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Die Quelle in dir

Fabian Wollschläger

 

Die Quelle in dir


Aus der Leere in deine Unendlichkeit

 

Alle Rechte vorbehalten.






 

 

Wir werden in eine Welt der Suchenden geboren, um Suchende zu werden und als Suchende zu sterben.

Erst wenn wir nach unserer Unendlichkeit suchen, können wir unsere unendliche Suche beenden.

Die Antworten auf unsere Fragen können nicht im Worte liegen. Doch das Wort kann uns zu dem führen, der sie kennt.

Erhebend von dem, was wir niemals waren.

Verbindend mit allem, was wir immer sind.

So wird das erste Wort ein Ende sein.

Und das letzte Wort dein Anfang sein.

Inhalt

Einleitung

Ein Ende

Ego – die Illusion deiner Identität

Bewusstsein – die Quelle in dir

Die Vorstellungskraft

Die Bedeutung

Der Glaube

Wach- und Unterbewusstsein – die zwei Strömungen deiner Quelle

Das ausführende Unterbewusstsein

Die »Bedingungsanleitungen« zum Aufbau deiner Realität

Die Bausteine deiner Realität

Der Tresor deiner Realität

Das prüfende Wachbewusstsein

Realität – die Neuordnung durch dein Unterbewusstsein

Das Wachbewusstsein ist der Schlüssel, das Unterbewusstsein die Tür

Bewusstseins­synchronisation – Wille und Glaube im Einklang

Die Macht der Selbstreflexion

Die Macht der Affirmation

Die Macht der affirmativen Meditation

Die meditative Reise in unseren Kosmos

Das ambivalente Potenzial des positiven Denkens

Energie – die Ursachen und Wirkungen in deinem Leben

Energetischer Ausgleich

Stress

Der natürliche Zustand des unnatürlichen Glaubens

Energetische Wechselwirkungen

Energetische Konzentration

Energetische Duplikation

Energetische Projektion

Streit

Polarität – zwischen der Leere und deiner Unendlichkeit

Neutralisation

Zentrierung

Polarisierung

Die perfekte Illusion

Die Polarität der Zeit

Der Kreislauf der Zeit

Aus der Vergangenheit lernen, in der Gegenwart schöpfen, von der Zukunft leiten

Liebe – das Wasser deiner Quelle

Dein Anfang

Affirmationen & Selbstreflexionen

Affirmative Meditation

Ein Abschiedsgeschenk

Über den Autor

Einleitung

Dieses Buch wurde nicht in Worten geschrieben, sondern in Wahrheiten gemalt. Allerdings nutzt es nicht den Pinsel der Poesie, nur um die Leere einer Leinwand zu verdecken, bis sie in einem neuen Rahmen wiederkehrt. Wenn wir unserer Leere einen neuen Rahmen schenken, den wir jedoch mit alten Grenzen füllen, werden wir auch das nächste Bild unseres Lebens als Suchender zeichnen. Erst wenn wir alle Rahmen verlieren, können wir in den Farben der Unendlichkeit das Meisterwerk unseres Lebens malen.

Ein Ende

Wenn der Kopf nicht mehr antwortet, fängt das Herz an zu fragen.

»Wer bin ich?

Was ist das, was ich als ›Ich‹ bezeichne?

Mein Name? Mein Alter? Mein Beruf? Mein Familienstand? Mein Körper? Mein Charakter? Meine Stärken? Meine Schwächen? Meine Vergangenheit? Meine Zukunft?

Was bleibt, wenn ich einen Teil verliere, den ich zu meinem ›Ich‹ zähle?

Verliere ich dann einen Teil von mir?

Was bleibt, wenn ich alles verliere, was ich zu meinem ›Ich‹ zähle?

Bin ich dann nichts mehr?«

Die Antwort, die folgt, ist die Wahrheit.

Alles, was mit einem »Ich« anfängt, ist untrennbar mit seinem Ende verbunden. Sei es der Körper, den wir erhalten haben, die Beziehungen, denen wir uns hingeben, das Geld, das wir verdienen oder eine berufliche Karriere, die wir uns erarbeiten. Was von unserem »Ich« gewonnen wird, wird ebenso von unserem »Ich« verloren werden.

