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Die Herren von Glenridge

Für Dina

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Werk jemandem widmen möchte – der ein oder andere Autor macht das ja schon mal sehr gerne … und wer weiß schon, ob sich die Gelegenheit noch einmal bietet?

Deshalb widme ich dieses Buch dem Menschen, der in meinem Herzen immer den ersten Platz einnehmen wird: einer jungen Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht, die frei ist von jedweder Falschheit und Voreingenommenheit, von Engstirnigkeit und Arroganz;

die zu allem ihre feste Meinung hat, sich aber dennoch vernünftigen Argumenten nicht verschließt.

Die sich – ungeachtet der vielfachen Gefahren, welche mit der Erziehung von Kindern einhergehen – zu einem respektvollen, intelligenten Menschen entwickelt hat; die spontan und fröhlich ist und die – vor allem – grenzenlos tolerant gegenüber der Lebensweise anderer Menschen ist.

Ich danke Dir!

Und ich danke Deinen Eltern, daß sie Dich zu dem gemacht haben, was Du heute bist!

Und denjenigen, die das noch lernen müssen, möchte ich ein Zitat des österreichisch-britischen Philosophen Sir Karl Popper mit auf den Weg geben: »Im Namen der Toleranz sollten wir das Recht beanspruchen, die Intoleranz nicht zu tolerieren!«

Die Herren von Glenridge

Roman

von

Heike Ploew

MARTERPFAHL VERLAG

Wir verlangen,

das Leben müsse einen Sinn haben –

aber es hat nur ganz genau

so viel Sinn,

als wir selbst

ihm zu geben imstande sind.

 

1

Die Stewardeß half dem gutaussehenden Fluggast, das mobile Tischchen aus dem Vordersitz zu klappen, und servierte ihm den Imbiß. Dann wandte sie sich an seine Sitznachbarin, und professionell, wie sie war, ließ sie sich dabei nichts von ihrer Verwunderung ansehen.

»Madam, welches Menü wünschen Sie?«

»Oh … vielen Dank, « antwortete Jonathan McArcher und schenkte der Stewardeß sein hinreißendstes Lächeln, »aber meine Frau hat gerade erst eine Kieferoperation hinter sich und verträgt zur Zeit nur … nun ja«, druckste er etwas herum, »spezielle Kost – Sie verstehen?«

» Das tut mir leid; möchten Sie dann vielleicht nur das Dessert, Madame?«

»Das ist sehr aufmerksam von Ihnen, aber meine Frau möchte wirklich nichts essen, nicht wahr, mein Liebling?«

Jonathan starrte Brenda eindringlich an. Diese erwiderte kurz seinen Blick, schaute dann die Stewardeß an und schüttelte entschuldigend den Kopf.

Die Stewardeß ließ es gut sein. Mit einem Lächeln wandte sie sich ab und rollte mit ihrem Essenswagen weiter. Sie hatte wohl schon weitaus seltsamere Dinge erlebt.

Jonathan widmete sich ungerührt dem hervorragenden Essen und ignorierte die leisen Knurrlaute seiner Frau. Sollte sie sich doch ruhig ärgern und die Beleidigte spielen, sie war schließlich selber schuld, daß sie jetzt mit einem Knebel und dem OP-Mundschutz herumlaufen mußte.

Nachdem er Brenda heute morgen lapidar eröffnet hatte, daß sie verreisen würden, und sie gebeten hatte, den in ihren Augen gräßlichen Slip mit dem eingenähten Dildo anzuziehen, hatte sie in einer Tour ’rumgemeckert und ihn mit Fragen gelöchert; selbst im Taxi auf dem Weg zum Flughafen hatte sie keine Ruhe gegeben. All seine Beschwichtigungsversuche hatten keine Wirkung gezeigt, und so hatte er sie nach dem Einchecken abseits des Menschentrubels hinter eine Säule gezerrt und ihr mit geübten Handgriffen den Knebel und den Mundschutz verpaßt. Wohlweislich trug er diese Utensilien stets bei sich, obwohl Brenda sie in den letzten Wochen nicht mehr oft benötigt hatte. Und jedesmal, wenn er seine Frau damit verschloß, überkam ihn die Erinnerung an die erste Zeit ihres Zusammenlebens. Damals hatte er sie fast täglich knebeln müssen, bis sie endlich kapierte, daß er es ernst meinte und sich auf keine Verhandlungen einließ. Inzwischen klappte das eigentlich ganz prima. Jonathan blickte tief in die Augen seiner Frau, während seine Finger energisch die beiden Warzen quetschten, die sich frech und vorwitzig durch das dünne Sommerkleid drückten. Brenda trug keinen BH. Das hatte er ihr abgewöhnt, um jederzeit einen freien Blick und den ungehinderten Zugriff auf ihre Brüste zu beanspruchen. Zum anderen hatte sie das auch gar nicht nötig. Ihr Busen war prall und rund, und durch die regelmäßige Gymnastik, die sie freiwillig betrieb, war die Haut angenehm straff geblieben.

»Jetzt hör mir mal gut zu, Brenda, ich habe beschlossen, daß wir verreisen, und es geht dich im Moment überhaupt nichts an, warum und wohin. Und ja – ich habe dich bei deinem Chef abgemeldet und ihm gesagt, daß du krank wärst.«

Jonathan holte kurz Luft, wartete gespannt auf eventuellen Widerstand und fuhr dann mit seiner Standpauke fort. »Und nun hör gefälligst auf, so bockig zu sein, und verdirb mir nicht die gute Laune. Du wirst dich ab sofort freundlicherweise wie eine gehorsame Ehefrau benehmen, oder ich werde dir nach unserer Ankunft dermaßen den Arsch versohlen, daß du dich eine Woche lang nicht mehr auf deinen süßen Vollmondhintern setzen kannst!«

Er verstärkte den Druck noch ein wenig, um seine Worte zu untermauern. Das mußte er tun, sie erwartete es von ihm.

»Haben wir uns jetzt verstanden?«

Wie ein verschrecktes Vögelchen hatte sie ihn mit ihren grünen Augen angestarrt, Augen, in denen er lesen konnte wie in einem Buch. Seine schroffe Rede hatte Brenda – wie erwartet – überrumpelt, aber auch wieder zurechtgerückt. Manchmal verfiel sie noch in ihre alten Gewohnheiten, obwohl sie geschworen hatte, daß sie ihm gehorchen und überall hin folgen würde. Jonathan sah die Empörung in ihren Augen, aber auch die wachsende Erregung, die er mit seinen Worten heraufbeschworen hatte. Nur Sekunden dauerte dieser stumme Wortwechsel, dann hatte sie klein beigegeben, bescheiden den Kopf gesenkt und sich in ihre Rolle gefügt. Wieder einmal unterwarf sie sich seinem Einfluß, das tat sie eigentlich fast immer, und beileibe nicht ungern.

Sie folgte ihm danach widerstandslos in den Flieger und schien sich nun mehr darüber zu ärgern, daß er ihr nichts zu essen gönnen wollte. Überdies hatte er ihr noch verboten, sich abzuschnallen, als das Flugzeug endlich in der Luft war, und den Gurt so stramm wie möglich gezurrt. So saß seine kleine, süße Frau nun eingeengt auf dem Sitz und schmollte vor sich hin.

Jonathan fühlte sich vom Anblick seiner »stillgelegten« Ehefrau derart beflügelt, daß er sich jetzt verschwörerisch zu ihr ’rüberbeugte und seinen Mund ganz nah an ihr Ohr brachte: »Siehst du die junge Frau dort drüben in der zweiten Reihe, die mit der roten Bluse? Sie sieht nett aus, nicht wahr? Schöne, lange Beine, der Busen scheint auch ganz ordentlich zu sein … Natürlich kenne ich sie nicht, aber ich denke, ich werde mich gleich, wenn ich mit diesem köstlichen Essen fertig bin, mal zu ihr setzen und mich ein wenig mit ihr unterhalten. Dein Einverständnis vorrausgesetzt, Kleines!«

Jonathan grinste und genoß es, wie sich Brendas Augen weiteten. Ahnte sie, was er vorhatte?

