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Die Ostseebande - Der vergessene Schatz

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Vorwort
  7. 1 Der Wunsch
  8. 2 Ein Brief vom Konsul
  9. 3 Rufus, der Druide
  10. 4 Schattenbeißer
  11. 5 Rufus befragt die Runen
  12. 6 Die Symphonie ist da
  13. 7 Reisevorbereitungen
  14. 8 Proviant
  15. 9 Leinen los!
  16. 10 Ein fast normaler Seetag
  17. 11 Kapitän Raubein
  18. 12 Die Mondbucht
  19. 14. Kapitel
  20. 15 Morgenmuffel und Schinkenwurst
  21. 16 Von Hängematten und Seehunden
  22. 17 Der Hab-acht-Wandelzauber
  23. 18 Die Schären
  24. 19 Mitternachtsschmaus
  25. 20 Ein blinder Passagier
  26. 21 Mit Speck fängt man Mäuse
  27. 22 Der einzig wahre Pietje Bell
  28. 23 Das Gold der Ostsee
  29. 24 Eine schreckliche Vorahnung
  30. 25 Bevor ich diesen Jabbel kau, da ess ich lieber Kabeljau
  31. 26 Die Windsbräute von Lillesyster
  32. 27 Nebelschleier
  33. 28 Gestrandet
  34. 29 Ein merkwürdiger Fund
  35. 30 Der Hüter der Macht
  36. 31 Der vergessene Schatz
  37. 32 Rettung in Sicht
  38. 33 Im Hubschrauber zum Kaffeekränzchen
  39. 34 Das beste Zelt der Welt
  40. Nachwort
  41. Glossar für Landratten

Über die Autorin

Karen Nielsen, geboren 1967 in Bremerhaven, hat nach dem Studium zur Grafik-Designerin an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg für Werbeagenturen und unter eigener Regie gearbeitet. DIE OSTSEEBANDE ist ihr erstes Kinderbuchprojekt. Die Idee dazu kam ihr und ihren Jungs, als sie auf einem Campingplatz gezeltet haben und neuen Lesestoff brauchten. Sie lebt mit Mann und zwei Söhnen an der Kieler Förde.

Die Ostseebande im Internet: www.ostseebande.de

Karen Nielsen

Die
Ostseebande

Der vergessene Schatz

Mit Illustrationen von
Wiltrud Wagner Retterbush
Band 2

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Vorwort

Hallo Kinder,

wie ich sehe, möchtet ihr noch mehr über die Abenteuer der Ostseebande erfahren.

Tom, Christopher, Spotty und Kalle, der kleine Jack Russell Terrier, haben in ihren letzten Ferien so einiges erlebt.

Sie haben den Druiden Rufus kennengelernt, der in einer Höhle am Ostseestrand haust. Ein kauziger Kerl, der mit Tieren sprechen kann und das Otterpärchen Salmiak und Pastille zu seinen Freunden zählt. Gemeinsam ist dieses Team unschlagbar.

Felicitas, genannt Spotty, hat seit dem letzten Jahr noch mehr Sommersprossen bekommen, und auch Tom und Christopher sind größer geworden. Nur Kalle hat sich nicht viel verändert. Christophers pfiffiger, wirbeliger kleiner Hund hüpft immer noch wild wie ein Flummi durch die Gegend, wenn er aufgeregt ist.

Also ihr seht – alle noch da.

Der kleine Junge, der mit seinem Freund letzten Sommer an meinem roten Sommerhäuschen am Steg saß, hat mich auch dieses Jahr wieder besucht. Die beiden sind gerade keschern. Seenadeln und Krebse. Damit könnten sie den ganzen Tag verbringen, wenn man sie nur lassen würde, sagen sie.

Also dann. Lassen wir sie doch einfach.

Wir schauen solange, was die Ostseebande Neues treibt. Das wird diesen Sommer ganz schön gefährlich, kann ich euch sagen.

Mal sehen, ob das nicht auch die beiden Kescher-Athleten interessiert.

Dachte ich es mir doch.

Da kommen sie ja.

1 Der Wunsch

»So, fertig«, sagte Tom. Er trat einen Schritt zurück und begutachtete das aufgebaute Zelt. Dann klopfte er sich die Hände an der Hose ab und schaute zu seinem Freund Christopher hinüber. Christopher und Tom waren die besten Freunde, die man sich vorstellen konnte. Sie verbrachten so viel Zeit wie möglich zusammen. Im Sommer sogar die ganzen Ferien.

»Ist doch echt super, dass wir den gleichen Zeltplatz wie letztes Jahr bekommen haben«, erwiderte Christopher und blickte über den glitzernden See.

