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Die Navigatorin

Rückentext, militärische Ränge und andere Bezeichnungen

Inhalt:

Die junge Navigatorin Kyrell verdient ihr Geld als Lotse von Raumschiffen. Ihr Beruf führt sie zu einem gefährlichen Minenräumkommando der kriegerischen Ch’tarr, wo sie sich gegen ihren Willen in einen anmaßenden Offizier verliebt.

Militärische Ränge und andere Bezeichnungen:

  • Patarin
  • Kapitän, Kommandant eines Raumschiffs
  • Darmon
  • Commander, Stellvertreter des Patarins
  • Chiren
  • Fähnrich
  • Razvaran
  • Bezeichnung für ein Mitglied der Killerkaste
  • Lanei
  • Lebensgefährtin

Eins

Als die junge Navigatorin Kyrell die Transporterkapsel verließ und in das von rituellen Brandings verunstaltete Gesicht eines Ch'tarr-Kriegers blickte, wünschte sie ihrem Onkel Rasm ein weiteres Mal die Pest an den Hals. Rasm war der Geschäftsführer einer kleinen, aber lukrativen Firma, die natürliche Navigatoren gegen hohe Provisionen an Raumschiffkapitäne vermittelte, um deren Schiffe durch unwegsame Raumgebiete zu geleiten. Normalerweise war die Firma nur innerhalb der Planetenliga tätig, doch vor etwa sechs Standardmonaten waren die Cht'arr aus der ul'chanischen Konföderation an Rasm herangetreten und hatten ihm für die Dienste seines besten Navigators eine Provision in einer Höhe geboten, die alle Maßstäbe gesprengt und moralische Bedenken, einem zu einer feindlichen Machtgruppe gehörenden Volk zu dienen, hinweggefegt hatte.

Der beste Navigator der Firma war Kyrell. Aber nicht nur dort war sie die Beste. Auf ihrem gesamten Heimatplaneten Hassol gab es niemanden, der sich mit ihrem Talent hätte messen können. Sie war es gewohnt, entsprechend der Bedeutung ihrer Aufgabe mit ausgesuchter Höflichkeit und Respekt behandelt zu werden. Der Krieger starrte sie jedoch mit finsterer Ablehnung an, so, als wolle er sie erdolchen. Seine drohende Präsenz ließ Kyrell erschauern. Es war schlimmer, als sie es sich ausgemalt hatte. Der Ch'tarr war mindestens 30 Zentimeter größer als sie. Seine Muskeln schienen seine Uniform fast zu sprengen. Gegen ihn hätte die schlanke Kyrell nicht den Hauch einer Chance. Obwohl sie am liebsten in die Transporterkapsel zurückgekrochen wäre, reckte sie ihr Kinn und hielt seinem stechenden Blick stand. Nachdem er ihren grazilen, biegsamen Körper von oben bis unten gemustert hatte, bequemte er sich endlich, sie anzusprechen: "Navigator Kyrell?", fragte er misstrauisch.

"Ja!", antwortete sie, bemüht, ihrer Stimme einen festen Klang zu geben, was ihr jedoch nur unzureichend gelang. Der Krieger runzelte die Stirn, so dass seine farbigen Hornschuppen geräuschvoll aneinander rieben. Es schien Kyrell, als wisse er nicht, was er mit ihr anstellen sollte. Nach weiteren Sekunden unangenehmen Schweigens sagte er:

"Ich bin Darmon Mucar. Der Patarin hat mir befohlen, Sie zur Brücke zu geleiten. Folgen Sie mir!"

Kaum hatte er diese Worte gesprochen, setzte er sich auch schon in Bewegung. Kyrell schulterte ihren Gepäcksack und folgte ihm so schnell sie konnte über die Gänge des ul'chanischen Scouters. Jeder Schritt ihres Führers auf dem metallenen Boden brach sich laut an den unverkleideten, von dicken Kabelsträngen bedeckten Wänden, während Kyrell sich fast geräuschlos bewegte. Die junge Navigatorin rümpfte die Nase über den Zustand des Schiffes. Alles schien ihr irgendwie unfertig zu sein. Atemlos passierte sie das Schott zur Brücke. Die dort dienenden Krieger hielten beim ihrem Anblick mit ihrer Arbeit inne und starrten erstaunt in ihre Richtung. Ein knapp gezischter Befehl Darmon Mucars lenkte sie jedoch schnell von Kyrell ab. Mucar und Kyrell stiegen auf den erhöhten Podest, der dem Patarin eines ul'chanischen Scouters als Kommandostation diente. Der Patarin stand mit dem Rücken zu ihnen, seine Hände auf das Geländer der Kommandostation gestützt, den Blick auf das einzige Aussichtsfenster des Schiffes gerichtet.

