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Die Magie deiner Leidenschaft

1. KAPITEL

Ich schaffe das!

Jane Monroe überquerte den Parkplatz der Firmenzentrale von Western Oil. Es fühlte sich an, als hätte sie Flugzeuge im Bauch. Vor dem verglasten Haupteingang hielt sie kurz inne, atmete die kühle Januarluft tief ein, und hoffte, dass ihre Hände aufhören würden zu zittern.

In den ersten sechs Monaten ihrer Anstellung bei Edwin Associates Investigation Services hatte sie Hunderte von Stunden nur vorm Computer zugebracht, peinlich genau Fakten überprüft, zahlungsunwillige Väter aufgespürt und nach heimlichen Konten von geschiedenen Ehemännern geforscht. Außerdem war sie dafür zuständig, wenn jemand in der Detektei eine Rechtsauskunft brauchte.

Und all das hatte Jane heute endlich zu diesem Ziel geführt: ihre erste Undercoverermittlung vor Ort.

Immer noch leicht zitternd von der kühlen Brise und der nervösen Anspannung, stöckelte sie auf ihren zehn Zentimeter hohen High Heels in die Lobby und passierte mit ihrer Ausweiskarte problemlos die Sicherheitsschranke. Der Ausweis verlieh Jane die Berechtigung, sich überall im Gebäude frei zu bewegen, selbst im besonders geschützten Bürobereich der Geschäftsleitung.

Vorbei an einer gut besuchten Cafeteria gelangte sie zu den Aufzügen und fuhr mit einer Gruppe Angestellter in den dritten Stock, wo sie sich bei der Personalleitung melden sollte.

Genug Leute, vor allem ihre Eltern und Geschwister, würden über ihren Job bei Edwin Associates die Nase rümpfen, denn Jane hatte Jura studiert. Aus diesem Grund hatte sie ihrer Familie auch nicht die Wahrheit gesagt und ließ sie glauben, dass sie in einem Anwaltsbüro arbeitete. Aber wenn sie diesen Fall erfolgreich gelöst hätte, wollte sie sich ihren Lieben stolz als Privatdetektivin offenbaren.

Sie würden sicher sehr beeindruckt sein, dass Jane als Undercoveragentin im Büro von Jordan Everette, dem technischen Leiter von Western Oil, ermittelt hatte. Obwohl der Mann vielfacher Millionär war, wurde er verdächtigt, Bestechungsgelder anzunehmen und dafür Sabotageakte zu planen.

Sie hatte diesen Auftrag mit viel Glück ergattert. Jordan Everettes Sekretärin musste frühzeitig in Schwangerschaftsurlaub gehen, aber die Agentin, die für sie eingeschleust werden sollte, war noch mit einem anderen Fall beschäftigt. So hatte sich Jane kurzfristig die Chance geboten, endlich als Undercoveragentin zu arbeiten, und sie wollte unbedingt Erfolg haben.

Alles war so schnell gegangen, dass sie kaum Informationen bekommen hatte. Genaue Anweisungen für ihren Auftrag würde ihr die Detektei erst heute Abend durch einen Kurier zu ihrer Wohnung schicken lassen. Solange musste sie improvisieren. Sie kannte ihren neuen „Chef“ überhaupt nicht, hatte noch nicht einmal ein Foto von ihm gesehen, aber sie machte sich so ihre Vorstellung von einem Mann in seiner Position. Wahrscheinlich war er Ende vierzig oder Anfang fünfzig, mit gelichtetem Haar und einem stattlichen Bauch vom vielen guten Essen und Whiskytrinken. Dazu passte, dass er Golf spielte und dicke Zigarren rauchte.

Sie zupfte am Saum ihres superkurzen Röckchens, das so gar nicht zu ihrer sonst eher konservativen Garderobe passte. Aber man nahm wohl an, dass ein Mann wie Mr Everette, eingefleischter Junggeselle und Playboy, eher für Miniröcke und Stilettos empfänglich war als für schlichte Hosen und bequeme Schuhe. Ausgerechnet die brave Jane, die sich für ihre erste Verabredung bis zum vierten Semester auf dem College Zeit gelassen hatte, musste jetzt die Rolle der sexy Aushilfssekretärin spielen.

