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Die Stille und das Pferd

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Andrea Klasen

Die Stille und das Pferd

Pilgerreise zum Rande der Welt

Ein reisedokumentarischer Roman

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© 2017 Andrea Klasen

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN


Paperback: 978-3-7345-8901-0
Hardcover: 978-3-7345-8902-7
e-Book: 978-3-7345-8903-4

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt

Prolog

Von Schwerte-Ergste nach Kelberg

Von Kelberg nach Adenau

Von Adenau nach Odesheim

Von Odesheim auf die Mallunger Höhe

Von der Mallunger Höhe nach Hümmel

Von Hümmel nach Leudersdorf

Literaturverzeichnis

Prolog

Begebe ich mich in die Obhut eines Pferdes, so muss ich bereit sein, mich ihm vollkommen hinzugeben. Denn zwischen Mensch und Pferd gibt es keine Geheimnisse. Ein Pferd ist mit allen Farben unseres Herzens vertraut. Es kennt das Kaleidoskop unserer Gefühle wie kein anderes Wesen. Denn Gefühle sind wie eine Sprache für das Pferd. Ein Pferd liest uns Menschen wie ein offenes Buch: Es spürt unsere Muskelspannung, es fühlt, wie unsere Zunge im Mund liegt, es erfasst im Bruchteil einer Sekunde die augenblickliche Schwingung unserer Seelenfasern.

Ein Pferd reist mit uns durch das feine Netz unserer Gedanken, und es weiß um unsere tiefsten Ängste, Träume und Sehnsüchte.

Wir Menschen suchen die Nähe der Pferde, weil wir wissen, dass sie uns auf den Grund unseres Herzens führen. Hin zu unserem reinen Wesen. Pferde sind das Licht in der Finsternis. Sie erweitern uns, denn sie kennen den Weg durch die mächtigen Pforten am Rande der Welt. Dahinter liegen Räume, die voller Möglichkeiten sind.

Unser Pferd zeigt uns die Wahrheit, die hinter den Dingen liegt, weil es das Wesen der Klarheit so liebt. Niemals verurteilt es. Ein Pferd betrachtet und bemerkt.

Unser Pferd ist auch mit unseren Schattenseiten vertraut. Es weiß um die Vollständigkeit der Dinge. Wo es Schatten gibt, existiert auch das Licht.

Unser Pferd wird uns in die Dunkelheit hineinführen, und auch wieder hinaus.

Unser Pferd kennt alle Pfade dieser Welt und geleitet uns durch das Labyrinth unserer Seele.

Es gibt keine schönere Freundschaft als die mit einem Pferd.

Als ich meine Stute Lady fragte, was sie sich für unseren Wanderritt durch die Eifel wünscht, da sagte sie zu mir: „Ich möchte Dich in meinen Rhythmus schaukeln.“

Allen Pferden gewidmet, besonders jedoch dem einen

Wandern ist die vollkommenste Art der Fortbewegung, wenn man das wahre Leben entdecken will.

Elisabeth von Arnim (1866-1941)

Im August 1907 zog die Schriftstellerin mit Pferden und

einem Planwagen mehrere Wochen durch den Süden Englands.

Von Schwerte-Ergste nach Kelberg

Am Anfang sind Wünsche ganz klein. Sie sind nichts mehr als winzige Hoffnungen, die manchmal aufblitzen und ein leichtes Beben in unseren Herzen auslösen.

Das Schöne an den Wünschen ist, dass sie größer und größer werden, je mehr Raum wir ihnen geben. Und eines Tages sind sie so groß, dass wir sie unmöglich weiter übersehen können. Wie Granitblöcke stehen sie dann vor uns und lassen sich nicht mehr wegschieben.

Das ist der Moment, in dem man sein Pferd von der Wiese holt, auf den Hänger führt und losfährt.

Lady und ich, wir machten uns am 14. Juni 2015 auf den Weg. Unser Ziel: die menschenleere Eifel. Menschenleere war uns wichtig, weil wir beide aus einer Gegend kommen, die dünn besiedelt ist und viel Raum zum Atmen lässt. Gerne wären wir in unsere Heimat zurückgekehrt, um dort einen Wanderritt zu machen, aber die Menschen in Wittgenstein sind Fremden gegenüber karg und mürrisch, und es wäre vermessen gewesen, sie um Kost und Logis zu bitten.

Die Eifel bietet beides: Menschenleere und Gastfreundschaft.

Ein Netz von Wanderreitstationen zieht sich über das große Gebiet, das im Westen an Belgien und Luxemburg grenzt, im Süden Rhein- und Moseltal berührt, sich im Osten an die niederrheinische Bucht schmiegt und in nördlicher Richtung Aachen tangiert.

Lady und ich, wir wollten uns aus Schwerte kommend, über die A 1 der Eifel nähern. Tatjana, eine Stallkollegin, hatte sich bereit erklärt, Lady und mich dorthin zu bringen. Nun saß ich in ihrem bequemen Geländewagen. Lady hinter uns wissend.

Tatjana ist eine sehr gute Fahrerin, und ich wusste Lady bei ihr in sicheren Händen. Sie selbst war unzählige Male mit ihren beiden Pferden und ihrem Mann in die Lüneburger Heide gefahren, um Ferien zu machen. Dort hatten sie lange Ritte unternommen und Tatjana erzählte mir auf unserer Fahrt, wie sie sich einmal in einem Moor so sehr verirrt hatten, dass sie und ihr Mann sich nicht mehr zu orientieren wussten. Es wurde dunkel und sie lenkten ihre Pferde spürbar im Kreis. Bis Tatjana merkte, dass ihr Tinker-Wallach den Weg hinaus aus der Endlosschleife wusste.

„Okay, Wicklow, dann geh“, forderte sie ihn auf, und legte die Zügel auf seinen Hals. Als erstes drehte sich der große kaffeebraune Schecke in die entgegengesetzte Richtung, wartete, bis sein Pferdefreund Kilkenny sich auch ausgerichtet hatte, und marschierte dann los. Wicklow wählte den direkten Weg, durch dichte Kiefernwälder, er durchschritt weite Sandkuhlen, einen Bach mit steil abfallender Böschung und plötzlich stand er auf einem Wanderweg, den Tatjana und ihr Mann wiedererkannten.

Tatjana streichelte ihrem großen Kaltblut den Hals. Nun würden sie den Rest des Weges hin zum Ferienstall gut finden.

Sie wandte den Kopf zu mir: „Andrea, wenn Du zweifelst, höre immer auf Dein Pferd.“

Wie recht sie haben sollte.

Ich packte meine Brote aus und bot Tatjana eine Stulle an. Es ist eine Angewohnheit aus Kindertagen, dass ich schon in der ersten Reisestunde mindestens die Hälfte meines Proviants vertilge. Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, wie ich das während meines Wanderrittes machen sollte; morgens würde es Frühstück geben, für den Tag ein Lunchpaket und erst am Abend eine warme Mahlzeit. Ich bin ein Mensch, der stets mittags warm isst. Seit ich nicht mehr zuhause lebe, koche ich mir jeden Mittag etwas Frisches, und wenn ich bis 14 Uhr nichts zu essen bekommen habe, kann es passieren, dass sich schlechte Laune in mir breit macht. Wie sollte ich lediglich mit belegten Broten über den Wandertag kommen? Bäckereien würde es am Wegesrand wohl kaum geben. Ich würde also jeden Morgen so viel wie möglich frühstücken, um einen Energievorrat anzulegen.

Lady hatte es da einfacher: als Pflanzenfresserin kann sie immer Brotzeit machen, denn Gras und Kräuter wachsen überall. Ich hatte mir vorgenommen, Lady alle zwei Stunden ausgiebig fressen zu lassen, denn wenn Pferde über vier Stunden ohne Nahrung sind, übersäuern sie und bekommen Magenschmerzen oder sogar Geschwüre.

Ich knabberte weiter an meinem Käsebrot. Es würde schon alles gut werden, und ich war ja auch bereit, geliebte Gewohnheiten über Bord zu werfen.

