade mal knapp zehntausend Einwohner und war berühmt für Kunstblumen. Slakow hätte es niemals laut ausgesprochen, aber Sebnitz war ein Kaff mitten in der Sächsischen Schweiz. Direkt an der Demarkationslinie für Prostituierte. Auf der deutschen Seite die Edelpuffs, auf der tschechischen der schmutzige Straßenstrich.

Slakow stieg aus, atmete tief durch. Die Luft schmeckte würzig. Und sie hörte ein leises Rauschen. Das musste die Sebnitz sein, die keine hundert Meter von hier vorbeifloss. Das war kein schlechter Anfang. Vertraute Geräusche.

Sie betrat das Revier, das im ehemaligen Amtsgericht Sebnitz untergebracht war. Ein viereckiger Hauptbau mit Rundturm und Dachreiter, ein rechteckiger Mittelbau und im rechten Winkel dazu ein Anbau. Erdgeschoss, erster Stock, dann ein steiles Giebeldach, mit roten Ziegeln gedeckt und einer Reihe Gauben. Eins der vielen denkmalgeschützten Gebäude, saniert mit Millionenaufwand.

Slakow nahm den Besuchereingang, der mit einer Schleuse versehen war. Erst, wenn die äußere Tür geschlossen war, öffnete sich die innere. Ein Summen zeigte an, dass sie eintreten konnte. Hinter einer Glasscheibe saß ein Kollege mit gezwirbeltem Schnauzer im Rang eines Polizeihauptmeisters, vertieft in ein Formular zur Anforderung von Material. Er schrieb gerade das Datum unter den Antrag. Slakow konnte erkennen, dass Papier fehlte, außerdem Kugelschreiber und ein Bleistiftspitzer. Der Mann hatte eine große, leserliche Handschrift.

Slakow trat an die Scheibe und lächelte.

»Guten Morgen, Kollege. Ich bin Anna-Maria Slakow …«

»Geradeaus, durch die Stahltür, die Treppe runter, dritter Raum rechts. Sie werden erwartet.«

Der Mann klang wie eine Computerstimme aus den Neunzigern. Sollte sie darauf überhaupt etwas erwidern? Machte es Sinn, mit einem Computer auf menschlicher Ebene zu kommunizieren? Slakow entschied, die Sache buddhistisch gelassen zu nehmen.

»Vielen Dank für die Auskunft, Kollege. Ich wünsche einen schönen Tag.«

Der Mann brummte und widmete sich wieder seiner Materialanforderung.

In Dresden war das anders gelaufen, als sie dort beim KK 13, dem Kommissariat für Sexualdelikte, angefangen hatte. Die ganze Abteilung hatte sie begrüßt, es gab Kaffee und Dresdner Sahnekuchen, eine echte Konkurrenz zur allgegenwärtigen Eierschecke, abends Hausmacher-Kartoffelsalat von Matthias, bayerische Weißwürste und Bier. Sie hatte schon jetzt Heimweh, nicht nach Bayern, wo Matthias herkam, sondern nach Dresden, nach ihrem Kriminalkommissariat 13.

Slakow zog die Stahltür auf, muffiger Geruch schlug ihr entgegen. Sie stieg die Betontreppe hinunter, der Gang war spärlich, aber ausreichend beleuchtet, die Wände waren gekalkt. Das konnte nur ein Scherz sein. Ein Büro im Keller? Da war die Depression ja vorprogrammiert.

Die Tür des dritten Raumes stand zum Flur hin offen, Licht fiel heraus. Jemand murmelte vor sich hin, Slakow verstand kein Wort. Sie ging auf die Tür zu.

»Nur herein, wenn’s kein Schneider ist.«

Slakow zuckte zusammen, drehte sich um, suchte die Kamera. In der Ecke über dem Eingang war sie angebracht, ein kleines, unauffälliges Kästchen.

Sie blieb im Flur stehen. Okay. Die waren hier etwas seltsam. Matthias hatte sie gewarnt.