Zunächst hatte sie sich das auch gar nicht zugetraut. Aber nach einem Schönheitswochenende mit Besuch beim Friseur und einem Schmink-Crashkurs war Janes Ehrgeiz geweckt worden. Nachdem sie auch noch ihre Brille gegen Kontaktlinsen ausgetauscht und sich schicke neue Sachen für den Job gekauft hatte, war sie von ihrer neuen Erscheinung selbst überrascht worden. Sie sah tatsächlich auffallend hübsch und attraktiv aus. Kein Wunder, dass man sie in ihrer Firma erst gar nicht erkannt hatte, als sie dort ihre Ausweiskarte für Western Oil abholen wollte.

Mit ungewohnt großem Selbstvertrauen war Jane dann heute Morgen zu ihrem Einsatzort gefahren. Erst beim Aussteigen aus ihrem Wagen, als ihr die Bedeutung ihrer ersten Undercoverermittlung bewusst wurde, war sie nervös geworden.

Es stand so viel für sie auf dem Spiel. Wenn sie diesen Fall erfolgreich löste, würden ihre Vorgesetzten sie endlich ernst nehmen, ihr mehr Verantwortung übertragen und hoffentlich bekäme sie dann auch bald eins von den schönen verglasten Eckbüros. Schließlich hatte sie sich fest vorgenommen, als erste Frau Partnerin mit eigenen Anteilen in der von Männern dominierten Detektei zu werden.

Diese Gedanken gingen ihr im Kopf herum, als der Aufzug auf der dritten Etage anhielt, wo sie aussteigen musste. Sie meldete sich, wie abgesprochen, bei der Personalleitung. Dort bat man sie, ein paar Minuten zu warten, bis eine ernst blickende ältere Dame im perfekt sitzenden dunklen Kostüm zu ihr kam. „Miss Monroe?“

Jane sprang auf. Meistens arbeiteten die Undercoveragenten unter fremden Namen, aber in ihrem Fall war das nicht nötig. Sie sollte bei ihrem Namen und auch mehr oder weniger bei ihrem tatsächlichen Lebenslauf bleiben.

Die ältere Dame musterte sie kurz, hob die rechte Augenbraue und schüttelte Jane die Hand. „Willkommen bei Western Oil. Ich bin Mrs Brown und werde Sie vorstellen. Bitte kommen Sie mit mir!“

Während Jane ihr zurück zu den Aufzügen folgte, spürte sie bei jedem Schritt einen stechenden Schmerz, weil die neuen Stilettos auf ihre Zehen drückten. Wie sie sich nach ihren bequemen halbhohen Pumps sehnte …

„Ich denke, Sie haben von der Personalagentur für Aushilfen ein Merkblatt mit unseren Bürorichtlinien bekommen“, bemerkte Mrs Brown.

„Selbstverständlich.“ Sie hatte sich die Richtlinien für ihre neue Rolle eingeprägt. Außer mit Edwin Associates konnte sie bisher keine Erfahrungen mit anderen Firmen vorweisen, denn sie hatte schon als Schülerin in den großen Ferien immer in der elterlichen Anwaltskanzlei gearbeitet. Und dann, nachdem sie ihr Juraexamen gemacht hatte, war sie dort hängen geblieben. Fünf lange quälende Jahre hatte sie nicht den Mut gefunden, den Familienbetrieb zu verlassen und ihren Traum von einer Karriere als Agentin wahr zu machen.

Mrs Brown fuhr mit ihr im Aufzug in die oberste Etage, wo die leitenden Angestellten untergebracht waren. Janes Herz klopfte erwartungsvoll, und sie bekam vor Aufregung kaum Luft. Vielleicht lag das aber auch an ihrem neuen Push-up-BH, der ihr in die Rippen zwickte.