Lady und ich, wir würden in der kommenden Woche jeden Tag woanders übernachten. Für mich hatte ich bei jeder unserer sechs Stationen ein Drei-Gänge-Menu am Abend gebucht, Frühstück und Lunchpaket, und für Lady Heu und Kraftfutter. Ich war sehr gespannt, wie meine Gastgeber kochen würden, denn sie waren ja keine Profiköche. Die Philosophie des Vereins „Eifel zu Pferd“, in dem die dreiunddreißig Wanderreitstationen organisiert sind, ist es, für den Wanderreiter so zu kochen, als kämen Freunde zu Besuch, die man verwöhnen möchte.

Eine Stallkollegin, die schon mehrmals Urlaub bei Julia Braun in Odesheim gemacht hatte, meiner dritten Station, schwärmte mir von ihrem phantastischen Essen vor. Ich fand die Idee, dass die Hofbesitzer für ihre reitenden Gäste kochen, sehr reizvoll, ungewöhnlich und spannend.

Für Lady hatte ich an jeder Station einen Weidepaddock gebucht. Also eine kleine Koppel, wo sie nach Herzenslust fressen, sich wälzen und bewegen kann. Ganz so wie sie möchte. Noch nie musste Lady in einer Box hausen. Seit ihren Kindertagen lebt sie unter der Weite des Himmels, auf riesigen Wiesen. An ihrem Geburtsort, wo sie ihre ersten zwölf Lebensjahre verbracht hat, habe ich sie kennen gelernt.

Ihre Vorbesitzer hielten es so, dass die Pferde nur in Nächten, in denen es ununterbrochen schneite, für ein paar Stunden in den Stall kamen. Die Boxen dort hatten keine Gitter und waren recht geräumig, aber Lady konnte diesen kurzzeitigen Verlust ihrer Freiheit kaum ertragen. Nach ein paar Stunden warf sie sich mit voller Wucht gegen die Boxentür und sie hätte Schrammen und Prellungen in Kauf genommen, nur um ihre Freiheit wieder zu erlangen. Lady tut die Dinge mitunter mit entschiedener Kompromisslosigkeit.

Nach solchen Schneenächten fuhr ich am Morgen ganz früh zu ihr und befreite sie. Tänzelnd lief sie dann auf dem Weg zur Wiese neben mir her, blies ihre Atemluft in weißen Wölkchen durch ihre großen Nüstern, zerknirschte den Schnee unter den Hufen, und während der Himmel noch zwischen rosa und hellblau wählte, und die Welt in ein weiches Pastell färbte, stob Lady in wilder Freude galoppierend bis ans Ende der Koppel davon. Eingehüllt in eine flirrende Schneewolke.

„Wo habt Ihr Euch eigentlich kennengelernt, Lady und Du?“, riss Tatjana mich aus meinen Gedanken.

Ich sah zu ihr hinüber.

„Das erste Mal sind wir uns an einem wirklich kalten Wintertag begegnet“, begann ich, und ich war froh, gedanklich auf jener Wiese bleiben zu können, auf der Lady gerade noch durch den gold schimmernden Pulverschnee galoppiert war.

„Es war der 8. Dezember 2007 gegen 13:30 Uhr“, erzählte ich mit pathetischer Stimme, und Tatjana musste über die genaue Zeitangabe schmunzeln. Der Begegnungstag mit seinem Pferd wird in den meisten Mensch-Pferd-Ehen zelebriert wie ein Hochzeitstag.

Ich hatte mir damals endlich ein Herz gefasst und Tessa Blomberg, die junge Frau, die meinen Eltern neben ihrer Anstellung als Industriekauffrau im Haushalt half, gefragt, ob ich sie einmal zu ihren Pferden begleiten dürfe. Ihre Eltern besaßen einen Bauernhof und mehrere Pferde. Durch mein Studium und eine Kräfte raubende Beziehung hatte ich eine lange Pferdepause einlegen müssen. Tessa sagte Ja und so stand ich in eisigem Wind der Dunkelfuchsstute gegenüber, die kurze Zeit später mein Leben retten sollte.

Mit Eiszapfen im Fell stand Lady da, etwas abseits von den anderen. Ihre Mähne war lang und verfilzt. Sie bewegte sich nicht, doch in ihren meerestiefen Augen schimmerte die ganze Welt. Ihr Blick traf mich mitten ins Herz, und ich blieb ehrfürchtig einige Meter vor ihr stehen.

Lady ist „ein Kind der Liebe“. Ihre Mutter war ein Haflinger namens Flora gewesen. Eine eingetragene Zuchtstute, die jedes Jahr ein Fohlen bekam. Ein Haflingerfohlen natürlich.

Anders entwickelten sich die Dinge, als Little, ein Araber-Morgan-Mix, als Pensionspferd zu den Blombergs kam. Der schmucke Braune war vor einem halben Jahr kastriert worden, und so ließ man ihn ohne Bedenken zu den Stuten. Merle, eine weiße Reitponystute und Flora, Ladys Mutter, ließen sich von Little umgarnen. Und obwohl kastriert, beherrschte er noch immer die ganze Kunst der Verführung und beglückte erst Flora und dann Merle.

Elf Monate später, als Little den Hof längst wieder verlassen hatte, kam im März 1996 ein kleines Stutfohlen zur Welt: mit dunkelroter Farbe und einem weißen länglichen Abzeichen im Gesicht, das mit einer Schnippe auf der Oberlippe endet. Genau wie ihr Vater hat Lady hinten rechts eine weiße Fessel.

Mit wachen Augen, einem Seepferdchenkopf und noch feuchtem Fell schaute sie sich in jener Nacht um.

Als die Blombergs in den Stall kamen, blickten sie voller Verwunderung auf das rote Fohlen. Sie hatten mit blondem Nachwuchs gerechnet. Dieses kleine Knäuel mit den noch wackligen Beinen sah einem Haflinger so gar nicht ähnlich, und sofort fiel der Verdacht auf Little. Und als ein halbes Jahr später eine kleine hellere Fuchsstute mit breiter Blesse auf die Welt kam, da waren die Blombergs noch mehr verwundert, dass ein kastrierter Hengst gleich zweimal erfolgreich Papa werden konnte.

Lady wurde Ruths Pferd, Ruth ist Tessas Schwester, und die beiden verbrachten eine herrliche Jugendzeit miteinander. Bis für Ruth die Jungs interessanter wurden, und Ladys Mähne zu verfilzen begann.

Scarlett, Ladys später geborene Halbschwester, war das Pferd von Tessa, die ein Gleichgewicht zwischen Jungs und ihren Pferden herstellen konnte.

Lady kümmerte sich um ihre inzwischen alte Mutter Flora, räumte ihr den Weg zum Futter frei und passte auf sie auf. Als Flora mit fünfunddreißig Jahren starb, und Ruth ihre Lady noch nicht einmal mehr begrüßte, wenn sie sie sah, da fühlte sich Lady oft wie das fünfte Rad am Wagen. Sie hatte keine Bezugsperson mehr.

Bei unserer ersten Begegnung an jenem kalten Dezembertag, wirkte Lady auf mich sehr ruhig, so, als habe sie sich in ein Schneckenhaus zurückgezogen. Nachdem ich eine ganze Weile vor ihr gestanden hatte und in ihren meerestiefen Augen versunken war, näherte ich mich ihr vorsichtig, und in ihrem Inneren musste ein Feuerwerk explodiert sein, als sie meinen Geruch, der über die Jahrhunderte unverändert geblieben war, in ihre wartenden Nüstern aufsog. Denn wir kennen uns schon viele Leben. Sie beobachtete mich genau, blieb jedoch äußerlich weiterhin bewegungslos. Später erzählte sie mir, dass sie gelernt hatte, brav zu sein, die Dinge zu tun, die von ihr verlangt wurden. Mehr nicht. Eigeninitiative war nicht erwünscht.

An unseren ersten Ausritt kann ich mich kaum erinnern. Ich weiß nur, dass ich mich auf Ladys Rücken sehr wohl fühlte, und nach zwei Stunden trotz der schneidenden Kälte nicht mehr absteigen wollte. Ich hatte meinen Platz gefunden.

