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Die Pharaonin

Über den Autor

Philipp Vandenberg, geboren 1941 in Breslau, landete gleich mit seinem ersten Buch einen Welterfolg: DER FLUCH DER PHARAONEN war der phänomenale Auftakt zu vielen spannenden Thrillern und Sachbüchern, die oft einen archäologischen Hintergrund haben. Vandenberg zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellern Deutschlands. Seine Bücher wurden in 33 Sprachen übersetzt. Der Autor lebt mit seiner Frau in einem tausend Jahre alten Dorf zwischen Starnberger See und Tegernsee oder im Folterturm von Deutschlands längster Burganlage in Burghausen.

I

Nehsi, der schwarze Sklave, stakte das hochgeschnäbelte Papyrusboot durch das lispelnde Schilf. Sein Körper, nur mit einem leuchtend gelben Lendenschurz bekleidet, glänzte in der Sonne wie die dunklen Steine in den Stromschnellen des Nils. Er strahlte Kraft aus. Hatschepsut, zu seinen Füßen, lag ausgestreckt auf dem Rücken, ließ einen Arm ins Wasser gleiten und versuchte, die auf dem türkisfarbenen Spiegel liegenden Lotosblüten zu greifen. Hin und wieder zog sie die leuchtenden Pflanzen ein paar Handbreit heraus, sodass sie klatschend ins Wasser zurückglitten. Vor ihr kniete eine Dienerin, wie die Prinzessin fast noch ein Kind, mit knospenden Brüsten und nackt bis auf ein blaurotes Stirnband im Haar, bemüht, mit einem Wedel aus Straußenfedern die Herrin vor den Sonnenstrahlen zu schützen.

»Lasst uns Amun-Re preisen«, sagte Hatschepsut und verschränkte die Arme im Nacken. »Lasst uns diesen Tag feiern wie das heilige Fest von Opet. Gib Balsam und Wohlgeruch an meine Nase, winde Kränze von Lotos und Liebesäpfeln um meinen Hals!«

Die kleine Dienerin lächelte, legte den flauschigen Federbusch beiseite und wandte sich einem mit Goldnägeln beschlagenen Kästchen aus schwarzem Ebenholz zu, das die Prinzessin immer mit sich führte. Hatschepsut war eitel wie alle Mädchen in ihrem Alter, und doch unterschied sie sich von ihnen: Als Tochter des Pharaos Thutmes konnte sie dieser Eitelkeit freien Lauf lassen. Sie konnte die Augen mit duftender Paste aus schwarzem Schiefer einrahmen, lange waagrechte Striche über die Augenwinkel ziehen und das Gesicht mit weißer Mennige aufhellen, was beinahe als frivol galt, da es das Aussehen des Gottes Osiris nachahmte.

Ein Schwarm Wildgänse flatterte aufgeregt aus dem Uferdickicht hervor, ordnete sich in der Luft zu einer spitzen Formation und schlug die Richtung nach Westen ein, über den Nil zu den glühenden Felsen des Totengebirges. Hatschepsut blickte ihnen nach. Das grelle Morgenlicht schmerzte in den Augen. Als sie den Blick senkte, erfasste sie ein Schauder. Furchtsam griff sie nach den sehnigen Beinen Nehsis, umklammerte seine Knie und starrte erschrocken auf die kleine Dienerin, die mit leblos offenen Augen vor ihr im Boot lag. In ihrer linken Brust steckte ein Pfeil, so tief, dass der Federschaft gerade noch herausragte. Helles Blut quoll aus der Wunde und färbte die Schilfstränge des Bootes trübe.

Einen Augenblick schien auch Nehsi wie vom Blitzstrahl des Amun getroffen, doch dann lenkte der Nubier die Barke mit ein paar kraftvollen Stößen seiner Ruderstange durch das Schilf ans Ufer, zog den hohen Schnabel aus dem Wasser, sodass das Fahrzeug festgemacht war, und sprang mit riesigen Schritten die Böschung des Ufers empor.

Der Anblick des toten Mädchens wurde Hatschepsut unerträglich, und sie verließ hastig das Boot, um dem Schwarzen zu folgen. Und erst jetzt kam der Prinzessin zu Bewusstsein, dass der tödliche Pfeil wohl eher ihr gegolten habe als der unbescholtenen Dienerin. Schließlich gab es genug Intrigen am Hofe des Pharaos um die Thronfolge. Pharao Thutmes konnte keinen männlichen Erben vorweisen. Ein Fluch, so schien es, lag über dem Geschlecht der Ahmessiden.

Hatschepsut hielt inne. Es schien ratsamer, sich im Uferdickicht zu verstecken. Mit pochendem Herzen lauschte sie in das tausendfache Rascheln des Schilfs, blickte ängstlich um sich und kauerte sich schließlich auf den Boden, wo sie das Gesicht zwischen den Knien verbarg.

Es war Nehsis mächtige Stimme, die sie aufhorchen ließ. Mit rüden Beschimpfungen trieb er einen Jungen vor sich her, hoch aufgeschossen und drahtig und katzenhaft in seinen Bewegungen wie eine Gazelle. Er hielt einen wuchtigen Bogen, und an seinen Lenden baumelte ein Köcher mit Pfeilen. Der Schwarze schubste und trat den Jüngling und zerrte ihn schließlich zu der Stelle am Ufer, wo das Boot der Prinzessin lag.

Hatschepsut erhob sich.

»Er sagt, er wollte nichts weiter als Wildgänse jagen!«, rief Nehsi von Weitem und trat dem Jungen von hinten in die Waden, dass er einknickte und zu Boden stürzte. Und als er nach seinem Bogen greifen wollte, der ihm beim Fallen entglitten war, da sprang der Nubier auf seine Hand, dass der Junge vor Schmerz aufschrie und sich krümmte.

»Du Hundesohn wolltest Hatschepsut töten, die Erbin des Thrones, die Tochter des Pharaos!« Dabei fasste er den Bogenschützen an den Haaren, riss seinen Kopf hoch und trat ganz nahe vor sein Gesicht: »Wer sind deine Auftraggeber, du Hyäne der Wüste? Was haben sie dir zum Lohn versprochen?«

Doch der Junge gab keine Antwort, er schrie nur vor Schmerz, und Nehsi ließ erst ab von ihm, als Hatschepsut hinzukam und dem Schwarzen mit einer Handbewegung Einhalt gebot. Der Junge erhob sich.

Jetzt erblickte jener das tote Mädchen im Papyrusboot, sah das Blut, das aus seiner Brust hervortrat, und stammelte ein um das andere Mal: »Das wollte ich nicht, glaubt mir, ich wollte es nicht!«

»Wie heißt du?«, erkundigte sich Hatschepsut.