Durch den Verlust entsteht eine innere Leere, die sich mit Wut, Trauer, Enttäuschung, Zweifeln oder Angst füllt. Um vor der Leere zu flüchten, wenden wir uns von unserem Inneren ab und kehren uns nach außen. In einem ewigen Krieg gegen unsere Leere bauen wir eine materielle Mauer aus einer geistigen Identität um uns. Wir versuchen, unseren Körper zu korrigieren, neue Beziehungen zu erleben, Reichtum aufzubauen oder unsere Reputation zu erhöhen. Wir suchen neue Teile, mit denen wir die Grenzen unseres »Ichs« füllen können, um vollständiger zu werden. Doch auch wenn wir unser Körpergewicht reduzieren, unseren Partner wechseln, viel Geld verdienen und berufliche Erfolge feiern, wird die innere Leere zurückkehren, sobald wir die Tiefe vermissen, in die uns oberflächliche Veränderungen nicht führen können. Bis wir die Ursache unserer Leere entdecken, leiden wir unter ihrer wiederkehrenden Ewigkeit, statt sie als Illusion zu entlarven, die nur durch uns zur Wirklichkeit wird. Ohne Rücksicht auf unsere Gefühle verbindet sie auch den sprudelndsten Anfang mit einem stillen Ende. Das Neue verliert seine bunten Farben und enttarnt sich als das blasse Alte. Bis wir erneut unseren Weg wechseln, um uns weiter auf der Suche nach Erfüllung im ewigen Kreis der Vergänglichkeit zu drehen. Erst wenn wir uns nach innen kehren, lüftet die Illusion ihren Vorhang, und die Wahrheit betritt die Bühne unseres Lebens.

Der Eingang in unser Leid wird zum Ausgang aus unserem Leid.

Der Ausgang aus unserem Leid wird zum Eingang in unsere Unendlichkeit.

Die Unendlichkeit unseres Lebens erstreckt sich jenseits der Grenzen unseres »Ichs«. Das, was wir als »Ich« bezeichnen, ist unsere Definition von uns. Unser Ego. Wenn uns jemand die Frage stellt, wer wir sind, antworten wir nicht, dass wir ein Teil des Kosmos sind, sondern wir nennen all die Eigenschaften, durch die wir uns voneinander unterscheiden. Folglich definieren wir etwas, indem wir es von allem anderen trennen. Wir bilden eine künstliche Grenze, die Verbundenes voneinander löst. Doch Verbundenes als Getrenntes wahrzunehmen ist eine Illusion. Würden wir nicht etwas sein, könnten wir Alles sein. Würden wir nicht jemand sein, könnten wir jeder sein. Wir sind es, die durch unser Ego die Mauern unserer Realität erschaffen. Sie entstehen, bestehen und fallen durch uns.

Unendlichkeit bedeutet, von der entmachteten Wirkung zur ermächtigten Ursache zu werden.

Von einem Tropfen zur Quelle.

Von der Schöpfung zum Schöpfer.

Von einem Bild Gottes zu einem Ebenbild Gottes.

Die Unendlichkeit ist Frage und Antwort. Nur wenige finden sie, weil der Weg zu ihr sich dort versteckt, wo niemand sie suchen will. In unserer Leere. Wir alle kennen sie, denn wir alle leben in einer Welt, die uns lehrt zu trennen, statt zu verbinden. Die Leere kann uns einen Tag besuchen oder ein ganzes Leben in uns einziehen. Sie klopft nicht an unserer Tür, sondern bricht in uns ein. Entweder schleicht sie als schwache Brise durch ein offenes Fenster unbemerkt in unser Haus oder sie reißt als wütender Sturm das Dach unseres Zuhauses ab. Mit jedem Einbruch stiehlt sie einen Teil von uns.

Am Tag ein schlichtes Detail, in der Nacht unsere fantastischsten Träume. Manchmal raubt sie uns vor unseren Augen aus, ein anderes Mal werden wir hinter unserem Rücken geplündert. Während wir äußeren Reichtum gewinnen, können wir in innerer Armut versinken. Wir können alles verlieren. Von unserem Lachen bis zu unserer Liebe. Am schlimmsten schmerzt die Trennung von der Verbindung zu unserem Selbst.

Doch jedes Leid birgt die Chance, uns von der endlosen Suche im Außen abzuwenden und uns stattdessen endlich nach innen zu wenden. So kann unser größter Verlust zu unserem höchsten Gewinn werden – denn nur etwas, das leer ist, kann gefüllt werden.

Es wird dich lehren, jeder zu sein, während du jemand bist. Sobald du dieses Bewusstsein erreichst, verlässt du deine Grenzen und öffnest das Tor zu deiner Unendlichkeit.

