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Die Nanny und der römische Millionär

Margaret Mayo

Die Nanny und der römische Millionär

1. KAPITEL

Schon beim ersten Blick in Santo De Lucas Augen wusste Penny, dass sie ein Problem hatte. Samtig dunkelbraun waren diese Augen, umrahmt von langen seidigen Wimpern, und er sah sie damit so durchdringend an, dass er tief in ihre Seele zu schauen schien, wie um ihr wahres Ich zu erkunden, bevor sie auch nur ein einziges Wort gesagt hatte.

Weder konnte sie die heiße Welle sinnlicher Empfindungen ausblenden, die ihr durch alle Glieder strömte, noch den unbestimmten Eindruck von Gefahr, oder eher eine instinktive Ahnung. Dieser Mann war zum Fürchten sexy.

„Miss Keeling?“

Oh nein, auch seine Stimme klang erotisch. Gab es denn gar nichts an ihm, das nicht sofort all ihre Alarmglocken schrillen ließ und ihre tiefsten Gefühle aufwühlte? Gefühle, die sie schon sehr lange ganz fest unter Verschluss hielt.

Penny nickte, überzeugt davon, keinen Ton herausbringen zu können, wenn sie den Mund aufmachte. Noch nie in ihrem Leben hatte ein Mann bei ihr auf den ersten Blick eine solch prickelnde Erregung ausgelöst. Erst recht nicht, wenn es sich dabei um einen neuen Arbeitgeber handelte. Es war einfach verrückt.

„Hat es Ihnen die Sprache verschlagen?“, fragte er etwas schroff. Ein Anflug von Gereiztheit lag nun in dem erotischen Timbre, und er hatte die schön geschwungenen Brauen zusammengezogen.

Allerdings erzielte seine Frage die gewünschte Wirkung. Sofort rief Penny sich zur Ordnung. „Ja, ich bin Miss Keeling.“ Sie straffte die Schultern und reckte sich in die Höhe, doch trotz ihrer Größe von 1,75 Meter war sie deutlich kleiner als er.

„Betrachten Sie Ihre Arbeitgeber immer, als kämen sie von einem anderen Stern?“

Penny war nicht sicher, ob er das scherzhaft meinte. Vorsichtshalber entgegnete sie in ernstem Ton: „Eigentlich nicht, Mr. De Luca.“

„Also bin ich eine Ausnahme. Gibt es dafür einen Grund?“

Er sah nicht nur umwerfend gut aus, sondern hatte auch diesen äußerst attraktiven italienischen Akzent, der bei ihr ein wohliges Prickeln erzeugte. Für einen kurzen Moment überlegte sie, ob es klug wäre, für einen Mann zu arbeiten, der sie derart aus der Fassung brachte, noch bevor sie ihn überhaupt kennengelernt hatte. Vielleicht wäre es besser, einfach davonzulaufen.

„Ich … Sie sind anders, als ich erwartet hatte.“

„Ich verstehe“, antwortete er. „Ich bin nicht der übliche Nullachtfünfzehn-Vater, meinen Sie das?“

Penny holte tief Luft. „Nun, üblicherweise wird das Kindermädchen von der Mutter des Kindes ausgesucht. Die Frauen wollen dann ihren Beruf wiederaufnehmen oder sich anderweitig engagieren.“

„Hat Ihnen die Agentur nicht mitgeteilt, dass es keine Mrs. De Luca gibt?“

„Nein“, antwortete sie und war selbst überrascht. Normalerweise wäre sie über die Familie informiert worden, und man hätte sie erst zu einem Vorstellungsgespräch gebeten, um sicherzugehen, dass sie sich für den Job eignete. Doch in diesem Fall war ganz dringend eine Nanny benötigt worden.

„Sie sind mir sehr empfohlen worden“, sagte er und hob dabei eine Augenbraue, wodurch Penny bewusst wurde, wie unprofessionell sie sich gerade verhielt. Sie benahm sich völlig anders als sonst, und nur, weil er so unglaublich gut aussah.

