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Die Schuhliebhaberin

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. 1
  5. 2
  6. 3
  7. 4
  8. 5
  9. 6
  10. 7
  11. 8
  12. 9
  13. 10
  14. 11
  15. 12
  16. 13
  17. 14
  18. 15
  19. 16
  20. 17
  21. 18
  22. 19
  23. 20
  24. 21
  25. 22
  26. 23
  27. 24
  28. 25
  29. 26
  30. 27

1

Der junge Bauarbeiter drehte das große Pappstraßenschild von »Langsam« auf »Stopp«. Amanda hätte gerade noch durchrutschen können, aber sie trat lieber auf die Bremse und kam etwa anderthalb Meter vor dem jungen, schlaksigen Kerl zum Stehen. Unter seinem Helm wirkte sein Gesicht jung und verletzlich. Er war wohl kaum älter als achtzehn oder neunzehn. Vielleicht ein Student, der sich während der Sommerferien etwas dazuverdiente. Er war gebräunt und arbeitete mit nacktem Oberkörper. Ein Kreis drahtiges dunkles Haar umgab jeweils die beiden kleinen harten Brustwarzen. Ein paar verirrte Haare wuchsen auf der Brust. Seine Unterhose lugte ein paar Zentimeter über seine Arbeiterhose und den tief hängenden Werkzeuggürtel. Ein Schweißtropfen rann von einer Achselhöhle über seinen Brustkorb hinab. Amanda ließ das Fenster herunter und atmete tief durch. Leider bekam sie nur den Geruch nach heißem Teer und Baustellenstaub in die Nase. Eine dünne, gerade Linie aus dunklen Härchen verlief vom Nabel des Teenagers bis zum Bund seiner Unterhose. Amandas Fantasie folgte dieser Linie weiter hinab.

Im Gegensatz zu dem bulligen Bär von einem Mann, der drei Meter weiter eine Betonplatte mit einem Vorschlaghammer bearbeitete, machte der junge Mann auf Amanda nicht den Eindruck, als ob er alt genug oder stark genug für harte Arbeit wäre. Sie fragte sich, ob die älteren, raubeinigen Männer hin und wieder den weichen und verletzlichen Jungen ausnutzten. Vielleicht nahmen sie ihn manchmal mit in einen der Bauwagen, in denen die Arbeiter ihr Werkzeug aufbewahrten, um ihn dort dann wie eine Flasche billigen Schnaps rumgehen zu lassen, und zwangen ihn, den Kerlen reihum einen zu blasen. Oder sie zwangen ihn, sich über einen Sägebock zu legen, und rammten ihm ihre dicken, riesigen Schwänze bis zum Anschlag in den engen jugendlichen Arsch.

So eine Erfahrung konnte einen jungen, beeinflussbaren Mann nachhaltig prägen und für Verwirrung sorgen. Vielleicht zweifelte er dann sogar an seiner Männlichkeit. Was er wirklich brauchte, war eine reife, zugleich aber verführerische ältere Frau, die ihn in die Hand oder den Mund nahm … eine wollüstige Frau, die nichts von ihm verlangte. Die nichts von ihm wollte außer der Befriedigung ihres überwältigenden Verlangens und einem guten, harten …

Hinter ihr plärrte die Hupe eines Autos. Der Junge, der gerade ihre Fantasie so beschäftigt hatte, winkte ihr, sie solle weiterfahren. Sein Schild hatte sich von »Stopp« längst wieder auf »Langsam« gedreht. Amanda beschleunigte ihren Lexus und fuhr im Schritttempo durch die Baustelle. Sie warf nur ein paar flüchtige Blicke auf die hünenhaften, gebräunten und verschwitzten Bauarbeiter.

»Unmenschen«, murmelte sie. Eigentlich war das ein Kompliment.

Inzwischen war sie links auf die Argos Road abgebogen, fuhr nach rechts in den Jason Way und hielt schließlich in der Einfahrt von Nummer 247. Ihre Gedanken kreisten derweil nicht mehr bloß um den schlaksigen Jungen, sondern auch um den riesenhaften Mann. Das Szenario, das sie vor ihrem inneren Auge entwarf, war im Grunde recht spannend, fühlte sich jedoch gleichzeitig unheimlich an.

Amanda war während ihrer Jugend nicht nur geil auf Sex gewesen, sondern hatte auch eine gewisse Neigung entwickelt, sich zu unterwerfen. Und auch jetzt war sie, wenn sie sich in ihren Tagträumen Sex mit älteren Männern wie ihrem eigenen Ehemann Roger vorstellte, ständig zumindest gehorsam. Aber wenn sie sich Sex mit Männern vorstellte, die jünger als sie waren (und zwar viel jünger!), dann war es inzwischen immer sie, die vorgab, was getan wurde. Es fühlte sich daher seltsam an, sich beides gleichzeitig vorzustellen, aber das machte es zu ihrem Vergnügen noch erregender.

Was sollte sie also tun? Sie rutschte unruhig auf dem butterweichen Ledersitz herum. Oh ja, sie wollte Sex. Amanda hatte also zwei Möglichkeiten: Sie könnte ein wasserfestes Sexspielzeug mit in die Badewanne nehmen oder sich rasch mit ihrem Vibrator oder ihren geschickten Fingern auf dem Bett vergnügen. Das zählte übrigens als eine Möglichkeit, nicht zwei, denn in beiden Fällen ging es um Selbstbefriedigung. Oder … Nun, sie könnte diese Erregung in den kommenden Stunden auskosten, indem sie sich darauf vorbereitete, Roger heute Abend nach allen Regeln der Kunst zu verführen. Wenn sie Roger bloß dazu bewegen konnte, einmal zu einer vernünftigen Zeit nach Hause zu kommen! Sie wusste, dann konnte sie ihn auch zu allem anderen verführen. Letzteres wäre ihr übrigens lieber, aber ihr armer Mann hatte in letzter Zeit ständig bis spät in die Nacht gearbeitet. Geld, Geld, Geld, immer ging es nur ums Geld.

Amanda spielte mit dem Bettelarmband an ihrem Handgelenk. Er hatte ihr gesagt, das solle sie immer dann tun, wenn sie keine Geduld mehr für ihn und seine Arbeit aufbrachte. Die einzelnen Anhänger ergaben das Wort »W-A-R-T-U-N-G-S-I-N-T-E-N-S-I-V« – das waren ziemlich viele Anhänger, wenn man bedachte, dass das Armband aus 18-karätigem Gold war. Es war sein Geschenk zum ersten Hochzeitstag gewesen. Sie hatte verstanden, was er damit meinte – für jede Ehe musste man viel tun …

Sobald sie das Haus betreten hatte, rief sie Roger im Büro an. »Liebling? Wie wär’s heute Abend mit einem T-Bone-Steak vom Grill?«

»Klingt super. Ich gebe mir Mühe, pünktlich zu kommen.« Er klang wie immer sehr froh, von ihr zu hören.

»Weißt du schon, wann du ungefähr kommst? Ich will uns einen besonders schönen Abend machen, schließlich habe ich dich die ganze Woche kaum gesehen …« Sie hauchte die Worte verführerisch ins Telefon.

Leise knurrte er: »Besonders schön, ja?«

»Du weißt genau, was ich meine«, schnurrte sie.

»Und wie ich das weiß. In dem Fall kannst du mich um sieben erwarten, okay?«

»Die Steaks sind dann fertig. Und ich auch … Sieben Uhr klingt gut. Wenn du irgendwie aufgehalten wirst …«

»Das wird nicht passieren. Ich lasse es einfach nicht zu.« Er zögerte. »Ich habe dich vermisst, Schatz.«

»Ich dich auch.«

Sie legte auf. Schon jetzt kribbelte es in ihrem Bauch vor lauter Vorfreude. Als sie damals einen älteren Mann geheiratet hatte, hatten ihre Freundinnen sie gewarnt, dass ihr Liebesleben darunter leiden würde. Vielleicht bekam sie nicht so oft Sex, wie sie es sich wünschte, aber wenn sie sich liebten, war Roger sehr gründlich. Er kannte sie in- und auswendig, und das bezog sich nicht nur auf ihren Körper, sondern auch auf ihren Verstand. Prickelnde Erregung erfasste sie. Verdammt, es wäre wirklich toll, endlich mal jemanden bei sich zu haben, wenn sie kam. Das wäre mal was anderes.