Der Junge wagte kaum, die Prinzessin anzusehen. Seine nackten Füße scharrten unruhig im Ufersand. »Ich bin Senenmut«, sagte er zögernd, »der Sohn des Ramose, der vom Pharao mit dem Gold der Tapferkeit belohnt wurde, weil er im Kampf gegen die Asiaten ein Dutzend Hände als Kriegsbeute machte.«

»Ein Taugenichts bist du, den sein rechtschaffener Vater beweinen wird, wenn man deinen geschundenen Leichnam im Sand der westlichen Wüste verscharrt hat, wo ihn die Geier und Schakale freikratzen!« Nehsi wollte erneut auf den Jungen einschlagen, doch Hatschepsut hielt ihn zurück: »Lass ihn sprechen! Noch ist das Urteil nicht verkündet!«

Senenmut schlug die Hände vors Gesicht. Durch die gespreizten Finger blickte er auf das tote Mädchen in der Barke und schüttelte sich, als wollte er einen bösen Traum loswerden. »So glaubt mir doch«, stammelte er hilflos, »ich habe das nicht gewollt. Ich jagte Wildgänse, wie ich es nicht selten tue, und für gewöhnlich ist mir das Jagdglück hold; doch dieser Pfeil hat sich verirrt – beim Leben meines Vaters Ramose und meiner Mutter Hatnefer …«

»Schweig mit deinen Schwüren!«, unterbrach Nehsi den Jungen. »Gewiss galt dein Pfeil nicht der Dienerin, sondern die Prinzessin war das Ziel deines frevelhaften Geschosses!«

Da fiel Senenmut vor Hatschepsut auf die Knie, schlug seinen Kopf auf den rotsandigen Boden und winselte unter Tränen: »O Herrin der ewigen Schönheit, goldene Knospe, groß an Macht. Wenn es der Wille von Seth, dem Gott alles Bösen, ist, so will ich sterben, weil dieses Mädchen durch meine Schuld umgekommen ist; doch Horus ist mein Zeuge, dass der Pfeil, der aus meinem Bogen schnellte, einer grau gefiederten Wildgans galt.«

Hatschepsut forderte den Jungen auf, sich zu erheben, und sah ihn lange wortlos an. Sie sah die Tränen in seinen Augen, die flehentlich auf sie herabblickten. »Du rufst Horus zu deinem Zeugen an«, begann die Prinzessin, »nun gut, dann soll der Himmelsgott entscheiden, ob du die Wahrheit sprichst. Wir wollen ein Gottesurteil herbeiführen. Horus soll sprechen!«

Noch bevor die Prinzessin geendet hatte, fasste Nehsi den Jungen am Arm und führte ihn weg.

Eine rote Staubwolke von Süden her kündigte die Ankunft eines reitenden Boten an, und noch ehe dieser das prustende Pferd mit lautem Ruf zum Stehen gebracht hatte, sprang er aus dem Sattel, warf sich vor dem erwartungsvoll blickenden Mädchen in den Sand und sprach: »Goldene Knospe des Himmels, Liebling der Götter, Schönste unter den Lieblichen Ägyptens, Tochter des Königs, Hatschepsut, höre, was Pennechebet, der Erste und Schnellste unter den Boten des Pharaos, zu berichten hat!«

»Sprich!«, antwortete Hatschepsut huldvoll, und der Bote des Königs erhob sich: »Der Herr der beiden Länder, der siegreiche Stier, der Auserwählte des Re, Seine Majestät Pharao Thutmes, geliebt von Amun, hat die Völker im Sand des Südens niedergestreckt wie furchtsame Hasen am Rande der Wüste. Der Pharao, dessen Königtum dauern möge wie das Reich des Atum, befindet sich mit seiner Flotte auf dem Weg nach Theben, und er, der Großmächtige Sohn der Göttin Nut, die die Sonne am Abend verschlingt und am Morgen aufs Neue gebiert, wird Beute dir bringen, dass dein Herz lacht und deine Brust bebt vor Freude.«

Hatschepsut klatschte begeistert in die Hände und hüpfte übermütig wie ein kleines Mädchen von einem Bein auf das andere und rief: »Mein Vater Thutmes, der starke Stier, wird dir die Nachricht lohnen!«

Am dritten Tag des vierten Sommermonats Mesore tauchten im südlichen Fluss die Schiffsmasten der Flotte des Pharaos auf. Lauer Wind blähte die schwarzen Fahnen des Sieges, die vom Netzwerk der Takelage hingen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in Theben die Nachricht vom erfolgreichen Abschluss des Kriegszuges. Händler und Handwerker ließen ihre Läden und Werkstätten im Stich, Frauen und Mütter kletterten von den Dächern der flachen Häuser, ordneten hastig das Haar und rannten, die kleinen Kinder mit sich schleifend, in Richtung Nil, um ihre Männer, die tapferen Krieger von Theben, willkommen zu heißen.

»Heil dem Sohn des Re!«, riefen sie aufgeregt, und: »Das Auge des Re liegt über dem Pharao!«

Die Anlegestelle am östlichen Ufer war übersät von lärmenden, drängenden Menschen. Ganz Theben schien auf den Beinen. In den riesigen dunklen Schalen, die das Ufer säumten, qualmten rot leuchtende Feuer. Spiegelnde Treppen aus dunkelgrünem Marmor führten im Abstand von zwei Wagenlängen zu dem türkisfarbenen Wasser des Nils hinab.

Durchdringende Paukenschläge und schrille Fanfarenstöße verkündeten die Ankunft der hundertköpfigen Palastwache, jener gefürchteten Elitetruppe des Pharaos, der Pfeil und Bogen, Lanzen und Schwerter locker saßen, wenn es darum ging, Leben und Besitz des Pharaos zu schützen. Mit wilden, drohenden Gebärden bahnten sie Ahmose, der schönen Königin, Prinzessin Hatschepsut und deren Amme Satre den Weg zum Kai, gefolgt von Mutnofret, einer Nebenfrau, und Thutmes, ihrem Sohn, und für Augenblicke erstickte das wilde Geschrei. Die Thebaner knieten nieder und grüßten mit gesenkten Häuptern die Frauen: »Ein Leben von Millionen Jahren der großen königlichen Gemahlin, ihrer anmutigen Königstochter und ihrer großen Amme, der Seligen! Windet Kränze und setzt sie auf ihr Haar!« Mutnofret und ihrem Sohn schenkte kaum jemand Beachtung.

Sklaven schleppten einen leuchtend weißen Baldachin herbei, um der königlichen Familie Schutz vor der Sonne zu bieten. Ein Tragethron mit Löwenfüßen aus goldbeschlagenem Holz wurde aufgestellt. Junge nackte Mädchen mit Lotosblüten im Haar, um die Taille ein Kettchen aus blauen Fayencen, streuten Blumen.

Der »Falke«, das Schiff des Pharaos, drehte bei. Im Nu herrschte atemlose Stille, unterbrochen nur vom Ächzen des schwer beladenen Seglers und vom fernen Rauschen aus der Mitte des breiten Flusses.

An einem Querbalken über dem Bug des Schiffes hingen mit dem Kopf nach unten die Leichen der nubischen Rebellenanführer. Steuermann Amosis, der Sohn des Abana und der Baba, schwang eine Peitsche und malträtierte abwechselnd den leblosen Körper des einen und des anderen. Die tapferen Krieger aus Theben hatten an der Reling Aufstellung genommen, groß, schlank und breitschultrig, und ein jeder hielt einen Stock in den Fäusten zum Zeichen ihres Sieges. Ihre Oberkörper waren nackt, um die Hüften wand sich der lederne Soldatenschurz mit einem großen dreieckigen Vorderblatt. Ein lederner Stirnriemen bändigte das buschige Haupthaar. Der Stolz der Sieger sprach aus ihrer Haltung. Ein Jahrhundert hatten die Ägypter diesen Stolz vermisst, geknechtet von den Königen der Fremdvölker, mit fremden Sitten, fremden Gebräuchen, fremden Menschen. Seit König Ahmose Krummstab und Geißel in seine machtvollen Hände genommen und die Eindringlinge aus ihrer selbst geschaffenen Hauptstadt im Nildelta vertrieben hatte, hatte sich viel geändert. Das Reich ging, so schien es, einer großen Zukunft entgegen.

