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Die Liebe ist wie ein Wunder

1. KAPITEL

Justin Hartford war ein Idiot.

Ashley Barnes lehnte sich gegen die Motorhaube ihres Wagens, starrte wütend auf das verschlossene Tor der Blue Sage Ranch und wiederholte das Wort wie ein Mantra. Idiot. Idiot. Idiot.

Er war ein eingebildeter Egomane, der zu glauben schien, dass die ganze Welt nichts Besseres zu tun hatte, als in sein Privatleben einzudringen. Warum wunderte sie sich? Natürlich war sein Tor verschlossen. Schließlich wollte er es den Normalsterblichen nicht so leicht machen, zu ihm zu gelangen.

Das war wirklich ärgerlich, denn sie musste unbedingt mit ihm sprechen. Und zwar noch heute. Wenn wiederholte Anrufe, Briefe und E-Mails den Mann nicht beeindruckten, würde sie eben sein verdammtes Tor niederreißen müssen.

Sie seufzte. Nun ja, das war vermutlich keine besonders brillante Idee. So sehr sie ihren limonengrünen VW-Käfer auch liebte, bestimmt hatte er nicht genügend PS, um ein zweieinhalb Meter hohes Tor aus solidem Eisen umzuwalzen.

Aber Aufgeben kam nicht in Frage. Der Idiot hinter dem Tor und sie steuerten jetzt seit drei Wochen auf diese Konfrontation zu. Ob er es wusste oder nicht, ob es ihm egal war oder nicht, in ihrem Kopf hatte sie Justin Hartford eine Frist gesetzt - und die war gerade abgelaufen.

Ashley betrachtete das Tor. Sie war mit vier älteren Brüdern auf einer Ranch aufgewachsen und hatte gelernt, wie man Zäune überwand, auf Bäume kletterte und an alten, zerfransten Seilen vom Scheunenboden baumelte. Auch dieses Tor war kein unüberwindliches Hindernis.

Zum Glück trug sie Jeans. Sie musste drei Mal springen, bevor sie es schaffte, sich an der Querstrebe festzuhalten. Sie zog sich daran hoch und setzte sich oben aufs Tor - lange genug, um den Reiter zu sehen, der in halsbrecherischem Tempo auf sie zugaloppierte.

Auch das noch, dachte sie. Das Tor war zu hoch, um einfach abzuspringen. Es sei denn, sie wollte sich den Knöchel brechen. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als vorsichtig nach unten zu rutschen, wie ihre Schützlinge es am Klettergerüst taten. Ihre Füße berührten den Boden, und sie drehte sich in genau dem Moment um, als die Hufe eines prächtigen Araberhengstes direkt vor ihr eine Staubwolke aufwirbelten.

Ihr Blick fiel auf den Reiter, und ihr Herz schlug noch schneller. Plötzlich fühlte ihre Mund sich so trocken an wie ein Nebenfluss des Cold Creek nach einer dreijährigen Dürre. Es war der Idiot höchstpersönlich. Die markanten Gesichtszüge und das kantige Kinn waren eindeutig.

Unwillkürlich sah sie ihn in Letzte Chance vor sich. Darin hatte er einen verwundeten Banditen mit einem tragischen Geheimnis gespielt. Sie liebte den Film. Sie liebte alle seine Filme.

Schade, dass sie nichts als Hollywood-Märchen waren.

Justin zügelte sein Pferd und schob den Hut in den Nacken. Seine Miene war so bedrohlich, dass Ashley automatisch einen Schritt nach hinten machte. War sie wirklich mal jung und naiv genug gewesen, um zu glauben, dass sie hoffnungslos in diesen Mann verliebt war?

„Sie haben zwei Möglichkeiten, Lady“, sagte er scharf. „Entweder Sie verschwinden so, wie Sie gekommen sind, oder wir beide warten hier, bis der Sheriff erscheint, um Sie wegen unbefugten Betretens festzunehmen. Was ist Ihnen lieber?“

In ihrem Bauch begannen sämtliche Nerven zu flattern, und sie schien keinen klaren Gedanken fassen zu können, solange der Blick aus den mitternachtsblauen Augen sich in ihre bohrte.

„Rufen Sie ruhig den Sheriff, Mr. Hartford“, entgegnete sie, so unbeschwert sie konnte. „Oder besser noch, ich tue es für Sie. Ich habe nämlich seine Nummer in meinem Handy gespeichert. Genau wie die von allen meinen Brüdern. Luke hat die Nummer zwei, gleich nach meinen Eltern. Das ist nur fair, weil er der Älteste ist und ich es mir so merken kann. Wahrscheinlich sollte ich Evan unter der Zwei speichern, weil ich ihn am häufigsten anrufe. Wir sind nur zwei Jahre auseinander, deshalb stehen wir uns am nächsten. Trotzdem hat er die Drei. Die Zwillinge rufe ich nur selten an, denn sie leben an der Küste und haben die Nummern fünf und sechs. Aber wie gesagt, Luke hat die Zwei, also könnte er schnell hier sein, wenn Sie darauf bestehen …“

Als ihr endlich bewusst wurde, dass sie sinnloses Zeug plapperte, hatte Justin Hartfords Miene sich noch weiter verfinstert.

Selber schuld, dachte Ashley trotzig. Warum thronte er auch auf seinem Pferd und funkelte sie an, als wäre sie eine Spionin in einem seiner Filme?

„Es tut mir leid“, sagte sie. „Das wollen Sie alles gar nicht hören, stimmt‘s? Wenn ich nervös bin, rede ich zu viel.“

„Darauf wäre ich nie gekommen“, murmelte er so herablassend, dass sie ihn am liebsten geohrfeigt hätte. „So interessant Ihre Familiengeschichte auch sein mag, sie ändert nichts daran, dass Sie meine Ranch unbefugt betreten haben - für die meisten Menschen ist ein zweieinhalb Meter ...

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