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Die Rückkehr der Goblins

Inhalt

  1. Cover
  2. Über das Buch
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Danksagungen
  7. Das Lied von Jig
  8. Kapitel 1
  9. Kapitel 2
  10. Kapitel 3
  11. Kapitel 4
  12. Kapitel 5
  13. Kapitel 6
  14. Kapitel 7
  15. Kapitel 8
  16. Kapitel 9
  17. Kapitel 10
  18. Kapitel 11
  19. Kapitel 12
  20. Kapitel 13
  21. Kapitel 14
  22. Kapitel 15
  23. Kapitel 16
  24. Kapitel 17

Über das Buch

Einst galt der Goblin Jig als Versager. Doch diese Zeiten sind vorbei, denn Jig hat sich wegen seiner heilenden Kräfte Respekt erworben. Nur einer hasst ihn wie die Pest: der neue Anführer Kralk. Als eines Tages ein Oger auftaucht und die Goblins um Hilfe bittet, entsendet Kralk den armen Jig. Jemand tötet die Oger in ihren Höhlen! Und der schwächliche Jig soll dem Morden ein Ende bereiten …

Über den Autor

Jim C. Hines wurde 1974 geboren. Er hat Psychologie und Anglistik an der Michigan State University studiert. Er schreibt seit den frühen neunziger Jahren, inzwischen als Vollzeit-Autor. Sein Fantasy-Roman »Die Goblins« wurde auf Anhieb in verschiedene Sprachen übersetzt und fand bei den deutschen Lesern eine große Fangemeinde. Jim C. Hines lebt heute mit seiner Familie und vielen Haustieren in Michigan.

Danksagungen

Es ist mir ein großes Vergnügen, Die Rückkehr der Goblins mit euch allen teilen zu dürfen. Der arme Jig war nicht begeistert von der Vorstellung, ein weiteres Abenteuer durchstehen zu müssen, aber das ist sein Problem. Wie schon das erste Buch gäbe es auch dieses hier nicht ohne die Hilfe und die Unterstützung von sehr vielen Leuten.

Zuallererst meinen Dank an Sheila Gilbert, meine Herausgeberin. Mit dem Kauf meiner Bücher beweist sie nicht nur kolossale Einsicht und enormes Urteilsvermögen, ihre Anregungen zu Die Rückkehr der Goblins haben auch eine weit bessere Erzählung daraus gemacht. Dank auch an Debra Euler und die anderen wunderbaren Menschen bei DAW Books.

Mel Grant hat es wieder geschafft und ein weiteres erstaunliches Cover geschaffen.

Mein Agent Steve Mancino hat sich einen dicken Applaus verdient (nicht zu vergessen die Pizza) für all seine harte Arbeit. Er hat nicht nur geholfen, die Goblinbücher an DAW zu verkaufen, sondern dank Steves harter Arbeit könnt ihr Jig den Goblin auch in Russland, Deutschland und der Tschechischen Republik finden. Nur falls jemand seine eigene Ausgabe von Приключения Гоблина will.

Dann wären da noch die fabelhaften Leute, die meine frühen Entwürfe gelesen und kritisch beurteilt haben, insbesondere Catherine Shaffer, Heather Poppink, Mike Jasper und Teddi Baer. Nicht zu vergessen all meine eigentlichen Kumpels, die gelegentlich ein Schnipsel gelesen und mir Unterstützung und Ermutigung haben zukommen lassen.

Meiner Frau Amy und meinen eigenen kleinen Goblins Skylar und Jamie: Eure Liebe und Unterstützung bedeuten mir mehr, als ich jemals in Worte fassen kann.

Schließlich meinen demütigen Dank an all meine Leser. Ich fühle mich gleichermaßen geehrt wie begeistert, das zweite Goblinbuch mit euch teilen zu können. Ich hoffe, ihr habt euren Spaß daran.

Das Lied von Jig

(zur Melodie des Zauberer-Trinklieds
›Sweet Tome of Ally Ba’ma‹)

Helden kommen ins Dunkle,
zwei Männer, ’ne Elbin und ’n Zwerg
suchen Ruhm, suchen Ehre
Goblins pflastern ihren Weg.

Doch ein einziger Goblin
weicht Klingen, Pfeilen, Fallen aus.
Sie fesseln ihn, er soll sie führen
doch Jig alleine überlebt.

Heil Jig Drachentöter!
Sein Schwert ist stark, sein Ziel ist hehr.
Heil Jig Drachentöter!
Seid nett zu ihm, sonst reut’s euch sehr.

Jig führt sie tief, ganz tief nach unten,
dort führt der Tod Regiment,
Leichen lauern in den Schatten,
hier überlebt nur, wer schnell rennt.

Doch Jig der Goblin hebt die Klinge.
Sein Schwert ist stark, sein Ziel ist hehr.
Ja, Jig der Goblin hebt die Klinge.
Und der Nekromant ist nicht mehr.

Jig führt die Helden noch tiefer,
ins Finstre, wo der Drache haust.
Rauch steigt von pechschwarzen Schuppen,
der Schlund wie Höllenfeuer, o Graus!

Heil Jig Drachentöter!
Sein Schwert ist stark, sein Ziel ist hehr.
Heil Jig Drachentöter!
Die andern fliehn, er wirft den Speer.

Heil Jig Drachentöter!
Sein Schwert ist stark, sein Ziel ist hehr.
Heil Jig Drachentöter!
Das Biest der Hölle gibt’s nicht mehr.
Drauf killt er auch noch die Helden.
Seid nett zu ihm, sonst reut’s euch sehr!

Kapitel 1

»Warum leben Goblins eigentlich nie glücklich und
zufrieden bis an ihr Lebensende?«

Jig Drachentöter

Jig der Goblin war kein Krieger. Seine Gliedmaßen waren wie blaue Stecken, sein eingerissenes Ohr neigte dazu, an der Seite hin und her zu baumeln, und seine Fangzähne reichten kaum über seine Oberlippe hinaus. Als Kind war er zu Schmodderdienst verdonnert worden und hatte ätzenden Schlamm durchs Goblinlager geschleppt und damit die Feuerschalen gefüllt, die die Höhle beleuchteten. Der faulige, modrige Pflanzengeruch des Schmodders hatte seine Kleider, seine Haare, ja selbst seine Haut durchdrungen. Und Schmodderdienst war bei Weitem nicht das Schlimmste, das er überlebt hatte. Er gab sich Mühe, nicht über seine Zeit als Latrinenputzer nachzudenken.

Seine große Queste ein Jahr zuvor hatte ihn nicht verändert. Na ja, bis auf die Albträume, in denen der Drache Straum zurückkehrte, um ihn zu fressen, oder der Nekromant einen Zauberspruch wirkte, der Jigs Körper verdorren ließ, bis er zu Staub zerfiel, oder Riesenaaswürmer in sein zusammengerolltes Bettzeug krochen und …

Jig schüttelte sich und versuchte, diese Bilder zu verscheuchen. Kurz gesagt, er war immer noch derselbe kurzsichtige Schwächling wie vorher. Aber er war aus der Höhle des Drachen mit einer mächtigen Gabe zurückgekehrt: der Fähigkeit, verschiedenste Verletzungen zu heilen.

In Anbetracht der Natur des Goblinlebens machte das Jig zu einem der vielbeschäftigtsten Goblins im Lager.

Sein augenblicklicher Patient, ein muskulöser Goblin namens Braf, war alles, was ein Goblinkrieger sein musste: stark, groß und doof – selbst für einen Goblin. Irgendwie hatte Braf es fertiggebracht, sich seinen eigenen rechten Fangzahn tief ins linke Nasenloch zu treiben.

Jig schüttelte den Kopf. Braf erhob die Dummheit zu neuen Höhen, dann warf er sie hinunter, um sie am Boden zerschellen zu lassen.

Ein schmutziger Lappen, um Brafs Kiefer geschlungen, hielt den Fangzahn still. Blut und andere Flüssigkeiten färbten den Fetzen dunkelblau. Braf schnäuzte sich behutsam aufs Handgelenk, nahm das Ergebnis in die Finger und warf einen prüfenden Blick auf das klebrige Zeug. Dann wischte er es an seiner zu engen Lederweste ab.

»Kriegst du es wieder hin?«, fragte Braf mit gedämpfter Stimme durch die Nase.

»Nicht sprechen!«, wies ihn Jig an. Er schloss die Augen. Wie lange noch?

Tymalous Schattenstern, vergessener Gott des Herbststerns, unterdrückte ein Kichern, das nur Jig hören konnte. Tut mir leid, ich tu ja, was ich … Die Stimme des Gottes löste sich in klingendem Gelächter auf.

Jig hatte Tymalous Schattenstern während jenes Abenteuers vor einem Jahr entdeckt. Vielleicht hatte auch Schattenstern Jig entdeckt. Schattenstern war derjenige, der Jig die Macht verlieh, die anderen Goblins zu heilen. Was der Gott selbst von diesem Handel hatte, wusste Jig noch immer nicht so genau. Es gab Tage, da glaubte er, dass Schattenstern es rein zu seinem eigenen Vergnügen tat.

Wie hat er das überhaupt angestellt?, gluckste Schattenstern.

Braf ist nicht unbedingt die schärfste Klinge in der Waffenkammer, erklärte Jig. Aber ich nehme an, dass er Hilfe gehabt hat. Irgendjemand hatte seinen Kopf bandagiert; hätte Braf das versucht, hätte er sich dabei vermutlich erhängt.

Goblins! Warum mussten es Goblins sein?

