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Die Schwarzen Perlen - Folge 11

Unschuldig verurteilt

Von O. S. Winterfield

Stella konnte vor Gouverneur Canterville, dem unheimlichen »Mister X«, fliehen. Nun führt die Suche nach ihrer Mutter sie nach Deutschland, wo sie den Augenarzt Dr. Jürgen Frey finden muss, der Lady Olivia damals in Saudi-Arabien operiert hat. Vielleicht kann er Stella endlich den nächsten Hinweis geben.

Doch bevor Stella zu Dr. Frey aufbrechen kann, muss sie einen riskanten Umweg nach Paris machen, um den letzten Wunsch ihrer verstorbenen Freundin Nina zu erfüllen. Als Stella in den Zug steigt, ahnt sie nicht, dass auch »Mister X« eine Fahrkarte nach Paris gelöst hat …

Stella Douglas erwachte von einem heftigen Schmerz in der Hand. Sie schlug das Cape zurück – und blickte in das bleiche Gesicht eines Mannes mit blondem schütterem Haar und scharfen grauen Augen, die sie durchdringend musterten.

»Ich fürchte, Sie haben schlecht geträumt, Mademoiselle«, sagte der Fremde mit überraschend hoher Stimme.

Stella versuchte ein Lächeln, aber es misslang. Trotz des Krampfes in der Hand umschlossen ihre Finger noch fester die schwarze Perle, die sie seit dem Besteigen des Zuges in Cherbourg festgehalten hatte.

Die Angst vor dem Fremden ließ sie den Schmerz in der Hand vergessen. War er der Gouverneur? Er konnte eine Perücke tragen. Sie tastete nach Nina Acostas Tagebuch in dem Cape. Es steckte noch in der Innentasche.

Stella hatte ihren Gegenspieler nie ohne Maske gesehen. Sie dachte an die scharfen Augen und das kräftige Gebiss, das sie an einen Tiger erinnert hatte.

Da lächelte der Fremde, und unregelmäßige, vom Tabak verfärbte Zähne wurden sichtbar. Der entspannte Mund glich nicht jenem des Gouverneurs. Aber der Fremde konnte in dessen Auftrag hier sein, um ihr das Tagebuch, das den Gouverneur kompromittierte, wieder zu entreißen.

Stella erhob sich hastig und legte das Cape über den Arm. »Entschuldigen Sie?«, sagte sie, und er zog seine Beine zurück.

Mit hämmerndem Puls schob sie sich schräg an ihm vorbei. Er ließ sie widerstandslos passieren. Schnell eilte Stella in den Waggon erster Klasse und schloss sich im Waschraum ein.

Sie lehnte an der Tür und atmete tief durch, um ihr Herz zu beruhigen. War der Mann ein Beauftragter des Gouverneurs oder ein ganz harmloser Passagier? Aber wann war er zugestiegen? Es war besser, aufzupassen.

Stella blickte auf ihre Armbanduhr. In einer halben Stunde musste der Zug in Paris einlaufen. So lange wollte sie sich verstecken und erst in letzter Minute versuchen, an ihren Koffer zu kommen.

Besser, ich verliere ihn als Ninas Tagebuch, dachte sie.

Als die Klinke heruntergedrückt wurde, schmiegte sie sich atemlos hinter die Tür. Und dann entfernten sich Schritte.

***

Cyril Canterville lehnte nur etwa einen Meter entfernt von der Tür zum Waschraum am Fenster. Er hatte den Zug bis auf die drei letzten Waggons, durchgekämmt, und nirgends Stella Douglas gefunden. In jeden Waschraum, jede Toilette, jedes Abteil hatte er gespäht. Er wartete, bis auch dieser Waschraum sich öffnen würde, um zu sehen, ob sich die Gesuchte darin versteckte.

Der Zug fuhr langsamer, die ersten Signale tauchten auf, sie fuhren in den Bahnhof von Mantes ein. Reisende stiegen zu, man hörte Rufe, Abschiedsworte. Der Gouverneur musste Platz machen und in ein offen stehendes Abteil treten.

Stella Douglas hörte den Lärm und öffnete lautlos die Tür. Im Gewühl würde sie untertauchen können, zur Not vielleicht auch aussteigen. Sie spähte über die Köpfe hinweg, sah eine weinende Frau und flüchtete in den nächsten Waggon. Die Weinende betrat an ihrer Stelle den Waschraum.

