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Die Sehnsucht des Highlanders

Die Sehnsucht des Highlanders

Es handelt sich um ein Spin-off des Roman »Geliebter Highlander«. Man muss den Roman nicht kennen, um die Kurzgeschichte zu verstehen.

 

Der MacIntosh

 

 

 

Im Jahre 1491 auf Moy Castle, der Burg der MacIntoshs auf Moy Island, etwa vierzehn Meilen südwestlich von Inverness

 

»Niemals werde ich zulassen, dass meine Tochter einen Macpherson heiratet!« Duncan MacIntoshs Stimme hallte durch dessen privaten Raum. Der MacIntosh-Chieftain besaß dasselbe dunkelbraune Lockenhaar und die gleichen rauchblauen Augen wie seine einzige Tochter. In diesem Moment empfand Domhnall Macpherson diese auffallende Ähnlichkeit mit seiner geliebten Beathag als besonders irritierend.

»Mein Vater und Ihr seid Verbündete. Außerdem ist auch meine Mutter eine MacIntosh. Welche Gründe sollten dagegen sprechen?«

Kälte stand in den eisgrauen Augen des Clanführers, als er ihn anblickte. »Ja, das ist sie, aber offenbar ist Eurem Vater diese Ehe mit der Tochter des unbedeutenden MacIntosh von Mammore zu Kopf gestiegen. Er will mir meinen rechtmäßigen Anspruch auf die Führung der Chattan-Konföderation streitig machen und das lasse ich auf keinen Fall zu.« Er zupfte an seinem Plaid.

Domhnall musste ihn unbedingt beschwichtigen, sonst war sein Anliegen verloren. Seine Verhandlungsbasis war ohnehin recht schwach. »Eine Ambition, die ich keineswegs teile. Glaubt mir, dass ich Eure Tochter einzig um ihrer selbst willen begehre, aber nicht wegen Eures Rangs und Titels. Angesichts des Cameron-Konfliktes sollten wir unsere Verbundenheit stärken und Uneinigkeit beilegen.« Er strich sich durch das schulterlange, mittelbraune Haar.

Duncan schüttelte den Kopf. »Das mag sein, aber meine Entscheidung steht fest. Beathag ist die Tochter des Obersten einer gesamten Konföderation und des Hauptclans der MacIntoshs. Noch dazu ist sie meine einzige Tochter! Ihr seid ihrer in keiner Weise angemessen. Und jetzt geht!«

Domhnall verspürte einen Stich aufgrund der harschen Zurückweisung. Seine Wut zu zeigen, würde ihn allerdings nur noch weiter von seinem Ziel entfernen.

»Beathag liebt mich und ich sie und zwar aufrichtig.«

Der Ältere schüttelte den Kopf. »Sie hat schon häufig gedacht, sich verliebt zu haben. Leider besitzt sie ein wankelmütiges Wesen, was Ihr gewiss noch feststellen werdet. Macht Euch also nicht lächerlich. Woher wollt Ihr außerdem wissen, ob sie Euch derart zugetan ist? Habt ihr Euch gar heimlich getroffen? Ich hoffe, dass die Ehre meiner einzigen Tochter unangetastet ist. Sollte dies nicht der Fall sein, so werden Köpfe rollen und dabei verschone ich niemanden. Merkt Euch das.« Duncan wirkte ruhig und bedächtig, als er diese Drohung ausstieß, doch sein Misstrauen war ihm anzusehen. Es lag in seinem Blick. Er war ein Mann, der tat, was er ankündigte.

Domhnall verbarg die vielfältigen Emotionen, die in ihm wüteten. »An der Ehre Eurer Tochter besteht nicht der geringste Zweifel.«

»Das würdet Ihr wohl auch nicht wagen. Oder seid Ihr gar so unbedächtig wie Euer Erzeuger?«

»Tut mir kein Unrecht und bedenkt, dass ich keine Schuld trage an den Taten meines Vaters.«

»Meine Entscheidung ist gefällt. Geht jetzt, Macpherson. Natürlich seid Ihr für ein paar Tage als mein Gast willkommen, wagt es jedoch nicht, diese Gastfreundschaft zu missbrauchen und Euch meiner Tochter zu nähern.«

Domhnall Macpherson verabschiedete sich, verließ den Raum und lief durch den Flur. Er schritt durch die Tür und die Außentreppe hinab. Im Hof angekommen sah er Beathag an einem der Fenster. Wie immer sah sie wunderschön aus und so lieblich, dass es sein Herz berührte. Ihre Blicke trafen einander. In ihrem erkannte er die verhaltene Sehnsucht, die auch er empfand. Am liebsten wollte er zu ihr eilen, um sie in seine Arme zu schließen, doch leider war dies nicht möglich.

Er ahnte, was sie wissen wollte, daher schüttelte er den Kopf. Sie wirkte so enttäuscht und niedergeschlagen, dass es ihm leidtat, ihr eine derartige Botschaft übermitteln zu müssen. Sie wusste natürlich, weswegen er angereist war. Schließlich hatten sie das besprochen. Leider wandte sie sich wieder vom Fenster ab. Vermutlich befand sie sich nicht allein im Raum. Gewiss war wieder diese ältliche Zofe bei ihr.

