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Die Siedler von Catan

Über die Autorin

Rebecca Gablé Jahrgang 1964, studierte Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte und Mediävistik in Düsseldorf, wo sie anschließend als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur tätig war. Heute arbeitet sie als freie Autorin und Literaturübersetzerin. Sie lebt mit ihrem Mann in einer ländlichen Kleinstadt am Niederrhein.

Homepage: www.gable.de

Rebecca Gablé

Die SIEDLER von

CATAN

Nach Motiven des Spiels
DIE SIEDLER VON CATAN
und Skizzen
von Klaus Teuber

BASTEI ENTERTAINMENT

VORWORT
von Klaus Teuber

Wie erfinden Sie Spiele? Diese Frage hört wohl jeder Spieleautor am häufigsten. Es scheint für viele Menschen ein Mysterium zu sein, wie man es schafft, mit Pappe, Holz, Kunststoff und ein paar Regeln eine kleine Welt für sich zu schaffen. Eine spielerische Welt, in die man eintaucht, in der man für ein paar Stunden den Alltag vergessen und seine Mitmenschen auf erfrischend andere Weise kennen lernen kann.

Die Motivation – manchmal sogar ein unwiderstehlicher Drang –, mit der Entwicklung eines Spiels zu beginnen, basiert immer auf einer Geschichte. Die Geschichte muss mich faszinieren und in mir den Wunsch wecken, sie spielerisch immer wieder aufs Neue erleben zu können.

Ausgangspunkt für das Spiel Die Siedler von Catan war die Geschichte der Entdeckungen. Besonders angetan hatten es mir dabei die Wikinger, die mit ihren Drachenschiffen, ihrer Zeit weit voraus, Island, Grönland und Amerika ansteuerten und zumindest Island dauerhaft und erfolgreich besiedelten.

Bis auf ein paar keltische Mönche war Island im 9. Jahrhundert unbewohnt, die Insel musste nicht erobert, sehr wohl aber alles neu erschaffen werden. Bäume im einst waldreichen Island wurden gefällt und damit Häuser und Schiffe gebaut. Straßen wurden angelegt, auf fetten Weiden vermehrten sich die Schafe, und bald wuchs – wenn auch nicht üppig – Getreide auf der damals wesentlich wärmeren Insel im Nordmeer.

Pionierzeit! Die erfolgreiche Besiedlung Islands gelang wohl nur, indem sich die Menschen gegenseitig halfen, friedlich miteinander handelten und nach neuen Wegen suchten, ein besseres Gesellschaftssystem aufzubauen. So gründeten die Wikinger um 930 eine Volksversammlung – das Althing. Es ist das älteste parlamentarische System der Welt und existiert heute noch.

Nun ist Catan nicht Island, und doch gibt es viele Parallelen. Auch Catan ist anfangs unbewohnt und wird im Laufe des Spiels kultiviert. Holz wird erwirtschaftet, Getreide geerntet, Erz abgebaut, Schafe werden gezüchtet, Lehm wird gewonnen und zu Ziegeln verarbeitet. Mit den Rohstoffen werden Siedlungen und Straßen gebaut, Städte entstehen, und ein reger Handel zwischen den Spielern hilft Engpässe überwinden. Auch wenn es am Ende des Spiels einen Sieger gibt, ist es eher ein Miteinander als ein Gegeneinander. Es wird aufgebaut und nicht zerstört, denn die Cataner sind friedliebende Menschen.

Die Siedler von Catan erschien im Jahre 1995. Das Spiel war von Anfang an sehr erfolgreich. Bereits drei Jahre nach der Veröffentlichung waren über eine Million Spiele über die Ladentheke gegangen. Heute sind es rund drei Millionen allein in Deutschland, und zu meiner großen Freude hat das Catanfieber mittlerweile mehr als 20 Länder unserer Erde erfasst, darunter auch die USA, Russland und Japan.

1998 dachte ich zum ersten Mal daran, wie reizvoll es wäre, die Geschichte der Besiedlung Catans in einem Roman erleben zu können. Aber es war nur ein halbherziger Gedanke, denn ich hatte nicht das Talent, einen guten Roman zu schreiben, und ich kannte auch niemanden, den ich fragen konnte. Auch hatte ich das Gefühl, die Zeit sei noch nicht reif für einen Roman.

Da ich sehr gerne gute historische Romane lese, war es unvermeidlich, dass ich zwei Jahre später auf das Buch Das Lächeln der Fortuna von Rebecca Gablé stieß.

Es dauerte nur ein Wochenende, bis ich das Buch verschlungen hatte, denn ich war hingerissen von diesem mittelalterlichen Roman. Ich fühlte mich den Charakteren nahe, die Frau Gablé so meisterhaft lebendig werden ließ.

Charaktere, die nicht nur einseitig gut waren, sondern auch ihre Schwächen hatten, was sie erst zu glaubhaften Personen machte.

Ich war beeindruckt, wie spannend, authentisch und historisch fundiert die Zeit des Hundertjährigen Krieges in England von ihr geschildert wurde.

Und dann – ich hatte wohl drei Viertel des Buches gelesen – wusste ich plötzlich: Frau Gablé würde die Geschichte der Besiedlung Catans schreiben – oder die Geschichte würde nie geschrieben werden.

Obwohl ich zwei Jahre nicht mehr an einen Catan-Roman gedacht hatte, war ich nun wie besessen von dem Wunsch, Rebecca Gablé als Autorin zu gewinnen.

Als ich dann im Jahr 2000 die Buchmesse in Frankfurt besuchte, gelang es mir, mich mit der Schriftstellerin zu treffen. Eigentlich hatte ich wenig Hoffnung. Schließlich war Frau Gablé damals schon Bestsellerautorin und gewiss nicht darauf angewiesen, sich an den Erfolg meines Spiels anzuhängen.

Aber zu meiner großen Freude war sie sehr interessiert an dem Projekt.

Bald schon standen wir per E-Mail in ständigem Kontakt, und schließlich verabredeten wir uns im Frühjahr 2001 in Köln. Ich hatte inzwischen die Handlung des Romans, wie sie mir vorschwebte, grob skizziert, und auch Rebecca Gablé hatte sich Gedanken gemacht. Als wir begannen, unsere Ideen für den Roman auszutauschen, waren wir sehr überrascht. Unsere Vorstellungen deckten sich weitestgehend.

Die Würfel waren gefallen, Frau Gablé war bereit, die Geschichte der Besiedlung Catans zu Papier zu bringen.

Es folgten Monate einer harmonischen und konstruktiven Zusammenarbeit. Mir fiel zwar nur die Rolle des Kritikers zu, und viel zu kritisieren hatte ich nie, aber es war sehr spannend, die Entstehung des Romans sozusagen »live« miterleben und begleiten zu dürfen.

Für diese Zeit und den wundervollen Roman, den Sie, lieber Leser, jetzt in den Händen halten, danke ich Frau Gablé aus vollem Herzen.

1. Teil