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Die Spur der Tar-Aiym

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Widmung
  5. Zitat
  6. 1
  7. 2
  8. 3
  9. 4
  10. 5
  11. 6
  12. 7
  13. 8
  14. 9
  15. 10
  16. 11
  17. 12
  18. 13
  19. 14
  20. 15
  21. 16
  22. 17
  23. 18
  24. 19
  25. 20
  26. 21
  27. 22
  28. 23
  29. 24
  30. 25
  31. 26
  32. 27
  33. 28
  34. Über den Autor

Alan Dean Foster

DIE SPUR
DER
TAR-AIYM

Ein Pip & Flinx-Roman

Aus dem Amerikanischen von
Kerstin Fricke

 

Für die Freunde von Pip und Flinx,

die geduldig gewartet haben

(okay, manchmal nicht ganz so geduldig),

und zwar seit mehr als einem Dritteljahrhundert,

dass er seine Suche endlich abschließen kann.

Wir drei danken euch.

 

ABU DER DIEB:

»Du hast, was du wolltest.

Jetzt werde ich bekommen, was ich will.«

PRINZ AHMAD:

»Und was wäre das?«

ABU:

»Endlich etwas Spaß und Abenteuer.«

DER DIEB VON BAGDAD, 1940

1

Soweit er wusste, war Flinx der erste inoffizielle, uneingeladene Vertreter seiner Spezies, der einen Fuß auf die AAnn-Heimatwelt Blasusarr setzte. Nur wenige Menschen und noch weitaus weniger Thranx waren je formell dazu eingeladen worden. Und nur die minimale Anzahl, die für den bescheidenen diplomatischen Austausch erforderlich war, bei dem die elektronische Repräsentation nicht ausreichte, sondern eine persönliche Unterhaltung stattfinden musste, hatte je den Zugang zu diesem Planeten erlangt. Der Gedanke, dass ein einzelner Mensch, der allein und aus eigenem Antrieb vorging, es irgendwie schaffen konnte, die ausgeklügelte und ausgedehnte Verteidigung, die Blasusarr ständig umgab, zu durchdringen, war derart lächerlich, dass er eine völlig neue Stufe der kognitiven Absurdität darstellte. Jeder wusste, dass kein Nicht-AAnn-Schiff sich auch nur den Außenbereichen des Heimatweltsystems nähern konnte, ohne dass es bemerkt und herausgefordert wurde - wenn man es nicht direkt abschoss.

Doch die AAnn-Wissenschaftler und -Ingenieure, die diese beeindruckenden planetaren Verteidigungssysteme entwickelt und gebaut hatten, hätten sich die Teacher natürlich nicht einmal im Traum vorstellen können. Aber das galt auch für so gut wie jeden anderen.

Die tatkräftigen und enthusiastischen Ulru-Ujurrianer hatten all ihre sich exponentiell weiterentwickelnden Fähigkeiten eingesetzt, um dem kompletten Rumpf von Flinx' Schiff die Eigenschaften eines Chamäleons zu verleihen. Das Schiff konnte sein Erscheinungsbild derart vollständig von einem Augenblick auf den anderen verwandeln, dass es gerade noch das perfekte Ebenbild mit entsprechender Erkennungssignatur eines privaten Passagierschiffes war, im nächsten Moment aber einer schwer gepanzerten Militäreskorte glich. Während es jetzt im Orbit der AAnn-Heimatwelt in eine unauffällige Umlaufbahn ging, sah es exakt so aus wie ein mittleres AAnn-Clanschiff. Und das war nicht die einzige Transformation, die stattgefunden hatte. Auch Flinx hatte sich einer einstweiligen umfangreichen körperlichen Umwandlung unterworfen.

Das Ergebnis war derart überzeugend, dass er sich schon seit einer lokalen Teverravak, also seit sechzehn Tagen, auf Blasusarr aufhielt, ohne mehr als einen zufälligen Blick auf sich gezogen zu haben. Der Simanzug, der ihn komplett umgab, war zwar perfekt, doch er hätte die Illusion nicht aufrechterhalten können, wenn Flinx die Quasi-Reptilien, unter denen er sich aufhielt, nicht so gut gekannt hätte. Er wusste, wie er den seltsamen Gang der AAnn nachmachen musste, die leicht die Knie beugten und jeden Schritt mit einer kleinen Hüpfbewegung begleiteten; er war vertraut mit ihrem eloquenten Repertoire an kommunikativen Handgesten; er konnte ihre Nahrung zu sich nehmen (auch wenn die durch und durch fleischhaltige Kost langsam begann, sich auf seinen Hüften abzuzeichnen); und dank der winzigen, aber kraftvollen Servos, die am Hinterteil des Anzugs befestigt waren, konnte er sogar den integrierten leichtgewichtigen Schwanz in zufriedenstellendem Ausmaß bewegen. Die eingebauten Nanoneuromatiken bedienten die doppelten Augenlider des Anzugs. Da er die Welt durch ihre geschlitzten Pupillen sehen musste, schränkte das sein peripheres Sehen zwar ein, doch das Resultat war mehr als zufriedenstellend. Er sah alles, was ihn aus dem Gleichgewicht bringen konnte.

Derart getarnt und erfahren konnte er sich unter seinen unwissenden Gastgebern frei bewegen, wenn er entsprechend vorsichtig war. Und die freien Stellen sowie die speziell für sie angefertigte Schlaftasche innerhalb des Anzugs boten sogar Pip genug Platz, um sich auszuruhen und innerhalb des begrenzten Raums ein wenig zu bewegen.

Nicht einmal die Besitzer des unterirdischen Erdbaus für Durchreisende, in dem sich Flinx ein Wohnquartier gemietet hatte, hatten die geringste Ahnung, dass es sich bei ihrem Gast um etwas anderes als einen Nye handelte - einen voll ausgewachsenen reifen AAnn. Die Sprache seiner Gastgeber beherrschte er meisterhaft, was für einen Menschen überaus bemerkenswert war, und wurde deshalb von den anderen Bewohnern des Erdbaus als einer der ihren angesehen. Dennoch sagte er nur etwas, wenn es unbedingt sein musste. Er vergaß auch nicht, den Sandraum in seinem Quartier regelmäßig zu benutzen, und erinnerte sich jedes Mal, bevor er am Morgen zu seinem Tagestrip aufbrach, daran, den entsprechenden schuppigen Abdruck seines Simanzugs auf der angewärmten Oberfläche zu hinterlassen.

Zu seinem Glück war das wärmeempfindliche Kühlsystem des Anzugs der Aufgabe gewachsen und konnte dem anspruchsvollen Klima auf Blasusarr trotzen. Die AAnn hatten sich schließlich auf einer Wüstenwelt entwickelt. Normalerweise hätte Flinx keine Probleme mit der trockenen Hitze und den vierzig Grad gehabt, allerdings wäre jeder andere vollkommen geschlossene Anzug absolut unerträglich gewesen. Eingesperrt in die technologisch fortschrittlichen Fasern hatte er es jedoch kühl und einigermaßen bequem, und außerdem konnte er nahezu alles tun, wozu auch ein AAnn in der Lage war, ohne seine menschliche Identität preiszugeben. Essen, Trinken und sich Entleeren waren dabei die wichtigsten Dinge. Er hielt seine Maskerade aufrecht, indem er diese notwendigen Tätigkeiten nur unter sorgfältig überwachten Bedingungen und wenn er ganz alleine war ausführte.

Krrassin, die Hauptstadt von Blasusarr und somit auch des gesamten AAnn-Reiches, war eine weitläufige Metropole mit lang gestreckten, niedrigen Gebäuden, deren Silhouette nur gelegentlich von einem der unvermeidlichen Türme durchbrochen wurde. Während Menschen den Ausblick aus der Höhe genossen und Thranx es vorzogen, sich unter der Erde zusammenzuscharen, lebten und arbeiteten die AAnn, die von aus dem Hinterhalt ihres Baus angreifenden Räubern abstammten, noch immer gern direkt unter oder über der Oberfläche. Die ideale AAnn-Behausung war ein teilweise unterirdisch verlaufendes Gebäude mit langen, schmalen Fenstern, die den Blick direkt auf den Boden preisgaben. In einer Stadt von der Größe Krrassins waren solche Ausblicke selten und standen nur den Privilegiertesten zur Verfügung. Jene, die sich gezwungen sahen, weit über oder tief unter der Oberfläche zu wohnen, mussten sich mit virtuellen Ausblicken zufriedengeben.

Der Großteil der AAnn, die sich an die raue Umgebung angepasst hatten, verbrachte die meisten wachen Stunden damit, in dem gewaltigen, miteinander verbundenen Gewirr an Gängen, das den Großen Bau von Krrassin darstellte, zu leben und zu arbeiten. Wer sich zu Fuß im Freien bewegte, tat dies auf externen Fußgängerwegen, die sich traditionsgemäß kreuz und quer durch die Stadt zogen und dabei ausgedehnte, konzentrische S-Kurven bildeten.

Und einen dieser sanft geschwungenen Wege schlenderte auch Flinx gerade entlang. Er hielt sich entweder ganz links oder ganz rechts und mied die Mitte des Weges, die für jene Bürger reserviert war, die sich der zeremoniellen Aggression hingeben wollten - entweder aus Gründen sozialer Interaktion, weil sie nach Höherem strebten, was alle AAnn antrieb, oder als Vorspiel zu einer tieferen und persönlicheren gegenseitigen Beziehung, die auch die Fortpflanzung beinhalten konnte, aber nicht musste.

Zuweilen wurden mehrere Kämpfe gleichzeitig ausgetragen. Dabei war es nicht ungewöhnlich, dass Angehörige beiderlei Geschlechts daran beteiligt waren. Nur selten zogen sie die Aufmerksamkeit der mit anderen Dingen beschäftigten Passanten auf sich, die auf den symmetrischen, neben dem Mittelgang entlangführenden Wegen vorbeieilten. Der Großteil dieser Konfrontationen lief nach einem festgelegten Ritual ab, wobei es auch zu tatsächlichem physischen Kontakt kam. Indem sie auf dem mittleren Weg entlanggingen und sich dem stellten, was immer ihnen entgegenkam - sei es feindseliger, sexueller oder sozialer Natur -, versuchten die Kämpfer, ihren Status zu verbessern. Dieser wurde aufgezeichnet und je nach Kampfergebnis angepasst. Auf diese öffentliche Weise konnte sich ein AAnn-Individuum innerhalb der sozialen Rangordnung nach oben arbeiten, auch ohne in eine aristokratische Familie hineingeboren worden zu sein. Während er danach strebte, sich immer weiter an die AAnn-Gesellschaft anzupassen, beobachtete Flinx solche Konfrontationen mit wachsendem Interesse. Und es war gut, dass er das tat.

Denn an seinem elften Tag auf Blasusarr schleuderte ein sorglos vorbeieilender Arbeiter mit seinem sich hin- und herbewegenden Schwanz Flinx aus Versehen vom linken Weg direkt auf den stets gefährlichen, mit Herausforderungen übersäten mittleren Pfad.

Anders als die breiten und geschwungenen Gehwege, die links und rechts daran angrenzten, war das Mittelstück nicht gepflastert, es sei denn, man zählte den fachkundig stilisierten und sterilisierten importierten Sand, der den sanft geschwungenen, muldenartigen vier Meter breiten Weg ausfüllte, als Straßenpflaster. Flinx' klauenbewehrte, sandalenbeschuhte AAnn-»Füße« glitten sanft in den weichen Sand, während er darum kämpfte, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Dabei verwischte er die ausgeklügelten Windungen, Riefen und anderen fantasievollen Muster, die ebenso traditionell wie modern waren und jeden Morgen von automatisierten, vorprogrammierten Sandsäuberungsmaschinen zur Freude und Erbauung vorbeikommender Nye angelegt wurden. Er streckte sich und versuchte, das Gleichgewicht wiederzuerlangen, um dann zurück auf den rechten Weg zu treten.

Doch er musste feststellen, dass sein Rückweg versperrt war.

Der dünn gekleidete Herausforderer mit seinen schimmernden Schuppen war männlich, und seine Haltung spiegelte seine Kampfeslust wider. Wie jeder andere Nye, den Flinx auf dem mittleren Weg antreffen konnte, war er auf Ärger aus. Ansonsten hätte er sich auf dem friedlichen rechten oder linken Weg fortbewegt und nicht in der mit Sand ausgefüllten Mitte. Augenblicklich spannte sich Flinx an. Zumindest war sein Gegenüber keine erregte Frau, die sich auf die Suche nach einem Partner gemacht hatte. Der geniale Simanzug, den Flinx trug, konnte zwar viele Aspekte des körperlichen Verhaltens eines AAnn nachahmen, doch die körperliche Vereinigung von Reptilien gehörte eindeutig nicht dazu.

Es würde also eine direkte körperliche Konfrontation geben. Welchen Ausgang sie nehmen und wie heftig sie werden würde, musste Flinx allerdings noch herausfinden. Unter dem Anzug konnte er spüren, wie sich Pips Windungen an seiner Schulter zusammenzogen - sie spürte die Nervosität ihres Herrn und reagierte darauf. Er versuchte, seine Emotionen unter Kontrolle zu bringen und sie auf diese Weise zu beruhigen. Sie im Zaum zu halten, wenn er gegen jemanden kämpfen musste, war sehr kompliziert, wie er schon als Kind gelernt hatte. Wie schwer ihm das bei dieser besonders gefährlichen Begegnung fallen würde, hing größtenteils von den Absichten seines Gegners ab. Da Flinx' Status hierbei nicht auf dem Spiel stand, hatte er überhaupt kein Problem damit, seinem Widersacher den Sieg zu überlassen. Was er jedoch auf keinen Fall riskieren durfte, war, dass der ihn tarnende und schützende Simanzug beschädigt und seine wahre Identität auf diese Weise enthüllt wurde. Doch mit etwas Glück und Vorsicht würde es nicht dazu kommen.

