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Die Psyche des Universums

Einleitung

Teil I: Das Universum in der Wahrnehmung unserer Vorfahren

Die Kosmologie und Kosmogonie

Die Urmenschen

Die Ältesten Himmelsdarstellungen

Die frühen Hochkulturen

Indien

China

Mesopotamien

Ägypten

Das Weltbild der Bibel

Minoische Kultur

Antikes Griechenland

Vorsokratiker

Sokrates und seine Nachfolger

Hellenismus und Römische Kaiserzeit

Mittelalterliche Kosmologie

Die kopernikanische Wende

Die Neuzeit

Die modernen Naturwissenschaften

Zusammenfassung

Teil II: Das Universum in naturwissenschaftlicher Sicht

Vom Urknall bis zu den Galaxien

Das junge Universum

Bildung von Ursternen und Galaxien

Entstehung der Planetensysteme

Woraus besteht das Universum?

Andere Möglichkeiten

Die Entstehung und Entwicklung der Erde

Hadaikum

Archaikum – Das Leben entsteht

Proterozoikum

Phanerosoikum

Paläozoikum – Das Erdaltertum

Das Kambrium und Ordovizium

Silur

Devon

Karbon

Perm

Mesozoikum – Das Erdmittelalter

Trias

Jura

Kreide

Känozoikum – Die Erdneuzeit

Paläogen

Neogen

Quartär

Das bewusste Leben – Der Mensch

Die Vorfahren des Menschen

Die Vorfahren des Homo sapiens

Homo sapiens sapiens

Teil III: Die Komplementarität des Universums-Stoffes.

Der Prozess der Komplexifikation

Komplexifikation und Evolution

Die Komplexifikation ist ein immanentes Attribut des Universumsstoffes?

Offene Fragen

Dunkle Materie und Energie

Das Phänomen der Quantenverschränkung

Die Feldtheorie und Fernwirkung

Das Leben

Seine chemischen Grundlagen

Die Eigenschaften des Lebens

Das Bewusstsein

Was ist Bewusstsein?

Wie funktioniert das Bewusstsein?

Fazit

Der Universumsstoff und seine Eigenschaften

Vielfalt

Einheitlichkeit

Die „andere Seite“ des Universumsstoffes

Das Prinzip der Kausalität

Der andere Ansatz

Verschiedene Weltanschauungen

Der Dualismus

Der Physikalismus

Der Hylemorphismus

Materie und Geist – zwei Seiten der einen Wirklichkeit

Pierre Teilhard de Chardin

Die Psyche des Universums

Hinweise aus dem alltäglichen Leben

Schlussfolgerungen und Perspektiven

Nachwort

Literatur

Einleitung

Bereits als Student faszinierten mich die Reflexionen des französischen Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin über das Universum, die er insbesondere in seinem Hauptwerk „Der Mensch im Kosmos“1 dargelegt hatte. Für Teilhard de Chardin stand fest, dass das Universum und seine Entwicklung mehr ist als nur ein rein physikalisch-chemischer Prozess. Es schien ihm, als ob der Kosmos von einer inneren Kraft getrieben sei, die ihn zu immer höheren Organisationsformen führe. Er nennt diesen Prozess Komplexifikation. Diese Vorstellung Teilhard de Chardin´s ließ mich seit vielen Jahrzehnten nicht los und regte mich immer wieder an, mir selbst Gedanken zur Entwicklung des Universums zu machen. Das nun hier vorliegende Buch ist ein Versuch diese Gedanken zu systematisieren.

Und in der Tat, wenn man die Entwicklung des Universums seit dem so genannten Urknall verfolgt, stellt man fest, dass der Stoff, aus dem der Kosmos aufgebaut ist, mit all seinen Erscheinungen in der Raumzeit immer höher organisierte Formen annimmt. Aus der Ursingularität wird das Urplasma aus dem sich dann die ersten subatomaren Teilchen bilden, diesen folgen die Atome, die sich dann zu Molekülen „organisieren“, aus denen sich anschließend die Ursterne und Protogalaxien zusammenballen u.s.w.

