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Die Schwarzen Perlen - Folge 15

Nachts in der Geisterburg

Von O. S. Winterfield

Stella ist dem Wahnsinnigen entkommen, der sie in den Abruzzen gefangen hielt. Vorher hat sie allerdings herausgefunden, dass die Spur ihrer Mutter nach Venedig führt. Stella will ihr sofort folgen. Doch sie kommt nicht weit. Als sie im nächstgelegenen Dorf eine Übernachtungsmöglichkeit sucht, stellt sie fest, dass die Dorfbewohner sich ihr gegenüber sehr seltsam verhalten, ja, geradezu feindselig. Was stimmt mit diesem Ort nicht? Panisch verlässt Stella das Gasthaus, doch sie wird von den Fremden verfolgt. Ihr bleibt nur noch die Flucht in die unheimliche Burg am Dorfrand …

Die Abenddämmerung senkte sich über die Abruzzen. Die kahlen grauen Felsen wurden immer dunkler, immer gespenstischer. Es herrschte Totenstille.

Stella Douglas schleppte sich zu einem Kilometerstein am Rand der holprigen Straße. »Achtundfünfzig Kilometer«, las sie laut.

Achtundfünfzig Kilometer! Aber bis wohin, in welche Richtung? Bis zum nächsten größeren Ort in irgendeinem der Seitentäler?

Stella setzte sich auf den Stein und zog die Schuhe aus. Sie hatte Blasen an den Fersen, ihre Füße waren geschwollen. Seit Stunden hatte ihr jeder Schritt Schmerzen bereitet. Auf der Flucht aus der verlassenen Stadt, auf der Flucht vor dem Grauen, war sie seit dem frühen Morgen unterwegs.

Sie schloss erschöpft die Augen. Jetzt wird es Nacht, und ich bin am Ende meiner Kraft, dachte sie verzweifelt.

Sie nahm ihren kleinen Rucksack von den Schultern, öffnete ihn und nahm das abgegriffene Portemonnaie heraus. Mit zitternden Fingern nahm sie die beiden schwarzen Perlen, die einmal ihrer Mutter gehört hatten, heraus.

»Beschützt mich auch diesmal«, flehte sie. »Ich darf nicht aufgeben, ich muss nach Venedig und der Spur meiner Mutter folgen.«

In diesen bangen Minuten dachte Stella nicht daran, wie schwer es sein würde, jenen vornehmen Venezianer Salvatore zu finden, mit dem ihre Mutter vor Angelo Monti geflohen war.

Stella ließ die Perlen wieder in das Portemonnaie fallen, steckte es zurück in ihren Rucksack und erhob sich. Sie hatte viel Mühe, die Schuhe wieder anzuziehen, und nun meinte sie erst recht, keinen Schritt mehr tun zu können.

Und dennoch setzte sie den Rucksack wieder auf und schwankte auf der Gebirgsstraße weiter. Sehnsüchtig dachte sie daran, wie weit sie jetzt schon gekommen wäre, wenn sie den Bus hätte nehmen können. Aber er fuhr nur einmal am Tag, und als sie die Bushaltestelle erreicht hatte, war er schon abgefahren.

Plötzlich blieb Stella erschrocken stehen. Durch die Stille klang das Tuckern eines Motors. Aber sie konnte hinter sich keinen Wagen kommen sehen. Er war wohl noch hinter der Kurve. Stellas Herz schlug vor Aufregung immer schneller.

Als zwei Scheinwerfer auftauchten, stand die junge Frau mit erhobenen Händen mitten auf der Straße. Sie hatte kein Gefühl für die Gefahr, überfahren zu werden, sie wollte nur den Fahrer zum Halten zwingen. Jetzt erkannte sie, dass ein kleiner Lkw auf sie zukam.

Bremsen quietschten, knapp vor Stella blieb das Fahrzeug stehen. Die Scheinwerfer blendeten die junge Frau, aber sie rührte sich auch jetzt noch nicht von der Stelle. Da hörte sie, dass die Tür des Lkw aufgerissen wurde, eine Männerstimme fluchte wild, und nun kam jemand auf Stella zu.

