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Die Schwarzen Perlen - Folge 12

Wilde Wasser

Von O. S. Winterfield

Von Pater Ignatius hat Stella erfahren, dass ihre Mutter vor fünfzehn Jahren in Deutschland aus dem Gefängnis fliehen konnte. Anschließend hat Lady Olivia sich in einem abgelegenen Kloster in den Dolomiten versteckt.

Stella lässt sich nicht davon abbringen, dieser Spur zu folgen, obwohl Pater Ignatius sie warnt, dass eine solche Reise kurz vor Wintereinbruch sehr gefährlich werden kann. Schon bald bringen eisige Kälte und quälende Einsamkeit Stella nicht nur körperlich, sondern auch seelisch an ihre Grenzen …

Stella Douglas nahm ein wollenes Kopftuch aus ihrer kleinen Reisetasche. Sie knotete es unter dem Kinn zusammen und schlug den Kragen ihres Mantels hoch.

Es war kalt hier in den Dolomiten. Und die Einsamkeit wirkte erdrückend. Stella befand sich inmitten der Felsenwildnis, am Fuße gigantischer grauer Riesen. Der Himmel war wolkenverhangen, und es sah so aus, als gäbe es bald Schnee.

Bei diesem Gedanken machte sich Stella selbst Vorwürfe. Sie war zu spät aufgebrochen, um den Spuren ihrer Mutter zu folgen. Der alte Mönch Ignatius in der Eifel hatte sie davor gewarnt, so spät im Jahr in die Dolomiten zu fahren.

Aber Stella hatte nur dieses eine Ziel gekannt. Sie musste den Mönch Giovanni finden. Zu ihm sollte sich ihre Mutter geflüchtet haben. Damals vor fünfzehn Jahren, als das Schicksal sie von Dr. Jürgen Frey getrennt hatte.

Immer wieder grübelte Stella darüber nach, dass ihre Mutter in den Verdacht geraten war, Dr. Frey zum Mord an seiner Frau angestiftet zu haben. Stella versuchte, sich in die Lage ihrer Mutter zu versetzen. Olivia musste sich wie ein gehetztes Tier gefühlt haben, als ihr die Flucht aus dem Untersuchungsgefängnis gelungen war. Dennoch war es ein Glück gewesen, dass der Mönch Ignatius ihr geholfen und sie zu seinem italienischen Ordensbruder in die Dolomiten geschickt hatte.

Seither sind so viele Jahre vergangen, dachte Stella, ich kann nicht hoffen, meine Mutter noch bei Pater Giovanni zu finden. Aber er wird mir sicher sagen können, wohin sie gegangen ist. Wenn ich nur wüsste, ob ich auf dem richtigen Weg bin.

Ratlos sah sich Stella um. Der Weg, auf dem sie bergauf gegangen war, verlor sich vor ihr im Felsengeröll. Neben ihr plätscherte ein Wildbach zu Tal.

Stella sah den Weg entlang, den sie eben gegangen war. Sie würde wohl umkehren müssen, sicher hatte sie sich verirrt. Im Tal unten hatte man ihr gesagt, sie müsse bis zu einem Steg gehen, um ans jenseitige Ufer zu kommen. Von dort habe sie dann noch eine Stunde Fußweg bis zur Mönchsklause.

Jetzt erschrak Stella. Zwei Männer kamen den Weg herauf. Doch sie beruhigte sich gleich wieder. Die beiden hatten Äxte und Sägen in den Händen. Sicher waren es Holzfäller.

Sie sprach die Männer an und fragte sie nach der Mönchsklause. Beide sahen sie verwundert an, dann sagte der eine: »Da sind Sie aber viel zu weit heraufgestiegen. Bis zum Steg zurück haben Sie eine gute Stunde Fußmarsch. Bleiben Sie am Ufer, dann können Sie ihn nicht übersehen.«

Stella sah den Holzfällern nach. Sie waren freilich unbekümmert, was machte ihnen eine Stunde Fußmarsch schon aus? Sie waren hier zu Hause. Aber ihr schmerzten die Füße schon seit Langem, und sie war müde. Entmutigt kehrte sie wieder um. Immer wieder sah sie sorgenvoll zum Himmel hinauf. Wenn es nur nicht zu schneien begann, ehe sie die Mönchsklause erreicht hatte.