Es war auch nicht Rogers Schuld, dass sie so geil auf Sex war. Sie war nicht immer so gewesen. Sosehr Amanda es um die zwanzig genossen hatte, Sex zu haben, hatte es bis zu ihrem 30. Geburtstag gedauert, das sie anfing, es wirklich heftig zu brauchen. Vielleicht hatte sie sich als junge Frau zu sehr den romantischen Träumereien hingegeben, um ernsthaft über den Wert von gutem Sex nachzudenken. Ein paar echte Luschen hatte sie schon im Bett gehabt.

Die Ehe, die für viele Frauen wie eine enge Koppel war, in die sie eingesperrt wurden, hatte sich für Amanda als weite, offene Prärie erwiesen. Obwohl sie natürlich nur einen Hengst hatte, mit dem sie spielen durfte. Aber diesen Hengst durfte sie vielleicht noch heute Abend mit nach draußen nehmen, damit er sich austobte.

Amanda schob diesen Gedanken beiseite und machte sich an die Vorbereitung des Abendessens. Die meisten Frauen in ihrem Alter hätten sich glücklich geschätzt, wenn sie nur einmal ein Liebesspiel erfahren durften, das sie alle drei bis vier Wochen hatte. Jedenfalls sorgten dieser Sex und ihre tägliche Selbstbefriedigungsroutine dafür, dass sie sich sehr ausgeglichen und zufrieden fühlte. Es war vielleicht nicht perfekt, aber doch ziemlich befriedigend. Gewissermaßen befriedigend? Halbwegs befriedigend?

Geringfügig unbefriedigend?

Verflucht soll dieser junge Bauarbeiter mit seiner verführerisch schmalen Brust und diesem verlockenden kleinen Haarstreifen zwischen Nabel und Unterhose sein!

Amanda holte die Steaks aus dem Kühlfach, marinierte sie und bereitete zwei große Ofenkartoffeln vor. Sie rührte einen griechischen Salat an, öffnete eine Flasche Bull’s Blood, damit der Wein atmen konnte, und ging anschließend nach oben. Für sie war dies der Moment, in dem das Liebesspiel bereits begann – während sie sich ausgiebig darauf vorbereitete. Von dem Augenblick an, wenn sie ihre Alltagsklamotten ablegte und in den Wäschekorb warf und vollkommen nackt ins Badezimmer stolzierte, machte sie mit Roger bereits Liebe, obwohl er nicht da war und erst in ein paar Stunden nach Hause kam.

Sie gab Sandelholzöl und Vanillearoma in die Wanne mit dem dampfenden Wasser, weil Roger diese Düfte mochte. Aus den Düsen des Jacuzzi sprudelte das Wasser und brodelte auf ihrer Haut. Ihre Sinne erwachten wieder zum Leben. Auch das tat sie für Roger. Sie nahm für ihn einen Waschlappen und drehte ihn zu einer engen Spirale, die sie tief in sich einführen konnte, um sich gründlich von innen zu säubern. Sie wollte Roger gefallen, deshalb enthaarte sie sorgfältig ihre Scham und glättete ihre Ellbogen und Füße mit einem Bimsstein. Weil sie ihr Begehren für ihn aufheben wollte, erlaubte sie dem brodelnden Wasserstrom aus einer Düse nur wenige Minuten, über ihre Schamlippen hinwegzustreicheln, statt sich von dem Trommelfeuer der Lust vollends fortreißen zu lassen.

Als Amanda das Gefühl hatte, von innen voller Energie, Sauberkeit und Begehren zu glühen, kletterte sie aus dem Jacuzzi und stellte sich unter die Dusche. Sorgfältig wusch sie ihre Haare. Roger liebte ihre blonde Mähne mit den unterschiedlichen Schattierungen. »Wie Marmelade mit Stückchen«, nannte er die Farbe gern.

Nachdem sie ihren Körper sorgfältig abgetrocknet und eingecremt hatte, blieb sie nackt. Sie genoss es, sich zu pflegen und aufwendig für ihn zurechtzumachen. Roger liebte ihren Narzissmus; manchmal ermutigte er sie sogar dazu. Und genau das war der Grund, weshalb sie diese Stunden vorher so sehr genoss. Wenn sie nicht schon so lange zusammen wären und wenn sie nur ein bisschen jünger wäre und nicht seine erste und einzige Ehefrau, hätte Amanda glauben können, dass sie für ihn nur eine Trophäe war. Amanda war stolz auf ihren Körper.

Nachdem sie ihre kinnlange Mähne geföhnt und ein wenig antoupiert hatte, legte sie geschickt etwas violetten Lidschatten auf und tuschte ihre Wimpern doppelt mit wasserfester Mascara. Aus dutzenden Lippenstiften wählte sie einen kirschroten aus, zu dem sie auch einen passenden Nagellack besaß. Ihre Lippen wurden dreimal angepinselt, die Nägel von Fingern und Zehen mit zwei Lackschichten bedacht.

Jetzt war der Moment gekommen, sich für das richtige Outfit zu entscheiden. Amanda stellte sich ihren begehbaren Kleiderschrank vor, obwohl er nur wenige Meter entfernt war. Da sie inzwischen über dreißig war, musste sie schließlich ihr Gedächtnis trainieren, denn sie wollte nicht irgendwann vollständig verblöden. Das hier machte jedenfalls deutlich mehr Spaß, als irgendwelche Gedichte auswendig vor sich hin zu murmeln.

Sie würden heute Abend auf der Terrasse direkt neben dem Pool essen. Der dichte, vier Meter hohe Flechtzaun aus Zedernholz schützte sie vor ungebetenen Blicken, weshalb sie sich keine Gedanken darüber machen musste, ob ihr Outfit »angemessen« war. Wenn sie ehrlich war, stand ihr der Sinn nach hohen Stilettos, einer hauchzarten schwarzen Strumpfhose, einer knappen Korsage und einem Kropfband aus Samt, aber irgendwie schien das nicht das Richtige für ein Essen im Freien. Nackt bis auf Riemchensandalen wäre eine verlockende Möglichkeit, aber wenn sie Roger so vollkommen nackt begrüßte, würde er keine Zeit mit dem Abendessen verschwenden. Und Roger brauchte doch gutes Eiweiß, wenn er diesen Abend bestreiten wollte. Für seinen Blutzucker war es auch besser, wenn er regelmäßig aß. Außerdem liebte sie es, ihn auf sie warten zu lassen, während er immer geiler auf sie wurde, ehe er es irgendwann nicht mehr abwarten konnte und einfach zur Tat schritt.

Sie besaß einige Bikinis. Zwei waren zu knapp, um sie in der Öffentlichkeit zu tragen. Für eine private Party waren sie allerdings gut geeignet, aber das passte nicht zu ihrer Stimmung. Außerdem wollte sie nicht schwimmen gehen, wasserfeste Mascara hin oder her. Nachdem sie aber die Idee verworfen hatte, ihren Mann als »Edelnutte« daheim willkommen zu heißen, kam sie auf die Idee, sich als »vollkommene Schlampe« zu geben.

Sie sah es geradezu vor sich, was sie tragen wollte. Es befand sich ganz hinten im begehbaren Kleiderschrank, dort, wo sie die letzten Sachen aus ihrer Vergangenheit versteckt hatte, die wegzuwerfen sie einfach zu sentimental war. Eine kurze Suche brachte ein paar Sachen ans Tageslicht, die sie nicht mehr getragen hatte, seit sie fünfzehn gewesen war. Fast hätte sie vergessen, dass sie diese Sachen noch besaß! Zum verwaschenen Jeansmini wollte sie eine passende Fliegerjacke tragen. Die Sachen hatte sie versteckt, weil ihre Eltern ihr verboten hatten, sie zu tragen. Damals hatten sie behauptet, Amanda sähe darin billig aus. Das war perfekt für den Look, den sie heute haben wollte.