Dieser Prozess bleibt aber nicht auf der rein physikalischen Ebene stehen, sondern setzt sich fort, in dem, was wir das Leben nennen, das seinerseits wiederum in dem bisher vorläufigen Höhepunkt seine Fortsetzung findet, den wir als Bewusstsein bezeichnen.

Angesichts dieses offensichtlichen Prozesses stellt sich die Frage: Was treibt den Stoff des Universums dazu, sich zu immer höheren Formen zu organisieren und wie muss seine Struktur beschaffen sein, um all diese Phänomene zu erklären? Verfügt der Stoff des Universums über eine innere Kraft, die diesen Prozess antreibt? Da nach Ansicht der heutigen Naturwissenschaft die vorhandene, experimentell erfass- und messbare Materie- und Energiemenge nicht ausreichen, um die Entwicklung des Universums zu beschreiben, wird eine dunkle Materie und Energie postuliert. Welcher Art ist nun diese dunkle Materie und dunkle Energie, wenn sie nicht mit den heutigen naturwissenschaftlichen Instrumenten bewiesen werden können? Oder gibt es vielleicht andere Deutungsmöglichkeiten als nur rein physikalische?

Ich benutze ganz bewusst den Begriff „Stoff des Universums“ und nicht „Materie“ zur Bezeichnung des Grundbausteines des Universums. Der Begriff „Materie“ wird traditionell in der Naturphilosophie und später vor allem in den Naturwissenschaften als Bezeichnung für einen bestimmten Aspekt der Wirklichkeit verwendet, den man vereinfachend gesagt, auch als experimentell erfassbar und messbar bzw. beobachtbar bezeichnen kann.

Die eigene Existenz und die Reflexion über die Welt und uns selbst weist aber darauf hin, dass sich die Wirklichkeit nicht nur in rein „materiellen“ Kategorien beschreiben und begreifen lässt.

In mehreren Schritten soll hier deshalb untersucht werden, was die Wirklichkeit2, deren ein Teil wir selbst sind, letztendlich ist. Ich fasse sie zusammen in den folgenden drei Thesen:

These 1: Die physikalisch erfassbare Materie tendiert dazu, sich zu immer höheren Formen zu organisieren (Komplexifikation).

These 2: Die Kraft, die sie dazu treibt ist ihr immanent.

These 3: Der Stoff des Universums ist komplementärer Natur.

Wir werden uns den gestellten Aufgaben in mehreren Schritten nähern. Im ersten Teil versuchen wir zu erforschen, wie unsere Vorfahren das Universum gesehen und begriffen haben. Teil zwei ist der Darstellung des Universums gewidmet, wie es die heutigen Naturwissenschaften beschreiben. Im dritten Teil werden wir versuchen zu ergründen, ob es noch andere Deutungsmöglichkeit über den Stoff des Universums gibt als nur rein physikalisch-chemische.

Und eine letzte Bemerkung. Auch wenn wir uns mit physikalisch-chemischen Phänomenen befassen werden, ist meine Absicht nicht primär naturwissenschaftlicher Natur. Die Naturwissenschaften haben in meinen Überlegungen nur dienende Funktion. Mir geht es hier um eine allumfassende ontologische Herangehens- und Sichtweise.

Der Verfasser

1 Das französische Original erschien mit dem Titel „Le Phenomene humain“.

2 Damit ist gemeint das umfassendste Seiende

Teil I: Das Universum in der Wahrnehmung unserer Vorfahren

„Deshalb entspricht die Geschichte der lebenden Wesen zweifellos der Ausgestaltung immer vollkommener Augen inmitten eines Kosmos, in dem die Möglichkeiten eines immer schärfer sich ausbildenden Unterscheidungsvermögen besteht. Ist nicht die Schärfe und die Fassungskraft das Maß für die Vollkommenheit des lebenden und die Überlegenheit des denkenden Wesens? Mehr und besser sehen wollen ist also keine bloße Laune, keine Neugierde, kein Luxus.“3

Die Kosmologie und Kosmogonie

Unter Kosmologie und Kosmogonie versteht man eine Beschreibung und Erklärung der Entstehung, Beschaffenheit, Entwicklung und Zukunft des Kosmos. Wobei die zweite mehr den Akzent auf die Herkunft also die Entstehung des Universums legt. Der Begriff setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern κόσμος (kosmos) = (Welt-)Ordnung und λόγος (logos) = Wort, Lehre, bzw. = Geburt, Erzeugung.