Plötzlich blieb Stella stehen. Sie hatte ein primitives Floß am Ufer des Wildbachs entdeckt. Es war nur klein, mehr als vier Menschen hatten sicher nicht darauf Platz. Daneben lag ein langer Stock. Wahrscheinlich wurde das Floß damit gesteuert.

Es reizte Stella, auf dem Wasser schneller zu dem Steg kommen zu können und ihre Füße zu schonen. Ohne noch länger zu überlegen, sprang sie mit ihrer Reisetasche auf das Floß und stieß es mit dem Stock ab. Sofort begann es auf dem Wasser zu tanzen. Stella musste sich hinhocken, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Schon wurde ihr angst und bange. Noch einmal griff sie nach dem Stock, zog sich daran hoch und wollte ihn ins Wasser stemmen. Aber sofort stürzte sie auf den Boden. Sie hatte Mühe, sich an dem rauen Holz festzuklammern, um nicht ins Wasser abzurutschen.

Ihre Reisetasche war schon verloren. Sie war über das Floß gerutscht und im sprudelnden Wasser versunken.

Die Fahrt wurde immer schneller und das Gefälle des Wildbachs stärker. Immer größere Felsen tauchten aus dem Wasser auf. Gischt spritzte über Stella hinweg und nahm ihr die Sicht. Das Wasser war eiskalt und ließ Stella fast erstarren. Ihre Hände wurden klamm. Immer öfter lösten sie sich von den Brettern, und die junge Frau rutschte über das schaukelnde Floß. Jetzt schrie Stella laut um Hilfe und wusste doch, dass niemand sie hören würde.

Der Steg! Der Steg!, hämmerte es in ihr. Ich darf nicht daran vorbeitreiben, ich muss ins Wasser springen und ans Ufer schwimmen.

Ins Wasser springen. Plötzlich war nur dieser Gedanke in ihr. Herunter von dem Floß und wieder auf festen Boden. Sie richtete sich ein wenig auf und rutschte auf den Knien an den Rand des Floßes.

In diesem Augenblick wurde es von einem Wasserwirbel erfasst und drehte sich wild im Kreis.

Stella lag auf dem Floß, stemmte die Füße auf den Boden und hielt sich mit den Händen fest. Eine hohe sprudelnde Gischtwelle war eben über sie hinweggerollt. Für Sekunden wurde die Sicht wieder frei.

»Der Steg!«, schrie Stella auf.

Lautes Hundegebell übertönte plötzlich die Geräusche des Wassers.

Stella hörte es nicht mehr. Das Floß war an einen Felsbrocken geschleudert worden. Als es zurückprallte, konnte sich Stella nicht mehr festhalten. Sie stürzte ins Wasser, schlug mit dem Hinterkopf gegen den Fels und verlor das Bewusstsein.

Vom Steg sprang ein großer Schäferhund mit einem Satz ins Wasser. Er bekam Stella am Mantel zu fassen und biss sich daran fest. So oft ihn das Wasser des Wildbachs auch abtreiben wollte, er kämpfte mit seiner ganzen Kraft dagegen an. Er hechelte, aber die Zähne ließen den Mantel nicht mehr los.

Erst als Stella zwischen großen Steinen und Gebüsch lag, öffnete sich die Schnauze des Schäferhundes. Er begann laut zu heulen. Als das nichts nützte, stupste er mit der Nase an Stellas Kopf, begann ihre Hände zu lecken und schüttelte sich schließlich, sodass die Wassertropfen wie ein Sprühregen auf das bewusstlose Mädchen fielen.

Stella wurde unruhig, ihre Hände bewegten sich, dann öffnete sie die Augen. Mühsam richtete sie sich ein wenig auf. Kälteschauer überliefen sie.

Allmählich wurden ihre Gedanken klarer, sie erinnerte sich daran, was ihr passiert war. Sie strich sich über die Augen, dann ließ sie die Hände sinken und setzte sich vollends auf.

Nein, das war keine Halluzination, neben ihr saß wirklich ein großer Schäferhund. Sein grauschwarzes Fell war so nass wie ihr Mantel, seine rote Zunge hing heraus, und sein Atem war so laut, als müsse er noch mit einer großen Anstrengung fertigwerden. Seine Augen sahen Stella unverwandt an. Und nun jaulte er verhalten.