Es gelang Amanda, den Reißverschluss des Rocks zu schließen, obwohl er jetzt ein bisschen enger war als damals. Die Jacke bekam sie nicht zu. Nicht mal, wenn sie es unbedingt wollte – aber das war okay. Im kurzen Rock posierte sie vor ihrem Spiegel. Früher hätte man ihn skandalös kurz gefunden, aber heute …

Weil ihr egal war, was nach diesem Abend mit dem Rock passierte, kürzte sie ihn einfach rundweg um zwölf Zentimeter. Also, das war mal kurz! Wenn sie sich vorbeugte, wurden die beiden Halbmondrundungen ihres rosigen Hinterns entblößt. Auf Roger wartete ein großartiger Abend.

Amanda entschied sich für ein Paar Bastsandalen mit zwölf Zentimeter hohen Absätzen aus ihrer Kollektion von 122 Paar Schuhen. Sie genoss es. Nicht nur, dass sie mit dem Besitzer von 31 Schuhgeschäften verheiratet war, sie hatte außerdem Füße, die genauso groß waren wie die Musterschuhe! Amanda hatte seit über acht Jahren keinen Cent mehr für Schuhe ausgeben müssen. Es war eigentlich eine Schande, dass Rogers Kette nie die Schuhe ans Lager nahm, die er ihr mit nach Hause brachte. Er hatte ihr mehr als einmal erklärt, diese Schuhe seien einfach zu extrem für die konservative Klientel von Forsythe Footwear. Sogar einfache Pumps wurden abgelehnt, wenn die Absätze höher als acht Zentimeter waren. Amanda bezweifelte, dass Roger das beurteilen konnte, aber er war unerbittlich, und schließlich machte seine Familie seit drei Generationen »in Schuhen«, weshalb er wissen musste, worüber er sprach.

Die Schuhe waren schuld, dass sie zusammengekommen waren. Sie waren sich hier in ihrer gemeinsamen Heimatstadt Toronto begegnet. Im Bata Shoe Museum hatten sie gleichzeitig ein Paar glitzernde Schuhe aus der Zeit Ludwigs XV. bewundert. Sein Interesse am Verkauf und ihr Interesse am Tragen von Schuhen hatte zu einer stürmischen Werbung geführt, die in lebhafte Flitterwochen mündete. Inzwischen war dieses Lebhafte eher selten in ihrer Ehe anzutreffen, aber das hatte vermutlich mehr damit zu tun, dass er ständig überarbeitet und abgelenkt war, und nicht mit einem Schwinden seiner Lust.

Aber heute Nacht, da gab es keine Ausreden!

Amanda widmete sich ihren Füßen und rieb sie mit einer zarten Lotion ein, ehe sie ihre glatten, kleinen Füße in die Sandalen schlüpfen ließ. Sie ging nach unten. In ihrem Zustand der erwartungsvollen Erregung war allein das Hinabsteigen der Treppe geradezu aufregend. Bei jedem Schritt huschte etwas Luft unter ihren Rock und quälte ihr nacktes Geschlecht. Jeder Schritt erinnerte sie daran, was für ein verflucht böses Mädchen sie war. Junge, Junge!

Amanda hatte gerade die gewürzten Steaks auf den Grill gelegt und die Mikrowelle eingeschaltet, als sie hörte, wie die Haustür aufging. »Du kommst gerade richtig, um vorher schnell zu duschen, Schatz!«, rief sie. »Dein Bademantel hängt hinter der Badezimmertür! Wir geben uns heute ganz ungezwungen, mehr brauchst du nicht!«

»Ich verstehe den Wink mit dem Zaunpfahl, du brauchst nichts weiter zu erklären!«, rief er zurück.

Amanda eilte geschäftig zwischen Terrasse und Küche hin und her. Die Vorfreude machte sie ganz beschwingt. Sie kümmerte sich um die Steaks. Die Mikrowelle gab ein Ping von sich, und sie nahm die Kartoffeln heraus, schnitt sie auf und gab Sour Cream und gehackten Schnittlauch drauf. Als sie den Wein eingoss und eine Schale mit Erdbeeren und Sahne auf den Tisch stellte, gesellte Roger sich zu ihr.

»Lecker«, sagte er.

»Die Steaks sind genau so, wie du sie magst.«

»Ich rede nicht von den Steaks, sondern von dir.« Seine Finger hoben einen Schoß ihrer Jacke, um ihre Brust zu entblößen. »Nachtisch?«

Sie wies mit einem Nicken auf die Schüssel. »Erdbeeren mit Sahne.«

»Deine sahnige Haut und dazu die erdbeerrosigen Nippel?«

Spielerisch schlug sie seine Hand beiseite. »Nein, du Dummkopf. Richtige Erdbeeren mit Sahne.«

»Wenn du brav bist«, flüsterte er ihr ins Ohr, »darfst du meine Schüssel sein.«

»Ich bin brav«, erwiderte sie und klimperte mit den Wimpern. Kokett blickte sie ihn von der Seite an. »Ich werde sogar sehr brav sein.«

Er setzte sich ihr gegenüber an den langen rustikalen Tisch. Amanda setzte sich zu ihm.

»Hübscher Ausblick«, bemerkte er.

»Iss dein Abendessen.« Sie schob ihm sein Weinglas herüber.

Roger schien sein Steak blind zu essen, er schnitt und schob sich die Stücke in den Mund, ohne den Blick von ihrem tiefen Ausschnitt zu lassen. Etwas derart Schmeichelhaftes gehörte natürlich belohnt. Amanda zog die Füße aus den Schuhen und streckte die Beine aus. Sie legte beide Fußsohlen auf Rogers nackten Spann.

»Hübsche Füße«, sagte er.

»Danke schön.« Sie fuhr mit den Zehen ihres rechten Fußes an seiner linken Wade nach oben. Er drückte sein Kreuz eine Winzigkeit durch, weil ihm gefiel, was sie machte. Die Sohle ihres linken Fußes wanderte derweil an seinem linken Schienbein nach oben. Als ihre Füße zwischen seinen Knien angelangt waren, drückte sie seine Knie mit den Füßen auseinander.

Roger leckte sich die Lippen.

Amanda musste mit dem Hintern auf ihrem Stuhl nach vorne rutschen, damit sie beide Füße unter Rogers Oberschenkel schieben konnte. Langsam schob sie so seinen Bademantel auseinander.

»So weich«, seufzte er. »Du hast seidig weiche Haut.«

Ihre rechte große Zehe grub sich sanft unter und zwischen Rogers Hoden. Sie wackelte mit der Zehe. Jetzt legte er die Gabel beiseite. Sein Mund wurde schlaff. Amandas linker Fuß gesellte sich zum rechten, und sie drückte ihn tief in die heiße Tasche unterhalb seines beeindruckend großen Hodensacks. »Hübsch, sagst du?«, fragte sie.

»Mhm.«

»Wie ist das hier?« Ihre Füße zogen sich einige Zoll zurück. Sie drehte die Fußsohlen nach innen, sodass sie mit beiden Füßen seine Erektion streicheln und massieren konnte. Es fühlte sich unglaublich berauschend an, ihn ausgerechnet mit ihren am weitesten entfernten Extremitäten so sehr zu erregen. Zumal sie ihre hübschen kleinen Füße nicht gerade besonders anziehend fand.

Roger lehnte sich zurück und rutschte auf der Sitzfläche weiter nach vorn. Er kippte den Wein gierig herunter.

Mit dem Ballen ihres linken Fußes drückte sie seinen Schaft in die Vertiefung vom Fußrücken ihres rechten Fußes. Sie begann, den linken Fuß auf und ab zu bewegen. Auf und ab. Amanda beobachtete Rogers Gesicht. Er gab es auf, das letzte Steak essen zu wollen. Seine Hände umschlossen die Tischkante. Die Augen wirkten seltsam verloren und blickten ins Leere. Amanda streichelte ihn schneller. Ein leises Runzeln der Stirn zwischen Rogers Augen gab seinem Gesicht einen unglaublich intensiven Ausdruck. Er sog die Luft scharf ein …

Und Amanda machte eine Pause.

