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Die Schwarzen Perlen - Folge 09

Die Insel der Toten

von O. S. Winterfield

Einsam steht Stella Douglas auf der Schwelle des kleinen Fischerhauses an den Klippen. Ihr Blick sucht das steinige Ufer des Fjords. Nie wieder wird dort das Boot des jungen rotblonden Mannes anlegen, nie wieder wird Stella sein Lachen hören.

Frederic ist tot, er ist im Moor versunken. Und so ist Stella bei ihrer Suche nach ihrer Mutter wieder auf sich allein gestellt.

Schweren Herzens kehrt die junge Frau wieder zurück nach Ferrymoore Castle – und muss dort feststellen, dass der Albtraum noch lange nicht zu Ende ist …

In Stellas Augen standen Tränen.

Mary McCall kam auf sie zu. »Willst du nicht doch noch bei mir bleiben, Stella? Ich sehe dir doch an, wie schwer es für dich ist, nach Ferrymoore Castle zurückzugehen.« Sie zog Stella an sich. »Ich bin Frederics Mutter, fühlst du dich bei mir nicht mehr geborgen?«

Jetzt liefen die Tränen über Stellas Wangen. »Doch, ich möchte am liebsten immer bei dir bleiben, aber ich muss ins Schloss zurück. Ich habe viel verloren, aber ich bin immer noch auf der Suche nach meiner Mutter. Ich will nur wenige Tage im Schloss bleiben, ehe ich nach Deutschland fliege.« In Stellas Augen stieg Zuversicht auf. »Ich werde meine Mutter finden. Oder wenigstens die nächste schwarze Perle aus ihrer Kette.«

Mary McCall streckte den Arm aus. Ihre Hand war geschlossen, doch jetzt öffnete sie sie zögernd und unsicher.

Auf Marys Handteller lag eine schwarze Perle.

»Nimm sie diesmal mit, Stella. Sie wird dich beschützen.«

Stella schüttelte den Kopf. »Nein. Du hast sie von meiner Mutter aus Dankbarkeit geschenkt bekommen. Die schwarze Perle sollte dein Talisman sein.«

Mary McCall senkte den Kopf. »Ich brauche keinen Talisman mehr, Stella. Mir kann im Leben nichts Schlimmeres passieren, als mir …«

Stella umarmte Mary McCall. »Ich weiß, Frederic … Daran bin ich schuld.«

»Nicht mehr als ich, Stella. Ich hätte Frederic die schwarze Perle mitgeben müssen.«

»Glaubst du so fest an ihre Kraft? So fest, wie meine Mutter es getan hat?«

»Ja, Stella, und deshalb musst du diese schwarze Perle mitnehmen auf deinem Weg. Das würde mir auch die Hoffnung lassen, dass du eines Tages zurückkehrst. Mit deiner Mutter oder allein. Ich werde hier auf diese Stunde warten.«

Stella nahm die schwarze Perle.

»Danke.« Mehr konnte sie vor Erschütterung nicht sagen. Sie drückte die Lippen auf die schwarze Perle und ließ sie in eine versteckte Tasche in ihrem Faltenrock gleiten. »Ich komme noch einmal wieder, um mich zu verabschieden. Jetzt will ich gehen. Jock wird schon auf mich warten.« Sie küsste Mary McCall und ging den Hang neben den Klippen hinauf.

Sie wollte die düstere Vergangenheit hinter sich lassen und hoffnungsvoll in die Zukunft sehen.

***

Der alte Butler Jock klopfte an die Tür des Turmzimmers. Als er keine Aufforderung zum Eintreten hörte, wurde er unruhig und drückte die Klinke hinunter. Er öffnete die Tür einen Spaltbreit und sah in das Zimmer.

Als er Stella am Fenster erblickte, atmete er auf und ging auf sie zu.

Sie drehte sich erschrocken um, doch gleich darauf lächelte sie. »Jock, Sie? Ist wieder einmal Essenszeit?«

»Ja, Miss Stella, und Sie haben es wieder einmal vergessen. Dabei hat sich Martha so viel Mühe gegeben, Ihnen etwas besonders Gutes zu kochen.« Jock sah sich im Zimmer um. Als er eine gepackte Reisetasche sah, fragte er: »Mehr wollen Sie nicht mitnehmen, Miss Stella?«

»Ich brauche nicht mehr. Gepäck belastet nur. Ein Flug von Schottland nach Deutschland ist heute keine Weltreise mehr.« Stella ging zur Tür. »Und wenn ich meine Mutter in Jülich nicht finde, will ich wieder nach Ferrymoore Castle zurückkommen.« Trotz lag in ihrer Stimme. »Sie soll sich daran gewöhnen, dass ich die junge Herrin bin und mich auch um meinen Besitz kümmern will.«

»Sie meinen Lady Laura?«, fragte Jock, als sie schon im Korridor standen.