Stella streckte die Hand aus, bis sie den Kopf des Schäferhundes erreicht hatte. »Du hast doch auf dem Steg gestanden. Ja, ich habe dich noch erkannt. Hast du mich gerettet?«

Der Hund rutschte näher zu ihr, bis er sich an sie drücken konnte. Sein Jaulen wurde lauter. Und plötzlich biss er in ihren Mantelärmel.

Stella erschrak. »Was willst du denn?«

Der Hund ließ nicht locker. Er zerrte an ihrem Ärmel und ging zwei Schritte zurück.

Jetzt verstand ihn Stella. »Soll ich aufstehen? Willst du das?« Ihre Zähne schlugen vor Kälte aufeinander. Sie erhob sich.

Jetzt ließ der Hund sie los und bellte freudig. Er lief ein Stück am Ufer des Wildbaches entlang, kam aber gleich wieder zurück.

»Soll ich mit dir kommen?« Stella bückte sich und streichelte den Hund. Über ihr Gesicht liefen Tränen. Erregung und Erschütterung überfielen sie. Hatte sie dieses furchtbare Abenteuer wirklich durchgestanden?

Sie kniete sich neben den Schäferhund und drückte ihren Kopf an sein Fell. Und nun legte sie beide Arme um seinen Hals. »Ohne dich wäre ich umgekommen. Du musst mich aus dem Wasser geholt haben. Wie hast du das geschafft?«

Der Hund begann wieder, zu jaulen und unruhig zu werden.

»Ja, ja, ich stehe schon wieder auf.« Sie stützte sich auf den Rücken des Hundes. Kaum stand sie auf den Füßen, da rannte er schon wieder voraus.

Jetzt sah Stella, dass er bei dem Steg auf sie wartete. Obwohl ihre Füße mit den nassen Schuhen schwer wie Blei waren, verließ sie jetzt ihren Platz und folgte dem Hund.

Er sprang auf den Steg.

»Da hinüber muss ich auch.«

Stella fror in den nassen Kleidern entsetzlich. Doch die Nähe des Hundes gab ihr Kraft. Er war ihr immer einige Schritte voraus, drehte sich aber oft um. Manchmal bellte er, als wolle er sie damit ermuntern, etwas schneller zu gehen.

Stella sah den ausgetretenen Steig, der am jenseitigen Ufer des Baches über eine steile Wiese hinaufführte. Das musste der Weg zur Mönchsklause sein.

Jetzt blieb der Schäferhund neben ihr, als habe er keine Angst mehr, dass sie einen anderen Weg einschlagen könnte als er.

Je mehr Zeit verging, desto öfter musste Stella stehen bleiben. Sie geriet in Atemnot, und die Kälte umklammerte sie immer erbarmungsloser.

Neben einer Gruppe von Kiefern blieb sie erschöpft stehen. Wieder stützte sie sich auf den Hund. Er stand wie eine Statue neben ihr. Ihm schien das kalte Bad nichts ausgemacht zu haben.

Oberhalb der Kiefern war die Wiese zu Ende, graue verwitterte Felsen erhoben sich. Stella wurde bang ums Herz. Wenn sie nun abermals den Weg zur Mönchsklause verfehlt hatte? Es wurde schon dunkel, bald würde sie sich nicht mehr orientieren können.

Diese Angst nahm ihr die letzte Kraft. Ihre Hände rutschten von dem Rücken des Hundes, sie ließ sich ins Gras fallen. Dass es nass und kalt war, spürte Stella nicht mehr. Sie war schon so unterkühlt, dass sie am ganzen Körper zitterte.

Wieder probierte es der Schäferhund mit seinen Ermunterungsversuchen. Aber diesmal hatte er damit keinen Erfolg. Einige Minuten blieb er noch mit schräg gehaltenem Kopf vor Stella sitzen, dann preschte er davon.

Bergauf, das konnte Stella noch sehen, ehe ihr Kopf auf die angezogenen Knie sank. Ihre Gedanken verwirrten sich. Bald meinte sie, auf dem Floß im Wildbach zu kämpfen, bald hörte sie das Jaulen und Bellen des Hundes. Nun hatte er sie allein gelassen.

***

Als Stella den Kopf wieder hob, sah sie ihre Umgebung durch einen grauen Schleier. Die Felsen, das Geröll und selbst die grünen Kiefern wirkten jetzt gespenstisch. Es wurde Nacht.