»Zithnaitessisscher Abssschaum«, zischte ihn der große AAnn an. Diese Unfreundlichkeit wurde von einer Geste der Abscheu dritten Grades begleitet. Nichts allzu Ernstes, beschloss Flinx, als er die Beleidigung analysierte. Doch es war noch viel zu früh, um sich zu entspannen. Er musste angemessen und glaubhaft reagieren und dabei gleichzeitig sicherstellen, dass die Konfrontation nicht eskalierte. Er ging im Kopf sein beachtliches Repertoire an AAnn-Beschimpfungen durch und suchte nach einer, die genau die richtige Mischung aus Abscheu und Ehrerbietung widerspiegelte.

»Ssie ssind wohl im Ei ssauer geworden, wass?«, erwiderte er und stieß dabei seinen mit dem Simanzug bekleideten rechten Arm nach oben, um ihn in einer geschwungenen Bewegung, die Respektlosigkeit zweiten Grades ausdrücken sollte, wieder nach unten zu bewegen. Das war eine entsprechend starke Erwiderung, die aber nicht so stark war, dass gleich die Waffen gezückt werden mussten. Während Flinx seinen Arm herumbewegte, achtete er darauf, nicht die Sensoren zu aktivieren, mit denen er die falschen Klauen seines Simanzugs ganz ausfahren konnte.

Mit einem spöttischen Zischen und einem aufgeregt hin und her schwingenden Schwanz bewegte sich der AAnn leicht nach rechts. Der Versuch, hinter Flinx zu gelangen, war offensichtlich - der AAnn agierte ganz bewusst und machte gar nicht erst den Versuch, seine Absicht zu verschleiern. Flinx erkannte, dass sein Gegenüber bei dieser Konfrontation die Oberhand gewinnen wollte, jedoch nicht notwendigerweise dadurch, dass er seinen Mitbürger in den Sand prügelte - nicht, dass der AAnn zögern würde, genau das zu tun, wenn er es für notwendig hielt.

Nachdem Flinx die entsprechende Steuereinheit bedient hatte, begann sein servogesteuerter falscher Schwanz, sich auf ähnliche Weise wie der seines Gegners zu bewegen und dessen Bewegungen nachzuahmen. Doch viel mehr vermochte das falsche Anhängsel auch nicht zu tun. Sollte es wirklich zum Kampf kommen, so waren die synthetischen Muskeln bei Weitem nicht stark genug, als dass Flinx dem Herausforderer einen heftigen Schlag mit dem Schwanz versetzen konnte. Der Schwanz seines Gegners, so wusste er, war weitaus flexibler und einsatzfähiger als sein behelfsmäßiger eigener.

Der AAnn bleckte die scharfen Zähne, und Flinx reagierte entsprechend, öffnete seinen Mund allerdings nicht ganz so weit, aus Angst davor, dass seine Tarnung aufflog. Außerdem stellte das geringere Öffnen auch ein gewisses rituelles Zugeständnis dar, auf das sein Gegner natürlich sofort ansprang.

»Ihrem Bisss mangelt ess an Geisst. Mit sso einem kleinen Maul musss man ja verhungern. Ess wäre ein Gnadenstoß, von mir getötet zu werden, bevor Ssie den Hungertod ssterben müsssen.«

Obwohl er die Konfrontation so schnell wie möglich beenden wollte, war Flinx klar, dass er nicht einfach klein beigeben konnte. Würde er eine derartige Schwäche zeigen, wäre das nur eine Einladung zu schlimmeren Beleidigungen - oder sogar einer körperlichen Auseinandersetzung. Ihm war klar, dass er sich dann wohl oder übel physisch zur Wehr setzen musste, und es würde ihm sehr schwerfallen, Pip daran zu hindern, sich aus der Enge des Simanzugs zu befreien, um ihn zu verteidigen.

»Andere haben ess verssucht und ssind gesstorben.«

Tapfere Worte. Der AAnn musste sie nicht einmal glauben oder auf die Probe stellen. Es reichte völlig aus, dass der etwas größere Mann seitlich über den Sand glitt, während er sie aussprach. Ähnliche ritualisierte Konfrontationen fanden tausendfach auf Hunderten anderer identischer Mittelwege statt, die sich durch Krrassin, die Vororte und kreuz und quer über die Oberfläche von Blasusarr erstreckten. Sie boten den tatkräftigen, aufstrebenden Individuen eine (im Allgemeinen) nicht tödliche Gelegenheit, ihren Status zu verbessern und anzupassen, ohne dass es dabei zu Dutzenden unproduktiver Todesfälle kam.

Flinx konnte die Kiefer seines Simanzugs nicht präzise bewegen, doch nachdem er zwei Sensoren berührt hatte, fuhr er seine synthetischen Klauen vollständig aus. Während er die Offensivwaffen des Simanzugs enthüllte, bewegte er sich nach links und versuchte, sich hinter seinen Gegner zu bewegen. Wie würde der AAnn reagieren? Welchen Status wollte er sich durch diese Konfrontation sichern?

Zu Flinx' Erleichterung reagierte sein Widersacher nur mit weiteren Worten. Gut gewählten Worten, so viel stand fest, aber diese waren weitaus weniger gefährlich als ein direkter Angriff oder ein heftiger Schlag, womit der mit einem Simanzug getarnte Mensch bereits gerechnet hatte.

»Auf Sspucke reagiere ich nicht mit Sschlägen.«

»Wenn Ssie dass ssagen«, erwiderte Flinx entsprechend neutral.

Der große AAnn zischte ihn noch ein weiteres Mal an und wandte sich dann ab. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, ging er den Mittelgang entlang, offenbar auf der Suche nach einem anderen Stadtbewohner, den er herausfordern konnte. Flinx spürte, dass sein Gegner zufrieden war. Dadurch, dass er derjenige gewesen war, der die erste Herausforderung ausgesprochen und den anderen »AAnn« auf diese Weise gezwungen hatte, sich zwischen einem Kampf oder dessen Vermeidung zu entscheiden, hatte der Nye diese Begegnung gewonnen. Und Flinx gönnte dem kämpferischen AAnn seinen Triumph. Das Wichtigste war doch, dass er einen Kampf hatte vermeiden können.

Der Rest der Fußgänger war damit beschäftigt, sich auf den an den Mittelgang angrenzenden Wegen gen Norden oder Süden zu bewegen, und hatte die von Zischen, Spucken sowie dem Zeigen von Klauen und Zähnen begleitete Konfrontation komplett ignoriert. Als Flinx seinen Weg fortsetzte und sich dabei nach dem zuvor erfolgten unvorhergesehenen Stoß auf den Mittelweg besonders darauf konzentrierte, sich in der Nähe der Mauern der niedrigen Gebäude zu bewegen, kam er an Dutzenden weiterer, ähnlicher Auseinandersetzungen vorbei. Bei einem dieser Zwischenfälle sah er zwei Frauen, die mit ineinander verschränkten Armen, Beinen und Schwänzen auf dem Sand lagen. Blut befleckte die kunstfertig angelegten Muster auf dem Boden unter ihnen. Ebenso wie alle anderen Passanten ignorierte auch Flinx den Kampf, der weitaus bedrohlicher wirkte als der, in den er zuvor verwickelt gewesen war. Aber solche Auseinandersetzungen waren nun mal an der Tagesordnung.

In vielerlei Hinsicht ist dieser regelmäßig ausgetragene körperliche Konflikt auf der Suche nach Rang und Status weitaus ehrlicher als vergleichbare Konfrontationen bei meiner eigenen Art, dachte Flinx und wanderte weiter unter der sengenden Sonne dahin. Was war ehrlicher: Klatsch und Intrigen hinter dem Rücken seines Feindes oder zu versuchen, ihm die Haut von besagtem Körperteil abzuziehen? Die Absicht, die dahinter steckte, war doch letzten Endes dieselbe, der einzige Unterschied bestand in der kulturellen Herangehensweise. Mithilfe seiner beiden Augen und seines Talentes beobachtete er die AAnn in seiner näheren Umgebung.

Blasusarr. An einem gefährlicheren Ort konnte sich ein Vertreter seiner Spezies wohl kaum aufhalten. Was er bereits erreicht hatte, indem er sich absichtlich unter die Erzfeinde der Menschen gemischt und ihre Lebensgewohnheiten aus nächster Nähe studiert hatte, war seines Wissens eine bisher noch nie da gewesene Leistung.

Als er der Teacher von seiner Absicht erzählt hatte, war das Schiff schockiert gewesen. Es hatte sich sogar vehement dagegen ausgesprochen. Doch es konnte sich den Anweisungen seines Besitzers nicht widersetzen, selbst dann nicht, wenn es zu dessen eigenem Wohl gewesen wäre. Daher hatte es sich entsprechend verwandelt, war in den imperialen Raum geflogen und in eine Umlaufbahn um die AAnn-Heimatwelt gegangen, um ihn dann mithilfe eines gut getarnten Shuttles in einer verlassenen Wüstengegend außerhalb der Metropole abzusetzen. Von hier aus machte sich der mit einem Simanzug bekleidete Flinx daran, sich mithilfe seines Wissens über die Sprache und Kultur der AAnn bis ins Innere der Stadt vorzuarbeiten.

Er hatte sich auf diese Herausforderung eingelassen, weil das etwas war, was zuvor noch nie jemand gewagt hatte, weil es eine so ungeheuerliche Idee war, über die anscheinend noch nie jemand nachgedacht hatte, und aufgrund der Dinge, die er bei seinem vorherigen Ausflug nach Gestalt erfahren hatte: Jetzt war es ihm nämlich nicht mehr wichtig, was mit ihm geschah. Wenn er dieses aktuelle Unterfangen überleben sollte, dann war das eine Leistung, die er mit einem Achselzucken abtun konnte. Falls er scheitern sollte, würde er sterben, was er nicht als allzu großen Verlust ansah. Die Teacher hatte zwar versucht, ihn mit Vernunft und guten Argumenten von seinem Vorhaben und der Depression, die dem zugrunde lag, abzubringen, doch es war ihr nicht gelungen. Jetzt trieb sie verborgen im Orbit und machte sich jeden Tag Sorgen um ihn. Um sich selbst sorgte sie sich natürlich nicht. Ihre Intelligenz war künstlicher Natur, ihr Mitgefühl einprogrammiert und ihre Sorge die Funktion eines Clusters vordefinierter Codes.

Doch neben der KI der Teacher gab es noch gewisse aktive Elemente aus dem Inneren des Schiffes, die sich um seine Gesundheit Sorgen machten. Allerdings waren sie nicht mächtig genug, um verhindern zu können, dass er sich zu dem aufmachte, was sowohl ihre organischen als auch ihre anorganischen Geister als wagemutigen Ausflug ansahen.

Flinx' Abrutschen in ein zunehmend verantwortungsloseres Verhaltensmuster war durch das, was ihm bei seinem kürzlichen Besuch der kargen Welt Gestalt zugestoßen war, und durch das, was er dort über seine Herkunft erfahren hatte, drastisch beschleunigt worden. Seine lange, entschlossene Suche nach seinem Vater hatte mit der Enthüllung geendet, dass es solch ein Individuum nicht gab und dass es überdies auch nie existiert hatte. Als er herausgefunden hatte, dass die Hälfte seines biologischen Erbes aus nichts weiter als einem unpersönlichen Zusammenschluss von Designerproteinen bestand - von gleichgültigen Wissenschaftlern künstlich verbessert, um auf diese Weise eine befruchtete Eizelle zu produzieren, die, so die Hoffnung der Wissenschaftler, bestimmte interessante mentale Fähigkeiten besäße -, hatte Flinx gespürt, wie ihm etwas Bedeutsames genommen worden war. Er war nichts weiter als ein Test, ein Experiment, und noch dazu eines von vielen.

Dass sich das Endresultat als enttäuschend herausgestellt, die Vorstellungskraft der Meliorare-Forscher aber gleichzeitig deutlich übertroffen hatte, konnte ihn nicht trösten.

Die Entdeckung hatte ihm eine Enttäuschung über sich und die Angehörigen seiner Spezies beschert, wie er sie noch nie zuvor erlebt hatte. Nun stand er bald vor seinem dreißigsten Geburtstag und hatte die vergangene Dekade damit verbracht, die Wahrheit über sich selbst herauszufinden, nur um sich jetzt, da er auf den Straßen des fremden Krrassin herumwanderte, zu wünschen, dass er sich nie diese Mühe gemacht hätte. Die Suche hatte ihn zu wundersamen Enthüllungen und erstaunlichen Abenteuern geführt, ihm großartige Freundschaften und eine immer stärker werdende Liebe beschert, aber auch unerwünschte, unbequeme Erkenntnisse über die Menschheit und über eine zunehmend lästiger werdende persönliche Aufgabe, der er anscheinend nicht entkommen konnte.

Durch seine einzigartigen empathischen Fähigkeiten befand er sich nun in der Position, der potenzielle Retter der Galaxis zu sein. Und sie hatten bewirkt, dass dieser potenzielle Retter seinem eigenen Schicksal wie auch dem der Galaxis zunehmend gleichgültiger gegenüberstand. Warum sollte er sich überhaupt die Mühe machen, wo er doch selbst nur das Produkt menschlicher Experimente und nicht von Menschen war? Er konnte den Rest seines natürlichen Lebens mit Clarity Held verbringen. Dasselbe galt auch für ihre Kinder, falls sie denn je welche bekommen sollten. Auch wenn die Gefahr für das Commonwealth und seine galaktische Umgebung immer schneller näher kam, würde er seit Langem tot sein, bevor sie überhaupt die äußersten Sternensysteme bedrohte. Warum sollte er sein eigenes Leben und sein Glück riskieren, nur um eine Spezies zu retten, der er nur dank der Forschung angehörte?

Konnte er sich selbst überhaupt noch als Mensch bezeichnen?

Innerhalb der Enge seines Anzugs bewegte sich Pip unruhig hin und her, als sie die sorgenvollen Gedanken ihres Herrn spürte. Obwohl sie ihm immer ein Trost war, stellte sie auch nur eine weitere nichtmenschliche Präsenz dar. Empathisch, aber simpel. Er erwartete auch nicht, hier, auf der Heimatwelt des mächtigsten Gegners des Commonwealth, auf Mitgefühl oder Verständnis zu stoßen. Hierher war er nur gekommen, weil das etwas war, was er noch nie zuvor ausprobiert hatte, und weil es ihm im Grunde genommen gleichgültig war, wo er lebte oder starb. Die Zeit, die er mit den problembelasteten Jugendlichen auf Visaria verbracht hatte, hatte ihm einen Grund gegeben, einfach weiterzumachen. Doch dieses kurze Aufblitzen von Hoffnung und Inspiration war durch all das, war er auf Gestalt über sich erfahren hatte, schlicht und einfach wieder erloschen.