Kosmologie und Kosmogonie sind so alt wie die Menschheit selbst. Als ein Mythos waren sie wahrscheinlich bereits den Urmenschen bekannt, als philosophische Disziplinen haben sie sich in den ersten Hochkulturen und als Naturwissenschaft erst in der Neuzeit entwickelt. Heute werden sie weiterhin sowohl von Philosophen wie Naturwissenschaftlern mit den je eigenen Akzentuierungen ausgeübt. „Wir sind schon recht weit in den Weltraum vorgedrungen.“ – zitiert Rüdiger Vaas den Astronomen Edwin Powell Hubble – „Unsere nächste Nachbarschaft kennen wir gut. Aber mit zunehmender Entfernung schwindet unser Wissen […] Die Suche wird weitergehen. Dieser Drang ist älter als die Geschichte. Er ist noch nicht gestillt, und er wird sich auch nicht unterdrücken lassen.“

Die Urmenschen

Es ist höchst wahrscheinlich, dass bereits die Urmenschen, nachdem sie sich selbst, andere Menschen und die Welt bewusst wahrnahmen, sich bereits die Fragen nach ihrer eigenen Herkunft und der sie umgebenden Welt stellten. Leider bleiben wir bei diesen Vermutungen zum großen Teil nur auf Spekulationen angewiesen, da uns eindeutige materielle Zeugnisse dafür fehlen.5

Die frühesten Zeugen, die unsere Vermutungen rechtfertigen, sind die mittlerweile an vielen Stellen in der Welt entdeckten Fels-, Grotten- und Höhlenmalereien. Sie beweisen, dass bereits unsere frühen Vorfahren, die Urmenschen, eine reflektierte Sicht auf die sie umgebende Welt besaßen. Ob sie so etwas wie eine kosmologisch-kosmogonische Sicht der Welt besaßen, kann man aus diesen Zeugnissen jedoch nicht eindeutig herauslesen.

Die Ältesten Himmelsdarstellungen

Die Kalksteinplatte von Malta

(Foto: D. Cilia, Malta Heritage)

Die älteste europäische Darstellung des Himmels findet sich auf einer Kalksteinplatte, die in einem neolithischen Tempel in Tal-Qadi auf Malta entdeckt wurde. Die auf ihr eingeritzten sternartigen Figuren stellen wahrscheinlich die Sterne der Plejaden und des Sternbildes Stier dar. Die Zeichnung stammt aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit).

Aus der frühen Bronzezeit Mitteleuropas stammt die so genannte Himmelsscheibe von Nebra. Ihr Alter wird auf 3700 bis 4100 Jahre geschätzt. Sie gilt als einer der wichtigsten archäologischen Funde aus dieser Epoche. Sie ist die älteste bewegliche und derzeit nach der Kalksteinplatte von Malta die zweitälteste Himmelsdarstellung.

Die Nebrascheibe

Foto entnommen Wikipedia

Die Nebrascheibe wurde aus Bronze hergestellt. Die Darstellungen auf ihrer Stirnseite bestehen aus Goldeinfügungen. Nach einer gängigen Interpretation sollen die kleinen Goldplättchen die Sterne darstellen, wobei die Gruppe aus sieben Plättchen das Sternbild der Plejaden entsprechen soll. Die anderen 25 kleinen Plättchen sind astronomisch nicht zuzuordnen. Die große runde Goldfläche stellt die Sonne, einige meinen auch den Vollmond, dar; die Sichel den zunehmenden Mond nach dem Neumond; der goldene Bogen mit zwei annähernd parallelen Längsrillen wird als Sonnenschiff gedeutet, wie man es aus ägyptischen und minoischen Abbildungen kennt. Die beiden Streifen links und rechts, wovon der eine fehlt, sollen den Horizont markieren.