Um nicht mehr ein Opfer deiner Lebensumstände zu sein, erfährst du, wie du deine Gedanken und Gefühle nutzen kannst, damit du durch die Verbindung mit deinem Inneren deine äußere Welt erschaffst.

Du wirst lernen, nicht mehr deiner Energielosigkeit zu erliegen, sondern deine Energie zu regulieren und dich von belastenden Energien zu lösen, damit du ein ungeahntes Potenzial freisetzen kannst, das deine Wünsche manifestiert.

Um dem ewigen Kreis aus Freude und Trauer zu entkommen, wirst du verstehen, dich von deinem Leid zu lösen und deine innere Leere zu füllen, damit du dich von einem linearen Wesen zu einem multidimensionalen Schöpfer entwickelst.

Du bist kein Produkt deiner Vergangenheit, du lernst, die Zeit zu nutzen und dich dem Moment hinzugeben, damit deine Gegenwart nicht nach deiner Vergangenheit, sondern nach den Visionen deiner Zukunft erbaut wird.

Du verlässt das Feld der endlichen Möglichkeiten und trittst ein in das Feld der unendlichen Möglichkeiten. Du löst deine Grenzen und wirst grenzenlos. Nicht durch ein Buch, einen Kurs oder ein Seminar. Nicht durch einen Therapeuten, einen Trainer oder ein Medium, sondern aus der stärksten Kraft, die dich immer umgibt und dich niemals verlassen wird.

Aus deiner eigenen Kraft.

Es existiert bereits alles in dir, was du dir wünschst. Das Einzige, was den unerschöpflichen Überfluss des Universums und dich trennt, bist du. Befreie dich von deinem Leid, damit verbindest du dich mit ewigem Glück. Befreie dich von allen Grenzen, dann verbindest du dich mit ewiger Fülle.

Jeder Moment ist der erste Moment deines weiteren Lebens.
Jetzt ist der Moment, um ein neues Leben zu beginnen.
Aus der Leere in deine Unendlichkeit.

Ego – die Illusion deiner Identität

»Wo bin ich?«

»Hier und jetzt.«

»Warum bin ich hier?«

»Um zu sein.«

»Ich will zurück.«

»Du kannst nicht zurück.«

»Warum?«

»An welchen Ort?«

»An den Ort, von dem ich kam.«

»Du warst immer hier und wirst immer hier sein.«

»Dann will ich nicht sein.«

»Warum?«

»Hier ist es leer.«

»Hier ist es voll.«

»Voll womit?«

»Voller Leere.«

»Die Leere erdrückt mich.«

»Die Leere erfüllt dich.«

»Ich sehe nichts.«

»Dann siehst du nicht dich.«

»Ich verstehe nicht.«

»Dann verstehst du nicht dich.«

»Erkläre es mir.«

»Dann folge dir.«

Auf die Frage, wer wir sind, könnten wir mit unserem Namen, unserem Alter, unserem Beziehungsstatus und unserem Beruf antworten. Verändert sich eine dieser Eigenschaften, würden wir uns verändern. Verlieren wir eine dieser Eigenschaften, so würden wir uns verlieren. Die Wahrheit ist jedoch, dass wir noch etwas sind, auch wenn wir alle Eigenschaften verlieren, die wir haben.

Der Wortwechsel zwischen »sein« und »haben« wirkt unbedeutend, doch er birgt die Wahrheit hinter der Illusion unseres Egos, das wir uns einbilden zu sein. Wenn wir die Identifikation mit unserem Sein auf unsere äußere Welt beschränken, limitieren wir uns, denn wir ziehen eine Grenze um uns und trennen uns so von allem, was wir nicht meinen zu sein, jedoch sein könnten. Auch von dem, was wir wirklich sind. Wenn wir uns mit etwas identifizieren, handeln wir aus dem eingegrenzten Raum unserer Identität. Wir erkennen nicht mehr, was sich hinter den Wänden verbirgt, die wir um uns gebaut haben. Unser Ego errichtet einen Raum um uns, der mit unserer gesamten Energie geschmückt wird, sodass wir unsere Energie verlieren, wenn sich dieser Raum schließt oder wir ihn verlassen müssen.

Doch wir sind nicht unser Ego. Wir haben ein Ego. Diese Erkenntnis kann uns von jedem Leiden heilen, das durch ein Klammern an etwas Vergangenem entsteht, was wir hatten, aber nie waren. Wenn wir die Bedeutung dieses Unterschieds verstehen, kann ein Verlust zwar noch eine Welle schlagen, doch er wird nicht mehr das Ruder unseres Lebens an sich reißen.