Bevor man die Chefetage betreten durfte, musste man an einer weiteren Sicherheitsschleuse vorbei. „Das ist Miss Monroe“, erklärte Mrs Brown dem diensthabenden Wachmann. „Sie ist die Aushilfssekretärin für Mr Everette.“

Laut seiner Ausweiskarte hieß der Beamte Michael Weiss. Jane schätzte ihn auf Mitte zwanzig. Er hatte blondes kurz geschorenes Haar, war sehr groß, kräftig und schwer bewaffnet. „Willkommen, Miss Monroe.“ Er nickte ihr zu. Aber gleich darauf blieb sein Blick an ihren schlanken Beinen hängen, die in den Stilettos wahrscheinlich endlos lang erschienen. Sie kam sich mit ihren fast ein Meter siebzig auch sonst nicht klein vor, aber heute fühlte sie sich wie eine Amazone. „Geben Sie mir bitte Ihren Ausweis.“

Sie öffnete den Clip an ihrem Revers und reichte ihm die Plastikkarte. Nachdem Michael sie registriert hatte, gab er sie ihr zurück. „Den Ausweis müssen Sie immer gut sichtbar tragen, sonst kommen Sie hier nicht durch.“

Sie nickte und folgte Mrs Brown auf den Gang mit den Chefbüros. Jane hätte schwören können, dass sie den Blick des jungen Wachmanns von hinten auf ihren Hintern spürte. Sie war es jedoch überhaupt nicht gewohnt, dass ein Mann sich für ihre Beine oder irgendein anderes Körperteil interessierte. Die meisten Männer verschwendeten kaum einen Blick an sie. Manchmal kam es ihr so vor, als wäre sie unsichtbar. Schon in der Schule hatten ihre Mitschüler sie Nullachtfünfzehn-Jane genannt.

Obwohl der Spitzname nicht sehr originell war, so hatte er sie doch verletzt. Daher fand sie es heute auch richtig aufregend, dass ihr ein junger Mann nachschaute. Selbst wenn sie nur vorgab, die attraktive Frau zu sein, für die man sie hielt. Sie war nämlich davon überzeugt, dass sich hinter ihrem neuen Erscheinungsbild die gleiche uninteressante alte Jane verbarg.

Mittlerweile war sie mit Mrs Brown in eine kleine Lobby gekommen. „Das ist Miss Monroe, die Aushilfssekretärin von Mr Everette“, informierte Mrs Brown die junge Sekretärin am Empfangspult mit eisiger Miene. Sie warf Jane noch einen missbilligenden, fast feindseligen Blick zu und verschwand ohne ein weiteres Wort.

Die junge Sekretärin verdrehte die Augen. „Auch Ihnen einen schönen Tag, Mrs Miesepeter.“ Dann stand sie auf und ging lächelnd auf Jane zu. „Ich bin Jen Walters. Willkommen auf der Chefetage, Miss Monroe.“

„Hi Jen.“ Die beiden schüttelten sich die Hand. „Nennen Sie mich bitte Jane.“

Jen musterte die neue Kollegin aufmerksam von oben bis unten und begann den Kopf zu schütteln. „Oh, Schätzchen, die anderen Mädels werden Sie hassen.“

Jane sank der Mut. „Werden hier etwa alle Aushilfen gehasst?“

„Nein, nur wenn sie so hübsch sind wie Sie!“

Vor Überraschung verschlug es Jane die Sprache. Es war ganz bestimmt das erste Mal in ihrem Leben, dass jemand sie zu hübsch fand. Und warum sollte sie dafür gehasst werden?

Jetzt fing Jen an zu lachen und tätschelte ihr den Arm. „Kleiner Scherz, Schätzchen. Die anderen Mädels hassen Sie doch nicht. Wir sind eine freundliche Truppe.“

Die Worte ließen Jane aufatmen. „Ich bin doch gar nicht hübsch“, sagte sie überzeugt.

Aber Jen, die selbst klein und untersetzt war, musste schon wieder lachen. „Haben Sie denn keinen Spiegel? Sie sehen fantastisch aus, Jane. Schon für Ihre Figur könnte ich Sie ermorden. Ich wette, Sie gehören zu diesen Glückspilzen, die immer rank und schlank bleiben, egal was sie essen.“

„Wenn Sie damit meinen, dass man weder Busen noch Hüften hat.“ Selbst auf ihr bisschen Busen hatte Jane bis zum Ende der Schulzeit warten müssen.

