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DIE STEAMPUNK-SAGA EPISODE 8

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Kate kniff die Augen zusammen. Sie konnte kaum glauben, was ihr der junge Inder soeben verkündet hatte. Und man hörte ihrer Stimme die Skepsis deutlich an.

„Ein Roboter-Tiger, sagst du? Also kein Tier, sondern eine Maschine?“

Devran nickte. „Ich habe das Monster mit eigenen Augen gesehen. Es ist doppelt so groß wie eine vierspännige Kutsche. Der Todesapparat sieht auf den ersten Blick aus wie ein richtiger Tiger, also mit Kopf, Rumpf, Schwanz und vier Pfoten. Seine Zähne bestehen aus zwei Reihen von langen Stahlstiften, eine furchtbare Waffe. Und in seinen Pfoten hat er genug Kraft, um damit stabile Steinmauern zu zerschmettern. Deshalb sind seine Angriffe auf Fabriken und Eisenbahnen verheerend.“

„Wie wird dieser Roboter-Tiger denn überhaupt angetrieben?“

„Durch einen Elektromotor. Ansonsten wird er durch ein ausgefeiltes Lochkarten-System in Betrieb gehalten. Die Maschine ist auf bedingungslose Vernichtung programmiert.“

„Das ist eine furchtbare Waffe“, stellte Kate fest. „Ich halte Makhras für einen skrupellosen Kerl. Deshalb wundert es mich nicht, dass er diesen Roboter-Tiger auf die Menschheit loslässt. Aber ich verstehe den Sinn dahinter nicht. Was hat Makhras davon, wenn seine Maschine wahllos Menschen und Gebäude vernichtet?“

„Nicht wahllos, Kate. Makhras lässt seinen Roboter-Tiger immer nur auf Fabriken und technische Einrichtungen los. Sein erklärter Feind ist ja der Fortschritt. Er will dem Volk Angst einjagen, und das ist ihm schon sehr gut gelungen. Die Leute sollen glauben, dass dieses geheimnisvolle Monster eine Art Strafgericht der Götter ist. Wer sich in den Dienst des Fortschritts stellt, riskiert einen Angriff der Bestie. Und diese Botschaft wird verstanden. Teilweise kündigen die Arbeiter in den Fabriken schon ihre Jobs, weil sie sich vor einer Attacke des mysteriösen Monsters fürchten.“

Kate nickte grimmig. „Jetzt wird mir einiges klar. Der Roboter-Tiger soll in Indien Terror verbreiten und Makhras Anhänger in die Arme treiben. Dabei bedient sich dieser selbst eines hochmodernen Tötungsapparates. Was für ein mieser Heuchler!“

„Ja, Makhras ist ein Heuchler. Und er geht bei seinen finsteren Plänen auch über Leichen. Deshalb ist es ja so wichtig, dass wir Hilfe holen. Denn wenn wir nichts unternehmen, dann wird Makhras in drei Tagen bei Vollmond deine Freundin Eileen Kali opfern.“

Kates Herz krampfte sich zusammen, als sie Devrans Worte hörte. „Dann ist Eileen also wirklich in Makhras’ Gewalt? Und warum will er sie opfern? Wer ist denn überhaupt diese Kali?“

„Kali ist die indische Todesgöttin. Es geht Makhras wohl hauptsächlich darum, seinen Anhängern seine Allmacht vorzuführen. Meiner Meinung nach glaubt Makhras überhaupt nicht an unsere Götter. Er träumt davon, Indien als Alleinherrscher zu regieren. Das ist sein einziges Ziel.“

Kate wurde plötzlich misstrauisch. „Du scheinst Makhras ja sehr gut zu kennen, Devran. Ich frage mich, wieso das so ist. Und warum konntest du nicht auch Eileen befreien, so wie du es mit mir getan hast?“

Kaum hatte Kate diese Fragen ausgesprochen, als sie es auch schon bereute. Devran schaute sie traurig und verletzt an. Kate kam sich plötzlich sehr undankbar vor. Sie war so glücklich gewesen, als Devran sie von Sunas furchtbarem Bann erlöst hatte. Und jetzt, kaum eine Stunde später, unterstellte sie ihm Komplizenschaft mit diesem Irren!