»Sollte diese junge Frau dann plötzlich aufstehen und dort nach vorne zur Toilette gehen, werde ich ihr folgen, weil ich sie nämlich dann überredet haben werde, sich von mir verwöhnen zu lassen. Das würde dich doch nicht stören, oder Liebling? Dich kann ich ja im Moment nicht benutzen, obwohl ich es gerne würde, das kannst du mir glauben!«

Er gab ihr einen zarten Kuß auf die Wange, sie ließ ihn gewähren, drehte nicht den Kopf zur Seite, wie sie es schon mal gerne tat, wenn sie beleidigt war. Ach ja, wie sehr genoß er solche Situationen! Neugier, dein Name ist Weib. Zum Glück für ihn.

Jonathan wußte genau, daß er das Spiel, das sie beide miteinander spielten, lediglich sehr ideenreich und phantasievoll verpacken mußte, und Brenda reagierte genau so, wie er es wollte. Dadurch, daß er sich immer neue Varianten einfallen ließ, machte er sie neugierig auf mehr, und wenn sie auf seine Bedingungen nicht einging, würde sie so manches Mal den Ausgang dieses Spiels verpassen. Leise flüsternd sprach er weiter. »Leider befindet sich ja schon einer deiner vielen Freunde in deinem süßen Loch - zugegeben, ein sehr kleiner - und außerdem hast du, nach deinem Verhalten heute morgen, meinen Schwanz auch gar nicht verdient. Dafür war dein Benehmen einfach zu schlecht.«

Oh, wie er ihren erbosten Blick genoß!

»Was ist? Macht dich die Vorstellung, daß ich gleich eine andere Frau benutzen werde, etwa wütend? Aber Brenda, du weißt doch, daß ich nur dich liebe.«

Er grinste sie spitzbübisch an.

»Außerdem könnte ich wetten, daß dich die Vorstellung ganz schön naß gemacht hat, nicht wahr, Liebling?«

Er leckte mit seiner Zunge über ihr hochrotes Ohr und wandte sich dann gleichgültig ab, als ob ihn ihre Reaktion auf seine Ankündigung nicht im mindesten interessierte. Scheinbar unbeeindruckt machte er sich weiter über das Menü her. Doch so teilnahmslos war er gar nicht. Brendas lähmende Unfähigkeit, ihm in solchen Situationen zu widersprechen, erregte ihn, wie immer, aber er verstand es, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Das mußte er auch. Er war schließlich ihr Mann, ihr Gebieter. Er diktierte die Spielregeln. Er herrschte über diese Frau, die ihm gehörte. Ihm ganz allein – noch …

Was würde sie tun, sein Weib? Es wäre ein leichtes für sie, sich den Knebel aus dem Mund zu ziehen. Sie wußte, daß er ihr in der Öffentlichkeit nie eine Szene machen oder sie bloßstellen würde. Aus den Augenwinkeln konnte er ihre Hände sehen, die sich um die Lehne des Sessels krallten. Doch mehr tat sie nicht. Allmählich hatte Brenda ihre Gefühle wirklich gut unter Kontrolle. Sie könnte auch das Codewort benutzen und auf der Stelle das Spiel beenden … aber sollte sie das alles nicht tun, dann geilte es sie auf. Dann erkannte sie ihn abermals als Spielleiter an, als ihren Herrn, der sie behandeln durfte, wie er wollte. Mit einer Mischung aus Erregung, Furcht und Vorfreude wartete er ab, aber nichts rührte sich neben ihm, sie blieb still sitzen, nur ihr Atem beschleunigte sich etwas, wie er an dem Auf und Ab ihres Busens bemerkte. Na bitte. Er kannte doch sein kleines Mädchen.

Nachdem das Bordpersonal die Reste des wirklich vorzüglichen Essens abgeräumt hatte, setzte Jonathan seine Drohung in die Tat um. Es wurde auch Zeit, er war jetzt in der richtigen Stimmung und gierte nach einer feuchten Höhle.

Wie meistens auf diesen Sonntagsflügen war die 1.Klasse nicht vollständig besetzt, und so saß auch die besagte junge Frau alleine in einer der bequemen Zweierreihen. Sie war ein Luder, das sah er sofort, ein wirklich sehr hübsches Luder. Und er konnte meilenweit gegen den Wind riechen, daß sie geil war. Ein attraktives, sinnliches Biest. Es dauerte keine zehn Minuten, und er hatte sie so weit. Stehenden Fußes folgte er der Fremden auf die Toilette. Im Vorbeigehen warf er Brenda noch einen flüchtigen, aber intensiven Blick zu, den sie mit blitzenden Augen erwiderte, und kurze Zeit später reagierte er seine Erregung an der jungen Frau ab. Beide sprachen kaum ein Wort miteinander, als er sie in dem großzügig bemessenen Waschraum über das Becken beugte und mit einem Ruck sein Glied versenkte. Während er sie nahm, schloß er die Augen und dachte daran, was Brenda nach ihrer Ankunft zu erwarten hatte, und als die Fremde mit unterdrücktem Stöhnen ihren Orgasmus hatte, drehte er sie schnell herum, zwang sie auf den Boden und spritzte ihr seinen Samen in den Mund. Wortlos half er ihr, ihren Slip wieder hochzuziehen, und mit einem wissenden Lächeln blickte sie ihn an, hauchte ein »Danke, Fremder!« und verschwand aus der Toilette. Er folgte ihr nach ein paar Minuten. Sie hatten sich noch nicht einmal ihre Namen genannt.

Sichtlich befriedigt und ungetrübt nahm Jonathan wieder seinen Platz ein und bestellte sich bei der netten Stewardeß einen Kaffee. Er griff nach Brendas Hand.

»Ah, das tat gut, ich habe schon lange keine so enge und unrasierte Muschi mehr benutzt. Geht’s dir auch gut, mein Schatz? Du bist mir doch nicht etwa böse?«

Er gab ihr einen Stups auf die Nase.

»Weißt du was? Wenn du mir versprichst, daß du für den Rest der Reise nur sprichst, wenn ich es erlaube, dann entferne ich deinen Knebel; was hältst du davon?«

Doch statt einer Antwort, die ja eh nur aus Kopfschütteln oder -nicken bestanden hätte, drehte sie sich demonstrativ zur Seite, verschränkte die Arme vor der Brust und schaute bis zur Landung nur noch aus dem Fenster. Auch gut – wenn sie es denn so haben wollte …

Jonathan lehnte sich entspannt zurück und dachte an das bisherige Leben, das er sich entschlossen hatte zu verlassen, und das, welches er von nun an mit Brenda führen würde. Es würde alles gutgehen, alles würde so verlaufen, wie er es geplant hatte, und sie würde sich schnell damit abfinden. Ja, das würde sie. Sie konnte gar nicht anders. Gut, sie kannten sich erst ein knappes Jahr, aber trotzdem war Jonathan sich sicher, daß er Brenda inzwischen gut genug durchschaute, um zu wissen, wie sie reagieren würde.

Mittlerweile schien sie natürlich mitbekommen zu haben, daß das Flugzeug nach Glasgow flog; somit war schon mal eine ihrer vielen Fragen beantwortet. Was sie nicht wußte – weil er es ihr bewußt verschwiegen hatte – war, daß Jonathans Familie in den Highlands ansässig war. Seit Jahrhunderten lebten die McArchers auf ihrem Familienbesitz Schloß Glenridge in der Nähe des gleichnamigen Dorfes. Sein Vater war der ehrenwerte Henry McArcher, Laird of Glenridge, ein ehemaliger Richter des Court of Session, des höchsten Zivilgerichtes Schottlands und das Oberhaupt dieser an Einfluß und Landbesitz reichen Familie. Außerdem hatte Jonathans Urgroßvater seinerzeit von Queen Victoria – die in ihrer Amtszeit viel für die Wiederbelebung schottischer Traditionen und Brauchtümer getan hatte – den Titel eines englischen Lords verliehen bekommen, und somit gehörten die McArchers auch zu einer der bekanntesten adeligen Familien des britischen Empire.