Welche Funktion die Himmelsscheibe von Nebra hatte, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Wahrscheinlich wurde sie zu kultischen Zwecken benutzt, könnte aber zugleich als eine Art Kalender gedient haben.

Stonehenge

Quelle: Operarius Datum * 24.07.2008

Auch die Stonehengeanlage in der Nähe des englichen Salibury´s – entstanden vor etwa 5.000 Jahren6 - wird von einigen Wissenschaftlern – neben vielen andren Interpretationen – als eine Art astronomisches Observatorium gedeutet, weil einige Linien nach der Sommersonnenwende ausgerichtet sind.

Die frühen Hochkulturen

Erst mit dem Herausbilden der Hochkulturen in China, im Nahen- und Mittleren-Osten, am Nil und später auch in Griechenland und Rom entstehen auch komplexere Kosmologien und Kosmogonien, die uns aus archäologischen Grabungen und schriftlichen Überlieferungen bekannt sind.

Die ersten Vorstellungen von Entstehung und Entwicklung der Welt waren mythischen Ursprungs. Es lagen ihnen meistens keine wissenschaftlichen Erkenntnisse im heutigen Sinne zugrunde. Diese mythischen Vorstellungen aber dienten oft als Ausgangspunkt für philosophische Reflexionen, die ihrerseits im Laufe der Zeit wiederum Anstoß zu naturwissenschaftlichen Forschungen waren.

Indien

Die indische Philosophie gehört zu den ältesten in der Welt. Ihre Lehren wurden zunächst durch Auswendig-Lernen von Lehrer auf Schüler jahrhundertelang meistens in Priesterkreisen tradiert, bis sie um etwa 600 v. Chr. schriftlich in den Veden fixiert wurden. Es liegen vier Sammlungen der Veden vor. Sie beinhalten das höchste und wichtigste Wissen über die Götter und den Ursprung aller Dinge. Bei den Göttern handelt es sich wie in der griechischen Mythologie, um Personifizierungen von Naturgegenständen und -kräften oder bedeutende Persönlich-keiten der Vorzeit. Sie werden verschiedenen Bereichen zugerechnet und nehmen oft „auch die Gestalt von Ursachen für das an, was man auf ihre Tätigkeit zurückführt.“ Darin sind sie „den griechischen ‚Archai’ vergleichbar.7

Die Veden schildern mehrere verschiedene Schöpfungsberichte. Der berühmteste von ihnen findet sich in der Rig-Veda Nr. 10, 129.8 Der Bericht besteht aus Negationen. Es schildert was alles nicht da war, außer dem gewissen „Einen“, aus dem dann alles andere entstand. Zu Grunde dieses Schöpfungsberichtes liegt also das gewisse „Eine“, (die Kraft? Energie?), das da sein musste, über das wir jedoch nichts wissen und wissen können.

Welcher Natur dieses „Eine“ war, ist nicht bekannt. Es liegt jenseits unserer Wahrnehmung. Es ist transzendent. Vielleicht weiß es nicht einmal „der höchste Aufseher im Himmel“, über den auch nichts Näheres bekannt ist.Bei Buddha spielte die Frage nach der Entstehung der Welt keine Rolle. Die kosmologischen Vorstellungen des Frühbuddhismus entsprechen deshalb den Ansichten der altindischen Mythologie vom stufenweisen Aufbau des Kosmos. Der spätere Buddhismus vertrat die Meinung, dass der Kosmos einen dynamischen Charakter hat. Es ist eine ständige Abfolge von Werden und Vergehen. Es gibt deshalb nichts Unvergängliches. Der ständige Wandel hat keinen Anfang und kein Ende. Ein Urbeginn ist nicht erkennbar.

