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Die Schwarzen Perlen - Folge 03

Das dunkle Geheimnis des Malers

Von O. S. Winterfield

Nachdem Stella auf der Flucht von Ferrymoore Castle von der Crew der Saint Claude aus Seenot gerettet worden war, musste sie bald feststellen, dass von den Männern auf dem Schiff eine große Gefahr ausging.

Doch es gab an Bord auch jemanden, der ihr wohlgesinnt war: Der Geschäftsmann Gaston Germain versprach Stella, sie zu beschützen. Obwohl er Stella nichts Näheres über seine Geschäfte und seine Vergangenheit verraten wollte, verliebte sie sich in diesen geheimnisvollen Mann und schaffte es mit seiner Hilfe schließlich doch noch nach Cannes, wo sie weiter nach ihrer lange tot geglaubten Mutter suchen wollte.

Als Stella in Cannes einen Hinweis bekommt, wo sich der Maler Philippe Armand aufhält, mit dem ihre Mutter befreundet war, findet sie endlich wieder eine Spur – und die nächste schwarze Perle …

Als sich Stella Douglas bis zu dem Haus, in dem der Maler Philippe Armand wohnte, durchgefragt hatte, dämmerte es bereits. Die junge Frau erschrak vor der großen wuchtigen Palme, die bis über das Dach des kleinen Hauses ragte.

Schockiert blieb Stella wenige Meter vor dem Haus stehen. Sie sah einen Polizeiwagen mit Blaulicht neben dem Bürgersteig. Scheinwerfer strahlten das pavillonähnliche Haus an.

Die Haustür stand offen, und Stella ging zögernd hinein. Im Flur sah sie mehrere Türen, die anscheinend zu kleinen Räumen führten. Die letzte Tür eröffnete den Blick in ein größeres Zimmer, das offensichtlich als Atelier diente.

Stella stockte. Sie sah ein ungerahmtes Bild an der Wand hängen und meinte sofort, im Zimmer ihrer Mutter in Ferrymoore-Castle zu stehen. Dort hing das gleiche Bild! Es zeigte ihre Mutter mit der Kette aus schwarzen Perlen.

Jetzt erst fiel Stella auf, dass in dem Atelier alles verwüstet war. Scherben von Vasen und zerbrochene Stühle lagen auf dem Boden, und ein Tisch war umgestürzt.

»Zu wem wollen Sie, Mademoiselle?«, fragte da plötzlich ein Polizist hinter ihr.

»Zu Monsieur Armand«, entgegnete sie. »Was ist hier geschehen?«

»Wir wissen es noch nicht genau. Nur so viel, dass Philippe Armand heute in seinem Haus hier überfallen worden ist. Wenn es Diebe waren, werden sie sicher sehr enttäuscht gewesen sein und die ärmliche Einrichtung aus Zorn verwüstet haben.«

»Und Philippe Armand? Ist ihm etwas geschehen?« Stella lehnte sich an die Wand. Ihr kam es so vor, als sei sie schon wieder nur auf den Spuren von Elend, Unglück und Tod.

»Ja, er ist schwer verletzt. Man hat ihn ins Hospital gebracht«, verriet der Polizist. »Aber was wollen Sie denn eigentlich von ihm?«

Plötzlich ergriff Stella die Hand des Polizisten. »Bitte, bringen Sie mich zu Philippe Armand ins Hospital. Ich flehe Sie an. Für Sie ist es mit dem Polizeiwagen nur ein kurzer Weg, ich käme vielleicht zu spät. Zu spät, um von Philippe Armand noch etwas von meiner Mutter zu erfahren. Sie werden mich nicht verstehen, und ich kann Ihnen jetzt nicht mehr sagen. Ich bitte Sie, helfen sie mir!«

Der Polizist zögerte, doch dann sah er in Stellas flehende Augen. »Kommen Sie«, entschied er schließlich. »Für uns ist das wirklich ein kurzer Weg.«

***

Stella saß mit gefalteten Händen in dem Polizeiwagen. In diesen Minuten quälten sie nur Selbstvorwürfe. Warum war sie nicht früher nach Cannes gefahren?

Eine Woche lang hatte sie in Antibes so nahe bei Philippe Armand gelebt. Aber sie hatte die Fahrt nach Cannes immer wieder verschoben, weil sie nur an ihre Liebe zu Gaston gedacht hatte.