Von nun an fuhr ich jedes Wochenende zu ihr ins dreißig Kilometer entfernte Wiesenhausen, einem Ort in meiner Heimat Wittgenstein im Rothaargebirge. Anfangs begleitete mich Tessa bei unseren Ausritten, dann ließ sie mich endlich allein gehen. Ich genoss es sehr, mit Lady stundenlang durch verschneite Fichtenwälder zu streunen, an immer derselben Stelle den vier Hirschkühen zu begegnen, und im Frühjahr durch einen langen Tunnel aus hellgrünen Buchen zu reiten.

Lady wurde immer unverzichtbarer für mich. Egal wie kalt es war, egal wie dick die Eisschicht auf den Straßen war, und egal, dass ich nicht wusste, was mein Freund in dieser Zeit machte, - jeden Samstag und Sonntag fuhr ich zu ihr.

Noch immer war sie verhalten, doch ihr Blick wurde weicher.

Da Ruth mit Lady die meiste Zeit in vollem Galopp durch den Wald geprescht war und irgendwann gezwungenermaßen bremsen musste, trug Lady ein Pelham, eine recht scharfe Zäumung mit zwei unterschiedlichen Hebelstärken. Nach ein paar Ritten schnallte ich die Zügel in den ersten oberen Ring, um die Hebelwirkung auszuschalten. Doch selbst das tat mir noch weh. Die starre Gebissstange lag noch immer auf Ladys Zunge und ihrem Zahnfleisch. Über dem Zahnfleisch der Pferde befindet sich lediglich eine dünne Schleimhaut, darunter liegen gleich die Nervenknospen. Metall im Pferdemaul ist für mich schlicht Tierquälerei.

Lady war ein „heißes“ Pferd, das meist tänzelnd durch den Wald lief, immer in Erwartung eines erleichternden Galopps. So gerne ich selber galoppiere, ich wollte, dass Lady entspannen lernt, und ritt sie deshalb ein halbes Jahr lang nur im Schritt am langen Zügel durchs Gelände. Sobald ich die Zügel etwas aufnahm, wollte sie losschießen. Mit großer Geduld erklärte ich ihr immer wieder, dass sie atmen solle, ich einen ruhigen Schritt wolle und sie wirklich entspannen könne. Ladys Oma, eine weiße Araberstute, war als Rennpferd gelaufen, und Lady schien zu jeder Zeit sämtliche Geschwindigkeitsrekorde brechen zu wollen. Sie war und ist unglaublich schnell.

Irgendwann, als sich das Laub für einen goldenen Herbst schmückte, schnaubte Lady am langen Zügel, senkte Hals und Kopf nach unten, und atmete tief ein und aus. Ich hatte sie überzeugt, dass auch in einer gemächlicheren Reisegeschwindigkeit eine gewisse Art der Schönheit wohnt, auch wenn man mit großen Nüstern und sehnigen Beinen auf die Welt gekommen ist.

Immer mehr wuchsen wir zusammen und die Stunden mit Lady waren mir alles.

Und dann passierte das Unvorstellbare: Mein damaliger Freund Andreas verließ in der Nacht vom 5. auf den 6. Februar 2008 diese Welt. Seine zerrissene Seele war durch die Ecke zweier Außenwände unseres Schlafzimmers geschlüpft, und ich starrte auf seine zurückgelassene Hülle. Ein so vertrauter Körper, der mich nachts gewärmt hatte und in dessen Duft ich ertrunken war.

Am Bett stehend rief ich immer wieder seinen Namen, doch so laut ich auch schrie, die Lider über den panthergrünen Augen hoben sich nicht mehr. Als ich seine rechte Schulter berührte, drang zum ersten Mal in meinem Leben das blanke Entsetzen in mich ein. Sein Körper war wie steif gefroren und unbarmherzig kalt. In diesem Moment begriff ich das Wesen der Ohnmacht und das der Endgültigkeit.

Fünf Tage nach Andreas’ Tod, als mein Mund wieder Worte formen konnte, bat ich meinen Vater, mich zu Lady zu fahren. Ich selber war nicht in der Lage, ein Auto zu steuern. Viel zu ängstlich war ich und der Schleier vor meinen Augen hatte alles in ein gleichförmiges Grau getaucht. Nach endloser Fahrt kamen wir endlich an ihrer Koppel an, und als ich ihr dunkelrotes Fell sah, wusste ich, dass ich weiterleben möchte.

Lady war bereit, mich durch die brennende Hölle zu tragen. Dieses Versprechen gab sie mir an jenem Tag. In ihren tiefen Augen sah ich die weit entfernte Zukunft schimmern. Und den langen verschlungenen Pfad dorthin. Lady war genau zur richtigen Zeit wieder zu mir gekommen. Wenn ich nachts mit dem Leben haderte und in die sehr sichtbare einladende Hand des Sensenmanns nur hätte einschlagen müssen, dann spürte ich die Wärme meiner Katze und stellte mir vor, wie ich auf Lady zulaufe und der Schmerz mit jedem Schritt, der mich näher zu ihr bringt, weniger wird.

Anfangs hatte ich kaum Kraft, mich auf Ladys Rücken zu halten.

Nach unseren Ausritten konnte ich mich nicht von ihr trennen und stand stundenlang neben ihr, um ihre Mähne zu entfilzen. Haar für Haar ordnete ich sie, und darunter fand ich ein goldenes Pferd mit glänzenden Augen, dass nun immer öfter meinen Handrücken sanft mit seinen Lippen berührte.

Meine Katze Gawan schnurrte mich mit gurrender Melodie in den Schlaf und bewachte meine dunklen Träume.

Gawan und Lady woben in dieser Zeit gemeinsam an jenem seidenen Faden, an dem ich in den kommenden fünf Jahren hängen sollte.

Nach einem halben Jahr hatte Lady den Mut, mir ihr Herz ganz zu öffnen. Ich schmiss das Pelham weg und ritt sie gebisslos.

„Du bist lebensmüde!“, wurde ich gewarnt, aber Lady und ich, wir waren in einen ruhigen Dialog getreten und hatten begonnen, uns mit immer feiner werdenden Hilfen zu verständigen. Wir begannen, mit Gedanken und Bildern zu kommunizieren, die wir uns „schickten“. Außerdem atmeten wir gemeinsam. Für Pferde ist das Atmen eine Sprache.

Mir war klar, dass ich ohne Lady nicht mehr sein wollte. Ich wusste aber auch, dass ich den Ort, an dem ich mit Andreas gewohnt hatte, verlassen musste, weil mich die Erinnerungen Nacht für Nacht einholten. Ich würde also mit Lady gemeinsam weggehen müssen.

Bei einem Ausritt sagte ich Tessa, dass ich Lady kaufen wolle, und sie mir ein Angebot machen solle.

„Ich gebe Lady nicht ab!“, sagte sie. „Und wenn Du wegziehst, wird sie ein anderer reiten“, teilte sie mir auf meine erneute Anfrage eine Woche später hin mit. Ein brennender Stich durchfuhr mein Herz.

Doch ich dachte mir, dass Menschen sich irgendwann mit Gedanken anfreunden. Und so wiederholte ich wieder und wieder, Woche für Woche: „Tessa, ich möchte Lady kaufen. Bitte mach mir ein Angebot.“

Im Sommer 2009, ein ganzes Jahr später, sagte sie Ja. „Aber sie bleibt dann hier“, versuchte sie ihre Zusage an Bedingungen zu knüpfen. Ich widersprach. Zähneknirschend gab sie sich geschlagen. Wir schlossen auf meinen Wunsch hin einen Vertrag ab, und Lady wechselte das erste Mal in ihrem Leben den Eigentümer. Freude und Sorge mischten sich in meinem Herzen. Würde ich alles richtig machen mit Lady? Würde ich wissen, was wann zu tun wäre? Ich war noch nie alleine verantwortlich gewesen für ein Pferd.

Kurz nach dem Kauf holte ich sie in meine Nähe, und endlich hatte ich das Gefühl, wirklich ein eigenes Pferd zu haben. Sechsunddreißig Jahre lang hatte ich auf die Erfüllung dieses Traumes gewartet.