»Was machen wir jetzt? Wollen wir erst eine Runde baden oder vorher nachsehen, ob Felicitas schon da ist?«, wollte Tom wissen.

»Lass sie bloß nicht hören, dass du ihren richtigen Namen benutzt. Du weißt doch, dass sie viel lieber Spotty genannt werden möchte«, sagte Christopher und pfiff nach Kalle, dem kleinen Jack Russell Terrier. »Ich bin dafür, dass wir erst mal eine riesige Arschbombe ins Wasser machen. Sieh doch, Kalle lässt nach der langen Fahrt auch schon seine Zunge heraushängen.«

Als er seinen Namen hörte, blickte der kleine Hund die Jungen erwartungsvoll an und hechtete dann mit riesigen Sprüngen zum See. Dabei verhedderten sich seine kurzen Beinchen, und er landete unsanft auf seiner Schnauze.

Tom und Christopher zogen blitzschnell ihre Sachen aus und rannten hinter dem wolligen Knäuel her, um sich kopfüber ins Wasser zu stürzen.

Lachend und prustend tauchten sie wieder auf.

Da ertönte ein langer Pfiff vom Ufer herüber.

Spotty! Sie winkte ihnen zu, warf sich gleich mitsamt ihren Klamotten in den See und schwamm zu den Jungen hinüber.

»Hallo Jungs, lange nicht gesehen!«, grinste sie. Ihre rotblonden Stirnfransen hingen ihr bis in die Augen. Ihre Sommersprossen hüpften auf ihren Wangen, als sie lachte. »Wolltet ihr etwa ohne mich schwimmen gehen?«, fragte sie und versuchte Christopher unterzutunken.

»Nö, wir mussten nur Kalle Gesellschaft leisten«, sagte Christopher und befreite sich lachend aus ihrer Umklammerung.

Tom schwamm zu den beiden rüber. »Bleibst du den ganzen Sommer bei deiner Granny?«

»Ja klar! Was denkst du denn? Mein Dad ist mal wieder in England, und meine Mutter muss auch arbeiten. Hier bei meiner Großmutter darf ich wenigsten tun, was ich will.« Nach kurzem Zögern fügte sie hinzu: »Na ja, fast alles, was ich will!«

»Kommt, wir gehen raus. Kalle, komm mit!«, rief Christopher, und schon flitzte der kleine Hund wie ein Wirbelwind an ihm vorbei auf die bunte Blumenwiese. Die Sonne stand hoch am Himmel und wärmte bereits so kräftig, dass sich die Kinder auf den Bauch legten und sich von ihr trocknen ließen.

Spotty pflückte einen langen Grashalm, kaute auf ihm herum und blickte zu den weißen Wohnwagen hinüber, die in dem Sonnenlicht wie frisch gewaschen aussahen.

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»Soll ich euch mal etwas sagen?«, fragte sie in die Runde.

»Was denn?«, fragten Tom und Christopher wie aus einem Mund.

Spotty setzte sich auf. »Ihr dürft euch etwas wünschen. Ihr habt gleichzeitig dasselbe gedacht und dann ausgesprochen.«

Die Jungen blickten sich verwundert an.

»Das verstehe ich jetzt nicht. Was hat das damit zu tun, was du uns sagen wolltest?«, fragte Tom.

»Ist doch klar. Ich habe letzten August ganz viele Sternschnuppen gesehen. Und jedes Mal habe ich mir gewünscht, dass wir uns im nächsten Sommer wiedersehen und wieder gemeinsam Abenteuer erleben.«

»Das Wiedersehen ist ja schon mal in Erfüllung gegangen«, sagte Christopher. »Jetzt fehlen nur noch die Abenteuer.«

»Stimmt!«, sagte Tom. »Wir haben doch auch noch einen Wunsch frei.« Er stieß Christopher auffordernd seinen Ellenbogen in die Seite.

Sie schlossen die Augen ganz fest und öffneten sie nach wenigen Sekunden wieder.

»Fertig?«, fragte Spotty. Die Jungen nickten feierlich. »Na dann kann’s ja losgehen.«

»Ja, aber zuerst muss ich unbedingt etwas essen. Mir knurrt schon der Magen«, sagte Tom.

»Ach, das habe ich ja ganz vergessen.« Spotty schlug sich mit der Hand an die Stirn. »Ich soll euch von meiner Granny zu einem echten Seefahrerimbiss einladen. Es gibt Labskaus.«

»Juchhu!« Lachend sprangen die Kinder auf, sammelten ihre Sachen ein und stoben davon – zum Wohnwagen von Spottys Großmutter.