Als er sich den gewundenen, gepflasterten Gehweg entlangbewegte, empfand er es als betäubend, wenngleich nicht direkt als entspannend, sich unter intelligenten, aber nichtmenschlichen empfindungsfähigen Wesen zu befinden. Wenn sein immer noch unvorhersehbares, rätselhaftes Talent funktionierte, dann konnte er ihre Emotionen empfangen. Diese waren eigentlich immer feindselig, da sie von Geburt an kampflustiger waren als die Menschen. Doch sie besaßen auch eine ganz eigene Zuversicht und Ruhe, was nicht nur an ihrer Fremdartigkeit lag, sondern auch an der Kultur, in der sie verwurzelt waren. Kampf, Streit, Herausforderung - in diesem ständigen Konflikt lag eine Ernsthaftigkeit, die aus der Beständigkeit entsprang, und dieser Konflikt war es auch, der jeden einzelnen AAnn inspirierte und dazu anstachelte, immer sein Bestes zu geben, oder sich andernfalls auf ewig mit der Mittelmäßigkeit abzufinden. Die Menschen besaßen einen ähnlichen Ehrgeiz, der jedoch durch ihr Mitgefühl gebremst wurde.

War das wichtig? Was besaßen die Thranx oder irgendeine andere intelligente Spezies, deren Zukunft durch das Große Böse bedroht wurde, das es wert war, seine eigene kurzlebige, vorübergehende Zufriedenheit für sie zu opfern? Er dachte an Clarity und Mutter Mastiff, an Bran Tse-Mallory und Truzenzuzex. Sie stellten natürlich gute Beispiele für Individuen dar, die zu retten sich lohnte. Aber empfand er das nur so, weil sie zufällig seine Freunde und seine Geliebte waren? Was verband sie miteinander, und was sprach sonst noch für sie?

Dann hatte er auf einmal eine Erkenntnis.

Intelligenz. Unabhängig davon, ob sie seiner Ansicht nach missbraucht wurde, ob jene, die das Glück hatten, welche zu besitzen, sie für triviale persönliche Ziele oder unverantwortliche Streitereien vergeudeten - sie stellte das Licht dar, das keinesfalls verlöschen durfte. Wenn das Große Böse nicht gestellt wurde, wenn er nicht das Wenige tat, das er dazu beitragen konnte, um es abzulenken oder zu besiegen, dann war er letzten Endes ebenso schuldig wie die Milliarden, die er verdammte. Das hatte absolut nichts mit den verwirrten Kleinkriminellen auf Visaria, den langsamen Denkern auf Jast oder irgendeiner anderen bestimmten empfindungsfähigen Spezies zu tun, die Menschen eingeschlossen. Es hatte nur etwas damit zu tun, dass die Fähigkeit, zu verstehen, erhalten bleiben musste. Billionen Sterne und Milliarden Jahre waren hier in einem Funken der Erkenntnis zusammengekommen, einem Aufblitzen des Bewusstseins. Experiment hin oder her, er spürte, dass er ethisch gebunden war zu »zürnen, zürnen, gegen das Erlöschen des Lichts«, wie es ein terranischer Poet vor sehr langer Zeit einmal ausgedrückt hatte. Wenn sich diese Erkenntnis auf ein einzelnes Leben anwenden ließ, dann traf sie auch auf das Bewusstsein als Ganzes zu. Die Klarheit seiner eigenen Intelligenz war beispielsweise etwas, das sich von dem Durcheinander seiner Herkunft unterschied.

Ein Messer wurde direkt in seinen Kopf gerammt, durchbohrte den Frontallappen und ließ ihn bis hinunter in die Zehen erzittern. Die arme Pip, die dieser mentalen Eruption ausgesetzt war und ihr nicht entkommen konnte, zuckte spasmisch an seinem Oberschenkel.

All seine Überlegungen, seine guten Absichten und seine furchtbare Gleichgültigkeit endeten immer wieder in furchtbaren Kopfschmerzen, die ihn schon in seiner Kinder- und Jugendzeit geplagt hatten. Obwohl er sich so gut es ging gegen den Schmerz wehrte, der ihn soeben zu übermannen drohte, konnte er doch nichts anderes tun, als in einen öffentlichen Entleerungsspalt zu taumeln, der in die nach innen geneigte pechschwarze Wand des nächsten Gebäudes eingelassen war. Er lehnte sich gegen die Wand der sanitären Anlage, und seine Brust hob und senkte sich, als er kurze, zitternde Atemstöße von sich gab und mit aller Kraft versuchte, nicht umzufallen. Wenn er zuließ, dass ihn der lähmende Schmerz übermannte und er das Bewusstsein verlor, wäre es völlig ohne Belang, welche Entscheidung er hinsichtlich der Gefahr für das Universum oder irgendeiner anderen Sache treffen würde. Schon die oberflächlichste medizinische Untersuchung würde ihn als den Betrüger, der er war, entlarven und dafür sorgen, dass er unter schwerer Bewachung in die nächste Vollstreckungseinrichtung überführt wurde. Zu seinem Glück war der Entleerungsspalt von keinem anderen Nye besetzt.

Doch das blieb nicht lange so.

Kleiner als ein Mann, aber mit breiteren Hüften, drehte sich die elegant gekleidete Frau, die nach ihm eingetreten war, um, damit das Individuum vor ihr sein Geschäft unbeobachtet erledigen konnte. Doch als sie einen zweiten Blick auf die zusammengesackte männliche Gestalt warf, zögerte sie. Seine Haltung ließ erkennen, dass er für eine Entleerung falsch positioniert war. Stattdessen schien er sich gegen die sie umgebende geschwungene Mauer zu lehnen, als benötige er deren Halt. Diese Erkenntnis ließ augenblicklich zwei mögliche Handlungsweisen vor ihrem inneren Auge erscheinen. Sie konnte ihn angreifen, solange er körperlich geschwächt war, und so an Status gewinnen. Oder sie konnte Mitgefühl zeigen, ihm ihre Hilfe anbieten und möglicherweise dasselbe erreichen. Eigentlich hing alles davon ab, wie stark er beeinträchtigt war. Wenn nur leicht, dann wäre eine Herausforderung durchaus angebracht. War sein Zustand allerdings ernst, würde ein Angriff auf einen anderen Nye, der nicht in der Lage war, sich zu verteidigen, nur dafür sorgen, dass sie an Ansehen verlor.

Flinx musste sich nicht umdrehen und sie ansehen, um ihre Verwirrung ebenso wie ihre bloße Anwesenheit zu spüren. Trotz der Schmerzen, die durch seinen Schädel jagten, konzentrierte er sich darauf, Pip zu beruhigen. Das Letzte, was er in dieser Situation brauchte, war, dass sich die fliegende Schlange aus einer unnatürlichen Öffnung seines Simanzugs ins Freie bewegte und die erschrockene Passantin angriff. Als Reaktion auf seine stillschweigende Bitte blieb Pip eng um seinen rechten Arm geschlungen im Anzug und versuchte nicht, ihn zu verteidigen.

»Pssannch.« Er gab sich die größte Mühe, sich aufrecht hinzustellen und von der Wand zu entfernen. »Ein falsscher Alarm. Der Körper sspielt der Verdauung gelegentlich Sstreiche. Die Sstation gehört ganz Ihnen.« Es gelang ihm, sich aufzurichten. Die unsichtbaren Zwerge, die in seinem Hinterkopf nach Gold schürften, setzten ihre quälenden Anstrengungen fort.

Intensiv leuchtende helle geschlitzte Augen starrten in die seinen. Ein Augenlid schloss sich kurz, dann das zweite. »Ssie ssehen nicht gut auss, Bürger.«

Die Entleerungsstation, in der sich eigentlich immer nur ein Nye aufhalten konnte, schnitt sich tief in die Mauer ein. Sie war sehr eng, sodass die beiden Anwesenden dicht beieinander standen. Flinx versuchte, von der Frau abzurücken, und ihm fiel gerade noch ein, den entsprechenden Sensor zu berühren, damit sein Schwanz nicht gegen sie prallte. Das hätte sie nämlich entweder als Herausforderung oder als Einladung zu einer klassischen gewalttätigen AAnn-Schmusesitzung auffassen können - und nach keinem von beiden stand ihm im Moment der Sinn.

»Ein vorübergehender Sschmerz. Eine alte Verletzung auss früheren Kämpfen gegen die Käfer.«

»Ahriinn!« Sie rückte von ihm ab und ließ ihm so viel Platz wie möglich, um an ihr vorbeizugelangen. Soldaten wurden bei den AAnn verehrt, und jene, die gegen ihre Erzfeinde, die Thranx, in die Schlacht gezogen waren, genossen ganz besonders hohes Ansehen. »Gibt ess denn nichtss, wass ich für Ssie tun kann?«

Ihre Worte konnten durchaus als Versuch angesehen werden, eine intimere Interaktion anzuregen. Er ging das Risiko ein, unhöflich zu wirken, und bekämpfte den in seinem Kopf tobenden Schmerz, während er weiter in Richtung des gewundenen Gehwegs ging.

»Ich bin gebunden«, keuchte er schwach in ihre Richtung.

»Dass bin ich auch«, erwiderte die Frau. »Und ich habe mich von der Reproduktion lossgessagt.«

»Keine Zeit«, murmelte er. »Bachaanssk, und außerdem komme ich zu sspät zur Arbeit.« Mit dem linken Arm führte er eine Geste der Wertschätzung zweiten Grades aus, dann taumelte er auf die Straße hinaus.

Das Pochen in seinem Kopf, das drohte, ihm den Schädel von den Schultern zu sprengen, ließ endlich ein wenig nach. Glücklicherweise folgte ihm die Frau nicht, sondern schien es stattdessen vorzuziehen, die sanitäre Anlage, die ihm vorübergehend Zuflucht geboten hatte, zu benutzen. Er spürte, wie sich Pip an seinem Arm entspannte - sie reagierte darauf, dass er selbst sich langsam wieder beruhigte.

Das war knapp gewesen, und er beschloss, keine derartigen Risiken mehr einzugehen. Er hatte bereits genug getan, sein Spiel durchgezogen, die überaus hoch gesteckten Ziele erreicht, die er sich gesetzt hatte, als der Entschluss, dieses Unterfangen wirklich durchzuziehen, in ihm gereift war. Da er eine Teverravak in dem am besten bewachten, hochheiligen Teil des ganzen Imperiums überlebt hatte, wollte er sein Glück nicht überstrapazieren. Das Spiel war gut gelaufen, er hatte seine Zeit sinnvoll verbracht. Ihm war klar geworden, dass es, unabhängig von der Art der Spezies, letzten Endes nur darum ging, einen Funken der Intelligenz zu erhalten. Das war es, wofür es sich zu kämpfen lohnte, und dabei war es ohne Belang, welche politische Organisation oder Rasse zu guter Letzt über die Galaxis dominieren würde. Als Konsequenz würde er, Philip Lynx, sein Bestes geben, um dafür zu sorgen, dass das Bewusstsein nicht aufhören würde zu existieren. Es war unwichtig, was er wirklich war und wie er sich selbst oder wie andere ihn definierten, solange er ein Individuum blieb, das ein Ziel verfolgte.

Derart in seiner Entschlossenheit gestärkt schritt er weiter voran, bis er auf das öffentliche Transportmittel stieß, das ihn ursprünglich in diesen Teil der großen Stadt gebracht hatte. Er betrat das kleine automatisierte Fahrzeug, ignorierte die anderen Passagiere und begab sich in eine kleine Nische, wobei er darauf achtete, dass sein Schwanz niemanden in seiner Nähe streifte. Wie der Großteil der anderen Mitreisenden, mit Ausnahme der älteren und gebrechlichen, nutzte er den U-förmigen, herabklappbaren Sitz nicht, sondern stellte seine Gesundheit und Fitness zur Schau, indem er die gesamte Dauer der Reise stehen blieb. Mit einer vierfingrigen Hand griff er nach oben und benutzte eine seiner spitzen Klauen, um sich die Zwischenräume von mehreren Zähnen zu reinigen. Da es niemals beschmutzt wurde, hatte sein perfekt nachgeahmtes Gebiss diese Aufmerksamkeit eigentlich nicht nötig, aber diese Verhaltensweise half ihm dabei, unter den anderen Passagieren nicht aufzufallen.

Bei individuell gewählten Stopps betraten zahlreiche andere AAnn das Fahrzeug, in dem so gut wie nichts zu hören war, oder stiegen aus diesem aus. Es dauerte ungefähr eine Viertelstunde, bis das öffentliche Hochgeschwindigkeitstransportmittel den hoch entwickelten, dicht bevölkerten Vorort erreichte, in dem sich Flinx eine Unterkunft genommen hatte. Niemand sah in seine Richtung, als er aus dem Fahrzeug ausstieg.

Während er langsam auf das Gebäude zuging, in dem er die letzten zehn Tage gewohnt hatte, sinnierte er darüber nach, dass er jetzt mehr über die alltäglichen Abläufe in der imperialen Hauptstadt wusste als jene Spezialisten des Commonwealth, die auf diesem Fachgebiet als Koryphäen galten. Dass die Sektoren, in denen er sich aufgehalten hatte, nicht von militärischer Bedeutung waren, konnte seine Leistung nicht schmälern. Nach seiner ungenehmigten Ankunft auf dem Planeten hatte er sich quer durch die Stadt bewegt und sein aktuelles Quartier als Operationsbasis gewählt, weil es sich schlicht durch seine Gewöhnlichkeit auszeichnete. Hier ging man seinen täglichen Aktivitäten nach, und es kam nur zu einer minimalen Anzahl an sozial akzeptierten direkten Herausforderungen, da es AAnn auf mittlerer Stufe im Allgemeinen vorzogen, ihre Nachbarn zu meiden und sich ausschließlich um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern.