Im März 2010 verließen wir die Gegend, an der mich alles an Andreas und unser gemeinsames Leben erinnerte, und zogen nach Herdecke. Ganz in der Nähe von Schwerte fand ich einen Offenstall mit einer Stutenherde für Lady. In einem Offenstall leben die Pferde in einem Herdenverband, ohne Boxen. In den Sommermonaten kommt zum groß angelegten Paddock noch der meist ganztägige Weidegang dazu.

Da Lady ein gut sozialisiertes Pferd ist, und zudem mit Vorsicht und Weitsicht agiert, fand sie schnell ihren Platz in der Rangordnung der Herde.

Wir richteten uns in unserem neuen Leben ein. Das Gut, auf dem Lady stand, war ein wunderbarer Ort, an dem sie mit einigen Stuten Freundschaft schloss und ich mich den Menschen wieder annäherte. Auf diesem Hof hat jeder seine eigene Philosophie die Pferde betreffend, und in dieser Vielfalt lernte ich eine Menge und entwickelte auch meine eigene Sichtweise auf die Pferde weiter.

Das Band zwischen Lady und mir wurde immer enger. Lady entfaltete sich und zeigte immer mehr ihre clowneske Seite. Sie hat eine Menge Schabernack in sich, den wir gemeinsam ausleben. Mit mir habe sie gelernt, was es bedeutet zu leben, mal übermütig zu sein und Quatsch zu machen, sagte sie später einmal.

Unsere Verbindung wurde so eng, dass es für mich plötzlich möglich war, Ladys Gedanken zu verstehen. Allzuoft wird man als Pferdeliebhaber von Außenstehenden gefragt, ob man denn nun „Pferdeflüsterin“ sei. Meist lachen die Fragenden schon, während sie die Frage stellen. Die Wahrheit ist: Pferde flüstern nicht einmal, sie sprechen noch leiser.

Ihre Gefühle drücken sie über ihre Mimik und ihre Körpersprache aus. Ein Pferdemaul erzählt etwas über die Zufriedenheit des Tieres. Im Auge des Pferdes kann man erkennen, ob es geliebt wird oder sich missverstanden fühlt. Ein ständig schlagender Schweif - es sei denn Stechtiere ärgern das Pferd - deutet auf eine seelische oder körperliche Verspannung oder beides hin.

Ein Pferd mit hoch erhobenem Kopf - so haben sie statt der sonst 340-Grad-Sicht eine 360-Grad-Rundum-Sicht - ist fluchtbereit und versucht abzuwägen, ob es sein Leben retten muss oder nicht.

An der Körperhaltung kann man erkennen, wie es dem Pferd geht. Ob es Schmerzen hat oder entspannt ist.

Mit einem aufgestellten Hinterfuß, von dem viele Nichtpferde-Menschen glauben, das Pferd wolle sie damit treten, entlasten sie Hüfte und Bein einer Körperseite.

Durch ihre Bewegungen drücken Pferde zudem ihre Gefühle aus: will ein Hengst eine Stute beeindrucken, so wölbt er den Hals und schwebt umher. Ein Pferd, das ein Rangniedrigeres verscheuchen will, um beispielsweise an die Tränke zu gelangen, geht zielstrebig auf es zu, und strahlt dabei gerade so viel Energie aus, dass das andere Pferd Bescheid weiß und den Platz räumt. Sehr ranghohe Pferde müssen nur leicht ihr Ohr nach hinten legen, um den Anderen in seine Schranken zu weisen.

Die Ohren - ich würde sagen, sie erzählen uns das meiste. An ihnen kann man kleinste Regungen und Gefühlsveränderungen ablesen. Die Ohren sind immer auf Empfang und nehmen alles wahr. Sogar wenn ein Pferd im Stehen döst und weit entfernt scheint, sondieren seine Ohren die Umgebung, filtern und ordnen ein. Nehmen sie etwas Besorgniserregendes wahr, so kann ein Pferd, das gerade noch friedlich schlief, im nächsten Moment zu einer wilden Flucht aufbrechen.

Die Pferde einer Herde sind untereinander eng vernetzt. Es scheint oft so, als seien ihre Nervensysteme miteinander verbunden. Gefühle und schnelle Entscheidungen teilen sie sich im Bruchteil einer Sekunde mit. Pferde sind unglaublich schnell in ihren Reaktionen. Nur so können sie überleben. Diese unglaubliche Sensibilität macht es so reizvoll mit ihnen zusammen zu sein. Es ist unfassbar schön, das Wesen der Pferde zu ergründen. Als Mensch, der mit ihnen arbeitet und zusammen ist, müssen wir allerkleinste Zeichen ihres Körpers lesen können, verstehen und darauf reagieren. Dann weiß das Pferd, dass wir seine Sprache sprechen und fasst Vertrauen.

Ein Pferdeflüsterer ist somit ein Mensch, der dem Pferd zuhört und der das Pferd versteht, wenn es ihm etwas zuflüstert. Und einige Pferdeflüsterer können eben auch die Gedanken ihrer Pferde lesen.

Pferde sind wachsame Fluchttiere und gleichzeitig Energiesparer, die gerne entspannen und sich sicher fühlen möchten. Als Mensch sollten wir ihnen immer diese Sicherheit ermöglichen. Einem Menschen, der ruhig, fair, berechenbar und zuverlässig ist, dem schließen sie sich an.

Niemals sollten wir versuchen, einem Pferd etwas vorzuspielen. Tun wir fröhlich, obwohl wir eigentlich traurig sind, tun wir stark, obwohl wir unsicher sind, dann entlarven sie diese falschen Gefühle, weil sie die Wahrheit kennen.

Bin ich mal traurig, dann stehe ich in der Gegenwart eines Pferdes zu diesem Gefühl. Lady freut sich über diese Ehrlichkeit und bewertet dieses Gefühl nicht, sondern nimmt es wahr und geht damit um. Bin ich innerlich konfus und reite in der Halle, ohne wirklich Richtung und Ziel zu haben, dann spiegelt mir Lady meine nicht präsente Eindeutigkeit und läuft Schlangenlinien. Sie ermuntert mich dann: „Hey, gib uns wieder eine Richtung. Die braucht es im Leben.“ Und schon werde ich mir meiner - auch inneren - Orientierungslosigkeit bewusst, und beginne, symmetrische Linien in der Bahn zu reiten, die Anfang und Ende haben. Und Lady atmet erleichtert auf: „Ah, mein Mensch ist wieder bei sich. Weiter so!“

Bei unserem gemeinsamen Zusammensein lasse ich Lady alle Freiheiten, weil ich weiß, dass sie meine Grenzen akzeptiert. Sehr häufig lädt sie mich zu gemeinsamen Meditationen ein. Ich setze mich dann vor ihre Vorderbeine und lehne mich daran an. Ladys Kopf hängt dann über mir und ich spüre die unendliche Ruhe und Kraft, die Lady durchströmt. Lady ist heute ein Pferd, das vollkommen in sich ruht. „Alles ist himmlisch gesteuert“, so ihr Lebenscredo. Während dieser Meditationen nimmt sie mich mit in ihre Welt, wo ein herrlicher Frieden herrscht. Oft reiten wir dabei durch die mongolische Steppe, wo die weite Landschaft in gelb, blau und grün vor uns liegt. Ich vermute, dass Lady und ich dort einmal gelebt haben.

Lady lässt durch diese Reisen den See meines Herzens ruhig und klar werden. Es sind oft die Pferde, die die Führung übernehmen, um uns Dinge zu zeigen. Manchmal kommt es vor, dass Lady während einer solchen Meditation ihre Nüster an meine Nase legt und tief hinein atmet. Dann ist es so, als berühre mich eine göttliche Kraft.

Pferde leben im Augenblick und sie laden uns Menschen dazu ein, dies auch zu tun. Pferde lassen Gefühle und Situationen wie Wolken heranziehen, sie betrachten sie, ziehen ihre Schlüsse, fressen entweder weiter oder fliehen, und lassen die Wolken dann weiterziehen. Ihr Geist bleibt nie an etwas hängen.

