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Die Dämonenfalle

Über den Autor

Peter Hamilton, Jahrgang 1960, wurde als Autor der MINDSTAR-Thriller bekannt. Internationalen Bestsellerruhm erlangte er mit seinem ARMAGEDDON-ZYKLUS und gilt seitdem als Erneuerer der klassichen Space Opera und Begründer einer neuen Untergattung, der GOTHIC SCIENCE FICTION. Er lebt mit seiner Familie in Rutland, England.

Für all die Jungs – ehemalige, gegenwärtige und zukünftige –,
die ihre Freitagabende in den Pubs verbringen und
deren verrückte Höhenflüge der Fantasie noch um einiges
weiter gehen als irgendetwas in diesem Buch.

Vorwort

Ich bin nicht der produktivste Kurzgeschichtenverfasser. Ich mag die Form, aber momentan nimmt den größten Teil meiner Zeit das Schreiben von Romanen in Anspruch. Wenn ich Glück habe, schaffe ich vielleicht eine Story pro Jahr.

Dies nun ist eine Sammlung aller meiner Kurzgeschichten, die ich seit 1998 verfasst habe, als meine letzte Sammlung, A Second Chance at Eden (Die zweite Chance auf Eden, Bastei-Lübbe, 2001), erschien. Wenn ich sie mir so ansehe, muss ich zugeben, dass sie nicht wirklich besonders kurz geraten sind, mit Ausnahme höchstens von der Geschichte »Das ewige Kätzchen«, die ich für das großartige Magazin Nature schrieb und bei der ich mich an eine Vorgabe von unter tausend Wörtern zu halten hatte. Ja, ich kann das durchaus, aber es geschieht selten. Extrem selten.

Die übrigen sind allesamt in diversen Anthologien oder Magazinen veröffentlicht worden, abgesehen von »Ein ganz großer Deal«, einer Geschichte, die Paula Myo, die Ermittlerin aus meinem Commonwealth-Universum, in den Vordergrund rückt und die ich eigens für diese Sammlung geschrieben habe. Des Weiteren habe ich die Gelegenheit genutzt, »Abstimmung mit den Füßen« zu überarbeiten und ein wenig auf den aktuellen Stand zu bringen. Eine ungewöhnliche Maßnahme bei einer in der alternativen nahen Vergangenheit angesiedelten SF-Story, aber ich konnte nicht widerstehen.

Peter F. Hamilton

Rutland, 2011

Inhalt

  1. Den Bäumen beim Wachsen zusehen
  2. Abstimmung mit den Füßen
  3. Auf ein Neues …
  4. Das ewige Kätzchen
  5. Wenn Engel reisen
  6. Die Dämonenfalle
  7. Ein ganz großer Deal

Den Bäumen beim Wachsen zusehen

Eins

Oxford, England, A. D. 1832

Falls ich in dieser Nacht geträumt habe, dann hatte ich es in demselben Moment wieder vergessen, als mich dieses verdammte Telefon mit seinem schrillen Zwei-Töne-Geplärre weckte. Im Dunkeln tastete ich nach der Nachttischlampe, während Myriam neben mir auf der Matratze unruhig wurde und stöhnte. Sie war im siebten Monat schwanger mit unserem Kind und hatte für die Anrufe, die ich zu den unseligsten Zeiten erhielt, inzwischen nur noch wenig Verständnis. Ich fand das kleine, von der Lampe herabbaumelnde Kettchen, zog daran und hob den schwarzen Bakelithörer ab.

Ich war nicht überrascht, als mir die vollen Vokale von Francis Haughton Raleigh über die knackende Verbindung ins Ohr drangen. Der alte missus dominicus der Familie war mein unmittelbarer Vorgesetzter. Nur wenige außer ihm würden es wagen, durch einen nächtlichen Anruf meinen Unmut zu wecken.

»Edward, mein Junge«, knurrte er. »Es tut mir furchtbar leid, Sie zu so unchristlicher Stunde wecken zu müssen.«

Ich warf einen Blick auf die Messinguhr auf der Kommode; ihr Leuchtziffernblatt zeigte eine Viertelstunde nach Mitternacht an. »Ist schon in Ordnung, Sir. Ich hab’ noch nicht geschlafen.«

Myriam wälzte sich zu mir herum und sah mich mit spöttischem Blick an.

»Bitte, lassen wir doch das ›Sir‹. Die Sache ist die, Edward, wir haben ein kleines Problem.«

»Wo?«

»Hier in der Stadt, ist das zu fassen? Es sind wirklich abscheuliche Neuigkeiten. Ein Student ist tot. Die Polizei scheint von Mord auszugehen.«

Ich hörte mit dem Herumgezappel auf und war plötzlich hellwach. Mord, eine Konzeption, die ebenso erschreckend wie schwer zu begreifen war. Was für ein vorimperialer Barbar konnte einem anderen Menschen so etwas antun? »Jemand von Unseren?«

»Scheint so. Jedenfalls ein Raleigh. Eine offizielle Bestätigung dafür steht allerdings noch aus.«

»Ich verstehe.« Ich setzte mich aufrecht, und die Flanelldecke rutschte mir von den Schultern. Myriam runzelte jetzt die Stirn, mehr beunruhigt als verwirrt.