Wir können nicht verlieren, was wir sind, sondern nur, was wir haben. Auch wenn wir alles verlieren, was wir haben, bleibt uns trotzdem noch alles, was wir sind. Die Heilung dieses Verlusts liegt letztendlich in der Erkenntnis, dass nicht das, was wir haben, unsere Realität erschafft. Wir erschaffen unsere Realität durch unser Sein.

Durch einen Verlust entsteht eine Leere, in der Neues wachsen kann, was zuvor keinen Platz in uns fand. Ein Berufstätiger, der seinen befriedigenden Job für immer behält, wird niemals in seinen Traumjob wechseln. Zwei Partner, die sich für immer mit ihrer ausreichenden Beziehung abfinden, werden niemals erfahren, was wahre Liebe ist. Erst wenn sich der Raum schließt, für den wir uns entschieden haben, weitet sich unser Blick, und wir erkennen, dass seine breite Tür nur ein schmales Fenster war. Eine Trennung kann schmerzen, doch sie schafft immer Platz für etwas Neues. Ein einziger Gedanke reicht aus, denn es ist ein Gedanke, aus dem ein ganzes Universum entspringen kann.

Alles, was zu unserem Ego kommt, verlässt unser Ego auch wieder. Alles, was wir haben, ist vergänglich. Dabei ist die Vergänglichkeit nicht nur Schatten, sondern auch Licht. Erst sie ermöglicht unserem Ego eine unendliche Vielfalt, die die Ewigkeit nicht besitzt.

Wir sind sowohl Ewigkeit als auch Vergänglichkeit.

Wir sind Schöpfer. Unser Ego ist unsere Schöpfung.

Mit unserem Glauben, wir seien nur ein Tropfen, statt einer Quelle, belügen wir uns. Durch diese Lüge entstehen die Illusionen unserer Realität, die uns vortäuschen, wir seien nicht die Ursache, sondern die Wirkung unseres Lebens. Erkennen wir jedoch die Wahrheit hinter diesen Illusionen, transformieren wir uns von der begrenzten Schöpfung unserer Welt zum grenzenlosen Schöpfer.

Bewusstsein – die Quelle in dir

»Was bist du?«

»Was immer du glaubst, was ich bin. Was bist du?«

»Ich bin ein Mensch.«

»Ist das wahr?«

»Ja.«

»Warum bist du dir so sicher?«

»Weil ich einen Körper, Gedanken und Gefühle habe. Ich führe ein menschliches Leben.«

Wie kannst du dir so sicher sein, ob all das nicht nur ein Traum ist?«

»Ich kann mir nicht sicher sein. Ist all das nur ein Traum?«

»Das weiß ich nicht. Doch ich weiß, dass du in Wirklichkeit mehr als all das bist. «

»Was bin ich dann?«

»Weißt du, was sich Traum und Wirklichkeit teilen?«

»Nein.«

»Ihre Quelle.«

Wenn wir unser Ego nur haben, statt unser Ego zu sein, was sind wir dann?

Alles, was wir haben, entsteht dadurch, was wir sind. Bewusstsein.

Wir haben kein Bewusstsein. Wir sind Bewusstsein. Jeder Augenblick unseres Lebens wird in der Wiege unseres Bewusstseins geboren. Unser Bewusstsein ist die Mutter, unser Leben ist ihr Kind.

Bewusst zu sein ist keine Fähigkeit. Es überschreitet die Grenzen der Fähigkeiten und öffnet die unendliche Weite der Wunder. Es ist das Bewusstsein, das jeden Tag das Unmögliche möglich macht und uns Menschen hilft, übermenschlich zu werden.

Blicke durch den Raum. Dann blicke an dir hinunter. Alles, was du sehen kannst, ist durch Bewusstsein entstanden. Auch du. Alles, von der Geburt einer revolutionären Idee, bis zu der Geburt einer Menschenseele, die deinen Namen trägt.

Stell dir deine Realität wie ein Haus vor. Es ist irrelevant, ob du in einem glänzenden Palast lebst oder in einer baufälligen Hütte. Dein Bewusstsein ist sowohl der Innen- wie auch der Außenarchitekt deines Zuhauses. Jeder Gedanke, jedes Gefühl und jedes Verhalten entstehen durch dein Bewusstsein. Jedes Detail deines Lebens ist aus seinen Bauplänen entstanden. Wer zum Meister seines Bewusstseins wird, wird zum Architekten seiner Realität.