Es war eine Klage, die sich Jig anhören musste, seit er den vergessenen Gott entdeckt hatte. Das war die Stelle, an der Jig traditionell versuchte, sein Volk zu verteidigen, auf die Dinge hinwies, die sie im letzten Jahr vollbracht hatten: Dinge wie das Aushandeln eines wackligen Waffenstillstands mit den Hobgoblins tiefer im Berg und die Versiegelung des äußeren Tunnels, um sie vor Abenteurern zu schützen.

Aber als er Braf anschaute, brachte er es nicht über sich, für die Goblins Partei zu ergreifen.

Ich glaube, ich bin jetzt fertig, sagte Schattenstern.

»Gut.« Jig durchquerte den kleinen Tempel und versuchte, das Fliesenmosaik an der Decke zu ignorieren. Kleine Stücke bunten Glases formten ein Abbild des vergessenen Gottes: ein großer, bleicher Mann, dessen schwarze Kleidung an Armen und Beinen von Streifen mit Silberglöckchen geschmückt war. Übel riechender Rauch von den Schmodderlaternen umschwebte das Bild, erreichte aber nie ganz das blasse Gesicht. Auf diesem Gesicht lag eindeutig ein Grinsen, eines, das früher am Tag noch nicht da gewesen war.

Jig legte seine Hand auf Brafs Nase und gab sich Mühe, nicht das Gesicht zu verziehen. Attraktivität war noch nie eine der herausragenden Goblineigenschaften gewesen, und Braf war ein spektakuläres Beispiel dafür. Die Narben überstandener Krankheiten übersäten seine Haut, und seine unförmige Nase hatte ausgesprochene Ähnlichkeit mit einem schwangeren Frosch, der die Mitte seines Gesichts zum Kreißsaal erkoren hatte.

Schattenstern fing wieder zu kichern an. Jetzt sieht sie aus wie ein Frosch mit einem gewaltigen gelben Fangzahn im …

»Halt still!«, sagte Jig. Er bog Brafs Kopf zurück, schob einen Finger unter den Verband und wartete darauf, dass der Zauber begann. Das Strömen von Schattensterns Energie durch Jigs Körper gab ihm immer ein Gefühl der Aufgeblähtheit, und er rutschte unbehaglich hin und her, während die Magie seine Hände erwärmte.

Bevor er sonst noch etwas tun konnte, landete ein leuchtend orangefarbenes Insekt auf seinem Arm und begann, nach vorn zu krabbeln. Jig zog die Hand mit einem Ruck zurück; was er jetzt am wenigsten brauchen konnte, war eine Fliege, die in Brafs Nase kroch. Er zerquetschte sie, wobei er seinen Arm mit leuchtender Mückenschmiere bespritzte, als schon zwei weitere der Plagegeister um seinen Kopf schwirrten.

»Was sind das für welche?«, fragte Braf.

»Ich weiß nicht. Sie sind vor ein paar Wochen zum ersten Mal aufgetaucht.« Jig fuchtelte mit den Händen und versuchte, sie in Richtung des Spinnennetzes in der Ecke des Tempels zu schlagen. »Und hör auf zu reden!«

Die Insekten zogen sich zurück. Jig ließ seine freie Hand auf Brafs geschwollene Nase klatschen.

Langsam!, ermahnte ihn Schattenstern.

Millimeter um Millimeter ließ Jig den anstößigen Fangzahn aus dem Nasenloch gleiten. Er gab sich größte Mühe, die Flüssigkeiten zu übersehen, die ihm folgten und seine Hände mit einem blauen Schleimbelag überzogen. Ebenso ignorierte er, wie sich die Bewegungen des Zahns unter dem Nasenloch anfühlten, und die Art und Weise, wie er gegen den Knochen schabte.

Braf fing an zu schielen. Die Wärme in Jigs Händen nahm zu. Seine Finger kamen ihm wie angeschwollene Knollen vor, und die orangefarbenen Mücken kreisten um Brafs Kopf. Jigs Arme kribbelten.

Hab ihn, vermeldete Schattenstern.

Jig legte die Spitze des Fangzahns frei, und mit einem lauten ›Plopp‹ glitt der Kieferknochen zurück in die Gelenkpfanne. Jig schlug mit einer Hand nach den Fliegen. Er verfehlte sie, und die Bewegung ließ Blut über Schattensterns Mosaik spritzen.

Braf nieste. Er betastete seine Nase, und ein breites Grinsen zerklüftete sein blutverkrustetes Gesicht. »Danke, Jig!«

Blut, Spucke und Rotz hatten Jigs Brille beschlagen. Er zog sie aus und wischte die Gläser an seiner Hose ab. »Also wie hast du das angestellt?«

»Ich hatte Wache«, erzählte Braf. »Mein Partner hat gewettet, dass ich mit meinem Fangzahn nicht an meine Nase komme. Als ich die Wette gewonnen habe, hat er mir aufs Kinn geschlagen.«

Ein leuchtendes Beispiel für die Goblinrasse, merkte Schattenstern an.

»Ich nehme an, du hast es ihm ordentlich besorgt«, sagte Jig.

Braf lachte. »Jau.« Er kratzte sich am Kinn und wandte sich zum Gehen. Als er sich durch den niedrigen Eingang bückte, zögerte er. »Hey, erzähl keinem, dass ich zu dir gekommen bin. Ein paar der anderen Goblins mögen dich nicht so besonders, und ich will nicht, dass sie …«

»Dass sie denken, du bist zu dem jämmerlichen Schwächling gelaufen, um dir helfen zu lassen?«, ergänzte Jig den Satz mit angespannter Stimme. Nahezu jeder Goblin hatte während des vergangenen Jahres irgendwann einmal Jigs Hilfe bedurft, aber kein einziger wollte es zugeben.

»Jau!« Braf strahlte. »Genau! Danke!« Bevor Jig etwas finden konnte, was er nach ihm werfen konnte, war er im Tunnel verschwunden. Manche Dinge änderten sich nie. Ganz egal wie viele Goblins er heilte, ganz egal wie viele Questen er überlebte, er war immer noch Jig, der dürre, halb blinde Winzling.

Jig ließ sich auf dem Altar nieder. Eine dunkle, rotgetüpfelte Feuerspinne von der Größe seiner Hand krabbelte an der Seite hoch und huschte zu ihm hin. Jig streckte den Arm aus, sodass die Spinne auf das versengte Lederpolster weiterklettern konnte, das er auf seine rechte Schulter geschnallt trug. Feuerspinnen wurden bei Gefahr heiß, und Jig hatte die Brandmale, die das bewiesen. Trotz dieser Narben gab Klecks immer noch einen besseren Gefährten ab als die meisten Goblins.

»Es ist nicht so schlimm, wirklich«, meinte Jig. »Sie können es sich nicht leisten, mich umzubringen. Wer würde sich dann um ihre Wunden kümmern?«

Er warf einen Blick auf das Blut auf seiner Hose und seufzte. Ein weiterer Fortschritt im Vergleich zu letztem Jahr war die Qualität von Jigs Kleidern. Jig hatte die meiste Zeit seines Erwachsenendaseins in einem schäbigen alten Lendenschurz verbracht, der so steif gewesen war, dass er ihn als Schild hätte benutzen können. Jetzt trug er eine weiche graue Hose und ein weites schwarzes Hemd. Sein altes Schwert hing an seiner Seite, und er hatte seine Lieblingsstiefel an. Das Leder war leuchtend blau, mit aufgemalten roten Flammen, die seitlich an den Schäften hinabliefen, und einem weißen Pelzbesatz am Rand.

Und was am wichtigsten war: Er hatte seine Brille. Große Amethystgläser beschirmten seine Augen und ließen ihn die Welt so klar sehen wie jeden anderen Goblin auch, bis auf die Ränder seines Gesichtsfelds, die von den Gläsern nicht ganz abgedeckt wurden. Sie wurden von einem Stahlgestell gehalten, das über seine spitzen Ohren gebogen war. Die Brille war nicht perfekt, und der Rahmen reizte sein schlechtes Ohr, das im Kampf mit einem anderen Goblin eingerissen und entstellt worden war. Aber die Welt um sich herum sehen zu können, war ein wenig Schmerz wert.

Vor Kurzem hatte Schattenstern eine weitere Ergänzung seiner Garderobe vorgeschlagen: Socken. Es hatte lange gedauert, eines der Kinder dazu zu überreden, ein Paar Tuchschläuche zu weben und sie dann an einem Ende zuzunähen, aber das Resultat war buchstäblich ein Geschenk der Götter. Keine Blasen mehr, keine dunkelblauen Stellen auf den Beinen, wo die Farbe seiner Stiefel sich abrieb, und am allerbesten war, dass die Stiefel nicht mehr ganz so entsetzlich stanken, wenn er sie auszog.

»Jig?«

Die Stimme kam aus der Dunkelheit der Tunnels, aber Jig erkannte sie. »Was willst du, Veka?«

Veka betrat den Tempel und zog ihren langen, schwarzen Umhang fest um ihre beträchtliche Körperfülle. Sie war breitschultrig und dickgliedrig und hatte mehr als einen Goblin mit gebrochener Nase oder fehlenden Zähnen zu Jig geschickt.

Veka arbeitete in der Destillerie, wo sie verweste Gift- und Ätzpilze und zerdrückte Glühwürmchen in Schmodder umwandelte. Infolgedessen roch sie immer nach verfaulenden Pflanzen. Ihre Hände waren von grünlichen Flecken bedeckt, und aufgrund der Dämpfe des Schmodderraums waren ihre Augen ständig blutunterlaufen.

»Du hast keinen Bindezauber ausgesprochen, als du Brafs Nase geheilt hast. Wie hast du das angestellt?« Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, pochte sie mit dem Ende ihres Stabes auf den Boden. Glasperlen, kleine Metallstücke und etwas, das wie ein mumifizierter Finger aussah, rasselten gegen den Stab, an welchem sie mit Lederriemen und Strähnen geflochtenen Haares befestigt waren.