Auch wenn es keine Bäume gab, war die Wüstenlandschaft auf Blasusarr zwischen den Fußgängerwegen und Gebäuden mit Flecken aus grünen, braunen und seltsam dunkelblauen buschigen Gewächsen bedeckt, die jedoch nur auf dem größten Kontinent des Planeten zu wachsen schienen. Zusätzliche Formen und Farben lieferten öffentliche Skulpturen und Verschönerungen an Bauwerken. Obwohl diese in den gedämpften Tönen, die die Einheimischen bevorzugten, getüncht waren, herrschte kein Mangel an Farben. Individualistische Künstler waren zwar nicht gerade angesehen, doch was die kommunale Ästhetik anging, waren die AAnn eine dynamische und erfindungsreiche Spezies. Das wusste vermutlich kein Mensch besser als Flinx, der schließlich als Einziger einige Zeit bei AAnn-Künstlern verbracht hatte.

Er stieß auf Beispiele für die qualitativ hochwertige kollektive Arbeit in Form von Basreliefs und Skulpturen, die aus den Seiten langgestreckter, niedriger Wohngebäude ragten. Einige waren massiv und reglos, andere wurden als kunstvolle Wellen- und Klangprojektionen dargeboten. Szenen aus der Geschichte der AAnn und ausgewählte beliebte Unterhaltungselemente waren dabei am häufigsten anzutreffen. Als er in einen Weg einbog, der an den Pfad grenzte, über den er seine Behausung erreichen konnte, musste er grinsen - wie immer, wenn er die eingebettete Wellenprojektion erblickte, welche charismatische und tapfere AAnn-Krieger darstellte, die eine primitive Befestigung voller jammernder Menschen angriff und einnahm. Zumindest aus stilistischer Sicht sah es so aus, als ob diese billige Propaganda eigentlich aus einem anderen Teil der Galaxis stammte.

Alles, was er auf seine ungenehmigte Reise, die bald ein Ende finden würde, mitgebracht hatte, passte mühelos in einen einzigen AAnn-Beutel, der an Bauch und Rücken befestigt wurde. Die Teacher hatte ein makelloses Exemplar dieses einfachen Gepäckstückes anhand der in ihrer umfangreichen Datenbank enthaltenen Beispiele ohne Probleme herstellen können. Und nicht ein einziger AAnn, dem Flinx seit seiner Ankunft und Infiltration begegnet war, hatte sich bemüßigt gefühlt, ihn zu fragen, wo er diese Tasche denn herhätte. Falls das dennoch geschehen wäre, hätte er es einfach als ein Mitbringsel von einer der weiter entfernt liegenden Kolonialwelten des Imperiums ausgegeben. Wie im Commonwealth gewährte einem auch hier die Expansion der Kolonialisierung auf galaktischer Ebene eine angenehme Anonymität, was sowohl Produkte als auch Personen anging.

Er wollte seine wenigen Habseligkeiten holen und sich daranmachen, die Stadt wieder zu verlassen. Ein gemietetes automatisches Transportmittel konnte ihn in den entlegensten Teil eines nahe gelegenen planetaren Parks bringen, eine Region, in der die Wüste noch erhalten geblieben war und nicht angetastet wurde und die nur gelegentlich jene Personen aufsuchten, die für ihre Entstehung verantwortlich waren. Hier hatte ihn eines der getarnten Shuttles der Teacher unauffällig abgesetzt, und an diesen Ort würde er es auch zurückbeordern, um sich dort wieder abholen zu lassen. Er hatte seinen Ausflug in die Hauptstadt der AAnn überlebt und überdies noch etwas mehr über sich selbst in Erfahrung gebracht. Das und einige andere Dinge hatten bewirkt, dass er mit neuer Entschlossenheit eine Entscheidung angehen wollte, an der er jetzt nicht mehr zweifelte. Wieder einmal war er sich sicher, was er mit dem Rest seines Lebens anfangen wollte. Verjüngt und erleuchtet von seiner Zeit auf der AAnn-Heimatwelt war er bereit für den Aufbruch.

Die intensiv strahlende Sonne von Blasusarr ging gerade unter und verwandelte den Horizont über den niedrigen Gebäuden in ein feuriges Gelb, während die Unterseiten der Wolken rostrot leuchteten. Zu dieser Tageszeit waren nur sehr wenige Nye zu Fuß unterwegs. Der Gedanke, einen entspannten Abendspaziergang zu machen, reizte nur wenige. Doch obwohl sich kaum andere Fußgänger in seiner Nähe aufhielten, achtete Flinx darauf, immer auf dem gepflasterten rechten Weg zu bleiben und nicht auf den gewundenen, mit Sand ausgefüllten Weg zu gelangen, der die Mitte der Straße dominierte. Er hatte durchaus schon von aggressiven, von Hormonen gesteuerten AAnn gehört, die zu einer schon bei ihren Vorfahren beliebten List griffen und sich im Sand eingruben, um dort zu warten, bis sich ein potenzieller Gegner näherte, der keine Zeit mehr hatte, der unausweichlichen Herausforderung zu entgehen, wenn sie unerwartet aus dem Sand hervorsprangen.

Als er um die letzte Ecke vor seiner Unterkunft bog, warf er einen Blick auf die kunstvolle Sandskulptur, die an der Stelle stand, wo sich mehrere Wege kreuzten. Von Magnetfeldern an Ort und Stelle festgehalten wurden die Ströme aus mehrfarbigem Sand und Stücken hiesiger Edelsteine in immer wechselnden Mustern recycelt - das Ganze glich einem Brunnen, der Steine anstelle von Wasser ausspuckte. Der Schein der untergehenden Sonne tauchte die sonnenzugewandte Seite der Edelsteine in die beeindruckenden Farben eines Regenbogens.

Sowohl der automatisierte Manager als auch der lebende Concierge seines Gebäudes würden es sehr bedauern, dass er abreiste. Er hatte seinen Aufenthalt nicht nur im Voraus mit seinen sorgsam gefälschten imperialen Credits bezahlt, sondern auch ohne zu murren das am wenigsten vorzeigbare Quartier des ganzen Gebäudes bezogen: Es lag ganz oben und auf der Schattenseite des Hauses. Er blickte aus ziemlicher Höhe auf den unvermeidlichen Wüstengarten und den mit Sand gefüllten, zur Entspannung gedachten Außenbereich herab - was für einen AAnn eine gänzlich unerwünschte Art der Unterbringung darstellte.

Er rechnete nicht damit, den Concierge zu treffen, als er auscheckte, und das war auch gar nicht nötig. Als Besucher aus einem anderen System, der aus geschäftlichen Gründen in der Hauptstadt weilte, war eine derartige persönliche Interaktion nicht nur völlig unnötig, sondern glich einer offenen Einladung zu einer spontanen Herausforderung. Flinx war daher zuversichtlich, dass der schon etwas ältere Concierge ebenso begierig darauf war, diese überflüssige Verabschiedung zu vermeiden, wie er selbst.

Daher war er ziemlich überrascht, den älteren Nye, den eine bei seiner Spezies nicht unübliche Skoliose gezeichnet hatte, direkt vor dem Eingang des Gebäudes anzutreffen, wo er sich offen einer Herausforderung durch jeden beliebigen Passanten stellte. Doch trotz des gewählten Standpunkts und der Haltung des AAnn erkannte Flinx augenblicklich, dass eine potenzielle Herausforderung nicht sehr wahrscheinlich war.

Nicht, wenn den Concierge ein halbes Dutzend bewaffneter Gesetzesvertreter umringte.

2

Flinx hatte schon immer hervorragende Reflexe besessen. In Drallar auf Moth war er dank dieser in der Lage gewesen, sich stets außerhalb der Reichweite der dortigen Polizei zu halten. Später, als er von einem Ende des Commonwealth zum anderen gereist war, hatten sie häufig den Unterschied zwischen Leben und Tod ausgemacht. Eine oder zwei Sekunden langsamer, eine oder drei Sekunden später unter gefährlichen Umständen, und schon hätte er nicht an der Stelle gestanden, an der er sich in diesem Moment befand.

In dem schwächer werdenden Licht der untergehenden Sonne hätte ein Mensch den nahenden Flinx leicht übersehen können - aber kein AAnn. Der Concierge war alt, aber nicht blind. Bevor Flinx auf die Anwesenheit der Gesetzeshüter reagieren und sich aus der Sichtlinie bringen konnte, hatte ihn der Ältere bereits entdeckt. Flinx drehte sich um und rannte los, doch es war zu spät.

Hätte er sich auf einer Commonwealth- oder auf einer umkämpften Welt aufgehalten, dann hätte dies sein sofortiges Todesurteil bedeutet. Doch auf der imperialen Heimatwelt waren die hiesigen Hüter von Recht und Ordnung nicht befugt, tödliche Waffen zu tragen. Solange die korrekte Etikette gewahrt wurde, erlaubten es die sozialen Konventionen, dass ein AAnn-Bürger einen anderen im Verlauf eines Konflikts erschlug, allerdings konnten die Gesetzeshüter nicht dieselben Freiheiten für sich beanspruchen. Die lähmenden Neutronenstöße, die in seine Richtung abgeschossen wurden, sollten ihn daher auch nur bewegungsunfähig machen und nicht töten. Dummerweise ähnelten sich das Nervenkostüm der Menschen und der AAnn so sehr, dass einer dieser Schüsse, wenn er denn sein Ziel erreichte, vermutlich bewirkte, dass Flinx wie jeder andere Bürger von Krrassin mit gelähmten Gliedmaßen auf dem Boden landen würde.

Seine Flucht wurde noch erschwert durch Pips Versuche, sich aus seinem engen Anzug zu befreien, um ihn zu verteidigen. Er musste irgendwie versuchen, ihre Existenz geheim zu halten. Nur weil es so aussah, dass er an die städtischen Vollzugsbeamten verraten worden war, hieß das noch lange nicht, dass diese ihn auch als verkleideten Menschen enttarnt hatten. Es war viel wahrscheinlicher, dass der Concierge oder der automatisierte Manager entdeckt hatten, dass er mit gefälschten imperialen Credits bezahlt hatte. Oder vielleicht hatte auch einer der Wartungsarbeiter des Gebäudes etwas Belastendes in seinem Gepäck entdeckt, obwohl er sein Quartier mit den individualisierten Sicherheitsmaßnahmen des Baus gesichert hatte. Zwar handelte es sich nur um wenige Dinge von unscheinbarer Größe, doch er hatte tatsächlich einige persönliche Habseligkeiten mitgebracht, deren Ursprung er nicht verheimlichen konnte. Gewisse Objekte, die eindeutig nicht von einer AAnn-Welt stammten, wären ausreichend, um eine weitere Untersuchung zu rechtfertigen.

Zwar beherrschte er die AAnn-Sprache gut genug, um diese Dinge ausreichend erklären zu können, doch wenn ihn die Gesetzeshüter wegen Geldfälscherei festnähmen, wäre er selbst mit gut gewählten Worten nicht in der Lage, seine Freiheit wiederzugewinnen. Vermutlich würde man ihn zum Verhör mitnehmen. Gefangen in seiner cleveren Verkleidung könnte er seine wahre Identität nur so lange geheim halten, bis man ihn mit dem ersten medizinischen Scanner untersuchte. Dieses Risiko konnte er unmöglich eingehen - daher rannte er, so schnell er konnte. Der Verlust seiner persönlichen Besitztümer schmerzte ihn nicht so sehr. Ungeachtet ihres Wertes ließen sich solche leblosen Objekte jederzeit ersetzen.

Er war ein guter Läufer und in hervorragender Verfassung. Doch der Anzug verlangsamte ihn, der Versuch, Pip zu zügeln, erschwerte seine Bemühungen zusätzlich, und die AAnn waren von Natur aus begnadete Renner. Ohne den Simanzug hätte er ihnen entkommen können, zumindest nach einer längeren Strecke. Allerdings stand es außer Frage, den Anzug auszuziehen - da hätte er genauso gut kapitulieren können. In der imperialen Hauptstadt hätte ein enttarnter Mensch keine Chance, auch nur die erste Nacht zu überleben. Der Anzug diente schließlich nicht nur dazu, eine visuelle Anonymität zu gewährleisten, er maskierte außerdem noch seinen klar erkennbaren menschlichen Geruch.

Schon hörte er, dass sie näher kamen, zischend und einander Ermutigungen zurufend. Wenn er in einen Park oder in ein Gebäude rannte, würden sie das Gebiet rasch abriegeln, oder ein Bewohner könnte ihn auffliegen lassen. Es gab eigentlich nur eine Option.

Er hielt an und stellte sich ihnen.

Mit halb geschlossenen Augen kanalisierte Flinx sein Talent und versuchte eine Projektion. Diese Technik hatte er früher schon öfters eingesetzt, und zwar sowohl bei Menschen als auch bei anderen empfindungsfähigen Wesen und sogar bei niederen Tieren. Während die bewaffneten Verfolger auf seine bewegungslose Gestalt zurannten, bemühte er sich, Furcht in ihre Richtung zu projizieren und ihren fremdartigen reptilienartigen Verstand mit einem zarten, aber beunruhigenden Gefühl der Panik zu ummanteln.

Es funktionierte nicht. Durch seine halb geöffneten Lider konnte er sehen, dass sie nicht langsamer wurden. Mit nach vorne gerichteten Waffen und peitschenartig von einer Seite zur anderen schwingenden Schwänzen würden sie in nur wenigen Sekunden bei ihm sein. Sie waren jetzt schon so nahe, dass sie nicht mehr auf ihn schossen. Für sie bestand kein Grund mehr dazu, da sie den verdächtigen Bürger in weniger als einer Minute überwältigen und auf den Boden werfen konnten.

Furcht war eine mächtige Emotion. Allerdings erforderte sie von Flinx auch maximale Anstrengung, um sie erfolgreich auszusenden. Doch selbst wenn seine Bemühungen scheiterten, standen ihm noch andere Optionen offen. Die Erfahrung hatte ihn gelehrt, dass er stets bereit sein musste, eine andere Vorgehensweise anzuwenden. Er konnte ihnen kein Gefühl der Angst vermitteln? Auch gut, dann würde er eben etwas anderes versuchen.