Ja, er hatte Brenda über diese wichtige Tatsache nicht aufgeklärt. Er wollte es ihr eigentlich nach ihrer Hochzeit gestehen – sie wußte zwar, daß er gut betucht war, ahnte freilich nicht, daß da im Hintergrund ein außerordentliches Vermögen auf ihn wartete –, aber dann war in ihm dieser Plan gereift, und es schien ihm eine weitere perfekte Methode zu sein, seine Frau hinterher um so wirkungsvoller vor vollendete Tatsachen zu stellen. Und nun war die Zeit reif dafür, Brenda ein wenig weiter die Augen zu öffnen und ihr den Weg zu ebnen, ein in allen Lebenslagen gefügiges Eheweib zu werden – und eine vorbildliche Schwiegertochter und Schwägerin.

Tatsächlich bevorzugte er die Bezeichnung »Marionette«, das traf es doch tausendmal besser. Ja, sie sollte seine perfekte Marionette werden, verbunden mit ihm durch viele unsichtbare Fäden, an denen er sie nur durch Blicke und wenige Worte, durch kleine Gesten lenken konnte, so daß sie alles tat, was er von ihr verlangte. Und dazu mußte sie ihn in diesem sinnlichen Spiel als ihren Puppenspieler akzeptieren. So hatten sie es vor ihrer Heirat beschlossen, und daran hielt sie sich auch. Mal mit mehr, mal mit weniger Protest.

Nicht, daß sie dem allen etwa abgeneigt wäre. Brenda war von Grund auf devot, keine Frage, war sie schon immer gewesen – nur war er der erste Mann, der diesen Wesenszug an ihr bemerkt und gefördert hatte, und er war auch der festen Meinung, daß ihre »Begabungen« bei weitem noch nicht ausgeschöpft waren. Ihr Verstand erfaßte noch nicht vollständig, daß sie für ein Leben in Demut und Gehorsam wie geschaffen war, daß sie jemanden wie ihn brauchte, der sie behutsam in die höheren Sphären geleitete, dorthin, wo sich alle Grenzen auflösten. Aber … sie mußte das von alleine merken, dazu konnte er sie nicht zwingen. Wollte das auch gar nicht. Brenda sollte sich freiwillig in die absolute Abhängigkeit fügen, ansonsten wäre keiner von ihnen glücklich in der gemeinsamen Beziehung. Was er tun mußte, war, ihr die Richtung vorzugeben, ihr all die Möglichkeiten aufzuzeigen, die sie sonst nie haben würde. Er glaubte zu wissen, daß sie ihn dafür vorbehaltlos bewunderte, ja, ganz bestimmt. Schließlich gehörten immer zwei dazu; Brenda alleine wäre mit ihrer devoten Neigung aufgeschmissen ohne jemanden wie ihn, der ihr sagte, was sie tun sollte. Und auch er brauchte jemanden wie Brenda, den er bedingungslos führen und leiten konnte.

Jonathan erinnerte sich gerne an den Zeitpunkt ihrer ersten Begegnung. Ein Kunde von ihm, der sein neues Haus über Brendas Bank finanzierte, hatte sie miteinander bekannt gemacht, und er war dem Schicksal noch heute dankbar dafür. Schon bei diesem ersten Zusammentreffen war er von ihr fasziniert gewesen – und sie anscheinend auch von ihm. Beide ließen sie während der finanziellen Verhandlungen kaum die Augen voneinander. Brendas Nervosität, die sie nur mühsam unterdrücken konnte, hatte eine lustvolle Zärtlichkeit in ihm entfacht, den Drang, diese Frau auf der Stelle mit nach Hause zu nehmen und in eine Vitrine zu stellen, um sie jederzeit herausholen und mit ihr zu spielen zu können. Beim Abschied hatte er sie dann ein wenig an die Seite genommen und mit nur zwei Sätzen die Bedingungen ihrer zukünftigen Beziehung – die für ihn schon beschlossene Sache war – festgelegt.

»Geben Sie mir Ihre Adresse, Miß Thornton. Ich werde sie am Samstag um 20 Uhr abholen.«

Nichts weiter. Kein »Bitte«, kein »Würden Sie vielleicht mit mir essen gehen?« oder »Hätten Sie am Samstag Zeit für mich?« Nur diese zwei deutlichen, keinen Widerspruch duldenden Anordnungen. Er hatte alles auf eine Karte gesetzt. Und wie er sich eingestehen mußte, hatte sie ihn mit ihrer Reaktion überrascht. Wortlos, ohne zu zögern oder sich verlegen zu zieren, hatte sie ihm ihre Visitenkarte in die Hand gedrückt und war in ihr Büro zurückgerauscht. 40 Minuten hatte diese erste Begegnung gedauert. Vierzig Minuten, in denen in Jonathan der Plan gereift war, diese Frau zu der seinen zu machen. Auf seine Weise.

Es war … ja, es war die vielgerühmte Liebe auf den ersten Blick gewesen. Von beiden Seiten aus. Brenda war intelligent und humorvoll, sie hatten sich von Anfang an gut verstanden und über die gleichen Sachen gelacht, hatten an diesem ersten Abend so viele Gemeinsamkeiten festgestellt. Sie entsprach genau seinen Vorstellungen von einer Frau … seiner Frau.

Neben ihren grünen Augen, die – je nach Gemütslage – in allen Schattierungen leuchteten, besaß sie eine schier ungebärdige Haarpracht. Ihr kinnlanges, rotbraunes Haar ließ sich von keinem Kamm bezwingen, die Naturlocken schienen in alle Richtungen zu wachsen und umrahmten ein Gesicht, wie es schöner und anziehender nicht hätte sein können. Die leicht nach oben ragende Stupsnase verlieh ihrem Gesicht eine immerwährende Heiterkeit, und Jonathan küßte zu gerne die beiden Grübchen neben ihrem entzückenden Mund, die diesen Eindruck abrundeten.

Er konnte sich nicht satt sehen an Brenda, wenn sie über etwas sprach, was sie beschäftigte oder von dem sie hingerissen war, und sich dabei sämtliche Gefühlsregungen in diesem Gesicht widerspiegelten. Sie war in der Lage, mit ihrem ganzen Körper zu sprechen, alles an ihr war dann in Bewegung, und manchmal hörte er gar nicht zu, sondern saugte sich nur an ihren Gesten und ihrer Ausstrahlung fest.

So auch bei diesem ersten, gemeinsamen Essen. Jonathan hatte beschlossen, von Anfang an offen zu ihr zu sein, er wollte nicht mehr warten. Schon diese drei Tage bis zu der besagten Verabredung waren die Hölle für ihn gewesen. Am liebsten hätte er die Bank gestürmt und Brenda entführt. Er wußte einfach, daß sie die Richtige war. Und er hatte recht behalten. Seitdem waren sie unzertrennlich geworden.

Brenda war nicht sehr groß, mit ihren 1,70 Meter reichte sie ihm gerade mal bis zum Kinn, und ihre Figur war sanft gerundet. Sie war schlank, aber nicht zu dünn, ihre Hüften waren ausladend und angenehm gepolstert, und Jonathan sorgte dafür, daß sie diesen Ansatz zu einer Rubensfigur auch behielt. Wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – nicht essen wollte, dann fütterte er sie, und immer hatte er als Belohnung für gutes Benehmen Pralinen bereitstehen. Er hatte noch nie etwas mit diesen Hungerhaken anfangen können, deren Knochen man sehen konnte und die bei dem Gedanken an ein reichhaltiges Menü die Nase rümpften. Er wollte eine Frau auch spüren, wenn er sie in den Armen hielt, und vor allem wollte er ihr Fleisch zittern sehen, wenn er sich mit ihr beschäftigte.

Er vergötterte Brendas ganz eigenen Geruch, der ihn an die wilden Erdbeersträucher in den Highlands erinnerte, an sorglose und aufreizende Spiele mit den Mädchen aus seiner Kindheit, und der sich seltsamerweise noch verstärkte, wenn Brenda – vor Hingabe schluchzend – unter ihm lag und um Schläge bettelte. Er liebte die Geräusche, die sie machte, wenn er sie bis zur Erschöpfung befriedigt hatte, und er war von einer bizarren Zärtlichkeit erfüllt, wenn sie ihn mit ihren großen, grünen Augen dankbar ansah, nachdem er ihr gerade die Peitsche übergezogen und sie ausdauernd gezüchtigt hatte. In diesen Momenten waren sie alleine auf der Welt, nichts existierte mehr außer ihrer gegenseitigen Leidenschaft.