Der Stab, ebenso wie der Umhang, war Teil von Vekas Besessenheit von allem, was irgendwie mit Magie zu tun hatte. Eine Besessenheit, die Jig unglücklicherweise mit einschloss.

»Ich weiß nicht einmal, was ein Bindezauber ist«, antwortete Jig und hüpfte vom Altar herunter. Er ging auf den Tunnel zu und hoffte, sie würde ihm Platz machen.

Veka rührte sich nicht von der Stelle. Sie hob eine geballte Faust und spreizte langsam die Finger. Schwache Lichtfäden formten ein mattes, zartes Netz zwischen ihren Fingern. »Das Binden ist die Methode, mit der die Zauberin die magischen Energien anzapft, die sie umgeben. Es ist der erste Schritt auf der Reise zur …«

An dieser Stelle landete eine der orangefarbenen Fliegen auf Vekas Hand. Der Bindezauber erlosch mit einem leisen Flackern. »Blöde Mücke!« Sie zerquetschte sie.

»Veka, ich habe nicht die …«

Ein finsterer Blick brachte ihn zum Schweigen. Sie lehnte ihren Stab gegen die Wand und fischte in ihren Kleidern herum. Aus einer Tasche im Inneren ihres Umhangs förderte sie ein verschmutztes, braunes Buch zu Tage. Der Deckel war abgerissen und wieder angenäht worden, und viele Seiten begannen sich aus dem Einband zu lösen. »Josca sagt in Kapitel zwei, dass der Held einen Führer finden wird, einen Mentor, der ihn auf dem Weg leitet.« Sie fuchtelte mit dem Buch wie mit einem Schwert vor Jig herum. »Du bist der einzige Goblin, der etwas über Magie weiß, und du willst nicht einmal …«

»Wer ist Josca?«, fragte Jig und trat einen Schritt zurück.

Veka klopfte auf den Einband. In übergroßen, silbernen Buchstaben stand da: Der Weg des Helden (Zaubererausg.), von Josca. »Josca sagt, jeder Held folgt demselben Weg. Nur die Einzelheiten ändern sich. Ich brauche einen Mentor. Indem du dich weigerst, mich Magie zu lehren, blockierst du meinen Weg.«

Sie bleckte ihn an; ihre langen Unterfangzähne sahen frisch geschärft aus. Jig trat einen weiteren Schritt zurück. »Josca sollte eine Ausgabe für Goblins schreiben. Im ersten Kapitel bricht der Held zu einem Abenteuer auf. Im zweiten stirbt er einen schrecklichen, schmerzvollen Tod.«

»Du hast überlebt.« Ihr finsterer Gesichtsausdruck machte aus diesen Worten eine Anklage.

Schwere Schritte näherten sich durch den Tunnel und enthoben Jig einer Antwort. Braf schob sich mit den Schultern an Veka vorbei. »Hab ich ganz vergessen. Der Häuptling hat gesagt, sie will dich sehen. Es geht um den Oger.«

»Welchen Oger?«, fragte Jig.

»Der, der direkt nach meinem … Problem aufgekreuzt ist«, führte Braf mit einem schnellen Seitenblick auf Veka aus. »Er hat ein paar andere Wachen zusammengeschlagen. Er sagte, er sucht den Drachentöter. Der Häuptling sagt, du sollst dich sofort aufmachen.«

Jig deckte eine der Schmodderlaternen ab und nahm die andere am Griff auf. Grünes Licht spiegelte sich auf dem dunkelroten Obsidian der Wände wider, als er Braf in die Tunnel hinein folgte. Das Stapfen von Vekas Stab war dicht hinter ihm zu hören.

»Was glaubst du, was der Oger will?«, fragte Braf.

»Ich mache mir mehr Sorgen darüber, was der Häuptling mit mir anstellen wird, weil ich so lange gebraucht habe, um ihrem Befehl zu folgen.« Von dem Moment an, als Kralk die Herrschaft über die Goblins übernommen hatte, hatte sie nach einem Weg gesucht, Jig loszuwerden. Er runzelte die Stirn, als er über den Rest von Brafs Geschichte nachdachte. »Warum sind die anderen Wachen nicht zu mir gekommen, um sich heilen zu lassen?«

»Was für Wachen?«

»Diejenigen, die der Oger verletzt hat.«

Braf lachte. »Als ich gegangen bin, haben die älteren Goblins das, was von ihnen übrig war, gerade von den Wänden geschrubbt.«

Jig schluckte und begann zu rennen.

Zwei Wachen standen vor dem Eingang zur Goblinhöhle; Feuerschalen sorgten für ein freundliches, gelbgrünes Licht. Jig ignorierte die blauen Blutflecken auf Wand und Boden und legte die Ohren an, als er hineinging. Er war den größten Teil des Tages fort gewesen, und sogar das gedämpfte, nervöse Gespräch von fünfhundert Goblins kam ihm übermäßig laut vor.

Klecks rutschte ruhelos auf Jigs Schulter hin und her. Die Hitze, die vom Körper der Feuerspinne ausging, ließ Schweißperlen über Jigs Nacken rinnen. Nicht dass Jig die Warnung gebraucht hätte.

Der Oger war nicht schwer auszumachen. Er saß fast ganz hinten in der Höhle, umringt von bewaffneten Goblins. Stahlklingen und lange Holzspeere zitterten, als die Goblins sich Mühe gaben, ihre Angst unter Kontrolle zu bringen. Der Oger seinerseits schien nichts mitzubekommen.

Warum sollte er auch? Seine ledrige grüne Haut war fest genug, um die meisten Angriffe abzuwehren, und seine Hände waren so groß wie Jigs Kopf. Er saß auf dem Boden … vermutlich weil sein Kopf an der Decke gescheuert hätte, wenn er aufrecht gestanden hätte. Seine Zähne waren kleiner als Goblinfangzähne, aber dennoch scharf genug, um Gliedmaßen zu durchtrennen. Er konnte mit bloßen Händen eine Schneise durch die Höhle schlagen, und Schattenstern allein wusste, was er mit der gewaltigen, messingbeschlagenen Keule, die quer über seinen Knien lag, anrichten konnte.

»Jig! Höchste Zeit, dass du deinen dürren Arsch hierher bewegst!«, rief Kralk. Die hochaufgeschossene Goblin, die zurzeit die Häuptlingsstellung bekleidete, lächelte, was Jig nervös machte. Sie trug ein Halsband aus gezackten Malachitstacheln und einen schlecht sitzenden Brustharnisch zwergischen Ursprungs. Metalldornen schmückten die Schultern und … den Brustbereich … ihrer Rüstung. Kralk sammelte Waffen und zeigte sich selten zwei Tage hintereinander mit derselben. Heute hing ein gemein aussehender Morgenstern an ihrem Gürtel, der rasselte, als sie auf Jig zukam.

Jig war nicht in der Nähe gewesen, als der alte Häuptling starb. Zu der Zeit war er in der Nähe der fünften oder sechsten Strophe von ›Das Lied von Jig‹ gewesen, irgendwo zwischen gegen den Nekromanten kämpfen und sich vor dem Drachen verstecken. Als Jig zurückkehrte, war er von vielen Goblins ermutigt worden, die Stelle des Häuptlings zu übernehmen, eine Aussicht, die er in etwa so verlockend fand wie nackt vor Tunnelkatzen zu tanzen.

Letzten Endes hatten sich drei Goblins als potenzielle Kandidaten herauskristallisiert, die bereit waren, um die Herrschaft über das Lager zu kämpfen. Am Morgen des Kampfes erschien nur einer von diesen dreien zum Frühstück. Die anderen beiden wurden zusammengerollt in der Nähe der Abfallgrube gefunden; der Großteil ihres Blutes war auf der Außenseite ihrer Körper.

Seitdem hatte Kralk versucht, Jig loszuwerden. Sie forderte ihn nie öffentlich heraus. Nein, es hieß immer: »Jig, könntest du diese Felsenschlange töten, die sich in die Destillerie geschlichen hat?« oder: »Wir brauchen jemand als Anführer eines Stoßtrupps, um Essen von den Ogern zu stehlen« oder: »Golaka experimentiert mit einer neuen Suppe, und sie will, dass jemand probiert.«

Natürlich sagte Jig immer nein. Jede abschlägige Antwort ließ seinen Ruf ein bisschen bröckeln, verstärkte Kralks Macht über die Goblins und machte sein Leben elender. Warum konnte sie nicht erkennen, dass er keine Bedrohung darstellte?

Die Stimme des Ogers donnerte durch die Kaverne und ließ Jig zusammenzucken. »Das ist der Drachentöter?«

Ein Pfad öffnete sich zwischen Jig und dem Oger. Goblins wichen zur Seite wie Blut, das aus einer Wunde fließt. Jig griff nach oben und streichelte Klecks’ Kopf. Die Feuerspinne war warm, aber nicht heiß genug, um sich daran zu verbrennen. Sie befanden sich in keiner unmittelbaren Gefahr.

Einen Moment lang dachte Jig daran, zu lügen. Wenn er sagte, Braf sei Jig Drachentöter, würde der Oger es nicht besser wissen. Ein Blick auf das Grinsen in Kralks Gesicht erstickte diesen Plan im Keim.

»Ich bin Jig«, sagte er. Seine Stimme klang im Vergleich zu der des Ogers wie das Piepsen eines Kindes.

»Du bist derjenige, der Straum den Drachen getötet hat?« Der Oger hob seine Keule auf und arbeitete sich, Kopf und Schultern nach vorn gebeugt, in Jigs Richtung vor.

Jig warf einen schnellen Blick auf Kralk und nickte.