Keine zwanzig Meter von Flinx entfernt wurde die erste Gesetzeshüterin auf einmal langsamer. Die doppelten Augenlider blinzelten, sie senkte ihre Waffe und kam dann nach und nach zum Stehen. Ihr Schwanz wackelte nicht mehr. Einer ihrer Kollegen blieb neben ihr stehen. Verwirrt stellte er fest, dass er seine Waffe anstarrte. Nacheinander schlossen sich ihnen die restlichen Mitglieder ihres nicht uniformierten Trupps an. Mürrische Worte, die ihre Verwirrung zum Ausdruck brachten, wurden ausgetauscht. Einer ließ sich in der eigenartigen, für die AAnn typischen Haltung nieder und begann, methodisch seine Waffe auseinanderzunehmen. Sein Nebenmann zog sich stattdessen langsam aus.

Nach ausgiebigen Experimenten im Verlauf seines verrückten Lebens hatte Flinx entdeckt, dass Verwirrung weitaus einfacher zu projizieren war als Furcht.

Nun drehte er sich um und setzte seine Flucht fort. Er wusste nicht genau, wie lange die mentale Projektion, mit der er seine Verfolger belegt hatte, anhalten würde. Das wusste er nie. Der Zeitrahmen war ebenso unvorhersehbar wie alles andere, was mit seinem Talent zu tun hatte. Doch das war unwichtig. Ihre Verwirrung musste nur so lange andauern, dass er entkommen konnte.

Er wusste, dass er ihnen entwischt war, als er sich wieder mit normaler Geschwindigkeit bewegen konnte, ohne dass hinter ihm einer seiner Verfolger auftauchte. Augenblicke später wurde ihm jedoch bewusst, dass er ihnen vielleicht nur vorübergehend entkommen war - als er ein Transportmittel benutzen wollte und feststellte, dass sich jeder Nye in der Schlange vor ihm vor einen Sicherheitsscanner stellen musste, der normalerweise inaktiv war und nicht gebraucht wurde.

Er wich zur Seite, sorgsam darauf bedacht, sich außerhalb der Reichweite des Scanners aufzuhalten, und entfernte sich von den wartenden AAnn, wobei er überlegte, wie er jetzt weitermachen sollte. Waren die plötzlich verschärften Sicherheitsmaßnahmen lokaler Natur oder auf die ganze Stadt ausgedehnt worden? Was sollte er als Nächstes tun? Was konnte er überhaupt tun? Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen bedeuteten, dass er erst einmal in Krrassin festsaß. Es wäre viel zu weit, und auch viel zu gefährlich, zu Fuß zu der Stelle in dem verlassenen Park zu laufen, wo ihn das Shuttle abholen würde.

Welch grausame Ironie, wenn seine falsche Identität letzten Endes seinen Untergang bedeutete. Die Teacher hatte sie entworfen und so weit verfeinert, dass man die einheimischen AAnn damit täuschen konnte, doch er selbst konnte sie nicht einfach von Hand modifizieren. Anders als bei einer menschlichen Verkleidung ließ sich sein Aussehen nicht einfach verändern, indem er Make-up benutzte oder sich eine Perücke aufsetzte. Natürlich konnte er sich ihrer ganz entledigen und auf diese Weise jegliche Hinweise auf den Creditdieb von einer anderen Welt, dessen Identität er angenommen hatte, verschwinden lassen - doch wenn er sich als der einzige Mensch, der sich in Krrassin aufhielt, zu erkennen gäbe, hätte er noch weniger Bewegungsfreiheit als im Moment.

Irgendwie musste er in den gewaltigen, unbewohnten Wüstenpark zurückgelangen, der außerhalb der Grenzen der Hauptstadt lag, ohne dass er verhaftet wurde oder man seine wahre Identität entdeckte. Dort konnte eines der Shuttles der Teacher dann kurz landen, um ihn aufzusammeln. Wohingegen selbst ein perfekt getarntes Shuttle wohl kaum in der Lage wäre, ihn inmitten der riesigen Stadt abzuholen. Falls es nicht entdeckt wurde und mit niemandem zusammenprallte, bestand zwar die Möglichkeit, ihn an einem der vier großen Shuttlehäfen, die zu der Metropole des Imperiums gehörten, aufzulesen. Das Problem war nur, dass jeder davon ebenso weit außerhalb der Stadtgrenzen lag wie der ihm viel angenehmere und überdies weitaus weniger gut bewachte abgelegene Erholungspark.

Während er noch überlegte, wie er weiter vorgehen sollte, tauchten zwei fliegende Überwachungsdrohnen über der Reihe der wartenden automatisierten Transporter auf. Ausgestattet mit Lähmungswaffen sowie einer hochmodernen

Überwachungsausrüstung konnten sie eine gesuchte Person nicht nur identifizieren, sondern diese auch festhalten und bewachen, bis organische Vertreter der städtischen Behörden vor Ort eintrafen. Flinx behielt seine Umgebung genau im Auge und versuchte, auf das Eintreffen der Sicherheitsdrohnen ebenso gleichgültig wie der Rest der ständig ungeduldiger werdenden Fahrgäste zu reagieren. Er ging langsam zurück ans Ende der Schlange. Dort machte er einen Schlenker nach rechts und ließ sich von einer Gruppe um sich tretender, beißender, mit dem Schwanz schlagender Feiernder mitreißen, die ihren Feierabend genoss. Jeden Abend konnte man einige dieser Gruppen antreffen. Obwohl die AAnn es durchaus mochten, sich des Nachts umherzubewegen, zogen sie es aber vor, sich in der mittäglichen Hitze zu entspannen.

Auf einer von Menschen bewohnten Welt hätte Flinx darauf zählen können, in einer größeren Gruppe unterzutauchen. Hier auf dem brodelnden Blasusarr brachte der Einbruch der Nacht zwar ein wenig Erholung von der Hitze des Tages, doch er bewirkte auch, dass man viel mehr auffiel. Zwar waren auch andere AAnn unterwegs, doch diese versammelten sich nicht in einer größeren Gruppe, die die Aufmerksamkeit der Sicherheitsscanner und nach Übeltätern Ausschau haltenden Drohnen auf sich zog. Wenn er nicht bald von den Gehwegen verschwand und unsichtbar wurde, dann würde ihn irgendeines der aufmerksamen Sicherheitsgeräte früher oder später entdecken, so viel stand fest.

Es war auch keine Option, sich einfach ein neues Quartier zu mieten, um sich dort zu verstecken. Inzwischen wären das Aussehen seines Simanzugs sowie alle relevanten formellen Identifikationsmerkmale im gesamten integrierten Netzwerk der Stadt veröffentlicht. Jeder Versuch, auch nur einen Viertelorbit imperialer Credits auszugeben, würde sofort den Alarm im System auslösen. Aber die Behörden kannten ihn nur als Pahmiit ERRUJKJNN, einen Geschäftsreisendenvon einer Außenwelt. Sie suchten noch immer nach einem anderen AAnn und nicht nach einem maskierten Menschen.

Wenn jedoch bekannt würde, dass ein menschlicher Bewohner des Commonwealth unautorisiert auf den Sandwegen der Hauptstadt herumwanderte, würde das quasi-reptilische Äquivalent der Hölle losbrechen. Er musste irgendwie einen Weg finden, ein Treffen mit einem der Shuttles der Teacher zu arrangieren, bevor es so weit kommen konnte.

Außerdem brauchte er ebenso wie Pip Nahrung. Doch während die Illusion eines Nye, die der Anzug ihm bot, überzeugend war, so war das Kostüm nicht fehlerfrei. Er konnte nicht weiterhin vorgeben, ein AAnn zu sein, wenn er aß. Um Nahrung zu sich zu nehmen, musste er den Anzug öffnen und den Reptilienkopf abnehmen. Das war in der Privatsphäre seines gemieteten Quartiers völlig problemlos gewesen, stellte draußen auf der Straße jedoch eine viel schwierigere Angelegenheit dar.

Die Lösung wäre eine flüssige Mahlzeit, doch das war etwas, das auf einer von hoch entwickelten Fleischfressern besiedelten Welt nicht ganz so einfach zu finden war. Trotz allem wäre das Aufspüren eines Händlers noch der leichteste Teil dieser Aufgabe. Gefährlich wurde es beim Bezahlen des Essens. Jeder andere Mensch in seiner jetzigen Lage hätte nicht mehr weitergewusst. Flinx hatte dem Großteil anderer Primaten gegenüber jedoch einen Vorteil: Er war ein geschickter und erfahrener Dieb mit einem einzigartigen Talent.

Indem er seine Fähigkeit auf dieselbe Weise einsetzte, wie er es bei den ihn verfolgenden Gesetzeshütern getan hatte, gelang es Flinx, den Besitzer eines kleinen Lebensmittelladens derart zu verwirren, dass dieser glaubte, Flinx hätte die Flasche mit dickflüssiger, proteinreicher Suppe bereits bezahlt, welche er soeben in seinem Rucksack verstaute. Das fremdartige Nahrungsmittel konnte ihn einen oder zwei Tage bei Kräften halten, und danach wäre er vermutlich gezwungen, diesen Trick erneut anzuwenden. Pip mochte den seltsam riechenden Brei anfänglich nicht, doch wenn ihr Hunger erst einmal groß genug geworden war, dann würde sie es ebenso wie ihr Herr zu sich nehmen. Hinsichtlich des Verzehrs fremdartiger Lebensmittel hatte die Erfahrung Flinx gelehrt, dass die Aussicht auf den bevorstehenden Hungertod dem Verdauungssystem einen mächtigen Motivationsschub verleihen konnte.

Später, als er die dicke, fleischige Suppe durch den in die Flasche integrierten tüllenähnlichen Strohhalm saugte, schwebten zwei weitere Suchdrohnen die Straße entlang, auf der er sich gerade befand. Der Weg war seit Einbruch der Dunkelheit ohnehin schon ziemlich verlassen und bot ihm kaum eine Möglichkeit, in Deckung zu gehen. Abgesehen von dem Lebensmittelgeschäft, in dem er sich kurz zuvor bedient hatte, hatten kaum andere Läden geöffnet. Er musste von diesen öffentlichen Plätzen verschwinden, und zwar schnell.

Alle Wohn- und Geschäftsgebäude in seiner unmittelbaren Umgebung waren für die Nacht geschlossen worden. Mit etwas Zeit hätte er die integrierten Sicherheitssysteme knacken können, doch Zeit war das Einzige, was ihm die unerbittlichen, schnell näherkommenden Drohnen auf keinen Fall gewähren würden.

An der nächsten Kreuzung hielt ein großes öffentliches Transportmittel und spuckte drei Passagiere aus. Diese Fahrzeuge fuhren auf festgelegten, vorprogrammierten Wegen quer durch die Stadt und hielten an den geschwungenen Gehwegen. Ein privater Transporter wäre schneller und sicherer gewesen, doch ihm blieb einfach keine Wahl. Also rannte er mit großen Schritten auf den Transporter zu. Hinter ihm hatten die Drohnen angehalten, um ein Paar verschreckter Passanten zu bioverhören. Eine der beiden Drohnen drehte schwebend beiläufig ihren zweiten Scanner in Flinx' Richtung. Würde sie in der Lage sein, ihn auch von hinten zu identifizieren?

Er sprang durch die geöffnete Tür in den hinteren Teil des Transporters, genau in dem Moment, in dem sie sich zu schließen begann. Das Innenlicht war gedämpft, wie es dem Geschmack der AAnn entsprach. Einige der Passagiere ruhten sich in der Hocke aus, während andere stehen geblieben waren. Ein älterer AAnn nutzte eine der fixierten Stützklammern, die aus den Innenwänden ragten. Um ja keine frühabendliche Herausforderung auszusprechen, sah keiner der anderen Passagiere in Flinx' Richtung. Nicht zum ersten Mal war er froh über die charakteristische Zurückhaltung der AAnn gegenüber Fremden. Untereinander gingen sie viel bedachtsamer miteinander um, als sie es bei seiner Art oder den Thranx taten.

Es war auch gut, dass sie derart desinteressiert waren, sonst hätte sich vielleicht noch einer von ihnen bemüßigt gefühlt, einen Kommentar über seinen ungelenken, seltsamen Laufstil zu machen. Ein leises Warngeräusch ertönte aus einem in der Decke verborgenen Lautsprecher, dann setzte sich der Transporter sanft in Bewegung. Flinx wartete eine Weile, bevor er es wagte, sich umzudrehen und einen Blick in die Richtung zu werfen, aus der er gekommen war. Was er dort erblickte, erfüllte ihn mit Erleichterung, wenn auch nicht wirklich mit Zuversicht. Hinter dem abfahrenden Fahrzeug befragten die beiden Drohnen soeben den letzten Nye, der zwischen Flinx und dem öffentlichen Beförderungsmittel gestanden hatte. Wäre Flinx auf dem Gehweg geblieben, hätten sie ihre Fragen als Nächstes an ihn gerichtet. Und seine Fähigkeiten wären bei den patrouillierenden Maschinen bei Weitem nicht so effektiv gewesen wie bei den Gesetzeshütern oder dem erschöpften Lebensmittelhändler.

Nun richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Mitte des eiförmigen Fahrzeugs, legte den Kopf ein wenig in den Nacken und gab vor, die verschiedenen leuchtenden Meldungen zu studieren, die einen schwebenden Nimbus innerhalb der konkaven Decke bildeten. Zwei der anderen Passagiere taten dasselbe. Er musste sich hinsichtlich seiner Reaktionen keine Gedanken machen, während er die animierten öffentlichen Meldungen studierte, da seine AAnn-Maske seine menschlichen Gesichtsausdrücke nicht preisgeben würde.

Er hatte gehofft, sich in einem Transporter wiederzufinden, der auf die äußeren Ringe der Metropole zufuhr oder zumindest parallel zu seinem bisherigen Aufenthaltsort unterwegs sein würde. Stattdessen saß er jetzt in einem Fahrzeug fest, das auf die Stadtmitte zusteuerte. Es beschleunigte und sauste immer schneller auf das Herz der imperialen Metropole zu. Und dort wäre er vermutlich noch prüfenderen Blicken ausgesetzt. Als einsamer Mensch, der es mit dem gesamten Imperium zu tun bekam, würde ihm selbst seine einzigartige Fähigkeit nicht helfen, um der Entdeckung und Gefangennahme zu entgehen.