Starr wie eine Götterstatue im Tempel des Amun stand Pharao Thutmes auf einem rot bemalten Podest in der Mitte des Schiffes. An seinem blauen aufgeblähten Lederhelm, den Thutmes bei Militärparaden zu tragen pflegte, ringelte sich die goldblitzende Uräusschlange, das Zeichen göttlicher Macht, vor dem die Thebaner die Augen senkten. Auch der lange geflochtene, nach vorne aufgebogene Bart, den der König um das Kinn gebunden hatte, sollte nichts anderes demonstrieren als Macht, Kraft und Stärke. Die Ägypter schätzten und achteten derlei Symbole.

Der nackte Oberkörper des Pharaos schien blass und hellhäutig; nur ein handbreites Halsband aus falkenförmigen Goldplättchen, das mit zwei blauen Schnüren im Nacken geknüpft wurde, schmückte ihn. Ein breiter Gürtel mit einer glänzenden Schnalle aus den Hieroglyphen seines Namensringes hielt den eng gefalteten Lendenschurz. Im Gegensatz zu seinen Soldaten trug der König lederne Sandalen, deren Riemen in kunstvollem Muster um die Waden gewickelt waren. Auch Thutmes hielt einen Stab in Händen, freilich einen herrlich geschnitzten und mit Goldornamenten verzierten Zeremonialstab, eine Art Spazierstock, den er selten aus der Hand legte.

Als der »Falke« angelegt hatte und mit dicken Seilen vor dem Baldachin vertäut war, legten Schiffer einen kunstvoll bemalten Steg zu den Marmorstufen, und flankiert von vier Soldaten seiner Leibwache schritt der Pharao ans Ufer. Im selben Augenblick erhob sich ein unbeschreiblicher Jubel, Mütter warfen ihre kleinen Kinder in die Luft, von den Mädchen wurden bunte Tücher geschwenkt, und im vielstimmigen Chor riefen die Thebaner: »Heil dir, starker Stier, Pharao des Südens und des Nordens, Herrscher von Millionen Jahren!«

Pharao Thutmes schien der Jubel nicht zu beeindrucken. Regungslos ließ er das Geschrei über sich ergehen, blickte starr in die Ferne über den Fluss und schenkte weder Ahmose, seiner königlichen Gemahlin, noch Mutnofret, seiner Geliebten, noch der Kronprinzessin Hatschepsut einen Blick. Die hatten im Halbkreis um den Pharao Aufstellung genommen, gefolgt von dem kahlköpfigen Hapuseneb, dem Oberpriester des großen Amuntempels, Puemre, dem Baumeister und zweiten Propheten des Amun, dem alten Ineni, einem Berater und Baumeister des Königs, Teti, dem geheimnisvollen Arzt und Magier, und all den Großen des Reiches, die während der dreimonatigen Abwesenheit des Pharaos Thutmes die Geschicke des Nillandes gelenkt hatten.

Minhotep, der Hof- und Zeremonienmeister, ergriff schließlich das Wort und sprach: »Pharao, geliebter Sohn des Amun-Re, der Norden und der Süden des Nillandes liegen dir zu Füßen! Wir, dein Volk, haben über deine Tempel und Paläste gewacht, Mütter haben Kinder geboren, und von den Kaufleuten wurde der Reichtum des Landes vergrößert. Das Saatkorn spross schneller während deiner Abwesenheit, um reife Frucht zu zeigen bei deiner Ankunft, und die Fluten des Nils schwollen stärker, damit du schneller zurückkehrtest in dein Land. So verkünde uns denn die Botschaft deines Feldzuges gegen die ruchlosen Völker des Südens!«

Thutmes, klein von Gestalt, doch von strahlender Anmut, wandte sich mit einer steifen Drehung des Körpers der Menge zu und begann mit lauter Stimme, aber ohne jede Geste zu sprechen:

»Ich, Pharao Thutmes, habe mit dem Mut meines Vaters Amun die Rebellen im Sand des Südens erniedrigt. Vor meinem Schwert und den Keulen meiner Soldaten stürzten die treulosen Männer wie die Säulen unserer Ahnen vor den Toren der Stadt, und das, obwohl sie zahlreich waren wie die Sandkörner der Wüste.«

»Heil unserem Pharao Thutmes«, schallte es aus tausend Kehlen. »Du kommst zu uns wie Re. Der Süden und der Norden liegen dir zu Füßen und erflehen Feste für dich und deine Herrschaft!«

Nachdem der Jubel sich gelegt hatte, fuhr der Pharao fort: »Seht die voll beladenen Schiffe! Gold und kostbare Gewänder, Salz und Bohnen bringe ich als Beute. Das Land hinter den Stromschnellen ist reich an Schätzen; aber es liegt abseits des Stromes, und es mangelt an Wasser. Das Wasser in unseren Ledersäcken reichte kaum für den Rückweg, und wir mussten die Hälfte der Gefangenen töten. Doch die Weiber der Sandbewohner waren zäher als ihre Männer, und jedes Haus soll eine Nubierin als Sklavin erhalten. Zum Beweis unserer Tapferkeit aber seht in diese Körbe.«

Ein Aufschrei ging durch die Menge, als die Soldaten begannen, die nubischen Frauen von den Schiffen zu treiben. Ebenholzfarben, meist jung, geschmeidig und elegant in ihren Bewegungen wie Gazellen balancierten die dunkelhäutigen nackten Frauen und Mädchen über die schmalen Stege zum Ufer; aber nicht ihre Nacktheit erregte die Gemüter, nein, es war der Inhalt der Körbe, die sie auf ihren Köpfen trugen und auf Weisung des königlichen Schreibers Neferabet vor dem Pharao und den Großen des Reiches entleerten.

Hatschepsut verbarg ihr Gesicht angewidert zwischen den großen Brüsten der Amme Satre, um nicht mit ansehen zu müssen, wie die Nubierinnen Hunderte von abgeschnittenen Penissen ihrer Männer und Väter vor dem Pharao aufhäuften. Doch im Angesicht der vielen Geschlechtsteile stimmte die Palastwache, kraftvolle Gestalten mit eingeölten Muskeln, einen alles übertönenden Schlachtgesang an: »Thutmes, du Fürst aller Länder, die Rebellen sind unter deinen Sandalen zerquetscht. Jetzt gibt es im Süden keine Rebellen mehr und im Norden keine Feinde. Ihre Städte sind Hügel von Schutt, dank deiner Kraft und Stärke!«

Unter den schrillen Klängen springender Flöten- und Tamburinspieler begannen die Soldaten des Pharaos die Segler vor den neugierigen Augen der Gaffer zu entladen. Jedes Fell, jedes Geschirr, jedes Elfenbein, jede Kiste und jedes Kästchen wurde von Neferabet, dem königlichen Schreiber, notiert. Im Nu begann ein Feilschen und Balgen um die anmutigsten Nubierinnen; denn ein jeder wollte eine dieser stämmigen Frauen mittleren Alters mit strammen Schenkeln und prallen Brüsten, denen man nachts die Beine auseinanderziehen und tagsüber harte Arbeit auftragen konnte. Die zierlichen jungen Dinger, oft noch halbe Kinder, waren weniger gefragt – aus ebenjenen Gründen.