"Patarin Karst, dies ist Navigator Kyrell", sprach Mucar den Patarin an. Der weißhaarige Mann drehte sich um, musterte Kyrell und fing an zu lachen.

"Sie sind eine Frau?", fragte er amüsiert.

"Natürlich bin ich eine Frau", antwortete Kyrell irritiert.

"Wir haben einen Mann erwartet", klärte Karst sie auf.

"Deshalb starrt mich jeder hier an Bord an, als sei ich ein Fremdkörper."

Karst legte ihr zur Begrüßung seine schwere Hand auf die Schulter:

"Willkommen an Bord der Gorasul. Bitte nehmen Sie Ihren Platz an der Navigation ein. Die Station wurde nach Ihren Bedürfnissen umgebaut."

"Patarin, du willst die Gorasul doch nicht dieser zarten Frau anvertrauen, die von einer leichten Windböe umgeworfen werden könnte", wandte Mucar ein.

"Willst du meine Entscheidungen in Frage stellen, Darmon?", knurrte Karst.

Die Antwort des Darmons verstand Kyrell nicht, weil er in den Dialekt der Ch'tarr fiel, der nicht in ihrem Gehirn implantierten Übersetzungsmodul gespeichert war. Diese Sprache war in den Netzbibliotheken der Planetenliga einfach nicht verfügbar gewesen. Kyrell trug mehrere Implantate, die ihr die Arbeit als Navigatorin erleichterten. Doch nicht wegen der Implantate wurde sie so gut bezahlt. Ihr natürlicher Spürsinn war das eigentliche Instrument ihrer Arbeit. Aufgrund ihrer genetischen Veranlagung konnte sie Wege durch Raumgebiete finden, in denen technische Geräte versagten.

"Kommen Sie!", knurrte Mucar sie an. Kyrell zuckte zusammen, weil sie eine Ansprache von ihm nicht erwartet hatte. "Was?"

"Ich bringe Sie zu Ihrer Station", knurrte er. Als sie den Gepäcksack aufheben wollte, schnauzte er sie an: "Lassen Sie ihn stehen. Ein Chiren wird Ihr Gepäck später in Ihre Kabine bringen."

"Ich bin es nicht gewohnt, so unfreundlich behandelt zu werden", beschwerte sich Kyrell. "Wenn mein Gehirn mit Stresshormonen überschüttet wird, kann ich nicht arbeiten. Mein Spürsinn ist dann unzuverlässig. Das ist gefährlich für Schiff und Besatzung."

Mucar starrte sie an, als traue er seinen Ohren nicht. Sein Unterkiefer spannte sich vor Wut an. Vorsichtshalber trat Kyrell einen Schritt zurück.

"Darmon Mucar!", ermahnte Karst seinen Stellvertreter. "Behandele unseren Gast höflich. Sei charmant, damit sich Navigatorin Kyrell entspannt. Du kommst doch sonst so gut mit den Frauen zurecht."

"Was weiß ich von den Frauen der Planetenliga", zischte Mucar in Richtung seines Patarins. Dann wandte er sich wieder Kyrell zu. "Würden Sie bitte mit mir kommen?", presste er zwischen den Zähnen hervor. Kyrell folgte ihm. An der Navigatorstation setzte sie sich in einen bequemen Sessel.

"Kommen Sie mit den ul'chanischen Schriftzeichen zurecht?", fragte Mucar sie, als ihre Fingerspitzen sanft über die glatte Oberfläche der Station glitten.

"Ja, ich habe mich intensiv auf diesen Auftrag vorbereitet. Aber ich werde die Tastatur kaum benötigen, sobald ich erst einmal eine direkte Verbindung mit dem Navigationscomputer hergestellt habe."

