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Die Dunkelelbin und die Feuerschale von Sundam

Hendrik M. Bekker

Die Dunkelelbin und die Feuerschale von Sundam





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Die Dunkelelbin und die Feuerschale von Sundam

von Hendrik M. Bekker

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

www.postmaster@alfredbekker.de

 

 

Klirrende Kälte ließ Kaletha Kilga frösteln. Die Dunkelelbin stellte den Kragen ihrer Jacke hoch, wodurch nur noch um ihre dunkelgrünen Augen herum ihre grau-granitfarbene Haut zu sehen war. Ihr weißgraues Haar, das ihr bis auf die Schultern reichte, zeugte schon von Weitem davon, dass sie eine Ok'tam, eine Dunkelelbin war.

Es war eine gute Nacht für den Überfall, schon bald würde sie das Objekt der Begierde ihres Auftraggebers in Händen halten. Langsam, jeden Schatten ausnutzend, schlich sie auf die Kathedrale zu. In Karadom, der Stadt, in der sie sich befand, wurde heute Abend ein großes Fest zu Ehren irgendeiner Gottheit oder wegen eines Jubiläums gefeiert, was es genau war, war Kaletha genau genommen egal. Was für sie zählte war, dass der größte Teil der Stadt auf dem Platz vor dem Palast versammelt war und sich dem Feiern hingab. Somit war die Kathedrale weniger bewacht als sonst, da es auch einen Teil der Wachleute dorthin gezogen hatte.

Langsam und jedes Geräusch vermeidend, kletterte sie an einem Vorsprung hoch, um sich durch ein nicht verglastes Fenster zu ziehen. Ohne auch nur ein Knarzen der Lederrüstung, die sie trug, landete sie auf der Galerie unter dem Fenster. Leise murmelte sie einige Formeln, die man sie in ihrer Jugend gelehrt hatte. Jeder Elb der Ok'tam, der Kinder der Nacht, lernte sie bereits mit fünf Wintern.

Sie sammelte die Schatten um sich. Die Schatten verbargen jene, die Ma'tam, den Gott der Schatten, um Hilfe baten.

Langsam schlich sie zum Geländer und überblickte das Innere der Kathedrale. Sie bestand aus drei Flügeln, die ein riesiges T bildeten. Außerdem waren überall Tribünen, die eine Art zweite hölzerne Etage darstellten. Auf einem der Gänge, die die Sitzblöcke verbanden, stand sie nun. Insgesamt konnte sie acht Wachen zählen, was ihr Herz schneller schlagen ließ. Es würde noch einfacher als sie erwartet hatte.

Die Kathedrale hatte eine Größe, dass man mindestens zwanzig Männer benötigen würde, um sie effektiv zu bewachen. Vorsichtig darauf achtend, dass die Holzbalken nicht knarrten, schlich sie vorwärts, zum Altar in der Mitte, dort, wo sich alle drei Flügel trafen. Ein einzelner Mensch stand müde davor. Auf dem steinernen Altar lag eine aus einem roten Kristall bestehende Figur. Es sah aus wie eine Schale mit Feuer darin, in deren Mitte, getragen von den Flammen, ein blutroter Smaragd saß. Doch war das Feuer, ja selbst die Schale, aus reinem Kristall geschaffen. Aus einem Stück. Das Licht der Fackeln und Feuerschalen in der Kathedrale, ließ mit seinen Reflexionen die kristallenen Flammen real wirken.

Gebannt blickte Kaletha eine Weile in den Kristall. Plötzlich begriff sie, was man ihr über ihn gesagt hatte. Seine hypnotische Wirkung zeigte sich vor allem bei den Geschöpfen der Dunkelheit. Eine weitere Wache gesellte sich zu der ersten und verwickelte sie in ein Gespräch.