Und jetzt war Gaston nicht bei ihr. Sie würde heute Abend allein in seinem Haus sein. Vielleicht zu Tode verzweifelt, weil sie es versäumt hatte, jeden Tag für die Suche nach ihrer Mutter zu nutzen.

Eine Schwester führte sie im Hospital zu dem diensthabenden Arzt. Ihm erklärte Stella kurz, warum sie Philippe Armand sprechen müsse.

»Ist er lebensgefährlich verletzt?«, fragte sie.

Der Arzt nickte. »Ja, das muss ich Ihnen leider sagen. Wir haben ihn noch operiert. Dabei hat sich erst herausgestellt, was für schwere innere Verletzungen er davongetragen hat. Es liegt nicht mehr in unserer Hand, ihn zu retten. Im Augenblick wirkt noch die Narkose. Aber ich habe nichts dagegen, dass Sie sein Erwachen abwarten und danach mit ihm sprechen – falls er das vermag.«

Der Arzt rief eine Schwester ins Zimmer.

»Bitte, führen Sie Mademoiselle Douglas in das Zimmer des Malers Armand«, bat er sie. »Sie darf sein Erwachen aus der Narkose abwarten und dann mit ihm sprechen, solange er es will.«

»Er war bereits wach«, sagte die Schwester. Sie sah den Arzt an. »Erstaunlich wach.«

Der Arzt nickte und reichte Stella die Hand. »Sie werden ungestört sein, Monsieur Armand liegt in einem Einbettzimmer.«

Beklommenen Herzens betrat Stella das Krankenzimmer. Langsam ging sie auf den Mann in dem Bett zu. Sie sah dichtes weißes Haar und ein schmales, hohlwangiges Gesicht. Sein Blick war auf die Decke gerichtet. Erst als Stella seine Hand berührte, sah er sie an.

»Wer sind Sie?«, fragte er mit leiser Stimme.

Stella ließ sich auf dem Stuhl vor dem Bett nieder. Sie beugte sich über den Todkranken.

»Ich bin die Tochter von Olivia Douglas, Monsieur Armand.«

»Olivia!« Philippes Augen weiteten sich. »Die kleine Stella?«

»Die kleine Stella war ich damals, Monsieur, als Sie meine Mutter auf Ferrymoore Castle gemalt haben.«

»Ja, damals.« Philippe schöpfte nach Atem. »Heute sind Sie achtzehn Jahre alt. Darf ich dich einfach Stella nennen?«

»Ja, gern.« Stella ergriff seine Hände. »Monsieur Armand, ich bin gekommen, um etwas über meine Mutter zu erfahren. Ich weiß erst seit Kurzem, dass sie damals nicht gestorben ist. Mein Vater lebt nicht mehr. Ich habe ein Recht, zu wissen, was aus meiner Mutter geworden ist … Sie wäre heute knapp vierzig Jahre alt.«

»Ja, das Recht hast du, Stella. Jedes Kind hat ein Recht, alles von seiner Mutter zu wissen. Aber das gibt das Schicksal oft nicht zu. Von mir sollst du alles wissen, woran ich mich erinnere. Und auch wie ich Olivia verloren habe. Aber zuerst …« Der Kranke wurde unruhig. Als er sah, wie sehr Stella darüber erschrak, sagte er: »Es ist nur, weil ich nicht weiß, wie viele Stunden mir der Herrgott noch gibt. Nein, nein, sag nicht, dass ich wieder gesund werden kann.«

Seine Hand legte sich auf die Brust. »Ich spüre es da drin, es geht mit mir zu Ende. Es kommt mir so vor, als sei ich schon in einer anderen Welt, weil ich nicht glauben kann, dass du auf einmal neben mir sitzt. Du, Olivias Tochter. Mir ist, als sähe ich noch einmal in ihre Augen. Ich hätte mir keine glücklichere Sterbestunde wünschen können.«

Wieder rang er nach Atem. Dann wurde seine Stimme noch eindringlicher.