Die Nubierinnen ließen diesen Handel ziemlich gelassen über sich ergehen. Es schien, als hätten sie nach den furchtbaren Erlebnissen der letzten Tage keine Tränen mehr, als seien sie dankbar, überlebt zu haben.

»He, Mann, du mich wollen?«

Teti, der Arzt und Magier, drehte sich um, wer ihn da von hinten stubste.

»Ngata«, sagte eine hochgewachsene Nubierin, »mein – Name – Ngata!« Sie schlug auf ihre breiten Brüste.

Der Wunderheiler blickte sich unauffällig um, ob sie nicht beobachtet würden, dann nahm er die Frau, deren Haut rein wie Ebenholz glänzte, beiseite und fragte erstaunt: »Wieso sprichst du unsere Sprache, Nubierin?«

Die sah ihn mit großen Augen an, und als Teti seine Frage langsam betonend wiederholte, sagte sie mit einem entschuldigenden Lächeln: »Nicht verstehen, Mann, nicht verstehen Ngata.« Dabei schüttelte sie sich, dass ihre Brüste wippten, und Teti rief dem Schreiber zu: »Neferabet, ich nehme diese, sie heißt Ngata.«

Noch immer sah der Pharao scheinbar teilnahmslos über das Verteilen und Registrieren der Beute hinweg, das sich gewiss noch bis zum Abend erstrecken würde. Da hob er den Stab, und in Windeseile formierte sich aus den drängenden Menschen, die um den Baldachin herumstanden, eine wohlgeordnete Prozession, angeführt vom Hof- und Zeremonienmeister Minhotep, den Höflingen und Beamten, gefolgt von den Frauen und Edelfrauen des Pharaos, den kahlköpfigen Priestern in ihren Pantherfellen und, umgeben vom Heer seiner Palastwache, König Thutmes. Dicht gedrängt, in Zehnerreihen, schlossen sich die Thebaner an, bedächtigen, schiebenden Schrittes – wie es der durchdringende Schlag der Kesselpauken vorschrieb.

Der Fährmann am Ufer des Nils grunzte, in seinem Boot zusammengesunken wie ein feister vollgefressener Eber. Ein Trinksack aus stinkendem Leder lag bis zum letzten Tropfen geleert neben ihm. Er hatte sich wohl etwas übernommen, und er war gewiss nicht der Einzige, dem der Wein, der überall in der Stadt, in den Gassenschenken und Kneipen, von Händlern und Beamten kostenlos ausgeschenkt wurde, die Sinne verwirrte.

Im fahlen Lichte des Mondes, der blinkende Schriftzeichen in den Fluss schrieb, näherte sich ein Mann mit einer leuchtenden Kugel aus Glas, die ihn als vornehmen, wohlhabenden Thebaner auswies. Derlei Öllampen konnte sich nicht jeder leisten.

»Fährmann, heda, gen Westen!« Der Bootsführer reagierte nicht.

»Ich werde dir Beine machen!«, rief der Edelmann, sprang in die Barke und trat den Schlafenden in die Seite: »Gen Westen, Alter, gen Westen.«

Der sprang auf, dass das Boot bedrohlich schwankte, griff nach seiner Ruderstange und antwortete, noch ehe er den Bug gegen die Strömung richtete: »Herr, kein Mensch geht freiwillig bei Nacht ins Tal der Schakale, wo die Toten ihre Ruhe finden.«

»Du kennst meinen Namen nicht?«, fragte der Angeredete.

»Nein, Herr.«

»Ich bin Ineni, der treue Ratgeber des Pharaos und der Herr seiner Bauten.«

»O Herr, habt Ihr nicht die großen Säulen von Karnak zu Ehren von Amun, Mut und Chons errichtet? Was wollt Ihr auf dem Totenufer des Flusses, wo Osiris herrscht – und noch dazu in einer Nacht, wo alle den Sieg unseres Pharaos feiern!«

»Seit wann forderst du Rechenschaft von deinen Fahrgästen, also los, gen Westen!«

Mit geschickten Ruderschlägen setzte der Fährmann sein Boot gegen die Strömung, dass es beinahe wie von selbst ans andere Ufer trieb. Ineni sprach kein Wort. In der Mitte des Stromes erhob er sich und beschrieb mit seiner Lampe einen Halbkreis, und kaum hatten sie das andere Ufer erreicht, da tauchten aus der Dunkelheit zwei Männer mit einem Esel auf, um den seltsamen Fahrgast in Empfang zu nehmen.

»Was ich noch sagen wollte«, meinte Ineni, bevor er aus dem Boot sprang, »ich erwarte, dass du niemandem von dieser Fahrt erzählst. Der Fluch des Osiris wird dich treffen, wenn du dich meiner Weisung widersetzt!«

Der Fährmann nickte heftig.

Ineni schwang sich wortlos auf den Esel, und die drei Männer verschwanden in der Dunkelheit. An der Gabelung, wo sich der Weg nach Süden und Norden teilt, stießen sie auf eine kleine Gruppe zerlumpter Gestalten, Männer jeden Alters, mit Brechstangen, Schaufeln und Körben ausgerüstet. Keiner sagte ein Wort, und obwohl keiner das Ziel des nächtlichen Unternehmens kannte, trotteten sie willig hinter dem Mann auf dem Esel her.

Jener zügelte das Tier über den steinigen Saumpfad, der auf das schroffe Felsengebirge führte, von dem man sagte, hier hause Osiris, der Herrscher der Unterwelt, und vertrete des Nachts die Sonne – kein besonders einnehmender Ort.

In halber Höhe verließ Ineni den Saumpfad. Auf einem Geröllfeld, das übersät war von scharfkantigen Felsbrocken, die die Hitze des Tages und die Kühle der Nacht seit Urzeiten aus den steinernen Wänden sprengten, machte er halt. Mit weit ausholenden Schritten, die in der Stille des Tales widerhallten, umschrieb er ein Quadrat, das er an den Ecken mit dicken Steinbrocken markierte. Dann bedeutete er den Männern, sich auf dem Boden niederzulassen, und sprach mit gedämpfter Stimme: »Ihr Männer des Westens, von diesem Augenblick an, der uns hier bei den Schakalen zusammenführt, steht ihr im Dienste des Pharaos. Ich, Ineni, Berater und Baumeister des Herren aller Länder, des starken Stiers, strahlender Sohn des falkenköpfigen Sonnengottes Re, der in seiner Barke den Ozean des Himmels überquert, habe den geheimen Auftrag, hier, an dieser Stelle, einen Schacht zu graben, zehn Schritte im Geviert, zehn Mann tief. Von dort soll ein Gang zu einer Kammer führen, deren Länge, Höhe und Breite euch zu gegebener Zeit mitgeteilt wird.«

»Herr!«, warf einer der zerlumpten Männer, er hieß Hui, ein. »Warum rufst du uns zu dieser nächtlichen Stunde an diesen Ort?«

Inenis Stimme wurde eindringlich: »Weil ihr auch in Zukunft nur nachts hier arbeiten werdet! Unsichtbar und geräuschlos!«

Die Männer murmelten aufgeregt durcheinander, bis der Berater des Pharaos sie mit einem leisen Zischen zum Schweigen brachte. »Ihr werdet«, begann er von Neuem, »jeden Tag Einkünfte für den Mund aus dem Speicher des königlichen Hauses erhalten, und es wird euch gut gehen. Ihr werdet nachts arbeiten und am Tage ruhen. Und niemand wird von eurer Arbeit erfahren. Denn mit Aufgang der Sonne werden die besten Bogenschützen des Königs auf den Felsen ihren Platz einnehmen, und ihre schnellen Geschosse werden jeden niederstrecken, der sich diesem Ort nähert.«

Da herrschte betroffenes Schweigen unter den Männern. Nur der vorlaute Hui erkundigte sich vorsichtig: »Und wenn man uns fragt nach dem Grund unserer nächtlichen Abwesenheit?«

»… werdet ihr schweigsam sein wie ein Grab.