Leider hatten sie in ihrer knapp bemessenen Freizeit nur wenig Muße zu solch ausgefallenen Spielchen. Beide hatten schließlich einen verantwortungsvollen Job, er als Inhaber einer Immobilienagentur und sie als Bankkauffrau, und es war einfach unmöglich für sie, ihre Neigungen 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche auszuleben. Außerdem waren da auch noch ihre Freunde und Bekannten, mit denen sie sich oft am Abend oder am Wochenende trafen. Es blieb Jonathan also nur wenig Zeit, sich so gründlich mit Brenda zu beschäftigen, wie sie es eigentlich verdiente und auch benötigte.

Trotz oder gerade wegen des Zeitproblems hatte Jonathan von Anfang an versucht, seine unsichtbaren Fäden zu spinnen. Ganz behutsam und in kleinen Schritten erhöhte er Brendas Abhängigkeit von ihm, was ihr aber sehr gut zu gefallen schien. So kam es vor, daß er sie beispielsweise in der Bank anrief und anwies, sofort auf die Toilette zu gehen und ihren Slip auszuziehen, oder er teilte ihr in wenigen Worten mit, was sie am Abend zu Hause zu erwarten hatte, so daß sie mit hochroten Ohren im Büro saß, sich stundenlang ausmalen durfte, was genau er wohl mit ihr machen würde, und fieberhaft den Feierabend herbeisehnte.

Sie einigten sich gemeinsam auf eine Kleiderordnung, und Brenda fand es ganz in Ordnung, keine BHs mehr zu tragen. Sie machte sogar ihrerseits den Vorschlag, auf Slips zu verzichten; das fand Jonathan allerdings übertrieben.

»Weißt du, Kleines, ab und zu ohne Unterhöschen ist ja ganz nett, aber erstens möchte ich nicht, daß du dich verkühlst, und zweitens finde ich es viel spannender, wenn ich dir ganz langsam diese störende Hülle ’runterziehe oder dich bitte, dies selber zu tun. Du bist schließlich nicht meine Sklavin« – noch nicht, hatte er in Gedanken hinzugefügt – »und ich bin keiner von diesen selbsternannten Meistern, der sich bei dem Gedanken an deinen – wenn auch sehr hübschen – nackten Hintern aufgeilen muß.«

So wurden also lediglich alle Hosen verbannt sowie sämtliche Strumpfhosen, und Jonathan war nun bei jedem Kleiderkauf dabei und suchte die Sachen nach seinem Geschmack aus. Indessen steigerte sich seine Kontrolle über Brenda von Woche zu Woche. Manchmal gelang es ihm sogar, sie mit dem Handy am Ohr – das abzustellen er ihr verboten hatte – aus einer Besprechung mit wichtigen Kunden herauszulotsen, und sie mußte sich dann auf der Herrentoilette in wenigen Minuten selbst befriedigen, während er ihr genaue Anweisungen gab. Als Krönung durfte sie sich danach nicht die Hände waschen und hatte bis zum Feierabend ihren eigenen Geruch in der Nase. Oder er tauchte überraschend in ihrem Büro auf, zwang sie – ohne viel Worte zu machen – hinter dem Schreibtisch auf die Knie und ließ sich von ihr befriedigen.

Ganz besonders peinlich war es ihr, wenn er sich kurzfristig mitten in der Schalterhalle der Bank mit ihr traf und sich nur mal unterhalten wollte.

Denn diese Unterhaltungen waren leise, lüsterne Verhöre, die Jonathan lächelnd mit ihr führte, während seine strenge Stimme etwas ganz anderes verhieß. Kunden und Kollegen schwirrten um sie beide herum, und Brenda war gezwungen, in einer trommelähnlichen Geschwindigkeit auf seine Fragen zu antworten. Meistens mußte sie ihm die letzte Züchtigung beschreiben, die er an ihr vollzogen hatte, und er bohrte so lange, bis sie jede Kleinigkeit zu seiner Zufriedenheit erwähnt hatte. Nicht nur, daß es ihr unangenehm war, durch solche Verhöre erregt zu werden und sich anschließend kaum noch auf ihre Arbeit konzentrieren zu können, nein, sie mußte auch noch lächelnd nach rechts und links grüßen und so tun, als würde ihr Mann mit ihr lediglich den Wetterbericht besprechen.

Ein einziges Mal hatte sie es gewagt und ihn während eines solch scharfen Verhörs einfach stehenlassen. Und die Stunden, bis sie am Abend zu Hause war, waren das Schlimmste, was sie je erlebt hatte. Die ganze Zeit hatte sie in ihrem Büro gesessen, auf die Uhr gestarrt und sich für ihren Ungehorsam verflucht, denn daß Jonathan ihr das nicht ungestraft durchgehen lassen würde, war klar. Und sie hatte dafür gebüßt. Danach hatte sie sich immer seltener geweigert, seine manchmal fast unlösbaren Anordnungen zu befolgen, und Jonathan hatte sie auch jedes Mal für ihre Bereitschaft belohnt.

Das Unerträglichste allerdings war für sie, wenn er sie morgens bat, einen ihrer weiten Pullover zu tragen. Dann konnte sie sicher sein, daß irgendwann das Telefon klingelte und er ihr befahl, die gezahnten Nippelklammern anzulegen, die sie immer in der Handtasche bereithalten mußte. Diese hatte sie dann so lange zu tragen, bis Jonathan sie mit dem nächsten Anruf davon erlöste. Es war ja nicht so, daß es ihr schwerfiel zu gehorchen, oh nein. Sie genoß es sogar. Aber diese gemeinen Klammern über Stunden tragen zu müssen, war manchmal unerträglich. Wenn sie zum Beispiel Kunden hatte, die sie ausführlich beraten mußte, war es einfacher, denn dann war ihr die Möglichkeit verbaut, die Klammern zu entfernen. Schließlich konnte sie nicht mitten in der Besprechung den Pullover lüften. Wenn sie dagegen alleine in ihrem Büro saß und die Klammern jederzeit hätte abmachen können – das war es, was sie sehr viel Kraft und Durchhaltevermögen kostete. Doch sie hielt es aus. Denn nie hätte sie Jonathan anlügen können, wenn er sie am Abend fragte, ob sie seine Anordnungen auch befolgt hatte. Zwar schimpfte sie dann manchmal wie ein Rohrspatz, doch nachdem Jonathan klargestellt hatte, daß sie dafür dann auch noch zu büßen hatte, wurde dieser Widerspruch immer weniger. Sie hatte seine Bedingungen weitestgehend akzeptiert.

Bei dem Gedanken an all diese erregenden Lektionen und erzieherischen Maßnahmen, die sie aufgrund ihres vollgepackten Terminkalenders so einschränken mußten, überzog ein triumphierendes Lächeln Jonathans markantes Gesicht. Das wenigstens hätte sich bald erledigt. In ein paar Tagen würde Brenda gemerkt haben, daß es nicht mehr nur ein Spiel bleiben würde, daß sie von nun an zur gefügigen Ehefrau eines Lord McArcher umfunktioniert werden sollte – und Jonathan war sich, wie gesagt, sicher, daß sie nach anfänglichen Schwierigkeiten nichts dagegen haben würde. Daß er dabei auf die tatkräftige Unterstützung seiner Familie zählen konnte – wobei »tatkräftig« hier durchaus wörtlich zu nehmen war – würde sicherlich die größte Provokation für seine Frau sein. Bisher war er der alleinige Herrscher über sie und ihren Körper gewesen; das würde sich schon in wenigen Stunden ändern. Sicherlich würde es ihr mehr als schwerfallen, von fremden Menschen Befehle anzunehmen, geschweige denn, sich vor anderen zu präsentieren. Doch das mußte sie lernen. Und dort, wo sie hinfuhren, hatten sie alle Zeit der Welt dafür. Nichts würde sie mehr ablenken, keine Arbeit; kein Terminstreß würde Brendas Erziehung mehr stören oder behindern. Und hatte sie nicht früher schon einmal den Gedanken geäußert, daß es sie reizen würde, ihren Körper und seine Bedürfnisse in die Hände anderer zu geben? Nun, ihr Wunsch sollte endlich in Erfüllung gehen.