»Du hast diesem Monster einen Speer ins Auge gestoßen?«

Erneutes Nicken.

»Du? Du bist derjenige, über den sie dieses Lied singen, derjenige …«

»Ja, der bin ich!«, brauste Jig auf. Seine momentane Wut verrauchte so schnell, wie sie gekommen war, und ließ ihn mit Beinen zurück, die so schwach waren, dass er glaubte zusammenbrechen zu müssen. Brillant!, dachte er. Den Oger anzuschreien! Warum ihm nicht als Nächstes in die Weichteile treten?

Der Oger kniete sich hin, sah auf Jig hinunter, dann wieder zu Kralk. »Er ist wie eine kleine Goblinpuppe!«

Jigs Klauen gruben sich in seine Handflächen. Besser ein Spielzeug als eine Bedrohung. »Braf hat gesagt, du wolltest mich sprechen?«

»Das ist richtig.« Der Oger machte einen weiteren Schritt nach vorn, der ihn fast auf Reichweite heranbrachte. Fast auf Jigs Reichweite zumindest; der Oger selbst hätte Jig am Kopf packen und ihn an die nächste Wand schmeißen können, ohne sich dafür strecken zu müssen. Seine grüne Kopfhaut legte sich in Falten. »Wir brauchen …« Seine Stimme wurde so leise, dass das letzte Wort nicht mehr zu hören war.

»Was war das?«, fragte Jig.

Das Gesicht des Ogers nahm einen dunkleren Grünton an, der beinahe an die Farbe der Schimmelpilze herankam, die auf den Wänden der Latrine wuchsen. »Hilfe. Wir brauchen Hilfe.«

Jig glotzte sein Gegenüber an und versuchte, sich einen Reim darauf zu machen. Er verstand die Worte, aber sein Verstand hatte Probleme mit dem Gedanken, dass Oger Goblins um Hilfe bitten sollten. Was kam als Nächstes? Der Nekromant, der von den Toten zurückkehrte und einen Blumengarten anlegte?

»Welche Art von Hilfe?«, erkundigte sich Jig.

»Vor ein paar Monaten tauchte etwas in Straums Höhle auf und begann, uns zu jagen. Zuerst dachten wir, es seien diese Hobgoblintypen oder vielleicht auch ihr Goblins, also sind wir hochgekommen und haben ein paar von euch abgemurkst.« Ein verlegenes Zucken einer Schulter begleitete dieses Geständnis. »Tut uns leid.«

Kralk trat näher heran. »Ihr habt weitaus mehr Hobgoblins als Goblins getötet. Wir betrachteten das als einen Gefallen.«

»Gut. Dann habt ihr sicher nichts dagegen, uns eurerseits einen Gefallen zu tun.« Der Oger starrte Jig an. »Was immer sie sind, sie haben Magie auf ihrer Seite. Viele von uns sind bereits gestorben; andere wurden versklavt. Diejenigen, die noch übrig sind, werden gejagt, die Familien, die in die tieferen Tunnel geflohen sind.«

Jig war in seinem Leben zwei Zauberern begegnet: Der eine war ein Gefährte auf seiner Queste gewesen, der andere der gefürchtete Nekromant. Beide hatten versucht, ihn umzubringen. Um fair zu sein, eine Reihe von Nicht-Zauberern hatte ebenfalls versucht, ihn umzubringen, aber Zauberer tendierten zu viel fieseren Methoden.

»Wir haben von dir gehört«, sagte der Oger. »Du besitzt deine eigene Magie, stimmt’s?«

Jig wusste, wo das hinführte, und sein Mund war so trocken, dass er keine Antwort herausbrachte, sondern nur ein schwaches Nicken schaffte.

Kralks Lächeln wurde breiter. Klecks reagierte auf dieses Lächeln mit genug Hitze, um sein ledernes Schulterpolster zu versengen. Winzige Rauchfäden stiegen unter seinen Füßen auf. Interessant, dass der Goblinhäuptling ihm mehr Angst einflößte als der Oger. Jig hatte schon immer gewusst, dass Klecks schlau war.

»Was sagst du dazu, Jig?«, wollte Kralk wissen.

Jig trat einen Schritt zurück. Es musste einen Weg aus dieser Sache geben. Er wirbelte herum und zeigte auf Veka. »Was ist mit ihr? Sie kann einen Bindezauber wirken, und sie will eine Heldin sein.«

Die am nächsten stehenden Goblins fingen an zu lachen, entweder über Jigs Feigheit oder den Gedanken an die übel riechende, übergewichtige Veka als Heldin. Was Veka selbst betraf, so schenkte sie Jig ein Lächeln, das fast so niederträchtig wie das von Kralk war. »Tut mir leid, Jig. Hättest du mich Magie gelehrt, wäre ich vielleicht mächtig genug, um zu helfen. Aber ich schätze, das hier wirst du selbst machen müssen.«

»Aber …«

»Das ist dein Weg, Jig Drachentöter, nicht meiner.« Veka klopfte mit ihrem Stab auf den Boden und ließ die Perlen und Knochen klappern. »Eine Heldin muss ihren eigenen Weg gehen. Um den tapferen Herzog Hoffman zu zitieren, der sich verwandelte, um die Meerjungfrau Liriara zu retten: ›Ich habe meinen Weg gewählt, und es ist der Weg des Tintenfischs.‹«

Der Oger schaute verständnislos drein. »Wovon redet sie? Was ist ein Tintenfisch?«

Sag ja. Schattensterns Stimme war gelassen und fest.

Jigs Stimme nicht. »Was?« Er schloss die Augen, versuchte, den Rest der Höhle auszusperren, damit er sich auf Tymalous Schattenstern konzentrieren konnte. Du willst, dass ich ja sage?

Ich kann nicht alles sehen, was passiert, aber so viel kann ich dir sagen: Irgendetwas an deinem Ogerfreund fühlt sich falsch an. Da ist ein irgendwie gearteter Rückstand, fast ein magischer Schatten. Was immer sich da unten abspielt, es ist gefährlich. Du hast die Wahl, Jig Drachentöter: Du kannst mit dem Oger gehen und herausfinden, was vor sich geht, oder du kannst darauf warten, dass das Problem zu dir kommt.

Warten klingt gut. Schattenstern antwortete nicht. Jig seufzte. Wenn der Gott ihn bei vollem Namen nannte, bedeutete das immer Arbeit. Was erwartest du von mir? Es sind Oger! Wenn sie nicht gegen dieses Ding kämpfen können, wie soll ich dann …

Du hast gegen Drachen und Zauberer und Abenteurer gekämpft, und du hast überlebt. Veka ist merkwürdig, selbst für eine Goblin, aber sie hat auch Recht. Ein Held ist derjenige, der einen Weg findet.

Kralk versucht, mich umbringen zu lassen! Sie …

Oder du kannst ablehnen. Sag zu dem Oger nein und sieh, wie er reagiert.

In Ordnung. Jig sah den Oger an. »Ich werde gehen«, murmelte er.

»Ausgezeichnet!« Der Oger klopfte ihm auf die Schulter und schickte ihn damit zu Boden. »Hoppla! Entschuldige. Ich vergesse immer, wie empfindlich ihr Käfer seid. Nichts gebrochen, hoffe ich?« Er packte Jig am Arm und zerrte ihn hoch.

Jig trat zurück und probierte seinen Arm aus. Zum Glück hatte der Oger nicht die Schulter erwischt, auf der Klecks sich niedergelassen hatte. Die Feuerspinne hatte sich zu einem heißen Ball zusammengerollt und starrte den Oger an. Langsam fuhr sie die Beine aus. Mit einem plötzlichen Spurt raste Klecks an Jigs Brust herab und vergrub sich in einer Tasche an seinem Gürtel, wobei er eine Spur qualmender Punkte auf seinem Hemd hinterließ.

»Nimm Braf zu deinem Schutz mit«, spöttelte Kralk. »Wer immer Jagd auf die Oger macht, hat vielleicht noch nicht ›Das Lied von Jig‹ gehört. Du könntest mit einem kläglichen Feigling verwechselt und in Stücke gerissen werden, bevor du eine Chance hast, von deinen großen Taten zu erzählen!«

Jig warf einen Blick auf Braf, der gerade darin vertieft war, sich den Grind von der Nase abzukratzen. Er konnte nicht entscheiden, ob Braf mitzunehmen seine Überlebenschancen vergrößern oder verringern würde. Braf verzog das Gesicht und reckte den Kiefer vor, um mit der Spitze seines Fangzahns in seinem frisch geheilten Nasenloch zu scharren. Eindeutig verringern.

»Es hat sich noch jemand freiwillig zu deiner Begleitung gemeldet«, fügte Kralk hinzu.

»Ich komme, ich komme!«, rief aus dem hinteren Teil der Höhle eine Goblin mit einer Stimme, die so alt war, dass sie knarrte.

Kralk grinste wieder. »Jig wird sicher ein Kindermädchen brauchen, das nach ihm schaut!«

Goblins kicherten, als Grell sich ihren Weg durch die Gruppe bahnte, um sich zu Jig zu gesellen. Wenn es einen Goblin gab, der von noch geringerem Nutzen wäre als Braf, so war das Grell.

Die Spazierstöcke, die sie benutzte, um ihr Gewicht zu stützen, waren glatte Stecken, dunkelgelb gefärbt von Hobgoblinblut. Grell war älter als irgendein Goblin, den Jig kannte, mit Ausnahme vielleicht von Golaka, der Küchenchefin. Aber während Golaka mit den Jahren größer und gemeiner geworden war, war Grell zusammengeschrumpft, bis sie fast so klein wie Jig selbst war. Ihr Gesicht erinnerte ihn an zerschrumpeltes, faules Obst. Solange Jig denken konnte, hatte Grell in der Traglingskammer gearbeitet, und Generationen zahnender Goblinbabys hatten ihre Hände und Unterarme mit Narben überzogen. Dunkle Flecken übersäten ihr ärmelloses Hemd; Jig versuchte, nicht über ihren Ursprung nachzudenken.