Als die Reisenden im Gang weitermarschierten, nahm Cyril Canterville wieder seinen Beobachtungsposten ein. Er drückte noch einmal auf die Klinke herunter, noch immer war besetzt.

Da hörte er eine weibliche Stimme: »Können Sie nicht warten?«

Es war nicht Stellas Stimme, und er wollte sich davonmachen. Da wurde die Tür aufgerissen, und eine hochgewachsene schwarzhaarige Person mit starken Augenbrauen musterte ihn empört.

»Jetzt können Sie hinein, Sie ungeduldiger Mensch!«

Er murmelte eine Entschuldigung und setzte seinen Weg bis zum Zugende fort. Stella war nicht zu sehen. Vermutlich hatte sie in Cherbourg diesen Zug nicht mehr erreicht, und er würde vor ihr bei Marcel Acosta sein und sie dort gebührend in Empfang nehmen.

Beruhigt schlängelte er sich in sein Abteil zurück. Inzwischen waren zwei Herren zugestiegen. Cyril Canterville zog die Nase hoch, der Geruch des Tabaks war ihm widerlich. Er öffnete das Fenster.

In diesem Moment ging draußen im Gang Stella an ihrem Feind vorbei. Er hatte sie nicht gesehen. Sie betrat ein Abteil, setzte sich und wartete, bis die ersten Vororte von Paris am Fenster vorbeiflogen. Dann wagte sie sich in ihr Abteil zurück und sah in drei fremde Gesichter. Der Mann mit dem schütteren blonden Haar war verschwunden. Ein Blick in das Gepäcknetz verriet ihr, dass ihr Koffer noch dort lag, anscheinend unberührt.

***

Inzwischen hatte sich der Abend über die Stadt gesenkt. Auf den Dächern glänzte noch das letzte Sonnenlicht. Stella verließ den Zug inmitten der Reisenden ihres Abteils. Sie hielt sich eine Weile hinter ihnen, trennte sich dann von ihnen und eilte in eine Telefonzelle.

Niemand war ihr gefolgt. Sie suchte die Adresse von Ninas Mann, dem Maler Marcel Acosta heraus. Er wohnte in Saint-Cloud, und Stella war froh, nicht erster Klasse gereist zu sein. Nun konnte sie es sich leisten, mit dem Taxi hinausfahren. Sie würde das Tagebuch abgeben, zurückeilen und vielleicht noch einen Nachtzug nach Deutschland erreichen.

Sie konnte es kaum noch erwarten, nach Jülich zu Dr. Jürgen Frey zu kommen, mit dem ihre Mutter Olivia damals aus Saudi-Arabien geflohen war. Vielleicht war sie noch bei ihm, oder er konnte Stella sagen, wo Olivia zu finden war. Diese Hoffnung belebte die junge Frau.

Sie genoss den Lichterglanz der Stadt und war selbst wie verzaubert. Die bösen Erinnerungen an den Gouverneur und sein Felsenhaus, ihre Flucht, die Verfolgung, fielen von ihr ab.

Paris. Stella dachte mit Wehmut an die wunderschönen Tage zurück, die sie hier mit ihrer ersten Liebe, Gaston, verbracht hatte. Wie viel war inzwischen geschehen.

Und dann stand sie schließlich vor der hell erleuchteten Villa, die vom Reichtum ihres Besitzers zeugte. Und Nina, die Frau dieses wohlhabenden Mannes, hatte in einem Bordell leben müssen. Stella rannte durch den Vorgarten, entschlossen, Marcel Acosta aufzusuchen, mochte er auch ein rauschendes Fest feiern. Sie hörte Musik und Frauenlachen, und hinter den Fenstern sah sie tanzende Paare.

Plötzlich erstarrte Stella. Vor der Villa stand der Gouverneur Cyril Canterville, der geheimnisvolle Mister X, Ninas Geliebter! Stella sah ihn zum ersten Mal ohne Maske, aber sie erkannte ihn an der starren Körperhaltung und dem schwarzen Stock mit Silberknauf, von dem er sich nie zu trennen schien.

Schnell trat Stella hinter den dicken Stamm einer Rotbuche. Er war ihr also doch zuvorgekommen. Er wartete hier auf sie, oder vermutete er sie bereits im Haus Acostas?