2 Ein Brief vom Konsul

Granny hatte auf dem Campingplatz so etwas wie einen Hausmeisterjob. Sie war der Platzwart, sie reparierte, kassierte und sortierte. Granny machte alles, was auf einem Campingplatz an Arbeit eben so anfiel. Vom Gärtnern über die Platzverteilung an Campinggäste. Und sie hatte natürlich dafür zu sorgen, dass die Regeln auf dem Platz eingehalten wurden.

Die schwierigste Regel war die Ruhezeiten-Regel. Lautes Krakeelen und Bolzen war verboten. Jedenfalls vor dem Frühstück, in der Mittagspause und nach Sonnenuntergang. Zum Glück wird es im Sommer an der Ostsee erst ziemlich spät dunkel, und man kann lange draußen am Lagerfeuer sitzen und sich Geschichten erzählen.

»Camping und Platzruhe passen einfach nicht zusammen«, fand Christopher.

Und Tom und Spotty gaben ihm recht. Aber Granny drückte häufig ein Auge zu und ließ die Kinder auf dem Campingplatz in Ruhe. »Schließlich sind wir hier kein Seniorenheim«, sagte sie immer.

Jetzt stand sie auf der Sonnenterrasse ihres Wohnwagens, der geschützt hinter einer Schilfhecke lag, und deckte gerade den Tisch. Sie blickte auf, als sie die Kinder kommen hörte, und breitete lachend die Arme aus.

»Da ist ja die ganze Bande. Und Kalle, na mien Lütten, wie ist es dir ergangen?«

Sie beugte sich zu dem Hund hinunter, der ihr stürmisch das Gesicht ableckte. Granny musste lachen. »Warte nur, bis ich heute Nachmittag meinen Schokokuss zum Kaffee esse, dann hast du erst richtig was zu schlecken.«

Zu Tom und Christopher sagte sie: »Lasst euch mal ansehen, ihr Leichtmatrosen. Gute Zähne, festes Haar, nur ein bisschen mehr Knöf könnt ihr in euren Musarmen vertragen, was?«

Prüfend zog sie den Jungen die Unterlippe herunter und betrachtete ihre Zähne. Die Festigkeit der Haare kontrollierte sie mit einem etwas schmerzhaften Rollgriff und kniff ihnen abschließend in die Oberarme.

»Aua! Inspektion beendet?«, fragte Tom und rieb sich seinen Arm.

»Jupp. Hilf mal mit, den Tisch vor den Strandkorb zu schieben. Dann kann das auch gleich mit dem Labskaus losgehen, und danach habe ich auch noch eine Neuigkeit für euch.«

»Was denn für eine Neuigkeit?«, fragte Spotty. »Du hast mir ja gar nichts erzählt!«

Ihre Granny wedelte mit dem Zeigefinger vor Spottys Nase hin und her. »Du wirst dich leider noch etwas gedulden müssen. Die Sache geht euch alle an, und deswegen habe ich auch auf deine Freunde gewartet, bevor ich damit herausrücke. Aber jetzt wird erst mal gegessen.«

»Menno!« Spotty verschränkte enttäuscht die Arme. Die Jungen zuckten nur mit den Schultern und machten sich eilig daran, Labskaus auf ihre Teller zu füllen.

»Das Gute an Labskaus ist, dass es einem nicht so vom Löffel rutschen kann«, fand Tom, der immer das Praktische sah. Christopher stimmte ihm zu, und die Kinder aßen mit großem Appetit. Endlich waren sie fertig und beobachteten Granny dabei, wie sie sich ihre Nachtisch-Zigarre ansteckte. Die einzige am Tag, die sie sich gönnte. Schmauchend saß sie in dem blau-weiß gestreiften Strandkorb und kramte einen Brief aus ihrer Gesäßtasche hervor. Die Blicke der Kinder folgten gespannt jeder einzelnen Bewegung.

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Granny faltete das Papier auseinander. Es raschelte leise. Der Brief war mit schwarzer Tinte auf teuer aussehendem, cremefarbenem Papier geschrieben und trug das Staatswappen von Dänemark: drei gekrönte blaue Löwen mit neun roten Herzen auf einem goldenen Schild unter einer goldenen Krone. In der Mitte des Briefes befand sich ein durchschimmerndes Wasserzeichen.

»Wie ihr seht, ist der Brief von unserem Freund, dem Dänischen Konsul«, sagte Granny und hielt ihn für alle sichtbar hoch. »Wollt ihr hören, was er schreibt?«

»Jaaaa«, riefen alle drei, und Kalle wedelte zustimmend mit dem Schwanz.

