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Die Mätresse des Papstes - Teil 3

Inhalt

  1. Cover
  2. Über diesen Teil
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Motto
  7. Kapitel 1 – Revolution
  8. Kapitel 2 – Der große Krieg
  9. Kapitel 3 – Die Besatzer
  10. Im nächsten Teil
  11. Leseprobe – Ein neues Leben

Über diesen Teil

Revolution! 1789 erheben sich die Franzosen gegen ihren König und die oberen Stände. Besonders Adel und Kirche geraten in Frankreich in arge Bedrängnis und sogar die Grundfesten der Papstes und der katholischen Kirche überhaupt geraten durch den Umsturz ins Wanken. Auch Antonia gegenüber verhält sich das Schicksal unbarmherzig. Wie oft kann sie den Verlust geliebter Menschen noch ertragen? Und muss die junge Frau letztlich sogar um ihre eigene Freiheit und ihr Leben bangen?

Über die Autorin

Gundula Spieler wurde 1970 in Hannover geboren und wuchs in Niedersachsen auf. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Sozialwissenschaften. Heute lebt sie in der Nähe von Trier und widmet sich dem Schreiben, vorzugsweise zu historischen Themen. Ihre Inspirationen aus vielen Aufenthalten in Italien sowie die intensiven Recherchen zum 18. Jahrhundert und zur Kirchengeschichte verarbeitete sie in dem Roman »Die Mätresse des Papstes«.

Sic transit gloria mundi.

Fürwahr vergänglich ist weltlicher Ruhm.

Aus der Krönungszeremonie für einen neuen Papst,
verfasst von Augustinus Patricius
(Agostino Patrizi Piccolomini)
im Jahre 1516.

Kapitel 1

Revolution

Mein Leben ging seinen Gang, wie es das Leben tut, wenn man es lebt, ohne dass das Herz daran tatsächlich beteiligt wäre. Wie weise einen die durchlebten Jahre doch machen!

Ich war Papst Pius VI. Mätresse, ich hatte ihm zwei Kinder geboren, die man mir gestohlen hatte. Nie hatte ich sie im Arm halten dürfen, nein, nicht einmal das. Hätte ich mit dem Herzen sprechen dürfen – sprechen können, hätte ich dieses Leben nicht gut genannt. Und dennoch war es ein gutes Leben, auf seine Weise. Ich war beschützter, geachteter, geliebter, als ich damals wusste. Wir schrieben das Jahr 1789, und ich wusste nicht, auch wenn ich es vielleicht hätte ahnen können, was uns allen, mir, Pius, der Welt, in diesem Jahr bevorstand.

Genau wie in früheren Jahren bat mich der Heilige Vater immer noch gern zu sich in seine Gemächer, um mit ihm zu speisen. Doch als ich dieses Mal zum Essen kam, lächelte er mich nicht wie gewöhnlich an, sondern sah angespannt, ja nahezu ängstlich aus. Ähnlich beunruhigt hatte er nur damals in Venedig gewirkt. Giovanni trug Wein, Fleisch, Oliven und andere Dinge auf.

Erst eine ganze Weile, nachdem Giovanni gegangen war, hob der Heilige Vater zu sprechen an. Langsam, als würde ihm jedes Wort auf der Zunge Schmerzen bereiten, sagte er: »Mein Kardinalstaatssekretär hat eine Intrige gegen mich aufgedeckt. Die Verschwörer hatten versucht, den Lepri-Prozess und die Jesuitenfrage gegen mich zu verwenden. Ziel war, mich mit den Höfen von Spanien und Frankreich zu entzweien.«

»Aber, wenn der Komplott doch aufgedeckt wurde, dann ist doch alles gut.«

Ich hielt es für besser, ihn zu beruhigen.

»Mein Berater, Kardinal de Bernis, sieht Schlimmes auf uns zukommen. Auch andere äußerten sich dementsprechend.«

»Schlimmes? Welcher Art denn?«

Ich hatte mir bisher noch nie Sorgen über die Zukunft gemacht und sah auch jetzt keinen Anlass, dies zu tun.