»Ja, die Frau in Schwarz. Es fällt mir schwer, sie anders zu nennen. Ich habe sie bisher nur in dem schwarzen Kleid und dem langen schwarzen Schleier gesehen. Und wenn sie ihn einmal zurückschlägt, dann sehe ich in ein Gesicht, das ich lieber wieder vergessen würde.« Stella trat auf die erste Stufe der Treppe. Dort blieb sie noch einmal stehen und drehte sich zu Jock um. »Ja, sie soll sich daran gewöhnen, dass sie zwar meine Miterbin ist, mir aber den Haupttrakt des Schlosses nicht streitig machen kann. Deshalb werde ich immer wieder nach Ferrymoore Castle zurückkehren.« Sie ging jetzt schnell die Treppe hinunter.

Der alte Jock folgte ihr mit langsamen, schwerfälligen Schritten. Diesmal nicht, weil ihm sein Alter schon zu schaffen machte, sondern weil ihm bange zumute war. Er hatte Angst vor der Entschlossenheit seiner jungen Herrin. Warum wollte sie unbedingt vergessen, was es für sie bedeuten konnte, Lady Lauras Hass von Neuem herauszufordern?

Stella spürte Jocks Sorgen, aber sie ließ es sich nicht anmerken. Niemand sollte Gelegenheit haben, sie wieder wankelmütig werden zu lassen.

Auch die alte Martha nicht, die sich ihr nach dem Essen in der Halle in den Weg stellte und ihr zuraunte: »Gut, dass Sie Ferrymoore Castle wieder verlassen, Miss Stella. Kommen Sie so bald nicht zurück. Draußen in der Welt kann Sie der Fluch nicht so leicht treffen wie hier. Der Fluch, den Sir Henry, Ihr Vater, heraufbeschworen hat.«

Stella ließ die Alte stehen und zog sich wieder in das Turmzimmer zurück. Unschlüssig sah sie sich um. Sollte sie schon zu Bett gehen, weil sie morgen sehr früh aufstehen musste? Jock wollte sie wecken und dann mit dem Wagen zur nächsten Bahnstation fahren, damit sie zum Flughafen nach Glasgow kam.

Stella trat ans Fenster. Es war eine dunkle Nacht, die junge Frau konnte nur undeutlich den Fjord erkennen. Sie presste die Stirn an die kühle Scheibe. Diesmal würde sie nicht den Weg über den Fjord nehmen. Frederic konnte sie nicht mehr hinüberbringen. Er war tot …

Plötzlich erschrak Stella. Ruckartig drehte sie sich um. Ein Schrei stieg in ihr auf. Aber er kam nicht mehr über ihre Lippen. Eine Hand presste sich so fest auf ihren Mund, dass sie kaum atmen konnte. Und ein Arm hielt sie wie ein Schraubstock fest.

Stellas Augen waren weit aufgerissen. Sie starrte auf einen mit einer schwarzen Kapuze verhüllten Kopf. Das Gesicht konnte Stella nicht erkennen, denn die Kapuze hatte nur drei Schlitze für den Mund und die Augen.

Durch die Augenschlitze sah Stella ein unheimliches Glitzern. Sie versuchte, sich zurückzubeugen. Flüchtig hatte sie das Gefühl gehabt, die Hand auf ihrem Mund lockere sich. Aber jetzt schob sich eine zweite Hand darunter und presste ihr einen Knebel in den Mund.

Noch einmal versuchte sich Stella zu wehren. Da wurde sie von groben Männerhänden hochgehoben und auf das Bett geworfen.

Jetzt erst sah sie, dass zwei Kapuzenmänner in ihrem Zimmer waren. Schauer der Angst überliefen sie. Was sollte mit ihr geschehen?