„Allerdings beginne ich langsam zu zweifeln, ob Sie der Aufgabe gewachsen sind“, ergänzte er trocken. „Wie dem auch sei, ich werde zu einer sehr wichtigen Besprechung erwartet und bin schon spät dran. Kommen Sie mit in die Küche; ich stelle Sie meiner Haushälterin vor. Alles Weitere werden wir heute Abend besprechen.“

Der Aufgabe nicht gewachsen! Penny war zutiefst getroffen. „Mr. De Luca, ich kann Ihnen versichern, dass ich der Aufgabe mehr als gewachsen bin“, verkündete sie erhobenen Hauptes. Dabei sah sie ihm direkt in die Augen und hielt ihm einen Umschlag unter die Nase. „Hier sind meine Referenzen. Sie werden sehen, dass …“

„Die brauche ich nicht!“, gab er barsch zurück. „Ich bilde mir lieber mein eigenes Urteil.“

Und das fällt im Augenblick bestimmt vernichtend aus, dachte Penny. Sie konnte es ihm nicht übel nehmen, denn sie verhielt sich gerade nicht wie eine erfahrene Nanny, sondern wie eine dumme Gans, weil sein Sexappeal sie so verwirrte.

Dem Termin mit ihm in seinem Haus so früh am Morgen hatte sie mit ziemlichem Lampenfieber entgegengesehen. In der Stellenvermittlung hatte man betont, wie wichtig ein guter Eindruck sei. Mr. De Luca gehöre die berühmte, weltweit agierende Werbeagentur De Luca. Wenn er mit Penny zufrieden sei, würde er vermutlich öfter mit ihnen zusammenarbeiten.

Santo De Luca bewohnte eine riesige Villa inmitten eines stattlichen Anwesens am Stadtrand von London. Die ausgedehnte Parklandschaft, durch die Penny gefahren war, nachdem das elektrische Tor sich geöffnet hatte, fand sie bereits mehr als beeindruckend. Als sie schließlich das dreistöckige Gebäude mit den unzähligen Fenstern allein schon an der Frontseite sah, war sie vollkommen sprachlos. Wie viele Räume mochte es haben?

„Wenn ich richtig unterrichtet bin, hat Ihr letztes Kindermädchen Sie ganz unerwartet verlassen?“, fragte sie, während sie ihm durch scheinbar endlose Korridore hinterhereilte. Bei seinen langen Beinen lief sie Gefahr, zurückzubleiben.

Sein anthrazitfarbener Anzug und das weiße Hemd, das er dazu trug, kamen offenkundig maßgefertigt von einem renommierten Herrenschneider aus der Londoner Savile Row, doch die Kleidung konnte den athletischen Körper darunter nicht verbergen. Der Mann trainierte seinen Körper, und das überraschte sie nicht, denn um seinen langen Arbeitstag durchzustehen, musste er ausgesprochen fit sein. Man hatte ihr gesagt, dass er jeden Morgen um sieben Uhr das Haus verließ und erst spätabends wieder zurückkehrte, was sie vermuten ließ, dass er seine Tochter kaum zu Gesicht bekam.

„Das ist richtig. Und wenn Sie Bedenken haben, ob dieser Job Ihnen liegt, dann wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir das jetzt sofort mitteilten.“

Er blieb so abrupt stehen, dass Penny mit ihm zusammenstieß und verblüfft registrierte, dass sie von seinen starken Armen gehalten wurde und seine hypnotisierenden dunklen Augen direkt in ihre schauten. Ihre Nase nahm einen so unwiderstehlichen Herrenduft wahr, wie sie ihn noch nie gerochen hatte: kräftig, wie der Mann, der ihn trug, aber nicht aufdringlich, ein subtil verlockendes Aroma. Für einige Sekunden stockte ihr der Atem, und sie versank in seinem magischen Blick, bis sie merkte, was sie da tat, und einen Schritt zurückwich.