»Ach, Antonia, woher soll ich das wissen? Aber ich glaube es hat irgendetwas mit Frankreich zu tun.«

Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: Sie wissen doch sicher, wie eng unser Verhältnis zum französischen Hof immer war, noch enger als das zum spanischen. Frankreich protegiert uns, Antonia. Aber nun hört man ja nur noch beunruhigende Nachrichten von dort. In keinem anderen Land ist die öffentliche Meinung so gegen die Kirche, den Klerus und sogar gegen das eigene Königshaus, gegen König und Königin, eingenommen wie in Frankreich. Es gibt regelrechte Hetzkampagnen gegen Krone und Kirche, und es wird von Unruhen berichtet, wie es sie vor zehn Jahren schon einmal gegeben hat. Hungeraufstände, Antonia, Hungeraufstände, weil Frankreich vor dem wirtschaftlichen Ruin steht! Und das seit März!«

Schon sehr bald wurden die schlimmsten Befürchtungen wahr: Der Heilige Vater seufzte, als er mich in seinen Gemächern empfing. Giovanni trug köstliche Speisen auf, doch Pius schien das Essen nicht zu schmecken.

»Es gibt Neuigkeiten vom päpstlichen Nuntius aus Frankreich: Ein Teil des Adels forderte nun Reformen und der König sah sich dazu gezwungen, zum ersten Mal seit über einhundert Jahren die Generalstände einzuberufen.«

Er griff nach einem Stück gebratenen Truthahn und legte es sich auf seinen Teller. Die Generalstände waren ein Parlament, in dem alle drei Stände vertreten waren: der Adel, der Klerus und der dritte Stand, das wusste ich.

»Man spricht davon, die Macht des Königs einschränken zu wollen.«

»Und was bedeutet das genau?«

Ich hatte das Gefühl, dass das nichts Gutes verhieß.

»Die Vertreter des dritten Standes haben sich daraufhin zur Nationalversammlung erklärt. Auf Befehl des Königs haben sich Adel und Klerus der Nationalversammlung angeschlossen. Sie fordern eine Verfassung und die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie, einer Monarchie, deren Macht durch eine Verfassung eingeschränkt ist.«

»Das wäre nicht das Allerschlimmste.«

»Nein, nicht unbedingt, aber ich habe immer noch so eine Ahnung, dass uns Schlimmes durch Frankreich bevorsteht. Man fordert die Abschaffung der Privilegien des Adels, die Abschaffung der Leibeigenschaft, des Kirchenzehnten, der Steuerfreiheit für die ersten beiden Stände, Adel und Klerus. Man hat dem König Reformvorschläge unterbreitet und versuchte, den König und die Königin ebenfalls für diese Ideen zu gewinnen. Aber jetzt, wo die Forderungen der Abgeordneten auf dem Tisch liegen, zeigt sich das Königspaar diesen gegenüber ablehnend. Es war sogar die Rede davon, dass der König Truppen zwischen Versailles und Paris zusammenziehen ließ, um die Nationalversammlung militärisch aufzulösen.«

Mit großem Interesse hatte ich ihm zugehört. Die genannten Forderungen waren nichts, was ich nicht von Josephs Reformeifer schon kannte. Sie schienen mir durchaus vernünftig und angemessen zu sein. Doch der Papst seufzte:

»Lassen Sie uns abwarten und beten, Antonia.«

Am 14. Juli 1789, so hörten wir aus Frankreich, war eine wütende Menge durch die Straßen von Paris der Bastille entgegen gezogen. Der Kommandant war umgebracht, sein Haupt auf einer Pike herumgetragen worden. Die Erstürmung der Bastille war kein großer Sieg, besaß keinen militärischen Wert, wie alle Agenten des Heiligen Stuhls einhellig berichteten, ich aber verstand vielleicht besser als sie die Signalwirkung dieser gewalttätigen Auseinandersetzung. Mit diesem Fanal begann die Revolution in Frankreich. Wir alle aber hatten geglaubt, der König könnte alles noch durch besonnene Zugeständnisse abwenden. Aber er reagierte so, wie ich ihn eingeschätzt hatte: als jemand, der den alten Ideen von Herrschaft zu sehr verhaftet war, als jemand, der sich von Gott auf den Thron gesetzt fühlte und sich daher von nichts und niemandem in seinen Herrschaftsrechten einschränken lassen wollte. Die Nationalversammlung nahm er nicht für voll, ihre Forderungen erkannte er nicht an. Damit beging er einen großen Fehler. Nachrichten neuerlicher Unruhen erreichten uns, von chaotischen Zuständen war die Rede, von Plünderungen, von Mord und Totschlag, davon, dass der Mob Kleriker und Adelige jagte und aufknüpfte. Wir in Rom verfolgten die Nachrichten mit Entsetzen. Die Stimmung im Päpstlichen Palast war düster. Wie sehr wünschte ich mir die sorglosen Tage von früher zurück, als ich mir nie hätte vorstellen können, dass etwas mein Leben in dieser Weise erschüttern könnte.