Jeder von euch wurde ausgewählt, weil er weder Frau noch Kinder sein Eigen nennt und weil ihm Vater und Mutter bereits im Tode vorausgegangen sind. Niemand also wird euch bedrängen. Sollte aber« – im weißen Licht des Mondes war zu erkennen, wie Ineni mahnend den Zeigefinger erhob –, »sollte aber nur einer von euch das nächtliche Geheimnis ausplaudern, dann würden sich die Pfeile des Pharaos gegen euch alle richten.«

Die Männer starrten vor sich hin, keiner brachte ein Wort hervor.

Schrill und aufpeitschend klangen die Töne, die die drei nackten Mädchen ihren asiatischen Instrumenten entlockten. Keine von ihnen hatte mehr als vierzehn Lenze gesehen, und ihre geschmeidigen Körper bogen sich anmutig im Takt der Musik. Das schwarze Haar der Musikantinnen war zu vielen kleinen Zöpfchen geflochten und wurde von einem goldenen Stirnreif aus dem Gesicht gehalten. Doch welche Gesichter! Augen schwarz wie die Beeren des Schwarzdorns, Lippen wie reife Datteln und Wangen wie der goldene Samt der Pfirsiche.

Minhotep, der Hof- und Zeremonienmeister, der in seinem plissierten Leibrock herausgeputzt wie ein Pfau durch den Thronsaal stolzierte, klatschte nach Beendigung eines jeden Musikstückes animierend in die Hände und rief mit verzückter Stimme: »Tut euch Gutes, tut euch Gutes! Die Klageweiber kommen früh genug!«

Dieser Ruf galt allgemein als Aufforderung, das Leben zu genießen, und nach der siegreichen Rückkehr des Pharaos von seinem nubischen Feldzug gab es auch allen Grund dazu. Thutmes, der sich vor seinem Volk würdevoll und unnahbar gegeben hatte, hing nun ermattet in dem prunkvollen Thronsessel, und seine Haltung und der über den Nabel hochgerutschte Lendenschurz, unter dem Majestät nichts weiter trug, bildeten einen rechten Kontrast zu der hohen ledernen Kronenkappe, die aber auch nicht mehr ganz gerade auf seinem Kopf saß.

Auf dem Podest zu seiner Rechten lag auf einen Arm gestützt Ahmose, Thutmes’ große königliche Gemahlin, ein Prachtweib mit üppigen Körperformen, die unter ihrem langen, dünnen Kleid deutlich hervortraten. Hinter ihr hockte Hatschepsut. Auch sie trug ein langes, ziemlich durchsichtiges Kleid. Die Musik, der Tanz der exotischen Mädchen und das Defilee der Haremsdamen schienen sie jedoch eher zu langweilen.

Bisweilen begegneten sich ihr Blick und der ihrer Mutter mit jenem Mutnofrets, die zusammen mit ihrem Sohn Thutmes zur Linken des Pharaos Platz genommen hatte; doch jeder dieser Blicke drückte nur Verachtung für die andere Seite aus.

Die Zuneigung des Pharaos wechselte ständig, mal stand Ahmose in höchster Gunst, mal war es Mutnofret, mal keine von beiden – wenn gerade der Harem des Königs einen Neuzugang erfahren hatte. Ein gutes Dutzend schöner, faszinierender Frauen umfasste dieses Frauenhaus, gleich hinter den königlichen Gemächern.

Seit Ägyptens Könige das Land regierten, also seit über tausend Jahren, lebten die Pharaonen mit einem Harem und liebten oft mehrere Dutzend Frauen gleichzeitig, was natürlich bisweilen zu Komplikationen führte. König Thutmes befand sich in dieser Hinsicht in einer besonders schwierigen Situation. Ahmose, seine Hauptfrau und große königliche Gemahlin, hatte zwar zwei Söhne und eine Tochter zur Welt gebracht, doch die beiden Prinzen waren in jungen Jahren gestorben. In Sorge um einen Nachfolger, favorisierte der Pharao den jungen Thutmes, den Sohn, den er mit seiner Nebenfrau Mutnofret gezeugt hatte. Kein Wunder, dass Ahmose und Mutnofret einander wenig zugetan waren.

Der Pharao schwang einen goldenen Becher Weines und sang lautstark gegen die Musikantinnen an: »Schöner Tag in dieser Nacht, schöner als gestern, von Amun gemacht …« Als Thutmes die verächtlichen Blicke der beiden Frauen sah, verfinsterte sich seine Miene: »Schluss jetzt mit den Eifersüchteleien!« Thutmes zog Ahmose und Mutnofret an den Haaren zu sich heran, dass beide nebeneinander zu seinen Füßen kauerten. Demutsvoll umschlang jede ein Bein des Pharaos und begann den Schenkel mit den Lippen zu liebkosen. Mutnofret streichelte den schlaff herabhängenden Obelisken des Königs, ohne ihn jedoch in Erregung zu versetzen.

»Es wurde mir bereits zugetragen«, meinte Thutmes ziemlich teilnahmslos, »dass ihr beiden, während ich im Sand des Südens die Feinde niederstreckte, aufeinander losgingt wie die Schakale im Tal des Todes.«

»Sie hat Unwahres über mich verbreitet!«, rief Mutnofret erregt und kniete mit erhobenen Händen vor dem König.

Ahmose, die Ältere, Schönere und gewiss Selbstsicherere von beiden, versuchte ein zynisches Lächeln aufzusetzen: »Warum regt sie sich so auf?« Sie sah dem Pharao ins Gesicht. »Wenn es nicht wahr wäre, was die Dienerinnen erzählen, könnte sie gleichgültig darüber hinweggehen. Doch sie fühlt sich ertappt. Deshalb ihre Aufregung!«

»Ertappt, ertappt!«, höhnte Mutnofret. »Nach zwölf Jahren fühle ich mich ertappt! Dass ich nicht lache!«

»Worum geht es eigentlich?«, erkundigte sich Thutmes, und Ahmose gab bereitwillig Auskunft. Die Dienerschaft erzähle, dass Mutnofret mit einem Stier geschlafen und neun Monate später Thutmes zur Welt gebracht habe. Ein heiliger Apisstier aus Memphis soll es gewesen sein.