Plötzlich flitzte ein Schatten an ihr vorbei. Sie sah ihm nach.

Jetzt bremste er und kehrte zurück.

Es war der Schäferhund. Er hatte zu spät gemerkt, dass er an ihr vorbeigerannt war. Jetzt kam er auf sie zu, winselte freudig, stupste sie an und bellte dann laut.

»Du bist zurückgekommen.« Stella schlang die Arme um den Hals des Schäferhundes. Sie klammerte sich an ihn. Ein Wesen aus Fleisch und Blut war wieder bei ihr.

Aber der Hund wollte jetzt nicht liebkost werden, er bellte so laut, dass Stella die Ohren schmerzten. Und nun riss er sich los, rannte ein Stück von ihr weg und sah den Hang hinauf.

Stella konnte sein Benehmen nur so deuten, dass er jemanden zu ihr führen wollte. Sie stand auf. Aber ihre Beine trugen sie nur ein paar Schritte. Kraftlos sank sie auf das Geröll.

Das Bellen des Hundes war verstummt. Plötzlich hörte Stella etwas anderes – eine menschliche Stimme. »Ja, ja, Urs, ich komme schon.«

Stellas Augen weiteten sich, sie versuchte mit ihren Blicken die graue Dämmerung zu durchdringen.

Wieder tauchte ein Schatten auf. Ein wuchtiger Schatten. Dann erkannte sie einen Mann in einer weiten, vom Wind aufgeblähten Kutte.

»Pater Giovanni«, flüsterte Stella. Ihr Herz begann, laut zu klopfen. Der Schäferhund musste den Mönch aus seiner Klause geholt haben.

Noch einmal versuchte Stella, auf die Füße zu kommen. Sie stand taumelnd auf ihrem Platz. Das Kopftuch war ihr in den Nacken geglitten, das rotblonde Haar hing ihr strähnig ins Gesicht. Sie streckte die Arme aus.

Mit zwei langen Schritten war der Mönch bei ihr. Er konnte sie gerade noch vor dem Sturz bewahren.

»Pater!« Stella schluchzte, während sie den Kopf an seiner Brust barg.

»Können Sie noch eine Viertelstunde bergauf steigen?«, fragte eine tiefe Stimme. »Sie müssen die nasse Kleidung vom Leib kriegen und sich aufwärmen.«

Stella hob den Kopf. Sie sah in ein bärtiges Männergesicht, das von einer Kapuze eingerahmt wurde. »Ich will es versuchen, wenn Sie mich stützen.«

Der Mönch fasste sie um die Taille, der Umhang seiner Kutte schützte nun auch ihren Rücken. Schritt für Schritt stiegen sie auf. Sie sprachen kein Wort. Erst bei einer Rast fragte Stella: »Ist das Ihr Hund, Pater?«

»Ja, Urs gehört mir.« Stolz klang aus der Stimme des Mönches. »Es ist nicht zum ersten Mal, dass er einen Menschen gerettet hat.«

»Urs – der Bär. Der Name passt gut zu dem Schäferhund.«

Urs war die ganze Zeit an Stellas Seite geblieben, jetzt drückte er sich an sie, als habe er verstanden, dass von ihm gesprochen wurde.

Es ging wieder weiter. Stellas Schritte wurden immer schwerer.

»Wir sind gleich bei meiner Klause. Sehen Sie, Urs läuft schon voraus.« Der Mönch sah Stella einige Sekunden zögernd an, dann hob er sie hoch und trug sie weiter. Er ging so schnell, als spüre er die Last auf seinen Armen gar nicht.

Stella nahm nicht mehr wahr, dass er mit dem Fuß die Tür einer Holzhütte aufstieß. Erst als sie in das matte Licht einer Petroleumlampe sah, fühlte sie sich wieder etwas kräftiger. Sie war gerettet, sie brauchte nicht in der Felsenwildnis zu erfrieren oder vor Schwäche zu sterben.

Der Mönch ließ sie auf eine Pritsche gleiten. »Ziehen Sie sich sofort aus. Alles. Hier ist eine Decke. Ich hole Ihnen einen warmen Schlafanzug von mir.« Er bückte sich und streichelte den Schäferhund. »Ja, Urs, du darfst hierbleiben.« Er verließ die Stube.