Während unserer gemeinsamen Meditationen höre ich die Greifvögel am Himmel, ich spüre, wie der leichte Wind durch die Gräser streicht, ich fühle Ladys Atem an meinem Hals, ihre Lippen auf meinem Kopf, ich höre entfernt Hunde bellen und bin nur noch ein Atemzug. In jedem Moment ein neuer.

So dasitzend komme ich jedes Mal vollkommen zur Ruhe und ich bin Lady so dankbar für diese Ausflüge. Sie hüllt mich dabei vollkommen in ihre Liebe ein. Ihre Zärtlichkeit ist so sanft und so vertraut.

Dass Lady in der Gestalt eines Pferdes lebt und ich den Körper eines Menschen habe, ist unerheblich. Sie ist meine beste Freundin, meine Gefährtin.

Nach fünf Jahren der Trauer, hatte Lady es geschafft, auch mein Herz wieder zu öffnen, und Kai, ein schüchterner Mann mit ruhigen Bewegungen und türkisfarbenen Augen, die die ganze Welt kennen, öffnete vorsichtig die Tür und kam herein: Kai ist das genaue Gegenteil von Andreas und wunderbar.

Es gibt eine zweite große Liebe. Sie ist nur anders. Man achtet mehr auf seine Konturen und verbrennt nicht mehr. „Die erste Liebe ist das Versprechen, das andere halten werden“, hatte Senta Berger einmal gesagt.

Im Frühsommer 2013 konnte Lady plötzlich nicht mehr laufen. Sie hatte starke Schmerzen in den Sprunggelenken, und unsere Tierheilpraktikerin Martina Holler testete sie positiv auf Borrelien. Borreliose kann ein Todesurteil für ein Pferd sein.

Martina erklärte mir, dass diese Zeckenbelastung schon lange in Lady geschlummert haben könnte, denn ein Körper kann diese Bakterien sehr lange speichern, ehe es zum Ausbruch einer Borreliose kommt. Wenn es überhaupt dazu kommt.

Ich wusste, was mir Lady mit dieser Krankheit sagen wollte: Seit drei Jahren wohnte ich im Haus mit schrecklichen Vermietern, die mir das Leben zur Hölle machten. Ich lief auf Zehenspitzen durch die Wohnung, denn ging ich normal, klopfte meine Vermieterin mit einem Besenstil auf den Fußboden, der meine Zimmerdecke war, und ich wurde zum huschenden Schatten in meinen eigenen vier Wänden.

„Quälst Du Dich gerne selber?“, fragten mich Freunde verwundert. Doch ich schaffte den Absprung nicht, weil ich viel Geld in diese Wohnung gesteckt hatte.

Doch nun war es an der Zeit zu handeln. Lady forderte mich mit ihrer Krankheit dazu auf. Eigentlich hätte ich die Borreliose bekommen müssen. Doch sie hatte sie für mich übernommen.

Die Zecke steht in der Tiersymbolik für das Aussaugen von Energie, und darin war meine Vermieterin eine Meisterin. Und ich ließ es mir gefallen. Ich war traurig, dass Lady meinetwegen diese Schmerzen erdulden musste. Sie hatte während meiner intensiven Trauer um Andreas schon genug für mich getragen. Doch unsere Heilpraktikerin beruhigte mich: „Andrea, Lady wird laut ‚Hier!‘ geschrien haben, um Dich aus der Gefahrenzone zu bringen.“

Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass die Tiere für ihren Menschen Krankheiten übernehmen, und ihm so den Weg weisen. Lady sagte mit aller Schärfe: „Ausziehen, wenn Du nicht kaputt gehen willst!“, und konnte sich selber kaum noch bewegen. Ich aber musste etwas bewegen. Und plötzlich wurde mir klar, dass ich in dieser Wohnung, in diesem Haus, mit diesen Blockwart ähnlichen Vermietern wirklich nicht länger koexistieren konnte.

Als ich Lady meinen Entschluss mitteilte, umziehen zu wollen, verschwanden die Borrelien. Die Kardenwurzel, das kolloidale Silber und Martinas Bioresonanz-Behandlung unterstützten Ladys Körper bei der Heilung. Nach einem Dreivierteljahr konnte sie endlich wieder schmerzfrei laufen, und ich studierte weiter die Wohnungsanzeigen. Es war schwierig, etwas zu finden.

Als ich die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte und am Nachmittag des Silvestertages 2013 einer Stallkollegin in unserem Reiterstübchen mein Leid klagte, klingelte plötzlich mein Handy, das ich eigentlich, wenn ich am Stall bin, nie bei mir trage. Falko war am anderen Ende der Leitung. Er war ein WDR-Kollege und erklärte mir, er habe gehört, dass ich eine Wohnung suche. Er würde mit seiner Frau für einige Jahre nach Amerika gehen, und ihre geliebte Wohnung würde frei werden. Ich solle vorbeikommen.

Zehn Minuten später empfing er mich vor dem Haus, das umgeben ist von Wald und Feldern. Wir gingen hinein. Als ich im Arbeitszimmer stand und die winkenden Tannen vor dem Fenster erblickte, wusste ich: Genau hier will ich leben.

Das Haus liegt keine drei Kilometer von Lady entfernt, ist für diese Gegend einsam gelegen, mit nur einer weiteren Nachbarin in der unteren Etage. Zwei Monate später zog ich dort ein.

„Endlich sind wieder Geräusche im Haus“, sagte die alte Dame, die unter mir wohnte, und ich legte den Gang auf Zehenspitzen nach und nach ab. Im Mondschein äsen hier die ausgebrochenen Damhirsche meines Nachbarn, die Uhus gurren durch die Nacht, und im Frühjahr erklären junge Füchse den Garten zu ihrem Spielplatz.

Auf die Hölle folgt offenbar immer das Paradies.

Kurz nach meinem Umzug im Februar 2014 spürte ich, dass Lady Schmerzen in der Lendengegend hat. Seit ich sie kenne, ist das ihre Schwachstelle, aber niemand konnte ihr bisher helfen. Ich rief bei dem Osteopathen an, der als Koryphäe gilt, und wir bekamen einen Termin.

Alle zwei Monate kam er zur Behandlung. Während dieser Zeit verbot er mir, Lady zu reiten und zu longieren, wir durften unsere geliebte Freiarbeit nicht mehr machen, weil die Wendungen dabei zu eng seien, wir durften keine Zirkuskunststücke mehr üben, keine Dressurlektionen mehr und Podestarbeit war auch nicht erlaubt.

„Gehen Sie nur noch geradeaus durch den Wald. Alles andere schadet ihr“, so die sehr ernst ausgesprochene Anweisung des Osteopathen.

Diese Verbote machten mir das Herz schwer, denn ich wollte Lady immer Abwechslung in unserer gemeinsamen Zeit bieten.

Doch ich war bereit für den Verzicht und wollte alles tun, damit Lady wieder gesund wird, und führte sie stundenlang durch den Wald.

Das hätte alles sehr genussvoll sein können, wäre ich zu diesem Zeitpunkt nicht Chefredakteurin einer neu gegründeten Pferdezeitschrift geworden. Ich wurde durch diese Arbeit zu einem ruhelosen Workaholic, erkannte mich selbst nicht mehr wieder, und steuerte auf die Katastrophe zu. Ich wollte nur noch Dinge erledigen, abarbeiten, es schaffen, fleißig sein, regte mich über die Unfähigkeit der Kollegen auf, und beantwortete jede Mail sofort.

In meinen Gedanken formulierte ich pausenlos die elektronischen Briefe, stellte To-do-Listen auf, plante die nächsten Arbeitsschritte. Eine große Unruhe rührte in meinem Herzen. Lady ging keinen Schritt mehr und hielt mir den Spiegel vor: „Du bist nur noch ein Schatten Deiner selbst“, mahnte sie mich. „Neben Dir gehe ich nicht mehr spazieren, weil Du ja gar nicht da bist! Ich bleibe stehen, weil ich Deinen Gedanken nicht mehr folgen kann.“ Sie hatte so recht. Ich wollte immerzu arbeiten, um endlich fertig zu werden, und um mich dann ganz Lady hinzugeben.