»Wir müssen noch etwas erledigen, damit es nicht zu spät dafür wird.« Er zeigte auf einen Stuhl. »Hängen dort nicht meine Sachen? Bitte, Stella, fass in die linke Innentasche der Jacke. Dort ist mein Portemonnaie. Bring es mir.«

Stella kam dieser Bitte nach. Sie fand ein abgenutztes ledernes Portemonnaie und reichte es ihm.

Mit zitternden Fingern öffnete er es. »Ich will sie noch einmal in den Händen halten«, flüsterte er. »Die schwarze Perle.«

»Die schwarze Perle?«, fragte Stella. Sie sah auf Philippes Hand. »Ja, es ist eine der schwarzen Perlen meiner Mutter.« Stella schlug die Hände vors Gesicht. »Meine Mutter hat vor ihrer Flucht gesagt, sie werde jedem, der ihr hilft, aus Dank eine schwarze Perle schenken. Nun habe ich die zweite gefunden. Wie viele sollen es noch werden, ehe ich meine Mutter finde?«

»Ich wünsche dir, dass es nicht viele werden mögen, Stella.« In Philippes Augen standen Tränen. »Du bist jung, du hast noch mehr Kraft, du wirst vielleicht den schwarzen Perlen nachgehen können, bis du bei deiner Mutter bist. Ich glaube daran, dass sie noch lebt.«

»Danke«, flüsterte Stella. Sie zog Philippes Hand an ihre Wange. »Danke, dass Sie mir Mut geben. Nun bin ich nicht mehr allein in dem Glauben, dass meine Mutter noch lebt.«

»Bitte, Stella, nimm meine schwarze Perle. Ich werde sie bald nicht mehr brauchen. Sie hat mich viele Jahre vor tödlichen Gefahren beschützt. Gestern hatte ich auf dem kurzen Weg zum Zeitungskiosk mein Portemonnaie verloren. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Mir war, als käme nun der Tod auf mich zu, da ich nicht mehr unter dem Schutz des Talismans stand, den mir deine Mutter geschenkt hatte.« Um Philippes Mund legte sich jetzt ein Lächeln. »Aber ich habe den Tod nicht mehr gefürchtet. Ich stand ihm schon lange näher als dem Leben.«

»Aber heute haben Sie die schwarze Perle wieder, Monsieur Armand.«

Das Lächeln im Gesicht des Kranken vertiefte sich. »Ja, heute habe ich die schwarze Perle wieder. Als man mich nach dem Überfall in den Krankenwagen trug, kam ein kleiner Junge und brachte mir mein Portemonnaie. Er hatte es gefunden. Nun kann ich dir die schwarze Perle geben, so als gäbe ich sie Olivia zurück.«

Stellas Hand schloss sich um die kleine matt schimmernde schwarze Perle.

»Werden Sie mir jetzt noch von meiner Mutter erzählen können, Monsieur Armand?«, fragte Stella. Sie sah besorgt in das Gesicht des Todkranken. Er hatte die Augen geschlossen.

»Ja, Stella, ich werde dir unsere Geschichte erzählen, Olivias und meine.«

Stella betrachtete die schwarze Perle in ihrer Hand. Sie gehörte nun ihr. Philippe Armand hatte sie ihr geschenkt, weil er wusste, dass er sterben musste.

Philippes Hand tastete über die Bettdecke, bis sie die des jungen Mädchens erreichte. »Sag doch bitte Philippe und Du zu mir, Stella.«

»Gern, Philippe.« Stella streichelte zärtlich seine Hand.

»Und sagst du mir auch noch, Stella, woher du weißt, dass deine Mutter damals nicht gestorben ist?«

»Mein Vater soll bei einem Jagdunfall im Moor umgekommen sein. Alles um seinen Tod war mysteriös und unheimlich. Ich wurde zur Beerdigung aus meinem Internat in Lausanne nach Schottland gerufen, auf unser Schloss Ferrymoore. Dort war das Leben für mich immer schon bedrückend. Und nach dem Tod meines Vaters schien alles noch düsterer zu werden.«

Und dann erzählte Stella Philippe, von der Erbschaft, von Lady Laura Haggart, von dem Porträt, das Philippe von ihrer Mutter gemalt hatte, von ihrer Entdeckung in der Grabkammer, von ihrer Flucht von Ferrymoore Castle – und von Gaston.