„Glauben Sie mir, große Brüste sind auch nicht alles“, erwiderte Jen augenzwinkernd.

Ein Lächeln huschte über Janes Gesicht. Ihr war gerade bewusst geworden, dass sie sich dank Jens Herzlichkeit vollkommen entspannt fühlte, obwohl sie noch vor ein paar Minuten vor Aufregung gezittert hatte.

„Am besten ich führe Sie erst einmal herum, bevor Sie sich an Ihren neuen Schreibtisch setzen. Mr Everette ist in einem Meeting, aber er wird bald zurück sein“, kündigte Jen an. Dann zeigte sie Jane, wo der Pausenraum, die Teeküche und die Toiletten waren, und stellte sie den anderen Chefsekretärinnen vor.

Alles sympathische Frauen, dachte Jane erleichtert, als sie sich danach an ihrem zukünftigen Arbeitsplatz in Mr Everettes Vorzimmer umsah.

„Tiffany hat für Sie eine Liste gemacht mit Ihren wichtigsten Aufgaben und Pflichten.“ Jen deutete auf zwei ausgedruckte DIN-A4-Seiten neben dem großen Flachbildschirm auf dem Schreibtisch. „Eigentlich wollte Tiffany Sie heute persönlich in die Arbeit einweisen, aber dann ist ihre Fruchtblase vorzeitig geplatzt, und sie musste ins Krankenhaus.“

„Babys sind eben unberechenbar“, erwiderte Jane, obwohl sie in dieser Hinsicht selbst keine Erfahrung hatte. Ihre beiden Brüder waren zwar schon verheiratet, hatten aber noch keinen Nachwuchs. Und ihre ältere Schwester ging so in ihrem Beruf auf, dass sie nicht einmal ans Heiraten dachte, geschweige denn ans Kinderkriegen.

„Bis jetzt werden die Anrufe für Mr Everette noch auf meinen Apparat umgeleitet“, bemerkte Jen abschließend. „Ich lasse Ihnen noch ein paar Stunden zum Einarbeiten Zeit, dann müssen Sie das Telefon übernehmen.“

„Ja, natürlich. Zunächst einmal schönen Dank für die Einweisung.“

„Gern geschehen, Kollegin. Zögern Sie nicht, mich anzurufen, wenn Sie Fragen haben.“

Als Jen gegangen war, warf Jane einen Blick in das Büro ihres Chefs. Der Raum war an zwei Seiten bis zur Decke voll verglast, sodass man die Skyline von El Paso überblickte. Natürlich ein Eckbüro, dachte sie, das sind immer die schönsten.

Rasch zog sie ihre Jacke aus und hängte sie zusammen mit ihrer Handtasche in den Garderobenschrank. Ihr Handy legte sie in die oberste Schreibtischschublade. Danach nahm sie sich Tiffanys Aufgabenliste vor. Neben dienstlichen Routinearbeiten wurden auch persönliche Dinge erwähnt. Wann und wie Mr Everette seinen Kaffee trank, welche Anrufer sie direkt zu ihm durchstellen und wen sie auf einen Rückruf vertrösten sollte. Zu den Letzteren zählte auch seine Mutter, fiel Jane auf. Weitere Telefonnummern betrafen Mr Everettes Putzfrau, seine Wäscherei und ein Dutzend exklusiver Restaurants in der Stadt und Umgebung.

Es kann mir nur recht sein, wenn auch so viel Privates von Mr Everette über meinen Schreibtisch geht, sagte sie sich. Aber zunächst wollte sie sich einen Überblick über die laufenden Firmenangelegenheiten verschaffen. Vielleicht würde sie schon etwas Verdächtiges finden.

Bevor sie sich an die Arbeit machte, fiel ihr zum Glück noch ein, ihr Make-up zu überprüfen, und sie ging in den Waschraum.

Als Jane sich dort im Spiegel betrachtete, stellte sie fest, dass eine Auffrischung bitter nötig war. Ihr Lippenstift musste dringend erneuert werden. Sie trug auch einen Hauch ihres wunderbaren neuen Mineralpuders auf, sodass ihr Gesicht gleich wieder makellos erstrahlte. Mit achtundzwanzig Jahren hatte sie zwar noch keine Falten, aber sie hasste ihre Sommersprossen.