Als sie diese Worte sprach, wurde Kyrell unangenehm bewusst, dass sie Hilfe benötigte, um die an dem Sessel angebrachten Stecker an ihrem geschorenen Kopf zu befestigen. Und der hinter ihr stehende Darmon Mucar war der letzte, den sie an ihre empfindlichen Implantate heranlassen wollte. Doch wen sollte sie sonst darum bitten? Schließlich sagte sie zu ihm: "Wir müssen die Kabel an meinem Kopf befestigen. Sind Sie dazu in der Lage, Darmon?"

"Ich habe mich intensiv auf diesen Einsatz vorbereitet", schnappte er.

"Bitte fangen Sie an", seufzte Kyrell.

Mucar nahm ein Kabel nach dem anderen aus dem Kopfteil des Sessels und stellte die Steckverbindungen her. Manchmal kam es vor, dass der Gehilfe die Verbindungen nicht in der richtigen Reihenfolge, oder schlimmer noch, an die falsche Stelle setzte. Dann kam es zu einer Rückkoppelung, die dem Navigator einen stechenden Schmerz verursachte. An Mucars Behandlung gab es jedoch nicht das Geringste auszusetzen, wenn man davon absah, dass seine Nähe Beklemmungen in Kyrell hervorrief. Als er fertig war, sagte sie: "Ich komme nun allein zurecht."

"Wir werden sehen", grollte er, unwillig, sich auch nur einen Zentimeter von ihr zu entfernen.

"Treten Sie wenigstens zwei Schritte zurück. Wie soll ich mich konzentrieren, wenn Sie so dicht hinter mir stehen?"

"Ich vertraue Ihnen nicht."

"Hat Ihr Patarin Ihnen nicht befohlen, sich so zu verhalten, dass ich in der Lage bin, mich zu entspannen?", fragte Kyrell schnippisch.

Zähneknirschend trat Mucar um die geforderten zwei Schritte zurück. Erleichtert lehnte sich Kyrell in ihrem Sessel zurück. Den Kopf bettete sie gegen die weiche Kopfstütze und schloss die Augen. Schon spürte sie die Präsenz des Bordcomputers. Nur zögernd gestattete er ihr den Zugriff, obwohl Kyrell mit allen Rechten und Passworten eines ul'chanischen Navigators ausgestattet war. Es war fast so, als sei der Computer genauso misstrauisch und arrogant wie Darmon Mucar. Kyrell machte sich mit den für sie zugänglichen Dateien und Programmen vertraut, bevor sie dazu überging, eine sichere Route von der Grenze zur Planetenliga in das Herrschaftsgebiet der Ch'tarr festzulegen, wobei sie natürliche Hindernisse ebenso in Betracht zog, wie politische Besonderheiten der ul'chanischen Konföderation. All diese Informationen entnahm sie dem Bordcomputer. Ihr Talent wurde derzeit nicht benötigt. Der reguläre Navigator der Gorasul hätte diese Arbeit ebenso gut erledigen können. Für einen einfachen Flug durch die alternative Realität benötigte man keinen natürlichen Navigator. Aber die überlichtschnelle Reise in die Heimat der Ch'tarr gab Kyrell Gelegenheit, die Handhabung des für sie fremden Computers zu üben. Nicht, dass sich die Programme der Gorasul wesentlich von den Programmen der Schiffe der Planetenliga unterschieden. Aber jeder Computer hatte seine Eigenheiten, besonders, wenn er wie der der Gorasul mit niederer Intelligenz ausgestattet war. Bevor Kyrell mit ihrer eigentlichen Arbeit beginnen konnte, musste sie dessen Vertrauen gewinnen. Nachdem sie die Route erstellt hatte, gab sie sie an die Konsole des Patarins weiter. Karst war damit zufrieden und befahl, den Countdown zum Sprung in die alternative Realität einzuleiten. Bald danach befanden sie sich auf der Reise in das Territorium der Ch'tarr.

xxx

Irritiert sah sich Kyrell in ihrer Kabine um. "Was ist das für ein Durchgang?", fragte sie und zeigte misstrauisch auf ein Schott.