Um dein Haus von Grund auf zu renovieren, erfährst du in den nächsten Kapiteln zunächst, wie Bewusstsein und Realität aufgebaut sind und wie sie funktionieren. Nach dem Grundwissen beginnt der Umbau.

Die Vorstellungskraft

»Warum sind wir von diesen Mauern umgeben?«

»Weil ihr Architekt sich keine Welt jenseits dieser Mauern vorstellen konnte.«

»Existiert denn etwas jenseits dieser Mauern?«

»Ja.«

»Was existiert jenseits dieser Mauern?«

»Alles, was ihr Architekt sich vorstellen kann.«

»Kannst du sie niederreißen?«

»Nein.«

»Warum nicht?«

»Nur der, der sie errichtet hat, kann sie auch niederreißen.«

Unsere Vorstellungskraft ist kein kreatives Können, sondern unsere Art zu denken. Mit jedem Atemzug benutzen wir unsere Vorstellungskraft, denn wir brauchen sie, wie wir die Luft zum Atmen brauchen. Sie ist der Stoff, aus dem jeder Gedanke gewoben wird. Die Frage nach unserer Vorstellung von Gott ist die Frage nach unserer Denkweise von Gott, so, wie unsere Gedanken über ein Leben nach dem Tod, unsere Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod sind. Unsere Gedanken formen sich aus unseren inneren Vorstellungen. Sie sind nicht nur elektrische Impulse, die als Wellen durch unser Gehirn strömen. Die Bilder unserer Vorstellungskraft sind die Sprache, in der unser Bewusstsein spricht.

Eine Vorstellung von der Realität und die »wahre« Realität sind nicht gegensätzlich, sondern identisch. Für uns existiert keine Realität außerhalb unserer Vorstellungen, weil wir nur unsere Vorstellungen wahrnehmen können. Was wir als Wirklichkeit wahrnehmen, ist unsere Vorstellung von der Wirklichkeit.

Wir sehen die Realität nicht erst durch die Reflexion des Sonnenlichts. Ihre Bilder entstehen, wenn wir das ewige Licht unseres Bewusstseins auf sie lenken. Deswegen können fiktive Filme reale Gefühle in uns auslösen. Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen Fiktion und Realität, weil wir nicht ihre Wesen, sondern lediglich die Vorstellung ihrer Wesen wahrnehmen und verarbeiten können. Würden wir die Welt nur mit unseren Sinnen wahrnehmen, wüssten wir nicht einmal, wer wir sind. Auch unser Ego ist bloß die Vorstellung unseres Egos. Unsere fünf Sinne sind nur Werkzeuge, um die Bilder unserer Vorstellungen auszumalen. Sie vermitteln uns den Eindruck, wir würden erleben, was außerhalb von uns ist – unsere Familie, unsere Freunde, unsere Wohnung, unser Arbeitsplatz und unser Leben. Doch nichts davon haben wir jemals außerhalb von uns erlebt. Jedes Detail unseres Lebens existiert als Vorstellung in uns.

Wenn wir beide uns zum ersten Mal begegnen, beginnen wir, uns einander vorzustellen. Alles, was wir sind, sind die Vorstellungen von uns in unserem Bewusstsein.

Unsere Vorstellungskraft kann uns sowohl in ein begrenztes Gefängnis der Vergänglichkeit sperren, als auch in den grenzenlosen Raum unserer Unendlichkeit führen.

Wenn wir uns nur nach außen wenden, verhaften wir uns in der Endlichkeit. Der Körper, das Haus und die Erde, auch die Identität, die wir gerade bewohnen – alles, was wir äußerlich wahrnehmen, sind begrenzte Räume, die vergehen. Die Beschränkung unserer Vorstellungskraft auf äußere Vorstellungen ist mit Leid verbunden. Unser Körper nähert sich mit jeder Sekunde, in der wir leben, dem Tod. Häuser und Planeten zerfallen, und selbst Identitäten währen niemals ewig. Begrenzen wir unsere Realität auf die Vorstellungen unserer Außenwelt, entwickeln wir Leiden und Ängste, denn die äußere Welt ist begrenzt.

Im Gegensatz zu unserer Außenwelt sind die Vorstellungen unserer Gedankenwelt unendlich. Durch innere Vorstellungen können wir aus dem Raum unseres Körpers hinaustreten und von der Gegenwart in Vergangenheit und Zukunft reisen. Erinnerungen und Visionen sind Vorstellungen, in denen wir uns von dem »Hier und Jetzt« trennen und uns an jeden Ort zu jeder Zeit begeben können. Raum- und Zeitreisen sind keine Hollywoodfantasien, in denen wir uns dematerialisieren, um von Scotty hochgebeamt zu werden oder zurück in die Zukunft zu reisen.