Stella zog sich aus. Es ging sehr langsam. Ihre Hände waren klamm, und sobald sie sich auf die Füße stellte, musste sie sich wieder auf die Pritsche fallen lassen. Alles, was sie jetzt erlebte, kam ihr unwirklich vor.

Nun wurde an die Tür geklopft. »Kann ich hineinkommen?«, erklang die Stimme des Mönches.

Stella schlüpfte unter die Decke. »Ja, bitte«, sagte sie etwas beklommen.

Die Tür wurde geöffnet. Der Mönch stand jetzt ohne Umhang und Kapuze vor ihr. Sie sah in sein Gesicht.

»Sie sind nicht Pater Giovanni«, sagte sie leise. »Er müsste älter sein.« Ihr Blick hing an der hohen Stirn des Mönches, an dem vollen braunen Haar darüber, und glitt über sein markantes, gesundes Gesicht zu dem braunen Vollbart.

»Nein, ich bin nicht Pater Giovanni.« Die Stimme des Mönches klang sehr verwundert. »Haben Sie ihn gekannt?«

»Ich suche ihn.«

»Ziehen Sie den Schlafanzug an, ich schüre inzwischen das Feuer. Unterhalten könne wir uns nachher.«

Stella wartete noch ein Weilchen, bis der Mönch sich vor den eisernen Trommelofen gekniet hatte und Holzscheite nachlegte. Unter der Bettdecke zog sie die Hose des Schlafanzuges an, dann setzte sie sich auf und schlüpfte in die Jacke. Ihre Hände verschwanden in den Ärmeln, aber ihre Finger wären ohnehin zu steif gewesen, um die Jacke zuknöpfen zu können. So schlug sie die Vorderteile übereinander und kroch wieder tiefer unter die Decke.

Jetzt erst sah sie sich in der kleinen Stube um. Sie war sehr dürftig eingerichtet. Außer der Pritsche standen noch ein klobiger Tisch, zwei einfache Schemel und eine Kommode darin. Die Holzdielen des Fußbodens waren blank gescheuert.

Der Mönch verließ jetzt ohne ein Wort die Stube. Stella hörte ihn nebenan hantieren. Sie brauchte nicht lange zu warten, bis er zurückkam. Er hatte eine Kanne aus Steingut und eine große Tasse in den Händen. Beides stellte er auf einen Schemel und rückte ihn an die Pritsche. »Jetzt trinken Sie so viel von dem heißen Tee, wie Sie nur hinunterbekommen.« Er griff in die Tasche seiner Kutte und zog ein Röhrchen hervor. Zwei Tabletten schüttete er auf den Handteller. »Nehmen Sie beide. Das kann Sie vielleicht davor bewahren, morgen hohes Fieber zu haben.«

Stella wärmte sich schon die Hände an der Teetasse. Sie trank und nahm auch die beiden Tabletten.

Urs lag vor der Pritsche und beobachtete ständig, was Stella tat. Zwischendurch schielte er zu seinem Herrn, bis dieser sagte: »Komm mit in die Küche, Urs, jetzt bist du an der Reihe. Du hast dir heute eine Extraration verdient.«

Stella goss sich die nächste Tasse Tee ein. Sie spürte, wie wohl er ihr tat. In ihrem Körper kribbelte endlich wieder etwas Wärme. Das Knistern des Feuers verstärkte das Gefühl der Geborgenheit. Die Augen wollten ihr vor Erschöpfung zufallen.

Das sah der Mönch, als er in die Stube zurückkam. Er neigte sich über sie. »Wollen Sie schlafen?«

»Nein, nein«, wehrte Stella ab. »Ich muss mich erst bei Ihnen bedanken. Und ich muss Ihnen sagen, wer ich bin.«

Der Mönch setzte sich auf einen Schemel. »Sie sprechen gebrochen deutsch …«

»Ja. Ich bin Schottin, war aber einige Zeit in Deutschland und in einem Schweizer Internat. Ich heißte Stella Douglas. Ich habe damit gerechnet, hier einen italienischen Pater anzutreffen.«

»Ja, Pater Giovanni war Italiener wie ich. Ich entstamme einer Südtiroler Familie. Ich bin Pater Enzo. Wenn es Ihnen lieber ist, können wir englisch miteinander sprechen.«

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