Thutmes lachte laut, schlug sich prustend auf die Schenkel und zeigte auf den unglückseligen Jungen, der den Pharao ängstlich ansah und rot anlief wie ein Apfel von den Inseln im Nil. »Hat er Hörner und vier Beine?«, lachte der König. »Und blökt er vielleicht wie ein Stier?« – Jetzt lachte auch der Prinz.

»Ich glaube«, fuhr der Pharao fort, »Thutmes ähnelt eher mir als einem Stier!«

Da klatschte Ahmose in die Hände und rief in den Vorhang hinter dem Thronpodest: »Juja soll herkommen!«

Juja, eine Dienerin des Harems, trat vor, fiel vor dem Pharao und seinen Frauen auf den Marmor des Saales und berührte mit der Stirne den Boden.

»Juja«, sagte Ahmose, »berichte, was du allabendlich beobachtest, wenn Re hinter dem Gebirge des Westens verschwindet und Mutnofret zu Bett geht?«

»Herrin!«, flehte die Dienerin. »Ich habe noch nie ein Wort darüber verloren, was hinter den Türen des Harems vor sich geht …«

Scharf wie ein Schwert zerschnitt die Stimme des Pharaos die spannungsgeladene Situation: »Ich befehle es dir!«

Die Musikantinnen hörten auf zu spielen, die trunkenen Zecher, die Priester und Höflinge erkannten die kritische Situation und zogen sich lautlos zurück. Nur Minhotep, Hapuseneb und Satre blieben.

»Also, was hast du gesehen?«, wiederholte Ahmose.

Ermutigt durch ein freundliches Kopfnicken des Pharaos, begann Juja zu sprechen: »Wenn Mutnofret, meine Herrin, zu Bett geht, dann holt sie aus der goldbeschlagenen Truhe mit den Schriftzeichen von Gott Ptah und Apis einen riesigen Stierschwanz. Der Schwanz ist schwarz gefleckt und schön wie die Sonne, und die Mumienpriester haben gewiss neunzig Tage gebraucht, um ihn mit heiligem Natron zu konservieren. Mutnofret, meine Herrin, benützt die langen Haare des Schwanzes allabendlich, um sich zwischen den Schenkeln zu streicheln. Und wenn sie zufrieden auf die Matte ihres Bettes sinkt, dann schlingt sie ihn lustvoll stöhnend um die Taille und gibt sich dem Schlaf hin.«

Ahmose sah den Pharao triumphierend an. Mutnofret hatte den Blick gesenkt.

»Jeden Abend?«, fragte der König.

»Jeden Abend«, antwortete Juja.

»Was sagt das schon!«, begann Thutmes nach kurzem Nachdenken, »Frauen sind erfinderisch, wenn es darum geht, die Grotte ihrer Lust zu befriedigen. Die eine bevorzugt den glatten Zahn aus Elfenbein, die andere das Schwanzhaar eines Stieres. Derlei Gerede zeugt doch nur von eurem Argwohn. Jede neidet der anderen ihren Stand. Du, Ahmose, bist meine große königliche Gemahlin mit dem Blut meiner Ahnen, und niemand wird dir diesen Rang streitig machen; aber du hast nur eine Tochter. Und du, Mutnofret, bist die Geliebte mancher Nacht, die mir einen Sohn gebar. Was liegt näher, als die Tochter aus königlichem Geblüt mit dem Sohn meines Samens zu verbinden?«

Hatschepsut, die die Rede ihres Vaters mit klopfendem Herzen verfolgt hatte, rang nach Luft. Sie fühlte seinen Blick auf sich gerichtet, doch der Zorn in ihren Augen hinderte sie, den Pharao anzusehen. Sie, die Hüterin des Sonnenblutes, die Erste der Edelfrauen, die Amun umfängt, solle diesen Bastard, diesen Abkömmling einer gewöhnlichen Dirne heiraten, noch dazu, wo er an Jahren jünger war als sie? – Niemals!

Der Pharao schien die Gedanken des Mädchens zu erraten; er streckte seinen Arm aus und sprach: »Komm zu mir, geliebte Tochter, reich mir deine Hand!« Hatschepsut gehorchte. »Du bist jung an Jahren«, fuhr Thutmes fort, »doch bist du alt genug, um zu begreifen, dass du anders bist als andere Mädchen. Du bist Hohepriesterin des Gottes Amun, wie es der ältesten Königstochter zukommt, und damit ruht eine schwere Last auf deinen Schultern. Du bist es nämlich, die das Blut meiner Ahnen weitergibt an ferne Geschlechter. Und wie Isis dem Osiris hast auch du deinem Bruder zu Willen zu sein. Und wie Isis aus dem Samen des Osiris den Horus gebar, wirst auch du einen Himmelsfalken zur Welt bringen, der den Horusthron weitervererbt in Millionen Jahren.«

Hatschepsut schauderte bei dem Gedanken, ein Kind zu gebären. Sie war den Kinderschuhen kaum entwachsen, hatte bei Neferabet Schreiben und Lesen gelernt, war von Satre, der Amme, in Lebens- und Liebeskunst eingeweiht worden, und Minhotep, der Hofmeister, hatte sie in gesellschaftlichem Umgang unterwiesen. Sollte dieses Leben, das soeben erst begonnen hatte, schon zu Ende sein? Eine verheiratete Frau, eine Mutter gar, verschwand für immer hinter den Mauern des Hauses.

Nun ergriff der Pharao auch die Hand seines Sohnes Thutmes, der, blass, dicklich und tollpatschig, das alles beinahe teilnahmslos über sich ergehen ließ. »Ihr beide«, sprach der König, »sollt das geheiligte Erbe Sekenenres und seiner tapferen Söhne bewahren, so wie ich und mein Weib Ahmose es bewahrt haben.«

»Thutmes ist der Sohn einer Bürgerlichen!«, wandte Hatschepsut ein, und die Umstehenden sahen gespannt auf den Pharao, der Widerspruch nicht gewöhnt war.

Doch der König antwortete ruhig: »Gewiss, meine Tochter, Thutmes ist der Sohn einer Bürgerlichen; aber ich bin sein Vater! Auch meine Mutter Senseneb war nur eine Dienerin. Wer wagte deshalb an meinem Recht auf den Horusthron zu zweifeln?«

Jetzt sah Hatschepsut ein, dass es sinnlos war, sich dem Wunsch des Vaters zu widersetzen. Sie wollte schreien in ohnmächtiger Wut und mit bloßen Fäusten auf den jungen Thutmes einschlagen; doch dann siegte ihr Verstand, und ohne ein Wort des Protestes ließ sie es geschehen, dass der Vater ihre Hand und die des verhassten Stiefbruders ineinanderfügte.

Grünes Licht schimmerte von den Wänden, künstliches Licht, wie es Ngata, die schwarze Sklavin, noch nie gesehen hatte.

»Du brauchst dich nicht zu fürchten«, meinte Teti, »das ist nichts weiter als brennendes Öl, mit Salz bestreut.«

Es war auch nicht das fahle Licht, das die hochgewachsene Nubierin erschreckte, sondern die zahllosen Gegenstände, Instrumente und Glasgefäße in dem verwinkelten Haus des Arztes und Magiers. In den Gläsern schwammen präparierte Organe, Herzen, Nieren, Mägen und eine Gebärmutter mit einem deutlich erkennbaren menschlichen Fötus. Es roch nach Säuren, Schwefel und Salpeter, nach Honig, Myrrhe und Weihrauch, und über allem lag ein gelblicher Dunst aus feinem Puder.