Schon seit der Mittelstufe ärgerte sie sich darüber, und mit zwölf Jahren hatte sie als unglücklicher Teenager den ersten und letzten Versuch unternommen, sich zu schminken. Dazu hatte sie das Make-up ihrer älteren Schwester benutzt. Aber als sie sich Mary mit geschminktem Gesicht präsentierte, hatte die einen Lachkrampf bekommen. Nicht genug damit, Mary hatte ihre kleine Schwester auch noch vor ihre Brüder gezerrt, damit diese sich amüsierten.

Danach war Jane weinend zu ihrer Mutter geflüchtet. Aber statt Trost zu spenden, hatte sie ihr alle Illusionen genommen: „Du musst dich eben damit abfinden, dass du kein Make-up tragen kannst“. Da Janes Mutter als ehemalige Miss Texas wissen musste, wovon sie sprach, hatte Jane von da an niemals wieder versucht, sich zu schminken.

Sie war immer noch wütend auf ihre Schwester, wenn sie sich daran erinnerte, wie gemein Mary damals gewesen war. Im Grunde trug sie die Schuld daran, dass Jane jahrelang ein Leben als graue Maus geführt hatte. Wie viel attraktiver ihr Gesicht mit dem passenden Make-up aussah, wusste Jane erst seit Kurzem.

Lächelnd betrachtete sie sich jetzt im Spiegel. Keine Frage, sie war wirklich hübsch. Aber ich muss auch noch arbeiten, ermahnte sie sich und schloss ihr Schminktäschchen.

Auf dem Rückweg nahm sie sich am Automaten noch schnell einen Becher Kaffee mit.

Als sie dann schwungvoll die Tür zu ihrem Büro öffnete, sah sie zu ihrer Überraschung jemanden an ihrem Schreibtisch sitzen. Jane blieb so abrupt stehen, dass der Kaffee überschwappte und über ihre Finger lief. Ich muss mich in der Tür geirrt haben, dachte sie. Sie machte einen Schritt zurück, um auf das Türschild zu gucken. Es war das richtige Büro. Nur, wer war der Mann, der da saß?

Er hatte sich bequem in den Schreibtischsessel zurückgelehnt und die in edlen Designer-Schuhen steckenden Füße auf der Tischplatte ausgestreckt, während er Tiffanys Liste studierte. Seine Kleidung entsprach der typischen Männer-Bürokluft. Zu dunkler Hose trug er ein weißes Oberhemd mit aufgekrempelten Ärmeln und gelockerter Krawatte. Das Jackett hatte er abgelegt.

Sein dunkelblondes Haar war kurz und modisch geschnitten und unterstrich sein jungenhaftes attraktives Aussehen, das Frauen an den Rand der Ohnmacht bringen könnte. Jane fühlte sich auch nicht mehr weit davon entfernt.

Sie hatte keinen Schimmer, wer er war und warum er dort saß. „Kann ich Ihnen helfen?“

Der Mann schaute sie mit seinen haselnussbraunen Augen sehr charmant lächelnd an. Dieses Lächeln hätte Eisberge zum Schmelzen bringen können und verfehlte auch bei Jane seine betörende Wirkung nicht. Wer ist der Typ, und wie kann ich mit ihm flirten?

„Ich hoffe doch.“ Er nahm die Füße vom Tisch und stand auf. Jane musste zu ihm aufschauen, obwohl sie in ihren Stilettos mindestens ein Meter achtzig maß. Aber er war wesentlich größer und hatte eine beeindruckend schlanke, sportliche Figur, die er wohl im Fitnessstudio stählte.

„Sie müssen die neue Aushilfssekretärin sein.“ Er hielt ihr seine ausgestreckte Hand hin.

Jane balancierte ihren Kaffeebecher in die linke Hand und wischte sich den Kaffee von der Rechten, bevor sie seine Hand schüttelte.

Es entging Jane nicht, wie der junge Mann sie blitzschnell von oben bis unten musterte und die Augenbrauen hob. Sie hatte das Gefühl, als ob ihr die Knie weich wurden. „Ich bin Jane Monroe.“

„Erfreut, Sie kennenzulernen, Miss Monroe.“

Das Vergnügen ist meinerseits, ging es ihr durch den Kopf. Wer ist das nur?