Sie beobachtete ihn. Wie hatte sie den Fremden im Zug nur mit ihm verwechseln können? Der Gouverneur war ein hartnäckiger Jäger, der nicht aufgab. Aber auch Stella wollte nicht aufgeben. Sie schlich sich von Baum zu Baum, erreichte den Ausgang und huschte die Straße hinunter. Und immer wieder griff sie in die Tasche des Capes. Ninas Tagebuch. Es war noch da, wohlverwahrt.

Da war eine Telefonzelle. Stella rannte hinein und rief Marcel Acosta an. Sie musste ihn sprechen, ihn vor dem Gouverneur warnen. Hatte sie nicht am eigenen Leib die Skrupellosigkeit dieses Mannes zu spüren bekommen?

Der Hörer wurde abgehoben, und Stella erklärte, dringend den Maler Marcel Acosta sprechen zu müssen.

»Ich bin selbst am Apparat! Wer spricht dort?«

»Ich muss Sie im Auftrag Ihrer Frau sprechen. Sehr, sehr dringend. Sie sind in Gefahr, Sie müssen …« Ihre Stimme erstarb.

Acosta hatte aufgehängt, ohne sie aussprechen zu lassen.

Heller Zorn ergriff sie. Soll er sich doch umbringen lassen. Aber ihre Hartnäckigkeit und ihr Mut siegten. Sie hatte Nina versprochen, ihrem Mann das Tagebuch auszuhändigen. Nur um sich vor ihm zu rechtfertigen, hatte sie es geschrieben. Und er würde es lesen müssen, dieser hartherzige Mann, der seine Frau ins Unglück getrieben hatte und letzten Endes an ihrem Tod schuldig war.

Nina war ermordet worden, weil der Mann mit dem Schlapphut sie für Stella gehalten hatte. Aber in das Bordell, in diese fürchterliche Lage war sie einzig und allein durch das Misstrauen ihres Mannes geraten, der sie aus dem Haus gewiesen hatte.

Stella kehrte zur Villa zurück, pirschte sich vorsichtig durch den Garten an das Haus heran. Der Gouverneur war verschwunden. Sie holte tief Luft und drückte sich an einen Rosenstrauch. Ein Paar verließ das Haus, lachend, mit unsicherem Gang. Angetrunken.

Hinter einem zweiten Paar huschte Stella in das Haus, ehe die Tür abgeschlossen wurde. Sie betrat einen Vorraum, sah durch eine offen stehende Flügeltür in einen riesigen Salon. Noch fünf Paare drehten sich auf dem Parkett.

Wer von den Herren mochte Acosta sein? Nina hatte ihn in ihrem Tagebuch als mittelgroß, schlank, mit schwarzem Haar und dunklen Augen beschrieben. Jeder der fünf hätte es sein können.

Ratlos verharrte Stella neben der Tür. Ich werde warten, bis alle Gäste das Haus verlassen haben. Dann muss er, der Hausherr, schließlich übrig bleiben.

Sie zog sich in die Dunkelheit zurück, sah einen langen Gang vor sich, in dessen Nischen Statuen standen. Und dort vorne drang ein Lichtkegel heraus. Sie ging vorsichtig darauf zu, betrat den Raum und – sah den Gouverneur dort stehen. Mit gesenktem Kopf, auf seinen schwarzen Stock gestützt, verharrte er unbeweglich und starrte die gegenüberliegende Wand an. Stella fasste an ihr Herz.

Dort hing Nina! Eine Nina neben der anderen. Nina in einem Sessel, Nina auf einem Balkon, Nina neben einem See. Im Tageskleid, in einer Abendrobe, vor dem Spiegel.

Stellas Kehle wurde eng. So konnte ein Künstler nur die Frau malen, die er liebte. Und wie sehr musste Marcel Acosta Nina geliebt haben. Diese Bilder waren der Ausdruck einer großen, tragischen Liebe.

Der Gouverneur hatte ihr den Rücken zugekehrt. Was ging in ihm vor? Weinte oder lachte er? Stella wusste, dass sie nicht allein bleiben durfte. Nur in Gesellschaft war sie vor dem Gouverneur einigermaßen sicher, und sie musste Marcel vor ihm warnen.