Sie wollte erneut den Mund öffnen, doch Devran hob die Hand. „Es ist mir wirklich gelungen, mir Makhras’ Vertrauen zu erschleichen. Eigentlich kämpfe ich lieber mit offenem Visier, wie ihr Engländer sagt. Aber man muss listig sein, um gegen Makhras vorgehen zu können. Er hat schon sehr viele Anhänger um sich versammelt, und es werden jeden Tag mehr. Dank seines Roboter-Tigers stellen noch nicht einmal die britischen Truppen eine ernsthafte Bedrohung für ihn dar. Gewehre und Säbel können gegen diese Mordmaschine nichts ausrichten. Wahrscheinlich wäre eine Kanone die richtige Waffe, um den Roboter-Tiger auszuschalten. Aber Kanonen können nicht über schmale Dschungelpfade herangeschafft werden. Außerdem setzt Makhras seinen Roboter-Tiger vorzugsweise nachts ein. Und da dürfte es schwierig sein, genau zu zielen.“

Kate rückte näher an den jungen Inder heran und legte ihm ihre Hand auf den Unterarm. „Es tut mir leid, dass ich dich verdächtigt habe, Devran.“

„Ich kann dein Misstrauen verstehen, Kate. Du bist in einer fürchterlichen Lage. Deine beste Freundin ist in der Gewalt eines gewissenlosen Verbrechers, und du kannst ihr momentan nicht helfen. Glaube mir, ich hätte Eileen gerne ebenfalls befreit. Aber schon der Versuch wäre Selbstmord gewesen. Makhras vertraut mir bedingt, nicht hundertprozentig. Er lässt Eileen von seiner eigenen treuen Leibgarde bewachen. Wer auch nur in die Nähe ihres Kerkers kommt, kann sein Testament machen.“

Kate nickte stumm. Sie musste momentan ihr Gefühlschaos in den Griff bekommen. Eigentlich hatte sie geglaubt, nur Dankbarkeit für Devran zu empfinden. Aber da war mehr, und das irritierte sie.

Devran kam Kate so vor wie ein Prinz aus einer orientalischen Märchenwelt. Sie erinnerte sich an Geschichten, die sie von ihrer Mutter als Kind erzählt bekommen hatte. In diesen Abenteuern war es um edle Herrschersöhne aus Persien oder Indien gegangen, die furchtlos mit ihren Krummschwertern gegen Fabelwesen kämpften, um wehrlose Jungfrauen zu retten. Und Kates Fantasiebilder von damals hatten eine verblüffende Ähnlichkeit mit Devran.

Er war ein Mann, dessen geschmeidige Bewegungen sie an die Kraft eines Raubtiers erinnerten. Devrans dunkle Augen hatten es Kate besonders angetan, und sein sinnlicher Mund …

Kate zwang sich, diesen Gedankengang abzubrechen. Jetzt kam zu ihrer Undankbarkeit auch noch Schamgefühl hinzu, weil sie trotz ihrer Verlobung mit James Gefühle für einen anderen Mann entwickelte. Aber was konnte Kate dafür, wenn ihr Herz solche eindeutigen Signale hervorbrachte?

Sie wusste nicht, wie lange sie Devran wortlos angestarrt hatte. Nun stand sie abrupt auf. Für ihre kurze Rast hatten sich die beiden Flüchtenden auf den Urwaldboden gekauert. „Mir geht es wieder gut, wir können weiter. Ich wollte dich nicht verdächtigen, Devran. Es tut mir leid. Aber ich hatte gehofft, dass du mit deinen magischen Fähigkeiten etwas für Eileen tun könntest.“

Devran lächelte bedauernd. „Das wäre schön gewesen. Aber leider halten sich meine Fähigkeiten in Grenzen. Als ich sechzehn Jahre alt war, ließen mich meine Eltern bei einem Sadhu in die Lehre gehen. So werden bei uns in Indien die heiligen Männer genannt. Dieser Sadhu zog mit mir durch das Land. Wir lebten als Bettler, und ich lernte von ihm einige geheime Techniken. Daher konnte ich dich auch von Sunas schädlichem Einfluss befreien. Sie ist eine Hexe, die ihr Leben der dunklen Seite gewidmet hat. – Jedenfalls ging nach einem Jahr meine Lehrzeit bei dem Heiligen zu Ende. Meine Eltern schickten mich mit einem Luftschiff nach England, um dort ein Internat zu besuchen. Der Gegensatz hätte nicht größer sein können. Ich kenne also das mystische Indien der Vergangenheit und die moderne Welt aus eigener Erfahrung. Daher weiß ich, dass beide nebeneinander existieren können. Aber für einen Mann wie Makhras zählt nur seine eigene Macht, und sonst nichts.“

Devran redete leise, während Kate und er ihren Weg fortsetzten. Es war ja immer noch möglich, dass sich ihre Verfolger in der Nähe befanden.

„Und woher wusstest du, dass Eileen meine Freundin ist?“

„Ich habe gelauscht, als Makhras sie verhört hat. Eileen hält sehr viel von dir, Kate. Sie hat betont, dass du eine tolle Frau bist, die sogar ganz allein einen Dampfkutter fliegen kann. Und du würdest bestimmt alle Hebel in Bewegung setzen, um ihr, also Eileen, zu helfen.“

Kate kam plötzlich ein furchtbarer Verdacht. „Ich habe ein Telegramm von Eileen bekommen. Aber sie hat es gar nicht selbst aufgegeben, nicht wahr?“

„Nein, das Telegramm stammt von Makhras. Er wollte sichergehen, dass du wirklich nach Indien kommst.

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