Logo weiterlesen.de
Die Schwarzen Perlen - Folge 07

Flucht vor der Wahrheit

Von O. S. Winterfield

Nervös steht Stella Douglas vor der Tür des Krankenzimmers. Die Geheimpolizisten des Emirs von Hofuf haben in diesem Krankenhaus in Tanger einen Mann entdeckt, auf den die Beschreibung von Gaston Germain perfekt passt. Wird Stella ihre große Liebe endlich wieder in die Arme schließen können?

Langsam legt sich ihre Hand auf die Türklinke, zögernd betritt Stella das Zimmer – und dann erblickt sie ihn: Gaston! Sie hat ihn tatsächlich wiedergefunden!

Doch schon am nächsten Morgen erfährt die junge Frau eine bittere Wahrheit, die all ihre Zukunftsträume zerstört …

Stella Douglas legte zögernd die Hand auf die Türklinke und wagte nicht, sie hinunterzudrücken. Sehnsuchtsvolle Erwartung kämpfte mit der aufsteigenden Angst. Stella spürte ihren Puls hämmern. Ihr Gesicht war blass. War der Mann, den sie hier in einem Hospital in Tanger besuchen wollte, Gaston Germain, ihr Geliebter?

Eine ältere Krankenschwester kam jetzt den Flur entlang. Sie sah Stella aufmunternd an. »Gehen Sie hinein, Mademoiselle. Aber seien Sie nicht zu sehr enttäuscht, unser Patient hat erst vor wenigen Minuten eine Beruhigungsspritze bekommen, er wird jetzt schlafen.«

Endlich öffnete Stella die Tür des Krankenzimmers. Als ihr die Schwester folgen wollte, bat sie: »Bitte, lassen Sie mich mit ihm allein, wenigstens ein paar Minuten.«

Dann ging sie auf den Zehenspitzen durch den dämmerigen Raum. Die Gardinen an beiden Fenstern waren zugezogen.

Stella blieb vor dem Bett stehen.

Der Kranke war bis zu den Schultern zugedeckt, sein rechter Arm hing schlaff über die Bettkante. Um den Kopf hatte er einen dicken weißen Mullverband, der nur ein Ohr, den Mund und die Augen freiließ.

Stella nahm behutsam den Arm des Kranken und legte ihn auf die Decke, dann setzte sie sich auf die Bettkante.

»Gaston«, flüsterte sie. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. »Ich habe dich wiedergefunden, Liebster. Gaston, es ist ein Wunder geschehen.«

Sie beugte sich noch tiefer, bis ihre weichen Lippen den Mund des Kranken berührten. Sie küsste ihn mit jener Zärtlichkeit, die Gaston Germain einmal so glücklich gemacht hatte.

Stella wartete vergeblich darauf, dass der Kranke die Augen öffnete. Seine Brust hob und senkte sich leicht, er schlief tief und fest.

»Morgen komme ich wieder zu dir, Gaston«, flüsterte Stella und hoffte, dass er sie vielleicht doch hören konnte. »Dann wirst du wach sein. Ich lasse dich nicht mehr allein. Wir beide stehen jetzt unter dem Schutz Emir Faisals. Wir fliegen zusammen nach Hofuf in seinen Palast. Dort werde ich dich ganz gesund pflegen.«

Wieder neigte sich Stella über den Kranken und küsste ihn.

»Spürst du, dass deine kleine Lady wieder hei dir ist, Gaston? Du musst es fühlen.«, Sie zog seine Hand an ihre Wange. »Bald sind wir wieder in unserem kleinen Haus in Antibes, wir werden alles vergessen, Gaston, es wird nur noch dich und mich auf dieser Welt geben.« Stella stand auf. Sie hielt noch die Hand des Kranken fest. Plötzlich sank sie auf die Knie und legte den Kopf auf seine Brust. »Ich höre dein Herz schlagen, Gaston.«

Die Tür des Krankenzimmers wurde leise geöffnet, die Schwester kam auf das Bett zu. Sie legte die Hand auf Stellas Schulter.

Stella hob den Kopf. Ihre dunklen Augen strahlten. »Er ist es, Schwester. Ich bin so glücklich.«

»Aber er nennt sich Arlo Rhodes, Mademoiselle«, sagte die Schwester unsicher. Es fiel ihr schwer, dieses junge, glückliche Mädchen aus seinen Träumen zu reißen.