»Bist du sicher?«, vergewisserte sich Jig. »Es wird gefährlich werden. Die Oger …«

»Oger, ha!«, meinte Grell. Ein Hauch ihres Atems ließ den Vergleich mit dem faulen Obst noch viel treffender erscheinen. Einer ihrer vergilbten Fangzähne war in der Nähe des Zahnfleischs abgebrochen, und der Geruch von Verwesung reizte Jig zum Würgen. »Verbring mal eine Woche mit dreiundzwanzig Goblinbabys und dazu noch neun Krabblern – dann reden wir nochmal über Gefahr!«

»Aber …«

Grell rammte Jig das Ende eines ihrer Spazierstöcke in die Brust. »Hör zu, Jungchen. Wenn ich nur noch einen einzigen Tag mehr mit diesen Monstern verbringe, werde entweder ich sie umbringen oder, was wahrscheinlicher ist, sie mich. Ich weigere mich, begraben unter greinenden, rotzenden Bälgern zu sterben. Kralk hat zugestimmt, mir eine Pause vom Traglingsdienst zu gönnen, falls ich mit dir und diesem grünhäutigen Tölpel gehe, also gehe ich mit euch. Verstanden?«

»Was ist mit der Traglingskammer?«, fragte Jig verzweifelt. »Wer wird sie übernehmen?«

»Riva ist immer noch drin, aber du hast Recht. Ohne Unterstützung werden sie sie wahrscheinlich schnell überwältigen.« Grell drehte sich zu den Küchen um. »Hey, Golaka! Schick einen deiner Küchenkulis zum Bälgerbeaufsichtigen her!« An Jig gewandt fügte sie hinzu: »Das sollte funktionieren. Sie können ja immer damit drohen, die Älteren zu grillen, wenn sie aus der Reihe tanzen.«

Golaka spähte aus der Türöffnung; ihr rundes Gesicht glänzte vor Schweiß. Sie fuchtelte mit ihrem Rührlöffel in der Luft herum und bespritzte die Goblins in ihrer Nähe mit Fleischsaft. »Meine Helfer sind alle damit beschäftigt, Würmer fürs Abendessen zu zermanschen!«

»Ich will nur einen. Und dein Wurmpudding schmeckt sowieso wie wochenalte Kotze!«, rief Grell zurück.

Jig zuckte zusammen. Er sah, wie sich andere Goblins davonstahlen, so weit wie möglich weg von Golaka. Vielleicht musste er Grell ja gar nicht mitnehmen!

Golaka drohte Grell mit ihrem Löffel. »Der Letzte, der sich über meine Küche beschwert hat, hat es mit seiner Zunge bezahlt! Danach hat ihn der Geschmack überhaupt nicht mehr gestört.«

»Pah!«, sagte Grell. »Schick einfach den Idioten rüber, der neulich abends das Schlangenfleisch überwürzt hat. Ein Tag Umgang mit zahnenden Goblinbabys, und er wird doppelt so hart arbeiten, sobald er wieder in die Sicherheit deiner Küche zurückkommt.«

Golakas Löffel verharrte mitten in der Bewegung. Die Wut auf ihrem Gesicht schwand, und sie begann leise in sich hineinzulachen. »Das gefällt mir!« Sie machte auf dem Absatz kehrt und ging zurück in die Küche. »Hey, Pallik! Hör auf, den Hammer abzulecken, und komm her! Ich habe eine neue Arbeit für dich!«

Jig drehte sich zu dem Oger um, der den ganzen Wortwechsel mit zunehmend skeptischem Gesichtsausdruck verfolgt hatte.

»Lass uns gehen«, sagte Jig. Bevor noch jemand seine ›Hüfe‹ anbietet.

Das Gelächter der anderen Goblins begleitete sie aus der Höhle. Es hörte abrupt auf, als der Oger sich umdrehte und wütend knurrte. Die Stille entlockte Jig ein leises Lächeln. Seine Goblingefährten mochten schlimmer als nutzlos sein, aber an die Gesellschaft eines Ogers könnte er sich gewöhnen.

Jig musterte die beiden Goblins. »Was soll denn das sein?«, fragte er und starrte den Gegenstand in Brafs Hand an.

»Eine Waffe, glaube ich«, erwiderte Braf. »Ich habe sie vor ein paar Tagen bei einem Hobgoblin eingetauscht.«

Die so genannte Waffe war so lang wie Jigs Bein. Ein dicker hölzerner Schaft endete in einem Messinghaken, der groß genug war, um ihn jemand um den Hals zu legen. Das andere Ende lief spitz zu und war mit Widerhaken versehen.

»Weißt du, wie man sie benutzt?«, erkundigte sich Jig.

»Ich wollte ihr vorher einen Namen geben. Ich hatte vor, sie Hobgoblinhaken zu nennen.«

Jig schüttelte den Kopf.

»Aber das hört sich nicht richtig an«, fuhr Braf fort, während er die Waffe kreisen ließ und mit der freien Hand die Spitze prüfte. »Ich habe daran gedacht, sie Goblinstecken zu nennen, weil ich ein Goblin bin. Aber ich denke, ich werde Hakenzahn zu ihr sagen, weil sie spitz wie ein Zahn ist, nur dass am anderen Ende ein Haken ist, verstehst du?«

Hinter Jig kicherte der Oger. Wahrscheinlich hätte er Brafs Hakenzahn mit einer Hand zerbrechen können.

»Ich wünschte bloß, ich könnte mich daran erinnern, wo ich meinen Schild hingelegt habe«, schwatzte Braf weiter. »Gestern Abend beim Essen hatte ich ihn noch, denn ich habe ihn als Platte benutzt, und ich weiß noch, wie Mellok mir andauernd die gebratenen Fledermausflügel geklaut hat.«

Grells zerfurchtes Gesicht straffte sich angewidert. Sie verlagerte das Gleichgewicht auf einen ihrer beiden Spazierstöcke, erhob den anderen und knallte ihn Braf mit einem lauten klonk in den Rücken.

Braf rührte sich kaum vom Fleck, aber sein Gesicht erhellte sich. Er verrenkte sich fast den Hals und tätschelte den Rand seines Schildes, der immer noch auf seinem Rücken festgebunden war. »Danke, Grell!«

Jig wandte sich an den Oger. »Wie heißt du?«

»Walland Wallandson der Vierte.«

»Der vierte was?«, fragte Braf.

»Der vierte Walland Wallandson.«

Braf glotzte ihn an. »Sind den anderen Ogern nicht genug Namen eingefallen?« Er schien das erboste Funkeln, mit dem Grell ihn bedachte, nicht zu bemerken, also schlug sie ihm auf den Hinterkopf.

»Es ist der Name meines Vaters«, erklärte Walland. Er ließ seine Finger spielen, und seine Knöchel knackten wie brechende Knochen. »Er war Walland Wallandson der Dritte. Sein Vater war der Zweite, und mein Urgroßvater war Walland Wallandson der Erste. Dein Name ist dein Vermächtnis. Deine Familie ist alles. Jeder, der sich über den Namen Wallandson lustig macht, sollte sich lieber auf einen langsamen, schmerzhaften Tod gefasst machen.« Die letzten Worte wurden von einem wütenden Blick auf Braf begleitet.

»Scheint furchtbar ineffizient zu sein«, meinte Grell. »All die Oger, die sich um ihre eigene Nachkommenschaft kümmern! Wie findet ihr noch Zeit für irgendetwas anderes?«

Walland zuckte die Schultern. »Sie bleiben nicht für immer jung.« Er blickte Jig an. »Nun?«

»Nun was?«

»Gehen wir?«

Jig hatte vergessen, dass von ihm erwartet wurde, den Befehl über die anderen Goblins zu führen. »In Ordnung. Tut mir leid.« Er hielt seine Laterne hoch, dann zögerte er. Voranzugehen bedeutete, zwei Goblins und einen Oger in seinem Rücken zu haben. Walland würde vermutlich nichts tun, nicht wenn er wirklich Jigs Hilfe wollte. Aber die zwei anderen, na ja, die waren Goblins. Und was noch schlimmer war, Kralk musste sich mit beiden unterhalten haben, bevor Jig im Lager angekommen war.

»Was ist los?«, wollte Braf wissen.

Es war nicht so, als ob Jig ihnen nicht traute. Er traute ihnen zu, sich wie Goblins zu verhalten. »Ich frage mich, wer von euch wohl den Auftrag hat, mich zu töten?«

Er hoffte, der Betreffende würde sich durch seine Unverblümtheit zu einem Geständnis hinreißen lassen. Stattdessen sahen Braf und Grell erst einander an und dann zu Boden. Beide mieden Jigs Blick.

Jig hatte ein Problem. »Braf?«

Braf kratzte sich an der Nase. »Kralk hat gesagt, sie hackt mich in Stücke und wirft mich in Golakas Schmortopf, falls du lebend zurückkommst. Sie denkt, dass du sie umbringen und ihre Stelle einnehmen willst.«

»Warum, damit nicht nur ihr beiden, sondern das gesamte Lager meinen Tod planen kann?«, fragte Jig mit einer Stimme, die kurz davor stand, sich zu überschlagen. Wenn die Hysterie bei ihm anklopfte, hatte das immer diese Auswirkung. »Was ist mit dir?«, wollte er von Grell wissen. »Was hat sie dir versprochen?«

»Sie hat gesagt, wenn ich dich umbringe, sorgt sie dafür, dass ich nie wieder in dieser elenden, ekelhaft stinkenden Traglingskammer arbeiten muss.«

»Das kannst du nicht machen!«, protestierte Braf und hob seinen Hakenzahn. »Kralk hat doch mir befohlen, ihn zu töten!«

Jigs Hand berührte den Griff seines Schwertes. Aus diesem Winkel könnte er Grell wahrscheinlich einen Stich in den Rücken versetzen, aber Braf war außer Reichweite. Außerdem missbilligte Schattenstern es, Leuten in den Rücken zu stechen. Jig hatte das nie verstanden, aber er war nicht so dumm, über diesen Punkt mit dem Gott zu diskutieren.

