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Die Täuferin

Über das Buch

AUFTAKT EINER FULMINANTEN HISTORISCHEN SAGA IN DER TRADITION VON KEN FOLLETT UND NOAH GORDON
Böhmen, am Beginn der Reformation. Kristina ist noch ein Kind, als ihre Eltern auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Sie seien Ketzer, so das Urteil, Feinde der katholischen Kirche. Weil sie daran glaubten, dass jeder Mensch das Recht hat, Lesen zu lernen. Jahre später will Kristi­na ihr Werk fortführen. Mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter macht sie sich auf die gefährliche Reise nach Deutschland, um Verbündete in Mainz und Würzburg zu unterstützen. Doch unterwegs lauern nicht nur Ketzerjäger, sondern auch der Krieg. Bald liegt Kristinas Schicksal in der Hand eines einzigen Mannes: des hitzköpfigen Bauernkriegers Lud.

Über den Autor

Jeremiah Pearsons Karriere als Schriftsteller begann als Schüler von Stephen King. Schließlich folgte er dem Ruf Hollywoods und arbeitet seitdem mit großem Erfolg als Drehbuchautor von Kino- und Fernsehpro­duktionen, so schrieb er u.a. das Drehbuch zu Auf der Flucht mit Harrison Ford. Jeremiahs Leidenschaft für das europäische Mittelalter mündete irgendwann in der Idee zur Freiheitsbund-Saga, seinem Herzensprojekt, mit dem er nun die Leser von epischen historischen Romanen begeistert.

JEREMIAH PEARSON

DIE TÄUFERIN


DER BUND DER FREIHEIT

Historischer Roman

Übersetzung aus dem
amerikanischen Englisch von Axel Merz

BASTEI ENTERTAINMENT

Mit all meiner Liebe meiner Frau Velvalea gewidmet,
ohne die dieses Buch niemals das Licht der Welt
erblickt hätte

Jeremiah Pearson

… sind es die Götter, die dieses Feuer in uns pflanzen?
Oder ist es vielmehr so, dass eines jeden Mannes unermüdliches Verlangen gleich einem Gott für ihn wird?

– Vergil

HISTORISCHE ANMERKUNGEN

Vor fünfhundert Jahren wurde die Welt durch drei epochale Erfindungen für immer verändert: Kompass, Schießpulver und Druckerpresse.

Die Meere wurden befahren, Gold strömte aus der geplünderten Neuen Welt in die Alte, Armeen kämpften mit mächtigen Geschützen, und eine nie gekannte Woge der Gewalt überzog den Globus.

Doch die bei Weitem dramatischste Veränderung wurde durch die Druckerpresse bewirkt. Plötzlich überfluteten Flugblätter und Bücher aus großen und kleinen, regulären und illegalen Druckereien die Städte und das Land.

Zum ersten Mal lernten Menschen aller Klassen und Schichten das Lesen. Das Ergebnis war ein verändertes Bewusstsein, das Unmut gegen die Herrschenden nach sich zog, denn Kirche und Staat besaßen die absolute Macht. Und diese Macht, diese Tyrannei basierte auf dem Glauben der einfachen Leute. Dem Glauben, dass sie den Herrschenden zu dienen hatten, ohne eigene Stimme, ohne Rechte, so wie ihre Väter und Vorväter und so, wie die Kirche es von ihnen verlangte.

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation kämpfte in zahlreichen Kriegen gegen Spanien, Frankreich und Italien. Nach den unseligen Kreuzzügen wurden die Grenzen des Reiches im Süden ständig von den Türken bedroht. Seit mehr als einhundert Jahren hatte sich das Osmanische Reich entlang der Donau ausgebreitet. Für die Deutschen waren die Türken ein machtvoller Gegner, den sie noch mehr fürchteten als die Juden in ihren Ghettos, die immer wieder unter Ausbrüchen bestialischer Gewalt litten und starben.

Priester, dem Glauben an die Macht des Klerus und der Fürsten verhaftet, predigten den Heerscharen der Armen, Rechtlosen und Ungebildeten, die weder lesen noch schreiben konnten, ihr Schicksal sei von Gott gewollt und dass es ihre Pflicht sei, dem Adel zu dienen.

Fortschrittliche Prediger riskierten Folter und Tod, wenn sie Bildung für alle forderten, ohne Rücksicht auf Stand oder Herkunft. Die Strafe für Laien, die in der Bibel lasen, war der Tod auf dem Scheiterhaufen.