Jonathans Gedanken wurden dadurch unterbrochen, daß das Flugzeug zur Landung ansetzte. Da sie nur Handgepäck und einen kleinen Koffer dabeihatten, waren die Zollformalitäten in kurzer Zeit erledigt, und sie konnten ziemlich schnell den Flughafen in Glasgow verlassen. Jonathan lenkte seine Frau zielsicher zu einer wartenden Limousine, deren Chauffeur ihn erfreut begrüßte, Brenda aber keines Blickes würdigte. Wie bestellt und nicht abgeholt stand sie neben dem Auto, während die beiden Männer sich unterhielten, zudem noch in einem für sie unverständlichen Dialekt. Weil sie immer noch den Knebel trug, konnte sie nichts gegen diese offensichtliche Brüskierung sagen, aber es verwunderte sie schon sehr, daß Jonathan es nicht einmal für nötig hielt, sie vorzustellen. Nach endlosen Minuten stieg Jonathan dann endlich ein, und sie folgte ihm, setzte sich allerdings so weit weg von ihm wie möglich. Den Knebel abzumachen traute sie sich aber dennoch nicht. Der Chauffeur verstaute das Gepäck im Kofferraum, und die Fahrt ins Ungewisse begann.

Brenda schaute, immer noch leicht beleidigt, aus dem Fenster. Das Auto verließ Glasgow innerhalb weniger Minuten, und sie sah, daß sie auf die A9 abbogen und nach Norden Richtung Grampian Mountains fuhren. Sie kannte die Strecke, war früher oft mit ihren Eltern in den Ferien hier gewesen. Zwar war sie in Cornwall geboren, aber kurz nach ihrer Geburt war ihr Vater, ein Major der Royal Army, nach Stirling versetzt worden. Und von da an waren sie ständig umgezogen, die ersten Jahre innerhalb des britischen Empires und dann zu Luftwaffenstützpunkten in Frankreich und Deutschland. Bevor ihre Eltern bei einem Eisenbahnunglück ums Leben kamen, hatten sie in der Nähe von Hamburg gewohnt, und dort hatte Brenda nach ihrer Banklehre und dem anschließenden BWL-Studium sofort den Traumjob in einer der renommiertesten Banken gefunden und sich niedergelassen.

Mit Schottland verbanden sie nur glückliche Erinnerungen. Wie ihre Eltern liebte sie dieses teilweise wilde, rauhe Land, und ihr Mädchentraum, mal einen Highlander zu heiraten, war ja auch – wenigstens zur Hälfte – in Erfüllung gegangen. Immerhin war Jonathan Schotte, sie wußte, daß er hier irgendwo aufgewachsen war, aber nicht genau, wo – und vor allem nicht, wie. Jonathan war nicht sehr mitteilsam, was seine Vergangenheit anging, und sie hatte sich mehr oder weniger damit abgefunden, daß er darüber nicht sprechen wollte. Es schien da etwas zu geben, was ihn sehr beschäftigte.

»Du darfst jetzt den Knebel ’rausnehmen, wenn du möchtest«, sagte Jonathan in diesem Moment und öffnete eine Box, die in der quer zur Rückbank verlaufenden Sitzfläche eingelassen war. Er entkorkte eine Flasche Champagner, goß ein Glas voll und trank einen Schluck, dann hielt er es Brenda – die befreit nach Luft schnappte – aufmunternd hin.

»Du hast doch bestimmt Durst, oder?«

Sie griff unwirsch nach dem Glas und leerte es in einem Zug. Oh Mann, das war nötig gewesen!

»Jetzt gib es schon zu, Kleines, der Flug hat dir genauso gut gefallen wie mir. Wetten, daß du so feucht bist wie schon lange nicht mehr?« Er grinste sie an und klopfte auf den Platz neben sich. »Na los, komm her, damit ich dir den Slip ausziehen und nachsehen kann!«

»Hier? Und der Fahrer …?«

»Die Scheibe ist blickdicht, also komm schon!«

Schon wesentlich nachgiebiger gehorchte Brenda und hob ihr Kleid hoch, damit er ihr helfen konnte. Mit einem schmatzenden Geräusch flutschte der Dildo aus seinem Versteck, und Brenda stöhnte erleichtert auf und ließ sich gegen die Rücklehne sinken.

»Verrätst du mir jetzt endlich mal, wo wir hinfahren?« fragte sie und nahm es stoisch hin, daß er ihr das Kleid auch noch auszog.

»Nein – jetzt will ich dich einfach nur küssen!« antwortete er, und schon hatte er sie auf seinen Schoß gesetzt und wandelte seine Drohung in die Tat um.

»Ich … mppfh … Laß das! Was denkst du dir eigentlich? Der Fahrer … «, protestierte Brenda wieder.

»… kann uns nicht sehen und ist mir auch sonst herzlich egal … Du warst so tapfer und brav im Flugzeug – einfach zum Anbeißen! Und jetzt halt endlich die Klappe.«

Das tat Brenda. Obwohl er sie den ganzen Vormittag nur erniedrigt hatte, war sie ihm nicht sonderlich böse. Okay, über diese fremde Schlampe im Flugzeug würden sie noch reden, aber ansonsten hatte sie sein Benehmen ihr gegenüber sehr genossen. Nur er verstand es, sie dermaßen über einen längeren Zeitraum in Erregung zu halten, ohne daß sie den Wunsch hatte aufzubegehren. Im Grunde hatte er sie ja so behandelt, wie sie es mochte …

»Hm … Du schmeckst gut mit dem Champagner auf deinen Lippen … Aber weißt du, was noch besser schmeckt? Wenn der Champagner von den Lippen da unten abperlt …« Wieder preßte er seinen Mund auf ihren, und sie spürte einen seiner Finger, der sich selbständig gemacht hatte und langsam an ihrem Körper herunterwanderte. »Aah … Habe ich doch recht gehabt, nicht wahr? Du bist feucht – und wie! War also doch nicht so schlimm, der Flug, oder?«

Er schenkte ihr wieder sein verschmitztes Lächeln, mit dem er aussah wie ein Lausbub unterm Weihnachtsbaum und Brenda war endgültig besänftigt. Trotzdem versuchte sie es noch einmal.

»Also … Da ich doch so brav war … Sag mir, wo wir hinfahren … und wieso holt uns ein Chauffeur mit Limousine ab? Jetzt sag schon!«

»Du bist entschieden zu neugierig … Ich muß mir mal überlegen, wie ich dir das abgewöhne …« Er drückte ihren Körper in eine liegende Position und bettete ihren Kopf in seinen Schoß; dann tastete er mit der Hand hinter sich über die Ablage, nahm die Decke, die dort lag, und breitete sie über Brenda aus.

»Was hältst du davon, wenn du es dir einfach bequem machst und ein kleines Nickerchen hältst? Wir werden einige Zeit unterwegs sein; ich wecke dich rechtzeitig, und dann erfährst du auch, wohin ich dich entführt habe, okay?«

Brenda fügte sich und machte es sich auf dem langen Rücksitz bequem. Was soll’s, dachte sie, es ist angenehm warm im Wagen, und ich liege zufrieden und geborgen in Jonathans Schoß.

Sie würden später reden, ganz bestimmt; jetzt genoß sie erst mal die ungewohnte Freiheit von sämtlichen Eindringlingen und die entspannte Atmosphäre. Und während seine Hände sie liebevoll streichelten, dämmerte sie wie eine schnurrende Katze in einen erholsamen Schlaf hinein.

