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Die Ganesha-Bande

Vorwort

Mumbai, die große Hafenstadt an der Westküste von Indien, gibt es natürlich, ebenso die Stadtteile Parel, Dharavi, Fort usw.

Die in dieser Geschichte vorkommenden Personen und ihre Namen habe ich mir aber ausgedacht – sollte jemand in Wirklichkeit so heißen, so ist das ein Zufall und nicht beabsichtigt.

Ich habe versucht, Euch mit dieser Geschichte nicht nur die Detektive der Ganesha-Bande vorzustellen, sondern auch einen winzigen Einblick in das Leben in einer indischen Familie und in einer indischen Großstadt wie Mumbai zu vermitteln.

Ich selbst kenne Mumbai recht gut, mein Mann ist nämlich dort aufgewachsen und wir besuchen seit einem halben Jahrhundert mit unseren Söhnen unsere indische Familie, die dort lebt.

Die schönen Zeichnungen in diesem Buch hat Charlotte Hintzmann gemacht. Sie ist Illustratorin, hat an der Kunsthochschule in Berlin studiert und lebt und arbeitet jetzt in Hamburg.

Und nun viel Spaß beim Lesen!

Renate Mehta

im Mai 2017

Wer ist:

Amrit Depande Schüler, 12 Jahre
Mr. + Mrs. Depande seine Eltern
Narendra sein großer Bruder
Sunita (Nitu) seine kleine Schwester
Sonali Patel Schülerin, 12 Jahre
Mr. Mohin Patel ihr Vater, Juwelier
Mrs. Patel ihre Mutter
Mr. Patel senior ihr Großvater
Ravi Surat Schüler, 12 Jahre
Mr. Surat sein Vater
Mr. Thaker Angestellter von Mr. Patel
Asha Thaker seine Tochter, Lehrerin
Chandra Kumar Türsteher bei Mr. Patel
Atul Kumar sein älterer Bruder
Rahu und Nitin dessen Freunde
Mr. Harry Khan Filmstar

Außerdem: Postbeamte, der Post-Direktor, der Polizeichef von Fort/Mumbai, Polizisten, Taxifahrer, Diener

 

Was ist:

Mumbai große Hafenstadt in Indien
Hindu-Religion Hauptreligion in Indien
Ganesha elefantenköpfiger Gott der Hindus
Tiffin-Box mehrstöckige Essensbox
Slum wilde Siedlung, Armenviertel
Chapati indisches Fladenbrot
Maharadscha indischer Fürst
Havalior ausgedachter Fürstenstaat
Sahib indisch: Herr
Ganpati Ganesha-Figur als Glücksbringer
Dabbawalla Fahrrad-Bote für Essen
Rupie Indisches Geld, ca. 75 Rupien = 1 €
Paisa 1/100 Rupie, Pfennig
Sari Wickelgewand indischer Frauen
Pepulbaum heiliger Feigenbaum
Chor Basar Diebes-Markt
GPO Hauptpostamt von Mumbai
Rikscha ursprünglich Fahrradanhänger zur Personenbeförderung
Putt-Putt Motor-Rikscha, 2-Personen-Taxi

Inhalt

Kapitel 1, in dem Amrit Nachhilfe-Unterricht bekommt

Kapitel 2, in dem ein ungeheuerlicher Diebstahl passiert

Kapitel 3, in dem Amrit, Sonali und Ravi eine Bande gründen

Kapitel 4, in dem Pläne geschmiedet werden

Kapitel 5, in dem Chandra verfolgt wird

Kapitel 6, in dem die Ganesha-Bande einen Verdacht hat

Kapitel 7, in dem Amrit etwas zustößt

Kapitel 8, in dem sich einiges aufklärt

Kapitel 9, in dem Amrit befreit werden muss

Kapitel 10, in dem Amrit in den Zoo geht

Kapitel 11, in dem neue Pläne geschmiedet werden

Kapitel 12, in dem das GPO aufgesucht wird

Kapitel 13, in dem ein Päckchen auf die Reise geht

Kapitel 14, in dem ein Filmstar eine Rolle spielt

Kapitel 15, in dem alles gut endet

Kapitel 1, in dem Amrit Nachhilfe-Unterricht bekommt

„Also, Amrit“, sagt sein Vater eines Tages, „Mutter und ich haben beschlossen, dass du einmal in der Woche zum Übungsunterricht gehen sollst. Du kennst doch Asha, sie ist eine gute Lehrerin und sehr nett. Da sind auch andere Kinder, es ist eine Gruppe.“ Amrit ist zwölf Jahre alt und geht in die sechste Klasse in seiner Heimatstadt Mumbai.