Nun ja, darüber würde er sich am nächsten Tag Gedanken machen. Eine Sache hatten die Menschen und AAnn nämlich gemeinsam: Sie waren beide tagaktiv. Beide Spezies benötigten einige Stunden nächtlicher Ruhe. Das Problem seiner Ernährung war gelöst, wenn auch nur vorübergehend. Was Wasser anging, so wusste Flinx aus den Erfahrungen, die er bereits in der Stadt gesammelt hatte, dass es ihm nicht schwerfallen würde, sich damit zu versorgen, wenngleich die AAnn davon weniger brauchten als die Menschen. Da er sich nicht einfach einen Schlafplatz mieten konnte, musste er sich eine geschützte Stelle in der Nähe eines der vielen Wege suchen. Die Aussicht, im Freien schlafen zu müssen, schreckte ihn nicht weiter ab. Das hatte er schon als Kind auf Moth oft genug getan.

Ebenso wenig erschreckte ihn die Tatsache, dass er sich auf einer völlig fremden Welt befand, denn eine schmutzige verlassene Gasse blieb eine schmutzige verlassene Gasse, unabhängig davon, welche Spezies für die dort vorherrschende Ästhetik, das Design und die Baukunst verantwortlich war.

Als er das öffentliche Transportmittel verließ, fand er sich in einem Bezirk wieder, der größtenteils von großen, einzeln stehenden Gebäuden dominiert wurde. Auf einer menschlichen Welt hätte man sie Villen genannt. Dass keines der einzeln umzäunten, sorgfältig voneinander abgegrenzten Bauwerke mehr als ein Stockwerk über der Erde besaß, war ein deutliches Zeichen für den Reichtum ihrer Besitzer. Das hieß, dass sie es sich leisten konnten, auf traditionelle Weise zu leben, also den Großteil ihrer Wohnräume unterirdisch anzulegen. Mit Ausnahme einiger weniger Stellen, an denen einheimische Pflanzen wuchsen, war die Landschaft hier vor allem durch kunstvoll angeordneten Stein und Sand geprägt. Das hiesige Schönheitsideal verlangte, dass die ausgedehnten, unbewohnten und unentwickelten Regionen von Blasusarr im Zentrum der Hauptstadt so detailgetreu wie möglich nachgebildet wurden. Im Herzen von Krrassin ließ sich das allerdings nur durch künstliche und kostspielige Mittel realisieren.

Gedämpfte Lichter tanzten in den Tiefen der halb vergrabenen eingeschossigen Gebäude. Im Freien waren Lichter an künstlichen Teichen und Bächen angebracht, die damit indirekt beleuchtet wurden, und außerdem an Miniatur-Monolithen und kleinen mit Mineralien bedeckten Böschungen. Einige der Grenzen, die einen reichen Nachbarn vom nächsten unnachgiebigen AAnn trennten, waren robust, andere ätherisch und wiederum andere so immateriell wie die elektrische Strömung oder die Lichtwellen, aus denen sie bestanden. Jeder Aspekt der zahlreichen Behausungen, an denen Flinx vorbeikam, jedes individuelle Merkmal und jede Facette ließen die Macht und die Position ihrer Besitzer erkennen. Hier gab es keine Gassen, und erst recht keine schmutzigen.

Für ein umherwanderndes Individuum wäre es sehr schwer, sich Zutritt zu einem der geschützten Privatgebäude zu verschaffen, unabhängig davon, welcher Spezies es angehörte. Jene, die den Bewohnern Böses wollten, mussten erst die ausgeklügelten Sicherheitsbarrieren überwinden. Flinx jedoch suchte nur nach einem ruhigen Ort, an dem er die Nacht verbringen konnte. Wenn er dabei auch noch auf ein Versteck stieß, in dem er sich längerfristig aufhalten konnte, dann wäre das umso besser und würde ihn erst recht zufriedenstellen. Innerhalb der sicheren Grenzen des Einflussbereiches eines Wissenschaftlers, Adligen oder Händlers hätte er sogar die Gelegenheit, sich geschützt vor geschlitzten wie auch anorganischen neugierigen Augen körperlich und geistig zu erholen.

Hätte er nicht schon in jungen Jahren Erfahrungen als Einbrecher gesammelt, so wäre es ihm niemals möglich gewesen, das Gelände, für das er sich letztendlich entschied, zu betreten, ohne einen Alarm auszulösen. Dass er dies jedoch leise und unbemerkt tun konnte, hatte er nicht nur seinen Fähigkeiten als Eindringling zu verdanken, sondern auch eineinhalb Dekaden Forschung, in denen er sich unter anderem ein umfangreiches Wissen über die AAnn und ihr Imperium angeeignet hatte. Die Sicherheitsmaßnahmen, auf die er traf und die er nach und nach ausschaltete, waren zwar fremdartigen Ursprungs, für ihn jedoch durchaus verständlich. Die Physik war bei allen Spezies gleich. Dieselbe Regel galt auch für Sicherheitsvorrichtungen, ob sie nun von Menschen, Thranx, AAnn, Quillp oder irgendeiner der anderen bekannten empfindungsfähigen Rassen mit einer Vorliebe für Privatsphäre angefertigt worden waren.

Sobald er sich sicher innerhalb der befestigten äußeren Grenzen des Geländes befand und davon überzeugt war, dass niemand seine Anwesenheit bemerkt hatte, machte er sich auf die Suche nach einem Platz, an dem er sich ausruhen konnte.

Auch wenn sich die künstlichen Wüstenlandschaften, die in den meisten der in der Nachbarschaft gelegenen Gärten vorherrschten, in Design und Bauweise glichen, unterschied sich die auf dem Gelände, das er betreten hatte, doch von den anderen, da hier einige besonders protzige Motive zur Schau gestellt wurden. Das Rot der künstlichen Sandsteinschluchten, durch die er wanderte, wirkte irgendwie leuchtender, das Gelb eher wie der Sonnenschein als gedämpft, und die natürlich blassen Orange- und Elfenbeinfarbtöne waren mit funkelnden eingebetteten Quarzmineralien verschönert. Selbst für einen AAnn wirkte das simulierte Wüstendekor fast schon geschmacklos. Flinx selbst interessierte die überladene fremdartige Ästhetik nicht. Er achtete kaum darauf, während er nach einem Platz suchte, an dem er sich versteckten konnte - dieser durfte weder vom Hauptgebäude noch von den Wegen der Umgebung einsehbar sein.

Als die Nacht ganz hereingebrochen war, hatte er die perfekte Stelle gefunden, indem er beinahe hineingefallen war.

Ein Teich auf dem geschützten Gelände war tief in den Boden eingelassen worden. Wenn ihn seine perfekte Ovalform noch nicht als künstlich verraten hätte, dann hätten die gut verborgenen Rohrleitungen, die sich über die gesamte Länge erstreckten, diese Beobachtung bestätigen können. In dem klaren Wasser wimmelte es von einheimischen Wasserlebensformen, die genetisch modifiziert worden waren, damit sie verschiedene Schattierungen transgenischen Lichts abgaben. Das Licht war nicht hell genug, um jemanden, der am Rand des Teiches stand, erkennen zu können, reichte jedoch aus, dass Schaulustige bewundernde Komplimente machten. Flinx' Reaktion unterschied sich zweifellos von der des Durchschnittsbesuchers dieses Geländes: Er überlegte, ob einige der munteren Schwimmer wohl essbar waren.

Obwohl sich derart viele blasusarrianische Wasserbewohner darin tummelten, sah das Wasser sauber aus. Eine chemische Behandlung war nicht zu erkennen. Falls das Wasser trinkbar war, dann würde es diese besondere Stelle innerhalb der AAnn-Landschaft nur noch einladender für ihn machen.

Er wählte einen der etwa ein Dutzend kleinen Nebencanyons aus, machte es sich darin bequem, um sodann seine AAnn-Verkleidung methodisch zu entsiegeln und sie auszuziehen. Trotz seiner außergewöhnlichen Erneuerungsfähigkeiten war es doch hin und wieder nötig, den Anzug zu lüften und gewisse minimale Wartungsvorgänge an dessen Innenleben durchzuführen. Diese ließen sich nicht vornehmen, solange er den Anzug trug. Bisher hatte er die erforderlichen Prozeduren in der Sicherheit seines gemieteten Quartiers durchgeführt, doch da ihm dieses jetzt nicht mehr zur Verfügung stand, musste er die Arbeiten eben hier erledigen.

Es fühlte sich zwar seltsam an, außerhalb des Simanzugs in der Außenluft auf Blasusarr zu stehen, doch das belastete ihn nicht übermäßig. Die Nacht würde noch einige Stunden andauern, er hatte noch keine Bewegung in der Nähe des Hauptgebäudes gesehen, und die ausgedehnte Landschaft schützte ihn vor den Blicken derjenigen, die auf dem nächsten Gehweg entlangspazierten. Roboterdrohnen und patrouillierende Gesetzeshüter würden die Grenzen eines derart wichtigen Wohnhauses nicht ohne guten Grund und nicht ohne die entsprechende Freigabe überschreiten.

Als er die Überprüfung und Wartung des Anzugs abgeschlossen hatte, war es schon spät in der Nacht. Die einzigen Geräusche, die er hörte, kamen von den automatischen Wüstenbewohnern, bei denen es sich um nichts anderes als bewegliche Komponenten der Landschaft handelte. Waren die Schwimmer im Teich ebenso anorganisch, oder bestanden sie aus Fleisch und den dazugehörigen blasusarrianischen Körperflüssigkeiten? Er konnte gleich mehrere Dinge auf einmal in Erfahrung bringen, wenn er in dem Teich schwimmen ging.

Nachdem er so lange Zeit in der Enge seines Simanzugs geschwitzt hatte, fühlte sich das kühle Wasser auf seiner nackten Haut fast schon unerträglich erfrischend an. Als Lebewesen, das sich lieber in der Luft aufhielt, entspannte sich Pip in der Nähe auf einem warmen Stein und schien zufrieden damit zu sein, den Kopf gelegentlich hin und her zu bewegen und einen Schluck aus einem der beiden präzise regulierten Bäche zu trinken, die sich in den Teich ergossen. Flinx ließ sich nackt auf dem Rücken treiben und starrte zu den Sternenkonstellationen hinauf, die so fremdartig waren, wie es sich ein Astronom von der Erde nur vorstellen konnte. In gerade mal zehn Jahren hatte er so viele davon gesehen und mehr als nur einige dieser Sterne sogar aufgesucht.

Und wenn er und seine Freunde keinen Weg fanden, um etwas unvorstellbar Großes und unbegreiflich Böses aufzuhalten, das von jenseits dieser Sterne hierher unterwegs war, dann würden diese hellen Lichtpunkte in nicht allzu ferner Zukunft einer nach dem anderen erlöschen.

Er stieß einen Seufzer aus. Mit weit ausgebreiteten Armen und gemächlich rudernden Händen ließ er sich langsam durch den Teich treiben. Als perfekte Imitation der Realität leisteten die geformten falschen Sandsteinwände perfekte Arbeit und schirmten die Alienwelt dahinter fast völlig ab. Die Augen halb geschlossen und erschöpft von den mentalen und körperlichen Anstrengungen durch seine Flucht begann Flinx, sich in der kühlen Flüssigkeit zu entspannen. Morgen würde er sich darum kümmern, wie er aus der Stadt entkommen konnte, und er würde nach einer abgelegenen Stelle suchen, an der ein Shuttle unauffällig landen konnte. Und morgen würde er weiter über das feindselige Universum nachdenken, ebenso wie über den äußerst seltsamen Platz, den er selbst darin einnahm. Morgen.

Heute Nacht würde er sich jedoch ausruhen und sich gestatten, sich von den Mühen des Tages zu erholen. In der Abgeschiedenheit der ausgedehnten Landschaft dieses Geländes konnte er sich sogar vorstellen, endlich mal wieder gut zu schlafen.

Derart beruhigt von dem erfrischenden Teich, der privaten Umgebung, der warmen Nacht und seiner eigenen Erschöpfung fiel ihm nicht auf, dass sich jemand näherte. Vielleicht funktionierte auch sein rätselhaftes Talent mal wieder nicht richtig. Was immer der Grund war, er glitt träge inmitten des angenehm kühlen Beckens dahin und bemerkte nicht, dass Pip und er nicht länger alleine waren.

Doch seine schlangenartige Gefährtin war nicht im selben Maße mit ihrer Entspannung beschäftigt und erkannte die nahende Intelligenz. Sie hob ihren schuppigen Kopf mehrere Zentimeter vom Boden und ließ ihren Blick auf der Suche nach deren Ursprung in mehrere Richtungen schnellen. Ihre an den Seiten gefalteten hellblauen und pinkfarbenen Flügel zuckten, als stünden sie kurz davor, sich auszubreiten. Aber anstatt sich in die Luft zu erheben, glitt Pip ins Wasser. Schwungvolle S-Kurven schwimmend näherte sie sich ihrem Herrn. Erst als sie sich nass und glitschig auf seine Brust schlängelte, öffnete Flinx wieder die Augen. Er hob den Kopf ein Stück aus dem Wasser, sah ihr in die geschlitzten Augen und grinste liebevoll.

»Fühlst du dich einsam, Pip? Oder wolltest du nur gern mal schwimmen gehen?«

Als Reaktion darauf hob der alaspinianische Minidrache erneut den Kopf und wandte seine Aufmerksamkeit Flinx' Füßen zu. Flinx runzelte die Stirn und schwamm ein wenig schneller auf dem Rücken, während er in die Dunkelheit jenseits des kleinen künstlichen Canyons starrte. Er hörte und sah nichts. Aber der Minidrache hatte ihn angestachelt, und jetzt streckte er den einzigartigen Sinn aus, den er besaß.

Als er sich auf diese Weise seiner Umgebung öffnete, stieß er abrupt und unerwarteterweise auf eine dritte Präsenz neben sich selbst und Pip. Es war ein Alien, ein AAnn, und seine Präsenz wurde mit jeder Sekunde stärker. Erschrocken durch die unerwartete Nähe drehte Flinx sich auf die Seite und schwamm zum steinernen Ufer, wo er seinen Anzug liegen gelassen hatte. Pip war durch die Drehung ihres Herrn ins Wasser gefallen und schwamm jetzt ebenfalls geschmeidig auf das Ufer zu.