»Mein Name ist Anna-Maria Slakow, ich soll mich hier melden.«

Ein Mann trat aus dem Raum in den Flur. Gute eins achtzig groß, schlank, Anfang vierzig, dunkelblauer Anzug, weißes Hemd, Weste, hellblaue Krawatte. Ein Spießer. Keine Frage. Auch wenn er ein gewinnendes Lächeln zur Schau trug und gar nicht mal so schlecht aussah.

Er streckte ihr die Hand hin.

Er war verheiratet, der Ring war nicht zu übersehen.

»Frank Haberking, Kriminaloberkommissar. Ich leite den Laden hier unten.«

Slakow drückte seine Hand. Sie war warm und weich, der Händedruck fest.

»Anna-Maria Slakow, ebenfalls KOK

Sie ließ seine Hand los.

Haberking zögerte. Sicher wartete er darauf, dass sie fragte: »Der Haberking?« Den Gefallen würde sie ihm nicht tun. Natürlich hatte sie ihn sofort erkannt, jeder Polizist in ganz Deutschland kannte seine Geschichte und hatte sein Bild im System aufgerufen. In den Medien war es nicht aufgetaucht, sie hatten sich an die Spielregeln gehalten, Schröder hatte ganze Arbeit geleistet.

»Angenehm, Kollege. Was machen wir hier? Akten sortieren?«

Haberking schaute sie noch einen Moment an.

»Weswegen hat man Sie in die Wüste geschickt?«

»Muss ich das erzählen?«

»Von mir wissen Sie es. Ich wüsste auch gerne, mit wem ich es zu tun habe.«

»Haben Sie meine Akte nicht gelesen?«

Haberking zuckte mit den Schultern, verschwand in dem Raum.

Slakow folgte ihm und musste feststellen, dass sie tatsächlich in einen Albtraum geraten war. Zwei Schreibtische aus den Siebzigern, dunkelgrauer Stahlrahmen, dunkelbraune Tischplatte. Zwei Holzdrehstühle, nicht gepolstert. Kein Fenster. Ein Regal mit ungefähr zwanzig Metern Akten. Ein Beistelltisch mit einer Kaffeemaschine für Filterkaffee. Ein winziger Kühlschrank. Zwei Anschlüsse fürs Internet. Zwei Leuchtstoffröhren, je eine über den Schreibtischen. Hier sah es aus wie in einem Verhörraum im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen.

»Das ist ja wohl ein Scherz, Kollege Haberking. Das verstößt gegen die Menschenrechtskonvention. Dieser Raum ist eine Zelle und kein Büro. Hier werde ich krank. Innerhalb kürzester Zeit.«

Jetzt verstand sie, was Matthias mit seiner nebulösen Bemerkung gemeint hatte.

»Ich kann Ihrem Vorgesetzten Ihre Bedenken gerne mitteilen. Vielleicht findet er woanders Verwendung für Sie.«

Matthias hatte ihr klargemacht, dass sie sich arrangieren musste. Koste es, was es wolle.

»Was jetzt?«, fragte Haberking. »Ich will anfangen. Es ist eine Menge Arbeit. Die Akten sind etwas durcheinandergeraten bei dem vielen Hin und Her. An dem Fall haben sich schon ein Dutzend Ermittler die Zähne ausgebissen.«

»Worum geht es?«

»Bleiben Sie, oder gehen Sie? Ich fände es nicht schlimm, allein zu arbeiten. Wirklich. Kein Problem. Das Loch hier ist wirklich eine Zumutung.«

Haberking wollte sie loswerden. Aber nicht mit ihr. Sie hatte zwar keine Wahl, aber sie ließ sich auch nicht so schnell abwimmeln, schon der Versuch machte sie neugierig.

»Schlimmer kann’s nicht werden.«

»Sie haben ja keine Ahnung.«

Haberking lächelte.

Vielleicht hatte er recht.

»Stimmt. Ich vergaß, dass ich Sie Tag für Tag ertragen muss, wenn ich bleibe.«

Haberking lachte.