„Übrigens“, bemerkte er beiläufig, „jemand namens Mary hat für Sie angerufen.“

Jane zuckte zusammen. Wie konnte ihre Schwester von diesem Job wissen? „Mary hat mich hier in der Firma angerufen?“

„Auf Ihrem Handy.“ Er öffnete die oberste Schreibtischschublade und hielt Janes Handy hoch.

„Sie sind an mein persönliches Telefon gegangen?“ Was zum Teufel bildete dieser Typ sich ein?

„Zuerst dachte ich, der Signalton käme vom Computer, wegen einer E-Mail. Dann habe ich das Handy in der Schublade entdeckt. Im Display stand ‚Mary‘.“

Wer auch immer der Kerl war, er hatte vielleicht Nerven. „Schnüffeln Sie immer in den Privatsachen anderer Leute herum?“

Lässig zuckte er die Schultern. „Nur wenn ich mir davon verspreche, etwas Interessantes zu entdecken.“

So eine Antwort hatte Jane wirklich nicht erwartet. Sie schnappte nach Luft. „Wer sind Sie überhaupt?“

„Wissen Sie das etwa nicht?“

„Muss ich das denn wissen?“

Jetzt lächelte er amüsiert. „Ich bin Jordan Everette, liebe Miss Monroe … Ihr neuer Chef.“

2. KAPITEL

„M…Mr Everette“, stammelte Jane Monroe. Sie war blass geworden. „Es tut mir so leid, dass ich Sie nicht gleich erkannt habe.“

„Wahrscheinlich hatten Sie eine andere Vorstellung von mir, nicht wahr?“

„Nein, nein“, antwortete sie kopfschüttelnd. Aber es klang nicht überzeugend.

Jordan runzelte die Stirn. „Sie sind also von der Personalagentur geschickt worden?“

„Genau.“

Er hatte gar nicht mehr so schnell damit gerechnet. Letzten Freitag, als er sich telefonisch dort erkundigt hatte, wo seine Aushilfe blieb, hatte man ihm gesagt, es läge gar keine Anforderung von Western Oil vor. Und heute, am Montagmorgen, stand, welch ein Wunder, diese hübsche junge Dame vor ihm.

In den letzten Wochen war nicht alles rund gelaufen in seinem Büro. Die Stimmung war irgendwie angespannt. Er vermutete, dass es mit der Explosion in der Raffinerie zusammenhing. Nachdem seine Mitarbeiter überprüft worden waren, konzentrierten sich die Ermittlungen vermutlich jetzt auf ihn.

Schade, er hatte eigentlich angenommen, dass Adam Blair, der Geschäftsführer von Western Oil, ihm mittlerweile vollkommen vertraute. Schließlich arbeitete Jordan schon sechs Jahre für die Firma und war seit drei Jahren verantwortlicher technischer Werksleiter. Falls es irgendwelche Zweifel an seiner Zuverlässigkeit gab, warum fragte der Vorstand ihn nicht selbst? Warum dieses Katz-und-Maus-Spiel?

Es hat ja eine gewisse Logik, überlegte Jordan. Wenn ich so skrupellos wäre, das Leben meiner Arbeiter zu gefährden, würde ich sicher auch bei einer offenen Befragung nicht die Wahrheit sagen. Also haben sie einen Profi angeheuert. Aber warum ausgerechnet eine Frau?

Gleich darauf fiel es ihm ein. Natürlich, sie soll mich unter Einsatz all ihrer Reize aushorchen. Daher haben sie mir diese sehr attraktive junge Dame, die eher wie ein Model aussieht, in mein Vorzimmer gesetzt.

Für wie oberflächlich hält man mich eigentlich, fragte Jordan sich betroffen.

Es war niederschmetternd, dass sie ihm zutrauten, er könne bestechlich sein und die Firma verraten haben. Zumindest von seinem Bruder Nathan, der Marketing-Leiter bei Western Oil war, hätte Jordan erwartet, dass er offen mit ihm reden würde.