So betrat sie den Salon, in dem noch immer die fünf Paare tanzten. Erstaunte Blicke trafen sie. Stella lächelte, als wäre ihr Eintreten eine Selbstverständlichkeit. Sie passte nicht in diese Gesellschaft mit ihrem Faltenrock, dem grünen Pullover, dem Cape und den Stiefeln.

»Ich muss Monsieur Acosta sprechen«, sagte sie höflich zu einem Herrn, der mit seiner Partnerin an ihr vorbeitanzte.

Er deutete mit dem Kopf auf eine geöffnete Terrassentür.

»Danke, Monsieur!«

Stella überquerte die Tanzfläche und trat auf die Terrasse hinaus.

In einem weißen Korbsessel saß ein Mann, die Beine von sich gereckt, die Hände um die Armlehnen geklammert, die Augen geschlossen. Marcel Acosta.

Über ihnen stand der sternenklare Himmel mit der Mondsichel. Das Haus lag auf einem Hügel. Stella sah den Bois de Boulogne wie mit Pinselstrichen gemalt und dahinter das Lichtermeer von Paris. Aus der Ferne, vom Park her, sangen die Wasser der großen Kaskaden ihr einschläferndes Lied.

Stella riss sich gewaltsam aus der traumhaften Atmosphäre. Wie anders war es hier, wie viel heiterer als in ihrer Heimat im düsteren schottischen Hochland.

Marcel Acosta saß noch immer unbeweglich mit geschlossenen Augen da. Stella räusperte sich.

Er fuhr erschrocken hoch. »Wer sind Sie?«

»Ich muss mit Ihnen sprechen, Monsieur.«

»Ich bin es nicht gewohnt, mit Fremden eine Unterhaltung zu führen. Sie müssen mir also schon sagen, wer Sie sind.«

Stella hob energisch den Kopf. »Ich bin Stella Douglas von Ferrymoore Castle in Schottland.«

»Der Name sagt mir nichts«, erwiderte er abweisend.

»Das glaube ich Ihnen, Monsieur Acosta. Und trotzdem muss ich Sie um eine Unterhaltung bitten, die keine Zeugen duldet.«

Die Autorität in ihrem Auftreten und ihrer Stimme machten Eindruck auf Acosta. Er stand auf und sagte: »Folgen Sie mir bitte! Dort drüben steht ein Pavillon, in dem wir ungestört sprechen können.«

Er verließ die Terrasse über eine breite Treppe. Stella folgte ihm und blieb stehen, bis er die Tür des Pavillons geöffnet hatte. Sie trat ein, konnte einen Blick in einen Raum werfen, der vom Flurlicht nur matt beleuchtet worden war. Und auch hier, wie drüben in der Villa, hingen Gemälde an der Wand, die Nina zeigten.

Marcel zog die Tür hastig zu, und Stella hörte seinen schweren Atem. Er führte sie in ein kleines Zimmer mit hellen Möbeln, einem geblümten Diwan, Leinenvorhängen und einer Sitzgruppe mit leichten Sesseln. Stella dachte an Gastons Haus in Antibes, das ähnlich eingerichtet und in dem sie so unendlich glücklich gewesen war.

Marcel ließ ihr keine Zeit, an die Vergangenheit zu denken. »Wollen Sie mir endlich den Grund Ihres außergewöhnlichen Besuches sagen, Mademoiselle? Oder Madame?«

»Mademoiselle, Monsieur.«

Mitleid verschloss Stella die Lippen. Wie konnte sie diesen Mann an Nina erinnern, ihm von deren Tod erzählen? Er, der Nina und immer nur sie gemalt haben musste, der sie nicht vergessen hatte, wie Nina hatte glauben müssen. Stella suchte nach Worten.

Da, ein Kratzen an der Tür. »Monsieur, Sie sind in Gefahr, genau wie ich. Haben Sie das Geräusch nicht gehört?«

Er lachte spöttisch. »Das ist mein Spaniel, der herein will, Mademoiselle. Sie scheinen sehr ängstlich zu sein.«

»Sie werden anders über mich denken, wenn Sie erst wissen, warum ich mich in Gefahr glaube. Mich und Sie!«

»Ich bin ganz Ohr, Mademoiselle.« Sein Tonfall verscheuchte ihr Mitleid.

»Ich komme auf die Bitte Ihrer Frau Nina!«, sagte sie abrupt.