»Gut gegeben.«

Diese Reaktion sprach für ihn. Jemand, der über sich lachen konnte, war immerhin vom Grundsatz her sympathisch. Slakow entschied sich, mit offenen Karten zu spielen, dann würde sie ja sehen, wie er tickte.

»Ich habe einen Verdächtigen verprügelt, einen Zuhälter. Er hat angefangen, mein erster Schlag war Notwehr, alles danach nicht mehr. Er lag drei Wochen im Krankenhaus.«

»Ich würde sagen, wir sind beide keine großen Helden. Thema abgehakt?«

»Abgehakt.«

Slakow war erleichtert.

»Herzlich willkommen, Kollegin Slakow. Ich bin Frank.«

Er reichte ihr erneut die Hand, sie schlug ein.

»Anna, angenehm.«

Haberking löste seine Hand, trat an den Schreibtisch, auf dem sich die Akten stapelten, nahm eine dünne rote Mappe und reichte sie ihr.

»Der Fall Flagant. Schon mal was davon gehört?«

Slakow schüttelte den Kopf.

»2008 hat die Richterin Jennie Flagant in der Psychiatrie Suizid begangen.«

»Das ist noch kein Fall.«

»Korrekt. Aber die weiteren Umstände passen in dein Fachgebiet. Drei Tage vor ihrem Selbstmord ist sie in einem Bordell aufgefunden worden. Man hat sie dort zwei Jahre lang zur Prostitution gezwungen.«

»Verdammte Scheiße!«, rief Slakow.

Diese Bordelle waren das Abscheulichste, was es gab, und die Strafen für die Täter, wenn man sie überhaupt dingfest machen konnte, lächerlich.

»Das kannst du laut sagen. Es war ein Wunder, dass die Kollegen das Bordell ausheben und die Drahtzieher festnehmen konnten. Flagant ist zuerst gar nicht aufgefallen. Wie alle anderen Frauen schwieg sie. Als die Kollegen den Laden auf links drehten, fanden sie von allen Frauen Papiere, nur nicht von Jennie Flagant. Es dauerte trotzdem nicht lange, bis ihre Identität festgestellt wurde. Sie stand in der Vermisstendatei, gemeldet von ihrem damaligen Vorgesetzten. Sie hatte keine Angehörigen.«

»Das perfekte Opfer. Aber eine Richterin? Jeder Zuhälter würde einen großen Bogen um eine Richterin machen. Das Risiko ist viel zu hoch, dass der gesamte Polizeiapparat nach ihr sucht. Und wehe, man findet den Täter. Der wird seines Lebens nicht mehr froh«, sagte Slakow. »Vielleicht wollte jemand die Richterin loswerden. Der Täter müsste ein starkes Motiv gehabt haben.«

»Das war auch mein erster Gedanke. Aber warum nicht gleich erschießen? Und warum überhaupt loswerden? Sie war Richterin am Sozialgericht, in der ersten Instanz. Da gibt es keine schweren Jungs, die Rache schwören. Klar, da werden auch unangenehme Urteile gefällt, aber es gibt immer die Möglichkeit der Berufung. Rache? Verschwörung? Alles Kaffeesatzleserei.«

Slakow blätterte in der dünnen Mappe, las die Namen der Männer, die damals verhaftet worden waren. Auf der dritten Seite fand sie zwei Fotos von Jennie Flagant. Eines zeigte sie als freundlich lächelnde Frau von neununddreißig Jahren, die zehn Jahre jünger aussah, kurz bevor sie verschwand. Schmale aristokratische Nase, große dunkle Augen und schwarze Korkenzieherlocken. Mädchenhaft. Viele Männer standen auf mädchenhafte Frauen und waren bereit, gut dafür zu zahlen. Fette Beute für einen Zuhälter. Das andere Bild war zwei Jahre später aufgenommen worden, als die Kollegen das Bordell hochgenommen hatten. Slakow erkannte Jennie Flagant fast nicht wieder. Das Bild zeigte sie als abgehärmte Prostituierte mit leeren Augen, eingefallenen Wangen und blond gefärbten Haaren.