„Natürlich werde ich die Aufgabe nach besten Kräften erfüllen. Ich arbeite gewissenhaft, Ihre Tochter wird bei mir in guten Händen sein und … wo ist sie überhaupt? Meinen Sie nicht, wir sollten …?“

„Chloe schläft noch“, entgegnete er scharf. „Ich habe keine Notwendigkeit gesehen, sie zu wecken. Ich halte nicht den üblichen Achtstundentag ein, doch Chloe braucht Regelmäßigkeit, wie Sie sicher verstehen. Emily, meine Haushälterin, wird Sie herumführen. Danach werden Sie sich bitte um Chloe kümmern und sie zur Schule bringen. Sie hatten kein Gepäck bei sich, als Sie ankamen. Ihnen ist doch bekannt, dass Sie hier wohnen werden?“

„Ich musste mich heute Morgen beeilen, um so früh hier zu sein“, erklärte sie und hoffte, überzeugend zu klingen. „Ich hatte vor, meine Sachen zu packen, wenn Ihre Tochter in der Schule ist.“ Der Agentur zufolge war das vorherige Kindermädchen gestern gegangen. Warum er daraufhin nicht einen Tag frei genommen und in Ruhe nach einer neuen Betreuung gesucht hatte, verstand Penny zwar nicht, doch umso besser für sie selbst. Und das gebotene Gehalt war bei Weitem das fürstlichste, das sie je erhalten hatte.

Er murmelte etwas in seiner Muttersprache und setzte seinen Gang zur Küche im gleichen Tempo fort wie zuvor.

Emily, die Haushälterin, war eine kleine rundliche Person, vermutlich Mitte fünfzig. Sie hatte kurzes graues Haar, rosige Wangen, und so, wie sie Mr. De Luca anschaute, musste sie ihn wohl grenzenlos verehren.

Erst nachdem Santo De Luca gegangen war, wurde Penny bewusst, wie sehr seine Gegenwart den großen Raum beherrscht hatte. Nun erst konnte sie wieder frei atmen.

Emily bemerkte, wie sie sich entspannte, und lächelte ihr freundlich zu. „Willkommen im Hause De Luca. Mr. De Luca ist ein wunderbarer Chef. Ich hoffe, es wird Ihnen hier gefallen.“

Warum heißt mich die Haushälterin herzlicher willkommen als der mächtige Herr des Hauses?, wunderte sich Penny. „Ist er immer so schroff?“, fragte sie. „Ich habe den Eindruck, er bezweifelt, dass ich meine Arbeit gut machen werde!“

„Das liegt daran, dass bisher keine Nanny hier länger als ein paar Wochen durchgehalten hat.“

Penny runzelte die Stirn. „Ist Chloe ein schwieriges Kind? Oder ist Mr. De Luca das Problem?“ Für sie selbst stellte er in der Tat ein Problem dar. Er war viel zu sexy, um sie nicht aus der Ruhe zu bringen. Nie zuvor war sie einem Mann begegnet, der so unvermittelt ihre Sinne aufgewühlt hatte. Nicht einmal bei Max, von dem sie geglaubt hatte, er sei der Richtige, war es so gewesen.

Bedächtig zuckte Emily die Achseln. „Mr. De Luca ist ein sehr fairer Chef. Ich sollte es wissen, denn ich arbeite schon viele Jahre für ihn. Es ist die Arbeitszeit, die den jungen Frauen nicht gefällt. Fast alle diese Kindermädchen waren noch sehr jung und hatten einen Freund. Sie wollten nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das ist verständlich.“

„Erwartet er das etwa?“, fragte Penny erstaunt. Kein Wunder, dass er ihr ein so großzügiges Gehalt bot. Anscheinend erwartete er Vierundzwanzig-Stunden-Bereitschaft von ihr.

„Er denkt sich nichts dabei, das ist das Problem“, erklärte Emily. „Wenn er Sie zu sehr in Anspruch nimmt, müssen Sie ihn darauf hinweisen, so wie ich das tue.“

Emily gehört aber auch zum Inventar, dachte Penny. Meine Einwände würde er wohl nicht so freundlich aufnehmen. Sie war versucht zu fragen, was mit seiner Frau war, hielt den Zeitpunkt dann aber für verfrüht. Hatte vielleicht auch sie sich mit seinem langen Arbeitstag nicht abfinden können?

