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Die Hebamme und das Geheimnis der Magd

Inhalt

  1. Cover
  2. Über das Buch
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Anmerkung des Autors
  7. 1. Kapitel
  8. 2. Kapitel
  9. 3. Kapitel
  10. Copyrightanmerkung
  11. Leseprobe – Die Hebamme und das Rätsel von York

Über das Buch

York, 1620. Die junge Rebecca verlässt ihr Elternhaus, um in der Stadt ihre erste Anstellung als Magd bei der Familie Hooke zu beginnen. Sie kann nicht ahnen, wie brutal ihre Hausherren sind und welche Qualen sie ihr antun werden. Als Mr Hooke Rebecca vergewaltigt und sie schwanger wird, übt sie sich zum ersten Mal in Selbstjustiz.
Nachdem die Frauen von York herausgefunden haben, dass Rebecca einen Bastard unter dem Herzen trägt, ist sie der gewaltbereiten Meute hilflos ausgesetzt und erlebt erneut bitteres Leid. Hebamme Bridget liest Rebecca auf und hilft ihr, das Kind zu entbinden. Rebecca kommt wieder zu Kräften und ihr gebrochenes Ich sehnt sich erneut nach Vergeltung…

Über den Autor

Sam Thomas ist promovierter Historiker und unterrichtet Geschichte an einer Privatschule in der Nähe von Cleveland. DIE HEBAMME UND DAS RÄTSEL VON YORK sowie DIE HEBAMME UND DIE TOTE HURE sind die ersten beiden Fälle um Hebammendetektivin Bridget Hodgsons. Sam Thomas lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in Shaker Heights, Ohio.

Anmerkung des Autors

Als ich an »Die Hebamme und das Rätsel von York« arbeitete, Bridget Hodgsons erstem Kriminalfall, erschuf ich Bridgets Nemesis, eine bösartige Frau namens Rebecca Hooke. Beim Schreiben fiel mir auf, wie viel Bridget und Rebecca im Grunde gemeinsam hatten: Beide versuchten, als Frau in einer von Männern beherrschten Welt ihren Weg zu gehen, beide hatten Dummköpfe geheiratet, und beide hatten als Hebamme gearbeitet. Trotz dieser Ähnlichkeiten führten Bridget und Rebecca zwei völlig unterschiedliche Leben. Bridget nutzte ihre Kenntnisse und ihren Einfluss, um Frauen zu helfen, während Rebecca ihre Macht einsetzte, um ihre Feinde zu vernichten und ihre eigenen Interessen zu fördern.

Die Frage, die sich mir stellte, war einfach: Wie wurde Rebecca zu einem so abgrundtief schlechten Menschen?

»Die Hebamme und das Geheimnis der Magd« ist mein Versuch, diese Frage zu beantworten.

Gebt mir die Angel, kommt zum Flusse; dort,
Während Musik von fern erklingt, berück’ ich
Den goldbeflossten Fisch, mit krummen Haken
Die schleim’gen Kiefer fassend, und bei jedem,
Den ich aufziehe, denk’ ich, es sei Anton,
Und sag’: »Aha! Dich fing ich!«

William Shakespeare, Antonius und Cleopatra
Zweiter Aufzug, 5. Szene

1. Kapitel

Falls die Hookes mich an jenem Tag erwartet hatten, ließen sie sich nichts anmerken. Mrs Hooke gab sich nicht einmal den Anschein, über mein Kommen erfreut zu sein.

»Du also bist Rebecca«, stellte sie fest, als sie die Tür aufmachte. »Was stehst du da so herum?« Sie leerte vor meinen Füßen einen soeben benutzten Nachttopf aus, dessen Inhalt herausschwappte und meinen Rocksaum beschmutzte.

»Wisch das weg!«, blaffte sie.

So begann an einem Herbsttag im Jahre des Herrn 1620 mein Dienst bei der Familie Hooke.

*

Mit einer derart rüden Behandlung hatte ich natürlich nicht gerechnet. Eigentlich hatte ich überhaupt nicht gewusst, was mich erwartete. Ich war siebzehn und hatte zum ersten Mal mein Zuhause verlassen, als ich eine Woche zuvor meine Reise nach York antrat. Die Ernte war nicht so üppig ausgefallen, wie wir gehofft hatten, und meine Eltern befürchteten, dass einige in der Familie Hunger leiden müssten, wenn der Winter kam. Da ich die Älteste war, schien es sinnvoll, mich aus dem Haus zu geben, zumal eine Cousine in der Stadt sich erbot, eine Stelle als Dienstmagd für mich zu finden. Was hätten wir von Gott mehr erbitten dürfen?

Bis zum heutigen Tag erinnere ich mich an den Augenblick, als ich York zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Fast zwei Tage lang war ich zwischen Säcken voller Getreide und Gemüse auf einem Bauernkarren mitgefahren. Wir waren immer noch ein paar Meilen von York entfernt, als wir einen Hügel hinaufstiegen und die Stadt in Sichtweite kam. Selbst aus dieser Entfernung war der Eindruck überwältigend. Das Münster, das höher war, als ich mir je hätte vorstellen können, überragte alle anderen Gebäude, und der Rauch aus Tausenden Herdfeuern hing über der Stadt. Und kaum hatten wir die Tore passiert, war da dieser Gestank … Gott im Himmel, was für ein Gestank! Natürlich stinkt der Hintern eines Städters nicht ärger als der seines Vetters vom Lande, aber in York lebten die Menschen so dicht an dicht, dass der Geruch ihrer Ausdünstungen alles andere überlagerte.

Der Bauer lachte, als ihm mein Gesichtsausdruck auffiel.

»Es heißt, man gewöhnt sich nach ’ner Weile daran. Ich hab’s nie geschafft, aber ich bleib hier auch nie länger, als unbedingt sein muss.«

In der Stadt angekommen, suchte ich meine Cousine auf, die ihr Versprechen gehalten hatte, eine Anstellung für mich zu finden. Die Hookes hatten erst vor Kurzem eine Magd entlassen und suchten nun Ersatz.

Nach einer Übernachtung schnürte ich wieder mein Bündel, ging durch das Stadttor Micklegate Bar und schlug den Weg zum Hof der Hookes ein. Bevor ich das Haus verließ, in dem meine Cousine arbeitete, hatte ich noch ein paar Schillinge an mich genommen, die ich in einer unverschlossenen Kassette entdeckte. Ich wusste, dass man meine Cousine dafür bestrafen würde, und betete, ihr Dienstherr möge sie nicht zu arg verprügeln.

Zur Zeit meiner Ankunft in York wohnten nur drei Angehörige der Familie Hooke in dem Haus. Mr John Hooke war mein Dienstherr, seine Frau Grace meine Herrin. Sie hatten ein halbes Dutzend Kinder, aber mittlerweile waren alle entweder gestorben oder nach London gegangen, bis auf Richard, ihren Sohn. Er war geblieben, teils wegen seiner Jugend – er war noch keine zwanzig –, vor allem aber, wie ich insgeheim vermutete, wegen seiner Dummheit. Es war eine harte Welt für die Schwachen und Dummen, und Richard war beides. Seine Eltern konnten es sich leisten, ihn im Haus zu behalten, also taten sie es. Ich gab mir große Mühe, ihn nicht um diesen Luxus zu beneiden, nicht einmal, wenn ich morgens seinen Nachttopf leerte.

Meistens ging Richard mir nach Möglichkeit aus dem Weg. Zuerst dachte ich, aus Angst vor seiner Mutter, denn wenn Grace wütend auf mich war, wie so oft, kannte ihr Zorn weder Maß noch Ziel. Jeder in der Nähe, ob Ehemann, Sohn oder Nachbar, lief Gefahr, mit mir zusammen Prügel zu beziehen, falls der Betreffende nicht schleunigst das Feld räumte.

Doch als ich weniger ängstlich wurde oder mich vielleicht auch nur an Grace’ Tobsuchtsanfälle gewöhnt hatte, erkannte ich meinen Irrtum. Richard mied mich keineswegs, sondern folgte mir, wenn auch in einer gewissen Entfernung. Sowie mir dies bewusst wurde, war seine Anwesenheit nicht mehr zu übersehen. Wenn ich die Kuh molk, kam er auf der Suche nach seinem Hut in die Scheune geschlendert. Wenn ich in der Speisekammer war, ging er in die Küche, um sich ein Stück Käse zu holen. Und wenn ich in die Stadt musste, erbot er sich, mich zu begleiten. Während dieser langen gemeinsamen Spaziergänge sprach er nie mit mir, aber mit der Zeit wurde mir klar, dass er sich in mich verliebt hatte.

Und um der Wahrheit die Ehre zu geben, es freute mich, denn welche Fehler Richard auch haben mochte, er war ein netter Bursche. Manchmal dachte ich abends vor dem Einschlafen darüber nach, ob wir wohl eines Tages heiraten würden.

Richards Eltern waren von einem ganz anderen Schlag. Man konnte kaum glauben, dass er ihr Sohn war, so gewaltig waren die Unterschiede. Mrs Hooke war noch schlimmer als ihr Gemahl, denn sie schlug mich beim geringsten Anlass grün und blau. Ob ich Butter rührte, ihre Röcke wusch oder die Kuh molk, stets fand sie etwas auszusetzen und drosch auf mich ein, mit jedem Gegenstand, der ihr gerade in die Finger kam. Eine Zeit lang führte ich eine Liste all der Waffen, die sie benutzte: Schöpfkelle, Besen, Melkschemel, Butterstampfer, Nudelholz, Fassdaube, einmal sogar die stumpfe Kante eines Messers. Nach einem halben Jahr gab ich es auf. Es wäre einfacher gewesen, die Dinge zu nennen, die sie nicht benutzt hatte.

Die ganze Zeit war ich überzeugt, dass Mrs Hooke mich hasste, und ich verbrachte viele kalte, schlaflose Nächte damit, mein Gewissen nach einer geheimen Sünde zu erforschen, die ich wider sie begangen hatte.

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