Roger knurrte.

»Ich könnte damit weitermachen, bis du auf meine Zehen abspritzt, wenn du willst«, bot sie ihm an.

Er räusperte sich. »Klingt verlockend, aber tu das lieber nicht. Ich will dich heute Abend nach allen Regeln der Kunst lieben, Amanda.«

Sie hob eine Augenbraue. »Ach, willst du? Warum denn?«

»Weil du das erotischste kleine Luder bist, das sich ein Mann nur wünschen kann. Das weißt du verdammt genau, stimmt’s?«

»Ich höre das jedenfalls gern. Wie willst du mich denn lieben? Erzähl es mir, Liebling. Ich liebe es, wenn du schmutzige Sachen aufzählst.« Ihre Zehen packten erneut seinen Schaft, weil sie es liebte, die Hitze und die seidige Haut zu spüren.

»Missionarsstellung, von hinten, von der Seite, hart und schnell, tief und langsam, liebevoll und wie ein verrücktes Tier – und du solltest besser mal aufhören mit dem, was deine Füße gerade tun, sonst komme ich.«

»Das bekomme ich kleines Mädchen alles von dir geboten?«, neckte sie ihn. Amanda ließ von ihm ab und stieg auf ihren Sitz. Ganz langsam hob sie ihren Rock die wenigen Zoll, die sie ihn heben musste, um ihm ihre nackte rosige Scham zu präsentieren. »Willst du das hier?«

Seine Stimme brach, als er antwortete: »Das weißt du.«

»Und das?« Sie drehte sich um und beugte sich mit ausgestreckten Beinen vor, um ihm ihr Hinterteil zu präsentieren.

»Amanda!«

Sie wandte sich ihm erneut zu und zog einen Schmollmund. »Und meinen Mund, willst du den auch? Es gab Zeiten, da hast du es geliebt, meinen Mund zu nehmen.«

»Amanda, ich liebe deinen Mund.«

»Du liebst es, mich in den Mund zu ficken, stimmt’s?«

»Und ihn zu küssen«, verteidigte er sich.

»Beides ist gut.« Sie schaute auf seinen Teller. »Brauchst du dafür noch lange?«

»Keinen Augenblick länger.«

Er stand auf und schlang seine Arme um Amandas nackte Oberschenkel.

»Lass mich los, du Wüstling!«, quietschte sie.

Roger spielte mit. Er verstellte seine Stimme und ließ ein dramatisches, von viktorianischen Schauermärchen inspiriertes Lachen hören. »Zu spät, meine Liebe. Jetzt bist du in meiner Gewalt.«

»Oh nein!«

Er trug sie zum anderen Ende des Tischs und legte sie darauf nieder. Amanda lag auf dem Rücken, die Holzplatte war schrecklich hart. Irgendwie machte das die Vorstellung, von ihm zerdrückt zu werden, noch aufregender. Roger presste seinen Mund auf ihren und küsste sie, bis sie unter ihm erzitterte. Als er von ihr abließ, war ihre Vorfreude von einem viel intensiveren Gefühl überlagert worden – wildes Verlangen hatte sie erfasst.

Sie blickte zu ihm auf. Die Lider hielt sie halb geschlossen über den hellblauen Augen. »Was willst du mit mir tun, du Monster?«

»Das hier.« Er hob ihre Fersen und drückte sie weit auseinander. Obszön entblößte er ihre Scham seinem bewundernden Blick. Roger hielt sie so fest und beugte sich zum verführerischen Geschlecht seiner Frau hinab.

»Oh Gott, Roger, bitte …«, stöhnte sie.

»Mhm.« Seine Zungenspitze fuhr von der Runzel zwischen ihren Hinterbacken über ihren straffen Damm hinauf zu den nassen Schamlippen, die voller Vorfreude geradezu flatterten. »Lecker!« Seine Zunge tauchte tief in sie ein.

Amanda hielt den Atem an. Sie wollte ihn bitten, noch weiter oben zu lecken, zugleich wollte sie ihn aber nicht zur Eile antreiben. Es hätte im Übrigen nichts gebracht. Er liebte es genauso sehr wie sie, den größten Genuss möglichst lange hinauszuzögern.

Seine Zunge glitt vor und zurück. Roger hatte ihr schon oft gesagt, wie sehr er es liebte, ihre Säfte aufzulecken, und obwohl es eine Weile her war, seit er ihr dieses Kompliment gemacht hatte, schien er den Geschmack an ihr nicht verloren zu haben. Seine Hände glitten hinauf. Er schob ihre Knöchel über ihrem Kopf zusammen und umfasste sie mit einer Hand. Was machte er denn jetzt? Er griff nach links. Ach ja … Die Erdbeeren und die Sahne!

Amanda spürte, wie etwas Kaltes die empfindliche Haut rund um ihr Geschlecht berührte. Es verschwand und wurde augenblicklich von seiner Zunge ersetzt. Das war was völlig Neues! Er hatte noch nie Sahne in ihr verteilt, um sie dann gründlich aufzulecken. Alte Hunde konnten also doch noch was lernen.

Dann verteilte er die Sahne mit dem Löffel auf ihrem Knöpfchen. Oh ja! Und irgendwas wurde in sie hineingeschoben. So wie es sich anfühlte, musste es eine ziemlich große Erdbeere sein, mit der er ihre Möse bearbeitete. Es fühlte sich merkwürdig an. Da war einerseits die raue Oberfläche der Erdbeere, andererseits die kühle, weiche Sahne, die ihre heiße, samtige Möse erfüllten, die sich der Form der Erdbeere perfekt anpasste. Sobald Roger mit der Erdbeere den richtigen Rhythmus gefunden hatte, die sich in ihr rein und raus bewegte, legte er seine Lippen auf ihre von Sahne bedeckte Klit. Er saugte und leckte und knabberte an ihr. Ihre Erregung wuchs, es wurde immer mehr, bis …

Er machte eine Pause.

»Hör nicht auf!«

»Sagst du ›bitte‹?«

»Bitte?«

»Du musst schon darum betteln.«

»Ich bettle doch. Lass mich bitte, bitte kommen, Roger. Ich kann danach nochmal kommen, das weißt du. Bitte.« Ein irrationaler Teil von ihr fürchtete, er könnte tatsächlich genau jetzt aufhören und sie an dem Orgasmus hindern, der in ihrem Unterleib lauerte und nur darauf wartete, endlich ausbrechen zu dürfen.

»Wenn das so ist …« Er begann, sie wieder zu lecken.

Amanda spürte, wie seine Fingerspitzen sich hinter ihrem Schambein nach oben schoben und ihren G-Punkt massierten. Sie schluchzte vor Erleichterung auf. »Oh ja, Roger«, keuchte sie. Der Orgasmus rauschte heran. »Ja, ja, ja … JA!«

Ihre Beine versuchten, in die Luft zu treten, aber Roger hielt sie eisern fest. Die heftigen Kontraktionen in ihrem Innern schienen sie vollends zu lähmen. Sie stöhnte bei jedem Zucken auf. Erleichterung vermischte sich mit Befriedigung. Oh, es fühle sich so verdammt gut an, von seinen Händen zum Höhepunkt gebracht zu werden und nicht von ihren eigenen. So verdammt gut. Erst als das letzte Beben verklungen war, ließ er ihre Knöchel los. Sie sank auf dem Tisch zusammen, als sei sie von Sonne und Sex innerlich geschmolzen.

»Du bist der Beste, Süßer«, schnurrte sie mit halb geschlossenen Augen. »Der Allerbeste.«

»Danke schön.« Er ragte über ihr auf und biss in die Erdbeere, mit der er sie befriedigt hatte. »Willst du mal probieren?«

Sie nickte verträumt.