Doch Stella lächelte nur. »Er konnte seinen richtigen Namen nicht nennen, Schwester, weil er verfolgt wird. Bitte, behalten Sie aber dieses Geheimnis für sich. Niemand soll unser Glück zerstören können. Morgen komme ich wieder. Werde ich Gaston mitnehmen können?«

»Das kann nur der Arzt sagen, Mademoiselle. Bisher war er mit dem Heilungsprozess zufrieden, nur die Unruhe des Patienten machte uns viel zu schaffen.«

»Die wird sich morgen legen, Schwester, wenn Gaston weiß, dass ich bei ihm bin und dass ihm nichts mehr passieren kann.« Aus diesen Worten Stellas klang nicht nur der Optimismus ihrer Jugend, sondern auch die Zuversicht der liebenden Frau. Sie erhob sich, strich mit ihren Fingerspitzen noch einmal zärtlich über die Lippen des Kranken und ging dann mit der Schwester zur Tür.

Im Flur traf Stella Youssef und Yassir wieder, die sie nach ihrer Landung in Tanger abgeholt und in das Krankenhaus gebracht hatten.

»Er ist es«, jubelte sie wieder.

»Das haben wir Ihnen schon am Gesicht angesehen, Mademoiselle«, antwortete Yassir und lachte stolz. Schließlich hatten er und sein Kollege Youssef diesen Arlo Rhodes entdeckt und die Vermutung gehabt, er könne Gaston Germain sein.

»Ich danke Ihnen. Nie werde ich Ihnen vergessen, was Sie für mich und Gaston getan haben.« Stella reichte den beiden Männern die Hand. »Morgen wird sich entscheiden, ob ich Gaston sofort mit nach Hofuf zurücknehmen kann. Sie bleiben doch so lange in meiner Nähe?«

»Wir haben den Auftrag, Sie keine Minute allein zu lassen, Mademoiselle. Wir fahren jetzt in eine Pension und begleiten Sie morgen wieder in das Hospital.« Yassir öffnete die Haustür und ging auf den Wagen zu, mit dem sie vom Flugplatz gekommen waren.

***

Am nächsten Vormittag zögerte Stella nicht, die Tür des Krankenzimmers zu öffnen. Sie lächelte noch einmal kurz ihren beiden Begleitern zu, die wieder ihren Platz in der Fensternische eingenommen hatten.

Stella hoffte, dass die Krankenschwester nicht gerade bei Gaston war. Dieser Wunsch wurde ihr erfüllt.

Heute waren die Gardinen zurückgezogen, strahlender Sonnenschein durchflutete das Krankenzimmer.

Für Bruchteile von Sekunden schloss Stella die Augen, dann blinzelte sie gegen die Sonne und ging langsam auf das Bett zu. Je näher sie ihm kam, desto schwerer schienen ihre Beine zu werden. Hatte sie sich nicht seit gestern vorgestellt, dass sie auf Gaston zulaufen, vielleicht vor freudiger Erregung durch das Zimmer stolpern würde?

Der Kranke hatte sich im Bett aufgerichtet und stützte sich auf die Ellenbogen. Sein unförmiger Kopfverband war erneuert worden durch einen, der die Stirn und die untere Gesichtspartie vollkommen frei ließ.

Stella öffnete die Lippen, doch der Name des geliebten Mannes erstickte schon in ihrer Kehle. Mit weit aufgerissenen Augen sah Stella den Mann im Bett an.

»Gaston?«, fragte sie mit zitternder Stimme, obwohl sie längst erkannt hatte, dass dieser Mann nicht Gaston Germain war.

Sie sah sich schnell um. War sie in das falsche Zimmer gegangen? Schon wollte sie die Flucht ergreifen.

Doch jetzt sagte der Kranke: »Ich bin Arlo Rhodes, Mademoiselle. Die Schwester hat mir schon gesagt, dass Sie gestern hier waren.«

Stellas Enttäuschung war so groß, dass sie keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Es drehte sich alles um sie, und sie konnte sich nur mühsam auf den Beinen halten. »Aber das kann doch nicht sein!«

Arlo Rhodes sah Stella hilflos an. »Es tut mir leid, Mademoiselle.« Er sprach französisch, aber mit leichtem Akzent.

Nein, er war nicht Gaston. Das Gesicht des Kranken musste unter dem Kopfverband nur so schmal wie das Gastons ausgesehen haben. Und die Augen? Die hatte sie ja nicht gesehen, weil er geschlafen hatte. Sie hatte sich gestern täuschen lassen.