Er streckte den Kopf vor. Sie sah seine Schläfenadern zucken. »Dann sind Sie es gewesen, die heute Abend angerufen hat! Haben Sie nicht gemerkt, dass ich über meine Frau nichts hören will? Sie sind unerwünscht hier, junge Dame. Ich muss Sie bitten, unverzüglich mein Haus zu verlassen. Oder haben Sie es auf Erpressung abgesehen?«

»Ich will eine Frage nach der anderen beantworten«, erwiderte Stella kühl. »Ich habe begriffen, dass Sie über Nina nichts hören wollen. Auf Erpressung bin ich nicht aus. Und noch eines: Sie hatten die Macht, Nina hinauszuweisen, und sie ging, weil sie Sie liebte. Mich aber binden keine Gefühle. Ich habe nur einen Auftrag auszuführen, und nichts wird mich daran hindern, Marcel Acosta. Das Versprechen einer Toten gegenüber wiegt schwerer als Beleidigungen!«

»Einer Toten? Wen meinen Sie damit? Sprechen Sie endlich! Spannen Sie mich nicht auf Folter.«

»Nina Acosta ist tot. Ermordet!«

»Nein!«, schrie er, wankte und hielt sich an der Sessellehne fest. Stella sah seine Knöchel weiß werden. »Welcher Schuft …«

»Sollten Sie nicht dankbar sein, dass Sie von einer Frau befreit sind, die Sie verachten, Monsieur Acosta?«

»Sie wissen nicht, was Sie sagen«, flüsterte er mit bleichen Lippen. »Ja, ich habe sie verachtet. Aber noch mehr geliebt. Ich konnte die Frau, die ich liebte und nicht achten konnte, nicht mehr in meiner Nähe ertragen. Es war eine unaussprechliche Qual, ihr reines Gesicht zu sehen, diese zarten Züge, und zu wissen, dass sie eine, eine …«

»Sprechen Sie das Wort nicht aus!«, unterbrach ihn Stella. »Lesen Sie erst ihr Tagebuch. Und dann urteilen Sie über Nina, die meine Freundin war.«

Sie griff in das Cape und reichte ihm das Tagebuch. »Es ist nass geworden, und man hat es zerrissen, aber Sie werden es lesen können.«

»Ninas Tagebuch! Nina ist tot!« Er konnte es nicht fassen.

Stella setzte sich ihm gegenüber, griff nach seiner Hand, um ihn zu trösten.

Marcel sprang auf, riss Stella mit hoch und führte sie in das Zimmer, in das sie vorhin einen kurzen Blick geworfen hatte.

»Nina! Ich konnte nur sie malen. In dieser Vollendung. Ich habe andere Bilder angefertigt, zum Verkauf. Ich habe gut damit verdient, aber diese Bilder gehören nur mir allein. Mir! Mir!«

Stella antwortete: »Ich fürchte, ein anderer Mann wird sich mit Gewalt eines dieser Bilder verschaffen. Und das Tagebuch, Monsieur Acosta.«

»Wer?«

»Der Mann, dem Nina ihren Körper schenken musste. Aber nur ihren Körper. Ihre Seele ist rein geblieben. Sie hat immer nur Ihnen gehört. Lesen Sie das Tagebuch, Ninas Bekenntnis. Sie werden dort den Namen Cyril Canterville finden. Er hat Nina in Madame Yvonnes Bordell besucht, in das wir beide verschleppt worden sind. Der Gouverneur Canterville ist bereits in Ihrem Haus. Ich habe ihn vor dem Portal stehen gesehen, er ist mir zuvorgekommen. Und dann stand er in dem Saal, in dem Ninas Bilder hängen. Er hat mich nicht bemerkt, aber ich weiß, dass er ein Mann ist, der sich holt, was er sich wünscht. Er geht dabei über Leichen. Sehen Sie sich vor.«

Marcel Acosta war ungeheuer erregt. Er starrte auf Ninas Tagebuch, blätterte in den ersten Seiten, erkannte die Handschrift seiner Frau. Er drückte es Stella in die Hände. »Behalten Sie es, bis ich zurückkomme. Ich werde das Haus nach dem Gouverneur durchsuchen lassen. Ich komme wieder, wenn die Gäste weg sind. Sie müssen mir alles von Nina erzählen, alles!«

Er eilte hinaus.

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