Flinx kletterte aus dem Teich, während er in die ihn umgebende Dunkelheit starrte, und versuchte, sich so gut wie möglich abzutrocknen. Der AAnn-artige Rucksack, der immer am Simanzug befestigt war, enthielt allerlei nützliche Ausrüstungsgegenstände, die er von der Teacher mitgebracht hatte. Ironischerweise benötigte er in diesem Moment etwas derart Simples wie ein Handtuch. Es war zwar nicht unmöglich, den Simanzug überzustreifen, solange er noch nass war, aber auch nicht sehr bequem. Doch ihm blieb keine andere Wahl. Nackt neben dem Teich zu stehen war nun mal keine besonders aussichtsreiche Option.

Die Präsenz, auf die ihn sein Haustier aufmerksam gemacht hatte, war jetzt schon gefährlich nahe, und er musste sich beeilen. Nachdem er sichergestellt hatte, dass der Simanzug korrekt ausgebreitet und der Schwanz deaktiviert war, hob er ihn am Bauchschlitz hoch und steckte sein rechtes Bein hinein. Da es ein deutlich komplexeres Kleidungsstück als beispielsweise Shorts oder ein T-Shirt war, benötigte man etwa zehn Minuten, bis man den Simanzug richtig angelegt hatte, und weitere zehn, um sicherzustellen, dass die servogesteuerten Funktionen von den einziehbaren Klauen bis hin zu den blinzelnden Okularmembranen korrekt funktionierten.

Wie sich herausstellte, hatte er keine zehn Minuten, und erst recht keine zwanzig, wie er es vorgezogen hätte. Ihm blieben gerade mal ein paar. Der AAnn, dessen Präsenz Flinx so unerwartet gespürt hatte, kam bereits um die Ecke des kleinen synthetischen Canyons und in Sichtweite, wobei im schwachen Sternenlicht nur seine Umrisse zu erkennen waren. Einen Augenblick später sah der ahnungslose nächtliche Flaneur auch ihn: einen unbekleideten Menschen, der neben dem Teich stand und etwas festhielt, das in dem gedämpften Licht aussah wie die abgeworfene Haut eines anderen AAnn. Dieser Anblick musste ein ziemlicher Schock für den spätabendlichen Besucher sein.

Insbesondere, weil er noch sehr jung war.

3

Dass seine nächtlichen Ausflüge von der Familie nicht gestattet waren, machte sie nur umso reizvoller. Kiijeem AVMd trug ein stark geschwungenes Bengk-Schlachtermesser in der einen vierfingrigen Hand, einen konvexen Torgk-Schild in der anderen, und der letzte halbe Meter seines schlanken Schwanzes steckte in einer spitzen und behauenen Pelgk-Scheide. So streifte er herum, auf der Suche nach dem verschlagenen Ssentoom. Man musste immer bereit und wachsam sein, wenn man dessen Spur aufgenommen hatte. Diese üblen Fleischfresser waren zwar nicht groß, besaßen aber ein Paar nach vorn zeigende Stoßzähne, die den persönlichen Schutz eines AAnn durchdringen und bis in dessen lebenswichtige Organe vordringen konnten. Da Kiijeem jedoch keck und übereifrig war, trug er kein einziges Stück seiner Körperpanzerung. Er jagte lieber ohne sie und fühlte sich sicher und zuversichtlich, da er darauf vertraute, schneller, stärker und klüger zu sein als der verschlagenste Vertreter dieser gefährlichen und köstlichen Spezies.

Überdies konnte er sicher ohne Rüstung auf die Jagd gehen, weil er wusste, dass es einige Hundert Zyklen her war, dass der letzte Ssentoom mehrere Dutzend Corrls von der Stadtgrenze von Krrassin entfernt erlegt worden war. Die Tatsache, dass er auf dem Gelände seiner Familie »jagte«, ließ die Wahrscheinlichkeit einer solchen Begegnung praktisch gen null tendieren. Dieses Wissen hielt ihn jedoch nicht davon ab, die Jagd zu genießen.

Wie üblich hatte er dafür gesorgt, dass ihn niemand bemerkte, als er das Haus verließ. Die Erwachsenen hätten diesen nächtlichen Spaziergang nicht gestattet. Doch auch wenn er erwischt worden wäre, hätte er nur eine Rüge hinsichtlich des verpassten Schlafes erhalten. Weitaus ernstere Konsequenzen hätte die Tatsache gehabt, dass er voll bewaffnet mit den traditionellen Waffen im Dunkeln herumlief. In seinem Alter, genau in der Mitte zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, hörte er häufig die Sorgen hinsichtlich seiner Kompetenz, mit diesen tödlichen Waffen auch umgehen zu können. Natürlich gab es auf dem geschützten Gelände nichts, was auch nur einem herumtaumelnden Kleinkind gefährlich werden konnte, und der Sicherheitszaun hielt Eindringlinge fern, doch er hätte trotzdem zu hören bekommen, was alles Schlimmes hätte passieren können.

Um diesen lästigen Tiraden von erwachsenen Nye aus dem Weg zu gehen, behielt er seine Absichten lieber für sich. Er hatte seine geheimen Ausflüge schon mehrmals zuvor unternommen, ohne dass jemand davon Wind bekommen hatte. Jede erfolgreich durchgeführte Exkursion stärkte seine Zuversicht, dass auch beim nächsten Mal alles glatt laufen würde. Jeder erfolgreiche Jagdausflug bewirkte, dass er im Umgang mit seinen Waffen sicherer wurde, Hindernisse im Dunkeln besser ausmachen konnte, und außerdem profitierte auch sein Körper davon.

Und vor allem machte es großen Spaß.

Eine Bewegung erregte seine Aufmerksamkeit. Er blieb stehen und ging instinktiv in die Hocke, die vorläufige Angriffshaltung, die alle AAnn lernten, sobald sie aufhörten, herumzuhüpfen, und begannen zu laufen. Mit niedrig gehaltenem Bengk, mit dem er jederzeit zustoßen konnte, und dem Torgk vor der Brust rückte er langsam zu seiner Beute vor. Die Knie gebeugt, den Schwanz angespannt und bereit, damit nach links oder rechts auszuschlagen, rückte er seiner Beute langsam und leise näher.

Da war sie, direkt vor ihm. Sie wandte ihm den Rücken zu und schien mit den Augen und der Aufmerksamkeit ganz woanders zu sein. Kiijeem packte den Griff des Bengk mit eiserner Hand, spannte seine mächtigen Oberschenkelmuskeln an, zischte leise und voller Vorfreude und sprang los.

Das Bengk fuhr nieder. Das Opfer schrie nicht einmal auf. Die Spitze der geschwungenen Klinge durchbohrte den Rückenschild direkt unter dem Schädel. Der hartschalige Bhrossod war von dem Angriff völlig überrascht worden und hatte gerade noch Zeit, ein leises, kurzes und spitzes Unkk auszustoßen. Er war noch immer am Leben, als Kiijeem die aufgespießte Kreatur mitsamt seiner Klinge hochhob. Sie war etwa halb so lang wie das Messer, besaß keine Beißwerkzeuge und trat spasmodisch mit allen zehn Beinen um sich. Zu guter Letzt hörten diese auf zu zucken und wurden vollkommen reglos. Daraufhin legte Kiijeem das tote Tier wieder auf den Boden und benutzte einen klauenbewehrten, mit einer Sandale bekleideten Fuß, um das tote Ungeziefer von seiner Klinge zu schieben. Das Wesen war zwar weit entfernt von einem grimmigen und gefährlichen Ssentoom, aber wenigstens hatte er es mit eigener Hand erlegt.

Vor seinem inneren Auge stellte er sich vor, es würde sich um einen Thranx handeln, einen Erzfeind des Imperiums, der mit seinen Fußhänden um sich schlug und sabberte. Sein scharfes Bengk hatte sich durch die harte schützende Chitinschicht über seinem Rückgrat gebohrt. Nun tränkten seine wässrigen Körperflüssigkeiten den saugfähigen, reinigenden Sand von Blasusarr. Während er sein Bengk am Bein seines Anzugs abwischte, setzte Kiijeem seine Suche nach dem schwer fassbaren Ssentoom fort. In diesem wilden und leeren Teil der Wüste musste es doch irgendwo einen geben! Zweifellos hockte er gerade im hintersten Winkel seines Baus und kauerte sich aus Furcht zusammen in dem Wissen, dass der größte traditionelle Jäger aller AAnn ihm dicht auf den Fersen war.

Eine weitere Bewegung zu seiner Linken ließ ihn herumfahren. Konnte das ein Ssentoom sein? Das, was er aus dem Augenwinkel gesehen hatte, ließ auf etwas deutlich Größeres und Aktiveres als einen harmlosen, unglücklichen Bhrossod schließen. Einen Augenblick lang zögerte der selbst ernannte mächtige Jäger Kiijeem. Etwas so Großes hätte den Sicherheitszaun des Anwesens eigentlich nicht überwinden dürfen. War ein Teil der Barriere zusammen mit den Warnsensoren etwa ausgefallen? In diesem Fall sollte er seinen nächtlichen Ausflug lieber abbrechen und einen Erwachsenen alarmieren. Was, wenn ein unternehmungslustiger Passant ein Loch im Zaun entdeckt hatte und sich auf der Suche nach Beute, einer Herausforderung oder irgendwelchem anderen Ärger hier herumtrieb? Kiijeem mochte am frühen Morgen einen Ssentoom jagen, aber er war sich nicht sicher, ob er mit einem Erwachsenen fertig wurde, der Unruhe stiften wollte.

»Was soll das?«, rief er sich selbst zur Räson. War er nicht Kiijeem AVMd, der Vierte eines angesehenen Wurfes, der Nachkomme einer Adelsfamilie? Waren die Waffen, die er bei sich trug, denn nichts weiter als Dekoration, sollten sie nur sein Selbstbewusstsein stärken und sein schwaches Ego aufbauen? Warum sollte er, der den tödlichen Ssentoom jagte (wenn auch nur in seiner Fantasie), sich vor einem zufällig vorbeikommenden Bürger fürchten? Und noch dazu vor einem, der höchstwahrscheinlich mental zurückgeblieben, labil oder gar beides war? Er riss sich zusammen und ging weiter, wobei er davon überzeugt war, den Überraschungsmoment auf seiner Seite zu haben, das Recht eines Grundstücksbesitzers, beleidigt zu sein, sowie das Wissen, dass er im Zweifelsfall sehr schnell laufen konnte.

Er hatte die Bewegung am anderen Ufer des westlichen Teiches wahrgenommen, in dem die von seiner Familie hochgeschätzte Sammlung aus seltenen Wasserlebewesen untergebracht war, die temperiertes Wasser bevorzugten. War der Eindringling etwa ein gewöhnlicher Dieb? Würde jemand, der kleine aquatische Tiere stehlen wollte, das in schwerer Rüstung tun? Daran zweifelte er. Mit diesem beruhigenden Gedanken im Kopf rückte Kiijeem weiter vor.

Im Einklang mit den ästhetischen Vorstellungen des sehr kostspieligen Landschaftsarchitekten wurde das maßgeschneiderte Terrain zerklüfteter, als er sich dem Teich näherte. Im Mondlicht konnte er den Umriss einer Gestalt erkennen, die dort am Ufer stand. Kiijeem hob das Bengk und rannte los. Doch als die Gestalt deutlicher zu erkennen war, wurde er langsamer. Als reflexartige Reaktion, die sein unfassbares Erstaunen widerspiegelte, glitt ihm die Zunge aus dem Mund, um dann an seiner rechten Kieferseite herabzuhängen. Das einzige Geräusch, das er erzeugte, war ein leises metallisches Tapp, als sich seine Schwanzmuskeln entspannten und die umhüllte Spitze auf dem Boden aufkam. Er hielt an.

Und konnte nicht glauben, was er da vor sich sah.

Vor ihm stand ein Zweifüßer, den er dank der standardisierten Abbildungen seiner formalen Studien augenblicklich erkannte. Er war sehr viel größer, als er erwartet hätte. Möglicherweise handelte es sich bei ihm um ein ungewöhnliches Exemplar seiner Art. Er war schlank, aber auch muskulös, und ebenso schwanzlos wie auf den einschlägigen Bildern, die er betrachtet hatte. Doch es war eine Sache, bei den Studien zu erfahren, dass ein groß gewachsener Zweifüßer ganz ohne Schwanz aufrecht stehen konnte, ohne umzufallen, aber eine ganz andere, dieses Phänomen mit eigenen Augen zu sehen. Die Augen, die ihn ansahen, wirkten in ihren Höhlen irgendwie flach, aber ihre Pupillen waren unfassbar rund.

Etwas deutlich Kleineres und weitaus Farbenfroheres schwebte in der Nähe in der Luft. Eine fremdartige fliegende Kreatur, die Kiijeem deutlich ähnlicher war als ihrem Besitzer. Vermutlich ein Haustier oder ein Symbiont. Der junge Nye erkannte die fliegende alaspinianische Schlange nicht, da er bei seinen Studien noch nie auf Alaspin oder Minidrachen gestoßen war. Den großen Zweifüßer kannte er jedoch gut. Er war ein Mensch. Ein Verbündeter der Thranx, einer der das verhasste Commonwealth mitfinanzierenden Rassen zugehörig und daher ebenfalls ein erbitterter Feind. Eine Mischung aus Angst, Abscheu und Ekel fuhr dem AAnn durch die Verdauungsorgane. Das wohl eindeutigste Erkennungsmerkmal der Kreatur war in der Realität weitaus klarer zu erkennen als bei seinen Studien.

Es sah so … so weich aus.

Das wulstige Fleisch war unbedeckt. Da waren keine Schuppen, wie es natürlich gewesen wäre, und auch kein Chitin wie bei den Thranx und vielen anderen Lebewesen. Offensichtlich auch kein Fell. Selbst in dem schwachen Licht glaubte Kiijeem, das Blut unter der lächerlich dünnen, leicht zu beschädigenden Haut fließen zu sehen. Tja, ein gut gezielt geworfener Stein konnte sie zerreißen! Die spitze Ummantelung, die derzeit Kiijeems Schwanz bedeckte, konnte eine derart zerbrechliche Kreatur einfach von hinten durchbohren. Doch da fiel ihm noch etwas ein …

Das war ein Mensch, und bei seinen Studien über die Weichhäuter war eine Sache ganz besonders betont worden: dass sie bei Weitem nicht so zerbrechlich waren, wie sie aussahen. Und was hatte es mit dem toten, ausgeweideten AAnn auf sich, den die Kreatur festhielt?