Es war ein mittelgroßer, schwarzhaariger junger Mann. Er packte sie bei den Schultern, schüttelte sie und schrie: »Sind Sie lebensmüde?«

»Ich brauche doch nur Hilfe«, stammelte Stella. Der aufgebrachte Italiener versetzte sie schon wieder in Angst. »Bitte, nehmen Sie mich mit, wohin Sie auch fahren. Hauptsache, ich komme irgendwohin, wo ich übernachten kann.«

»Ich nehme niemanden mit. Gehen Sie zur Seite, damit ich weiterfahren kann.« Der Mann schob Stella an den Straßenrand und wollte in den Lkw zurück.

Stella lief ihm nach und hielt ihn am Arm fest. »Bitte, lassen Sie mich nicht hier stehen«, bat sie in ihrem gebrochenen Italienisch. »Ich kann kaum noch gehen und bin am Ende meiner Kraft, ich habe Blasen an den Füßen. Es schadet Ihnen doch nicht, wenn Sie mich mitnehmen.«

Der Mann machte ein grimmiges Gesicht und wollte Stella abschütteln. Doch jetzt erklang eine Frauenstimme aus dem Führerhaus des Lkw: »Warum sollen wir sie nicht mitnehmen? Sei nicht so grob zu ihr.«

Stella atmete auf. Sie hatte nicht bemerkt, dass noch jemand hinter der Windschutzscheibe saß. Jetzt drängte sie sich an dem Fahrer vorbei und sah in das Führerhaus hinein. Im Schein der matten Innenbeleuchtung sah sie eine junge Frau. Sie hatte ein bildschönes, auffallend schmales Gesicht, das von schwarzem, bis über die Schultern fallendem Haar eingerahmt wurde.

»Steigen Sie endlich ein, wir haben keine Zeit, noch länger hier stehen zu bleiben«, sagte das schwarzhaarige Mädchen und streckte die Hand aus.

»Natürlich, es muss immer nach deinem Kopf gehen. Ich hätte sie nicht mitgenommen.« Der Fahrer schob Stella auf die Sitzbank neben die junge Frau. Er setzte sich hinters Steuer, schlug die Tür krachend zu und startete den Motor.

»Danke«, sagte Stella und sah das Mädchen lächelnd an.

»Ist schon gut. Im nächsten Ort setzen wir Sie ab.« Die Stimme der Schwarzhaarigen hörte sich an, als habe diese nicht vor, auf eine Unterhaltung einzugehen.

So bedrückend das Schweigen für Stella auch war, sie freute sich, endlich schnell vorwärtszukommen. Schon träumte sie von einem weichen, warmen Bett, in dem sie sich während der Nacht würde erholen können. Wie anders konnte die Welt dann morgen für sie aussehen.

Sie hatte im Rucksack bei ihrem Pass noch immer Geldscheine stecken, die es ihr ermöglichen würden, die Übernachtung zu bezahlen, zu essen und eine Fahrkarte nach Venedig zu kaufen. Im Stillen hoffte Stella, dass das Paar in einen Ort fuhr, in dem es einen Bahnhof gab. Aber danach wagte sie nicht zu fragen, so gerne sie auch ein Gespräch begonnen hätte.

Jetzt erst fiel Stella auf, dass der Fahrer ein Taschentuch um die rechte Hand gewickelt hatte. Es war blutgetränkt. Und es schien immer noch Blut aus einer frischen Wunde nachzusickern.

Die Schwarzhaarige hatte Stella beobachtet. Nun sagte sie zu dem Fahrer: »Hättest du dir einen richtigen Verband anlegen lassen, würde die kleine Wunde längst nicht mehr bluten. Aber du musst ja immer deinen Dickkopf durchsetzen.«

Stella mischte sich ein. »Ja, ein fester Verband drückt die Wundränder zusammen, da heilt eine Wunde schneller.« Plötzlich hatte sie den Wunsch, dem Fahrer ihre Dankbarkeit dafür zu zeigen, dass er sie doch mitgenommen hatte. »Halten Sie an! In wenigen Minuten habe ich Ihre Hand doch verbunden.« Sie griff nach dem Verbandskasten, der auf einer Ablage unter dem Armaturenbrett stand.

In diesem Augenblick schrie das schwarzhaarige Mädchen laut auf und beugte sich vor, um Stella den Verbandskasten zu entreißen!

Aber Stella hatte ihn schon geöffnet.

Fassungslos starrte sie hinein.

Er war randvoll mit Juwelen gefüllt. Sie funkelten und glitzerten selbst in dem matten Licht des Führerhauses.