Walland schnaubte verächtlich, trat an Jig vorbei und gab Braf einen kleinen Schubs, der den Goblin von der Wand abprallen ließ. Braf landete auf dem Hintern und spießte sich fast mit seiner eigenen Waffe auf. »Ihr seid ja ein vertrauenswürdiger Haufen, ihr Goblins«, stellte der Oger fest.

Jig gab keine Antwort. Entgegen allgemeinem Glauben besaß die Goblinsprache tatsächlich ein Wort für Vertrauen. Es war von dem Wort für vertrauenswürdig abgeleitet, was in Goblin dasselbe Wort wie das Wort für tot war.

Jig sah in das ledrige Gesicht des Ogers und hoffte, dass er jetzt keinen Fehler beging. »Walland ist zu uns gekommen, weil er Hilfe sucht«, sagte er. »Er hat nach mir gefragt. Nach Jig Drachentöter.« Er kniff die Augen zusammen und gab sich Mühe, bedrohlich auszusehen, als er sich an die beiden Goblins wandte. »Ich könnte mir vorstellen, dass er sehr unzufrieden wäre, falls mir etwas zustoßen sollte, bevor wir ihm helfen konnten.«

Braf stand auf und rieb sich den Hintern. »Ich hab keine Angst vor ’nem Oger«, erklärte er und bestätigte damit Jigs Einschätzung seiner Intelligenz aufs Neue. Aber er verstaute seinen Hakenzahn zwischen Schild und Rücken und machte keine Anstalten anzugreifen.

»Grell?«, fragte Jig.

Grell zuckte die Schultern. »So wie ich das sehe, stehen die Chancen gut, dass du da unten sowieso irgendwie ums Leben kommst und ich mir die Mühe sparen kann.«

»Fein.« Das Wissen, dass sie vermutlich Recht hatte, verursachte ein mulmiges Gefühl in Jigs Bauch, so als hätte er etwas gegessen, das noch nicht richtig tot war. Sein einziger Trost, als er die Laterne hob und sich in den Tunnel aufmachte, war, dass, was immer ihn tötete, zweifellos die anderen Goblins ebenso töten würde.

Kapitel 2

»Der Weg zum Ruhm beginnt mit einem einzigen Schritt.
Natürlich gilt dasselbe für den Weg zum Richtblock.«

Jasper der Götterjäger
aus Der Weg des Helden (Zaubererausg.)

Vekas Bücher baumelten gegen ihre Hüften, als sie aus dem Goblinlager hastete. Sie zog ihren Umhang fester um sich. Sie hätte mehr Wattierung in die Taschen nähen sollen.

Sie murmelte vor sich hin und übte die großartige Rede ein, die sie vorbereitet hatte, um den Wachen ihr Weggehen zu erklären. Beginnen würde sie damit, dass sie den Ruf des Schicksals vernommen und beschlossen habe, auf eigene Faust loszuziehen, um gegen die Invasion in ihr Zuhause zu kämpfen. Der Weg verhieß große Gefahr und gewaltige Prüfungen, die nur die allergrößten Helden überleben mochten.

Als sie die Wachen erreichte, die mitten in einer Partie Kakerlak waren, blieb sie stehen. Beide Wachen stampften mit den Füßen auf, um die drei Kakerlaken auf die andere Seite des Tunnels zu scheuchen. Das Ziel war, sie dazu zu bringen, am Gegner vorbeizurennen, ohne dabei sie oder den anderen Goblin zu berühren. Das Spiel endete für gewöhnlich mit zerquetschten Schaben und gebrochenen Zehen.

Veka klopfte mit ihrem Stab auf den Boden. Nichts passierte. »Wollt ihr mich nicht anrufen?«

Die Wachen stampften weiter mit den Füßen auf. »Beweg dich, blöde Wanze!«, rief einer.

Veka räusperte sich. »Ich sagte …«

»Ich hab’s gehört«, sagte die Wache. »Was glaubst du, mit wem ich geredet habe?«

Sein Kollege lachte, und der erste Wachtposten ergriff die günstige Gelegenheit, vor den nächsten Kakerlak zu springen und ihn zurückflitzen zu lassen.

Veka zog die Schultern hoch und eilte vorbei. Sie versuchte sich mit der Tatsache zu trösten, dass viele Helden den Spott ihresgleichen ertrugen. Man brauchte sich nur anzuschauen, wie die Krieger Jig Drachentöter behandelt hatten, damals, bevor er das Glück gehabt hatte, von Abenteurern gefangen genommen und mitgeschleppt zu werden, um gegen Zauberer und Drachen und dergleichen zu kämpfen.

Tja, und jetzt war sie an der Reihe. Sie malte sich aus, wie sie zurückkehrte mit der Macht, einen Zauber zu verhängen, der Wachen und Schaben verwandelte und die Goblins hin und her huschen ließ, bis sie unter riesigen Schabenfüßen zermalmt wurden. Sie hatte den Weg des Helden betreten, und wenn sie zurückkehrte, würde es mit der Macht geschehen, all die Goblins zu bestrafen, die im Lauf der Jahre über sie gelacht und sie verhöhnt hatten.

Im ersten Kapitel vom Weg des Helden war von ›Der Weigerung‹ die Rede, wenn der Held zum ersten Mal den Weg sieht und sich abwendet. Veka war sich nicht sicher, warum der Held das machte, insbesondere wo sie ja schließlich sowieso alle auf dem Weg landeten, aber Josca bestand darauf. Alle wahren Helden fingen damit an, dem Weg den Rücken zuzukehren, genau wie Jig es getan hatte, als er vorgeschlagen hatte, dass Veka mit dem Oger gehen sollte, anstelle von ihm.

Zum Glück hatte Jig ihr die perfekte Gelegenheit verschafft, ihre eigene Weigerung zu verkünden, und gleichzeitig hatte sie Jig wie einen Idioten dastehen lassen können. Geschah ihm ganz recht, wo er die ganze Magie für sich selbst hortete! Veka hatte sich solche Mühe gegeben, um Braf reinzulegen, und das alles nur, damit sie Jig beim Ausüben seines Heilungszaubers beobachten konnte. Doch für all ihr Planen und Spionieren hatte sie nichts Neues geboten bekommen: Jig benutzte nie ein Zauberbuch, nie wirkte er einen Bindespruch, er nahm weder einen Zauberstab noch sonst eins der traditionellen Zauberutensilien zu Hilfe. Er fasste die verletzten Goblins an, und die Magie geschah einfach. »Wie soll ich davon etwas lernen?«, grummelte Veka.

Die letzte Spur von Licht blieb hinter ihr zurück, als der Tunnel eine Linkskurve beschrieb. Veka begab sich auf eine Seite und strich beim Gehen mit den Fingern an der schmutzbedeckten Wand entlang. Sie hatte eine kleine Schmodderlaterne aus der Destillerie mitgebracht, aber in deren Licht wäre sie viel zu gut zu sehen.

Während sie weiterging, veränderte sich der Geruch der Luft und nahm den muffigen Duft von Tierkot und Hobgoblinküche an, die für Vekas Nase gleichermaßen übel rochen. Sie war erst zweimal in ihrem Leben hier gewesen; beide Male hatte sie sich mit anderen Goblins durch diese Tunnel geschlichen, um Straums Hort weiter unten zu plündern. Dort hatte sie auch ihr Zauberbuch gefunden, zusammen mit ihrer Abschrift vom Weg des Helden.

Der schroffe Klang von Hobgoblingelächter riss sie aus ihren Gedanken. Sie beschleunigte ihre Schritte, bis sie Jig erblickte, der mit den Hobgoblinwachtposten diskutierte. Er hatte seine Begleiter zurückgelassen und war den Wachen allein gegenübergetreten, wie es sich für einen wahren Helden gehörte. Durch die Krümmung des Tunnels konnte sie die Hobgoblins nicht sehen, aber sie hörte mindestens zwei verschiedene Stimmen neben Jigs eigener. Die anderen Goblins und der Oger warteten vor der Biegung.

Jig sagte gerade: »Wir müssen in die tieferen Tunnel.«

»Tatsächlich? Was habt ihr denn für die netten Tunnelwächter mitgebracht?«, erwiderte einer der Hobgoblins.

»Frisch gekochtes Fleisch?«, erkundigte sich der andere. »Vielleicht etwas von diesem würzigen Echsenschwanz, den eure Köchin mit Feuerspinneneiern zubereitet?«

»Falls du das nicht hast, könnten wir uns auch auf ein paar Streifen deines eigenen Fleisches einigen.« Beide Hobgoblins lachten.

Veka beugte sich vor und strengte sich an, um Jigs Antwort zu verstehen. Würde er sein Schwert ziehen und beide Posten töten, oder würde er Magie benutzen? Sie hoffte auf Letzteres.