Er hielt die Erdbeere an ihre Lippen. »Das sieht sexy aus – wie deine Lippen sich um die Erdbeere schließen«, meinte er.

»Lass mich aufstehen, dann zeige ich dir was, das noch viel erotischer ist.«

Roger trat beiseite.

»Jetzt bist du an der Reihe, dich auf den Tisch zu legen«, verkündete sie. Amanda stand auf. Sie war ein bisschen unsicher auf den Füßen. Das schmelzend lustvolle Gefühl war verschwunden, und sie wünschte sich mehr als alles andere auf der Welt, es noch einmal durchleben zu dürfen.

»Okay.« Er setzte sich mit geöffneten Beinen auf den Tisch.

»Lehn dich zurück.« Sie legte ihre kleine Hand auf seine muskulöse Brust und schob ihn nach hinten. Er legte sich auf den Rücken. Sein Bademantel klaffte auf. Nur der Gürtel verlief noch quer über seinen Bauch. Sie öffnete den Knoten, und der Bademantel war nun vollständig offen. Sie ließ ihren Blick über seinen Körper wandern wie eine Künstlerin, die eine leere Leinwand betrachtet. Amanda legte eine Erdbeere in seinen Nabel. Sie nahm zwei Batzen Sahne und klatschte sie auf seine Nippel. Wie Schnee wirkte die Sahne auf den beiden dunklen Erhebungen. Amanda lächelte ihn an. Sie wollte hören, dass er sie fragte, was sie vorhatte.

Roger schüttelte bloß leicht den Kopf und erwiderte das Lächeln. Er würde nicht versuchen, sie zur Eile anzutreiben, wie sie ihn auch nicht antrieb. Sie kannten dieses Spiel.

Amanda nahm einen größeren Batzen Sahne und verteilte ihn großzügig auf seinem großen, harten Schaft.

»Ahhhh, das fühlt sich gut an«, sagte er. Er schien sich auf dem harten Tisch etwas zu entspannen.

»Ich liebe Sahne«, erklärte sie ihm. »Deine ist mir am liebsten, aber das hier wird’s für den Moment auch tun.« Sie nahm ihn in die Hand. Zwei Finger hielten ihn an der Wurzel umfasst, während sie mit der Zunge ganz langsam von unten nach oben fuhr.

Rogers Hüfte hob sich ihr entgegen.

Ihre Lippen schlossen sich um seine Eichel. Gewöhnlich fühlte er sich in ihrem Mund heiß an, fast als habe er Fieber, doch diesmal kühlte die Sahne ihn und machte ihn ganz glitschig. Sie nickte leicht und rieb seine Spitze an ihrem harten Gaumen. Sie wusste, wie gut ihm das gefiel, und sein Stöhnen war ihr Antwort genug. Amanda fand mit der freien Hand die Schüssel mit den Erdbeeren und der Sahne. Ihre Finger tasteten nach einer großen Beere. Als sie eine gefunden hatte, fuhr sie damit noch einmal durch die Sahne, ehe sie die Spitze der Erdbeere gegen die kleine, feste Öffnung von Rogers Hintereingang presste. Er hatte ihr noch nie erlaubt, ihn dort zu penetrieren, aber es gefiel ihm, wenn sie den harten Ring aus Muskeln ein bisschen reizte.

Sie drehte die Erdbeere und übte noch ein bisschen mehr Druck aus. Währenddessen bearbeitete Amanda ihn unablässig und gewissenhaft mit dem Mund. Ihre Lippen schmatzten, die Zunge leckte, ihr Kopf wippte auf und ab, die Finger hielten ihn fest umfasst. Immer schneller und härter gab sie’s ihm, bis er mit der Eichel bei jedem Stoß gegen ihren Rachen stieß.

»Nein, nicht!«, stieß Roger hervor.

Amanda hörte auf und hob den Kopf.

»Stopp!« Er stöhnte.

»Aber ich mag es, wenn du in meinen Mund kommst.« Sie lächelte ihn an. Ihre Lippen glänzten feucht.

»Ich weiß, aber nicht jetzt, meine geliebte kleine Schlampe.« Roger rollte sich vom Tisch. Er warf den Bademantel ab. Sein nackter Körper war kräftig und stark, die Brust mit dunklem Haar besprenkelt. Die Männlichkeit ragte hart und zugleich seidig aus dem Nest krauser Schamhaare hervor. »Wir machen es anders.« Er hob sie hoch und setzte sie so auf die Tischkante, dass ihre Möse gerade so über dem Abgrund hing. Amanda lehnte sich zurück und stützte die Hände auf. Rogers linke Hand schob ihren Miniminirock einfach beiseite. Seine Rechte hielt seinen harten Schwengel umfasst und schob ihn nun zwischen ihre geöffneten Schamlippen. Seine Hüfte stieß vor, und er drang vollständig in sie ein.

Der Stoß schien von seiner Spitze bis tief in ihren Unterleib auszustrahlen. Amanda stöhnte kehlig auf.

»Ich liebe es, wenn du es mir so besorgst, Roger. Mach langsam, ja? Ich möchte, dass es lange dauert.« Sie erbebte. Ihre Jacke rutschte von den Schultern.

Roger verstand, was sie wollte. Er beugte sich vor, und seine Lippen umschlossen einen Nippel.

Sie drückte das Kreuz durch und kam ihm entgegen. »Oh ja, ja! Saug härter, bitte. Beiß mich.« Sie spürte seine Zähne, die fest genug zupackten, um ein elektrisches Zittern von ihrem Nippel bis in ihre Klit zu jagen. Zugleich war die Berührung zärtlich genug, um keinen Schaden anzurichten.

Er legte den Kopf in den Nacken, zog an ihrer Brust und ließ dann von ihr ab. Rogers Hände umfassten ihre Hinterbacken und hoben sie hoch. Sie schlang die Arme um seinen Hals. Roger hatte sie vom Tisch hochgehoben. Instinktiv legte sie die Beine um seine Hüfte. Er hob sie noch ein paar Zoll weiter nach oben, und als sie wieder nach unten rutschte, begegnete er ihr mit einem erneuten Stoß.

Er war also ein alter Mann? Ja, mochte schon sein, aber er war nicht zu alt, um sie im Stehen zu lieben. Offenbar wollte er ihr etwas beweisen, denn Roger stolzierte über die Terrasse und am Pool entlang. Mit jedem Schritt stieß er zugleich tief in Amanda. Sie wand sich auf ihm, konnte aber nicht viel machen, weil sie von seinem Schwengel gepfählt wurde. In dieser Stellung war es ihr aber möglich, ihre Klit an seinem Schambein zu reiben, was sie natürlich schamlos ausnutzte. Der zweite Orgasmus erfasste sie ganz plötzlich und ziemlich heftig. Sie ritt ihn, genoss jede Kontraktion ihres Körpers, ehe sie sich der nächsten Welle ihrer Lust hingab.

Rogers Körper versteifte sich. »Himmel!«, zischte er. Einen Moment lang stand er stocksteif da, seine Finger gruben sich schmerzhaft in ihren Hintern. Er überflutete sie mit seinem Samen.

»Himmel!«

Jetzt tat er ihr geradezu weh, weil er sie so fest gepackt hielt. Sie klammerte sich an ihn, zog ihre Beckenbodenmuskeln zusammen, um ihn bis zum letzten Tropfen zu melken. »Du bist unglaublich«, murmelte er, als sein letzter Fluch verstummt war. Ein letztes Mal schlossen sich ihre Muskeln um ihn.

Roger konnte nicht mehr antworten. Noch immer ergoss er sich in sie. Er stolperte ein paar Schritte, dann fielen beide in den Pool. Lachend und Wasser spuckend tauchten beide wieder auf.

»War das genug?«, fragte er und trat Wasser. Er beugte sich vor und küsste sie.