Vor zwei Jahren hatten sie sich in Gellovie kennengelernt. Beathag besuchte dort zu jener Zeit ihre Cousine Marsaili. Er hatte sich ebenfalls auf der Burg befunden, da ihn mit dem jüngsten Sohn des MacIntosh von Badenoch, Marsailis Bruder Lachlann, eine lockere Freundschaft verband. An diesem Ort hatte Beathag aufgelebt, da sie nur dort der ständigen Kontrolle ihres Vaters entkommen konnte. Dieser liebte seine Tochter inbrünstig, aber er nahm ihr zugleich die Luft zum Atmen. Marsailis Vater hingegen verhielt sich seiner eigenen Tochter gegenüber auffallend gleichgültig.

Tatsächlich befand sich besagte Cousine derzeit zu Besuch hier auf der Insel Moy. Anders herum wäre es ihm bedeutend lieber gewesen. Doch offenbar war jetzt Marsaili an der Reihe. Diese sah ihrer Cousine so ähnlich wie eine Zwillingsschwester, obwohl die beiden vom Wesen her sehr unterschiedlich waren. Beathag war ungestüm, unbedächtig und manchmal etwas oberflächlich, doch wenn sie jemanden liebte, war sie leidenschaftlich und verlässlich.

Natürlich konnte er die beiden auseinanderhalten, was nicht nur an ihren Kleidungsgewohnheiten lag. Während Marsaili die traditionelle Gewandung bevorzugte, wählte Beathag elegante, englische Kleider. Ihm persönlich war es gleichgültig, in was sich seine Geliebte hüllte. Für ihn sah sie immer gut aus.

So oft sie konnten, hatten Beathag und er sich in Gellovie getroffen und dabei immer besser kennen und lieben gelernt. Domhnall konnte einfach nicht glauben, dass Beathags Zuneigung einer plötzlich Laune entspringen und ebenso schnell wieder weichen sollte. Er liebte sie mit jeder Faser seines Herzens und wusste, dass sie seine Gefühle ebenso erwiderte.

Der heutige Verlust war umfassend für ihn. Ein paar Tage noch, dann wäre Beathag für immer aus seinem Leben verschwunden, zumindest wenn es nach deren Vater ging. Keineswegs wollte er so schnell aufgeben. Sie hatten auch schon einen Plan, auch wenn der Zeitpunkt und der detaillierte Ablauf noch nicht festlagen.

 

In den folgenden beiden Tagen gelang es Domhnall nicht, Beathag unter vier Augen zu sprechen. Zu viele Leute gingen auf der Burg ein und aus. Zudem ließ ihr Vater sie bewachen wie eine Gefangene. Lediglich bei den Mahlzeiten oder aus der Ferne sah er sie stets in Begleitung ihrer ältlichen Zofe, die wohl auch als Anstandsdame fungierte. Es hätte sich nicht geziemt, sich ihr zu nähern. Seine Sehnsucht nach ihr wuchs von Tag zu Tag.

Er überlegte bereits, ob er abreisen und sich mithilfe ihrer Verbündeten in Gellovie mit ihr verabreden sollte, da erhielt er drei Tage später eine überraschende Einladung. Beathags Mutter bat ihn, mit ihr gemeinsam zu frühstücken, was er wohl kaum ausschlagen konnte. Es erschien ihm seltsam, dass sie ihn in ihr privates Gemach einlud, aber vielleicht gelang es ihm durch sie, ihren Gemahl ihm gegenüber geneigter zu machen. Mit Frauen wusste er schließlich umzugehen.

Leicht nervös betrat er ihr Gemach. Ihre Zofe hatte ihm die Tür geöffnet. Zumindest waren sie nicht allein, denn die andere Frau blieb bei ihnen, was ihm ganz recht war. Neugierig sah er sich um. In diesem Aufenthaltsraum stand ein breiter Tisch mit zwei Bänken. Das Essen war bereits angerichtet. Es gab frisches Porridge in Holzschalen mit Hornlöffeln.

Mit Interesse betrachtete er die Mutter seiner Geliebten. Soweit er wusste, war sie eine Tochter des neunten Herrn der Inseln, Alexander MacDonalds. Wie alle Frauen der Highlands trug sie den Namen ihres Vaters nach der Eheschließung weiterhin, auch wenn sie jetzt dem Clan MacIntosh und somit der Chattan-Konföderation angehörte.

Florence MacDonald war eine schöne, wenn auch fragile und leicht kränkelnde Frau, deren dunkles Haar und braune Augen einen starken Kontrast zur hellen Haut bildeten. Wie ihre Tochter trug sie bevorzugt Gewänder der höfischen englischen Mode, wie man sie in den Lowlands deutlich häufiger erblickte als hier.

Sie schenkte ihm ein Lächeln, das er höflich erwiderte. »Es freut mich, dass Ihr kommen konntet. Ich halte mich ja nicht so oft im Saal auf, da es mir dort zu zugig ist.«

Er verneigte sich knapp. »Was verschafft mir die Ehre Eurer Einladung?«

»Ich möchte Euch kennenlernen. Schließlich seid Ihr der Sohn unseres Verbündeten. Ich komme so selten hier raus, dass ich wenig von der Welt mitbekomme. Wie geht es Eurer Familie? Was gibt es Neues auf Clunie Castle?«

W

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