»Setzen Sie sich, Mademoiselle, bitte, setzen Sie sich«, bat Arlo Rhodes besorgt. »Sie schwanken. Ich kann Ihnen nicht helfen, wenn Sie den Halt verlieren.«

Stella ließ sich auf einem Stuhl nieder. Sie atmete so schwer, dass es zu hören war. Ihr Gesicht hatte alle Farbe verloren. Sie senkte den Kopf. »Ich war gestern so glücklich. Den ganzen Abend, die Nacht über und heute Morgen war ich so glücklich.«

Sie lehnte sich zurück. Noch einmal erlebte sie die gestrige Stunde in diesem Zimmer. Sie hatte einen Fremden liebkost, einen fremden Mund mit aller Hingabe geküsst und einem fremden Mann zugeflüstert, wie glücklich sie bald wieder miteinander sein würden.

Sie brach in Tränen aus und schlug die Hände vor das Gesicht.

»Mademoiselle«, sagte Arlo Rhodes mit rauer Stimme. »Es tut mir wirklich leid. Bitte, regen Sie sich nicht so auf. Sicher finden Sie den Mann noch, den Sie suchen.«

Stella ließ die Hände sinken. Ihr junges schönes Gesicht sah gequält und verzweifelt aus.

»Nein, ich werde ihn nicht mehr finden. Das hier war meine letzte Hoffnung. Gaston wird im Meer umgekommen sein. Wie habe ich hoffen können, dass er noch lebt? Er hätte mich längst gesucht und gefunden.« Sie sah Arlo Rhodes an. »Aber man hat Sie am Ufer gefunden, bewusstlos, zur gleichen Zeit, als Gaston verunglückte.«

»Ich wurde brutal zusammengeschlagen. An Einzelheiten kann ich mich kaum noch erinnern. Ich kam als Tourist nach Tanger.«

Stella erhob sich und streckte die Hand aus. »Ich wünsche Ihnen gute Besserung, Monsieur Rhodes. Verzeihen Sie mir, dass ich Sie aufgeregt habe.«

Ehe Arlo Rhodes noch etwas sagen konnte, ging sie durch das Zimmer. An der Tür blieb sie stehen und sah zurück, als wolle sie prüfen, ob sie nicht nur einen furchtbaren Traum gehabt hatte. Aber der Kranke war auch jetzt nicht Gaston Germain, er war ein Fremder.

Als Stella auf den Flur trat, kümmerte sie sich nicht um ihre beiden Begleiter, sie ging zum Ausgang.

Youssef und Yassir sahen einander betroffen an. Erst vor dem Portal des Hospitals holten sie Stella ein und konnten sie fragen, was passiert war.

»Es ist ein großer Irrtum. Bitte, bringen Sie mich zum Flugplatz zurück.«

Die beiden Geheimpolizisten wagten keine Fragen mehr zu stellen. Mit gesenkten Köpfen gingen sie zum Wagen. Es tat ihnen leid, dem jungen Mädchen Hoffnungen gemacht zu haben, die sich nun nicht erfüllt hatten.

***

Am späten Abend landete das Privatflugzeug Emir Faisals auf dem Flugplatz in Hofuf.

Ein Diener wartete bereits mit dem Wagen. Youssef und Yassir waren in Tanger geblieben, sie hatten Stella telefonisch im Palast des Emirs angemeldet.

Stella wurde sofort zu dem alten Herrn geführt. Er kam ihr mit ausgebreiteten Armen entgegen und zog sie an seine Brust. Er strich über ihr rotblondes Haar, dann schob er den Zeigefinger unter ihr Kinn und zwang sie, ihn anzusehen.

»Jetzt sind Sie wieder vollkommen mutlos, Stella«, sagte er leise. Diesmal sprach er sie nicht mehr mit »Miss« an, denn es kam ihm so vor, als müsse er ein Kind trösten. »Ich hätte vernünftiger sein müssen und Sie nicht diesen Strapazen aussetzen dürfen. Aber nur Sie hätten Gaston Germain identifizieren können.«

»Ja, nur ich konnte das.« Stella kämpfte gegen die Tränen. »Deshalb trifft Sie keine Schuld, Hoheit. Sie wollten mir helfen. Ich hätte wissen müssen, dass Gaston nicht mehr leben kann.« Sie drückte die Hände auf die Brust. Kaum verständlich sagte sie: »Wir waren doch schon so weit voneinander weg, Gaston und ich. In all den vielen Wochen wagte ich nicht mehr zu hoffen, ihn wiederzusehen. Aber auf einmal war alles anders.« Ihre Stimme wurde etwas lauter. »Einige Stunden lang lebte ich in einem ganz großen Glück.«