»Können wir diese Bestätigung bekommen?«, fragte ich.

»Durchaus. Und noch einiges mehr. Ich fürchte, Ihnen und mir wurde in diesem Fall die familiäre Zuständigkeit übertragen. Ich hole Sie in zehn Minuten ab.« In dem Hörer setzte ein Summen ein, als die Verbindung abbrach.

Ich beugte mich zu Myriam herunter und küsste sie sanft. »Ich muss noch mal weg.«

»Was ist los? Was ist passiert?«

In ihrem Gesicht spiegelte sich Sorge. So sehr, dass ich es nicht über mich brachte, ihr die Wahrheit zu sagen. Nicht, dass sie nicht stark genug gewesen wäre. Myriam war ausgebildete Krankenschwester und im städtischen Hospital tagtäglich mit Elend und Leid konfrontiert – ohne Zweifel hatte sie in ihrem Leben schon wesentlich mehr Leichen gesehen als ich. Aber diese Art von Neuigkeiten auszuplaudern, widerstrebte all meinen Instinkten. Vage hatte ich das Gefühl, als versuchte ich unser Ungeborenes zu beschützen. Ich wollte einfach nicht, dass mein Kind in eine Welt hineingeboren wurde, in der solche Gräuel möglich waren.

Mord.

Unwillkürlich erschauerte ich, während ich mein Hemd überstreifte und mit kalten Fingern ungeschickt die kleinen Perlmuttknöpfe schloss. »Irgendein Unfall, nehmen wir an. Francis und ich sollen die Angelegenheit untersuchen. Ich erzähl’s dir morgen.«

Wenn sich, so die Jungfrau Maria wollte, alles möglicherweise als schrecklicher Irrtum herausgestellt haben würde.

Mein Lederaktenkoffer befand sich im Arbeitszimmer; er war ein Geschenk meiner Mutter zum bestandenen juristischen Examen. Ich hatte ihn bisher kaum benutzt; einige der edlen Zubehörutensilien waren aus ihren Fächern und Schlaufen noch nie herausgenommen worden. Als wäre er eine Art Sicherheitsgarantie und sein wissenschaftlicher Inhalt ein Schild gegen die Unlogik dort draußen in der nächtlichen Stadt, schnappte ich ihn mir.

Ich musste in der Lobby nicht lange warten, bis Francis’ großes schwarzes Auto am Bordstein vorfuhr und dessen Reifen die matschigen Überreste des Schneefalls der vergangenen Woche zerquetschten. Geduldig wartete der alte Mann, bis ich die Sicherheitsgurte um Brust und Schultern angelegt hatte, bevor er die Batterie einschaltete und den Getriebehebel umlegte. Leise glitten wir auf die kopfsteingepflasterte Straße, starke gelbe Scheinwerfer warfen einen weiten Lichtfächer voraus.

Die Wohnung, die Myriam und ich gemietet hatten, befand sich im Stadtteil Botley, einem freundlichen Bezirk mit Wohnblocks und gepflegten Parkanlagen, in dem die Erdgeschosse der meisten Gebäude von kleineren Unternehmen und Geschäften eingenommen wurden. Es zog vor allem jüngere, berufstätige Mitglieder der besseren Familien hierher; bei Tage füllten ihre angestellten Nannys die Straßen mit Kinderwagen und Schwärmen von kleinen, überdrehten Rackern. Nachts jedoch, wenn diese Lebendigkeit fehlte, wirkte der Distrikt irgendwie trostlos.

Francis drehte am Motorpotenziometer und trieb den Wagen auf sage und schreibe fünfundzwanzig Meilen pro Stunde. »Wissen Sie, in Momenten wie diesem wünschte ich, der Römische Kongress hätte im vergangenen Jahr nicht die Verbrennungsmaschinen verboten«, knurrte er. »Wir könnten in einer halben Minute da sein.«

»Die Batterien werden besser werden«, erklärte ich ihm geduldig. »Und Petroleum ist ein gefährliches Zeugs. Es könnte bei einem Unfall explodieren.«

»Ich weiß, ich weiß. Dieser Geschwindigkeitswahn entspricht eher dem Denken der Kurzlebigen. Aber manchmal frage ich mich, ob wir heutzutage nicht zu ängstlich sind. In aller Regel ist der Durchschnittsbürger durchaus verantwortungsbewusst. Es ist ja nicht so, als führen die Leute nur mit dem Auto herum, um damit Schaden anzurichten. Über die Reiterei hat sich noch nie jemand beschwert.«

»Da ist auch noch der Faktor Umweltverschmutzung. Und wir können es uns nicht leisten, so verschwenderisch mit unseren Rohstoffen umzugehen. Es gibt nur eine begrenzte Menge Erdöl auf dem Planeten, und Sie kennen ja die Bevölkerungsprognosen. Wir müssen an die Zukunft denken, immerhin werden wir den Rest unseres Lebens hier verbringen.«

Francis seufzte theatralisch. »Netter Vortrag. Ach, ihr jungen Leute seid immer so herrlich enthusiastisch.«

»Ich bin achtunddreißig«, erinnerte ich ihn. »Ich habe bereits drei anerkannte Kinder.« Und bei einem davon war es ein echter Kampf gewesen, den amtlichen Familieneintrag zu erlangen. Das Ergebnis einer Jugendaffäre mit einem Mädchen auf dem College. Solche Dinge passieren.