»Oh Gott, ja. Für eine Weile wird das reichen«, sagte Amanda. Sie war vollständig befriedigt. Im Stillen dankte Amanda ihrem glücklichen Schicksal, weil sie einen Mann geheiratet hatte, der zwar älter war als sie, aber trotzdem noch immer so stark wie der sprichwörtliche Bulle.

Zehn Tage später bekam Amanda einen Anruf von der Polizei. Man hatte Roger nackt, allein und tot in einem Motel gefunden, das seine Zimmer nur stundenweise vermietete. Es sah aus, als habe er eine Herzattacke erlitten.

2

Die Sachen kamen alle am selben Tag: Der Scheck von der Versicherung, die Messingurne mit Rogers Asche, seine Uhr, sein Schlüsselbund, die Brieftasche und sein hoch geschätztes papierdünnes Hightech-Handy mit den zahllosen Funktionen. Amanda legte die Sachen in einer Reihe auf dem Tisch im Esszimmer aus. Das war es also, was vom Leben eines Mannes übrig blieb. Sie hatten keine Kinder, weshalb sonst nichts ihn überdauerte. Amanda wünschte, sie könnte weinen wie jede andere Witwe auch, aber sie konnte einfach nicht. Roger war gestorben, während er sie betrog, und das machte alles schrecklich kompliziert. Vor allem ihre Trauer wurde dadurch kompliziert.

Aber es gab noch ihr Leben, und dieses Leben musste sie leben. Es war immerhin schon einen Monat her. Auch wenn sie nicht trauern konnte, hatte sie doch alle anderen Stadien durchgemacht: das Leugnen, die Wut, die Schuldgefühle und so weiter. Es war am schwersten gewesen, mit den Schuldgefühlen klarzukommen. Sie hatte gelesen, es sei nicht ungewöhnlich für Hinterbliebene, wenn sie extreme Lust verspürten. Es sei völlig natürlich, so zu empfinden, weil es genetisch bedingt sei. In ihrem Fall hatte sie zudem jedes Recht, sich Befriedigung zu verschaffen, denn was ihr als Erinnerung blieb, waren die vielen, vielen Nächte, in denen sie mit Rogers »Überstunden« allein blieb. Trotzdem verweigerte sie sich jede Form von Erleichterung, weil sie wusste, wenn sie sich der Selbstbefriedigung erst mal hingab, würde sie auf halber Strecke von Hass überwältigt werden. Hass, den sie einerseits für Roger, andererseits aber für sich selbst empfand. Ja, sogar Schuldgefühle waren kompliziert.

Aber jetzt lag das vor ihr, was von ihm blieb. Es lag in ihrer Macht, was damit geschah. Jetzt war es an der Zeit, nach vorn zu schauen. Seit dem Tag ihrer Hochzeit hatte Amanda sich nur Roger hingegeben. Ihre Welt war zusammengeschrumpft, es gab nur noch ihn, das gemeinsame Zuhause, gelegentliche Shoppingtouren, ein Ereignis hier und dort. Ein paar Freunde, die allerdings eher seine Freunde waren und weniger gemeinsame Freunde. Im Augenblick blieben ihr zwei Möglichkeiten: Sie konnte sich verkriechen, einfach »leben« und weitermachen wie bisher (also nichts tun) – oder sie konnte vor die Tür treten, sich der Welt stellen und abenteuerlustig und dynamisch nach vorne blicken.

Es war eine schwierige Entscheidung. Draußen in der realen Welt gab es Männer. Junge, energiegeladene Männer, die vor Leidenschaft geradezu kochten. In all den Jahren hatte Roger anscheinend herumgehurt, während sie ihm immer treu geblieben war, außer in ihrer lebhaften Fantasie. Jetzt aber nahm sie den Verlobungsring und den Ehering ab. Mit den beiden Ringen legte sie auch alle Fesseln und Beschränkungen ab, die ihre Ehe ihr aufgezwungen hatte.

Amanda hatte eine Menge aufzuholen, nur um für einen gewissen Gleichstand zu sorgen. Am besten fing sie sofort damit an.

Zuerst grub sie ein Loch unter Rogers Lieblingsapfelbaum und kippte seine Asche in das Loch. Das war das Ende von ihm. Als Nächstes zog sie einen schwarzen Hosenanzug an, in dem sie sehr geschäftsmäßig wirkte, und brachte den Scheck über eine Million Dollar zur Bank.

Der Filialleiter Mr Sorensen drückte ihr seine aufrichtige Anteilnahme aus, doch sie merkte schnell, dass er sich viel mehr über die Höhe der Einzahlung freute. »Schön, dass Sie jetzt wieder im Plus sind, nicht wahr, Mrs Garland? Auch wenn die Umstände …« Er verstummte.

»Wie, ich bin wieder im Plus? War das Konto im Minus?«

»Nun, das Konto Ihres Gatten war … überzogen.«

»Wofür um alles in der Welt brauchte Roger denn einen Dispokredit?«, fragte sie. Insgeheim überlegte sie, wie großzügig ihr Mann wohl seinen Gespielinnen gegenüber gewesen war.

»Ich bin nicht sicher«, fuhr Sorensen fort. »Aber Mr Garland hat in den letzten achtzehn Monaten nicht einen einzigen Gehaltsscheck eingelöst. Sie haben von seinem Dispokredit gelebt.«

Verflucht, wie viele Geheimnisse hatte Roger denn noch vor ihr gehabt? Amanda beendete das Gespräch und machte sich auf den Weg zum Büro von Forsythe Footwear, das im zehnten Stock des Rackstaff Buildings lag. Sie hatte ja Rogers Schlüssel! Sie hatte seine Anteile geerbt, weshalb ihr mehr als die Hälfte des Unternehmens gehörte. Die Schlüssel und die Anteile verliehen ihr Macht. Sie hatte noch nie Macht besessen, außer der Kraft der Liebe, von der sie geglaubt habe, sie besitze diese Macht über Roger.

Amanda marschierte auf die hübsche kleine Rezeptionistin mit knallpinken Haaren zu und blickte herausfordernd in die blassgrünen Augen. »Ich will den Hauptbuchhalter sprechen. Sofort«, verlangte Amanda. Sie hatte das Gefühl, von ihren Fingerspitzen stiegen kleine Funken auf, so geladen war sie.

»Sie meinen den Leiter der Finanzabteilung, Mr Eggerdon? Wen darf ich ihm melden?«

»Ihren Chef, Ms Amanda Garland. Die Witwe des kürzlich verstorbenen Roger Garland, wenn ich bitten darf.«

Es war höchst befriedigend zu sehen, wie das Gesicht des Mädchens so rosig wurde, dass die Farbe zu ihrer Haarfarbe passte. Sie wählte mit zitternden Fingern die Durchwahl des Finanzvorstands.

Eine Stunde später war Amanda besänftigt, sorgte sich aber noch immer. Mr Eggerdon war ein höflicher, eulenhafter kleiner Mann, der sich sichtlich gefreut hatte, dass Amanda die schleifenden Zügel von Forsythe Footwear in die Hände nehmen wollte. Es sah so aus, als habe das Unternehmen schon seit Jahren Verluste eingefahren. Roger hatte nicht nur in den letzten achtzehn Monaten kein eigenes Gehalt ausgezahlt, sondern im Gegenteil noch Geld hineingepumpt. Nein, Eggerdon hatte keine Ahnung, wo das Geld hergekommen war. Jetzt ging es dem Unternehmen dank der fünf Millionen, die das Unternehmen nach Rogers Tod erhalten hatte, deutlich besser, und es konnte sich vielleicht zwei oder sogar drei Jahre weiter über Wasser halten. Eine Pleite war aber unausweichlich, wenn kein Wunder geschah.

Eggerdon bot sich an, die Gehälter, die das Unternehmen Roger schuldete, zu berechnen und Amanda einen Scheck auszustellen. Das lehnte sie entschieden ab. Auf keinen Fall wollte sie das Unternehmen, dem ihr Mann sein ganzes Leben untergeordnet hatte, in den Ruin gehen sehen! Armer Roger – ach, dieser Mistkerl! Es war beunruhigend, aber in der einen Minute trauerte Amanda ehrlich um diesen Mann, nur um ihn im nächsten Moment abgrundtief zu hassen. Es gab nur ein Heilmittel, das sie sich vorstellen konnte: Sie brauchte einen anderen Mann, besser zwei oder drei. Sie wollte heißen Sex haben, so oft wie möglich. So oft es eben nötig war, um wieder zur Vernunft zu kommen.