Sie schlug mit den Armen um sich, als sie merkte, dass ihre Füße gefesselt wurden. Aber schon drückte man ihre Arme auf das Bett. Und nun hörte sie zum ersten Mal eine Stimme.

»Hier, schreibe!« Einer der beiden Kapuzenmänner hielt ihr einen Briefbogen und einen Stift vor die Augen. »Aufsetzen!«, kommandierte er und zog Stella schon an den Schultern hoch. Er griff nach einem Buch und benutzte es als Unterlage für den Briefbogen. »Schreibe: Lieber Jock, ich verlasse schon heute Abend Ferrymoore Castle.«

Stella schüttelte den Kopf. Aus ihrem Mund kamen unartikulierte Laute.

Eine Hand schlug klatschend in ihr Gesicht. »Schreibe! Es ist deine einzige Chance, dass du lebend aus dem Schloss kommst.«

Stellas zitternde Hand griff nach dem Stift. Immer wieder setzte sie ab, doch sobald sie in die funkelnden Augen sah, die sie durch die Schlitze in der Kapuze anstarrten, schrieb sie weiter: Der Abschied morgen früh würde mir zu schwer fallen. Stella Douglas.

Die junge Frau ließ den Stift fallen. Flehend sah sie die Männer an.

Ein kurzes abgehacktes Lachen erklang, dann fühlte Stella einen brutalen Schlag auf den Kopf. Wie ein Blitz zuckte der Schmerz in ihr hoch.

Sie sank bewusstlos auf das Bett.

***

Angstvoll und beinahe widerstrebend öffnete Stella die Augen. Sie fühlte einen unangenehmen Juckreiz am ganzen Körper. Ihre Hände strichen über die Brust. Sie fühlte raues Sackleinen.

Entsetzt richtete sie sich auf und sah sich in dem düsteren Raum um. Er wurde nur von einer flackernden Pechfackel erhellt. Der Fußboden, die Decke und die Wände waren aus großen quaderförmigen Steinen. Sie sahen grau und glitschig aus, in den Fugen wucherte Moos.

Feuchtigkeit und ein beißender Geruch von Schimmel und Moder stiegen Stella in die Nase. Hustenreiz quälte sie. Dabei erinnerte sie sich an den Knebel, den man ihr in den Mund gepresst hatte. Jetzt konnte sie die Zunge wieder bewegen, aber diese fühlte sich wund und geschwollen an.

Wie lange war sie ohne Bewusstsein gewesen, dass sie nicht wusste, wohin man sie gebracht und wer sie von dem Knebel befreit hatte?, fragte sich Stella.

Vorsichtig bewegte sie die Füße. Sie hatte keine Fesseln mehr. Ihre Augen suchten ein Fenster, aber sie konnte keines entdecken. Sie sah nur zwei in die Wand eingemauerte Röhren. Durch diese mochte der kalte Luftzug kommen, der sie frieren ließ.

Mühsam erhob sie sich von der rauen Holzpritsche. Sie hatte keine Decke als Unterlage und auch keine zum Zudecken.

Als Stella auf den Füßen stand, wurde ihr schwindelig. Sie tastete sich bis zur Wand vor. Vom Ekel gewürgt, ließ sie die Hände fallen. Sie waren schmierig geworden. Stella rieb sie an dem Sackleinen ihres Kleides ab und spürte dabei, dass sie unter dem langärmeligen, bis auf den Boden fallenden Kleid nackt war.

Sie schwankte auf die Pritsche zurück.

Angst und Grauen wollten ihr wieder die Besinnung nehmen. Erst nach Minuten fasste sie sich etwas. Sie suchte den Ausgang aus diesem Verlies. Eine schmale, niedrige Tür war in eine Wand eingelassen. Diese musste aus dickem Holz sein. Stella konnte das nicht genau erkennen, weil auch die Tür grau-schwarz und glitschig aussah.

Sie hatte keine Klinke.

Erschöpft sank Stella auf die Pritsche zurück und schloss die Augen. Sie wusste nicht, ob es Tag oder Nacht war, aber es kam ihr so vor, als höre sie das Rauschen des Meeres. Drang dieses Geräusch durch die beiden Röhren in der Wand zu ihr herein oder bildete sie es sich nur ein?

»Die Frau in Schwarz!«, hämmerte es in Stellas Gedanken. Diesmal werde ich ihr nicht entkommen.