Hätte Brenda allerdings – nachdem sie eingeschlafen war – mitbekommen, wie sich lautlos die Scheibe nach unten bewegte und die beiden Männer sich flüsternd und seltsam vertraut unterhielten, hätte dieser Tag vielleicht einen anderen Verlauf genommen. Vielleicht aber auch nicht. Das werden wir wohl nie erfahren …

Auch wenn es sicherlich in jedem Reiseführer steht, der jemals über Schottland erschienen ist, sei es hier noch mal mit Nachdruck erwähnt: Das Wetter in Schottland ist unberechenbar. Nicht umsonst sagen die Schotten, daß man an einem Tag alle vier Jahreszeiten erleben kann. Nun, der liebe Gott meinte es an diesem Tag Ende Juli wohl besonders gut. Während die Limousine also Glasgow hinter sich ließ, an Stirling und den Trossachs vorbeiraste und hinter Scone Richtung Nordwesten fuhr, rissen die letzten Wolken auf und machten der strahlenden Sonne Platz. Einer Sonne, die so mollig und einladend schien, als wüßte sie, daß ihre strahlende Wärme heute unbedingt noch benötigt werden würde …

Es ist sicherlich nicht vermessen zu behaupten, daß die Highlands all das enthalten, was Schottland so einzigartig macht. Sie bieten sich dem Betrachter dar wie ein bunter Teppich, der sich zusammensetzt aus saftigen, grünen Flächen, mit Heidekraut bewachsenen Hügeln und tiefblauen Lochs. Sicherlich gibt es in anderen Ländern breitere Täler, tiefere Seen und höhere Berge, aber nirgendwo sonst gibt es diesen Himmel, der durch seine manchmal in Sekunden wechselnden Wetterphänomene eine gerade noch trocken knisternde Fläche in ein taufrisches, schimmerndes Areal verwandelt. Und zwischen all diesen leuchtenden Grüntönen ruhen – wie ein zufälliges Muster – unzählige kleine Dörfer, Weiler und einsam erscheinende Cottages, erbaut aus dem seit Jahrtausenden hier lagernden Gestein. Nicht zu vergessen die vielen Burgen und Schlösser, die eine einzigartige Faszination ausüben auf diejenigen, die sich für die Geschichte dieses Landes interessieren, und die sich einem manchmal liebenswürdig oder majestätisch, oft aber auch beängstigend und mystisch darbieten.

Je weiter die Limousine gen Norden fuhr, desto dünner war die Landschaft besiedelt. Vorbei an der Stadt Inver und der Tayside verließ sie die A9 bei Struan, und nun ging es weiter auf einsamen Landstraßen, die sich schmal und kurvenreich zwischen den unzähligen Seen auf der einen und moosüberwachsenen Felsformationen auf der anderen Seite dahinschlängelten.

Und genauso lautlos, wie die Landschaft vorbeizog, glitt auch die Scheibe in der Limousine wieder hoch – das Ziel war erreicht. Der letzte und jüngste Herr von Glenridge brachte seinen wertvollsten Besitz heim in sein Schloß – um ihm dort den Rahmen zu geben, den er verdiente, und ihn bis an sein Lebensende an seine wahre und einzige Bestimmung zu erinnern …

Seine Küsse weckten Brenda; verschlafen saugte sie sich an seiner Zunge fest und merkte erst dann, daß die Limousine angehalten hatte. Alarmiert fuhr sie hoch, versuchte sich zurechtzufinden, aber um sie herum war alles dunkel. Jonathan hatte ihr eine Augenbinde umgelegt, während sie geschlafen hatte …

»Sind wir endlich da? Jetzt sag mir schon, wo wir sind – bitte, Jonathan!«

Doch der prüfte nur sorgfältig den Sitz der Binde; Brenda spürte einen Luftzug, als sich die Autotür öffnete, und fühlte seine Hände, die nach ihr griffen.

»Jonathan, nein! Bitte nicht! Ich kann doch so nicht …!«

Aber er zog sie unerbittlich aus dem Auto, und Brenda fügte sich mit einem ungeduldigen Seufzer. Sich behutsam vorwärtstastend, machte sie einen Schritt nach dem anderen, dann durfte sie stehenbleiben. Jonathan legte von hinten die Arme um sie und drückte sie beruhigend an sich.

»Natürlich kannst du – vertrau mir! Das tust du doch, nicht wahr? Außerdem paßt deine natürliche Schönheit perfekt in diese Landschaft.«

Ihre Hände umfaßten zitternd die seinen, die auf ihren nackten Brüsten lagen, und sie nickte.

»Wir sind jetzt am Ziel, und ich bin mir sicher, daß es dir hier sehr gut gefallen wird.«

Brenda spürte, wie Jonathan ihr etwas um den Hals legte; es fühlte sich an wie eine Kette. Kalt berührte das Metall ihre Haut; etwas Breites, Schweres hing daran, etwas, was jetzt vor ihrer Brust herumbaumelte.

»Das, was du gleich sehen wirst, Kleines, ist meine Heimat. Hier bin ich geboren und aufgewachsen, hier sind meine Wurzeln. Und auch du als meine Frau gehörst jetzt hierher, genauso wie die Kinder, die du mir schenken wirst.«

Im nächsten Atemzug waren ihre Handgelenke mit Handschellen hinter ihrem Rücken gefesselt. Brenda zuckte kurz zusammen; sie fühlte seine Lippen an ihrem rechten Ohr, seinen Atem, als er leise und beschwörend flüsterte: »Du brauchst einfach nur geradeaus zu laufen, mo cridhe, gebrauch deinen Verstand und deine Phantasie, ich weiß, daß du es schaffen wirst!«

Sie spürte kaum mehr, daß die Augenbinde weggezogen wurde; das Sonnenlicht blendete sie, eine Autotür schlug zu, und die Limousine brauste davon.

Egal

wie weit

oder wie unüberwindbar

der Weg scheint,

man muß mit dem ersten Schritt

anfangen.

 

2

Er ließ sie hier stehen!

Einfach so!

Das gab’s doch gar nicht!!

Nachdem Brendas Augen sich an die unerwartete Lichtflut gewöhnt hatten, setzte für einen Moment ihr Herzschlag aus. Das durfte doch wohl nicht wahr sein! Sie stand auf einer kiesbestreuten Auffahrt, hinter sich das Eisentor, das gerade mit dezentem Klicken zufiel. Er hatte sie einfach ausgesetzt. Dazu noch nackt und gefesselt!

Wo war sie hier bloß? Was war das für ein Anwesen? Wohin führte diese Auffahrt? Ach was, Auffahrt – das war eine gigantische Allee, an beiden Seiten von riesenhaften Bäumen eingegrenzt, irgendwo weiter vorne – sehr weit vorne – konnte Brenda das Mauerwerk eines Hauses durch die dichten Blätter schimmern sehen und die Rücklichter der Limousine, die jetzt abbog und aus ihrem Blickfeld verschwand. Hinter den beiden Baumreihen erstreckten sich gepflegte Rasenflächen, dahinter dann Felder, so weit das Auge reichte. Landmaschinen fuhren über diese Felder, zu weit weg, als daß man das Geräusch der Motoren hätte hören können, aber da erwachte Brenda endlich aus ihrer Starre und rannte aus einem Instinkt heraus zu dem nächsten Baum, versteckte sich.

Wütend ließ sie sich ins Gras sinken und stampfte mit dem Fuß auf. Verdammt, was sollte das? Wollte Jonathan sie vor aller Welt blamieren? Wie konnte er sie nur so erniedrigen? Eine leise Hoffnung keimte in ihr auf, daß er gleich zurückkommen würde und sie wieder ins Auto einsteigen dürfte. Das war doch wohl alles nur ein Scherz, oder?

Das Schild. Er hatte ihr ein Schild umgehängt, so ein weißes aus Blech, sie versuchte zu entziffern, was darauf stand, aber das war weder Deutsch noch Englisch. Na bravo.

Und wie hatte er sie eben genannt? Was bedeutete das alles hier? Brenda atmete langsam ein und aus und versuchte, sich zu beruhigen. Denk logisch, Mädchen, das kannst du doch. Gut, er hatte sie hier ausgesetzt, quasi mitten in der Wildnis, und dafür konnte es nur den einen Grund geben. Eine neue Variante ihres Spieles. Jonathan liebte es, sie zu erniedrigen, und sie liebte es, von ihm erniedrigt zu werden. Punkt. Also eine weitere Machtdemonstration seinerseits. So weit, so gut.