Staat und Kirche, die verschmolzen waren zum unum corpus christianum, der Einheit von geistlicher und weltlicher Gewalt, durften nicht zulassen, dass Laien lesen und schreiben lernten. Man stelle sich vor, der Pöbel käme auf den Gedanken, Christus hätte so etwas wie Nächstenliebe angemahnt! Wenn das gemeine Volk lesen und selbst über die Wahrheit befinden konnte, würde es das Heilige Römische Reich von innen aushöhlen, und das durfte nicht geschehen.

Doch aller Folter und Unterdrückung, allem Leid und Tod zum Trotz zogen Gruppen tapferer Männer und Frauen durch das Land, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, dem gemeinen Volk die Fackel des Wissens zu reichen und die Botschaft von der Gleichheit aller vor Gottes Angesicht zu verbreiten – dem Leser wird in diesem Zusammenhang vor allem der Begriff Täufer geläufig sein. Die Mächtigen von Kirche und Staat schimpften diese Reformatoren Ketzer und Aufrührer und verdammten ihre Lehren und ihr Eintreten für Gewaltlosigkeit als Bedrohung. Denn wie sollte man Armeen rekrutieren, wenn die Menschen keine Kriege mehr führen wollten?

Die »Rebellen« wurden gnadenlos verfolgt, viele starben qualvoll auf dem Scheiterhaufen. Dennoch entstanden immer neue Gruppen, die ihre ketzerischen Schriften im Verborgenen druckten und auf den Schutz jener hofften, die sie von den Fesseln der Unfreiheit zu befreien versuchten, indem sie ihnen das Lesen und Schreiben beibrachten und ihnen damit einen neuen Blick auf Gott und die Schöpfung, auf Kirche und Staat gewährten.

Zu diesen mutigen Lehrern gehörten ebenfalls die so genannten Böhmischen Brüder.

Im fruchtbaren Südwesten des Reiches, in der Pfalz, in Schwaben, Franken und Thüringen, lebten die Bauern als Sklaven auf den Gutshöfen – geboren auf fremdem Grund und Boden, mit Haut und Haar Eigentum eines Adeligen oder eines Klosters, gebunden durch die Gesetze des corpus christianum und ohne das Recht, den Herrn zu verlassen, dem sie gehörten.

Sie waren Analphabeten. Sie waren rechtlos. Ihr Körper und ihr Verstand waren unfrei, wie seit alters her. Sie wurden Hörige genannt.

Doch dank der missionierenden Brüder und anderen Täufern, die ihr Leben für Freiheit und Gleichheit aufs Spiel setzten, sollten die Unwissenheit der Hörigen und ihre bleierne Untertänigkeit bald ein Ende haben.

Für das Heilige Römische Reich stand die Macht über das Volk auf dem Spiel.

Für die Hörigen ging es um ihre Rechte als Menschen und Geschöpfe Gottes.

DRAMATIS PERSONAE

Es folgt eine Aufstellung der wichtigsten Figuren, wobei die historischen Personen mit einem * gekennzeichnet sind

IN KUNWALD, BÖHMEN, 1517
DIE MISSIONSZELLE DER
BRÜDER-REFORMATOREN

KRISTINA

17, wurde mit 12 zum Waisenkind, als ihre Eltern und ihre Schwester wegen Ketzerei auf dem Scheiterhaufen starben. Aufgewachsen in einem Konvent unter der Obhut Hannahs, einer fortschrittlichen Nonne, flieht Kristina nach Kunwald, wo sie die Kunst des Druckens erlernt und zur Leselehrerin ausgebildet wird.

BERTHOLD

34, ehemaliger Priester und Reformator, geflohen vor einer Anklage wegen Häresie, nunmehr Anführer der geheimen Zelle der Brüder in Kunwald und späterer Ehemann Kristinas.

MARGUERITE

genannt Grit, 43, ehemalige Sängerin und gefeierte
Schönheit, branntweinsüchtig, gerettet von den Brüdern, überzeugte Reformatorin, Papiermacherin und Druckerin.

FRIEDA

18, hübsche Tochter des Druckermeisters Johannes und seiner Frau Rita, in der Ausbildung zur Leselehrerin.

OTT

22, Ehemann Friedas, Gelehrter.

RUDOLF

46, bekehrter Ex-Magistrat, Leselehrer.

SIMON

39, Drucker, geflohener Höriger und Rudolfs bester Freund.

IN KUNWALD GEBLIEBEN

Friedas Eltern: JOHANNES, 55, Druckermeister der Synode der Böhmischen Brüder, und seine Frau RITA, 53, Oberdruckerin.

IM KRIEG IM UMKÄMPFTEN
DONAUTAL, 1517

LUD

28, aus Giebelstadt, Höriger und Reisiger seines Herrn, des Ritters Dietrich Geyer, entstellt durch die Pocken, die ihm auch Frau und Kinder geraubt haben. Kann weder lesen noch schreiben, ist aber von rastlosem, scharfem Verstand.

