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Neal Chadwick - Die Eisenbahnräuber

Alfred Bekker

Neal Chadwick - Die Eisenbahnräuber

Cassiopeiapress Western





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

DIE EISENBAHNRÄUBER

von Alfred Bekker

Der Umfang dieses Buchs entspricht 47 Taschenbuchseiten.

Eine Bande von Eisenbahnräubern schlägt zu - und ein Revolvermann nimmt die Spur auf. Eine Erzählung aus der Pionierzeit des amerikanischen Westens.

1

Die Männer hatten sich auf einem nahegelegenen Hügel postiert und blickten auf die Gleise der Union Pacific hinab. In südwestliche Richtung führte die Eisenbahnstrecke nach Bear River City und dann weiter nach Utah. Die nächste Bahnstation in der anderen Richtung trug den Namen Green River und von dort würde auch der Zug kommen, auf den sie alle warteten.

Sie waren zu viert und ihre Gesichter machten einen entschlossenen Eindruck. Ihrer aller Augen hingen am Horizont, dort wo die Bahngleise sich im Nichts verloren.

"Die Union Pacific hat heute Verspätung", meinte einer der Reiter. Er zog den Revolver aus dem Holster an seiner Seite, drehte ihn gekonnt zweimal um den Zeigefinger und ließ ihn dann zurück ins Futteral gleiten. "Das gefällt mir nicht", brummte er finster.

"Ruhig bleiben, Harry", murmelte einer der anderen Männer. Sein dünnes, aschblondes Haar schaute unter dem dunklen Hut hervor, den er sich weit in den Nacken geschoben hatte. Er wandte sich um und bedachte Harry mit einem kühlen Blick.

"Sie wird schon noch kommen."

"Wir wollen es hoffen, Jim!"

Seine leuchtenden grünen Augen verengten sich ein wenig. Sein Name war Jim Parnell und er war der unbestrittene Anführer dieser kleinen Schar, der außerdem noch der schon etwas angegraute Harry McDermot, sowie die Brüder Nat und Sam Garrison angehörten. McDermot hatte eine farbige Vergangenheit. Angeblich war er früher mormonischer Missionar gewesen. Zum Leidwesen seiner Gefährten sprach er nicht gerne darüber.

Bei den Garrisons handelte es sich um ehemalige Cowboys. Nat, der Ältere von ihnen hatte sogar eine Zeitlang als Deputy Sheriff in Elko, Nevada gedient. Bei einer Messerstecherei mit einem betrunkenen Halbblut hatte er sein linkes Auge verloren, das jetzt von einer schwarzen Filzklappe bedeckt wurde.

Sam Garrison war ein ehrgeiziger, junger Bursche, der ein wenig zum Jähzorn neigte. Parnell hatte lange gezögert, den dunkelhaarigen Heißsporn überhaupt mit ihnen reiten zu lassen, aber Nat hatte so lange auf ihn eingeredet, bis er schließlich zugestimmt hatte. Blieb nur zu hoffen, dass Sam ihnen die Sache nicht in letzter Sekunde versaute, indem er die Nerven verlor.

Parnell runzelte die Stirn, als er mit den Augenwinkeln sah, wie Sam Garrison nervös an seiner Winchester herumspielte. Das genau war es, was er an ihm nicht ausstehen konnte...

Parnell selbst hatte sich ehedem als Rancher versucht. Zunächst sogar mit einigem Erfolg, aber später hatte er aufgeben müssen. Doch das war ein eigenes, bitteres Kapitel... Seit damals war da dieser harte Zug um seine Mundwinkel...

"Da hinten!", rief Sam.

Eine lange Rauchfahne wurde sichtbar, lange ehe der Zug selbst über den Horizont kroch. Die Männer zogen sich die Halstücher vor das Gesicht, so dass nur noch ihre blitzenden Augen zu sehen waren. Die Anspannung war ihnen allen deutlich anzumerken, nur Parnell bildete eine Ausnahme.

Er blieb vollkommen ruhig und gelassen.

"Kein unnötiges Blutvergießen!", ermahnte er seine Leute. Seine Stimme klang seltsam abgedämpft durch den Stoff des Halstuchs. "Habt ihr mich verstanden, Männer?"