Klasse, das hast du schon mal gut erkannt, Mädchen, dachte Brenda mit Galgenhumor. Hilft dir aber auch nicht viel weiter. Ihr Mann war augenscheinlich in diesem Haus; folglich war es wohl ihre Aufgabe, auch dort hineinzugelangen. Es sei denn, sie zog es vor, hier unter den Bäumen zu nächtigen. Würde ganz schön kalt werden. Noch schien die Sonne, und auch der Boden verriet ihr, daß es seit Tagen nicht mehr geregnet haben konnte. Also erst einmal versuchen, näher ans Haus zu kommen. Und das bitte möglichst ohne von jemandem gesehen zu werden …

Was sollte bloß dieses Gerede von Heimat und Wurzeln? Jonathan hatte ihr noch nie von einer existierenden Familie erzählt. Lebte diese angebliche Familie etwa hier? Aber wäre diese nicht auch zu ihrer Hochzeit erschienen? Oder hätte zumindest das Verlangen gehabt, sie – als seine frisch angetraute Ehefrau – kennenzulernen? Und außerdem – er würde sie doch wohl nicht so dieser angeblichen Familie vorstellen? Quatsch – wie konnte sie nur so etwas denken? Nicht mal er würde sie so bloßstellen. Wahrscheinlich wollte er ihr nur mal wieder vor Augen führen, wie sehr sie doch insgeheim seine Spielchen genoß, und ihr den Spiegel der Erkenntnis vorhalten.

Brenda stand unbeholfen auf, atmete tief durch und sprintete dann hastig von Baum zu Baum. Sie war völlig außer Atem, als sie endlich am Ende der Allee angekommen war. Das Haus entpuppte sich, je näher sie ihm kam, als regelrechtes Schloß mit gewaltigen Ausmaßen. Die grauweißen Mauern glitzerten im Sonnenlicht, wie zwei Wächter thronten die beiden Ecktürme über all dem. Die Auffahrt teilte sich und führte rund um einen gewaltigen Springbrunnen; dahinter erstreckte sich die nach beiden Seiten unendlich lange Vorderfront des Bauwerks mit einer mehrstufigen Treppe in der Mitte, die zu einem Portal hochführte.

Brenda blickte sich suchend um. Kein Mensch zu sehen, und auch hinter den vielen Fenstern zeigte sich niemand, jedenfalls soweit sie es erkennen konnte. Und in diesem Moment meldete sich mal wieder der kleine, masochistische Teufel in ihr.

Los, komm, da mußt du jetzt durch, auch wenn du dir hier wie auf dem Präsentierteller vorkommst. Hast du von so etwas nicht immer schon geträumt?

Sie faßte allen Mut zusammen und lief flink um den Brunnen herum. Ausläufer der gewaltigen Wassermassen, die aus den Mündern der vier – Rücken an Rücken stehenden – Figuren strömten, benetzten ihren nackten Körper, und sie fröstelte. Schnell sprintete sie die Treppe hinauf und stand nun vor dem Eingang. Und jetzt? Wie sollte sie bloß den Türklopfer betätigen? Der mächtige Löwenkopf grinste sie breit und hämisch an, als wolle er sie in ihrer Nacktheit verhöhnen. Nicht mit mir, mein Freund! Brenda hob ziemlich unelegant ein Bein, schob ihren Fuß unter den dicken Eisenring, der dem Löwen aus der Nase hing, und ließ ihn gegen die Tür donnern. Dann versteckte sie sich schnell hinter einem der Blumenkübel, die an der Hauswand standen, und wartete. Nichts geschah. Na super! Vielleicht hatte es ja keiner gehört; kein Wunder bei diesem Riesenkasten. Sie versuchte es noch einmal. Nach dem vierten Versuch gab sie auf. Man würde sie hier nicht hereinlassen, so viel stand schon mal fest. Aber irgendwie mußte sie ins Haus gelangen; schließlich war ihr Mann da drin, und wenn sie seiner Denkweise richtig folgte, dann erwartete er von ihr, daß sie diese Aufgabe zu seiner Zufriedenheit lösen sollte.

Oh dieser verdammte Mistkerl! Sie so zu erniedrigen und herabzuwürdigen! Jetzt reichte es aber! Jetzt könnte er wirklich kommen und sie aus ihrer Lage erlösen. Das war schließlich genug Erniedrigung für einen Tag gewesen. Brenda spürte ihre Augen feucht werden und gab dem Blumenkübel vor lauter Wut einen Tritt, was aber nur zur Folge hatte, daß sie einen lauten Schrei ausstieß und ein beißender Schmerz durch sie hindurchfuhr. Der blöde Kübel hatte sich natürlich nicht einen Millimeter gerührt.

Nichts da, Brenda! Du wirst doch wohl jetzt nicht heulen! Reiß dich zusammen und gebrauch deinen Verstand! Zugegeben, ihre Phantasie war durch die letzten Ereignisse beflügelt worden, und sie malte sich detailreich aus, wie Jonathan sie für ihre erlittene Qual und die Bewältigung dieser Herausforderung belohnen würde. Er hatte sie schon seit Tagen nicht mehr gezüchtigt oder mit ihr geschlafen, geschweige denn sie befriedigt; er hatte sie aber durch viele Kleinigkeiten aufgegeilt und ihre Erregung angestachelt, so wie vorhin im Flugzeug. Und prompt stellte es sich wieder ein – das Verlangen, ihm zu gefallen. Ihn zufriedenzustellen, damit er stolz auf sie sein konnte. Verdammt – manchmal haßte sie sich dafür.

Wie spät mochte es wohl sein? Brenda schaute in den Himmel, gab es aber schnell wieder auf, am Stand der Sonne irgend etwas – und sei es auch nur die Uhrzeit – abzulesen. Darin war sie noch nie gut gewesen, selbst in den Sommercamps nicht, in denen sie während ihrer Schulzeit manchmal die Ferien verbracht hatte. Pfadfinderspiele waren ihr schon immer ein Greuel gewesen. Also Jonathan und sie waren um 11 Uhr in Hamburg gestartet, knapp zwei Stunden hatte der Flug gedauert, dann die Fahrt in der Limousine … Keine Ahnung, wie lange sie gefahren waren … Immerhin war es noch hell! Vielleicht war sie, Brenda, ja als Überraschungsgast zur Teatime eingeplant! Nun gut, wenn man sie hier vorne nicht ins Haus ließ, dann würde sie sich wohl oder übel einen anderen Eingang suchen müssen. Kritisch musterte sie die nackten Gestalten auf dem Springbrunnen.

»Was meint ihr, Jungs – rechts oder links? Na los doch, schließlich kennt ihr euch hier besser aus!«

Die vier Adonisse scherten sich nicht im geringsten um dieses niedere menschliche Wesen, das es gewagt hatte, sie – die ja immerhin Götter waren – anzusprechen.

»Vielen lieben Dank auch!« knirschte Brenda und grinste verächtlich. Nicht mal mehr auf die Götter war Verlaß!

Sie entschied sich, es mit der linken Seite zu versuchen, denn auf diesen Feldern waren die Maschinen jetzt verschwunden, und keiner konnte sie beobachten. Also lief sie schnell die Treppe wieder hinunter und drückte sich immer an der Hauswand entlang, bis sie zu dem Turm kam. Vorsichtig bog sie um die Ecke. Hier machte der Kiesweg einen Bogen; dahinter, in einiger Entfernung, mehrere weiß getünchte Ställe, überall Bäume und Blumenbeete, eine Pferdetränke und dazwischen ein Longierplatz. Und kein menschliches Wesen weit und breit. Eigentlich auch sehr seltsam. Wurde auf so einem großen Anwesen nicht ständig irgendwo gearbeitet? Aber heute war Sonntag, vielleicht hatte sie ja wirklich Glück und begegnete niemandem.

Ein neues Problem stellte sich Brenda. Ab hier konnte sie nicht mehr im Schatten des Hauses weiterlaufen, denn der Kiesweg war durch einen tiefen Graben vom Haus getrennt und an beiden Seiten von brusthohen Zäunen eingefaßt. Da kam sie so gehandicapt nie ’rüber. Also mußte sie wohl mitten zwischen den Zäunen durch und auch noch an den Ställen vorbei. Endlich machte sich das Jogging an der Alster mal bezahlt, denn Brenda war ziemlich gut in Form.