Nein, das reglose Objekt war kein toter AAnn, wie er beim zweiten Hinsehen feststellte. Es sah zwar genau so aus wie die abgeworfene Haut eines Nye, doch im Inneren waren nicht etwa tropfendes Blut und abgerissene Muskeln zu erkennen, sondern ein glattes Material, das eindeutig synthetischen Ursprungs war. Mit dem Stoff, für den er das Gewebe hielt, war eine Vielzahl eingebetteter Sensoren und hochmoderner Instrumente verbunden. Es handelte sich wohl eher um ein Kostüm. Irgendwie konnte Kiijeem nicht glauben, dass der Mensch es mit sich gebracht hatte, um sich auf unauffällige Weise einer Clanfunktion zu bemächtigen. Was zu der offensichtlichen Frage führte, was er dann damit vorhatte (inzwischen war sich Kiijeem sicher, dass es sich bei der vor ihm stehenden Kreatur um ein männliches Exemplar dieser widerwärtigen Spezies handelte) und was er überhaupt hier wollte. Auf Blasusarr. In Krrassin. Auf dem Gelände von Kiijeems Familie, bei Nacht, am westlichen Teich.

Obwohl sich in diesem Teich überaus seltene Exemplare verschiedener Wasserlebewesen tummelten, zweifelte Kiijeem daran, dass dieser Vertreter einer feindlichen Spezies den ganzen Weg hierhergekommen und die ganze Mühe auf sich genommen hatte, nur um einige einheimische Teichbewohner zu stehlen.

All diese Gedanken rasten durch seinen Kopf, während er gleichzeitig versuchte, sich zu entscheiden, ob er jetzt wegrennen oder angreifen sollte. Trotz der ekelerregenden Elastizität und offensichtlichen Verletzbarkeit seines Körpers war der Mensch ein ganzes Stück größer und schwerer als der erschrockene heranwachsende AAnn. Und obwohl Kiijeem keine Waffen entdecken konnte, bedeutete das noch lange nicht, dass der Eindringling auch wirklich unbewaffnet war. Da er bis in die Hauptstadt vorgedrungen war, erschien es Kiijeem sogar höchst unwahrscheinlich, dass er nichts bei sich hatte, womit er sich verteidigen konnte. Außerdem war da noch diese fliegende Kreatur, die vielleicht Fähigkeiten besaß, welche an sich schon eine Gefahr für ihn darstellten.

Obwohl er sich selbst als mächtigen Jäger ansah, wünschte sich Kiijeem in diesem Moment nichts sehnlicher als den angenehm warmen Sand, der den Schlafbereich seines privaten Quartiers bedeckte. Doch das Hauptgebäude war erschreckend weit von seiner jetzigen Position entfernt.

Die beiden starrten einander an, und die Entfernung zwischen ihnen erschien unangenehm nah, reichte jedoch aus, um einen Augenblick lang darüber nachzudenken, was als Nächstes zu tun sei. Wäre die Situation umgekehrt gewesen, wäre ein Mensch in Kiijeems Alter einem erwachsenen AAnn unter ähnlichen Umständen auf der Erde begegnet, dann hätte diesem sein gesunder Menschenverstand gesagt, so schnell wie möglich wegzurennen. Ein AAnn war allerdings aus anderem Holz geschnitzt. Oder weitaus törichter und halsstarriger. Kiijeem stieß ein langes, tiefes Zischen aus (zumindest ein so tiefes, wie er hinbekam), machte mehrere entschlossene Schritte nach vorn, hob das Bengk über seinen haarlosen Kopf und nahm die Haltung eines Nye ein, der eine formelle Herausforderung aussprach. Diese einstudierte Pose wurde von den dazugehörigen traditionellen Gesten begleitet. Vielleicht hoffte er, den Menschen so einzuschüchtern und zur Flucht zu bewegen. Falls das der Fall war, so wurde er enttäuscht.

Der große Eindringling zog das Bein aus der Simanzug-Haut und legte diese sorgsam auf den glatten Stein, dann neigte er den Kopf ein wenig zur Seite und starrte seinen mutigen jungen Herausforderer an. Ist die Kreatur etwa taub oder dumm oder gar beides?, fragte sich der nervöse Kiijeem, wobei er das Bengk ein wenig fester packte. Oder bereitete er etwa eine unvorstellbare, undenkbare Alien-Reaktion vor? Die Beine des Jugendlichen zitterten nicht - dafür war er zu gut ausgebildet. Doch er überlegte, ob er sich nicht lieber umdrehen, seine Spielzeugwaffen beiseite werfen und wie ein Verrückter auf das sichere Hauptgebäude zurennen sollte, was ihm in seinem Kopf als immer verlockendere Aussicht erschien.

Die Zeit verstrich, und der Mensch machte keine bedrohliche Geste. Was dachte er sich? Wie konnte er so kontrolliert und zuversichtlich dastehen, obwohl er doch völlig nackt und ungeschützt war? Welche Bedrohung, welche unbekannte Gefahr übersehe ich?, fragte sich Kiijeem mit wachsender Irritation.

Doch dabei handelte es sich nicht um etwas, das ein anderer Mensch hätte entdecken können, ebenso wenig wie irgendein anderes intelligentes Wesen. Der junge AAnn konnte ja nicht ahnen, dass Flinx seinen jugendlichen Herausforderer bereits eingeschätzt und die Gefahr, die von diesem ausging, als nicht sehr bedrohlich eingestuft hatte. Kiijeems wachsende Unsicherheit und sein Zögern waren für Flinx so deutlich zu erkennen, als hätte der AAnn sich offen dazu bekannt.

Die Emotionen des jungen Nye lagen wie ein offenes Buch vor dem einsamen Menschen.

Was soll ich mit diesem verschreckten, aber auch potenziell gefährlichen Heranwachsenden machen?, überlegte Flinx. Er hatte zwar selbst keine Waffen bei sich, war jedoch zuversichtlich, dass er den Jungen beim Kampf Mann gegen Mann, Hand gegen Schwanz aufgrund seiner Erfahrung problemlos würde entwaffnen können. Alternativ konnte Flinx auch Angst projizieren, und Pip war natürlich in der Lage, den AAnn innerhalb von Sekunden zu töten. Doch keine dieser Optionen erschien ihm erstrebenswert. Der junge AAnn, der unbestreitbar Angst hatte, war dennoch mutig genug, die Standard-Kampfherausforderung seiner Art auszusprechen. Flinx wollte ihm nicht wehtun. In der ganzen Zeit, die er auf Blasusarr verbracht hatte, war es ihm gelungen, keinen einzigen Bürger zu verletzten, und damit wollte er jetzt und hier, wo er diesem beherzten, aber unerfahrenen Jungen gegenüberstand, auch nicht anfangen. Allerdings konnte er auch nicht zulassen, dass ihn der junge AAnn angriff oder wegrannte, um Hilfe zu holen. Wie sollte er jetzt bloß reagieren?

Das Wichtigste war zu verhindern, dass der Junge Alarm schlug. Da er herausgefordert worden war, überlegte Flinx, ob er nicht einfach mitspielen sollte. Indem er den Jungen mit einer Projektion belegte, könnte er ihn zwar beruhigen, falls seine mentalen Bemühungen Erfolg hätten - doch wenn nicht, war es durchaus möglich, dass der Junge laut schreiend in die Nacht hinausrannte. Und panische Schreie gehörten zu den Dingen, die Flinx definitiv vermeiden wollte.

So presste er die Finger seiner rechten Hand zusammen, legte die Innenkante an seine Kehle und nutzte dann beide Hände, um eine Geste der kämpferischen Anerkennung zweiten Grades auszuführen, die die vorangegangene Geste seines Gegenübers ergänzte.

»Ich bin Flinx, aus einer Familie, die du nicht kennst, und ich nehme deine Herausforderung an.« Er deutete auf Pip, die bedrohlich in der Nähe schwebte. »Meine Gefährtin wird sich nicht einmischen. Beginne, wenn du bereit bist.« Nach diesen Worten ging er in eine Haltung, die der traditionellen AAnn-Kampfposition so nahe kam, wie es seine schlaksige menschliche Gestalt erlaubte. Eine Herausforderung nackt und unbewaffnet anzunehmen wäre einem anderen AAnn - oder auch einem anderen Menschen - als überaus töricht erschienen. Doch trotz seiner offenkundigen Hilflosigkeit war Flinx bei Weitem nicht schutzlos.

Kiijeem, der zuvor schon erschrocken und verwirrt gewesen war, schien jetzt völlig perplex zu sein. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, entsprechend zu reagieren.

»Man nennt mich Kiijeem, Viertgeborener der Familie AVM, und ich bin ess, der diesse Heraussforderung aussspricht.« Seine doppelten Augenlider blinzelten, als er realisierte, dass der Mensch nicht nur angemessen auf die Herausforderung reagiert hatte, sondern seine kleine Rede auch fehler- und beinahe akzentfrei gewesen war.

Warum beherrschte ein Mensch die Sprache der AAnn? Offensichtlich handelte es sich bei diesem hier nicht um einen Diplomaten, der unangekündigt und mit einer Art AAnn-Verkleidung auf den Besitz der Familie gekommen war. War er ein Dieb? Es gab doch im Haus der Familie nichts, was eine heimliche Landung auf Blasusarr rechtfertigen konnte. Was wollte diese Kreatur hier?

Sie war ein Spion. Von allen Möglichkeiten, die ihm einfallen wollten, war das die Einzige, die für den jungen Kiijeem Sinn ergab. Bis auf - ein Spion würde logischerweise versuchen, eine Militärbasis, eine wichtige wissenschaftliche Anlage oder zumindest ein bedeutendes Wirtschaftsunternehmen zu infiltrieren. Er machte sich jedoch nicht die Mühe, sich auf das gesicherte Privatgelände einer reichen und angesehenen Hauptstadtfamilie zu schleichen, die keine wirkliche Bedeutung besaß. Je länger Kiijeem über die Situation nachdachte, desto weniger bedrohlich und desto lächerlicher erschien sie ihm.

Hatten seine Eltern einen cleveren Schauspieler engagiert, der eine leere AAnn-Haut mit sich herumschleppte? War das ein Versuch von ihnen, einem anderen Verwandten oder seiner Studienfreunde, ihn zu erschrecken? Sollte ihn das vielleicht von seinen nächtlichen Ausflügen abbringen? Oder hatte er jemanden in seinem Alter beleidigt und auf diese Weise unwissentlich etwas ausgelöst, das eigentlich nichts weiter als ein ausgeklügelter Streich war? Das würde auf jeden Fall die linguistische Gewandtheit und Vertrautheit seines Gegenübers mit den Gebräuchen der AAnn erklären, wenn er nichts weiter als ein Vertreter von Kiijeems eigener Art war. Möglicherweise ein professioneller Tagelöhner, der auf flexiblen Stelzen lief. Kiijeem sah sich genau um und ignorierte das Individuum, das gerade eben auf seine Herausforderung reagiert hatte. Er spähte in die ihn umgebende Dunkelheit, konnte jedoch nichts entdecken. Es war auch kein unterdrücktes Atmen oder gezischtes Gelächter zu hören.

Tja, chissann, es gab nur einen Weg, um die Wahrheit herauszufinden. Nachdem er eine Herausforderung ausgesprochen hatte und diese angenommen worden war, konnte er jetzt ohnehin nicht mehr gehen, ohne den geringen Status des Erwachsenen, den er bereits erreicht hatte, zu opfern. Falls dies tatsächlich eine clevere Täuschung war und jene, die sie sich ausgedacht hatten, aus ihrem Versteck zusahen, dann wäre das Schlimmste, was er tun konnte, sich umzudrehen und wegzulaufen. Neben dem Verlust des überaus wichtigen Status würde er diese Erniedrigung über Jahre nicht mehr loswerden.

»Sseien Ssie bereit, ssich zu verteidigen«, zischte er so energisch er konnte. Er hielt den Torgk eng an die Brust gedrückt, hob das geschwungenen Bengk hoch über den Kopf, schleuderte seine Sandalen mit Schnellverschluss beiseite und begann mit dem zeremoniellen Vorrücken. Dabei stachen ihm die seltsam geformten, außen liegenden Ohren des Menschen ins Auge. Er starrte seinen unergründlichen Gegner an. Welchen Zweck erfüllten all diese äußerlichen Fleischwülste und Vorsprünge? Doch er musste seine Neugier abschütteln, schließlich hatte er einen Kampf begonnen. Einen Kampf, bei dem zumindest er Waffen trug, die ganz und gar nicht kindisch waren. Nach ein paar Schlägen mit seinem Bengk würde sich schnell herausstellen, ob dies ein Spiel war oder ihm jemand einen Streich spielen wollte.

Flinx ging in die formelle Position über, die AAnn beim Kampf Mann gegen Mann einnahmen, wobei er einen halben Schritt nach hinten machte und die klauenlosen Hände senkte. Sein Gegner war jung und vermutlich unerfahren, doch an der Klinge, die er in der Hand hielt, war absolut nichts Jugendliches, ebenso wenig an der tödlichen Spitze seiner Schwanzpanzerung oder den scharfen Klauen an seinen Füßen. Jede einzelne dieser Waffen konnte Flinx eine schwere oder sogar tödliche Verletzung zufügen. Er selbst wollte dem Jungen nicht wehtun - aber er konnte den jugendlichen AAnn auch nicht zu dicht an sich herankommen lassen, wenn er nicht verletzt werden wollte.

Da Pip ihn und nicht den näher kommenden Angreifer zu beobachten schien, sorgte Flinx dafür, dass seine Gedanken ganz ruhig blieben. Hier gibt es keine wirkliche Gefahr für mich, sagte er sich. Alles war machbar. Er hatte es mit nichts Gefährlicherem als einer anstrengenden Kampfübung zu tun. Der nächtliche Besucher war kein Feind. Die tödliche fliegende Schlange empfing seine Gedanken, flatterte immer langsamer und ließ sich schließlich auf dem Boden nieder.

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