Jig tat weder das eine noch das andere. »Wir haben kein Essen übrig, also werdet ihr euch mit Fleischstreifen begnügen müssen.« Veka schlich dichter heran und hoffte, dass die anderen Goblins nicht nach hinten schauten. Jig gab dem Oger ein Handzeichen, der daraufhin schwerfällig ins Licht trat. »Warum fangt ihr nicht mit ihm an?«

Ein Seufzer der Enttäuschung bahnte sich zischend den Weg durch Vekas Zähne. Das war so typisch für Jig: Immer fand er einen Weg, sich vor etwas Heldenhaftem zu drücken! Wieder einmal musste sie sich über ›Das Lied von Jig‹ wundern: Hatte dieser Goblin wirklich den Nekromanten und den Drachen getötet? Viel wahrscheinlicher hatte er sich in den Schatten verborgen und den Abenteurern das richtige Kämpfen überlassen und sie dann von hinten niedergestochen, als sie mit nichts Bösem rechneten. Allerdings war das immer noch ziemlich heldenhaft für einen Goblin.

Unterdessen fingen die Hobgoblins an zu stammeln und traten sich gegenseitig auf die Füße in ihrem Eifer, Jig vorbeizulassen. Veka rührte sich nicht, bis die Gruppe verschwunden und das Pochen von Grells Spazierstöcken verklungen war.

Jetzt war die Reihe an ihr, den Hobgoblins gegenüberzutreten. Sie hatte keinen Oger, der sie beschützte, falls die Hobgoblins beschlossen, sie für die soeben erlittene Demütigung zu bestrafen – was sie fast sicher tun würden. Veka hatte in ihrem Leben genug Demütigungen eingesteckt, um zu wissen, wie es sich anfühlte.

Sei’s drum! Das wäre das ›Erste Hindernis‹. Genau wie der Zwergenheld Yienti Bartbrenner die neun bewaffneten Wächter des schwarzen Flusses überwältigen musste, so würde sie, Veka die Goblin, diesen beiden Hobgoblinwächtern die Stirn bieten.

Yientis ›Erstes Hindernis‹ klang viel beeindruckender.

Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und bereitete sich innerlich auf das Zusammentreffen vor. Abgesehen von ihren Büchern und ihrem Stab hatte sie nur sehr wenig mitgenommen. Ihre Schmodderlaterne, die momentan an ihrer Gürtelschnur hing. Ihren Zauberstab. Einen Bratspieß vom gestrigen Abendessen, den sie geklaut hatte, um ihn als Waffe zu benutzen; Stücke geschwärzten Rattenfleisches klebten immer noch daran. Zuerst hatte sie versucht, ihn in ihrem Ärmel aufzubewahren, aber nachdem sie sich zweimal damit in die Achselhöhle gestochen hatte, gab sie sich damit zufrieden, ihn in den Gürtel zu schieben und zu hoffen, dass er nicht herausrutschte.

Veka straffte sich, warf die Schultern nach hinten und versuchte, mit dem einem Helden angemessenen Selbstvertrauen und sicherem Auftreten zu gehen. Die Hobgoblins beobachteten sie von der Tunnelkreuzung aus. Beide waren mindestens einen Kopf größer als Veka. Einer stützte sein Gewicht auf einen dicken Speer; ein gekrümmtes Schwert hing vom Gürtel des anderen, der in kleinen Schlucken etwas aus einem dickbäuchigen Schlauch zu sich nahm, das dem Geruch nach Bier sein mochte.

Neben den Wachen erblickte Veka die Statue eines Hobgoblinkriegers. Sie war aus schwarzem Glas und markierte die Grenze des Hobgoblinterritoriums. Eine ähnliche Statue hatte immer in der Nähe der Goblinhöhle gestanden, bis einer der Wachtposten vor ein paar Monaten versucht hatte, auf sie zu klettern. Den hatte Jig nicht retten können.

Das Standbild überragte die Wachen; die Spitzen auf seinem Helm berührten fast die Decke. Ein Ohr war abgebrochen, die zweiblättrige Streitaxt in seinen Händen an vielen Stellen abgeblättert. Eine brennende Laterne hing vom linken Fangzahn und milderte mit ihrem Schein den grimmigen Blick der Statue.

Hobgoblins sahen aus wie eine größere, hässlichere Ausgabe der Goblins. Ihre Haut war gelber und ihre Muskeln ausgebildeter, aber aus ihren Unterkiefern wölbten sich die gleichen spitzen Fangzähne nach oben, und große, goblineske Ohren überragten die breiten Köpfe.

Zwischen den Wachen und der Statue kam sich Veka wie ein Kind vor. Für sie, die es gewohnt war, in jeder Gruppe die Größte zu sein, war das ein mulmiges Gefühl.

Der mit dem Speer kratzte sich an einer langen Narbe, die sich schräg über eine Seite seines Gesichts zog. Er trug einen gehärteten Lederbrustharnisch, und seine Hose war aus weißem Tunnelkatzenfell; ein kleiner Tierschädel diente ihm als Gürtelschnalle. Seine schwarzen Haare waren im Stil eines Hobgoblinkriegers mit Fett nach hinten gestrichen. Nach einem vorsichtigen Blick den Tunnel hinunter – vermutlich um sich zu vergewissern, dass Jig und der Oger auch wirklich weg waren – grinste er höhnisch und feixte: »Noch eine von den Rattenfressern!«

Sein Kollege boxte ihm auf den Arm und meinte: »Vergiss die Ratten! Die hier sieht aus, als ob sie eine ganze Tunnelkatze intus hätte!«

Vekas Nervosität schwand. Schlimm genug, dass ihre Mitgoblins sie hinter ihrem Rücken ›Wabbel-Veka‹ nannten und ihr noch Übleres ins Gesicht sagten. Von Hobgoblins musste sie sich diese Geringschätzung nicht bieten lassen.

Sie ließ das Ende ihres Stabes so hart auf den Boden krachen, dass beide Hobgoblins zusammenfuhren. »Ich bin Veka«, sagte sie. »Ich werde die anderen auf ihrer Queste begleiten.«

Das gefiel ihr, besonders der Queste-Teil. Es klang sehr hochmütig und heroisch.

»Tatsächlich?«, fragte der mit der Narbe. Veka taufte ihn im Geiste ›Schlitz‹. Die Narbe kerbte den Rand seines Auges ein, und dieses Auge neigte dazu, seine Blicke wahllos in verschiedene Richtungen abschweifen zu lassen. Schlitz sah den anderen Wächter an. »Na ja, wenn das so ist, dann geh nur weiter. Wenn du dich beeilst, müsstest du sie noch einholen können, bevor sie den See erreichen.«

»Danke sehr«, sagte Veka huldvoll und ging vorbei. Sie sah, wie sich auf Schlitz’ Gesicht ein fieses Grinsen breitmachte, doch bevor sie reagieren konnte, zog er seine freie Hand mit einem Ruck nach hinten. In dem düsteren Licht konnte sie die Schnur kaum erkennen, die um sein Handgelenk geschlungen war und zu einem kleinen Haken in der Wand lief und von dort nach oben.

Eine Holzplatte an der Decke klappte herunter und ließ einen Schauer scharfkantiger Steine auf sie niederprasseln. Sie taumelte vorwärts, fluchte und presste sich die Hände an den Kopf.

»Ich hab’s dir ja gesagt«, meinte der andere Hobgoblin. »Steine richten nicht genug Schaden an. Wir müssen Armbrüste an der Decke anbringen.«

»Du kannst doch keine gespannte Armbrust an der Decke lassen!«, fuhr Schlitz ihn an. »Die verliert die Spannung, und die Sehne fault, erst recht bei der ganzen Feuchtigkeit vom See!«

»Dann guck dir doch die Rattenfresserin an! Deine kleine Steindusche hat sie gerade mal zum Heulen gebracht!«

»Wir brauchen größere Steine, das ist alles«, erklärte Schlitz.

Veka schniefte. Einer der Steine hatte sie an der Nase erwischt. Sie griff nach dem Bratspieß, der in ihrem Gürtel steckte.

Augenblicklich hoben beide Hobgoblins ihre eigenen Waffen. »Sei nicht dumm, kleine Goblin!«

Schlitz kicherte. »So klein nun auch wieder nicht.«

Vekas Hände zitterten: Sie war so wütend. Aber sie waren zu zweit und besser bewaffnet als sie. Und ganz egal wie schlimm sie sie gedemütigt hatten – sie hatten ihr erlaubt zu passieren.

Sie strich ihren Umhang glatt und streifte Dreck und Kieselsteine ab. Ein wahrer Held sollte jetzt nicht einfach in die Dunkelheit davonhuschen. Ein wahrer Held würde eine verächtliche Bemerkung über ihre Körperpflege fallen lassen, sie beide töten und ihre zerschmetterten Körper in ihre eigene Falle stopfen. Ihr dagegen fiel nicht einmal ein angemessen vernichtender Kommentar ein.

Das war nur der erste Schritt auf dem Weg, rief sie sich ins Gedächtnis. Jeder Held erlebte anfangs Rückschläge und Misserfolge; deshalb trug der erste Teil von Joscas Buch auch den Untertitel ›Den Weg entlangstolpern‹.

Sie rieb eine Beule auf ihrer Stirn und hastete den Tunnel hinunter. Warum musste das Stolpern so wehtun?

Veka lief so schnell, dass sie Jig und seine Gefährten zu Gesicht bekam, als diese gerade den unterirdischen See erreichten – die Passage zu den tieferen Tunneln. Ein steinerner Torbogen stand am Ufer des Sees; er bildete den Eingang zu einem langen Tunnel, der unter der Wasseroberfläche nach unten führte. Ein langer Streifen schwarzen Sands bedeckte die freie Fläche vor dem See. Ganz gleich wie leise man sich bewegte, das Knirschen dieses Sandes war mehr als genug, um die Wächter des Sees herbeizurufen: die giftigen Echsenfische.