Die Schwarzhaarige entriss Stella den Verbandskasten und fluchte laut.

Der Fahrer trat so stark auf die Bremse, dass der Lkw ins Schleudern geriet.

Stella schrie laut auf, ihr Kopf stieß gegen die Windschutzscheibe, dann rutschte sie auf die Knie.

Der Lkw stand quer auf der Straße, als der Fahrer ihn wieder in die Gewalt bekam. Sofort sprang der Mann auf, riss die Tür auf und zerrte Stella mit brutalem Griff ins Freie, bis an den Straßenrand.

Sie standen an einem Abgrund. Stella flehte: »Lassen Sie mich los! Ich habe nichts gesehen, ich weiß von nichts.«

Jetzt war das schwarzhaarige Mädchen neben ihr. Es hatte den Verbandskasten und Stellas Rucksack bei sich.

»Gib her!«, keuchte der Fahrer und hielt Stella mit einer Hand fest. Mit der anderen entriss er dem Mädchen den Verbandskasten.

Zornig warf das Mädchen Stella den Rucksack vor die Füße. Das schöne Gesicht war verzerrt, als es schrie: »Sie muss verschwinden, sonst verrät sie uns!«

»Ja, sie muss verschwinden.« Der Fahrer drängte Stella näher an den Abgrund. Dabei fiel ihm der Verbandskasten aus der Hand.

»Du Narr!«, schimpfte das Mädchen. »Was musst du auch alles an dich reißen?« Es bückte sich und sammelte die Juwelen ein, die auf dem Erdboden verstreut lagen. Damit war es so beschäftigt, dass ihm nur Zeit blieb, immer wieder den Fahrer anzufeuern: »Los, fackle nicht mit ihr!«

Stella wehrte sich verzweifelt gegen die Kraft des jungen Mannes. Immer wieder flehte sie ihn an, sie laufen zu lassen, aber das schien er gar nicht zu hören. Er fluchte nur, als er erkennen musste, welche Kraft Stella in diesem Kampf um Leben und Tod aufbrachte.

Es war ihr schon mehrere Male geglückt, ihm zu entschlüpfen. Aber sofort umklammerten sie seine Arme wieder. Jetzt spürte sie, dass der Rand des Abgrundes nachgab. Ihr gellender Schrei durchbrach die Stille des Abends.

Der Mann zuckte zusammen vor diesem unartikulierten Schrei, seine Hände lockerten sich ein wenig. Diese Gelegenheit konnte Stella nutzen und sich noch einmal befreien. Sie sprang auf die Straße zurück.

Der Mann wollte ihr folgen. Aber er stand auf dem mit schlüpfrigem Gras bewachsenen Rand des Abgrundes. Durch die ruckartige Bewegung geriet er jetzt ins Rutschen.

Er riss die Arme hoch. Und nun gellte ein zweiter Schrei durch den friedlichen Abend. Es war ein Todesschrei. Der Mann stürzte rückwärts in den Abgrund.

Stellas Atem kam keuchend aus der Brust, vor ihren Augen tanzten feurige Ringe, ihre Beine trugen sie nicht mehr, sie musste sich auf die Straße setzen.

Nicht sie war in den Abgrund gestürzt, sondern der Mann, der sie hatte töten wollen.

Stella kam erst wieder etwas zu sich, als der Motor des Lkw aufheulte. Sie musste sich aufraffen und zur Seite springen, sonst hätte der Wagen sie beim Manövrieren überfahren. Er hatte ja noch immer quer auf der Straße gestanden.

Die schwarzhaarige junge Frau saß am Steuer. Nur undeutlich konnte Stella das Gesicht durch die Windschutzscheibe sehen. Der Wagen setzte sich in Bewegung. Sekunden später war er um die nächste Kurve verschwunden. Die Schwarzhaarige hatte sich nicht um ihren Begleiter gekümmert, die Juwelen in dem Verbandskasten schienen ihr wichtiger gewesen zu sein.

Der Abend war nicht allzu dunkel, Stella konnte ihren Rucksack erkennen. Sie griff danach und zog ihn zu sich. Dabei spürte sie etwas Hartes. Es musste einer der Edelsteine sein.