3

Abgesehen von dem schwarzen Hosenanzug und den zwei alten Jeans, die sie bei der Gartenarbeit trug, konnte man Amandas Garderobe in zwei Kategorien einteilen. Sie hatte Klamotten, die sie trug, wenn sie zu Hause blieb, in einer Bandbreite von hübsch und niedlich bis zu richtig heißen, erotischen Sachen. Und es gab die »formelle« Kleidung: Abendkleider und Kleider, wenn sie Gastgeberin war oder irgendwo eingeladen wurde, für Cocktailpartys und wenn sie zum Tanzen oder ins Theater ging. Für ihre neue Karriere als dynamische Geschäftsfrau taugte nichts von den Sachen, die in ihrem Schrank hingen. Glücklicherweise blieben ihr noch über 900.000 $, nachdem sie den Dispokredit ausgeglichen hatte.

Also ging Amanda shoppen.

Bei Chez Chic wurde eine neue Kollektion gezeigt, die Dernier Cri hieß, der letzte Schrei. Amanda verliebte sich auf der Stelle in die tollen Röcke und Hosen, die mit einem hohen Bund daherkamen, der knapp unterhalb ihres Busens abschloss. Die Röcke gab es in zwei Längen: einmal bis knapp übers Knie, einmal bis zum Knöchel. Die Jacken waren kastenförmig geschnitten und hatten schmale Ärmel, fast ein bisschen wie die Kostümjacken von Chanel, allerdings kürzer, denn sie reichten geradeso zum Bund der Röcke. Alternativ gab es noch Boleros, die so winzig waren, dass sie kaum mehr als die Schultern bedeckten. Alles war sehr eng geschnitten. Die Stoffe waren entweder aus Stretch und asymmetrisch geschnitten oder figurbetont und aus Seidenjersey. Der Schnitt der Hosen war sehr schmal. Die unteren Säume der Röcke waren ziemlich eng. Es wäre unmöglich gewesen, darin zu laufen, wenn es nicht die Seitenschlitze gegeben hätte, die man bei Bedarf ein bisschen den eigenen Bedürfnissen anpassen konnte, denn sie waren mit Klettverschlüssen, Druckknöpfen oder unsichtbaren Reißverschlüssen jederzeit nach oben erweiterbar.

Amanda gefiel der Gedanke, dass sie jederzeit entscheiden konnte, wie viel nackte Haut sie zeigen wollte. Sie konnte nach Belieben ihre Nacktheit variieren. Da ihre Ausgabe keine Extravaganz, sondern eine Investition in ihre Zukunft war, leistete sie sich ein Dutzend Outfits. Die meisten waren schlicht schwarz, aber einige hatten auch Nadelstreifen, und eines war taubengrau und hatte blassrosa Streifen.

Als Nächstes ging sie zu Coquette, weil sie dort Wäsche und Strümpfe kaufen wollte. Die Strümpfe, die daheim in ihrem Schrank lagen, waren fast alle schwarz, weil Roger schwarze Strümpfe am liebsten mochte. Aber zu den meisten, ziemlich strengen Outfits passten keine schwarzen Strümpfe. Deshalb entschied sie sich für drei Paar halterlose Strümpfe von Dim in Hautfarben und sechs weitere in metallischem Graublau. Amanda fand ein paar Rollkragenpullover aus Seide und aus gestricktem Jersey, von denen sie auch jeweils ein halbes Dutzend in den verschiedenen Farben erstand. Zu den neuen Anzügen brauchte sie auch Blusen, weshalb sie ein paar weiße in Popelin kaufte und drei weitere in steifem Leinen. Dann aber gab sie ihren Widerstand gegen alles Schwarze auf, und außer einer weißen Chiffonbluse nahm sie auch eine schwarze Bluse und einen schwarzen Rollkragenpullover, der allerdings aus durchsichtigem Netzstoff war, mit. Den konnte sie zwar unmöglich im Büro tragen, aber in diesem Moment konnte sie einfach nicht widerstehen. Genauso wenig könnte ihr ein Mann widerstehen, wenn sie diesen Pullover trug.

Roger hätte dieses Oberteil geliebt. Er hatte eine Vorliebe für Kleidungsstücke, bei denen man mehr sah, als verhüllt wurde, und dieser schwarze Rollkragenpulli enthüllte mehr, als er verbarg. Und die Chiffonblusen erst … sie waren so durchsichtig wie der Rauch eines Kartoffelfeuers im Herbst.

Verflucht soll er sein! Jetzt sollte ein anderer Mann all diese Vorzüge geboten bekommen, sobald sie einen passenden Kandidaten fand. »Ein paar andere Männer« und »passende Kandidaten« korrigierte sie sich stumm.

Da die Shoppingtherapie ihr gerade so gut tat, kaufte sie auch noch drei Kleider, für die sie nun wirklich keine schlüssige Erklärung hatte, außer der, dass alle Kleider einfach hinreißend aussahen. Ihre letzten Einkäufe waren eine Aktentasche von Gucci, ein Füllfederhalter von Montblanc und ein makellos schöner Block mit leinengeprägtem Papier.

Am kommenden Montag zog sich Amanda zum ersten Mal in ihrem Leben wie eine Geschäftsfrau an. Sie entschied sich für einen langen schwarzen Rock, bei dem sie den Schlitz auf Kniehöhe einstellte, eine weiße Leinenbluse und eine schwarze Kostümjacke. Um neun Uhr morgens eilte sie mit wiegender Hüfte auf den Rezeptionstresen von Forsythe Footwear zu. Sie trug eine hochnäsige Miene zur Schau, obwohl sie sich insgeheim wie eine Betrügerin fühlte. Dem alten Eggerdon hatte sie vielleicht vormachen können, sie könne einfach hereinspazieren und das Blatt für das Unternehmen zum Guten wenden. Sich selbst konnte sie nicht täuschen. Sie konnte sich nur neu erfinden. Vielleicht konnte sie auch Forsythe Footwear neu erfinden. Und jetzt war der richtige Moment, um beides anzugehen.

»Guten Morgen«, begrüßte sie das Puppengesicht mit den Zuckerwattehaaren. »Wo ist mein Büro?«

»Ihr Büro?«

»Das Büro, in dem mein Mann Mr Garland gearbeitet hat, als er noch am Leben war. Ich übernehme es ab sofort.«

»Oh! Ja, hier entlang, Ms Garland. Ich bin … ähm … Nola.« Aus unerklärlichen Gründen wurde die Stimme des Mädchens zu einem Flüstern, als es seinen Namen nannte. Sie kam hinter dem Schreibtisch hervorgeflattert. Der ausgestellte Rock war kaum länger als dreißig Zentimeter vom tief sitzenden Taillenbund bis zu dem koketten Rocksaum. Die Beine waren wirklich attraktiv. Offensichtlich musste Amanda sich auf ernsthafte Konkurrenz einlassen, wenn es darum ging, wer mehr Bein zeigte.

Das war ein geradezu lächerlicher Gedanke! Es gab hier keinen Wettbewerb, erst recht nicht mit einem Mädchen, das kaum älter als 25 sein konnte, wenn überhaupt.

Amanda folgte Nola in ein Büro mit einer Glaswand, durch die man direkt in den Empfangsbereich der Büroetage blicken konnte. Gott sei Dank gab es wenigstens eine Jalousie mit vertikalen Lamellen, die man vor die Glaswand ziehen konnte. Amanda wollte bestimmt nicht auf dem Präsentierteller sitzen, während sie arbeitete und … Na ja, sie würde mit der Zeit schon herausfinden, was genau sie hier tun konnte. Das Büro ihres verstorbenen Ehemanns bot eine schwarze Ledercouch und dahinter eine Büroschrankwand, die sich über die komplette Wand erstreckte und mit schwarzem Leder eingelegt war. Dazu gab es noch drei passende Sessel, die allesamt wuchtig waren, aber nicht so riesig wie der Bürostuhl hinter dem Schreibtisch.