»Glück ist immer kurz, Stella.« Emir Faisal zog das junge Mädchen zu einem der kostbaren Sessel. »Setzen Sie sich, ruhen Sie aus. Ich habe Ihnen zwei Räume im Seitentrakt des Palastes einrichten lassen.« Er wurde ein wenig verlegen. »Sie wissen, der Haupttrakt ist den Männern vorbehalten. Auch meine zukünftige Schwiegertochter hat vor wenigen Tagen den Nebentrakt bezogen.«

»Prinzessin Afra?«, fragte Stella erstaunt. »Sie haben mir von ihr erzählt.«

»Ja, Prinzessin Afra. In wenigen Wochen wird mein Sohn Hakim sie heiraten. Prinzessin Afra hat keine Eltern mehr, deshalb wohnt sie schon bei uns, die Hochzeit wird hier im Palast stattfinden.«

»Wird Hakim auch einen Harem haben?«, fragte Stella neugierig.

»Nein, er ist in England erzogen worden, und ich habe ihm viele Freiheiten gelassen. Nun ist er mit vielem nicht mehr einverstanden, was bei uns jahrhundertelanger Brauch ist.«

Emir Faisal hatte sich jetzt Stella gegenübergesetzt. »Und diesen Wunsch, auf einen Harem zu verzichten, heiße ich sogar gut. Er dürfte den Frieden im Palast erhalten. Prinzessin Afra ist eine sehr heißblütige junge Frau.« Seine Stimme wurde so leise, als führe er ein Selbstgespräch. »Ihr würde es auch nicht genügen, die Hauptfrau Hakims zu sein, jede Nebenfrau würde ihre Eifersucht und ihren Stolz anstacheln. Ich kenne Afra schon lange.« Jetzt strich er sich über die Stirn. »Entschuldigen Sie, Stella, dass ich laut gedacht habe. Manchmal bemächtigt sich eben die Zunge der Probleme des Herzens. Kommen wir wieder zu Ihnen zurück. Sie können sich in meinem Palast erholen, bis Sie wieder die Kraft zu neuen Entschlüssen gefasst haben.«

»Es gibt nur noch einen Entschluss für mich, Hoheit – den Spuren meiner Mutter zu folgen.«

»Aber diese Spuren führen in die Wüste, Stella. Sie wissen, was das heißt.«

Stella richtete sich auf. Ihr Gesicht war sehr ernst. »Ich kann nicht glauben, dass meine Mutter damals umgekommen ist. Ich kann nicht alles verloren haben, was ich liebe. Ich muss wieder eine der schwarzen Perlen meiner Mutter finden.«

Emir Faisal erhob sich. »Allah wird gnädig sein und Ihnen den Weg zeigen, Stella.«

In diesem Augenblick glaubte auch Stella an diesen allwissenden allmächtigen Gott.

Auch sie stand jetzt auf. Emir Faisal gab ihr ein Zeichen, noch zu warten. Er hatte geläutet. Gleich darauf trat ein Diener ein.

»Bringe Dulcia hierher«, befahl der Emir.

Schon nach wenigen Minuten betrat ein junges, zierliches Mädchen das Zimmer. Es trug einen Halbschleier, über dem zwei runde, schwarze Augen zu sehen waren. Diese Augen blickten Stella neugierig an.

»Dulcia, das ist deine Herrin. Da du etwas Englisch sprichst, wirst du dich am besten mit Miss Stella verständigen können.«

Dulcia verneigte sich. »Ich werde mir Mühe geben, Hoheit.«

»Führe Miss Stella in ihre Räume. Du weißt, das Kabinett daneben ist für dich bestimmt. Du hast niemandem im Palast sonst zu dienen als Miss Stella.«

»Auch Prinzessin Afra nicht, Hoheit?«, fragte Dulcia und es hörte sich an, als atme sie schon vor der Antwort des Emirs auf.

»Nein, auch Prinzessin Afra nicht, sie hat mehrere Dienerinnen.« Emir Faisal reichte Stella die Hand. »Wir haben auch für etwas mehr Garderobe gesorgt, als Sie besaßen. Sie können sich den Tag ganz nach Ihrem Belieben einrichten. Zu den Hauptmahlzeiten wird Dulcia Sie in den Palast führen. Aber Sie sind nicht gezwungen, daran teilzunehmen. Ich habe nur einen Wunsch – dass Sie sich an mich wenden, wenn Sie Sorgen haben sollten.«

»Danke, Hoheit.« Stella verließ mit Dulcia den Palast.