Später hätte Stella nicht sagen können, warum ihre Hände jetzt den Erdboden abtasteten und nach Edelsteinen suchten. Vielleicht wollte sie nur irgendetwas tun, um die Panik zu überwinden, in der sie sich noch immer befand. Sie wusste auch nicht, wie viele Edelsteine sie zusammengesammelt hatte, aber sie steckte sie in ihren Rucksack.

Dann erhob sie sich. Sie blieb eine Weile stehen und lauschte in den Abgrund hinunter. Es war kein Laut zu hören. Das fliehende Mädchen mochte gewusst haben, dass es für niemanden eine Rettung gab, der hier hinunterstürzte.

Wieder taumelte Stella Douglas die Gebirgsstraße entlang, erschöpfter und gequälter als zuvor. Sie konnte nicht begreifen, dass das Schicksal so unbarmherzig mit ihr umging. Hatte sie nicht schon genug erlebt? Warum musste sie gerade einen Wagen anhalten, in dem Juwelendiebe saßen? Anders konnte es doch nicht sein. Nur unrechtes Gut verteidigt jemand mit dieser Besessenheit und ist sogar bereit, dafür zu töten.

Stella blieb mitten auf der Straße stehen. Sie schlug beide Hände vors Gesicht. Ja, das Gangsterpaar hatte sie töten wollen. Noch einmal erlebte sie die furchtbaren Minuten im Kampf mit dem jungen Mann. Als Stella die Hände wieder sinken ließ, kam es ihr so vor, als funkelten vor ihren Augen zwei große glitzernde Punkte. Aber es waren nicht die Juwelen, es waren die zwei schwarzen Perlen ihrer Mutter.

»Ihr habt mich beschützt«, flüsterte Stella unter Tränen. »Wieder einmal habt ihr mich aus tödlicher Gefahr gerettet …«

***

Mit tränenüberströmtem Gesicht ging Stella weiter. Sie merkte kaum, dass die Straße jetzt bergab führte. Erst als sie an einer Gabelung stand, wachte sie aus ihrem benommenen Zustand auf. Und nun sah sie auch die Lichter im Tal. Einzelne, weit verstreute Lichter, die zu Häusern gehören mussten.

Stella schlug die Straße ein, die bergab führte. Sie war noch schmaler und holpriger als die andere. Sie spürte, dass sich die Blasen an ihren Füßen aufgescheuert hatten, dass Blut ihre Strümpfe verklebte, aber sie ging mit zusammengebissenen Zähnen weiter. Jetzt durfte sie nicht mehr aufgeben, vor ihr lockten die Lichter.

Immer wieder erinnerte sich Stella an das junge schwarzhaarige Mädchen in dem Lkw. Selten hatte sie eine apartere Frau gesehen. Das feine schmale Gesicht war ihr madonnenhaft vorgekommen. Selbst das große dunkle Muttermal auf der linken Wange hätte der Schönheit dieses Mädchens keinen Abbruch getan. Und doch lebte in einem äußerlich so harmlosen Geschöpf eine finstere Seele. Sonst hätte das Mädchen den Fahrer nicht immer wieder zum Mord aufgefordert.

Erst als Stella zu den ersten Häusern eines Ortes kam, konnte sie ihre düsteren Gedanken abschütteln. Sie musste sich nun ein Nachtquartier suchen. Sie brauchte nichts dringender als Schlaf. Vielleicht konnte sie sich bis morgen früh etwas erholen. Dann würde auch das furchtbare Erlebnis dieser Nacht weniger quälend sein.

Als Stella an einigen Häusern vorbeigegangen war, blieb sie zögernd stehen. Musste sie nicht noch heute Nacht eine Polizeistation suchen und dort melden, was sie erlebt hatte, statt erst einmal zu schlafen? Auch wenn sie nahezu mit Sicherheit annehmen konnte, dass der Mann den Sturz in den Abgrund nicht überlebt hatte, konnte ein Wunder geschehen sein. Vielleicht barg ihn doch ein Suchtrupp nur schwer verletzt. Dass es sich bei dem Gangsterpaar um Juwelendiebe gehandelt haben musste, daran gab es kaum einen Zweifel. Die Polizei würde sich dafür sehr interessieren.

Langsam ging Stella weiter. Vergeblich wartete sie darauf, dass sie jemandem begegnete. Hätte nicht ab und zu in einem der kleinen geduckten Häuser ein Licht gebrannt, müsste sie glauben, abermals in eine verlassene Stadt geraten zu sein. Dieser Gedanke ließ sie schon wieder vor Angst zittern.