»Ägyptische Ärzte berühmt!«, meinte Ngata, als sie sich von dem Anblick einigermaßen erholt hatte. »Ägyptische Ärzte Zauberer!«

Teti lachte, dass es von den Wänden widerhallte und Ngata angstvoll zusammenzuckte. Der Arzt und Magier genoss sichtlich die Furchtsamkeit der Nubierin.

»Die Ärzte dieses Landes«, meinte er mit breitem Lächeln, »können nicht zaubern, sie arbeiten nur nach den Erkenntnissen der Wissenschaft. Und das hier« – er breitete die Arme aus, als wollte er sich in die Lüfte erheben wie ein Vogel –, »das alles ist Wissenschaft!« Und dabei tanzte er durch den gespenstisch beleuchteten Saal, dass Ngata erschauerte.

»Was ist das, Wissenschaft?«, fragte die Nubierin und setzte sich verschüchtert auf einen Korb aus Schilfrohr.

»Wissenschaft?« Wieder schallte das laute, unheimliche Gelächter des Arztes durch das Haus. »Wissenschaft – das ist probieren, experimentieren, analysieren. Ein Beispiel: Die Weiber von Theben rennen zu Hapuseneb, dem Oberpriester des Amun, wenn sie merken, dass sie schwanger sind. Sie opfern ihm salziges Brot und süßen Honig, um zu erfahren, ob es ein Junge wird oder ein Mädchen. Und Hapuseneb befragt die Götter. Natürlich ist jede zweite Auskunft falsch. Kommt eine schwangere Frau zu mir, dann lasse ich sie einen Getreidekorb mit ihrem eigenen Wasser besprengen. Die linke Hälfte ist mit Weizenkörnern gefüllt, die rechte mit Gerstenkorn. Keimt der Weizen zuerst, wird es ein Mädchen; springen die Gerstenkörner zuerst auf, wird es ein Junge. Das ist keine Zauberei, das ist wissenschaftliche Erfahrung!«

Ngata fühlte plötzlich, dass sich in dem Korb unter ihr etwas regte. Sie sah Teti fragend an. Der antwortete mit seinem gewohnten breiten Grinsen und blickte zwischen ihre prallen Schenkel, wo eine Kobra den Hals bedrohlich blähte. Ngata wollte schreien, aber in der Aufregung brachte sie keinen Laut hervor, sondern starrte nur mit weit aufgerissenen Augen und erhobenen Armen an sich hinab.

»Nicht bewegen!«, sagte Teti ruhig, als sei dies die selbstverständlichste Sache der Welt. »Die Schlange spürt die Wärme deines Körpers. Sie wird dir nichts tun, solange du dich nicht rührst!«

Steif wie eine Götterstatue harrte Ngata aus, beobachtete, der Ohnmacht nahe, wie das zischelnde Reptil den breiten Kopf nach allen Seiten drehte und im langsamen Rhythmus hob und senkte. Teti schien die Situation zu genießen. Bei allen Göttern, so tu doch was! wollte sie schreien. Nichts geschah. Der Arzt kostete den langen Augenblick der Macht aus, den Anblick des schwarz schimmernden Tieres vor ihrer Scham. Wie wahnsinnig, vermochte die Nubierin nicht mehr zu unterscheiden zwischen Traum und Wirklichkeit. Jeden Augenblick konnte die Kobra zustoßen. Und nur Teti hatte Macht über die Schlange. War es Wahrheit, oder fantasierte sie nur in ihrer Todesangst, dass der Magier die Arme angewinkelt hob, die Finger spreizte und drohend auf die Kobra zutrat?

Widerwillig, ihre Kraft mit dem Magier messend, hob und senkte die Schlange den Kopf, zuerst mit heftigen Bewegungen, dann immer schwächer werdend, und auf einmal schwoll der geblähte Hals ab, verjüngte sich zu einem dünnen Schlauch und verschwand endlich durch jenen Spalt in dem Korb, aus dem er gekommen war.

Ngata verharrte noch immer in ihrer Starrheit, die Arme erhoben, den Blick zwischen ihre Schenkel gerichtet, zu keiner Bewegung fähig. Fasziniert von dem Ereignis, zupfte Teti die Nubierin an den erhobenen Händen; und wie die steifen Glieder einer Puppe fielen sie in ihre ursprüngliche Lage zurück. Und wenn er Ngata in diesem Augenblick angestoßen hätte, wäre die Schwarze zu Boden gestürzt wie eine Statue, die man ihres Sockels beraubte.

Teti schlich um die Nubierin, ließ seinen Blick wohlgefällig über ihren edel geformten schwarz schimmernden Körper schweifen, sog mit den Augen die prallen Rundungen ihrer Brüste in sich auf, den von einem blütenhaften Nabel gekrönten Bauch und die wollüstigen Schenkel, die sich in schwarzem Kringelhaar trafen. Dann kniete er nieder, um ihren Blick einzufangen, streckte die gespreizten Finger nach ihr aus und rief laut, damit das Mädchen ihn auch höre: »Ngata, hörst du meine Stimme, ich bin es, Teti!«

»Teti! Ja!«, kam es lallend aus dem Mund der Nubierin.

»Ngata, sieh mich an, hörst du, schau mir in die Augen. Was siehst du, Ngata?«

»Die Uräusschlange …«

»Was macht die Schlange, Ngata, sprich!«

»Aufbäumen, aufblähen, Augen wie Feuer …«

»Du fürchtest dich vor der Schlange?«

»Ja, Angst, Ngata Angst, Angst!«

»Hör zu, Ngata, du brauchst dich vor der Schlange nicht zu fürchten; denn ich, Teti, habe Macht über diese Schlange; aber du musst alles tun, was Teti dir befiehlt, alles! Hast du verstanden?«

»Alles. Ngata verstanden.«

»Du musst alles tun, was ich von dir verlange, und darfst nie eine Frage stellen, hörst du?«

»Nie eine Frage stellen. Ngata alles tun, was Teti verlangt.«

»Gut, Ngata. Merk auf, ich werde dich nun wieder aufwecken. Ich werde mit den Fingern schnippen, und die Schlange wird verschwunden sein, und du wirst dich an nichts mehr erinnern.«

Kaum hatte Teti mit Daumen und Mittelfinger ein schnalzendes Geräusch verursacht, da ließ Ngata die Arme sinken, und sie rieb sich die Augen, als erwachte sie aus einem Traum.

»Komm her zu mir, Ngata«, sagte der Magier, »du wirst jetzt meinem Befehl gehorchen …«

Von scharfen Hunden bewacht, hatte Senenmut einen Tag und eine Nacht im Kerker hinter dem Haus des Wesirs zugebracht. Er hatte mit seinem Leben abgeschlossen, denn wie sollte er beweisen, dass der Pfeil aus seinem Bogen nicht der Dienerin galt und schon gar nicht der Prinzessin? Ramose, sein Vater, war Bauer, er rang dreimal im Jahr dem Nil das Nötigste zum Leben ab, zu mehr reichte es nicht. Wie sollte er einen Schreiber und Advokaten bezahlen, der ihn vor Gericht verteidigt hätte?