»Furchtbar.« Slakow wedelte mit der Akte. »So grauenhaft es auch sein mag, der Fall macht mich neugierig.«

»Ein interessanter Fall, ja. Aber weißt du, meine Tage bei der Polizei sind gezählt, das ist so gut wie sicher. Ich sitze auf dem Schleudersitz, und Schröder kann jederzeit den Hebel ziehen, der mich rauskatapultiert. Ich habe mich damit abgefunden. Warum soll ich mich in einen Fall verbeißen, den die besten Ermittler nicht lösen konnten? Auch wenn es sich um ein abscheuliches Verbrechen handelt. Die Männer, die Flagant gefoltert haben, haben ihre Strafe erhalten. Wir sollen hier nach einem Geist suchen. Zeitverschwendung. Wie sieht es bei dir aus?«

»Ich bin hier auf Bewährung.«

Haberking nickte.

»Okay. Verstehe. Du hast deine Karriere noch vor dir. Du kannst hier aussteigen, dir was suchen, wo du dich bewähren kannst. Der Keller ist eine Sackgasse. Ich kann das regeln, es auf meine Kappe nehmen. Du sagst einfach, ich hätte dich gemobbt.«

Slakow dachte an den Zuhälter, den sie fast totgeschlagen hatte. Der größte Fehler ihres Lebens. Das sollte ihr nicht wieder passieren. Sie war in dem Moment nicht besser gewesen als der Zuhälter, war zur Täterin geworden. Matthias hatte sie in Schutz genommen. Das machte er mit allen seinen Leuten. Er war ein loyaler Vorgesetzter und zuverlässiger Freund. Er hatte ihr die Bewährung verschafft, hatte die Gewerkschaft eingeschaltet. Ihre Karriere würde zwar warten müssen, aber sie war noch nicht draußen. Haberking hatte recht. Sie konnte die Kurve kriegen.

»Wenn für dich alles egal ist, könntest du mir auch helfen.«

»Ich verstehe. Wenn wir diesen Fall knacken, könntest du zurück auf die Karriereleiter«, sagte Haberking und verzog das Gesicht. »Ich wäre dein Steigbügelhalter.«

»Ich mache dir einen Vorschlag. Du musst dich nicht anstrengen. Normale Dienstzeiten, normales Pensum. Ich mache die Arbeit. Und wenn wir Erfolg haben – wer weiß? –, vielleicht wird deine Hinrichtung dann ebenfalls aufgeschoben.«

»Vergiss es.«

»Es kostet dich nichts.«

Haberking schwieg. Verschränkte die Arme vor der Brust. Wie sollte sie ihn nur überreden oder, besser, überzeugen?

»Mein Rausschmiss ist beschlossene Sache.«

Das konnte er nicht wissen. Slakow beschlich der Gedanke, dass er genug hatte vom Polizistendasein. Vielleicht war es auch sein schlechtes Gewissen, das ihm zu schaffen machte. Aber sie musste Haberking mit an Bord haben. Mit ihm hätte sie wenigstens eine geringe Chance, den Fall zu lösen. Denn es war, wie er gesagt hatte. Wenn sie ihn lösten, würde der Innenminister ihnen den roten Teppich ausrollen. Zumindest intern.

Haberking nahm Slakow den Hefter aus der Hand, warf einen Blick hinein.

»Dieser Fall ist von Anfang bis Ende vermurkst. Wenn du den lösen willst, wirst du genau das machen müssen, weswegen du hier bist. Vorschriften verletzen, Leute unter Druck setzen. Schröder hat uns den Fall gegeben, damit wir scheitern.«

»Das Risiko gehe ich ein. Und denk auch mal an Jennie Flagant. Gibt es ein ekelhafteres Verbrechen?«

Haberking drehte sich weg.

»Bitte«, sagte Slakow. Nicht flehentlich, sondern mit fester klarer Stimme.

Haberking wandte sich um.