»Achtunddreißig«, sagte Francis wegwerfend. »Wissen Sie, als ich noch jung war, kaum aus den Windeln heraus, wenn man so will, traf ich einmal einen alten Mann, der behauptete, sich noch an den Rückzug der letzten römischen Legionäre aus Britannien in seinen Kindertagen erinnern zu können.«

Rasch rechnete ich im Kopf nach. In Anbetracht von Francis´ Alter konnte das durchaus hinkommen. »Interessant.«

»Kommen Sie mir nicht so von oben herab, Jungchen. Die Sache ist die, dass Fortschritt auch seine Probleme mit sich bringt. Die Welt hat sich zu den Lebzeiten dieses alten Mannes nur wenig verändert – sie war beinahe die gleiche wie in der Zweiten Imperialen Epoche. Heute dagegen wird jedes Mal, wenn uns eine neue wissenschaftliche Entdeckung in den Schoß fällt, unsere ganze Denkweise, unser Blick auf die eigene Existenz über den Haufen geworfen. Er hatte Stabilität. Die haben wir nicht. Und deshalb müssen wir härter arbeiten, müssen wir wachsamer sein. Das ist für jemanden meines Alters mitunter recht mühsam.«

»Wollen Sie damit sagen, die heutige Welt macht Mord wahrscheinlicher?«

»Nein. So weit ist es noch nicht. Aber es könnte einmal so kommen. Veränderungen lösen immer einen Dominoeffekt aus. Und dessen müssen Leute wie Sie und ich uns vor allem anderen bewusst sein. Schließlich sind wir die ernannten Hüter.«

»Ich werd’s mir merken.«

»Und Sie müssen es sich auch weiterhin merken, nicht nur für jetzt, sondern für Jahrhunderte.«

Ich schaffte es, mir ein amüsiertes Kopfschütteln zu verkneifen. Der alte Mann schwadronierte bei jeder Gelegenheit über die Unwägbarkeiten und Gefahren der Zukunft. Doch angesichts der immensen sozialen und technologischen Entwicklung, die er in den letzten vierhundert Jahren miterlebt hatte, war das ein Spleen, den ich gerne entschuldigen wollte. Zu der Zeit, als er in meinem Alter gewesen war, hatte die Welt auf Errungenschaften wie Elektrizität und Leitungswasser noch gewartet; Heilkunde hatte damals aus von hutzeligen Mütterchen aufgekochten Kräutern und aus Salben und Arzneien bestanden, deren Anfertigung nach einem überlieferten Wissen geschah, das bereits in der Ersten Imperialen Epoche steinalt gewesen war. »Was wissen wir eigentlich über diesen vermeintlichen Mord?«

»Herzlich wenig. Die Polizei hat das örtliche Familienbüro angerufen, von wo aus die Sache direkt an mich weitergeleitet wurde. Bei dem Gentleman, von dem wir reden, handelt es sich um Justin Ascham Raleigh, von den Raleighs in Nottingham. Offenbar hat sein Nachbar Geräusche aus seinem Quartier gehört, die ihn zu der Annahme kommen ließen, dass dort ein heftiger Streit oder eine tätliche Auseinandersetzung im Gange war. Er hat daraufhin die Hausmeister gerufen. Die haben dann die Tür zu den Zimmern geöffnet und Justin Ascham Raleigh dort gefunden, oder jedenfalls eine Leiche.«

»Irgendwelche verdächtigen Umstände?«

»Ganz eindeutig ja.«

Wir fuhren ins Zentrum von Oxford. Halb eins in der Nacht war nach den Maßstäben der Stadt noch nicht spät. Die von Bäumen gesäumten Straßen waren voller Studenten, die gerade erst anfingen, aus den Cafés und Kneipen aufzubrechen. Lärmend, jawohl; ich konnte mich noch gut an meine eigenen Studienzeiten erinnern, zuerst als Student der Naturwissenschaften, dann zuletzt der Juristerei. Lautstark kehrten die angehenden Akademiker in ihre Studentenbuden und Wohnheime zurück. Sie skandierten schlüpfrige Verse, tranken Wein aus der Flasche, schleuderten Bücher und Taschen umher … einige, die auf dem vereisten Bordstein ein Wettschlittern veranstalteten, kabbelten sich sogar über- und untereinander auf dem Boden. Polizisten wie Hausmeister sahen dergleichen Treiben nachsichtig zu, denn schlimmer als diese harmlosen Balgereien wurde es nie.