"Das ist die Tür zu meiner Kabine", sagte Mucar schulterzuckend. "Gefällt Ihnen Ihre Kabine nicht? Sie ist nach ul'chanischen Maßstäben sehr komfortabel."

"Ich werde doch nicht mit Ihnen Tür an Tür schlafen", beschwerte sich Kyrell. "Man hat mir vertraglich eine Offizierskabine zugesichert."

"Dies ist eine Offizierskabine", belehrte Mucar sie.

"Haben Sie keine andere Offizierskabine für mich?", erkundigte sich Kyrell.

"Frau!", knurrte Mucar. "Ich verliere bald die Geduld mit Ihnen. Patarin Karst hat mir die Verantwortung für Ihre Sicherheit übertragen. Deshalb stelle ich Ihnen einen Teil meines Quartiers zur Verfügung. Meine Nähe gewährleistet Ihnen einen optimalen Schutz."

"Aber nicht vor Ihnen", entfuhr es Kyrell. "Sie sind mir feindlich gesonnen, seit ich dieses Schiff betreten habe. Außerdem wird die Besatzung glauben, wir hätten ein Verhältnis miteinander, wenn ich in Ihrem Quartier wohne."

"Das ist ja der Sinn der Sache. Als meine angebliche Lanei sind Sie vor den Annäherungsversuchen der Krieger sicher. Niemand würde es wagen, den Bettwärmer des Darmons anzumachen. Eigentlich war die Kabine eines Prä-Darmons für Sie vorgesehen. Da wussten wir aber noch nicht, dass Sie eine Frau sind."

"Ich bin nicht Ihr Bettwärmer", zischte Kyrell.

"Es würde mir nie in den Sinn kommen, mit einer Frau zu schlafen, die so weit gesellschaftlich unter mir steht wie Sie."

"Gehören Sie etwa dem ul'chanischen Adel an?", höhnte Kyrell.

"Meine Herkunft geht Sie nichts an", sagte Mucar arrogant. "Wenn Sie noch Fragen haben, kontaktieren Sie mich. Meine persönliche Kennung ist in Ihrem Kabinencomputer gespeichert. Außerdem habe ich zwei Leibwächter für Sie abgestellt. Bewegen Sie sich zu Ihrer eigenen Sicherheit niemals ohne sie an Bord."

Nach dieser Erklärung drückte Mucar seine Handfläche auf die Platte am Schott zu seiner Kabine. Die Tür glitt auf. Nachdem er hindurchgetreten war, schloss sich die Tür hinter ihm. Kyrell blieb allein zurück. Hass auf diesen arroganten Krieger, der sie den ganzen Tag nicht aus den Augen gelassen hatte, kochte in ihr hoch. Was bildete sich dieser hässliche Kerl ein?

Nachdem Kyrell ihren Gepäcksack ausgepackt und ihre wenigen Kleidungsstücke in dem kleinen Schrank der Kabine verstaut hatte, merkte sie, wie müde sie war. Sie streckte sich auf dem Schlafpolster der metallenen Koje aus und schlief augenblicklich ein.

Zwei

Nach der Ankunft im Hoheitsgebiet der Ch'tarr begann Kyrells eigentliche Aufgabe. Mit ihrer Hilfe wollten die Ch'tarr einen sicheren Korridor durch einen mit getarnten Sprengkörpern verminten Raumsektor errichten.

Bevor die Gorasul die Warnbojen vor dem Minengebiet passierte, gab es eine weitere leidenschaftliche Diskussion zwischen Patarin Karst und Darmon Mucar, weil Karst nun auch die Steuerkontrolle der Gorasul auf Kyrell übertrug. Ein wenig wunderte sich die junge Navigatorin, dass der Kommandant eines ul'chanischen Scouters den wiederholten Widerspruch eines Untergebenen duldete, ohne ihn in einem Wutanfall zu töten. Vielleicht war der Blutdurst eines ul'chanischen Kriegers doch nicht so groß, wie es überall im Ligagebiet erzählt wurde.

Das Aufspüren der Minen war eine Präzisionsarbeit, für die Kyrell unbedingt die Kontrolle über die Steuerung des Schiffes benötigte, weil nur sie mit ihrem Talent in der Lage war, schnell genug auf das plötzliche Auftauchen einer Mine zu reagieren und das ...

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