„Wann steht Chloe denn normalerweise auf?“, fragte sie stattdessen und sah dabei auf die Uhr an der Wand.

„Um halb acht“, antwortete Emily. „Morgens neigt sie zum Trödeln. Sie werden schwer zu tun haben, damit sie rechtzeitig zur Schule kommt, glauben Sie mir. Kommen Sie, ich bringe Sie jetzt nach oben.“

Santo De Luca musste ununterbrochen an Penny denken – selbst während des wirklich wichtigen Meetings. Sie war ganz anders als die Nannys, die bisher für ihn gearbeitet hatten; auf jeden Fall hatte sie ihren eigenen Kopf. Das könnte interessant werden! Er schätzte Wortgefechte mit energischen Frauen. Sie hatte ihn schlichtweg überrascht, das war alles.

Das Blond ihres langen gewellten Haares war echt, wenn er sich nicht gänzlich täuschte. Außerdem hatte sie die blauesten Augen der Welt, die von unglaublich langen Wimpern umsäumt wurden, dazu eine kleine Stupsnase und einen wunderschön geschwungenen Mund.

Ihm war auch aufgefallen, dass sie nicht ganz so schlank war, wie es die meisten jungen Mädchen heutzutage anstrebten. Er mochte keine mageren Frauen. Bei ihr jedoch befanden sich alle Rundungen an der richtigen Stelle, und allein der Gedanke daran, wie ihre Brüste sich unter dem dünnen Stoff ihrer Bluse abgezeichnet hatten, ließ seinen Testosteronspiegel steigen.

Er war selbst erstaunt, wie gut er sich an jedes dieser Details erinnerte. Erstaunt und zugleich erschrocken. Und ihm gefielen diese Gedankengänge nicht. Auf derartige Ablenkungen konnte er durchaus verzichten, er hatte schon genug um die Ohren.

Trotzdem dachte er immer wieder an sie, und als er am Abend nach Hause kam, war er enttäuscht, dass sie nicht da war. Er hatte sich darauf gefreut, sich noch etwas mit ihr zu unterhalten, herauszufinden, was sie bewegte, welche Hoffnungen und Wünsche sie hegte.

An all die vorherigen Kindermädchen hatte er nicht einen Gedanken verschwendet, doch bei Penny Keeling war das anders. Sie war ganz zweifellos eine erstaunliche Frau, und er freute sich darauf, sie näher kennenzulernen.

Nachdem Penny ihren neuen Schützling zur Schule gebracht hatte, fuhr sie zu ihrer Wohnung, die sie mit einer Freundin teilte, und begann ihre Sachen zu packen.

„Ist dir klar, dass ich eine neue Mitbewohnerin finden muss? Allein kann ich mir diese Wohnung nicht leisten“, hielt Louise ihr vor.

Penny nickte.

„Du scheinst dir ja sehr sicher zu sein, dass es dieses Mal der richtige Job für dich ist. So war es schon einmal, weißt du noch, und dann hast du …“

„Ich bin mir sicher“, antwortete Penny bestimmt. Warum sollte sie auf ein so gutes Gehalt verzichten?

„De Luca sagst du …, doch nicht etwa der Santo De Luca, der andauernd in den Zeitungen steht?“, fragte die Freundin ungläubig. „Der, der immer eine aufgedonnerte Schönheit an seiner Seite hat?“

„Genau der“, bestätigte Penny schmunzelnd.