Diese Angst fraß sich in Stella immer tiefer. Tränen rannen unter ihren geschlossenen Lidern hervor. Jene Stunde tauchte vor Stellas innerem Auge auf, in der die Frau in Schwarz sie ins Moor getrieben hatte. Und zum ersten Mal wünschte sich Stella, mit Frederic im Moor versunken zu sein. Was jetzt auf sie wartete, konnte wieder nur Qual und Marter sein. Und am Ende wartete der Tod. Ein grausamer Tod. Lady Laura kannte kein Erbarmen.

Ruckartig richtete sich Stella auf. Ihr Blick sog sich an dem flackernden Licht der Pechfackel fest. Sie lauschte.

Es kam ihr so vor, als habe sie vor der Tür Geräusche gehört. Doch nun war alles still. Trotzdem stierte sie in einem fort auf die Tür.

Und nun hörte sie ein Scharren. Ihre Hände pressten sich auf die Brust, ihr Atem war zu hören. Lautes Knarren erklang, als würde ein Riegel zur Seite geschoben.

Nun öffnete sich die Tür wie von Geisterhand. Sie stand weit offen, ohne dass jemand eintrat.

Kein Lichtschein drang in den Raum. Es musste Nacht sein. Aber das Rauschen des Meeres war stärker geworden und das Plätschern von sich brechenden Wellen war zu hören.

Wie von fremder Gewalt hochgezogen, erhob sich Stella. Irgendjemand hatte ihr die Tür geöffnet.

Taumelnd ging sie darauf zu.

Sie trat über die Schwelle – und plötzlich wurde sie von starken Männerhänden gepackt und mitgeschleift. Der letzte Schein der Fackel, der sie erreichte, traf auch die beiden Kapuzenmänner, in deren Gewalt sie sich wieder befand.

Sie hielten sie unter den Schultern fest. Ihr Oberkörper fiel vornüber, ihre Beine versagten ihr den Dienst, ihre Knie wurden von scharfem Gestein aufgeschunden, und ihr Körper wurde immer schwerer.

Ein Schatten tauchte auf. Stella nahm ihn nicht wahr.

Erst als die beiden Kapuzenmänner sie auf die Füße stellten und festhielten, sah sie das Gemäuer vor sich. »Was habt ihr vor, was wollt ihr mir antun?«, fragte sie mit zitternder Stimme.

Niemand antwortete.

Plötzlich riss sie sich los. In dem Dunkel der Nacht wirkten die Männer in den langen Kutten und mit den verhüllten Gesichtern noch erschreckender auf sie.

»Was wollt ihr von mir?« Ihre Stimme überschlug sich.

Wieder blieb sie ohne Antwort.

Stella hatte jetzt nur einen Gedanken: Flucht. Und sei es ins Meer. Es musste ganz nahe sein.

Die beiden Kapuzenmänner standen drohend vor ihr. Sie holte tief Luft. Jetzt, sofort, musste sie versuchen, in der Dunkelheit zu verschwinden. Sie raffte ihr Kleid zusammen, damit es sie beim Laufen nicht behinderte.

Aber sie kam nicht dazu, den ersten Schritt zu tun. Sie blieb wie gebannt stehen. In dem Gemäuer war eine Tür aufgegangen. Der Schein von Fackeln fiel ins Freie heraus.

Er flackerte um eine hohe Frauengestalt in einem schwarzen Kleid. Ein langer schwarzer Schleier fiel über das Gesicht.

Die beiden Kapuzenmänner sanken auf die Knie.

Die Frau in Schwarz trat über die Schwelle. Und nun bewegten sich die Fackeln hinter ihr. Sie wurden von sechs weiteren Kapuzenmännern getragen. Sie schlossen einen Kreis um Lady Laura und Stella, die noch immer wie gelähmt auf ihrem Platz stand.

Die Frau in Schwarz ergriff Stellas Hand.

Die Kapuzenmänner traten zur Seite. Willenlos folgte Stella ihrer Feindin. Beide Frauen betraten eine Kapelle. Die Kapuzenmänner mit den Fackeln folgten ihnen mit schweren hallenden Schritten.

Ich bin auf der Insel der Toten!