Wenn wir uns in unserer Vorstellung von den äußeren Grenzen der Materie und der Gegenwart getrennt haben, existiert unser materieller Körper in der Gegenwart, während wir uns mit unserem Bewusstsein von der Enge dieser Dimensionen befreien, um überall zu jeder Zeit sein zu können. Diese Reisen treten wir unbewusst jeden Tag zahllose Male an. Von der Wahl unserer Kleidung am Morgen, bis zu dem Entschluss am Abend, ein Buch über die Quelle in dir zu lesen. Wir vergleichen die Gegenwart mit der Vergangenheit und treffen auf Basis unserer Erinnerungen eine Entscheidung für die Zukunft.

Die Unendlichkeit unserer Vorstellungskraft durch Raum- und Zeitreisen hat wie jede andere Fähigkeit unseres Bewusstseins sowohl eine Licht- als auch eine Schattenseite. Entweder benutzen wir ihr unendliches Potenzial bewusst für uns oder sie wirkt unbewusst gegen uns.

Einerseits befreit uns die Raum- und Zeitlosigkeit vom unbestimmten Reaktionismus der Gegenwart und schenkt uns die Freiheit, durch reflektierte Erfahrungen der Vergangenheit aktiv eine visionsgeleitete Zukunft zu erschaffen. Wir können durch den Lernprozess auf Wissen zurückgreifen, das wir uns in der Vergangenheit angeeignet haben, um es in der Gegenwart anzuwenden und unsere Zukunft zu gestalten. Ebenso ermöglichen Vergangenheit und Zukunft unser rationales Handeln, und auch unsere Intuition greift auf unterbewusste Erfahrungen der Vergangenheit zurück, um die Gegenwart zu bewerten.

Andererseits kann die Fähigkeit der mentalen Raum- und Zeitreisen auch gegen uns wirken, wenn es zu einem unbewussten Zwang wird. Unser Gehirn assoziiert die Gegenwart immer mit der Vergangenheit, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen einer neuen und unseren alten Erfahrungen zu analysieren und so der neuen Erfahrung eine Bedeutung zu verleihen. Nicht nur in der Hirnforschung, auch in Psychologie und Pädagogik ist diese Funktion des Gehirns als das »Gesetz der Assoziation« bekannt. Demzufolge können wir die Gegenwart nur durch die Brille unserer Vergangenheit erkennen. Die Summe der Erfahrungen, die wir als unser Leben bezeichnen, existiert nur als Vorstellung unserer Vergangenheit. Wenn wir unsere Gegenwart auf der Basis unserer Vergangenheit deuten, um unsere Zukunft zu erschaffen, dann wird gestern zu morgen. Statt uns bewusst weiterzuentwickeln, stagnieren wir unbewusst. Unsere Vergangenheit wird zu unserer Zukunft.

Auch die Schmerzen, unter denen wir in der Gegenwart leiden, sind eine Reaktion auf ein Ereignis aus unserer Vergangenheit. Wenn wir unter einer ungewollten Trennung von unserem Partner leiden, dann leiden wir an einem Ereignis, das in der Vergangenheit geschehen ist. Wir ketten uns an ein vergangenes Erlebnis und holen es mit jeder schmerzhaften Erinnerung von der Vergangenheit zurück in unsere Gegenwart. Wir entkoppeln die Vergangenheit von ihrer Vergänglichkeit und verleihen ihr so Ewigkeit. Doch Vergangenheit und Vergänglichkeit sind jenseits unserer inneren Vorstellungen eins. Die Vergangenheit ist vergangen, unwiderruflich erloschen. In der gegenwärtigen Außenwelt existiert sie nicht mehr. Deswegen vergehen mit der Gegenwart auch die Ereignisse, die uns Leid zufügen.

Doch unsere Realität bewegt sich niemals jenseits unserer Vorstellungskraft, sondern immer und ausschließlich in ihr. Wenn wir durch unsere Vorstellungskraft zurück in die schmerzhafte Vergangenheit reisen, erschaffen wir eine illusionäre Trennung zwischen Vergangenheit und Vergänglichkeit und holen dadurch die Vergangenheit zurück in unsere Gegenwart. Ob wir uns nach dem Tod eines Angehörigen zurück in die Vergangenheit zu ihm flüchten, um bei ihm zu sein oder ob wir einen Streit mit unserem Partner rückwirkend reflektieren, um für uns die Frage nach Recht und Unrecht zu klären. Unser Leid lebt durch uns weiter, weil wir die Gegenwart immer wieder mit der Vergangenheit assoziieren und so unseren Schmerzen Ewigkeit verleihen.