»Liebe …«, sagte Philippe. »Es lohnt sich, allein für die Liebe zu leben. Selbst dann, wenn sie einen nur ein kurzes Stück begleitet. So wie deine Mutter und mich, Stella. Liebe ist das Schönste in dieser Welt.«

Lange Zeit herrschte Stille in dem Raum, in dem das junge Mädchen am Sterbebett des Mannes saß. Und nach einer langen Pause begann Philippe Armand seine Liebesgeschichte mit Lady Olivia zu erzählen.

***

Philippe Armand war ohne Vater und Mutter in einem Pariser Waisenhaus aufgewachsen. Einem Lehrer war Philippes künstlerische Begabung aufgefallen, und er hatte einen Gönner des Waisenhauses überredet, Philippe den Besuch der Kunstakademie zu finanzieren.

Nachdem Philippe mehrere Jahre studiert hatte, starb sein Mäzen. Philippe ging an die Riviera, wo seine Eltern herstammten. Er war inzwischen ein attraktiver junger Mann geworden. Seine Augen wirkten traurig, und sein melancholisches Wesen faszinierte die Frauen, aber Philippe kümmerte sich wenig um sie.

Er hatte sich in das Meer verliebt. Er malte es in allen Variationen.

Die Jahre vergingen, und Philippe erkannte, dass er nie ein erfolgreicher Maler werden würde, obwohl er sich ernsthaft darum bemühte. Seine Bilder wurden zwar von den Touristen gern gekauft, und er konnte ganz gut von dem Erlös leben, aber er würde nie berühmt und reich werden.

Inmitten der Rosenfelder an den sonnigen Hängen von Grasse, ein paar Kilometer über Cannes, lebte Bernadine Vanell, Besitzerin einer kleinen Gärtnerei und wie er alleinstehend. Philippe besuchte Bernadine an den Wochenenden, und eines Tages blieb er ganz bei ihr. Sie war so alt wie er und eine etwas mollige, ländliche Schönheit mit dunkelblondem kurzen Haar.

Philippe war mit seinem Leben weder zufrieden noch unzufrieden. Tagsüber malte er und verkaufte seine Bilder, und die Abende verbrachte er mit Bernadine. Er wusste, wie sehr sie ihn liebte, er fühlte sich bei ihr geborgen, sie las ihm jeden Wunsch von den Augen ab, und sie fragte nicht, ob er sie heiraten würde.

Eines Tages lud ein Industrieller, dem Philippes Bilder gefielen, ihn auf seine Jacht ein und nahm ihn nach Schottland mit. Philippe betrachtete diese Einladung als einen Glücksfall, ohne zu ahnen, dass er in Schottland seinem Schicksal begegnen würde.

Philippe Armand, der bisher nur das heitere Mittelmeer gekannt hatte, war von dem düsteren Atlantik fasziniert. Dieser entsprach der schwermütigen Veranlagung des Malers.

Mit seiner Staffelei wanderte Philippe an der Küste entlang, malte das Meer, die Fjorde und die Klippen. So kam er auch in das Dorf Ferrymoore, das zwischen dem Meer und einem sich weit ausdehnenden Hochmoor lag.

Hier fiel ihm das wuchtige alte Schloss auf, das wie ein drohender Schatten über dem tiefer gelegenen Dorf stand. Im Gasthof, wo er sein Frühstück einnahm, fragte er nach dem Namen des Schlossherrn.

Die ohnehin schon mürrische Miene des Wirts verfinsterte sich noch mehr. »Sir Henry Douglas«, antwortete er kurz, und es klang wie ein Knurren.

Philippe schloss daraus, dass man hier über den Schlossherrn nicht gern Auskünfte gab.

Wenig später wanderte der Maler auf den Klippen am Meer entlang. Schwere dunkle Wolken zogen dicht über ihn dahin. Der Wind blies rau, obwohl es Juni war. Philippe ließ sich auf einem Felsvorsprung nieder und begann, das drohend in den wilden Wolkenhimmel ragende Schloss vor dem Hintergrund des Meeres zu malen.

Er war so vertieft in seine Arbeit, dass er nicht auf den Pfad achtete, der zu seinem Platz führte. Plötzlich berührte eine kalte Nase seinen Nacken. Philippe fuhr herum und sah vor sich einen großen braun-weiß gefleckten Jagdhund stehen, der freudig mit dem Schwanz wedelte.