„Habe ich doch gar nicht nötig“, protestiert Amrit. „Ich bin doch ein guter Schüler!“

„Stimmt“, sagt sein Vater, „aber Du hast demnächst Prüfungen und da kann es nicht schaden, einiges noch besser zu können. Das ist also abgemacht.“

Viele Kinder in Indien gehen nach der Schule am Nachmittag noch zum Üben, weil ihre Eltern ihnen wenig helfen können – sie sollen es schließlich zu etwas bringen im Leben!

Amrits Familie lebt in einer alten, vierstöckigen Mietskaserne an einer großen Kreuzung in Parel, einem quirligen Viertel von Mumbai, wo früher viele große Textilfabriken Arbeit für tausende Menschen hatten. Die Fabriken gibt es nicht mehr, aber in der Gegend leben noch viele Arbeiterfamilien, die jetzt in anderen Berufen Geld verdienen.

Die Dr. Ambedkar-Straße ist sehr belebt, der Verkehr mit Bussen, schweren Lastern, unzähligen Taxis und vielen Privatautos ist dicht und laut, aber das sind die Leute hier gewöhnt. Eine Autobrücke führt direkt am Fenster der Depandes, die im zweiten Stock wohnen, vorbei. Tag und Nacht wird da gehupt und gerattert, und die alten zweistöckigen roten Omnibusse ächzen und schnaufen vor Anstrengung.

In der Straße gibt es viele kleine Läden und tagsüber auf dem Gehweg einen Markt mit Obst und Gemüse, Blumen, Bekleidung und allerlei Haushaltskram.

Amrits Vater hat ein kleines Restaurant im zweiten Stock des Hauses, daneben wohnt die Familie in einem weiteren Raum.

Amrit muss vor und nach der Schule helfen, seit er ein kleiner Junge war. Er wäscht Geschirr, holt manchmal auf dem Markt Einkäufe ab, die sein Vater bestellt hat, putzt Gemüse.

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Morgens muss er noch vor der Schule die mehrstöckigen Tiffin-Boxen mit dem Essen austragen, das Büro-Angestellte bei seinem Vater für ihre Mittagspause bestellt haben.

Amrit hat noch eine kleine Schwester Sunita, die drei Jahre alt ist, und einen älteren Bruder Narendra, der mit 17 Jahren schon aufs College geht und deshalb selten helfen muss.

Wie ungerecht das ist! denkt Amrit.

Ihr wundert Euch deshalb sicher nicht, dass Amrit die Aussicht, an Dienstagen zum nachmittäglichen Unterricht zu gehen anstatt im Restaurant zu helfen, durchaus erstrebenswert findet!

Am nächsten Dienstag kommt Amrit also nach der Schule nach Hause, zieht wie jeder Inder die Sandalen vor der Tür aus, wäscht seine Füße und Hände, zieht anstelle des schneeweißen Hemds und der kurzen schwarzen Hose der Schuluniform ein blaues Hemd und eine dunkelblaue Hose an, nimmt seine Bücher, Stifte und Hefte und begibt sich eine Treppe höher zu Asha zum Übungs-Unterricht.

Asha, eine junge Frau von zwanzig Jahren mit Hochschul-Abschluss, unterrichtet alle Fächer, die Kinder in der Grundschule lernen: Mathe, Schreiben und Lesen, Erdkunde und indische Geschichte, manchmal auch Hindu-Religion.

Asha trägt heute einen leichten Baumwoll-Sari in den Farben hellblau und braun mit einer passenden Bluse. Ihr langes schwarzes Haar hat sie am Hinterkopf zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie ist sehr hübsch, denkt Amrit, trotz ihrer großen Brille.