Als sie im Nebentrakt in eines der beiden Zimmer trat, die ihr zugeteilt worden waren, sah sie sich erstaunt um. Helle Teppiche und Gardinen gaben diesem Zimmer etwas Frisches, Anheimelndes. Zwei Sitzgruppen mit Sofas im Rokokostil, kleinen Tischen und verspielt wirkenden Sesseln unterstützten diesen Eindruck.

»Das ist das Wohnzimmer«, sagte Dulcia und öffnete die Tür zum nächsten Raum. »Und das ist das Schlafzimmer.« Ihre Augen strahlten und ihre Stimme klang wie die eines Kindes.

Stella bewunderte das Schlafzimmer, dann sah sie Dulcia an. »Wie alt bist du, Dulcia?«, fragte sie.

»Siebzehn Jahre, Miss Stella.«

»Da bist du ja gar nicht viel jünger als ich, Dulcia.«

»Nein, nur etwas über ein Jahr.« Dulcia trat einen Schritt näher zu Stella. »Und ich habe auch keine Eltern mehr, Miss Stella. Ich bin schon seit meinem zehnten Lebensjahr im Dienst unseres Emirs. Er ist ein guter Herr. Mein Vater hat ihm schon gedient. Er stammte aus einer der Oasen hier in der Nähe. Aber meine Mutter war Spanierin. Deshalb heiße ich Dulcia.«

»Es ist ein schöner Name«, sagte Stella.

»Ja, das sagt Mustafa auch.« Jetzt legte Dulcia erschrocken die Hand auf den Schleier über ihrem Mund.

»Wer ist Mustafa?«, fragte Stella. Sie sah, dass sich die Wangen des Mädchens gerötet hatten.

»Mustafa ist der Diener Prinz Hakims. Sie waren miteinander lange Zeit in Europa. Aber jetzt bleiben sie für immer hier.« Ein tiefer Atemzug hob Dulcias Brust. »Allah sei Dank dafür.« Nach einigen Sekunden setzte sie hinzu: »Mustafa und ich werden bald heiraten.«

»Ach, das ist es.« Stella lachte.

»Ja, das ist es, Miss Stella. Und ich werde immer Mustafas einzige Frau bleiben. Das hat er mir versprochen.«

Stella machte es Freude, Dulcia zuzuhören. Sie wirkte gelöst und natürlich, beinah etwas spitzbübisch. Auch jetzt, als sie Stellas Hand ergriff und sie mit sich zog.

»Ich habe auch ein sehr schönes Kabinett bekommen, Miss Stella. Ich durfte mir die Möbel aussuchen, als Prinz Hakim Ihre Zimmer einrichten ließ.«

Stella blieb wie angewurzelt stehen. »Prinz Hakim hat meine beiden Zimmer einrichten lassen, Dulcia?«

Das Mädchen lachte. »Ja, er hat darauf bestanden, nachdem ihm sein Vater von Ihnen erzählt hatte. Prinz Hakim sagt, ein europäisches Mädchen könne sich zwischen den Lüstern aus Kristall, den vielen großen Spiegeln mit goldenen Rahmen und den kostbaren Möbeln nicht wohlfühlen.«

Stella warf einen Blick in das Kabinett, war aber an der Einrichtung nicht besonders interessiert, sodass Dulcia sie enttäuscht ansah. »Wünschen Sie jetzt etwas, Miss Stella?«, fragte sie etwas gedämpfter.

»Nein, danke, Dulcia, ich möchte nur ins Bad und danach schlafen. Ich möchte auch nichts mehr essen. Das Frühstück nehmen wir in meinem Wohnzimmer ein.«

»Aber zum Dinner bringe ich Sie morgen in den Palast, Miss Stella. Sie müssen Prinz Hakim kennenlernen.«

»Ich will sehen, wie ich mich morgen fühle«, wich Stella aus, ohne zu wissen, warum.

Dulcia zeigte auf eine Glocke neben dem Bett und hinaus ins Wohnzimmer. »Sie brauchen nur zu läuten, Miss Stella, ich bin immer nebenan.« Sie verneigte sich und verschwand.

***

Zwei Tage vergingen, ohne dass Stella den Palast betrat. Sie nahm auch die Hauptmahlzeiten in ihrem Wohnzimmer ein – sehr zur Enttäuschung ihrer Dienerin. Dulcia konnte nicht begreifen, dass Stella nicht neugierig war, Prinz Hakim kennenzulernen.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Die Schwarzen Perlen - Folge 07" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen