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Die Exodus-Flotte - Chronik der Sternenkrieger #36 (Alfred Bekker's Chronik der Sternenkrieger, #36)

Die Exodus-Flotte - Chronik der Sternenkrieger #36

Alfred Bekker's Chronik der Sternenkrieger, Volume 36

Alfred Bekker

Published by Alfred Bekker, 2018.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Die Exodus Flotte - Chronik der Sternenkrieger #36 (Alfred Bekker's Chronik der Sternenkrieger, #36)

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Chronik der Sternenkrieger 36:

Die Exodus-Flotte

Roman von Alfred Bekker

Originalausgabe

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EIN CASSIOPEIAPRESS E-Book

© 2014 by Alfred Bekker

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich (Westf.)

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

>+++<

Mitte des 23.Jahrhunderts brach die Crew des Raumschiffs STERNENKRIEGER in bis dahin unbekannte Regionen des Weltalls auf und begab sich auf die Spur einer uralten Zivilisation, die vor Äonen die Galaxis beherrschte.

Feindliche Aliens bedrohen die Menschheit ebenso wie die eigene Hybris - und das uralte Erbe könnte Segen und Fluch zugleich sein.

Cover: Steve Mayer

Alfred Bekker schrieb die fesselnden Space Operas der Serie CHRONIK DER STERNENKRIEGER. Seine Romane um DAS REICH DER ELBEN, die GORIAN-Trilogie und die DRACHENERDE-SAGA machten ihn einem großen Publikum bekannt. Er schrieb für junge Leser die Fantasy-Zyklen ELBENKINDER, DIE WILDEN ORKS, ZWERGENKINDER und ELVANY sowie historische Abenteuer wie DER GEHEIMNISVOLLE MÖNCH, LEONARDOS DRACHEN, TUTENCHAMUN UND DIE FALSCHE MUMIE und andere. In seinem Kriminalroman DER TEUFEL VON MÜNSTER machte er mit dem Elbenkrieger Branagorn eine Hauptfigur seiner Fantasy-Romane zum Ermittler in einem höchst irdischen Mordfall. Zuletzt erschien DER BEFREIER DER HALBLINGE bei Blanvalet.

>+++<

Die Hauptpersonen des Romans:

Captain Rena Sunfrost - Kommandantin der STERNENKRIEGER.

Commander Van Doren - Erster Offizier der STERNENKRIEGER

Lieutenant Commander Robert Ukasi - Taktikoffizier und Zweiter Offizier.

Lieutenant Wiley Riggs - Ortungsoffizier

Lieutenant Erixon - Chefingenieur der STERNENKRIEGER

Corporal Raggie S. Terrifor - kommandiert die Space Marines Truppe an Bord.

Lieutenant Jamalkerim - Kommunikationsoffizierin.

Lieutenant John Taranos - Rudergänger.

Fähnrich Lin Al-Katibi - Zweiter Rudergänger.

Bruder Guillermo - eigentlich Guillermo Benford, gehört dem Wissenschaftlerorden der Olvanorer an.

Dr. Ash Trent - Schiffsarzt.

Captain Barus - Kommandant des Schwesterschiffs der STERNENKRIEGER.

Commander McKee - Erste Offizierin unter Captain Barus.

Lieutenant Commander Webber J. Davidson - Taktikoffizier.

Lieutenant James Teluvion - Ortungsoffizier

Lieutenant Guofeng Smith - Kommunikationsoffizier.

Die Canyaj - eine anorganische Spezies.

Die Yyroa - humanoide, PSI-begabte Spezies.

Fairoglan und Shafor - Die Sucher und Kundschafter der Yyroa-Koalition.

Admiral Ned Nainovel - Kommandant der LEVIATHAN und derzeit Wächter an der Wurmloch-Porta.

Raphael Wong - gerade zum Captain des Zerstörers ODYSSEUS ernannter Ex-I.O. der STERNENKRIEGER.

Commander David Kronstein - Erster Offizier der ODYSSEUS.

Dr. Patricia Mangoli - gehört zum medizinischen Team an Bord des Zerstörers ODYSSEUS.

Master Sergeant J. L. Gerard - Space Marine an Bord der ODYSSEUS.

Lieutenant Messina - Shuttle-Pilotin der ODYSSEUS LANDER 5

Commander Jorian Kelly - Taktikoffizier des Zerstörers ODYSSEUS, umweltangepasster Supererden-Zwerg von dem irdischen Kolonialplaneten Maldena 22b

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AUS DEM LOGBUCH DES Raumschiffs STERNENKRIEGER:

Die STERNENKRIEGER befindet sich zusammen mit ihrem Schwesterschiff noch immer auf einer Expedition in den Machtbereich der Etnord. Unser Auftrag ist es, den Ursprung der geheimnisvollen Lichtsonden zu ergründen, die sowohl unerklärlicherweise zeitgleich an weit auseinanderliegenden Orten auftauchten und deren Ursprung unbekannt ist.

Gleichzeitig brechen überall Schiffe von den Etnord-Welten mit unbekanntem Ziel auf. Die Etnord scheinen einem geheimnisvollen Ruf zu einem Exodus mit unbekanntem Ziel zu folgen. Und es könnte sein, dass beide Phänomene miteinander in Zusammenhang stehen...

Eintrag vom 5.2.2256, Bordzeit 11.45: Commander Van Doren, Erster Offizier in Stellvertretung des Captains.

*

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"NORMALER SANDSTRÖM-Flug", meldete Fähnrich Al-Katibi, der gerade die Position des diensthabenden Rudergängers an Bord der STERNENKRIEGER innehatte. "Keinerlei Anomalie erkennbar. Erreichen geplanten Austrittspunkt in cirka zwei Stunden und gehen dann planmäßig auf Unterlichtflug."

"Gut", sagte Rena Sunfrost. Die Kommandantin der STERNENKRIEGER hatte gerade im Sitz des Captains Platz genommen. Sie wandte sich an ihren Ersten Offizier. "Sie können sich diese zwei Stunden zu Ihrer persönlichen Verfügung freinehmen, Commander Van Doren."

"Danke, Captain."

Sunfrost lächelte. "Bis zum Austritt aus dem Zwischenraum werde ich es hier schon ohne Sie schaffen - aber danach hätte ich Sie gerne wieder hier."

"Das möchte ich mir auch ungern entgehen lassen, Captain." Van Doren wandte sich an Al-Katibi. "Ich glaube, Ihre Schicht ist auch vorbei, Mister Al-Katabi."

"Ich habe mit Lieutenant Taranos vereinbart, dass er zehn Minuten später kommen kann und..."

In diesem Augenblick betrat Lieutenant John Taranos die Brücke und meldete sich zum Dienst.

Al-Katibi erhob sich von seinem Platz.

Es wirkt fast so, als wäre er enttäuscht darüber, nicht noch länger am Ruder zu sitzen, ging es Sunfrost durch den Kopf. Kein Zweifel, er macht den Job als Rudergänger wirklich sehr gerne. Fast so, als wäre er mit der Konsole schon symbiotisch verwachsen.

John Taranos nahm seinen Posten ein, während Van Doren und Al-Katibi die Brücke der STERNENKRIEGER verließen.

"Ein Funkspruch von der SONNENWIND", meldete unterdessen Fähnrich Dunston, der im Augenblick Lieutenant Susan Jamalkerim an der Konsole des Kommunikationsoffiziers vertrat.

"Dann schalten Sie den Kom-Kanal frei, Fähnrich", sagt Sunfrost.

"Aye, Captain."

Auf einem Nebenbildschirm erschien das Gesicht von Captain Barus. Der Kommandant der SONNENWIND, die ein vollkommen baugleiches Schwesterschiff der STERNENKRIEGER war, hob die Augenbrauen. "Guten Tag, Captain Sunfrost. Ich hoffe, bei Ihnen ist alles in Ordnung."

"Im Moment haben wir keinen Grund zur Klage, Captain Barus", gab Rena zurück.

"Lieutenant Guofeng Smith, mein überaus begabter Kommunikationsoffizier, hat einen schwachen Kommunikationsimpuls im Sandström-Funkspektrum aufgefangen."

Daran, dass Captain Barus seinen Kommunikationsoffizier zumeist mit Vor- und Nachnamen bezeichnete, hatte sich Rena Sunfrost inzwischen schon gewöhnt. Es hatte wohl damit zu tun, dass Smith innerhalb der Humanen Welten ein ziemlich häufiger Name war und es selbst an Bord der SONNENWIND auch noch einen Geschützoffizier mit gleichem Rang und gleichem Namen gab, machte diese Klarstellung wohl notwendig.

Captain Barus fuhr fort: "Es handelt sich der Kennung nach um eine Botschaft von Taralon."

"Vielleicht eine Nachricht des Herrn der Etnord?", vermutete Sunfrost.

"Die verwendete Signalart und die Kennung machen das sehr wahrscheinlich. Aber leider können wir den Inhalt bisher nicht entschlüsseln. Auch wenn mein Kommunikationsoffizier das nur ungern zugeben würde - er braucht Hilfe! Und Sie haben doch schließlich dieses Olvanorer-Genie an Bord."

"Bruder Guillermo wird Ihnen gerne helfen. Ich schlage vor, Sie übertragen die Daten an die STERNENKRIEGER. Und Lieutenant Guofeng Smith sollte sich dann direkt mit Bruder Guillermo in Verbindung setzen. Da wir uns zurzeit in einem ganz regulären Sandström-Flug befinden, dürfte es keine Schwierigkeiten geben, was die Qualität der Datenverbindung angeht."

"Die Etnord verlassen im Moment in Scharen die von ihnen eroberten Welten", stellte Captain Barus fest. "Es müssen inzwischen Millionen Raumschiffe sein, die sich mit bisher unbekanntem Ziel auf den Weg gemacht haben, so als würden sie einem geheimen Ruf folgen... Wenn man nun von Taralon aus eine Nachricht über eine so weite Distanz aussendet, dann muss das eine besondere Bedeutung haben."

"Ich werde der Sache die entsprechende Priorität einräumen, Captain Barus", versprach Sunfrost.

Er hat eine sehr subtile Art, mir deutlich zu machen, dass wir zwar denselben Rang bekleiden, aber er auf Grund seines höheren Dienstalters die Leitung dieser Mission innehat, ging es ihr dabei durch den Kopf.

"Danke, Sunfrost. Falls nicht irgend etwas Unvorhergesehenes eintritt, sprechen wir nach Austritt aus dem Zwischenraum wieder miteinander."

"In Ordnung, Sir."

"Barus, Ende!"

Das Bild des Captains der SONNENWIND verschwand vom Schirm.

"Wir bekommen eine Datentransmission von der SONNENWIND", meldete indessen Fähnrich Dunston.

"Das ging ja schnell", murmelte Rena Sunfrost. "Stellen Sie eine Verbindung zu Bruder Guillermo her und sagen Sie ihm, dass es Arbeit für einen Wissenschaftler gibt, Fähnrich Dunston."

"Aye, aye, Captain."

*

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"UM EHRLICH ZU SEIN, ich bedaure es, dass an dieser Expedition keine qualifizierten Wissenschaftler teilnehmen", sagte Bruder Guillermo, während er gerade seinen Salat zu Ende gegessen und sein Glas mit klarem Wasser ausgetrunken hatte. Er saß zusammen mit Chefingenieur Lieutenant Erixon und Schiffsarzt Dr. Ash Trent zusammen in einem der Aufenthaltsräume der STERNENKRIEGER.

"Nicht gerade schmeichelhaft, was Sie da sagen", meinte Trent.

"Äh, ich wollte nicht..."

"...damit sagen, dass ich als Arzt und Biologe kein Wissenschaftler bin, der das Attribut qualifiziert beanspruchen könnte?"

"Wie gesagt, das hatte ich damit keinesfalls ausdrücken wollen, Dr. Trent."

"Mir ist jede Eitelkeit fremd, Bruder Guillermo. Aber ich bin auch niemand, der mit seiner Meinung hinter dem Berg hält. Und ich halte diesen Professor von Schlichten, dessen Anwesenheit wir alle für einige Zeit an Bord der STERNENKRIEGER ertragen mussten, für einen arroganten Sack. Jemand, der den Rest der Menschheit für geistig unterentwickelt hält und das auch jeden spüren lässt, mit dem er redet."

"Nun, vielleicht sind wir das ja auch alle in gewisser Weise", meinte Erixon dazu, ehe Bruder Guillermo etwa sagen konnte. "Geistig unterentwickelt, meine ich. Zumindest, wenn man die Sache aus von Schlichtens Perspektive betrachtet."

"Und das sagt jemand, der sogar genetisch optimiert wurde", höhnte Trent.

Erixon wandte Trent das Gesicht zu und und sah ihn mit seinen infrarotsichtigen Facettenaugen an. "Mein Respekt vor von Schlichten war immer extrem hoch, zumindest was die wissenschaftliche Seite angeht. Ansonsten halte ich ihn für einen Sklaven des Far Galaxy Konzerns und daher war ich mir nie so ganz sicher, ob wir und er wirklich dieselben Ziele verfolgen."

"Nun, es gab da sicher eine ausreichend große Schnittmenge", griff jetzt Bruder Guillermo wieder in das Gespräch ein. "Aber es dürfte eins unstrittig ein: Es gibt kaum jemanden, der so viel über die Technik der Alten Götter weiß wie von Schlichten. Und es könnte sehr gut sein, dass wir auf unserer Expedition ins Etnord-Gebiet auf Rätsel stoßen, die mit diesem Themenkomplex zu tun haben. Man stelle sich das nur vor: Wir haben vielleicht plötzlich den Schlüssel in der Hand, um das Rätsel dieser uralten, verschollenen Spezies endgültig zu lüften, aber es ist niemand an Bord, der das richtig zu interpretieren weiß."

"Soweit ich weiß, war es von Schlichtens Wunsch, nicht an dieser Expedition teilzunehmen", meinte Trent.

"Wurde er denn angefragt?", erkundigt sich Bruder Guillermo.

"Das nehme ich an."

"Das nehmen Sie an. Aber ich glaube, man hat ihn gar nicht erst gefragt", meinte Bruder Guillermo.

"Und wie kommen Sie darauf?", fragte Trent.

Bruder Guillermo hob die Augenbrauen.

"Anders als unsere Expedition ins Morrhm-Gebiet ist diese Reise von vornherein als militärische Aktion geplant gewesen. Die geheimnisvollen Lichtsonden, die plötzlich überall auftauchten, stellten ein Sicherheitsproblem da. Man sah darin im Space Army Corp und im Humanen Rat in erster Linie den Angriff einer unbekannten Macht, die versucht, uns auszuforschen. Und ich könnte mir denken, dass Admiral Raimondo dafür gesorgt hat, dass man unseren Vorstoß durch Wurmloch Alpha ins Etnord-Gebiet nicht noch mit so etwas wie Forschung belastet."

"Das klingt jetzt für Ihre Verhältnisse ungewöhnlich bitter, Bruder Guillermo.

"Ich bin auch ungewöhnlich wütend darüber."

"Könnte es nicht sein, dass Sie sich da nur eine Art Verschwörungstheorie zurechtgezimmert haben? Könnte es nicht auch sein, dass von Schlichten einfach Besseres zu tun hatte oder zumindest daran glaubte und deswegen tatsächlich keine Lust hatte, sich auf eine gefährliche Mission in eine fast fünfzigtausend Lichtjahre entfernte, auf der anderen Seite der Galaxis gelegene Weltraumregion zu begeben, die wir ohne Hilfe der Wurmlochstraßen, die uns die Alten Götter hinterließen, wahrscheinlich selbst in tausend Jahre noch nicht erreichen könnten?"

Ein Ton, so scharf wie ein Rasiermesser, dachte Bruder Guillermo. Und wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, weshalb Sie manche an Bord einfach nicht ausstehen können, Dr. Trent. Laut sagte der Olvanorer-Mönch: "Vielleicht haben Sie Recht, Doktor. Aber wissen Sie, das Thema der Alten Götter und alles was mit dieser geheimnisvollen Spezies zusammenhängt, fasziniert mich seit wir im Tardelli-System zum ersten Mal auf ihre Hinterlassenschaften stießen. Und was immer man über von Schlichtens menschliche Qualitäten auch sagen mag, er hat immerhin dazu beigetragen, dass wir wenigstens ein bisschen von dem verstehen, was es mit dieser Rasse auf sich hatte, als jeder andere. Und ganz ehrlich: Ich habe immer gerne mit ihm zusammengearbeitet."

"Da sind Sie vermutlich der Einzige", sagte Dr. Trent. "Oder sind Sie auch ein Fan dieses Kotzbrockens, Lieutenant Erixon?"

"Nun, um ehrlich zu sein... Es geht mir wie Ihnen, Trent. Ich mag ihn nicht."

"Sehen Sie!"

"Aber ich mag Sie auch nicht. Trotzdem würde ich mich von Ihnen behandeln lassen, wenn im Umkreis von 50 000 Lichtjahren kein anderer menschlicher Arzt in der Nähe ist, der nicht zum Wirtskörper eines Etnord geworden ist. Natürlich könnte ich den Schiffsarzt der SONNENWIND über eine Sandström-Funkverbindung um eine Ferndiagnose bitten. Aber das überlege ich mir, wenn es soweit sein sollte."

"Was Sie nicht sagen, Erixon." Trent wandte sich Bruder Guillermo zu, während er den Rest seines Getränks leerte. "Als nächstes werden Sie mir vermutlich sagen, dass Sie es bedauern, dass dieser Vogel nicht mehr an Bord ist."

Mit ‘diesem Vogel’ meinte Trent offenkundig Austauschoffizier Nirat-Son. Aber nachdem das Austauschprogramm mit der Raumflotte der Qriid noch einmal eher halbherzig fortgesetzt worden war, hatte sich Nirat-Son inzwischen daraus abberufen lassen. Das lag wohl auch daran, dass er immer dann, wenn es um Missionen ging, deren Sicherheitsstatus als heikel eingestuft wurde, damit rechnen musste, von Bord beordert zu werden. Dies war wiederholt geschehen. Bruder Guillermo konnte gut verstehen, dass dies auf Dauer für Nirat-Son untragbar gewesen war.

Aber die Abwesenheit des Qriid bedauerte Bruder Guillermo in der Tat, auch wenn es kaum eine Ansicht gab, die der pazifistisch eingestellte Olvanorer-Mönch und der Gotteskrieger des Heiligen Imperiums der Qriid miteinander geteilt hatten. Keine, außer vielleicht der Ansicht, dass es im Universum so etwa wie eine göttliche Ordnung gab. Allerdings waren die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis höchst unterschiedlich.

Bruder Guillermo hatte es allerdings stets sehr wichtig gefunden, immer auch gegenteilige Perspektiven zu berücksichtigen und in seine Überlegungen miteinzubeziehen. Und so vermisste er die Streitgespräche mit dem Qriid tatsächlich - genau wie Trent es vermutet hatte.

Ein Signal seines Kommunikators hielt Bruder Guillermo davon ab, dazu noch etwas zu sagen, obwohl ihm eigentlich so vieles auf der Zunge lag.

Bruder Guillermo sah auf die Anzeige.

"Eine Nachricht von der Brücke", stellte er fest. "Es scheint Arbeit für mich zu geben."

*

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"KANN ICH IHNEN BEHILFLICH sein?"

Bruder Guillermo hatte sich gerade in Kontrollraum C im Maschinentrakt zurückgezogen - in der Annahme, sich der Entschlüsselung der Sandström-Funknachricht widmen zu können, die das Schiff von Captain Barus an die STERNENKRIEGER übersandt hatte. Dass die Daten beschädigungsfrei überspielt worden waren, hatte der Olvanorer-Mönch bereits kontrolliert. Im Sandström-Flug war das noch immer keine Selbstverständlichkeit, auch wenn sich die Schiff-zu-Schiff-Kommunikation in den letzten Jahren außerordentlich stark verbessert hatte.

Bruder Guillermo drehte sich um und sah in das vollkommen behaarte Gesicht von Fähnrich Clayton Morales.

"Ich habe gehört, dass da soeben ein interessantes Datenpaket herübergeschickt worden ist", meinte Morales. "Gestatten Sie, dass ich..."

"Lassen Ihnen Ihre Pflichten im Triebwerkstrakt denn Zeit für solche Dinge?", erkundigte sich Bruder Guillermo.

"Lieutenant Erixon weiß Bescheid, Bruder Guillermo."

"Nun, ich kann Hilfe immer gut gebrauchen - und Ihren technischen Sachverstand sowieso."