China

Die chinesische Mythologie sah den Beginn aller Wirklichkeit in einer Art Weltei, aus dem die sichtbare und die unsichtbare Welt mit allen ihren Gegensätzen entstanden war. Symbolisch wurde es in der Figur des Tai Gi (Anfang) dargestellt. Durch das Ineinandergreifen der weißen und schwarzen Felder stellt es die Einheit des Gegensätzlichen dar.

Tai Gi

Später entwickelten sowohl der Taoismus als auch der Konfuzianismus ihre Kosmogonien und Kosmologien.

Laotse, auch Lièzǐ oder kurz Meister Lie genannt - ein chinesischer Philosoph des Taoismus um 450 v. Chr. - befasste sich unter anderem mit den kosmogonischen und kosmologischen Fragen in seinem Hauptwerk, dem Buch vom Sinn und Leben, Tao te King. Er schrieb darin: „Jenseits des Nennbaren liegt der Anfang der Welt. Diesseits des Nennbaren liegt die Geburt der Geschöpfe. Darum führt das Streben nach dem Ewig-Jenseitigen zum Schauen der Kräfte, das Streben nach dem Ewig-Disseitigen zum Schauen der Räumlichkeit. Beides hat einen Ursprung und nur verschiedenen Namen. Diese Einheit ist das Geheimnis. Und des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis: Das ist die Pforte der Offenbarwerdung aller Kräfte.“9

Richard Wilhelm, der deutsche Übersetzer des Buches vom Sinn und Leben kommentiert es: „Diese Figur (Tai Gi) ist wohl gemeint mit dem großen Geheimnis der Einheit des Seienden und nicht Seienden.“10 Wilhelm meint, die Vorstellungen Laotse´s gehen noch weiter zurück in das Wu i (Nichtanfang), in dem die „Unterschiede noch ungetrennt durcheinander sind […]. Es ist sozusagen die bloße Möglichkeit des Seins, gewissermaßen das Chaos.“11

Hatte sich der Taoismus noch mit den grundsätzlichen Fragen nach der Entstehung der Welt befasst, war die Vorstellung Konfuzius´ eine sehr pragmatische. Er fragte weder nach dem Ursprung der Welt, noch plagten ihn Zweifel, ob es eine Außenwelt gibt. Er nahm die Welt als Realität an, in der man sowohl das individuelle wie auch das gemeinschaftliche Leben zu gestalten hatte. Das zentrale Thema seiner Lehren war die zwischenmenschliche Ordnung, die seiner Meinung nach nur durch gegenseitige Achtung der Menschen erreicht werden konnte.

Mesopotamien

Für die Babylonier und Assyrer spielte die Deutung der Gestirne eine große Rolle in der Gestaltung des alltäglichen Lebens. Die Sternenkunde hatte dort bereits vor 4000 Jahren ihre Blütezeit erreicht. Das bestätigt sogar die Bibel, indem sie von den Weisen aus dem Morgenland berichtete, die durch die Sternbeobachtung von der Geburt Jesu erfahren hatten.

Ihre Beobachtungen und Entdeckungen haben in vielen Bereichen heute noch Gültigkeit. Bereits die Sumerer, die vor den Babyloniern im südlichen Mesopotamien siedelten, haben ihren Kalender nach astronomischen Konstellationen erstellt. Schon im Altbabylonischen Reich wurde die Aufteilung des Tages in zwei Mal 12 Stunden festgelegt, die auch für uns im Wesentlichen immer noch Gültigkeit besitzt.

Vor etwa 2600 Jahren kannte man in Mesopotamien die wichtigsten Himmelszyklen mit erstaunlicher Genauigkeit. Ihre Deutung hatte neben dem direkten Einfluss auf das alltägliche Leben auch religiöse Relevanz. Aus den Konstellationen der Sterne und Planeten schloss man auf den Willen der Götter geschlossen.

Die babylonische Kosmologie kannte verschiedene Himmelssphären. Die höchste war der Sitz des Hauptgottes Marduk, in der darunter liegenden bewegten sich die Sterne und Planeten.12

Auch der biblische Schöpfungsbericht lehnt sich in vielen Bereichen an die mythologischen Vorstellungen der Babylonier über die Entstehung der Welt an. Ebenfalls ist anzunehmen, dass sich Astronomen in der griechischen Antike bei ihren Himmelsbeobachtungen an den Babyloniern orientierten.13

Ägypten

Wie in der babylonischen Kosmologie waren auch im alten Ägypten astronomische Beobachtungen und astrologische Deutungen, die den Alltag beeinflussten, aufs engste miteinander verbunden.

Unter den Gestirnen kam der Sonne ein besonderer Status zu. Der Sonnengott Re war der Herrscher über den Tag, der in seiner Barke den Himmel und in der Nacht das Reich der Dunkelheit überquerte, um am nächsten Tag wieder den Tag zu erhellen. Von ihm leiteten auch die ägyptischen Pharaonen ihren Machtanspruch ab. Sie verstanden sich als direkte Nachfahren des Sonnengottes. Die ägyptische Astronomie und Astrologie lagen fest in den Händen der Priesterschaft. Sie wurden mythologisch gedeutet. Bekannt ist ein Lobgesang des Königs Amenophis IV., der in den Jahren 1375-50 v..Chr. Ägypten regierte:

Wenn du am östlichen Himmel aufgehst,

erfüllst du jedes Land mit deiner Schönheit.

Du bist schön, du bist groß,

du funkelst, hoch über jedem Lande.

Deine Strahlen umarmen die Länder

Und alles, was du erschaffen hast.

Gehst du unter am westlichen Horizont,

so ist die Erde finster, als wäre sie tot.

Du schaffst die Jahreszeiten,

um alle deine Werke entstehen zu lassen,

den Winter, um sie zu kühlen,

die Glut, damit sie dich kosten.

Du hast den fernen Himmel gemacht,

um an ihm aufzugehen,

um alles zu sehen, was du gemacht hast,

du ganz allein,

aufgehend, leuchtend,

dich entfernend und wiederkehrend.14

Der ägyptische Kalender orientierte sich einerseits an dem Stand der Sonne am Firmament und andererseits an den immer wiederkehrenden Ereignissen an der Lebensader des Landes, dem Nil. Man kannte drei Jahreszeiten. Die jährlichen Überflutungen des Nil, die um den 19. Juli begannen, leiteten das Neue Jahr ein. Dieses Ereignis traf mit dem Erscheinen des hellsten Sterns der nördlichen Hemisphäre, des Sirius, zusammen. Darauf folgte um den 18. November die Zeit der Aussaat und der Vegetation. Sie dauerte bis etwa zum 18. März, wonach die Erntezeit begann.

Das ägyptische Jahr bestand aus 360 Tagen, unterteilt in 36 Dekaden, denen 5 Schalttage folgten. Die Ägypter erkannten zwar im Laufe der Zeit an dem sich verändernden Aufgang des Sirius, dass diese fünf Tage nicht ausreichten, um den astronomischen Gegebenheiten zu entsprechen, nahmen aber keine weiteren Korrekturen des Kalenders vor. Ihnen verdanken wir auch den 24-Stundentag sowie die Wasseruhr.15

Das Weltbild der Bibel

Die in der Schöpfungsgeschichte der Bibel beschriebene Weltbild entstand einige Jahrhunderte v. Chr. Und, wie bereits erwähnt, wurde sehr stark durch das babylonische Weltbild geprägt. Es sah die Erde als eine Scheibe, die mit einer Art Festung (Firmament) überspant ist. Die Himmelskörper: Sonne, Mond und Sterne sind eine Art Lampen, die an diesem Firmament befestigt sind. Ihre Funktion bestand darin, die Erde zu beleuchten. Das Firmament war mit „Himmelsschleusen“ ausgestattet. Durch ihre Öffnung konnte Wasser, das sich hinter dem Firmament befand, als Regen auf die Erde herabfließen. Am Rand der Erdscheibe befanden sich Berge, die diese begrenzten und zugleich das Firmament stützten. Unter der Erde befand sich die Totenwelt und die Hölle.

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