Auch den Heiligen Vater nahmen die Ereignisse in Frankreich sichtlich mit. So ernst wie an diesem Tag hatte ich ihn noch nie gesehen, als wir, ungefähr einen Monat nach dem Sturm auf die Bastille in seinen Gemächern zusammensaßen. In Frankreich sprach man inzwischen von ›la grande peur‹, der großen Angst.

»Man geht nun die Kirchen an und nennt Reform, was man dort macht, und alles ohne Absprache mit dem Heiligen Stuhl. Selbstverständlich hat mich das nicht begeistert, aber Kardinal de Bernis rät mir zur Nachgiebigkeit.«

Ich musste an die Worte Josephs denken, in Wien. Joseph hatte die Revolution in Frankreich schon damals vorausgesehen. Einmal mehr bewunderte ich seine Weitsicht und seinen Sachverstand. In diesem Moment wünschte ich mir nichts mehr, als jetzt an der Seite dieses starken Mannes zu sein. Ich fragte mich, was er wohl zu den Ereignissen in Frankreich sagen würde. Sicher müsste auch er erschüttert sein, denn seine Schwester war die Königin von Frankreich, auf die sich jetzt so viel Hass des Volkes zu richten schien. In Gedanken stellte ich mir vor, wie ich mich an seine Schulter anlehnte und seinen Worten lauschte. In diesem Moment wünschte ich mir nichts mehr als das. Ich erwiderte:

»Wenn die französische Regierung wirklich unter so großem Druck steht wie es scheint, dann ist Kardinal de Bernis’ Rat sicherlich vernünftig.«

»Ja«, sagte der Papst und holte mich damit aus meinen Träumereien zurück in die Wirklichkeit. »Aber es geht nicht mehr nur um irgendwelche Rechte für die Protestanten und Juden in Frankreich, verstehen Sie doch: Der Klerus und damit die Kirche sollen ihre Einkünfte verlieren. Das betrifft uns direkt. Man fordert die Aufhebung der Privilegien für Adel und Klerus, hat es beschlossen, ja, hat auch den Kirchenzehnt für abgeschafft erklärt. Der König muss nur noch zustimmen. Wie aber sollen ohne diesen Zehnt die Kirchen in Frankreich existieren? Wie soll da noch Geld von Frankreich aus an den Heiligen Stuhl fließen? Was das bei unserer eigenen angespannten finanziellen Lage bedeutet, können Sie sich doch denken! Kardinal de Bernis ist natürlich selbst betroffen und nun in großen finanziellen Schwierigkeiten. Er hatte immer geglaubt, sein Vermögen würde bei seinem Lebenswandel bis ans Ende seines Lebens reichen. Das stellt sich nun als Irrtum heraus. Seine Besitztümer wurden jahrelang von seinen Familienmitgliedern verwaltet, die ihn um Geld betrogen. Er hat immer großmütig darüber hinweggesehen. Jetzt ist er selbst von Armut bedroht.«

Er verfiel in Schweigen, und sein Blick verlor sich irgendwo im Raum. Wie schwach und alt er doch wirkt, dachte ich bei mir. Er hatte deutlich von seinem früheren Charisma eingebüßt. Dann sagte er, als wäre ihm gerade eine gute Idee gekommen:

»Ich werde zu öffentlichen Gebeten für die Not der Kirche aufrufen und lediglich einen bittenden Brief an den König von Frankreich schreiben. Er muss ablehnen, was man von ihm fordert. Auch wenn einige aus dem Kardinalskollegium anderer Meinung sind.«

Ich erwiderte nichts, aber begann bald darauf, von den Schwierigkeiten des Gärtnerns im Sommer zu berichten, um ihn abzulenken. Ich hatte weniger Erfolg damit als sonst.