Sie rannte gut 50 Meter an dem Zaun entlang und fand sich dann vor der ersten offenen Stalltür wieder. Pferde – sie konnte das Schnauben und Wiehern hören. Und diesen vertrauten Geruch, hervorgerufen durch die Ausdünstungen der warmen Tierkörper. Vorsichtig linste sie um die Ecke. Ihr kam der Gedanke, sich hier im Stall zu verstecken und abzuwarten, was passieren würde. Sollte ihr geliebter Ehemann doch auf sie warten, bis er schwarz würde. Brenda grinste schief; an und für sich verlockend, ihn so lange warten zu lassen, bis er sich Sorgen machte und sie suchen kam. Das würde seine ganzen Spielregeln auf den Kopf stellen. Aber es hätte bestimmt auch Konsequenzen für sie, und das Knurren in ihrem Magen hielt Brenda dann doch endgültig davon ab. Sie hatte seit dem Frühstück nichts mehr gegessen – dabei hatte das Menü im Flieger so wunderbar geduftet! –, und sofort fiel ihr jetzt wieder dieses Flittchen ein, das sich einfach so von einem Fremden besteigen ließ. Es hatte sie ganz schön Zurückhaltung gekostet, den beiden nicht auf die Toilette zu folgen und Jonathan eine Szene zu machen. Noch nie hatte er sie so gedemütigt und vor ihren Augen eine andere Frau benutzt.

Sie schauderte; weg mit diesen Hirngespinsten, da konnte sie sich später drum kümmern! Es wurde langsam kühler, und sie hatte nicht vor, sich hier eine Grippe zu holen. Geduckt lief sie weiter zum nächsten Stall. Herrgott noch mal, irgendwann mußte dieser Zaun doch mal zu Ende sein, damit sie hinter das Haus gelangen konnte! Kaum hatte sie diesen Gedanken zu Ende gedacht, als plötzlich wie aus dem Nichts ein Mann vor ihr stand. Sie starrte ihn entsetzt an, er hingegen musterte sie ausdruckslos von oben nach unten, sein Blick verweilte kurz auf dem Schild, dann grinste er und rief etwas in einer fremden Sprache. Bevor sie überhaupt einen klaren Gedanken fassen konnte, war sie von fünf weiteren Männern umgeben, Arbeitern wohl, ihre Kleidung ließ darauf schließen. Einer von ihnen hatte noch die Mistgabel in der Hand und ein anderer ein Gewehr, zwei von ihnen waren mit Reithosen bekleidet und schwenkten Reitgerten in den Händen. Das war jetzt alles nicht wahr, oder!? Das war auch nicht sie, die hier nackt wie Eva stand und sich von irgendwelchen Kerlen beglotzen ließ! Das war ein Film, ein schlechter Film, der an ihr vorüberlief … Brenda fühlte ihre Augen feucht werden. Warum tat Jonathan ihr das an? Nichtsdestotrotz spürte sie, wie sich ihre Brustwarzen verhärteten und gegen das Schild drückten; sie war machtlos dagegen, ein heißer Strom fuhr durch ihren Körper, zentrierte sich in ihrem Unterleib, und sie fühlte die Energie, die sich dort sammelte. Sie war splitternackt, dazu noch gefesselt, die Männer waren angezogen, eine denkbar schlechte Ausgangssituation für sie.

Aber sehr überrascht schienen die Männer über ihren Anblick nicht zu sein. Sie grapschten nach ihr und schleppten sie in den Stall hinein, den Gewehrlauf immer auf sie gerichtet. Brenda schrie und rief immer wieder, daß sie zu ihrem Mann wollte, aber die Männer hielten die Finger an die Lippen und bedeuteten ihr, still zu sein. Sie sahen nicht brutal aus – im Gegenteil, die meisten blickten freundlich, aber teilnahmslos drein –, und Brenda gehorchte konsterniert. Vielleicht verstanden sie sie wirklich nicht. Mit sanfter Gewalt zwangen sie sie auf die Knie, standen palavernd um sie herum, als plötzlich einer seine Hose öffnete und sein Glied herausholte. Der mit dem Gewehr deutete darauf, Brenda sah ihn fragend an, er zeigte es ihr noch einmal, und da sie nicht sofort reagierte, landete die Gerte auf ihrem Hintern. Und sie verstand. Benommen kroch sie vorwärts, ihre Augen flimmerten, der mit der offenen Hose ging einen Schritt zurück, die anderen lachten, wieder kroch sie vorwärts, er wich zurück, sie neckten sie, diese geilen Böcke. Wie von einem Magneten angezogen schlich sie hinter ihrem Ziel her, was blieb ihr auch anderes übrig, die Gerte zwang sie spielerisch vorwärts, der Mann rieb seinen Schwanz und machte ihn bereit für ihren Mund. Die anderen schienen das unheimlich lustig zu finden. Durch den halben Stall wurde sie genötigt, den Mann zu verfolgen, vor Abscheu und Schmach stiegen ihr die Tränen in die Augen, dann blieb er endlich stehen. Sie näherte sich behutsam seinem dicken Glied – das schon eine beachtliche Größe angenommen hatte –, die Reitgerte zwackte sie immer noch, einmal, zweimal, da öffnete sie den Mund, schloß die Augen und nahm ihn auf. Sie mußte würgen, der fremde Geruch ekelte sie etwas an, die Männer warfen sich Bemerkungen zu, die sie nicht verstand, lachten wieder dreckig, in regelmäßigen Abständen trafen die Gertenhiebe ihren nackten Hintern.

Brenda hatte sich früher immer geweigert, ihre diversen Partner oral zu befriedigen, Gott alleine wußte, was Männer daran fanden, aber Jonathan hatte von Anfang an darauf bestanden; ihm zuliebe hatte sie sich überwunden und mittlerweile sogar Gefallen daran gefunden. Es hatte schon was für sich, vor einem Mann zu knien und von ihm gezwungen zu werden, ihn zu befriedigen. Eine besondere Variante der Erniedrigung:

Siehe, Weib, dort ist dein Platz. Ganz tief unter mir im Staube sollst du kriechen, und allein die Härte meines Gliedes zwingt dich, dort zu bleiben!

Auf der anderen Seite setzten viele Frauen ihre oralen Fähigkeiten ein, um den Mann zu beherrschen. Alles in allem prallten hier zwei verschiedene Bedürfnisse auf eine einzige Lösung. Auch für Brenda kam jetzt noch der Anreiz des Zwanges dazu, es gab keine Ausweichmöglichkeit, wie sollte sie sich gegen sechs Männer wehren? Wollte sie das überhaupt noch? Dem kleinen, devoten Teufel in ihr gefiel diese Situation. Stell dich nicht so an, das wolltest du doch immer schon mal erleben!

So, wie sie war, nackt und mit Handschellen, war sie jedem ausgeliefert, der sie benutzen wollte. Diese Männer konnten mit ihr machen, was sie wollten. Der Schwanz in ihrem Mund wuchs und wuchs, er pulsierte heftig. Sie würde auf keinen Fall den fremden Samen schlucken, nein, das konnten sie nicht von ihr verlangen. Aber kaum hatte Brenda das gedacht, als der Mann mit beiden Händen ihren Kopf faßte und schneller zustieß, er pumpte ihn gegen seinen Unterleib, und dann kam er, erstarrte kurz – und schon fühlte sie die Flüssigkeit ihre Kehle hinablaufen, sie mußte schlucken, ob sie wollte oder nicht, es sei denn, sie wollte ersticken. Tränen traten ihr in die Augen; das machte sie nur noch zorniger auf ihren Ehemann, aber komischerweise nicht auf diese Männer. Waren sie nicht auch Statisten? Gehörten sie nicht auch zu dieser Inszenierung dazu, die Jonathan für sich, aber vor allem für Brenda geschaffen hatte? Dickflüssig tropfte die salzige Soße durch ihren Schlund, wieder würgte sie, aber unbarmherzig wie in einem Schraubstock hielten die schwieligen Hände sie fest.

Wie konnte Jonathan es wagen, ihr das zuzumuten? Die Männer lachten, schubsten Brenda zum nächsten entblößten Glied, ihr Hintern wurde angenehm warm, obwohl die Gerte nur leicht zubiß, der Kiefer tat ihr weh, aber die Männer hatten kein Erbarmen. Sie mußte sie alle befriedigen; alle sechs spritzten ihren Samen in ihre Kehle, und als sie fertig waren mit ihr, zerrten sie sie zur Tränke und ließen sie aus einer Kelle trinken; dann tauchten sie sie mit dem Kopf kurz in das eiskalte Wasser, um sie ...

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