Aber dieses Ziel glich einer Fata Morgana. Selbst wenn ich meinen Schlaf eingestellt hätte, - ich wäre nie mit allem fertig geworden.

Und wie sollte ich mit Lady durch den Wald schlendern, wenn der Schreibtisch an beiden Enden brannte?

Ladys frühzeitige Warnungen überhörte ich. Ich vergaß zu leben.

Hatte ich sie in der Zeit ihrer Borrelien-Erkrankung stundenlang massiert und mit ihr meditiert, so fehlte mir jetzt dafür die Ruhe. Lady und ich gerieten in eine tiefe Krise. Sie bewegte sich keinen Meter mehr vom Hof und ich konnte meinem Gedankenkarussell nicht mehr entkommen.

Wie oft stand ich auf der Hofallee neben ihr und weinte, während sie nur geradeaus starrte. Mit leerem Blick.

In diesen Momenten brach für mich jedes Mal eine Welt zusammen und meine Reaktion auf Ladys Stehenbleiben war ein Indikator dafür, wie es gerade nervlich um mich bestellt war. Meist schüttelten mich Weinkrämpfe.

Ich spürte wie Lady mir entglitt. Ich wollte sie nicht verlieren, doch der Weg zu ihr, der zu mir und der zu uns beiden, war so weit und irgendwie unüberwindbar.

Ich wollte wissen, was Lady wirklich denkt und ob sie einen Rat für uns hatte. Obwohl ich Ladys Gedanken verstehen kann, war ich in dieser Situation befangen. Das ist vielleicht vergleichbar mit dem Entschluss, mit seinem Partner zu einer Paartherapeutin zu gehen, obwohl man mit dem Partner selber auch reden kann. Ich bat deshalb Heike Loipfinger, eine Tierkommunikatorin, mit Lady zu sprechen. Manche halten die Tierkommunikation für Humbug, ich aber bin davon überzeugt, dass unsere Tiere unsere Begleiter und Lehrer sind, die nicht zufällig an unserer Seite leben, sondern uns bei unserer Weiterentwicklung helfen und eine Menge zu sagen haben. Tiere haben eine sehr komplexe Gefühlswelt und sind eng mit dem Universellen verbunden.

Während des Gespräches protokollierte Heike Loipfinger schriftlich mit. Nach Tagen bangen Wartens kam endlich die Mail von ihr. Sie erreichte mich abends, und ich begann bereits beim Lesen der ersten Zeilen bitterlich zu weinen.

Gesprächsprotokoll zur Tierkommunikation mit Lady / Stute / 18 Jahre

Datum: 27.04.2014

Heike: Hallo Lady, hier ist Heike Lara’Antranija.

Lady: Ich warte schon auf dich. Seit Tagen schon!

H: Ja, ich habe diese Woche mit Andrea gesprochen, doch ich komme erst jetzt dazu, mir Zeit für dich zu nehmen. Lady, Andrea hat mich gebeten, mit dir zu sprechen.

L: Ja, ich weiß. Das ist in Ordnung und wie gesagt, ich warte schon auf unser Gespräch. Habe einiges zu sagen. Oder würde gerne einiges sagen, wenn ich darf.

H: Natürlich darfst du, Lady. Dazu ist das Gespräch da. Andrea hat mir die eine oder andere Frage gesagt, die sie interessieren würde, du darfst jedoch auch zu anderen Dingen etwas sagen, wenn sie dir wichtig sind.

L: Gut. Das ist gut.

H: OK, dann beginnen wir?

L: Tun wir das nicht schon?

H: Wie geht es dir Lady?

L: Fühle mich einsam und verlassen gerade.

H: Einsam? Ich habe gehört du lebst in einer großen Herde. So hast du doch immer Gesellschaft und Pferde um dich herum?

L: Ja, das stimmt. Doch mein Mensch, der Mensch zu dem ich gehöre, ist nicht mehr bei mir. Sein Herz, seine Seele sind gerade auf anderen Wegen und deshalb sind wir entfremdet. Deshalb fühle ich mich alleine. Es gab andere Zeiten in unserem Leben. Da waren wir ein Team! Ein richtiges Team. Ein Team, das eine Einheit war, da ist Freude und Glück geströmt, wenn wir zusammen waren. Doch nun ist es anders, wir sind zwar immer wieder zusammen, aber irgendwie auch doch nicht. Andrea ist in ihren Gedanken woanders und nicht bei mir, so wie es schon war. Deshalb bin ich einsam. Fühle mich alleine und nicht wertvoll.

H: OK. Was wünscht du dir denn gerade, Lady?

L: Viel Zeit, viel Ruhe, viel Liebe, viel Sonne. HERZENSWÄRME. Ich denke, das fehlt mir am meisten. Die HERZENSWÄRME. Ich habe sie schon bekommen, doch im Moment dümpelt sie auf Schmalspur dahin. Man kann sie nicht bestellen. Entweder lässt man sie fließen, die Herzenswärme, oder nicht. Und im Moment ist hier wenig los. Schlechte Gewissen sind mit im Raum, doch keine echte Herzenswärme, Freude und Lebensfreude. Das Licht fehlt in unserer Beziehung. Das Licht, die Sonne und die Liebe. Und vor allem: die Leichtigkeit.

H: Hast du eine Idee, wie das geändert werden könnte?

L: Ich bin bereit dazu. Das weißt du. Doch auch ich habe meine eigenen Päckchen zu tragen und bin gerade nicht so sehr auf der Höhe. Doch ich wünsche mir mehr Respekt, mehr Entgegenkommen und mehr Liebe, auch wenn jetzt gerade eine Phase der Heilung ansteht. Der körperlichen Heilung. Und während einer Phase der körperlichen Heilung ist es unermesslich, dass die seelische Ebene blüht und duftet, denn das unterstützt die körperliche Heilung um ein Vielfaches. Das wisst ihr nicht? Das wisst ihr schon. Ihr solltet nur mal in euch hineinspüren, wie es euch geht, wenn es euch nicht so gut geht. Wie wohltuend tut da seelische Wärme. Es ist Balsam und heilsam und beschleunigt die Genesung. Ich wünsche mir daher NÄHE und Lachen und freudvolle schöne Momente mit Andrea. Wieso soll der jetzige Status schlecht sein, den wir haben? Er ist anders. Ja, ich kann gerade nicht geritten werden. Ich kann schon, doch es geht mir gerade besser, wenn ich kein Gewicht auf meinem Rücken trage. Doch es gibt unzählig viele Dinge, die wir gemeinsam unternehmen könnten, um unsere Zeit abwechslungsreich zu gestalten.

H: Was könnte das sein, auf was du hier Lust hast, Lady?

L: Ich will in einen Bach. Ich will da richtig hinein und das Wasser spüren. Die Strömung um meine Füße. Dann will ich über Heuhaufen gehen, ich will durch Wiesen streifen, meine Seele baumeln lassen, ich will am langen Strick und Seil gemeinsam mit dir (Andrea) die Umgebung erkunden. Lass uns losmarschieren. Lass uns ANDERE Wege einschlagen! Nicht nur die, die wir schon kennen. Lass uns laufen, laufen, laufen. Neue Wege, neue Gegenden entdecken. Längere Ausflüge machen. Ich bin bei dir. Ich kann das. Die Bewegung tut mir gut, das gemächliche dahin schreiten im Schritt. Lass uns auf Abenteuer gehen. Ich will aus einem Dorfbrunnen trinken. Ich will Höfe umkreisen, ich will den Sand unter meinen Hufen spüren. Ich will mitten durch den Wald durch Geäst gehen. Lass uns die Wege verlassen. Hör auf, immer so langweilige Wege mit mir zu gehen. ABENTEUER!!! Das will ich. Lass uns Hunde entdecken. Lass uns...

H: Was ist los, Lady, warum sprichst du nicht weiter?

L: Ich bin gerade abgelenkt worden. Ein Schmerz ist durch meinen Rücken gefahren. Ich möchte mehr mit Andrea unternehmen. Sie soll nicht denken, dass ich mich langweile, wenn wir nur laufen können. Ja, es ist schön, wenn sie auf mir sitzt, doch auch in dieser Situation jetzt, ist es möglich, dass wir unendlich viele schöne Momente erleben. Es ist nur anders. Anders als bisher. Doch es ist nicht schlechter. Anders eben. Versteht das! Jede Zeit hat ihre Reize. So hat auch diese Zeit ihre Reize. Wir haben so herrliches Grün draußen. Die Wiesen blühen so schön. Da können wir durchstreifen, den Duft können wir einatmen, den Wind können wir spüren. GEMEINSAM!!! Lass uns laufen, laufen, laufen, ANDREA... Komm, beweg dich!!! Nimm mich mit auf unendlich lange Spaziergänge. Ich will etwas zu erzählen haben, wenn ich in den Stall zurückkomme. Nicht so wie jetzt. Ich will etwas entdecken und da gibt es unzählige Möglichkeiten. Wir müssen nur losziehen und du wirst sehen, es wird auch dir gefallen. Der Weg, der gemeinsame Weg, die gemeinsame Zeit, die wir zusammen unterwegs sind, das ist das Ziel. Das ist die schöne gemeinsame Zeit. Sie wird dir gut tun, WENN DU DEINE EINSTELLUNG DAZU ÄNDERST!!! Das ist wichtig!! Deine EINSTELLUNG DAZU ÄNDERN.

Komm’ einmal runter aus deinem Gedankenkarussell, Andrea. In dir passiert gerade sehr viel und du bist zu unruhig um das JETZT wirklich wahrnehmen und genießen zu können. Wenn du mit mir lange unterwegs bist, in der Natur, dann kommen deine Schwingungen wieder in ein ruhigeres Lot. Doch dafür reichen keine 10 Minuten, keine 30 Minuten, dafür ist eine längere Zeit notwendig. Lass uns einmal eine Zwei- oder Drei-Stunden Tour machen. Es wird dir gut tun. Und mir auch! Uns BEIDEN!! Denn unsere gemeinsame Zeit, DIE ist wichtig. Wir haben solch eine Nähe, die zwischen uns ist. Doch wir müssen sie wieder fühlen und spüren können. Und dazu ist es notwendig, Ballast abzuwerfen. Dinge, die nicht wichtig sind im Moment. Unnötige Gedanken zum Beispiel. In deinem Kopf kreisen so unendlich viele Gedanken, die dich hindern, das JETZT zu genießen, im JETZT zu leben und zu lachen und es einfach freudvoll anzunehmen. Schau mich an! Ich bin hier. Ich bin jederzeit für dich da. Nimm mich!! Nimm mich! Nimm meine Energie, nimm meine Hilfe, nimm meine Liebe und SPÜRE sie. Ich gebe sie dir immerzu. Doch das Annehmen, das musst du selbst tun. Die Akzeptanz, dass Gutes und Freudvolles in dein Leben kommt, die muss von dir kommen. Öffne dich also. Es ging doch auch schon anders. Warum machst du so zu gerade? Ich wäre gerne mehr Zeit mit dir zusammen und es tut mir weh, zu spüren, dass es dir zu viel ist gerade, dass du ohne Freude zu mir kommst. Und das, wo ich jetzt gerade nicht so funktioniere wie sonst. Das ist kein Grund, nicht mehr mit der gleichen Inbrunst zu kommen. Es ist alles wie immer von unserer Verbindung auf der Herzens- und Seelenebene. Lass dich nicht von äußeren Umständen zu andersartigem Handeln verleiten. Das ist profan. Ja.

H: Bist du glücklich gerade, Lady?

L: Mein Glück ist vollkommen, wenn Andrea mit mir glücklich ist. Und das ist sie im Moment nicht.

H: Kannst du Andrea einen Tipp geben, wie sie sich mehr fallen lassen kann und die Zeit mit dir wieder intensiv verbringen kann?

L: Das ist schwer. Tipps geben ist leicht gesagt. Umsetzen muss sie es selbst. Es geht hier in erster Linie darum, Ballast abzuwerfen: überflüssiges, schwachsinniges Gedankengut, das sie auf der Stelle treten lässt, das sie verharren lässt, das ihr nicht gut tut und das ihr Energie entzieht. Sie kann in sich gehen und fleißig überlegen - darin ist sie gut! - was für Gedanken sinnvoll, schön und guttuend für sie sind und welche nicht. Hier kann sie einen ersten Schritt ansetzen. Der zweite Schritt ist Reinigung!! Reinigung auf der Energieebene. Sie kann sich auch extern hier helfen lassen, wenn das für sie angenehmer ist. Eine weitere Reinigungsmöglichkeit ist, mit mir in die Natur zu gehen. Auf LANGE Spaziergänge. Dabei soll sie in mich hineinfühlen, wie wir im Einklang laufen.

H: Andrea hat mir gesagt, dass du nicht vom Hof runterlaufen willst und dann umdrehst.

L: Ja. (stockt)

H: An was liegt das?

L: Ich habe hier auf dem Hof gerade eine wichtige Arbeit zu verrichten. Ich bündle hier Energien. Doch ich kann von dieser Arbeit jederzeit weggehen. Es erfordert Überzeugung. Und wenn ich merke, dass Andrea gar keine Lust hat, dann spiegle ich ihr dies wider. Denn weshalb soll ich mit jemandem unterwegs sein, der nicht bei mir ist?? Nicht bei mir ist, obwohl er körperlich neben mir ist? Weißt du was ich meine?? Ich will die seelische Verbindung spüren, ich will Nähe spüren. Wenn ich das nicht bekomme, dann interessiert es mich nicht und dann ist es mir zuviel, einfach so in der Gegend rumzulaufen. Denn dann ist das verschwendete Zeit. Die kann ich hier auf dem Hof viel besser nutzen. Doch wenn LEBEN in unserer Einheit ist (in der Einheit von Andrea und mir), wenn hier Leben und Liebe und ein in Schwingung fließender Fluss ist, dann bin ich dabei. Dann laufe ich gerne mit euch quer durch die Welt. Wir können hier so viel Gutes bewirken.

H: Hast du Schmerzen, wenn du läufst?

L: Ja klar. Da zwickt und zwackt es schon immer wieder. Doch die gemächliche Bewegung im Gleichgang tut mir sehr gut. Und es ist ausgesprochen wichtig für mich, mich zu bewegen. Je mehr ich hier ruhig bewegt werde, umso schneller und umso gründlicher komme ich mit meiner Gesundheit wieder in den Fluss.

H: Wie gefällt es dir in dem Stall, in dem du wohnst?

L: Er ist gut. Ich bin hier zuhause und fühle mich wohl. Dennoch gibt es hier gerade energetisch einiges zu tun. Wir haben Dreh- und Wendepunkte, die besonders bearbeitet werden müssen. Diese Punkte ziehen sich über die ganze Erde und das Universum. Und gerade ist eine Zeit, wo sehr viel passiert und es gibt in der Tierwelt einige ausgesuchte Helfer, die hier unterstützen, um Energien zu bündeln und in neue Kanäle zu lenken. Ich bin hiervon auch betroffen und lenke und leite und unterstütze. Es ist eine harte Arbeit, die auf einer höheren Ebene abläuft. Sie strengt an. Deshalb bin ich körperlich auch stark belastet gerade. Ruhige Ausflüge in der Natur tun mir daher besonders gut, um aus dem Energiefeld des Hofes einmal wegzukommen und ebenfalls andere Energie auftanken zu können. Energie von anderen Orten, von Wäldern, von Tieren, die in der Natur sind und von anderen Quellen und Lebenswesen. Nicht alle sind für euch sichtbar. Doch das macht nichts. Ihr müsst nicht alles wissen und sehen. Vieles würde euch beunruhigen.

H: Gibt es etwas, Lady, was dir wichtig ist, was du noch sagen möchtest?