Innerlich fluchte Kaletha, dass sie gezögert hatte. Langsam zog sie einen ihrer Wurfdolche aus dem Futteral in ihrem Ärmel. Ein gezielter Wurf, dann müsste sie nur noch die andere Wache erledigen, bevor sie überhaupt begreifen würde, was passierte. Sie befand sich fast direkt über ihr. Es wäre kein Problem, die Wache, müde wie sie war, mit einem Streich zu töten. Sie holte mit dem Dolch aus und zielte auf die scheinbar noch fittere Wache. Leise surrte es, als der Dolch die Luft durchschnitt. Die an der Kehle getroffene Wache sank leise stöhnend in sich zusammen. Kaletha sprang nun herunter, um im Fallen ihre Klinge in den Rücken der Anderen zu stoßen. Doch diese bewegte sich mit einem Sprung zu ihrem gefallenen Kameraden, um zu sehen, was geschehen war. Zu schnell für einen Menschen, wurde Kaletha klar. Die Wache sah die Klinge im Hals ihres Kameraden, wirbelte herum, als sie Kalethas Stiefel auf den Boden aufschlagen hörte, und zog in einer einzigen fließenden Bewegung ihr Schwert.

„Wer wagt es, in diese hochheiligen Hallen einzudringen?”, fragte er mit einem seltsamen Akzent. Nun war Kaletha klar, wieso er schneller als ein Mensch war. Es war einer der Faktoren, die man nicht mitberechnete, und die deshalb dafür sorgen konnten, dass alles schief gingen.

„Du bist kein Mensch, du bist einer der elbischen Bastarde, nicht wahr?”, fragte sie ihn anstatt zu antworten. Sie konnte sehen, dass sie Recht hatte, an der Art, wie sich sein Gesicht im Zorn verzerrte. Die „elbischen Bastarde”, wie sie von vielen genannt wurden, waren Halbelben, die durch die Mischung der Menschen mit den Elben zu Stande kamen. Sie waren weder so vollkommen wie die Elben, noch so stümperhaft wie Menschen. Somit waren sie weder im Volk der einen noch der anderen wirklich zu Hause.

„Wer will das wissen? Wer bist du, der hier eindringt, in die heilige Stätte Sundams?”, erwiderte er.

„Der Name derjenigen, die es wagt, ist der Name deines Todes”, sagte sie leise und schwang ihre gebogene Klinge in einem Seitwärtshieb gegen seinen Hals. Im letzten Moment schaffte er es, ihren Schlag abzuwehren, so dass ihre Klinge kreischend durch die Seinige abgelenkt wurde.

Im selben Augenblick hatte sie ein weiteres Messer aus ihrem Futteral gezogen und rammte es ihm nun in den Bauch. Bevor sie ausholen und ihm die Kehle durchschneiden konnte, schaffte er es allerdings noch um Hilfe zu rufen.

Sie steckte ihre Klingen zurück und griff sich das Schmuckstück. Hinter sich hörte sie Schritte, Rufe ertönten, die Wachleute hatten sie gesehen, was kein Wunder war, sie stand in der Mitte des Gebäudes, an einem Punkt, an dem selbst ihre Magie sie nicht verborgen hätte.

Mit aller Kraft schaffte sie es in einem einzigen Sprung vom Altar aus hoch zum Geländer der Galerie. Sie rannte zum nächsten Fenster und sprang ohne zu zögern nach draußen. Hinter sich konnte sie Rufe hören.

Sie hörte wie jemand „Dunkelelbin” brüllte. Sie hatten wohl ihre Haarfarbe bemerkt. Doch das war egal, sie wäre längst aus der Stadt, bis sie eine vernünftige Suchaktion überhaupt nur begonnen hätten. Sie würde nicht hier bleiben.

Dunkelelben waren zu selten in dieser Gegend. Sie würde auffallen. Geschmeidig rollte sie sich ab, landete auf ihren Füßen und lief in die Dunkelheit. Kurz darauf war sie verschwunden.

 

*

 

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