Als vor uns ein Haufen Nachtschwärmer über die Straße stürmte, verlangsamte Francis das Tempo auf annährend Kriechgeschwindigkeit. Einer der jungen Burschen zeigte uns seinen nackten Hintern, bevor er weiterrannte und in der Menge seiner lachenden Freunde verschwand. Es waren auch viele Mädchen dabei, von denen etwa die Hälfte unübersehbar schwanger war.

»Der hat uns offenbar für Ordnungshüter gehalten«, brummte Francis mit dünnem Lächeln. »Ich könnte ihm bestimmt noch das eine oder andere über unartiges Benehmen beibringen.«

Vor dem Haupteingang des Dunbar College hielten wir an. Ich war seit gut einem Jahrzehnt nicht mehr in diesen Hallen gewesen und hatte auch nur wenige Erinnerungen an den Ort. Es handelte sich um ein sechsstöckiges Gebäude aus blassgelbem Stein, mit großen, längs unterteilten und auf den breiten Boulevard hinausblickenden Fenstern. Der Schnee war von dem Zuweg geräumt und beiderseits des in den Innenhofs führenden Torwegs zu großen Hügeln aufgetürmt worden. In dem Hausmeisterbüro gleich hinter dem Eingang, wo behaglich ein gusseiserner Kanonenofen bullerte, warteten ein Polizeibeamter und ein Hausmeistergehilfe auf uns. Sie begrüßten uns knapp und führten uns umgehend ins Innere des Gebäudes.

Auf den langen Korridoren schlenderten missmutig Studenten auf und ab, mit nichts als dem Schlafanzug am Leibe oder in wärmende Wolldecken geschlungen. Sie wussten, dass irgendetwas passiert war, aber nicht, was. Hausmeister in schwarzer Montur schritten die Kreuzgänge und Flure entlang und riefen sie auf, Ruhe und Geduld zu bewahren. Immer wenn wir an kleinen Grüppchen vorbeistiefelten, verstummte schlagartig jedes Gespräch.

Wir gingen zwei Treppenabsätze weiter nach oben und folgten dann einem weiteren Flur. Der Erste Hausmeister stand vor einer massiven Holztür, die sich in keiner Weise von denen der zwanzig anderen Unterkünfte auf dem Gang unterschied. Tiefste Betroffenheit zeichnete sich auf seinem alten, zerknitterten Gesicht ab. Er nickte, als der Polizeibeamte ihm sagte, wer wir waren, und führte uns hinein.

Justin Ascham Raleighs Quartier war typisch für das eines Studenten im letzten Jahr – drei eigene Zimmer: Schlafzimmer, Wohnraum und Arbeitsbereich. Sie besaßen hohe Decken, holzvertäfelte Wände und lange, früher einmal prunkvolle, doch mit den Jahren dunkel gewordene Vorhänge vor den Fenstern. Sämtliche Verbindungstüren standen sperrangelweit offen, sodass wir am anderen Ende der bescheidenen Zimmerflucht die Ecke eines Betts erkennen konnten. In dem kleinen Kamin im Arbeitszimmer hatte ein Feuer gebrannt; die Glut glomm immer noch und hielt die kalte Nachtluft ab.

Eine kleine Gruppe von Leuten erwartete uns. Mit einem raschen Blick verschaffte ich mir einen ersten Eindruck von ihnen: drei Studenten dem Erscheinungsbild nach, zwei junge Männer und ein Mädchen, Letzteres offensichtlich äußerst verzweifelt; und ein älterer Mann in einer jadegrünen Polizeiuniform mit den fünf goldenen Sternen eines leitenden Detectives. Mit düsterer und leiser Stimme stellte er sich uns als Gareth Alan Pitchford vor. »Und ich habe schon viel von Ihnen gehört, Sir. Ihr guter Ruf ist in dieser Stadt bestens bekannt.«

»Wir danken Ihnen«, erwiderte Francis liebenswürdig. »Dies ist mein Stellvertreter, Edward Buchanan Raleigh.«

Gareth Alan Pitchford erwies mir ein höfliches Lächeln, so freundlich, wie es die Situation zuließ, aber nicht wirklich interessiert. Stoisch nahm ich es hin.

»Also, was haben wir hier?«, fragte Francis.

Detective Pitchford führte uns in das Arbeitszimmer. Regale mit wissenschaftlichen Fachbüchern und klassischer Literatur bedeckten zwei Wände. Die anderen Wände schmückten erstaunlich detaillierte Sternenkarten, die sich mit großen Fotografien von außergewöhnlichen astronomischen Erscheinungen abwechselten. Auf einem breiten Eichenschreibtisch, inmitten eines Wusts von Blättern und aufgeschlagenen Fachzeitschriften, thronte prominent eine sperrige Elektroschreibmaschine. Hinter dem Schreibtisch stand ein gewöhnlicher, aus Metall und Leder gefertigter Bürosessel mit Rollen. Eine graue Sportjacke hing über seiner Lehne.