»Und wo willst du anfangen?«

»Heißt das, du machst mit?«

»Zu bestimmten Bedingungen. Wenn es mir zu viel wird, breche ich ab. Wenn du Alleingänge machst, breche ich ab. Wenn du mir irgendetwas vorenthältst, breche ich ab.«

Slakow war alles recht. Hauptsache, sie gingen den Fall an.

»Das ist fair.«

Sie hielt Haberking die Hand hin. Er schlug ein. Es hatte nicht allzu lange gedauert, ihn zu überzeugen. Welches Spiel spielte er?

13:00

Haberking ärgerte sich über sich selbst. Er war einfach zu weich. Er hätte das Angebot ablehnen müssen. Er wollte nicht noch mehr Ärger, und Slakow würde mit Sicherheit Ärger machen. Die junge Kollegin versprühte geradezu den Duft von Ärger. Aber versprochen war versprochen. Nach dem Handschlag hatten sie vereinbart, zuerst die Akten zu sichten und dann eine Strategie festzulegen.

Immerhin war die Zeit schnell vergangen. Haberking musste sich eingestehen, dass der Fall auch seine Neugierde weckte. Allerdings nicht so sehr, dass er das Mittagessen dafür ausfallen lassen würde. Es war ein Uhr. Essenszeit.

»Was hältst du von einer Eins-a-Pizza bei Luigi?«

Slakow zog die Augenbrauen zusammen.

»Ich lade dich ein. Kleine Willkommensfeier.«

»Ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann. Hat Luigi vegane Pizzas?«

»Du bist Veganerin? Aus Überzeugung?«

»Ich probiere es aus. Soll angeblich entschlacken und gut für die Konzentration sein. Bis jetzt habe ich zumindest keine Mangelerscheinungen.«

Also keine militante Tierschützerin. Gut. Haberking mochte die Massentierhaltung auch nicht, deswegen kaufte er in der Regel beim Biobauern Fleisch. Aber sobald Essen politisch wurde, wurde es Haberking zu viel.

»Okay, warte einen Moment.«

Er wählte Luigis Nummer.

»Si, Frank, brauchst du was?«

Haberking lachte.

»Du klingst wie ein Drogendealer. Ja, ich brauche etwas. Ist eine heikle Sache. Vertraulich.«

Slakow hob die Augenbrauen.

»Einen ganz besonderen Stoff.«

»Ich glaube, den hast du schon genommen. Was soll das? Willst du uns die Drogenfahnder auf den Hals hetzen? Die hören mich ab, seit ich vor zwanzig Jahren den Laden hier aufgemacht habe. Also, raus mit der Sprache! Was willst du?«

»Du hast es so gewollt.« Haberking schwieg einen Augenblick. »Hast du vegane Pizza?«

»Mann, Frank. Wo lebst du denn? Klar habe ich vegane Pizzas. Sechs Sorten. Bis zu der Stelle in der Speisekarte kommst du nur nie, weil du immer dasselbe bestellst.«

Haberking hob den Daumen.

»Gut. Wir kommen gleich.«

»A presto, mio amico.«

»Bis gleich.«

»Nehmen wir die Handakte mit?«, fragte Slakow.

»Unbedingt.«

Haberking packte die Akte in seine Ledertasche, in der er seinen Laptop und verschiedene Büroutensilien verstaute. Mit der Tasche und seinem Outfit würde er glatt als Anwalt durchgehen.

»Es ist gleich um die Ecke. Wir können zu Fuß gehen.«

Sie stiegen hinauf zur Oberwelt. Haberking winkte Joseph zu. An der Schleuse mussten sie stehen bleiben, sie war geschlossen, also wollte Joseph etwas von ihm. Haberking drehte sich um.

»Ist sie in Ordnung?«

Joseph zeigte mit dem Finger auf Slakow.

»Ja, klar ist sie in Ordnung. Sie heißt Anna und gehört so gut wie zur Familie.«

Joseph und die Kollegen hier nahmen ihm seinen Fehler nicht so übel wie die meisten anderen.

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