Dienstags hat Asha sechs Schüler und Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, vier Jungen und zwei Mädchen. Amrit ist gespannt, wie die anderen Kinder so sind und freut sich auf vielleicht neue Freunde.

Die Kinder sitzen in Ashas kleinem Wohnraum auf der Erde, ihre Hefte und Stifte vor sich auf dem Boden.

Amrit schielt in die Runde. Sein Blick trifft auf einen schmalen, dunklen Jungen in einem offensichtlich viel getragenen Shirt und einer braunen Hose, die auch ein bisschen schäbig aussieht. Er zeigt Asha gerade stolz eine Klassenarbeit, für die er eine gute Note bekommen hat.

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Amrit ahnt, dass der Junge vielleicht aus einem Slum kommt, und senkt schnell seinen Blick.

„Hallo, Amrit, willkommen in unserer Runde“, sagt Asha und will erst einmal wissen, was Amrit gerade in der Schule macht und wo er Hilfe braucht.

„Also, wir sollen ein Projekt über unsere Heimatstadt machen“, antwortet Amrit.

„Prima“, meint Asha, „das ist ein schönes Projekt für eine Schulklasse. Über ihre Heimat sollten alle Bescheid wissen. Ihr anderen könnt gleich zuhören. Na, dann lass‘ mal hören, Amrit, was du schon weißt“.

Amrit beginnt: „Mein Vater hat mir erklärt, dass Mumbai heute die größte Stadt an der Westküste von Indien ist. Vor 500 Jahren war hier noch ein kleines Fischerdorf mit vielen kleinen Inseln und viel Sumpf. Die Leute wohnten in einfachen Hütten und ernährten sich vom Fischfang.“

Der Junge aus dem Slum meldet sich: „Inzwischen wohnen hier viele Millionen Menschen, einige davon sind sehr, sehr reich und viele ganz arm.“

„Richtig“, erklärt Asha, „Mumbai wuchs zur wichtigsten Hafenstadt in Indien heran. Jetzt ist sie die größte Wirtschaftsmetropole des Landes mit Millionen von Einwohnern aus allen Teilen Indiens mit unterschiedlichen Sprachen und Religionen, die friedlich zusammenleben. Die meisten Einwohner sind Gläubige der Hindu-Religion, es gibt aber auch viele Moslems, Christen und andere.“

Asha erklärt Amrit noch, wie er sein Projekt am besten aufbaut, um eine gute Note zu bekommen. Er passt gut auf und strengt sich an, und die Stunde geht schnell vorbei.

Amrit springt die steinerne Treppe zu den Räumen seiner Eltern hinunter.

Im Restaurant sitzen jetzt die Abend-Gäste, denen sein Vater gerade die laufend frisch gebackenen Chapatis und das Tagesgemüse serviert. Amrits Familie und alle Gäste sind Vegetarier, es gibt noch Joghurt und allerlei scharf gewürzte Beigaben zum Essen. Zum Trinken gibt es Wasser.

Amrit muss warten, bis die letzten Gäste gegangen sind, bevor er auch essen darf. Er möchte über die anderen Kinder in Ashas Gruppe nachdenken und schleicht sich deshalb an seinen geheimen Lieblingsplatz:

Im Erdgeschoss ist unter der Treppe eine kleine Höhle, in die sich Amrit manchmal mit seiner Taschenlampe zurückzieht, wenn er allein sein möchte. Hier schnuppert höchstens mal eine Ratte vorbei oder eine Kakerlake kriecht über den Boden, aber die stören Amrit überhaupt nicht. Indern sind alle Lebewesen heilig, weil in allen etwas von Gottes Geist lebt.

Die jüngeren Kinder in Ashas Gruppe interessieren Amrit nicht sehr, aber der Junge aus dem Slum hat öfters zu ihm herübergeschaut. Amrit schätzt, dass er in seinem Alter ist. Er hat kurz geschnittene schwarze Haare, ganz dunkle Augen, eine auffallend gerade Nase und einen schmalen Mund. Amrit nimmt sich vor, ihn beim nächsten Mal anzusprechen.

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