Ein hochgewachsener Mann kam hinterher. Sein Gesicht war hager, sein Haar rotblond, genauso sein Knebelbart. Mit einem kurzen Nicken erwiderte er Philippes Gruß. Philippe aber suchte ein Gespräch.

Der Jäger betrachtete das fast fertige Bild des Schlosses. »Ist es zu haben?«, fragte er.

»Gefällt es Ihnen?«, fragte Philippe zurück.

»Ich verstehe nichts von Kunst.« Der Jäger zuckte mit den Schultern. »Aber ich möchte das Bild meiner Frau schenken. Was kostet es?«

»Ich schenke es Ihnen!«, sagte Philippe spontan. »Es ist aber noch nicht fertig. Wohin soll ich es Ihnen bringen?«

Der Jäger deutete auf das Schloss. »Ich bin Sir Henry Douglas, der Besitzer von Schloss Ferrymoore.«

Philippe fiel auf, dass der Herr von Ferrymoore genauso trocken und unfreundlich war wie seine Dörfler. Der Maler konnte das aber verstehen. Die karge Landschaft prägte ihre Menschen.

Es überraschte ihn, als er Sir Douglas nach einigem Zögern sagen hörte: »Wenn Sie nichts Besseres vorhaben, dann kommen Sie heute Nachmittag zu uns zum Tee. Lady Olivia wird sich freuen, einen Künstler empfangen zu können.«

Das war das erste Mal, dass Philippe den Namen der Frau hörte, die sein ganzes Leben verändern und seine große und einzige Liebe werden sollte.

***

Philippe schätzte Sir Douglas auf etwa vierzig Jahre und stellte sich deshalb die Schlossherrin von Ferrymoore als eine Dame mittleren Alters vor, ebenso hager und wortkarg wie ihr Gatte.

Mit dem fertigen Ölbild stieg der Maler pünktlich zur angegebenen Stunde die Freitreppe zu Schloss Ferrymoore hinauf und betätigte den schweren Eisenklopfer am Portal.

Knarrend öffnete es sich, und ein Butler in brauner Livree mit grünen Aufschlägen verneigte sich vor ihm und brachte ihn durch einen langen Gang mit vielen Ritterrüstungen in eine große Halle. An den rau verputzten Wänden hingen Jagdtrophäen, und eine breite Treppe führte in den ersten Stock.

Schweigend begleitete der Butler Philippe in ein großes Zimmer. Der Tag war frostig. Im Kamin loderten Flammen, ihr roter Widerschein flackerte über die Wände. Die Stühle um den Kamin zeigten strenge Linien, ihre Gobelinüberzüge waren Kostbarkeiten. Auch die Truhe unter dem einen der hohen Fenster hatte Altertumswert. Auf den Dielen lagen Eisbärfelle.

Die Flügeltür wurde geöffnet, und Philippe erblickte seine Gastgeber und dessen Gattin. Er war so verblüfft, dass er zunächst ganz vergaß, sich zu verbeugen. Lady Olivia Douglas war keine große, hagere Frau. Neben dem hochgewachsenen Schlossherrn erschien sie so zierlich wie ein Püppchen.

Sir Henry trug jetzt einen Kilt, Lady Olivia einen weißen Sari mit Goldstickerei. Philippe hatte in Paris und an der Riviera viele schöne Frauen gesehen, aber keine hielt dem Vergleich mit diesem aparten Geschöpf stand, das wie eine Prinzessin aus einem orientalischen Märchen wirkte.

Lady Olivias Teint war bräunlich, das blauschwarze Haar war in der Mitte gescheitelt, straff von den schmalen Schläfen gekämmt und im Nacken zu einem dicken Knoten aufgesteckt. Um den Hals trug sie eine Kette schwarzer Perlen, die Philippes Blick besonders anzog. Philippes Malerinstinkt erfasste sofort das Geheimnisvolle, Rätselhafte an Lady Olivias Persönlichkeit.

Erst als der Maler die zarte Röte sah, die sein stummes Anstarren auf den Wangen der hübschen Frau hervorrief, und den zynischen Zug um Sir Henrys Mund, riss er sich zusammen und verneigte sich tief vor der ...

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