Granny räusperte sich und las:

»Liebe Kinder, liebe Granny, sehr verehrter Herr Rufus,

nun ist schon ein Jahr vergangen, seit ich in eurer wunderschönen Bucht mit meiner Yacht »Symphonie« vor Anker ging. Wenn ich an Bord bin und von meinem geliebten Tafelsilber speise, muss ich unweigerlich an die tapferen Taten meiner Freunde denken. Euch habe ich es zu verdanken, dass mir nichts von meiner Habe gestohlen und die Yachtdiebe hinter Schloss und Riegel gebracht wurden. Natürlich erinnere ich mich an das Versprechen, dass ich euch gab, mit euch eine Seereise durch die schönen Gewässer der Ostsee zu machen. Leider bin ich im Moment von Staats wegen unabkömmlich und kann euch nicht begleiten, aber ich schicke euch meine »Symphonie« samt Mannschaft: einem Kapitän, einem Steuermann und einem Koch. Für drei Wochen sollen sie euch schippern, wohin ihr wollt. Ich wünsche euch viel Spaß, und lasst euch ordentliche Seebeine wachsen. Ahoi, Mast und Schotbruch und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Unterzeichnet, Konsul von Dänemark«

Granny ließ das Blatt sinken. Die Kinder saßen mit offenen Mündern da, und dann brach der Jubel los. Tausend Fragen schossen hin und her.

»Eine Seefahrt! Wann denn? Was sollen wir mitnehmen? Kann Kalle mitkommen? Werden das die Eltern erlauben? Was ist mit Rufus und seinen Ottern?«

Tom sagte laut in die Runde: »Genau, was ist mit Rufus? Wir sind ja vielleicht schöne Freunde. Wir haben noch gar nicht nach ihm gesehen. Er muss unbedingt von der Einladung erfahren.«

»Du hast recht«, antwortete Spotty, »lasst uns schnell zu ihm gehen.«

»Ja, auf zum Strand!«, rief Christopher. »Los, Kalle, komm mit!«

3 Rufus, der Druide

Die Kinder rannten so schnell sie konnten mit dem Brief in der Hand zum Strand hinunter. Barfuß liefen sie durch den Spülsaum. Das Wasser war kristallklar, und sie konnten bunte Kiesel, Schnecken und Krebse sehen. Ein kleiner Schwarm Stichlinge stob wie eine schillernde Wolke auseinander. Völlig außer Atem blieben sie schließlich vor einem sandsteinfarbenen Felsmassiv stehen. Wind, Regen und die See hatten die großen massigen Steine gezeichnet. Rund und glatt erhoben sie sich vor ihnen.

Hier, in einer Steinhöhle, lebte Rufus, der Druide. Auch seine Vorfahren waren Druiden gewesen. Sie konnten in die Zukunft sehen und besaßen magische Kräfte. Rufus hatte die Gabe, die Sprache der Tiere zu verstehen. Und er hatte ein gutes Gespür für Pflanzen und Suppen, die an Zaubertränke erinnerten und die manchmal sogar große Wirkung zeigten.

Kalle sprang mit einem Satz auf den Felsvorsprung und verschwand in einer Felsspalte. Kurz darauf hörte man ein freudiges Kläffen und ein lautes Krächzen. Das Krächzen kam von Samuel, Rufus’ gefiedertem Gefährten. Samuel war eine Krähe, deren Stammplatz Rufus’ Schulter war.

Die Kinder drängten sich nacheinander durch die Spalte und gelangten in eine große Höhle. Inmitten der Grotte hing über einer offenen Feuerstelle ein kupferner Kessel, in dem es geheimnisvoll brodelte. Die gesamte Höhle war mit Dampf gefüllt, der sich an der Decke sammelte und leise zischend durch die Deckenöffnung verschwand.

Nachdem sich ihre Augen an das Dämmerlicht und den Dampf gewöhnt hatten, entdeckten die Kinder Rufus, in der Hand einen Kochlöffel. Er hatte sich zu Kalle hinuntergebeugt und streichelte und herzte den kleinen Hund. Kalle leckte Rufus die Hände und das Gesicht, und sein kleiner Schwanz wedelte so schnell, dass man ihn nur als unscharfe Bewegung wahrnehmen konnte. Die Höhle war erfüllt von lautem Geplapper, freudigem Gewinsel und aufgeregtem Krächzen. Samuel, die blau schillernde Krähe, war so viel Trubel nicht gewöhnt und flüchtete bald durch die Deckenöffnung der Höhle nach draußen.