Rogers Schreibtisch war breit und tief und ebenfalls mit schwarzem Leder bespannt. Es gab ein Telefon, einen Stifthalter und einen schnittigen Bildschirm, eine Maus und eine Tastatur für den Computer, sowie drei silbern gerahmte Fotos. Als Nola sie allein ließ, hängte Amanda ihre Kostümjacke auf und schaltete den Computer an. Auf dem Bildschirm tauchte die Passwortabfrage auf. Sie versuchte ihren eigenen Namen, und er wurde problemlos angenommen. Aber das war wohl kaum der richtige Zeitpunkt, um sich zum tausendsten Mal zu fragen, wie ein Mann, der den Vornamen seiner Frau als Passwort benutzte und nicht ein oder zwei, sondern gleich drei Fotos von ihr auf dem Schreibtisch aufstellte, tot in einem Stundenhotel enden konnte. Trotzdem drängte sich ihr die Frage wieder auf. Mit wem war er zusammen gewesen, als er starb?

Es dauerte ungefähr eine Stunde, bis sie sich einen Überblick über die verschiedenen Computerprogramme verschafft hatte. Das meiste, was sie fand, waren Bilanzen und Berichte. Es sah so aus, als seien alle Läden trotz sinkender Umsätze mit berstend gefüllten Lagern gesegnet. Die meisten Filialen gaben zudem zu viel Geld für die Löhne aus, zumindest nach den Zielvorgaben, die jemand erstellt hatte (sie vermutete, diese Aufstellung stammte von Eggerdon).

Die Probleme des Unternehmens waren also offensichtlich: geringe Verkäufe, hohe Lagerkosten, hohe Lohnkosten. Und welche Lösungsansätze gab es?

Amanda lehnte sich zurück und tippte mit ihrem neuen Füller gegen ihre Zähne. Roger hatte vermutlich seit Monaten oder Jahren nach einer Lösung gesucht. Wie groß war dann wohl die Wahrscheinlichkeit, dass sie sofort ein Patentrezept gegen den drohenden Ruin fand? Vielleicht hatte Roger ja Notizen gemacht? Sie öffnete die mittlere Schublade vom Schreibtisch, fand aber nur ein paar Münzen, ein durchsichtiges Plastiklineal und ein paar Büroklammern. Die große untere Schublade auf der rechten Seite hatte alphabetisch sortierte Hängeregister, die sie rasch überflog. Soweit sie es sehen konnte, gab es darin nichts Interessantes. Die rechte obere Schublade vielleicht? Sie war abgeschlossen. Amanda fischte Rogers Schlüsselbund aus ihrer Aktentasche und fand schon bald den passenden Schlüssel.

Das Erste, was ihr ins Auge fiel, war ein kleiner Samtbeutel. Sie öffnete die Schnur und schüttete den Inhalt auf den Schreibtisch. Ein Dutzend goldene Anhänger purzelten heraus. Die meisten waren mit winzigen Edelsteinen besetzt, die im Licht funkelten. Sie tippte die Anhänger mit dem Finger an. Es gab einen kleinen Weihnachtsbaum und – bei diesem Anblick wurden ihre Augen feucht – eine Nummer 25, über der ein winziger Diamant funkelte. Ein paar Tränen rannen über ihre Wangen, als sie die übrigen Anhänger durchging und sie anschließend wieder in den Beutel stopfte. Er hatte sie betrogen, aber offenbar hatte er nicht vorgehabt, sie zu verlassen. Das hatte doch etwas zu bedeuten! Sie hielt den Anhänger mit der Jahreszahl an ihr Armband, das sie inzwischen schon so lange trug, dass es ein Teil von ihr geworden war und sie es im Grunde schon seit Jahren nicht mehr bemerkte. Roger. Vielleicht sollte sie ihm einfach seine Fehltritte vergeben und sich auf die Liebe konzentrieren, die sie als Mann und Frau verbunden hatte.

Amanda ließ den Anhänger mit der 25 zurück in den Beutel gleiten und legte ihn zurück in die Schublade auf ein paar Hochglanzseiten, die jemand aus Zeitschriften herausgerissen hatte. Neugierig und weil sie eigentlich erwartete, Anzeigen oder Bilder von Schuhmode zu finden, breitete Amanda die Seiten auf dem Schreibtisch aus.

Oh! Oh nein, Roger, nein!

Das Mädchen auf dem ersten Bild trug immerhin Schuhe, und zwar Schuhe mit Absätzen, die mindestens zwölf Zentimeter hoch waren. Aber außer den Schuhen und ihren Strümpfen trug sie absolut nichts. Sie beugte sich über die Armlehne eines Sofas und reckte den Hintern in die Höhe, der von der vorangehenden Züchtigung rot gefleckt war.

Verflucht sollte er sein! Roger hatte sie nicht nur betrogen, sondern auch noch diese Fetischmagazine gelesen. Amanda hätte sich nicht beklagt, wenn er die Zeitschriften mit nach Hause gebracht und ihr offen von seiner Vorliebe erzählt und vielleicht sogar den Wunsch geäußert hätte, diese Vorliebe mit ihr zu teilen. Aber diesen Fetisch zu verstecken und in einer Schublade wegzuschließen, das war einfach zu viel! Sie hatte nie auch nur vermutet, dass er ein Faible für Spanking hatte. Wenn er sie gefragt hätte, hätte sie es ihm doch auch gegeben! Das hätte er doch wissen müssen … Sie hatte ihm nie einen unterwürfigen Akt oder irgendein sexuelles Vergnügen verwehrt. In Wahrheit hätte sie ihm vermutlich sofort grünes Licht gegeben, ihren Hintern ordentlich zu versohlen, und Roger wäre derjenige gewesen, der sie hätte bremsen müssen.

Das nächste Bild war ein Cartoon. Ein Mädchen lag gekleidet wie eine Sekretärin über den Knien eines Mannes, der einen dreiteiligen Anzug trug. Amanda vermutete, es handelte sich dabei um Chef und Untergebene. Ihr Rock war bis zur Hüfte hochgeschoben, das Höschen hing ihr um die Knöchel. Der Mann schlug sie mit der flachen Hand.

Amanda schaute sich das Bild etwas genauer an. Es gab einen Untertitel, der aussah, als sei er von Hand geschrieben. Er war von Hand geschrieben. »Wir? Später?«

Mit vor Wut zitternden Händen blätterte Amanda die restlichen Seiten durch. Die Bilder waren ungefähr zu gleichen Teilen aus Bondage und Spanking. Sie trugen Titel wie Gefesselt oder Hochgebunden. Es gab ein Bild, auf dem eine Frau nichts trug außer einem unglaublich eng geschnürten Korsett. Sie hing mit Seilen an Händen und Füßen von der Decke. Darunter war eine Bemerkung gekritzelt: »Die Spannung bringt sie um.« Die meisten der Bemerkungen waren eher Vorschläge und nicht irgendwelche lahmen Witze. »Ich würde das gern mal ausprobieren« tauchte häufig auf, wie auch: »Willst du mich mal so erleben?« und Ähnliches.

»Verflucht noch mal, Roger!«, fauchte sie das Bild auf dem Schreibtisch an, auf dem sie beide zu sehen waren. Es war einst auf der Jacht eines Freundes aufgenommen worden. »Wenn du nicht schon tot wärst, würde ich dich eigenhändig umbringen!«

Sie war so wütend! Trotzdem klang ihr Ausbruch lächerlich, und sie musste tatsächlich lachen. Roger war ein versauter kleiner Hurensohn gewesen. Schlimmer war eigentlich nur, dass er seinen Fetisch nicht mit ihr geteilt hatte. Es war schlimm genug, wenn ein Mann seine Frau betrog.

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