Die Leiche lag in einer Ecke und war mit einem dunkelblauen Nylonlaken verhüllt. Der abgenutzte türkische Teppich war durchtränkt von Blut, dessen Spur mit einem großen Fleck in der Zimmermitte begann und sich von dort aus in mehreren hässlichen Klecksen zu der dunklen Färbung um den Toten herum zog.

»Kein schöner Anblick«, warnte uns der Detective, als er das Laken zurückschlug.

Ich gebe freimütig zu, dass keine Selbstbeherrschungsübung mein Zurückzucken hätte verhindern können bei dem, was ich im nächsten Augenblick sah. Angeekelt drehte ich rasch meinen Kopf zur Seite. In Justin Ascham Raleighs rechtem Auge steckte ein Messer, es war fast bis zum Heft in seinen Schädel versenkt.

Der Detective zog das Laken weiter zurück, und ich zwang mich dazu, meine Untersuchung fortzusetzen. Über Justins Unterleib zog sich ein tiefer Schnitt, und sein zerrissenes Hemd war dunkelrot besudelt. »Wie man sieht, zielte der erste Angriff auf den Bauch ab«, sagte der Detective. »Er hat das Opfer außer Gefecht gesetzt und muss in etwa hier erfolgt sein.« Er zeigte auf den glänzenden Blutfleck in der Mitte des Raums. »Ich nehme an, Mr Raleigh ist daraufhin in die Ecke getaumelt und dort zu Boden gesunken.«

»Wo der Täter ihm den Rest gegeben hat«, stellte Francis sachlich fest. »Ich würde meinen, dass er aufgrund des Blutverlustes durch die erste Verletzung ohnehin nicht überlebt hätte, aber sein Angreifer wollte offenbar auf Nummer sicher gehen.«

»So stellt es sich mir auch dar«, sagte der Detective.

Francis schaute mich mit fragendem Blick an.

»Oh, äh, ja, ganz meine Meinung«, stammelte ich.

Sichtlich angewidert machte Francis eine knappe Bewegung mit der Hand, und das Laken wurde wieder über den Toten gebreitet. In stillem Einvernehmen entfernten wir uns alle drei von der Leiche und zogen uns zur Tür zum Wohnzimmer zurück.

»Könnten wir bitte den vollständigen Ablauf der Ereignisse bekommen?«, fragte Francis.

»Bisher haben wir nicht viel«, entgegnete der Detective. »Mr Raleigh und fünf seiner Freunde waren früher an diesem Abend im Restaurant Orange Grove, um dort gemeinsam zu speisen. Sie hielten sich von halb acht bis ungefähr zehn Uhr dort auf, dann sind sie aufgebrochen und haben sich getrennt. Mr Raleigh traf etwa gegen zwanzig nach zehn wieder hier ein. Allein – das kann der Hausmeister bezeugen. Dann, circa um halb elf, hat sein Wohnungsnachbar einen lauten Wortwechsel gehört, danach einen Schrei. Er hat daraufhin sofort unten im Hausmeisterbüro angerufen.«

Ich schaute von der Leiche zu der Tür, die auf den Korridor hinausführte. »Wurde niemand dabei gesehen, oder wenigstens gehört, wie er die Wohnung verließ?«

»Anscheinend nicht, Sir«, erwiderte der Detective. »Der Nachbar hat sich direkt auf den Flur hinausbegeben, um dort auf die Hausmeister zu warten. Er hat diese Räume selbst nicht betreten, aber er schwört, dass, solange er dagestanden hat, niemand herausgekommen ist.«

»Aber es gab ein kurzes Zeitfenster«, wandte ich ein. »Nach dem Schrei hat er einen Augenblick gebraucht, um die Hausmeister anzurufen – schätzungsweise eine Minute.«

»Es ist unwahrscheinlich, dass um die besagte Zeit niemand diesen Flur benutzt hat«, konstatierte der Detective. »Und die Kleidung unseres Mörders war vermutlich voller Blut. Außerdem ist er gerannt.«

»Und hat einigermaßen panisch gewirkt, davon kann man wohl ausgehen«, sagte Francis. »Irgendjemand hätte ihn gesehen und würde sich erinnern.«

»Es sei denn, der Nachbar wäre selbst der Mörder«, bemerkte ich.

»Hey!«, blaffte einer der Studenten. »Reden Sie nicht über mich, als wäre ich irgendein Möbelstück. Sofort nachdem ich den Schrei gehört habe, habe ich die Hausmeister gerufen. Ich hab’ Justin verdammt noch mal nicht ermordet. Ich mochte ihn. Er war ein super Kumpel.«

»Peter Samuel Griffith«, klärte der Detective uns auf. »Mr Raleighs Wohnungsnachbar.«

»Ich bitte um Entschuldigung«, sagte Francis sanft. »Mein Kollege und ich schließen lediglich Möglichkeiten aus. Ich fürchte, wir sind wegen dieser Sache alle ein wenig durcheinander.«

Peter Samuel Griffith grunzte halbwegs beschwichtigt.

