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Die Insel der Träume

1. KAPITEL

Klack-klack-klack-klack-klack-klack-klack.

Nein, dachte Gwen McMillan, als das vertraute Geräusch an ihr Ohr drang. Ich bilde mir das nur ein. Rafe würde nicht …

Doch leider gab es keinen Zweifel. Der Wind, der seit Stunden mit lautem Geheul über das Schiff hinwegfegte, schwieg für einen Moment. Und da die Tür zum angrenzenden Wohnraum offen stand, hörte Gwen es bis ins Schlafzimmer, zwar leise, aber deutlich: klack-klack-klack-klack-klack-klack.

Ihr Blick wanderte zur Uhr auf dem Nachtschrank - es war kurz nach Mitternacht. Den ganzen Abend lang wartete sie schon sehnsüchtig darauf, dass Rafe endlich die Arbeit zur Seite legte. Und als er vor zehn Minuten verkündet hatte, er würde den Computer ausschalten, war sie ins Schlafzimmer geeilt und in ein verführerisches Negligé geschlüpft.

Herrje! Wenn er selbst im Urlaub bis in die späte Nacht hinein über seinen Projekten brütete, hätten sie ja auch zu Hause bleiben können, statt auf Kreuzfahrt zu gehen!

Gwen ließ sich auf die Bettkante sinken. Frustriert starrte sie auf das dunkle Fenster, obwohl es gar nichts zu sehen gab - außer den dicken Regentropfen, die unablässig gegen die Scheibe prasselten. Am frühen Abend ihres zweiten Tages an Bord war ein Sturm aufgekommen. Nur eine harmlose Gewitterfront, wie der Kapitän der Annabelle Lee meinte, dem kleinen Kreuzfahrtschiff, mit dem sie eine zweiwöchige Tour durch die Karibik machten, von den Bahamas bis nach Trinidad.

Schon lange träumte Gwen von dieser Reise, denn sie fand, dass es höchste Zeit wurde, wieder etwas mehr Erotik in ihre Ehe zu bringen. Am besten konnte das gelingen, wenn sie gemeinsam dem Alltag entflohen, nur sie und Rafe, ohne ihre zwei kleinen Kinder. Und vor allem ohne Andrews & McMillan, das Architekturbüro, dem ihr ehrgeiziger Ehemann als Teilhaber angehörte.

Klack-klack-klack-klack-klack-klack.

Da war es wieder, dieses ihr so vertraute Geräusch. Rafe hämmerte auf der Computertastatur herum.

Es klang ja verrückt, aber selbst auf diese romantische Reise hatte er sein Handy, seinen Laptop und seinen dicken Aktenkoffer mitgenommen. Während ihres eintägigen Aufenthalts in Miami hatte er pausenlos telefoniert und das Handy erst ausgeschaltet, als sie für den Weiterflug zur Insel Grand Bahama eincheckten. Auf der Annabelle Lee bekam er keine Verbindung - was für ein Glück! -, das Handy konnte er hier vergessen. Doch sein handlicher Computer, der ließ ihn leider nicht im Stich, und langsam kam es Gwen so vor, als wäre Rafe nicht mit ihr, sondern mit seinem Laptop verheiratet.

Der Regen trommelte wieder heftiger gegen die Scheibe. Auch der Wind schien zuzunehmen.

Gwen seufzte. Was sollte sie denn jetzt tun? Sich ins Bett legen und versuchen einzuschlafen?

Das kommt gar nicht in Frage, dachte sie entschlossen. Sie hatte sich ein hauchdünnes Negligé angezogen, um ihren Ehemann zu verführen, und es musste doch möglich sein, Rafe von diesem blöden Computer loszueisen.

Der Boden unter ihren Füßen schwankte beträchtlich, als Gwen aufstand. Kein Grund zur Panik, beruhigte sie sich. Es ist nur ein harmloser Sturm, das hat der Kapitän uns versichert. Mit festen Schritten ging sie in den Wohnraum, wo Rafe nach wie vor auf der Sofakante hockte und konzentriert auf den Laptop blickte, der vor ihm auf dem flachen Couchtisch stand.

Ihr Mann sah sehr attraktiv aus, und immer, wenn sie ihn so betrachtete, tummelten sich Schmetterlinge in ihrem Bauch. Selbst nach acht Jahren Ehe. Ach ja, es könnte alles traumhaft schön sein, er müsste nur mal seine Arbeit vergessen …

Gwen stellte sich so auf, dass Rafe sie unweigerlich sehen musste - sobald er den Kopf hob. Was er aber leider nicht tat.

„Hm“, murmelte er, die Augen auf den Bildschirm gerichtet. Dann legte er beide Hände auf die Tastatur und schrieb etwas.

Gwen räusperte sich. Ein Mal. Zwei Mal.

Und endlich bemerkte Rafe sie. Er blickte sie an.

Oh ja! Und wie er sie anschaute.

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