„Ha, den Job hätte ich auch angenommen!“

Penny grinste. „Ich bin nicht so mannstoll wie du, Louise.“

„Das Leben ist kurz. Man muss es genießen“, gab ihre Freundin achselzuckend zurück. „Du hast schon einmal den Falschen erwischt, aber das muss ja nicht gleich zweimal hintereinander passieren. Du bist schon viel zu lange Single.“

„Und du bist einfach unverbesserlich“, konterte Penny. „Ich bin dann mal weg. Bis demnächst!“

Und so saß Penny am späten Abend in dem Salon, der zu ihrer Suite gehörte. Der opulent mit Antiquitäten ausgestattete Raum hatte deckenhohe Fenster mit Blick auf den Park. Direkt daneben lag ihr Schlafzimmer, an das wiederum Chloes Zimmer angrenzte.

Chloe war bezaubernd. Ein gescheites fünfjähriges Plappermäulchen, das ihr bereits erklärt hatte, sie möge sie lieber als alle ihre Vorgängerinnen.

Als Penny Mr. De Lucas Wagen kommen hörte, stellte sie sich vor, wie er ins Zimmer trat, sein Jackett über die Stuhllehne warf und sich einen Drink einschenkte. Sie sah sein markantes Gesicht mit den hohen Wangenknochen vor sich, die gerade Nase und den schönen Mund. War er entspannt, oder sah man ihm an, dass er einen anstrengenden Tag gehabt hatte? Ob er wohl schon gegessen hat?, überlegte sie, leicht amüsiert über diese Gedankenspiele. Was ging sie das überhaupt an?

Emily hatte zum Abendessen ein saftiges Roastbeef mit verschiedenen Beilagen serviert. Bekocht zu werden war ein großer Vorteil; in den meisten früheren Stellungen hatte sie die Mahlzeiten für sich und die Kinder selbst zubereiten müssen. Allerdings wusste sie noch nicht, ob es hier immer so sein würde. Und wenn ja, was sollte sie dann tun, während Chloe in der Schule war? Ganz offensichtlich gab es noch einige Dinge, die sie mit Mr. De Luca besprechen musste.

Er hatte angekündigt, noch heute Abend mit ihr reden zu wollen. Sollte sie hinuntergehen, oder blieb er nach einem langen Arbeitstag lieber allein? Ihr wurde klar, dass sie nichts über ihn wusste – außer dass er sie ganz gehörig durcheinanderbrachte. Andererseits war ein Gespräch jedoch unerlässlich.

In diesem Moment klopfte es laut an der Tür. Penny erschrak und fuhr auf. Ihr Herz pochte bis zum Hals.

„Miss Keeling!“

Oh, diese Stimme. Was für eine tiefe, aufregende Stimme!

Ihre Nerven vibrierten, ihr wurde heiß, und für ein paar Sekunden war sie wie gelähmt. Sie konnte weder antworten noch aufstehen. So ein Irrsinn, dass ein Mann sie in einen solchen Zustand versetzen konnte, den sie heute zum ersten Mal gesehen hatte und der noch dazu ihr Boss war.

Doch wie sollte sie diese heftigen Emotionen vor ihm verbergen? Womöglich sah man es ihr an? Wie peinlich das wäre! Aber, verdammt noch mal, sie war doch schließlich eine erfahrene Kraft und kein albernes Schulmädchen, das in seinen Lehrer verknallt war!

Penny schloss die Augen und atmete tief ein, um sich zu beruhigen, und als sie die Augen wieder öffnete – stand Santo De Luca vor ihr,

„Wollten Sie mein Klopfen nicht hören, Miss Keeling?“

Nein. Sie war nur damit beschäftigt gewesen, sich für den Sturmangriff auf ihre Sinne zu wappnen. Der auch prompt kam.

Mr. De Luca hatte seine Ärmel hochgekrempelt, sodass seine kräftigen Unterarme zu sehen waren, und sein am Hals geöffnetes Hemd entblößte glatte, sonnengebräunte Haut. Haut, die Penny am liebsten berührt, gefühlt, ja sogar geschmeckt hätte. Sie schluckte schwer.

„Das würde ich nie wagen, Mr. De Luca“, brachte sie hervor und war überrascht, wie fest ihre Stimme klang. Von ihrem inneren Kampf war ihr nichts anzumerken.