Umso mehr erstaunte es Senenmut, als am Morgen des dritten Tages zwei Diener an der Stätte der Wahrheit erschienen, zwei Priester, ihn in ihre Mitte nahmen und wortlos durch die engen Gassen der Vorstadt hinaus zum Tempel des Amun von Karnak geleiteten. Senenmut wagte es nicht, die ernst blickenden kahlköpfigen, in Pantherfelle gehüllten Priester zu fragen. Vor dem großen Pylon, dessen Zinnen höher ragten als jedes Gebäude der Stadt, trat ihnen Puemre entgegen, der zweite Prophet des Amun. Er hielt einen Sack in Händen.

»Auf Wunsch der Ersten der Edelfrauen«, sprach er knapp, »soll das Amunorakel über deine Schuld oder Unschuld entscheiden.« Er reichte den Priestern den Sack.

Und noch bevor Senenmut in seiner Erregung eine Antwort auf die Frage fand, warum, bei allen Göttern, Hatschepsut das Orakel entscheiden lassen wollte, stülpten die Priester Senenmut den Sack über den Kopf, zogen ihn über seine Arme und banden ihn um die Lenden zu. Dann schoben sie den Jungen über die Tempelschwelle. Senenmuts Herz schlug bis zum Hals.

Drückende Schwüle schlug dem Jungen im Innern entgegen, das zu betreten gewöhnlich Sterblichen bei Todesstrafe untersagt war. Und schon bald drang beißender Gestank durch den Sack. Senenmut begann zu taumeln, rang, von Panik ergriffen, nach Luft, glaubte zu fallen, aber keine stützende Hand kam ihm zu Hilfe. Stand er inmitten eines lodernden Feuers? Brannte der Boden unter seinen Sohlen? Unfähig, sich das geheimnisumwitterte Innere des großen Amuntempels vorzustellen, spürte er abwechselnd heiß und kalt auf seinem Körper. Sollte er im Feuer enden?

Von ferne, wie aus einem finsteren Verlies, erscholl der klagende Gesang hoher Frauenstimmen, die, von Sistren und Klappern unterbrochen, näher kamen und sich in unmittelbarer Umgebung des Delinquenten in Ekstase tanzten. Senenmut verstand jetzt, was sie sangen: »Greift zu Öl und Myrrhen, legt Kränze um den Hals; denn der herrliche Gott Amun ist gnädig!«

Aber er konnte nicht sehen, wie sich der Tempel im zuckenden Schein rot leuchtender Fackeln allmählich füllte. Ein Amunorakel forderte vielköpfige Zeugenschaft. Deshalb waren alle Reinen, die Priester und Priesterinnen, hohen Beamten und Höflinge, aufgefordert zu erscheinen. Immer mehr Menschen traten hinter den hohen Säulen des Saales hervor, um das armselige Menschenbündel argwöhnisch zu betrachten, das wankend wie ein Schilfrohr vor dem lodernden Opferfeuer stand. Ätzender schwarzer Qualm suchte mühsam einen Abzug im steinernen Dachgebälk und legte über den geheiligten Raum eine unerträgliche Atmosphäre.

Da, auf einmal lösten sich aus den Rauchschwaden an der Vorderseite zwei Gestalten, denen die Anwesenden mit einem Kniefall begegneten: der Oberpriester Hapuseneb und der Richter und Wesir Senzemab. Sie traten wortlos links und rechts neben den Delinquenten, drehten sich um und blickten in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Grabesstille breitete sich aus. Nur das Knistern und Krachen des Feuers und das Zischen der Fackeln war zu vernehmen, als aus dem Portal des Allerheiligsten die mannshohe Götterstatue des Amun schwebte. Im ersten Augenblick sah es wirklich so aus, als schwebte die Statue; doch dann tauchten aus dem Rauch vier nackte Priestergestalten auf mit Tragestangen auf ihren Schultern. Mit kurzen trippelnden Schritten schleppten sie die schwere Statue vor das qualmende Feuer.

Senzemab erhob die Stimme und verlas einen Papyrus: »Seine Majestät, Thutmes, Herrscher beider Länder, dem langes Leben und Wohlergehen beschieden sei in Millionen Jahren, bittet Amun in Theben, der seine Zeit vollendet hat, ein gerechtes Urteil zu fällen in diesem schwierigen Fall: Senenmut, Sohn des Bauern Ramose und seiner rechtschaffenen Mutter Hatnefer, wird beschuldigt, Hatschepsut, der Ersten der Edelfrauen, die Amun umfängt, nach dem Leben getrachtet und dabei eine Dienerin der Königstochter mit dem Pfeil getötet zu haben. Der Beschuldigte bestreitet dies und behauptet, die Dienerin aus Versehen bei der Jagd auf Wildgänse erschossen zu haben. Spreche Recht, Amun von Theben!«

Der Oberpriester griff in eine Schale mit duftenden getrockneten Kräutern, streute eine Handvoll in das züngelnde Opferfeuer und betete monoton: »Amun-Re, Erhabener von Karnak, nimm diesen Duft der Kräuter der Weisheit in dir auf.« Dann langte er in eine zweite Schale mit Kräutern, streute sie in die Glut und murmelte: »Amun-Re, Erhabener von Karnak, nimm diesen Duft der Allmacht in dir auf.«

Es zischte und qualmte, und Schwaden von beißendem weißem Rauch krochen auf den spiegelnden Boden, dass die Priester und Großen des Reiches wie in Wolken standen.

»Sag, Amun-Re, Erhabener von Karnak«, rief Hapuseneb mit erhobener Stimme, »hat dieser Senenmut, der Sohn des Ramose und der rechtschaffenen Hatnefer, die Wahrheit gesprochen?«

Eingeschnürt in seinen Sack, lauschte Senenmut, trunken vom Opferrauch, einer Antwort des Gottes. Was würde geschehen? Ja, die Leute redeten Geheimnisvolles über das gefürchtete Amunorakel; Genaues aber wusste niemand. Fest stand nur, dass der Spruch des Gottes unumstößlich war, dass es keine zweite Instanz gab und dass nicht einmal der Pharao die Möglichkeit hatte, einen von Amun für schuldig Erklärten zu begnadigen.

Warum antwortete Amun nicht? Bei der Allwissenheit des Erhabenen von Karnak, dem Gott musste doch bekannt sein, dass Senenmut die Wahrheit sprach. Der Junge bebte am ganzen Körper, würgte, taumelte, weil er wusste, man würde ihn den Krokodilen am heiligen See zum Fraße vorwerfen, dann brach er lautlos zusammen.

Die Priester und Großen des Reiches bemerkten es nicht. Sie starrten auf das drohend funkelnde Götterbild, das nun wie eine überirdische Erscheinung aus den weißen Qualmwolken ragte. Und da, auf einmal bewegte sich der Gott, kaum merklich zuerst, doch dann, ja – man erkannte es ganz deutlich – Amun nickte, sagte: ja, Senenmut hat die Wahrheit gesprochen.

Ein Raunen ging durch den Säulensaal, unterbrochen nur von der hohen Stimme des Oberpriesters Hapuseneb: »So sei es, Erhabener von Karnak!«

Als Senenmut erwachte, krochen Schauer der Angst an seinem Körper empor.

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