Der furchtbare Verdacht der gesamten Geschäftsleitung lastete schwer auf ihm. Aber was sollte er dagegen tun? Er hätte Adam Blair zur Rede stellen und ein Ende der Überprüfung fordern können. Das sähe jedoch erst recht so aus, als ob er etwas zu verbergen hätte.

Außerdem war Jordan um seiner Karriere willen sehr vorsichtig. Er wollte auf keinen Fall seine Chancen schmälern, der nächste Geschäftsführer von Western Oil zu werden. Es war bekannt, dass Adam Blair sich ins Privatleben zurückziehen wollte und somit die Position des Geschäftsführers in Kürze frei wurde. Angesichts dieser Tatsache war Jordan sogar bereit, seinen Stolz zu unterdrücken und das Spiel mitzuspielen.

Aber er würde es seiner „Aushilfssekretärin“ nicht leicht machen. Da er Bescheid wusste, wer sie war und warum sie da war, konnte er die Situation für sich nutzen und Informationen für sie manipulieren. Was sie nicht wissen sollte, würde sie auch nicht erfahren. Nicht, dass Jordan etwas zu verbergen gehabt hätte. Aber er mochte es gar nicht, dass man in seinem Privatleben herumschnüffelte, vor allem nicht in seinen Finanzen.

Er deutete auf ihren Stuhl, den er gerade geräumt hatte. „Nehmen Sie doch Platz.“

Miss Monroe ging um den Schreibtisch herum auf ihren neuen Chef zu. „Soll ich Ihnen nicht auch einen Kaffee …“

In diesem Moment blieb sie jedoch mit der Spitze von einem ihrer High Heels am Tischbein hängen und stolperte. Glücklicherweise fand sie an der Schreibtischkante Halt. Aber der Kaffeebecher in ihrer anderen Hand machte sich selbstständig, und die Flüssigkeit ergoss sich auf Jordans Brust.

Entsetzt musste sie mit ansehen, wie der Kaffee das strahlend weiße Oberhemd ihres Chefs durchtränkte. Auch der Teppichboden wurde nicht verschont. „Um Gottes willen, was habe ich gemacht!“

Verzweifelt suchte sie nach etwas zum Abwischen, bis sie die Box mit Papiertaschentüchern neben der Ablage entdeckte. Sie riss gleich eine ganze Handvoll Tücher heraus und gab sie Jordan. „Oh, Mr Everette, es tut mir unendlich leid!“

„Schon gut.“ Er wischte sich das vor Kaffee triefende Kinn ab.

Sie starrte schuldbewusst auf sein braun besudeltes Hemd. „Kann ich noch etwas für Sie tun?“

„Ja, ich habe für Notfälle ein sauberes Hemd hier im Schrank. Das können Sie mir bitte holen.“

„Wird sofort gemacht.“

Während Miss Monroe ins Chefbüro zum Schrank stürzte, ging Jordan in sein Bad und begann sein Hemd aufzuknöpfen. Etwas Kaffee war zwar auch auf seine Hose getropft, aber zum Glück trug er heute einen beige-braunen Anzug. Nachdem er sein Oberhemd ausgezogen hatte, folgte das ebenfalls feuchte Unterhemd. Wie kann eine Frau nur so tollpatschig sein, fragte er sich im Stillen, oder hat sie das absichtlich gemacht, um mir näher zu kommen? Wollte sie mich verwirren?

„Mr Everette?“, hörte er sie jetzt rufen.

„Ich bin im Bad.“ Er wusch sich gerade mit einem Gästetuch Gesicht und Brust ab.

„Hier ist Ihr …“

Als Jordan sich umwandte, stand sie in der Tür und musterte mit großen Augen seinen nackten Oberkörper. Dann schaute sie schnell weg, aber eine verräterische Röte stieg in ihre Wangen. Das verstand Jordan überhaupt nicht. Warum wurde eine attraktive Frau wie sie, die garantiert allen Männern den Kopf verdrehte, vor Verlegenheit rot, wenn sie einen Mann ohne Hemd sah?

„Bitte schön.“ Sie hielt ihm den Bügel mit dem Hemd hin, mied jedoch direkten Blickkontakt.

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