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Die Flöte des Dionysos

Hans-Jürgen Döpp

Die Flöte des Dionysos

Das Erotische im zeichnerischen Werk von

Martina Kügler

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Die Flöte des Dionysos

- Vorwort

- Das Erotische im zeichnerischen Werk von Martina Kügler

- Das Liebesverbot

- Der blaue Fleck

- Dissoziation und Schönheit - Versuch einer Bildanalyse

- Wolfgang Rothe, 15 Zeichnungen zu einem Text von Kafka

- Wolfgang Kuhl, Das Leben – ein Traum

- Auszüge aus der Korrespondenz mit Bernd Mattheus

- Biographie von Martina Kügler

- Zum Herausgeber

 

1972

Vorwort

Als Martina Kügler im Dezember 2017 starb, hinterließ sie ein Werk von mehr als 30.000 Zeichnungen. Zeichnen wurde ihr zur Lebensaufgabe. Nur ein geringer Teil des Werkes ist von dezidiert erotischer Thematik. Doch ohne Erotik ist Martina Küglers singuläres Werk nicht zu denken, denn es zeigt uns den Glutkern im Innern eines tragischen Lebenskonfliktes der Künstlerin, die in frühen Jahren an Schizophrenie erkrankte. Dass diese Arbeiten zustande kommen konnten, verdankt sich einer Konstellation von drei Faktoren: 1. Historisch: Martina wuchs in die sexualliberale Atmosphäre der 68er-Kulturrevolution hinein und konnte für kurze Zeit durch authentische, eigene libertine Erfahrungen ein Flair von Freiheit genießen. 2. Biographisch: Für ihre Erkrankung war Erotik ein zentraler lebenserhaltender Antrieb; 3. Persönlich: Sie lernte den Sammler Erotischer Kunst, Hans-Jürgen Döpp, kennen, der ihre Arbeiten hochschätzte und ihr einen zensurfreien Raum gewährte. Insofern dokumentiert dieses Buch auch das Resultat einer beinahe 40 Jahre währenden innigen Freundschaft mit der Künstlerin.

Der Autor wählte aus den Blättern, die in seinem Besitze sind, etwa 100 Arbeiten für diesen Band aus. Den Aspekt des Erotischen aus Gründen bürgerlichen Anstandes aus ihrem Werk zu verbannen hieße, es seiner poetischen Kraft zu berauben, - damit wir wieder zu Ruhe und Ordnung zurückkehren können. Darum müssen wir das „Unmögliche“ ihres Werkes verteidigen.

Es sind die dramatischen Kämpfe zwischen den antagonistischen Mächten von Eros und Thanatos, die von Martina Kügler in der leeren Arena des Papieres ausgetragen werden. Und Eros siegt: das Leben!

 

© Sabine Lippert 2011

Die Flöte des Dionysos

- Das Erotische im zeichnerischen Werk von Martina Kügler -

Sie lachte gerne; amüsierte sich über die Figuren, die ihr unter der Hand entstanden. Sie schien von den oft bizarren Einfällen selbst überrascht zu sein. Welcher heitere Geist führte ihr da die Hand?

Es war ein gemeinsames Vergnügen, ihr beim Zeichnen zuzusehen. Und gerade in der Gesellschaft eines anderen konnte sie ihren Witz entfalten. Dann schaute sie auf die Spitze des Bleistiftes, gespannt, welche verwegenen Volten er im nächsten Augenblick schlagen wird. Oft kommentierte sie ihre Blitz-Ideen und versah sie mit einem Titel, der den um Verstehen bemühte Betrachter ebenso wieder verblüffte: er, der seinen logischen Gedankenzügen vertraute, stand plötzlich hilflos da vor dem freien Gedanken- und Linien-Spiel. Diese Verunsicherung löste sich dann meist im gemeinsamen Lachen auf: die Souveränität war auf diese Weise wieder hergestellt.

Die meiste Zeit ihres Lebens arbeitete Martina Kügler aber alleine, in selbstgewählter Einsamkeit. Dementsprechend vereinsamten auch ihre Gestalten, sie ließen die Köpfe hängen, zerfielen, zogen Grimassen und lösten sich auf. Es fehlte die Resonanz eines Anderen. Doch besuchte man sie, dann forderte sie diese ein, und man musste all die Hunderte an Zeichnungen, die sie in der Zwischenzeit zeichnete, Blatt für Blatt durch die Hand gehen lassen und beurteilen. Verständlich, dass Kritik nicht angebracht war. So konnte es passieren, dass sie einen selbst bloßstellte: Bei einigen Blättern, die nur wenige schwache Linien zeigten, verhielt ich mich im Urteil zögerlich und druckste unklar herum. Da konterte sie heftig: „Du verstehst nichts von Kunst! – Das ist Minimalismus!!“ Ja, ich verstand, wir lachten, - und die beidseitige Souveränität war wieder hergestellt.

Wie lernte ich Martina kennen? Im Jahre 1979 stellte die Frankfurter Galerie Meyer-Ellinger Werke von ihr aus. Ich kannte die Künstlerin nicht, war aber neugierig und besuchte die Ausstellung. Ich war an dem Nachmittag der einzige Besucher. Die Zeichnungen zogen mich sofort in ihren Bann: ich fand in ihnen den preziösen, klaren Strich eines Hans Bellmer wieder, den ich sammelte und liebte; ebenso bannte mich die imaginäre, surreal anmutende, ganz und gar subjektive Welt, die sie darstellte. Manche der Zeichnungen waren durchtränkt von einem traurigen Eros. Eine feine, vielfigurige Zeichnung insbesondere stach mir ins Auge; der Untertitel, den ich kaum in Zusammenhang mit dem Dargestellten bringen konnte, war mir ein Rätsel: „Vogelfriedhof / Mutterkrokodil“! Die Assoziationen drifteten natürlich gleich ins Gefilde des Erotischen und deuteten ein persönliches Drama an. Und während ich sinnierend vor dem Blatt stand, sprach mich von hinten eine noch junge Stimme an: „Wenn Sie noch mehr von mir sehen möchten, können Sie mich gerne einmal bei mir zu Hause besuchen…“ Es war Martina. Erfreut nahm ich diese Einladung an. Wir plauderten, tauschten unsere Anschriften, und ich wollte mich gerade von ihr verabschieden, da löste sich aus der Garderobe eine dunkle Gestalt, schwebte auf uns zu: „Nein, so geht das nicht! Das geht nur über mich!“ Es war ihre Mutter.

Schlagartig verstand ich den Untertitel ihrer Zeichnung.

Mit dieser Begegnung wurde eine 40 Jahre währende Freundschaft begründet, die in den letzten Jahren in eine beinahe geschwisterliche Beziehung hinüberglitt. Von nun an trafen wir uns in regelmäßigem Turnus: einmal im Monat besuchte ich Martina bei sich zu Hause, dann wieder besuchte sie mich. Die Nachmittage mit ihrer Mutter waren etwas quälend, denn sie legte Wert auf eine „gepflegte“ Konversation, die sich um Kunst und Kultur drehte. Da aber die Namen sich ihr ständig entzogen, glich das Gespräch eher einer gemeinsamen Kreuzwort-Rätselei: „Neulich, da sagte doch der…., na, wie heißt er gleich!

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