Seine schwarzen Brauen hoben sich, und dunkle Augen blickten finster in ihre. Er glaubte ihr nicht, was sie ihm kaum verübeln konnte. Sie kam sich ziemlich dumm vor und stand schnell auf. „Ich habe mich gerade gefragt, ob ich Sie nicht aufsuchen sollte. Sie sagten, Sie müssten mich sprechen?“

„Das ist richtig“, entgegnete er barsch. „Doch wir können uns genauso gut hier unterhalten.“

Im nächsten Moment hatte er im Sessel neben ihr Platz genommen. Die beiden antiken Lehnstühle waren hart gepolstert und nicht gerade bequem, und sie musste sich ein Lächeln verkneifen, als sie Santos Gesichtsausdruck sah.

„Wie können Sie nur darauf sitzen?“, sagte er und rutschte missbilligend herum. „Die werden sofort ausgetauscht.“

Penny nahm an, dass das gesamte Haus von einem Innenarchitekten ausschließlich unter ästhetischen Aspekten und ohne Rücksicht auf Bequemlichkeit ausgestattet worden war. Und schön waren diese Sessel wirklich, aber …

„Kommen Sie, wir unterhalten uns unten. Mir ist es hier zu unbequem.“

Er sprang auf und ging hinaus, sodass Penny nichts anderes übrig blieb, als ihm zu folgen. Dabei verschlang sie ihn mit den Blicken und bemerkte sehr wohl, wie sein Hemd sich über seinem breiten, muskulösen Rücken spannte und der Stoff seiner Hose sich straff um seine Hüften legte und dadurch seinen knackigen Hintern betonte.

War sie nicht ganz bei Sinnen, all das an ihrem neuen Arbeitgeber zu registrieren? Lief sie geradewegs ins Verderben? Sollte sie sich in Sicherheit bringen, bevor es zu spät war? Oder hatte sie die Kraft, ihre Gefühle zu verbergen?

Gefühle, die so neu für sie waren. Niemals in ihrem Leben – und sie war nun siebenundzwanzig – hatte ein praktisch unbekannter Mann solche Emotionen in ihr entfacht. Ein Mann noch dazu, dem – wie ihre Freundin behauptete – der Ruf eines Frauenhelden anhaftete. Außerdem würde er derartige Gefühle vonseiten der Nanny seiner Tochter bestimmt nicht schätzen.

Er führte sie in einen nicht besonders großen Raum mit gemütlichen schwarzen Ledersesseln, bei dem es sich offenbar um seinen privaten Salon handelte. Große Terrassentüren öffneten sich auf einen Innenhof mit Kübeln voll blühender Begonien in allen Schattierungen. Seitlich an einer Mauer rankte Geißblatt empor und verströmte seinen süßen Duft bis ins Zimmer. Penny sog ihn genüsslich ein. „Herrlich.“

„Ich liebe diese Abendstunden“, gestand er. „Alles ist so friedlich. Setzen Sie sich. Möchten Sie einen Drink?“

So verlockend das Angebot war, sie lehnte ab. Sie musste einen klaren Kopf behalten, sein Anblick war berauschend genug. „Sie haben eine wunderbare Tochter, Mr. De Luca“, setzte sie hinzu.

Er nickte und lächelte leicht. „Danke. Wie sind Sie mit ihr zurechtgekommen?“ Er streckte seine langen Beine aus, überkreuzte sie an den Knöcheln und sah dabei zur Abwechslung einmal vollkommen entspannt aus.

„Wir haben uns auf Anhieb verstanden. Mir scheint, sie mag mich, und ich mag sie. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, ich werde gut auf sie aufpassen.“

„Das höre ich gern. Sie bedeutet mir alles.“ Als er das Glas nahm, das er sich wohl schon eingeschenkt hatte, ehe er zu ihr hinaufkam, haftete Pennys Blick unwillkürlich auf seinen schlanken Fingern mit den gepflegten Nägeln.