Nur einige Tage später überraschte uns der Kardinalstaatssekretär beim gemeinsamen Frühstück mit der nächsten Nachricht aus Frankreich. Der Papst seufzte und meinte:

»Gut, was gibt es denn so Wichtiges, dass es nicht bis später warten kann?«

Der Staatssekretär warf mir einen kalten Blick zu und räusperte sich. Doch als der Papst keine Anstalten machte, mich aus dem Raum zu schicken, begann er zu sprechen.

»Ich bitte vielmals um Verzeihung, Eure Heiligkeit, aber es gibt beunruhigende Nachrichten aus Avignon und dem Comtat Venaissin.«

Beide Grafschaften unterstanden nicht Frankreich, sondern dem Kirchenstaat.

»Die Mehrheit der Bevölkerung des Comtat Venaissin steht hinter dem Heiligen Stuhl, doch in der Provence und vor allem in Avignon werden Forderungen laut, die auf eine Vereinigung der Grafschaften mit Frankreich drängen. Sie gewinnen von Tag zu Tag mehr Anhänger in der Bevölkerung. Eine Annexion der Grafschaften durch Frankreich ist zu befürchten.«

Die Augen des Heiligen Vaters blitzen vor Zorn.

»Was erlauben sie sich dort in der Provence für Ungeheuerlichkeiten? Da sieht man einmal mehr, wohin diese Verrücktheiten und diese sogenannten Aufklärer uns führen. Doch lassen Sie mich zuerst in Ruhe mein Frühstück einnehmen! Wir werden später über die Politik sprechen.«

Mit einem Wink entließ er den Kardinalstaatssekretär, der sich verbeugte und ging. Doch als wir allein waren, bemerkte ich, wie blass Pius mit einem Mal war. Er schien sich wirklich große Sorgen zu machen. Vergeblich versuchte ich, ihn mit Belanglosigkeiten aufzuheitern.