Parnell sah, wie Sam Garrison sich aufblies und zu einer Erwiderung ansetzte. Aber McDermot war schneller und so musste Sam die Luft wieder hinauslassen, ohne dass ihm ein Wort über die Lippen gekommen wäre.

"Du hast es uns in den letzten Tagen oft genug gepredigt, Jim! Und wir alle haben weiß Gott keine Bohnen in den Ohren!" Und dann setzte er in etwas versöhnlicherem Tonfall noch hinzu: "Man könnte fast auf die Idee kommen, dass nicht ich, sondern du mal ein Prediger gewesen bist!" Er lachte. "Jedenfalls hätten deine Schäfchen die zehn Gebote sicher bald auswendig gekonnt, wenn sie ihnen derart oft in die Ohren gedröhnt worden wären!"

Unterdessen zog Nat Garrison den Revolver aus dem Holster.

"Los Männer! Sehen wir zu, dass die zwanzigtausend Dollar an Lohngeldern nicht an uns vorbei fahren! Wahrscheinlich würden wir sie bis Sacramento nicht mehr einholen können!"

Sie trieben ihre Pferde den Hang hinunter auf die Gleise zu. Der Zug dampfte ratternd über die Gleise, während die vier Reiter auf ihn zuhielten.

Als sie ihn erreicht hatten, ritten sie parallel zu den Gleisen. Der erste, dem es gelang, vom Sattel auf ein Trittbrett am Wagenende zu gelangen, war Sam Garrison.

Eigentlich hatte Parnell vorgehabt, ihn mit der Aufgabe zu betrauen, die Pferde einzufangen, aber das hatte Sam vehement von sich gewiesen! Und so musste das jetzt McDermot machen, der nichts dagegen hatte.

Es war nicht so, dass er es nicht mehr gekonnt hätte, aber wenn es möglich war, vermied er solche waghalsigen Klettereien. Wenig später war auch Parnell auf dem Zug. Als letzter kam der einäugige Nat.

Sam war keine Sekunde mehr zu halten, seitdem er Räder unter den Füßen hatte. Er stürmte mit der Winchester im Anschlag ins Wagenabteil, fuchtelte mit der Waffe herum und versetzte alle Anwesenden in Angst und Schrecken.

Eine Frau stieß einen spitzen Schrei aus, ein paar Kinder brüllten, Stimmen redeten aufgeregt durcheinander.

"Hände hoch und Ruhe!", brüllte Sam, während von der anderen Seite des Wagens sein Bruder Nat hereinkam.

Ein gutgekleideter Herr mit Stetson und Krawatte versuchte, mit der Rechten unter die Jacke zu greifen, aber Nat war schnell genug heran und hielt ihm den Lauf seines Colts unter die Nase.

Der Mann wurde bleich.

"Versuchen Sie das nicht, Mister!"

"Nein, ich..."

"Ziehen sie es ganz langsam und vorsichtig heraus!"

"Was?"

"Das, was Sie da hervorholen wollten, verdammt noch Mal!" Er zog es ganz langsam hervor, so wie Nat Garrison es gesagt hatte. Nat kniff ärgerlich sein Auge zusammen.

Es war ein Taschentuch.



2

Es war nicht festzustellen, ob der Zug irgendwie in seiner Geschwindigkeit nachgelassen hatte. Nach Parnells Gefühl raste er noch immer mit unvermindertem Tempo über die Schwellen. Und in diesen Dingen konnte Parnell sich auf sein Gefühl verlassen. Er war auf das Dach eines Wagons geklettert und arbeitete sich jetzt zur Lok vor. Wagon für Wagon überlief er, sprang dann zum nächsten, bis da nur noch die Lok und der Kohlentender waren. Einen Moment lang zögerte er.

Er überlegte, zu springen, entschied sich dann aber dagegen. Er war zwar alles andere als ein Dandy, aber auf der anderen Seite besaß er im Moment nur eine einzige Hose und die wollte er nicht noch dreckiger machen, als sie ohnehin schon war.

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