Blitzartig fuhr ihr durch den Kopf, wie es wäre, wenn diese Finger über ihre Haut glitten. Allein die Vorstellung entfachte in ihr ein loderndes Feuer, und es kostete sie große Anstrengung, den Gedanken zu verdrängen. Fantasien über diesen Mann zu hegen konnte gefährlich werden. Besser gar nicht erst damit anfangen!

„Erklären Sie mir bitte genau, was meine Aufgaben sind?“, bat sie und setzte sich betont aufrecht hin, in der Hoffnung, tüchtig und sachlich zu wirken. „Ich war davon ausgegangen, für Chloe kochen zu müssen, aber wie es scheint, ist dafür Ihre Haushälterin zuständig.“

„Ja, und für die Wäsche“, ergänzte er, „und einmal in der Woche kommen Reinigungskräfte zum Putzen her. Nur an Emilys freiem Tag müssten Sie sich um die Mahlzeiten meiner Tochter kümmern. Um ehrlich zu sein, bin ich mir über die Aufgaben eines Kindermädchens nicht ganz im Klaren. Ich …“

Er unterbrach sich, weil er offenbar den ursprünglichen Gedanken nicht zu Ende führen wollte. „Selbstverständlich liegt die Sorge für meine Tochter in Ihrer Hand, doch während sie in der Schule ist, haben Sie frei. Das entschädigt Sie hoffentlich dafür, dass Ihr Arbeitstag morgens schon früh beginnt und abends erst spät endet. Haben Sie einen Freund? Brauchen Sie einen freien Tag?“

„Was heißt ‚brauchen‘, Mr. De Luca?“, fragte Penny zurück. Ihre blauen Augen funkelten gefährlich. „Ich habe ein Recht darauf! Niemand arbeitet sieben Tage die Woche.“ Ihr Ton war schärfer als beabsichtigt.

„Sagen wir also, Ihre Arbeitszeit ist flexibel“, lenkte er ein. „Und falls Sie einen Freund haben, muss ich Sie bitten, ihn nicht mit hierher zu bringen.“

Herausfordernd blickte Penny ihn an. „Ich habe keinen Freund. Aber hätten Sie sich nicht besser danach erkundigt, ehe Sie mich engagierten?“

Er zuckte leicht die Achseln. „Ich bin noch Neuling auf diesem Gebiet.“

„Und daher passen Sie die Regeln dem Bedarf an?“, konterte sie.

Seine dunklen Augen verengten sich, und ein Muskel in seiner Wange zuckte. „Stellen Sie meine Moralvorstellungen infrage?“

Penny holte kurz Luft. „Nicht, wenn mein Job davon abhängt. Doch ich bin sicher, Sie haben mich verstanden.“

Zu ihrer Überraschung legte er den Kopf in den Nacken und lachte. „Habe ich, Penny. Ich darf Sie doch Penny nennen?“

Oh Gott, wie er ihren Namen aussprach! Bei ihm klang er ganz anders als sonst und – sie wagte es kaum zu denken – unglaublich sexy. Natürlich war das keine Absicht, es lag nur an seinem Akzent, doch der Unterton blieb nun einmal.

„Ja“, willigte sie ein, sah ihn dabei jedoch nicht an. Stattdessen blickte sie durch die geöffneten Verandatüren zum Himmel, der in unzähligen Farben erstrahlte. Die Sonne war untergegangen, doch das Nachspiel am Firmament war surreal – genauso wie der Zustand, in dem sie sich befand.

Bei Santo spielten die Hormone verrückt. Das ärgerte ihn, denn er wollte sich nicht zu Penny hingezogen fühlen. Nachdem seine Frau fortgegangen war, hatte er eine Freundin nach der anderen gehabt, doch nie etwas Ernstes. Jede wusste, dass die Liebe für ihn nur ein Spiel war.

Penny war anders. Zum einen war sie seine Angestellte – und er hielt sich streng an den Grundsatz, Privatleben und Geschäft nicht zu vermischen. Zum anderen spürte er, dass sie nicht der Typ für ein Abenteuer war.

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