DIETRICH GEYER, RITTER ZU GIEBELSTADT*

48, freigeistiger Herr der Hörigen von Giebelstadt, Ehemann der Freifrau Anna, Vetter des Fürst Konrad.

FREIHERR VON BLAUER

53, Obrist auf dem Kriegszug.

ALBERT VON HERZEBURG

Profos auf dem Kriegszug.

WALDO

aus Giebelstadt, 44, stumm, Dietrichs Stallmeister und Pferdeliebhaber, Vater einer Tochter namens Kella.

MAHMED BEY

37, türkische Geisel in Händen des Bistums, osmanischer Edelmann, Offizier der Janitscharen, vierter Sohn eines Arztes, Gelehrter und Schachmeister.

ULRICH

28, Söldner, Kommandant der berittenen Landsknechte, liebt Duelle.

Die Spießgesellen von Giebelstadt

AMBROSIUS

16, Enkel des leibeigenen Schusters und Zeugmachers Gerhard, träumt davon, lesen zu lernen.

FRIDEL

17, Sohn der Hebamme und Weberin Almuth.

HERMO

17, Zwillingsbruder von Fridel.

FRIX

Sohn von Ackerbauern.

DER »KLEINE« GÖTZ

16, hünenhafter Sohn der Töpfer Franz und Berta.

STEFAN

22, Bauernsohn, ältester der Spießgesellen.

JAKOB

17, Pflüger.

KASPAR

15, Jüngster aus dem Heerbann des Dorfes, Sohn des Müllers Sigmund, verlobt mit der Schwester von Fridel und Hermo.

LINHOFF

18, Sohn des Ackerbauern Thomas.

MATTHES

17, Sohn der Kerzenmacherin Ruth.

MAX

16, Narr, Sohn der Käser.

TILO

17, Sohn von Gerstenbauern.

IN DER STADT WÜRZBURG UND DER FESTUNG MARIENBERG, IM SÜDLICHEN FRANKEN, HEILIGES RÖMISCHES REICH DEUTSCHER NATION

KONRAD II. VON THÜNGEN*

Vetter von Dietrich und Anna, Taufpate ihres Sohnes Florian, wird nach dem Tod Lorenz von Bibras zum Fürstbischof, gründet die Buchdruckerei Veritas (= Wahrheit).

LORENZ VON BIBRA*

Fürstbischof von Würzburg, liberaler Reformer und aufgeklärter Förderer der Kunst.

TILMAN RIEMENSCHNEIDER*

Bildhauer, Schnitzer und Rat der Stadt Würzburg.

BRUDER BASIL

Mönch, persönlicher Diener Konrads.

MARTIN LUTHER*

Priester, Gelehrter und Reformer, der die Welt verändern wird.

WERNER HECKS DRUCKEREI IN WÜRZBURG

WITTER

ein Mann mit vielen Geheimnissen. Drucker, Künstler, Sprachgenie.

WERNER HECK

wohlhabender Drucker, Reformator und heimlicher Anhänger der Brüder.

STEINER

Drucker, heimlicher Anhänger der Brüder, Vater von Heck.

BRUNO

Drucker, heimlicher Anhänger der Brüder, Onkel von Heck.

MAGDALENA

Druckerfrau, heimliche Anhängerin der Brüder, Tante von Heck.

AUF DEM BESITZTUM DER GEYER VON GIEBELSTADT, SÜDLICH VON WÜRZBURG, 1517

SCHLOSS GEYER

ANNA VON SECKENDORF*

schöne Ehefrau des Dietrich Geyer, Mutter des Florian, fromme Christin, kann weder lesen noch schreiben.

LURA

Annas Dienstmagd.

IM DORF GIEBELSTADT

VATER MICHAEL

Geistlicher des Dorfes.

ALMUTH

Hörige, Weberin, Hebamme, Mutter von Fridel, Hermo und Greta.

GRETA

Hörige, Tochter von Almuth, Verlobte von Kaspar.

RUTH

Hörige, Mutter von Matthes, Kerzenmacherin.

MERKEL

Höriger, Grobschmied.

SIGMUND

Höriger, Müller, Vater von Kaspar.

GERHARD

Höriger, Schuster und Zeugmacher, Großvater des Ambrosius.

FRANZ

Höriger, Töpfer, Vater des Kleinen Götz.

BERTA

Hörige, Töpferin, Mutter des Kleinen Götz.

THOMAS

Höriger, Großvater von Linhoff.

HUBER

Höriger, Vogt.

DER ALTE KLAUS

Händler und Verteiler von Flugblättern.