Ich schaute den Detective an. »Wenn also der Mörder nicht durch die Vordertür hinaus ist …«

Francis und ich zogen die Vorhänge zurück. Justin Ascham Raleighs Fenster gingen auf den Innenhof des Colleges hinaus. Sie befanden sich in einer Ecke, in die nur wenig Licht von dem erleuchteten Fußweg drang, der über die zugeschneite Rasenfläche verlief. Eingedenk etwaiger Indizien öffnete ich meinen Koffer und nahm ein Paar eng anliegende Gummihandschuhe heraus. Der Riegel des Fensters war geöffnet. Als ich den eisernen Rahmen versuchsweise anstieß, schwang er leichtgängig auf. Wie ein paar neugierige Kinder in einer Rummelplatzattraktion steckten wir unsere Köpfe hinaus. Die Gebäudemauer gleich außerhalb des Fensters war von einer Glyzinie überwuchert, die alten, knorrigen Ranken verflochten sich unter einer dicken Schicht aus weißen Eiskristallen zu einem heillosen Gewirr – und erstreckten sich wenigstens zwei weitere Stockwerke nach oben.

»Die optimale Leiter«, sagte Francis leise. »Und der Blitz soll mich treffen, wenn es in diesem Bildungsbunker nicht mindestens ein Dutzend Wege hinein oder hinaus gibt, bei denen man nicht Gefahr läuft, einem Hausmeister in die Arme zu rennen.«

Der Detective betrachtete die das Fenster umschließenden Ranken. »Ich hab’ davon gehört, dass die Gentlemen vom Dunbar College so ihre Kniffe und Tricks haben, um es ihren Freundinnen zu ermöglichen, sie nach Toresschluss auf den Zimmern zu besuchen.«

»Und da es zur Tatzeit bis zum Toresschluss noch etwas hin war, hat niemand diese Alternativrouten genutzt. Der Mörder konnte also völlig ungestört entkommen«, sagte Francis.

»Falls wir mit unserer Annahme richtigliegen, dann handelt es sich hier um ein sorgfältig geplantes Verbrechen«, bemerkte ich. Wenn überhaupt, dann machte das die ganze Sache nur schlimmer.

Francis verschränkte die Finger ineinander, als wollte er die Hände ringen. Er schaute hinter sich auf die verhüllte Leiche. »Und doch spricht die Art und Weise des Angriffs mehr für ein Verbrechen im Affekt als für einen kühl durchdachten Plan. Sehr seltsam.« Er richtete seinen Blick ein weiteres Mal auf die Studenten. »Von Mr Griffith wissen wir es ja nun schon, Detective Pitchford. Aber wie kommen diese beiden anderen bekümmerten Menschenkinder hierher?«

»Sie sind Mr Raleighs engste Freunde. Ich glaube, Mr Griffith hat einen von ihnen angerufen, nachdem er den Hausmeistern Bescheid gesagt hatte.«

»Ja, mich«, sagte der andere junge Mann. Er hatte seinen Arm schützend um das jämmerlich schluchzende Mädchen gelegt.

»Und Sie sind?«, fragte Francis.

»Carter Osborne Kenyon. Ich war ein guter Freund von Justin. Wir haben heute zusammen zu Abend gegessen.«

»Ich verstehe. Und Sie haben dann die junge Lady hier angerufen?«

»Ja. Das ist Bethany Maria Caesar, Justins Freundin. Ich wusste, dass sie sich bestimmt Sorgen um ihn machen würde.«

»Natürlich. Und kann sich einer von Ihnen beiden erinnern, dass bei irgendeiner Gelegenheit Mr Raleigh gegenüber Drohungen ausgesprochen wurden? Hatte er vielleicht irgendwelche Feinde?«

»Niemand hat Justin jemals bedroht. Das ist vollkommen absurd. Und was geht das eigentlich Sie an? Die Polizei sollte diese Fragen stellen.«

Die Veränderung in Francis’ Haltung war marginal, erfolgte jedoch auf dem Fuße; er war nach wie vor ruhig, doch nicht mehr so duldsam. Und das war ihm deutlich anzumerken. Sogar Carter Osborne Kenyon erkannte, dass er einen gewaltigen Fauxpas begangen hatte. Dies war genau die Art von Umschalten, die ich, wie mir klar war, unbedingt für mich selbst perfektionieren musste, wollte ich jemals darauf hoffen, die Leiter in der Familienhierarchie nach oben zu klettern.