Nichts und niemand hat uns jemals wirklich innerlich verletzt. Weder die Vorurteile eines Arbeitskollegen noch das Desinteresse unserer Eltern. Jeder Schmerz, von einem emotionalen Splitter bis zum psychischen Tod, entsteht einzig und allein durch uns, indem wir uns durch unsere Vorstellungskraft von der Gegenwart abwenden und zurück in die Vergangenheit reisen, um vergangenen Schmerz wiederzubeleben.

Nur wer die Unendlichkeit seiner Vorstellungskraft bewusst betreten und verlassen kann, wird das Pendel dieser Gabe anhalten, damit es nicht mehr unkontrolliert zwischen Fluch und Segen hin- und herschwingt. Wir alle tragen ein eigenes Universum in uns. Begrenzen wir unsere Vorstellungskraft, begrenzen wir unser Universum. Wird unsere Vorstellungskraft grenzenlos, wird unser Universum grenzenlos. Wenn wir lernen, die Macht unserer Vorstellungen für uns einzusetzen, können wir innerlich ganze Welten erschaffen, die sich äußerlich manifestieren.

Unsere Vorstellungskraft dient als Beweis für das, was möglich ist. Jedes menschliche Bauwerk unserer Erde, jede atemberaubende Geschichte und jede Verwirklichung des vermeintlich Unmöglichen begann mit einem einzigen Gedanken. Geboren in einem Bewusstsein, gekleidet in eine bildliche Vorstellung, erwachsen in seine Manifestation. Jede Vorstellung kann ein Urknall sein, aus dem Ganzen entsteht ein Universum.

Begib dich in das unendliche Reich deiner Vorstellungskraft, und stell dir vor, ich schalte das Licht des Raumes aus, in dem du dich gerade befindest. Du kannst nichts mehr sehen, außer der Dunkelheit, die den Raum füllt. Nun verrate mir, ob du dich noch in diesem Raum befindest. Falls ja, woher weißt du, dass du dich noch in diesem Raum befindest? Wieso kannst du den Raum noch sehen, obwohl deine Augen geschlossen sind? Du siehst ihn auch in vollkommener Dunkelheit, weil dieser Raum als Vorstellung in dir existiert. Woher weißt du, wie das Haus hinter den Wänden des Raumes aussieht, in dem du dich gerade befindest? Die Stadt, das Land, der Kontinent, die Erde, das Universum?

Du lebst in deiner Vorstellung.

Möchtest du dein Leben erweitern, musst du die Vorstellung von deinem Leben erweitern.

Die Bedeutung

»Ich habe genug gesehen. Ich möchte diesen Ort verlassen.«

»Gefällt er dir nicht mehr?«

»Nein, er macht mich traurig. Hier sieht alles gleich aus. Ich will etwas Neues sehen. Kannst du mich an einen anderen Ort bringen?«

»Nein, das kann ich nicht.«

»Warum nicht?«

»Es existiert kein anderer Ort.«

»Wie kann ich dann etwas Neues erleben?«

»Indem du den Ort veränderst.«

»Wie verändere ich den Ort?«

»Indem du die Augen veränderst, mit denen du ihn ansiehst.«

Vorstellungen verleihen unserer Realität ihre Form, Bedeutungen hauchen ihr Leben ein. Durch die Verknüpfung von Vorstellung und Bedeutung entsteht eine lebendige Realität. Nicht eine universelle, sondern unsere persönliche Realität.

In der Illusion einer universellen Realität besitzt jedes Wesen, jedes Objekt, jeder Zustand und jedes Ereignis eine objektive Allgemeingültigkeit. Jeder Mensch teilt jeder Manifestation in unserem Universum eine identische Bedeutung zu. Alle Menschen beten den gleichen Gott an und pflegen die gleiche Lebensweise. Alle Vorstellungen werden von allen Menschen mit den gleichen Bedeutungen versehen und lösen deswegen in allen Menschen identische Gedanken und Gefühle aus. Jeder Mensch ist gleich.

Diese Missachtung von individuellen Realitäten bildet die Ursache für jeden Konflikt in der Menschheitsgeschichte. Angefangen mit dem Beziehungsstreit um das Ausräumen der Spülmaschine, bis hin zu einem Krieg zwischen zwei Nationen. Jeder Konflikt entsteht durch die Intoleranz gegenüber einer fremden Realität, weil sie nicht der eigenen entspricht. Wir meinen, unsere Realität sei wahrer oder wichtiger, und alle anderen Realitäten seien falsch oder unwichtiger.