Jig und die anderen Goblins hielten sich mithilfe ihrer Waffen die umherwimmelnden Echsenfische vom Leib. Der Oger machte sich diese Mühe nicht. Unter seinen nackten Füßen endeten die Echsenfische, die ihm zu nahe kamen, als blassrosa Schmiere.

Die Echsenfische ließen sich nicht beirren. Die weißhäutigen Kreaturen waren so lang wie Vekas Arm und zogen ihre Körper mit klauenbewehrten Vorderfüßen durch den Sand. Ihre hervorquellenden Augen bewegten sich unabhängig voneinander, was ihnen einen konfusen Gesichtsausdruck verlieh. Lange weiße Fühler schmiegten sich flach an ihre Hälse, wenn sie zum Angriff übergingen. Veka beobachtete, wie sich ein Echsenfisch auf den Oger zuschob und ihm die nadelscharfen Stacheln seines peitschenden Schwanzes ins Bein trieb.

Der Oger bolzte ihn quer durch die Kaverne, wo er in die Wand krachte.

Veka machte große Augen. Echsenfischstacheln waren giftig genug, um einen ausgewachsenen Goblin umzubringen, bevor er vor Schmerzen losschreien konnte. Der Oger hatte kaum Notiz davon genommen.

Und die brauchten Hilfe von Jig Drachentöter?

»Komm schon, Walland«, rief Jig.

Mit einem letzten Aufstampfen folgte der Oger den Goblins in den Tunnel. Allem Anschein nach hatte er sich gut amüsiert.

Veka schnürte ihren Umhang auf und nahm einen alten, gerillten Feuerstein aus der Tasche ihrer Schürze. Sie stellte die Schmodderlaterne auf dem Boden ab und betastete das Ende ihres Stabes, bis sie den metallenen Zündstreifen fand, der dort an einer Schnur baumelte. Sie zog den Zündstreifen durch die Rille im Stein und hielt beide so, dass die Funken in die Laterne flogen. Der Schmodder entflammte zischend und verströmte grünes Licht in der Höhle.

Schwarzer Sand bedeckte den Boden vor ihren Füßen. Der See lag unbewegt da, glatt wie dunkles Glas, bis auf ein gelegentliches Kräuseln oder eine Blase, wo Echsenfische und andere Geschöpfe auf der Suche nach Insekten die Wasseroberfläche kurz durchbrachen. Weiter hinten tropfte Wasser vom Gestein über dem See, zu weit weg, um es zu sehen.

Die Kavernendecke war von Stücken abgebrochenen grünen Malachits übersät, die im Licht von Vekas Laterne funkelten. Die wirklich beeindruckenden Formationen lagen weiter draußen, außerhalb der Reichweite gieriger Hobgoblinhände.

Veka konnte das schwache Klopfen von Grells Spazierstöcken noch hören, während die Gruppe sich durch den Tunnel bewegte. Vor Jahren hatte der einzige Weg nach unten durch einen verzauberten Mahlstrom im Zentrum des Sees geführt, doch Generationen von Abenteurern hatten überall im Berg ihre Spuren hinterlassen, indem sie Brücken in die Luft gesprengt, Türen zertrümmert, Felsrutsche ausgelöst und dadurch diverse Tunnel blockiert, kurz gesagt ein ziemliches Durcheinander angerichtet hatten. Wenigstens der recht neue Tunnel durch den See war ein nützlicher Umbau. Veka ergriff ihre Laterne und setzte einen Fuß auf den Sand.

Sofort kamen die Echsenfische zurück, verließen in Schwärmen das Wasser und spritzten mit Sand um sich, während sie ihre Körper auf sie zuschleppten. Veka machte einen Satz zurück in den Tunnel, und die Echsenfische krochen langsamer näher. Auf dem blanken Obsidian fanden ihre Klauen nicht genug Halt, deshalb verließen Echsenfische nur selten den Sand des Strandes. Unglücklicherweise bedeckte dieser Sand jedes Stück Stein zwischen Veka und dem Seetunnel.

Das war nicht fair! Jig hatte nichts Heldenhaftes getan, um an den Echsenfischen vorbeizukommen; sein Oger hatte die meiste Arbeit erledigt. Die Goblins hatten nur noch die Echsenfische vertreiben müssen, die der Oger nicht geplättet hatte.

»Ich will auch einen Oger!«, murmelte Veka. Sie versuchte es noch einmal, bewegte sich so behutsam sie konnte, aber es hatte keinen Zweck: In dem Moment, in dem der Sand unter ihren Füßen knirschte, kamen die Echsenfische zurück. In Vekas Hals begann ein Kloß aufzusteigen.

»Es muss einen Weg vorbei geben!«, sagte sie. Es gab immer einen Weg. Sie konnte jetzt nicht versagen, nach nur wenigen Schritten auf ihrer Reise. Sie setzte sich in der Tunnelmündung auf den Boden und zog ihr Zauberbuch aus dem Umhang. Das Zauberbuch war sogar in noch schlechterem Zustand als ihre Abschrift vom Weg des Helden. Irgendwann einmal musste es prächtig anzuschauen gewesen sein; jetzt bedeckte verkohltes rotes Leder die gravierten Kupferplatten, die den Einband bildeten. Das Metall selbst hatte die Flammen überstanden, die Seiten im Inneren hatten weniger Glück gehabt. Die paar, die nicht bis zur Unleserlichkeit verbrannt waren, waren unvollständig und an den Rändern geschwärzt. Das war wohl nicht anders zu erwarten, vermutete sie, wenn man sich sein Zauberbuch aus einem Drachenhort grapschte.

Wie viele Wochen hatte sie gebraucht, um auch nur den elementaren Bindezauber zu entziffern, den sie Jig zu zeigen versucht hatte? Die nächste Seite war ein Levitationszauber, aber egal wie oft sie ihn probierte, es war ihr bisher nicht einmal gelungen, die Haare zu levitieren, die sie sich zum Üben vom Kopf gezupft hatte. Die ganzen langen Nächte der Konzentration hatten ihr nicht mehr eingebracht als brennende Augen und eine wunde Kopfhaut.

Das Hohngelächter der Hobgoblins hallte in ihrer Erinnerung wider. Sie fing an über Jig nachzudenken und wie er die Wachen bis zur Unterwürfigkeit eingeschüchtert hatte. Bis es ihr gelänge, ihm in den Seetunnel zu folgen, hätte er wahrscheinlich längst gefunden und vernichtet, was immer die Oger jagte.

»Das sollte meine Queste sein! Mein Weg!« Sie hielt die Laterne über das Zauberbuch und kniff die Augen zusammen. Die andere Hand ballte sich zur Faust für den Bindespruch. Josca schrieb, dass der wahre Held neue Macht und Stärke finden würde, wenn seine Not groß war. Diesmal musste der Spruch klappen. Er musste!

Langsam spreizte sie die Finger und stellte sich die Energielinien vor, die sich von jeder Fingerspitze ausbreiteten und sich an einem Punkt in der Mitte ihres Handtellers bündelten. Sie bewegte die Hand über ihrem Stab und zwang diesen magischen Stern nach außen, bis er sich mit dem Holz überschnitt. Ihrem Zauberbuch zufolge würde ihr Stab ihr helfen, die Magie zu kontrollieren. Ein Schwenken des Stabes, und sie würde sich anmutig in die Luft erheben und unbemerkt an den Echsenfischen vorbeischlüpfen können. Sie benötigte nicht viel Energie, nur so viel, dass ihre Stiefel den Sand nicht berührten. So viel Magie musste doch herbeizurufen sein! Sie konzentrierte sich auf den Bindespruch und stierte so angestrengt auf den Stab, dass sie beinahe glaubte sehen zu können, wie sich die silbernen Linien um sein Ende wanden. Ihre Hände zitterten vor Anstrengung. Wenn sie doch nur …

Ein bisschen Schmodder lief aus der Laterne und landete auf dem geöffneten Zauberbuch. Veka jaulte auf und schleuderte die Laterne zur Seite und knallte das Buch zu, um die Flammen zu ersticken. Von den Seiten stieg weiter Rauch auf. Sie krabbelte auf allen vieren nach vorn, raffte Sand vom Strand auf und schüttete ihn über das Buch. Sie konnte sehen, wie sich die kleine grüne Flamme durch ein paar weitere Seiten fraß. Sie kippte immer mehr Sand über das Buch, bis das ganze Ding damit bedeckt war und das Feuer schließlich erstarb.

Erst dann dachte sie daran, aufzublicken. Echsenfische bildeten einen Halbkreis um sie. Langsam wich sie zurück in die Tunnelmündung. Einige Echsenfische versuchten ihr zu folgen, doch sobald sie dem Schmodder zu nahe kamen, der aus der auf den Sand gefallenen Laterne gelaufen war, zischten sie und zogen sich zurück. Ob es am Licht, an der Hitze oder am Geruch lag, jedenfalls weigerten sie sich, an der Laterne vorbeizukrabbeln, um an Veka heranzukommen.

Sie bewegte sich so langsam, wie sie konnte, hob ihr Zauberbuch auf und steckte es in die Tasche des Umhangs. Sie nahm ihren Stab zu Hilfe, um die Laterne wieder aufzurichten, schob ihn durch den Griff und angelte sie sich. Die Laterne geflissentlich zwischen sich und die Echsenfische haltend, zog sie sich hastig in den Tunnel zurück. Der vergossene Schmodder brannte auf dem Sand weiter.

Sobald sie wieder auf dem blanken Obsidian in Sicherheit war, setzte sie die Laterne ab, schnappte sich ihr Zauberbuch und schlug die Seite mit dem Levitationsspruch auf.

Der Schmodder hatte sich durch den größten Teil des Spruchs gebrannt und obendrein noch ungefähr die nächsten zehn Seiten ...

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