Morales nahm einen der Sitze ein, die sich in dem Kontrollraum befanden, der ansonsten mit Terminals und Konsolen gefüllt war. Vor allem Rechnerzugänge befanden sich hier. Und genau das brauchte Bruder Guillermo im Moment für das, was er sich vorgenommen hatte.

"Worum geht es genau?"

"Um eine verschlüsselte Nachricht von Taralon. Sie ist vermutlich an all die verstreuten Flotten der Etnord gerichtet, die sich jetzt an verschiedenen Sammelpunkten einfinden..."

"...vermutlich um sich zu noch größeren Verbänden zu sammeln."

"Ja."

"Ich frage mich, wohin dieser gigantische Exodus führen soll, Bruder Guillermo."

"Das ist die Frage, die uns alle beschäftigt."

"Ich meine, man muss sich das nur mal richtig vorstellen! Da erobern diese Parasiten zuerst in Jahrzehnten oder vermutlich Jahrhunderten ein riesiges Reich. Sie übernehmen eine Spezies nach der anderen, benutzen sie als Wirtskörper und integrieren ihre Heimatwelten in einen großen Verbund, dessen Zentrum dieser Sogenannte Herr auf Taralon zu sein scheint."

"Exakt, so ist es", stimmte Bruder Guillermo zu.

"Und jetzt verlassen sie anscheinend diese Welten wieder. Sie ziehen einfach davon und hinterlassen - leere, unbesiedelte Planeten. Darauf läuft es doch hinaus, denn ihre Wirtskörper behalten sie natürlich. Mit denen sind sie schließlich so sehr verschmolzen, dass..."

"Sie haben recht, es muss einen sehr wichtigen Grund dafür geben. Eine Art Ruf, der sie alle ereilt hat. Und im  Gegensatz zu uns scheinen sie das Ziel auch genau zu kennen."

"Wir haben bisher immer gedacht, dass diese Lichtsonden, die so plötzlich wie aus dem Nichts selbst noch im irdischen Sektor auftauchten, uns auskundschaften wollten."

"Sie haben die Wurmlochstraßen der Alten Götter benutzt. Es ist nicht so verwunderlich, dass sie solche Entfernungen überbrücken konnten. Und davon abgesehen bin ich nicht der einzige, der glaubt, dass es sich um ein Phänomen oder eine Technologie handelt, die auf der Verschränkung von Quantenzuständen basiert. Und da spielen Entfernungen keine Rolle."

"Sie zweifeln an, dass sich um ein Auskundschaften handelt?", hakte Morales noch einmal nach, denn er hatte das Gefühl, dass Bruder Guillermo von allein diesen Gesprächsfaden nicht noch einmal aufnehmen würde.

"Ich glaube inzwischen eher, dass es Wegweiser sind. Botschaften, die sich nicht an uns gerichtet haben."

"Und warum tauchten die Sonden dann auch im irdischen Sektor auf?"

"Sie werden an sehr viele Orten zugleich aufgetreten sein. Überall dort, wo diejenigen, die sie ausgesandt haben, glauben, dass es jemanden geben könnte, der sie versteht. Das können meiner Ansicht nach nur die Alten Götter sein - oder ein von ihnen erschaffener Mechanismus, der noch davon ausgeht, dass der Großteil der Galaxis unter der Herrschaft der Erhabenen steht."

"Eine gewagte Theorie, Bruder Guillermo."

"Ich weiß, dass mir dafür noch viele Beweise fehlen, aber..."

"Man sagt Ihnen ja eine große Empathie nach."

Bruder Guillermo lächelte. "Wie jedem Olvanorer", schränkte er ein.

"Es könnte ja sein, dass Sie die Absicht der..." Morales suchte nach dem richtigen Wort und fand es schließlich. "...der Anderen intuitiv erfasst haben."

"Wussten Sie, dass man gemeinhin unter dem Begriff PSI zusammengefasste Phänomene ebenfalls auf quantenmechanische Verschränkung und Quantenteleportation zurückführen könnte? Alles, was man früher über morphologische Felder und dergleichen geschrieben hat... Gedanken, die plötzlich in der Luft liegen und Individuen, die durch weite Distanzen getrennt sind, trotzdem an denselben ...

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