»Flieg nur, Schamuel, aber vergiss nicht, heute Abend zur Mitternachtssuppe wieder hier zu schein.« Rufus winkte seinem Gefährten hinterher. Dann drehte sich der magere Druide zu den Kindern um, und sein Gesicht leuchtete wie ein Weihnachtsbaum an Heiligabend.

»Wen schehen meine entzündeten Augen denn da? Wenn da nicht die versammelte Bande mitten in meiner guten Stube steht.« Rufus lachte und wuschelte Tom durch die dunklen Haare.

»Tom, es scheint, die Kraftsuppe vom letzten Jahr hat dich ordentlich wachsen lassen. Dich natürlich auch, Christopher.« Dann zwinkerte Rufus Spotty zu und sagte: »Hallo Spotty, aus deinem Haar könnte man mittlerweile wunderbare Netze flechten, scho lang ist es geworden.«

»Schön, dass du da bist, Rufus«, antwortete Spotty und umarmte den Druiden. Durch seinen groben Umhang konnte sie seine Knochen fühlen. Rufus’ weiße zerzauste Haare kitzelten sie an der Nase. Sie standen in alle Himmelsrichtungen ab, als wären sie elektrisch aufgeladen.

»Wo sind denn eigentlich Salmiak und Pastille?«, fragte Spotty.

Salmiak und Pastille waren ein zahmes Otterpärchen mit schwarz glänzendem Fell und einer Vorliebe für salzige Heringe. Sie tauchten meist unerwartet auf, flutschten durch die Felsspalte in die Höhle und verschwanden genauso plötzlich wieder, wie sie gekommen waren.

»Och, den beiden geht es gut. Scholl ich schie einmal rufen?«, fragte Rufus.

»Bitte ja, wir möchten sie unbedingt wiedersehen«, sagte Christopher. »Und dann müssen wir dir dringend diesen Brief zeigen.«

Christopher faltete das Schreiben auseinander und überreichte es Rufus.

Der wischte sich die Hände an seiner Kleidung ab, bevor er nach dem Papier griff. Dann setzte er sich auf eine grob gezimmerte Bank und versuchte den Brief zu lesen. Dabei hielt er ihn doch tatsächlich verkehrt herum.

Ungeduldig gab er ihn Christopher zurück. »Diese Zauberzeichen kann ich nicht entziffern. Lies ihn mir schnell vor!«

»Kannst du etwa nicht lesen?« Verwundert sah er Rufus an.

Der winkte nur ungeduldig ab. »So ein neunmalkluges Gequatsche. Natürlich kann ich lesen, du schlauer Einstein. Nur jetzt nicht. Ich habe zu viel Zwiebeldunst in den Augen. Von der Suppe da!«

»Lies endlich«, sagte Spotty ungeduldig und stupste Christopher in die Seite. Also las der den Brief vor. Als er geendet hatte, sahen sie Rufus abwartend an.

»Was ist, Rufus? Was sagst du dazu?«, fragte Tom.

Der Druide bedeutete ihm zu schweigen, schnappte sich den Brief und sah ihn sich lange an. Endlich, nach einer schweigsamen Ewigkeit, legte Rufus den Brief behutsam zur Seite.

»Ist das nicht irre?«, fragte Tom erneut.

»Ich weiß nicht so recht«, entgegnete Rufus. Die Kinder blickten ihn enttäuscht an. Sie hatten damit gerechnet, dass er sich genauso freuen würde wie sie. Spotty setzte sich neben ihn.

»Was gibt es denn da zu überlegen? Wir können fahren, wohin wir wollen für volle drei Wochen.« Sie berührte Rufus am Ellenbogen. »Vielleicht könnten wir auch den Spuren deiner Ahnen folgen?«

Rufus nickte, und seine Augen begannen ein wenig zu leuchten. »Aber ja, das wäre schon was. Ich habe eine Idee. Ich werde die Runen befragen. Heute Nacht ist Vollmond, wir werden schehen, ob die Götter freundlich gestimmt sind.«

Plötzlich unterbrach ein Fiepen die Stille, und mit einem Schwall Meerwasser rutschten Salmiak und Pastille in die Höhle, dem Druiden direkt vor die Füße.

»Da scheid ihr ja!« Rufus tätschelte die beiden.

Kalle sprang sofort zu den Ottern und schleckte sie ab. Den Ottern schien das zu gefallen. Sie schnappten nach Kalles Ohren – natürlich nur aus Spaß, denn sie wollten einfach ein bisschen spielen.

»Was meint ihr beiden?«, fragte Rufus und beugte sich zu den Tieren hinunter. »Schollen wir eine Bootsfahrt machen? Schließlich kennt ihr ja auch nur einen Teil der Ostsee!«

»G

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