»Ich bin der oberste Repräsentant des Hauses Raleigh in Oxford«, sagte Francis betont gelassen. »Auch wenn sich das aus Ihrer Sicht vielleicht als ein beneidenswerter Ruheposten darstellen mag, so kann ich Ihnen versichern, dass selbiger durchaus nicht nur aus Mittagessen und Cocktailpartys mit anderen dicken alten Männern meiner Sorte besteht, bei denen wir unermüdlich irgendwelche Sachen auskungeln, wie wir die jungen Leute ans Arbeiten kriegen. Ich bin hier, um die offiziellen Ermittlungen zu verfolgen und die Polizei mit allen unserer Familie zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen, die zur Ergreifung des Mörders beitragen können. Aber um diese Unterstützung überhaupt anbieten zu können, muss ich zunächst durchblicken, was eigentlich genau passiert ist, denn wir werden diese Sache nicht eher auf sich beruhen lassen, bis dieser Barbar seiner gerechten Strafe zugeführt worden ist. Ich verspreche Ihnen, wenn Sie das da unter diesem Laken wären, würde Ihre Familie ebenso unverzüglich einen Repräsentanten entsenden. Nur so und nicht anders funktioniert diese Welt, und Sie sind alt und gebildet genug, um das zu wissen.«

»Ja, sicher«, erwiderte Carter Osborne Kenyon mürrisch.

»Sie werden ihn doch fassen, nicht wahr?«, fragte Bethany Maria Caesar flehend.

Schlagartig war Francis wieder der vollendete Gentleman. »Natürlich werden wir das, meine Liebe. Wenn irgendetwas auf dieser Welt sicher ist, dann das. Ich werde nicht eher ruhen, bis dieser Fall aufgeklärt ist.«

»Und ich ebenso wenig«, versicherte ich ihr.

Sie schenkte uns ein schwaches Lächeln. Ein hübsches Mädchen, trotz ihres verweinten Gesichts und der verschmierten Schminke; groß und schlank, mit blondem, ihr knapp bis über die Schultern fallendem Haar. Justin war ein glücklicher Mann gewesen. Ich konnte mir gut vorstellen, wie sie beide an einem Sommerabend Hand in Hand irgendein Flussufer entlangschlenderten. Es machte mich sogar noch wütender, dass dieser buchstäbliche Inbegriff an Schicklichkeit durch diese abscheuliche Tat für so viele junge Leben auf immer verloren gegangen war.

»Danke«, flüsterte sie. »Ich habe ihn wirklich geliebt. Wir haben sogar darüber gesprochen, dass wir nach unserer Zeit in Oxford heiraten wollten. Ich kann das alles nicht glauben … nichts von all dem.«

Carter Osborne Kenyon drückte sie noch fester an sich.

Ich versuchte, mich auf die vor uns liegende Aufgabe zu konzentrieren. »Wir hätten gern Proben von allem, was die Spurensicherung hier findet; Fasern, Haare, was auch immer«, ließ ich den Detective wissen. Die grundsätzliche Herangehensweise, die mir in meinem Ermittlerseminar am Familieninstitut wieder und wieder eingetrichtert worden war. Doch aufgrund dessen, was ich sah, drängten sich auch andere Strategien auf. Ich senkte meine Stimme und drehte mich ein wenig von den Studenten weg, sodass ich freimütig sprechen konnte und ihnen zum gegenwärtigen Zeitpunkt jeden weiteren Kummer ersparte. »Und es wäre vielleicht keine schlechte Idee, von Personen in unmittelbarer Nachbarschaft sowie von allen Verdächtigen, die Sie ermitteln, eine Blutprobe zu nehmen. Sie sollten auf Alkohol oder Rauschgift hin untersucht werden. Wer immer das hier getan hat, war jedenfalls völlig neben der Spur.«

»Jawohl, Sir«, erwiderte der Detective. »Meine Leute sind bereits unterwegs. Das sind Experten, die kennen sich aus.«

»Sehr schön«, sagte Francis. Er bedachte mich mit einem zurechtweisenden Blick. »Wenn wir außerdem bitte bei den Befragungen zugegen sein dürften?«

»Gewiss.«

Das Polizeirevier Oxford City befand sich vom Dunbar College weniger als eine Meile entfernt. Als Francis und ich um ein Uhr dort ankamen, waren nur ein paar Beamte im Dienst. Das änderte sich allerdings im Verlauf der nächsten Stunde, während der Gareth Alan Pitchford mit beeindruckender Kompetenz sein Ermittlerteam zusammenstellte. Nach und nach trudelten verschlafen und in ungebügelten Uniformen immer mehr Polizeibeamte ein, drehten in unbenutzten Büros die Heizkörper hoch und forderten in Magazinen Ausrüstung an. Ein paar Leute vom Kantinenpersonal kamen ebenfalls herein und machten sich umgehend daran, für die versammelte Mannschaft Tee und Kaffee zu kochen.

Die Einsatzzentrale für Schwerverbrechen im Gebäude erwachte zu rührigem Leben, als Gareth Alan Pitchford fast ununterbrochen dort jedem neuen Mitglied seiner rekrutierten Trupps Instruktionen erteilte. Sekretärinnen begannen auf Schreibmaschinen zu klappern; Detectives pinnten Oxforder Stadtpläne in großen Maßstäben an die Wand; Namen wurden eilig an das Schwarze Brett gekritzelt und miteinander durch ein labyrinthisches Linienwirrwarr auf verschiedene Weisen verbunden; Telefone hoben ein schrilles Dauerpfeifkonzert an.