Trennen wir uns von der Annahme, es existiere eine universelle Realität, öffnen wir uns für die Erkenntnis, dass jeder Mensch in seiner individuellen Realität lebt. Jeder Mensch betet seine eigene Vorstellung und Bedeutung von Gott an und pflegt seine eigene Lebensweise. Wir alle haben unterschiedliche Vorstellungen, denen wir unterschiedliche Bedeutungen geben, die zu verschiedenen Gedanken und Gefühlen führen. Jeder Mensch ist einzigartig.

Welche Vorstellung wirkt für dich realer? Die Existenz einer einzigen Realität oder einer Unendlichkeit an Realitäten?

Erkennen wir uns als Quelle unserer Realität, sind wir uns bewusst, dass jedes Wesen im besten Willen seiner für sich wahren Realität handelt. Statt mit Intoleranz andere Realitäten zu verurteilen, akzeptieren wir fremde Realitäten nicht weniger als unsere eigene. Statt ein Leben in Trennung, führen wir dann ein Leben in Verbundenheit. Die Annahme von subjektiven Realitäten streitet nicht ab, dass die Vorstellungen, die wir mit unseren fünf äußeren Sinnen wahrnehmen, nicht mit den Vorstellungen anderer übereinstimmen können.

Doch was ist Realität? Wodurch wird das, was wir Realität nennen, für uns real? Durch unsere Vorstellung oder durch die Bedeutung, die wir unserer Vorstellung geben?

Vorstellung und Bedeutung sind untrennbar miteinander verbunden. Objektivität ist eine Illusion, denn wir haben meistens nicht nur individuelle Vorstellungen von der Realität, sondern rüsten alle unsere Vorstellungen auch mit einer individuellen Bedeutung aus. Jede Seite besteht aus zwei Seiten, jede Wahrheit ist nur eine Halbwahrheit, und jede Singularität ist eine Pluralität. »Tatsachen« liegen immer im Auge des Betrachters, denn statt alle in einer einzigen Realität zu leben, leben wir alle in unserer eigenen Realität. Ohne die individuelle Bedeutung ist eine Vorstellung buchstäblich bedeutungslos. Unsere Eltern, Geschwister oder Kinder würden sich für uns nicht von den Milliarden von anderen Menschen unterscheiden. Unser Kontostand wäre nur eine Reihe nichtssagender Ziffern, und auch unser Leben hätte keinen tieferen Sinn.

So, wie die Vorstellung der Samen eines Gedankens ist, so keimt aus der Bedeutung ein Gefühl. Hat etwas keine Bedeutung für uns, haben wir kein starkes Gefühl dazu. Hat es hingegen eine hohe Bedeutung für uns, setzen wir den ganzen Kosmos in Bewegung. Es sind Gefühle, die uns Menschen unsere Menschlichkeit verleihen und die Intensität unserer Gedanken bestimmen. Sie sind nicht nur der Anfang, sondern das Ziel jeder unserer Handlungen. »Ich mache …, weil ich mich dann … fühle.« In der tiefsten Ebene dient alles, was wir tun, der Absicht, Liebe zu erzeugen oder Leid zu vermeiden.

Indem wir unsere Vorstellungen mit einer Bedeutung verbinden, entsteht unsere Realität. Die Bedeutungen wählen nur wir. Nichts und niemand kann uns sagen, welche Bedeutung wir welcher Vorstellung geben. Es ist kein Zwang, sondern unsere Freiheit. Die Illusion der zwanghaften Deutung entsteht, wenn wir den freien Raum zwischen Vorstellung und Deutung nicht erkennen. Doch wir können die Verbindung zwischen Vorstellung und Bedeutung jederzeit trennen, um einer alten Vorstellung eine neue Bedeutung zu geben und unser Leid zu transformieren. So werden Fehler zu Lehren, Verluste zu Chancen und Grenzen zu Möglichkeiten.

Materialisten können ihr gesamtes Leben der Jagd nach Ruhm, Macht und Reichtum widmen, ohne zu bemerken, dass sie nur Illusionen nachjagen, weil diese ihnen ein Gefühl versprechen, das sie jedoch auch ohne die Kosten der äußeren Schleier mühelos in ihrem Inneren erschaffen könnten. Es ging nie darum, was wir werden. Es geht darum, wie wir werden.

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