Ich dachte noch lange nach diesem Gespräch über die Ereignisse nach. Wohin bloß sollte das alles führen? Am Abend stand ich am Fenster und schaute auf den nächtlichen Petersplatz. All die Jahre war das Leben im Vatikan in relativ ruhigen Bahnen verlaufen. Doch zum ersten Mal in meinem Leben schien die Zukunft so ungewiss. Es zog eine Krise am Horizont auf, deren Ausmaße ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht begriff. Doch eines spürte ich deutlich: Der Papst war schwächer geworden. Ich glaubte nicht, dass er es vermochte, den Staat durch diese schweren Zeiten zu führen. All die Jahre hatte er allein regiert, nur die Hilfe eines Kardinalstaatssekretärs in Anspruch genommen, der keinerlei Einfluss auf seine Entscheidungen hatte. Nun aber schien es, als würden die Regierungsgeschäfte Pius zunehmend zur Last. Hinzu kam, dass er außer mir und Kardinal de Bernis niemandem mehr vertraute. Auch sein Gesundheitszustand verschlechterte sich. Seine politischen Entscheidungen waren zunehmend von Unschlüssigkeit und Handlungsunfähigkeit bestimmt. Das Bett teilte er nur noch selten mit mir. Stattdessen fragte er mich immer öfter um Rat, auch in Regierungsangelegenheiten. So begann ich, mich mehr und mehr mit den Problemen des Kirchenstaates auseinanderzusetzen. Ich musste mir selbst eingestehen, geblendet von dem Charisma, das Pius als Menschen auszeichnete, Prunk und Luxus im Vatikan nie hinterfragt zu haben. Beides hatte ich, die ich doch aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammte, für selbstverständlich genommen, weil Pius mich daran auch wie selbstverständlich hatte teilhaben lassen. Weil ich ihn als großzügig kennengelernt hatte, war ich wohl blind für seine Fehler gewesen. Nun, da ich mehr und mehr Einblick in die wirtschaftliche Situation des Kirchenstaates erhielt, gab es ein böses Erwachen für mich. Die Konsequenzen jahrzehntelanger Misswirtschaft und schlechter Verwaltung wurden mir vor Augen geführt. Inflation und Korruption, Verschwendungssucht sowie staatliche Monopole auf Getreide, Fleisch und Öl, dazu Ausfuhrverbote hatten über Jahre die Landwirtschaft im Kirchenstaat fast gänzlich zum Erliegen gebracht. Ich erinnerte mich daran, wie ich mich damals auf der Reise nach Wien über die brachliegenden Felder gewundert hatte. Damals hatte mich auch die Armut der Landbevölkerung berührt. Der Kirchenstaat, der eigentlich fruchtbare Böden hatte, war abhängig von Importen aus dem Ausland geworden, und die Landbevölkerung war verarmt. Bis auf etwas Wein, Öl, Wolle und Seide wurde im Kirchenstaat nichts produziert. Die Handelsbilanz fiel daher seit Jahren zum Nachteil des Kirchenstaates aus. Zur Deckung der Staatsschulden wurde Papiergeld gedruckt, was wiederum die Inflation anheizte. Der Skandal um die Lepri-Erbschaft, die Vetternwirtschaft und die Prunksucht des Papstes, während große Teile des Volkes arm waren, hatten außerdem bei Teilen der Bevölkerung die Regierung des Papstes unbeliebt, ja geradezu verhasst gemacht. Mir wurde klar, dass nötige Reformen jahrelang versäumt worden oder fehlgegangen waren. Mir war auch klar, wie schwierig Reformen durchzusetzen gewesen waren und selbst jetzt noch wären. Ich hatte mich ja oft genug mit Joseph unterhalten, der mir vom Widerstand der großen Grundherren berichtet hatte, die auch im Kirchenstaat auf ihre Privilegien pochten. Kein Wunder also, dass Pius ein Überspringen des revolutionären Funkens von Frankreich auf den Kirchenstaat fürchtete und vor Sorgen nicht mehr schlafen konnte! Immer wieder, wenn der Heilige Vater mich um Rat fragte, dachte ich darüber nach, wie Joseph anstelle des Papstes entschieden hätte. Viele Wochen diskutierte ich intensiv mit dem Heiligen Vater über die Probleme des Kirchenstaates. Dann sprachen wir lange über mögliche Verbesserungen zur Belebung der Landwirtschaft. Ich vertrat die radikalen Ansichten Josephs und wollte den Heiligen Vater davon überzeugen, die Leibeigenschaft abzuschaffen. Doch er betonte immer wieder, dass er auf die Grundherren Rücksicht nehmen müsse. Eines Morgens kam er auf die seltsame Idee, seinen Kardinalstaatssekretär hinzuzuziehen, und ließ nach ihm rufen. Der Kardinalstaatssekretär, kaum dass er den Raum betreten hatte, sah mich mit einer Miene an, die finsterer war als die tiefste Nacht. Der Aufforderung, sich zu setzen, kam er nicht nach, sondern blieb stehen.

»Ich disputiere doch nicht mit einer Frau und schon gar nicht mit einer Mätresse«, wagte er seine Entscheidung zu begründen. Dabei dehnte er jede Silbe des Wortes »Mätresse« so sehr, als wäre es nur auf diese Weise lang genug, um seine ganze Verachtung hineinzulegen.

Der Heilige Vater seufzte.

Das war alles? Jemand aus seiner nächsten Umgebung war so unhöflich, auszusprechen, was ein großes Tabu war, und Pius seufzte?

»Ich fürchte«, sagte ich daraufhin, direkt an ihn gewandt, »Sie müssen die Sache persönlich regeln«, und stand auf, um zu gehen.

Doch er hielt mich am Handgelenk fest und bedeutete mir, mich wieder zu setzen.

»Antonia, bleiben Sie!«, sagte er mit einer Autorität in der Stimme, wie ich sie nur selten und vor langer Zeit bei ihm gehört hatte. Woher nahm er plötzlich den Mut, sich zu mir zu bekennen? Aber vielleicht war es der Mut eines Mannes, der den Tod vor Augen hatte, und meinte, es gäbe nicht mehr viel, was er zu verlieren hätte.

»Sie ist klüger als manch ein Mann und ist weiß Gott dreimal so vertrauenswürdig wie alle Männer hier zusammengenommen. Und jetzt gehen Sie, wenn Sie so voreingenommen und engstirnig sind!«, herrschte er den Kardinalstaatssekretär an.

Wütend drehte dieser sich um und verließ unter Protest das Arbeitszimmer. Nach diesem Vorfall war an eine weitere Diskussion über Reformen nicht mehr zu denken, also verließ auch ich wenige Zeit später den Heiligen Vater, ...

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