L: Andrea soll sich Zeit nehmen. Zeit nehmen, selbst zu heilen und wieder ins Reine mit sich zu kommen. Sie fährt gerade auf einen Tunnel ins Dunkle und diese Fahrt sollte sie anhalten. Es ist ein Wendepunkt nötig, der sie wieder ins Licht blicken lässt. Die Natur kann hier sehr unterstützen und ich möchte da dann mit dabei sein. Nimm mich an den Strick und laufe mit mir meilenweit. Stundenlang! Das ist es, was ich mir wünsche. Zeit mit dir, auf gemeinsamen Wegen und Abwegen. Vor allem die Abwege interessieren mich. Wollen wir denn immer nur tun, was erlaubt ist, Andrea?? (kichert in sich hinein) Wir müssen die Größe finden, zuzulassen, was wirklich IN UNS STECKT, Andrea!! Du kannst das. Das weiß ich. Ich kann es sowieso. Doch nun ist der Moment gekommen, dass DU deine wahren Fähigkeiten ausspielst, sie zeigst und sie lebst. Du kannst weitaus mehr, als das was du dir zutraust. Sei mutig. Traue dich etwas. Gehe neue Wege! Raus aus dieser Sackgasse. Das langweilt dich und langweilt mich!! Sei kreativ, lasse deine Seele baumeln und gehe in die heilsame Natur. Gehe in die Natur, ohne bewusst etwas vorzuhaben, ohne jeglichen Willen, ohne Zwang. Gehe einfach raus und genieße. Und lausche und spüre in dich hinein. Nehme nur deine Emotionen wahr, nehme DICH wahr und lasse alles zu, was hochkommt. Auch wenn es Emotionen und Gefühle sind, die dir nicht gefallen. LASS SIE ZU!!! Sie sind gut in diesem Moment. Denn wenn sie hochkommen, dann können sie sich auflösen und frei werden. Nur so wirst du sie los. Sei draußen mit mir! Draußen in der Natur. Igele dich nicht ein. Es schadet dir. Du brauchst Bewegung. Ich auch. Dein Energiesystem muss in Schwung gebracht werden, damit auch du von innen heraus heilen kannst, so wie ich im Moment auch. Wir beide benötigen Heilung. Auf der körperlichen und seelischen Ebene. Es ist leichter als du denkst. Höre auf, ständig deinen Willen einsetzen zu wollen. Lass die Gedanken, die dir nicht guttun, ziehen. Sie sind so unnötig. Lass sie sein. Leg’ sie weg. Denke dir bewusst schöne Dinge aus. Was würdest du gerne tun? Wie würdest du dich fühlen, wenn du genau das tun würdest, auf was du Lust hast? Was hast du dabei für ein Gefühl?? Speichere es ab, dieses schönes Gefühl. Das ist es, wohin du kommen musst. Zu den schönen Gefühlen, zu den leichten Gefühlen, zu den aufbauenden Gefühlen. Und mit diesen aufbauenden Gefühlen baust du auch mich auf. Baust dein Umfeld auf. Baust DICH auf!!!!!!!! Verstehst du das?? Deine Gefühle sind die Richtschnur wie es in deinem Leben weitergeht, wie sich dein Leben anfühlt. Du hast es selbst in der Hand. Tu es nur einfach! Male dir in Gedanken aus, was du gerne hättest, was dich glücklich macht und lass dich in dieses Gefühl hineinfallen. LEBE dieses Gefühl, auch wenn es in diesem Moment nur ein Traum ist. Doch das Gefühl, das es in dir auslöst, ist ECHT!!! Und du fühlst dich gut in diesem Moment. Also lohnt es sich, diese Schwingung und diese Energie in dir zuzulassen. Du wirst durch gute Gefühle, die dich glücklich machen, Gutes in dein Leben ziehen. Mich hast du ja schließlich auch einmal in dein Leben gezogen. Weißt du noch?? Weißt du noch, was das für ein glücklicher Moment war?? Für mich war es das. Und ich weiß, wir werden noch viele glückliche Momente miteinander haben. Wir können GLEICH damit anfangen!!! WENN du willst. ICH WILL!!! Lass dir das gesagt sein. (lächelt schelmisch)

H: Liebe Lady, es ist unglaublich, was du alles von dir gibst und dein Redefluss ist enorm.

L: Ja, ich habe viel Wissen in mir und bin eine sehr weise Seele, die viel geben kann und viel Heilsames in der Welt verbreitet. Ich tue dies gern. Denn das ist meine Aufgabe. Meine Lebensaufgabe. Frieden stiften, Heilung bringen, und für Klärung sorgen. Auch wenn dies nicht immer angenehm ist und manchmal gar nicht heilend aussieht. Doch langfristig gesehen, geschieht auch hier die Heilung. Manchmal sind Umwege notwendig, um Heilung zu erzielen. Das Ziel bleibt jedoch immer das Gleiche.

H: Lady, gibt es noch etwas Wichtiges, was es von dir zu sagen gibt? Eventuell auch eine Nachricht für Andrea?

L: Ich liebe Sie! Sie ist meine Schwester! Meine menschliche Schwester. Es war einmal anders, doch in diesem Leben ist sie meine menschliche Schwester. Und ich bin sehr stolz auf sie. Auf das, was sie kann! Auf das was sie leistet. Auf das, was sie ausstrahlt, auf das, was sie an LIEBE in sich trägt. Sie ist solch ein unglaublich liebevoller Mensch, der solche unglaublichen Heilungen vollbringen kann. Sie selbst ist sich ihrer Größe und ihrer Dimension, zu der sie fähig ist, noch gar nicht bewusst.

Darum muss dies hier einmal gesagt werden, wenn ich schon die Gelegenheit dazu habe (grinst wieder etwas). Sie ist ein unglaublich wertvoller Mensch für die Erde. Sie ist sehr eng mit den Naturvölkern verbunden. Die Natur ist auf der Erde gerade ziemlich geschwächt, deshalb fühlt sich auch Andrea schwach, doch die Heilung schreitet voran. Sowohl für die Natur als auch für Andrea. Die Talsohle ist noch nicht durchschritten, doch es geht bergauf. Doch den Willen, wieder in die Sonne zu blicken, muss jeder für sich selbst treffen. Je schneller, umso besser. Heilung tritt ein. IMMER. Glaubt daran. Ich liebe dich, Andrea! Ich will meine Zeit viel intensiver mit dir nutzen. Du brauchst dir nicht 1000 Sachen einfallen zu lassen, was wir tun können, wenn wir nicht zusammen reiten. Nehme mich an den Strick, lass uns losziehen. Wie ein altes Ehepaar (kichert wieder). LASS UNS AUF ENTDECKERREISE GEHEN!!! Ach, habe ich da Lust darauf. Die Welt entdecken! Und Aufdecken. Viele Menschen werden sich freuen, wenn sie uns beide als Gespann ankommen sehen. Glaub’ mir ANDREA!! Denn wir strahlen etwas aus. WIR beide!! Du weißt das. Gemeinsam sind wir eine enorme Kraftquelle! Wir haben eine Strahlung, die nicht nur uns gut tut, sondern auch unserem Umfeld. LOS!!! Tun wir es!!

H: Lady, vielen Dank für all deine Worte. Ich selbst bin kaum zu Wort gekommen, doch...

L: Darum ging es auch nicht. Es ging ja um mich, oder nicht?? (grinst wieder etwas)

H: Ja, natürlich ging es um dich. Hast du das Wichtigste gesagt, was dir auf dem Herzen lag?

L: Ich denke ja. Es gibt natürlich noch zig andere Themen, zu denen ich auch Wichtiges sagen könnte, doch ich merke, du wirst müde und es fängt an, dich anzustrengen. Also gönne ich dir jetzt eine Pause und kommen wir zum Ende. Es war sehr schön mit dir zu plaudern.

H: Danke, Lady. Das fand ich auch. Du bist eine sehr weise Seele.

L: Sagte ich schon!

H: Ich weiß. Ich gebe das Protokoll an Andrea weiter und ich wünsche mir für euch beide, dass ihr wieder die Nähe zueinander findet, die euer eigen ist und was euch beide zusammen ausmacht.

L:

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