Als Stella das feststellte, wich der Bann von ihr. Nun wusste sie, wohin man sie gebracht hatte. Sie kannte die Insel der Toten. Als Kind war sie einmal mit ihrem Vater hier gewesen. Sie hatten auch die Kapelle besucht. Und ihr Vater hatte ihr erzählt, dass diese Insel nie einem anderen Zweck gedient hatte, als die Toten des Hochlandes zu bestatten. Früher, ehe man auf dem Festland Friedhöfe angelegt hatte.

Viele nannten diese Insel auch die Begräbnisinsel. Aber niemand besuchte sie mehr. Selbst die Fischer scheuten sich, am Ufer der Insel der Toten anzulegen. Auch wenn sie durch Sturm oder Unwetter in Seenot gerieten, kämpften sie sich lieber zu einer der vielen anderen Inseln durch, als sich auf die Insel der Toten zu retten.

Stella riss ihre Hand aus der Lady Lauras. Und wieder schrie sie: »Was habt ihr mit mir vor?«

Ihre Stimme hallte von den Wänden der kahlen Kapelle zurück.

Die Frau in Schwarz ließ Stella stehen und ging mit vor der Brust gekreuzten Händen auf einen kleinen Altar zu.

Stella hob den Kopf. Und nun schrie sie laut auf und schlug die Hände vors Gesicht. Was sie gesehen hatte, brachte sie fast um den Verstand.

Über dem Altartisch leuchtete die Fratze des Teufels!

Stella ließ die Hände sinken. Sie hatte nicht mehr die Kraft, sie gegen die Augen zu pressen. Aber sie hob erst die Lider, als sich zwei Hände auf ihre Schultern legten.

Die Frau in Schwarz stand vor ihr. Sie hatte den Schleier zurückgeschlagen. Aus ihren Augen leuchtete ein dämonisches Feuer. Und zum ersten Mal öffnete sie die Lippen: »Luzifer wird Wohlgefallen an dir finden, Stella Douglas.« Sie gab den Kapuzenmännern einen Wink.

Vier von ihnen erfassten Stella an Armen und Beinen und trugen sie vor den Altartisch.

Die anderen Männer hatten die Fackeln übernommen und folgten ihnen. Allen voran ging die Frau in Schwarz.

Wieder machte sie nur eine Handbewegung.

Die Männer stellten Stella auf die Füße.

»Zieh dein Kleid aus«, befahl die Frau in Schwarz.

Stella kreuzte die Arme vor der Brust. »Nein, niemals«, stieß sie hervor.

»Luzifer will es so. Zieh dein Kleid aus!«

Stella zitterte am ganzen Körper. Ihr Blick flackerte. Sie wusste nicht, wohin sie sehen sollte. Vor ihr leuchtete die Teufelsfratze, neben ihr standen die Kapuzenmänner, und nun trat auch noch Lady Laura vor sie und wiederholte ihre Forderung.

Stella rührte sich nicht.

Einer der Kapuzenmänner schlug auf ihre Arme. Sie sanken kraftlos herab. Es war für die Männer nicht schwer, Stella das Sackleinenkleid über den Kopf zu ziehen.

Nackt stand sie in der kalten, von den Fackeln gespenstisch erleuchteten Kapelle, vor den Männern, deren Augen gierig durch die Schlitze der Kapuzen funkelten. Und vor der Frau in Schwarz.

»Legt sie auf den Altar«, forderte diese mit ihrer klirrenden Stimme.

Stella konnte sich nicht mehr wehren. Es gab keinen Weg zur Flucht. Die Männer hoben sie hoch und legten sie auf den Altartisch unter die Teufelsfratze.

Stella schloss die Augen. Ihre Zähne schlugen vor Angst, Kälte und Scham aufeinander. Sie sah nicht mehr, was um sie herum geschah, sie hörte nur dumpfes Murmeln. Süßlicher Geruch stieg ihr in die Nase, und ab und zu wehte ein warmer Hauch von den brennenden Fackeln zu ihr herüber.

Die Stimmen der Männer wurden lauter, es hörte sich an, als beteten sie eine Litanei. Stella konnte die Worte nicht verstehen. Aber nun hörte sie laut die Stimme der Frau in Schwarz: »… und versüße uns unsere Schuld, Luzifer.«

Wieder erklangen die Stimmen der Männer im Chor. Und wieder verstummten sie nach einigen Sätzen, um die kalte Frauenstimme einfallen zu lassen: »… und versüße uns unsere Schuld, Luzifer.«

Stellas nackter Körper wurde vom Grauen geschüttelt.

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