Sie atmete erst etwas befreit auf, als sie auf einen kleinen Platz kam, an dem mehrere Häuser beleuchtet waren. Vor einem Haus standen einige Männer und unterhielten sich. Als Stella auf sie zuging, sah sie ein beleuchtetes Schild über der Haustür. In schnörkeligen Buchstaben stand darauf: Albergo Vecchi. Ein Gasthof also. Hier konnte sie bestimmt übernachten.

Sie fragte die Männer danach. Keiner gab ihr eine Antwort. Jeder musterte sie mit finsterem Gesicht. Und, wie Stella meinte, mit drohenden Blicken. Unschlüssig blieb sie stehen. War ihr Italienisch so schlecht, dass sie nicht verstanden hatte? Nein, das konnte nicht sein. Sie hatte in letzter Zeit viel dazugelernt und sich immer besser verständigen können. Noch einmal stellte sie ihre Frage.

Diesmal zuckte ein junger Mann mit den Schultern und wies in den Flur des Gasthofes. Die anderen Männer drehten sich um und gingen über den Marktplatz. Stumm und mit schweren Schritten, die auf dem Kopfsteinpflaster besonders hart klangen.

Stella erschreckte dieses Schweigen. Sie wusste zu gut, wie laut es sonst in italienischen Orten die halbe Nacht lang zuging. Aber noch fürchtete sie nicht, dass sich diese deutliche Ablehnung gegen sie richtete.

Als sie die Gaststube betrat, saßen an mehreren Tischen Männer. Sie waren anscheinend in ein erregtes Gespräch vertieft. Aber sie führten es leise, beinahe flüsternd. Als sie den fremden Gast sahen, schwiegen sie alle in der gleichen Sekunde, richteten sich auf und lehnten sich steif zurück.

Hinter der Theke stand ein untersetzter Mann mittleren Alters. Er hatte ein breites Gesicht, schwarze Augen, eine Stirnglatze und am Hinterkopf gelocktes schwarzes Haar, das ihm weit in den Nacken hing.

»Kann ich bei ihnen noch etwas zu essen bekommen und übernachten?«, fragte Stella eingeschüchtert.

Der Mann sah sie mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Dann sagte er nur »Sì«, wies auf einen kleinen Tisch knapp neben der Theke und verschwand durch eine Tür.

Stella ließ sich auf dem ihr zugewiesenen Platz nieder. Sie fühlte die Blicke der anderen Gäste auf sich ruhen und wurde immer unsicherer. Die Frage, ob es im Ort eine Polizeistation gab, riskierte sie nun nicht. Sicher würde sie wieder keine Antwort bekommen.

Es dauerte nicht lange, bis ihr der Wirt einen Teller mit Spaghetti, Tomatensoße und Parmesan brachte.

»Sind Sie Signor Vecchi?«, fragte Stella, in der Hoffnung, mit dem Wirt doch noch ein Gespräch beginnen zu können.

»Sì«, sagte der Mann wieder nur und ging hinter die Theke zurück. Dort nahm er zwei Weinkaraffen und trug sie zu den Männern an die Tische.

Stella hörte, dass sie miteinander flüsterten, aber sie wagte nicht, zu ihnen zu blicken. Obwohl sie inzwischen einen richtigen Heißhunger hatte, schaffte sie es nicht, ihren Teller leer zu essen. Sie meinte, jeder Bissen müsse ihr im Hals stecken bleiben. Am liebsten hätte sie den Gasthof wieder verlassen, aber dazu hätte ihre Kraft nicht mehr gereicht.

Sie war aus den Schuhen geschlüpft und hatte jetzt schon Angst davor, die vom Blut klebrigen und verkrusteten Strümpfe von den wunden Fersen zu ziehen. Sie schaffte es nicht einmal, die Schuhe wieder anzuziehen.

Jetzt kam der Wirt zurück an ihren Tisch. »Kommen Sie, ich bringe Sie in Ihr Zimmer.«

Stella atmete auf, als sie endlich einmal einen ganzen Satz hörte. Deshalb machte ihr das Drängen des Wirtes nichts aus. Sie nahm ihren Rucksack und ihre Schuhe und folgte ihm. Alle Männer in der Gaststube sahen ihr nach.

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