Leute wurden hereingebracht und gebeten, in Zellenräumen zu warten. Die Hauptverdächtigen, obwohl niemand so unhöflich war, ihnen dies ins Gesicht zu sagen. Nicht lange, und Gareth Alan Pitchford hatte über dreißig junge Männer und Frauen da sitzen, die isoliert und mit gemischten Gefühlen ihrer Zukunft entgegenblickten.

»Ich hab’ sie in zwei Kategorien unterteilt«, erklärte er dem Team in der Einsatzzentrale. »Zum einen die Dunbar-Studenten. Sie teilen sich alle denselben Wohntrakt und befanden sich somit theoretisch in hinreichender Nähe zum Tatort, um den Mord an Raleigh begangen haben zu können. Aber sie besaßen kein uns bekanntes Motiv, lediglich die Möglichkeit. Und zum anderen eine Handvoll seiner engsten Freunde. Wir warten noch darauf, dass der letzte von ihnen hier eintrifft, aber wie ich unterrichtet wurde, haben die Uniformierten ihn inzwischen gefunden. Als Erstes möchte ich, dass der Arzt, noch bevor wir mit den Vernehmungen anfangen, von allen eine Blutprobe nimmt. Sollte dieses Verbrechen unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol begangen worden sein, müssen wir uns beeilen, die Beweise zu sichern.«

Diskret im hinteren Teil des Raumes stehend beobachtete ich, wie die anderen Beamten dem zustimmten. Es schien so, als sähen auch sie in Letzterem die wahrscheinlichste Erklärung. Genau wie ich wünschten auch sie sich keine Welt, in der eine normale, in ihrem Handeln unbeeinträchtigte Person einer anderen so etwas antun konnte.

»Falscher Ansatz«, murmelte mir Francis leise zu.

»Inwiefern?«, flüsterte ich zurück.

»Dieser Mord war geplant, der Täter ist methodisch und mit Bedacht zu Werke gegangen. Drogen und Alkohol würden einen plötzlichen Koller implizieren. Eine irrationale Tat, für die es Zeugen gegeben hätte. Denken Sie an meine Worte: Weder auf dem Messer noch auf dem Fenster werden sich irgendwelche Fingerabdrücke finden.«

»Da könnten Sie recht haben.«

»Wenn Pitchford mit den Vernehmungen beginnt, will ich, dass wir bei denen von Justins Freunden dabei sind. Muss ich Ihnen erklären, warum?«

»Nein.« Zu jener Zeit habe ich die verkappten Bewährungsprüfungen des alten Mannes ebenso geschätzt wie gehasst. Indirekt war es durchaus ein Kompliment, dass er mich für befähigt genug hielt, irgendwann einmal in seine Fußstapfen zu treten; aber sosehr mich dies auch freute, sosehr ärgerte es mich, dass ich wie der Bürogehilfe vom Dienst behandelt wurde. »Wer immer das hier getan hat, muss Justin gekannt haben, was bedeutet, dass seine Freunde die einzigen wirklichen Tatverdächtigen sind.«

»Ich freue mich zu sehen, dass all die teuren Seminare, auf die wir Sie geschickt haben, keine völlige Fehlinvestition gewesen sind«, erwiderte Francis. Ich vermeinte einen Anflug von Anerkennung in seiner Stimme zu hören. »Sonst könnte ich mir als Täter nur noch einen Kurzlebigen vorstellen. Sie achten ein Menschenleben nicht so hoch wie wir.«

Ich bewahrte eine gleichmütige Miene, doch kam ich nicht umhin, in ihm einen alten, im Grunde seines Herzens Ewiggestrigen zu sehen. Die Unsitte, immer gleich den Kurzlebigen die Schuld an allem und jedem zu geben, von einer schlechten Ernte bis hin zu einer Reifenpanne, entsprang einer Voreingenommenheit, die bis in die Anfänge der Zweiten Imperialen Epoche zurückreichte, als während des Zeitvertreibs der Kaiser die Grundsteine für die heutigen Familien gelegt worden waren. Unser Marsch durch die Geschichte ist, so hat es den Anschein, nicht gänzlich ohne Fehl und Tadel.

Das Vernehmungszimmer wurde von zwei Hundert-Watt-Birnen in weißen Keramiklampenschirmen erhellt. Ein krasses Licht in einer so winzigen Schachtel von Raum. Bernsteingelbe Kacheln zierten die untere Hälfte der Wände und trugen das Ihrige zu der kalten Atmosphäre bei. Die einzige Tür war aus robustem Metall und wies ein auf halber Höhe eingelassenes Gitter auf.

Auf einem Holzstuhl hinter dem Tisch saß Peter Samuel Griffith. Die Umgebung bereitete ihm sichtlich Unbehagen. Er presste ein kleines steriles Pflaster auf den Einstich in seinem Arm, wo der Polizeiarzt eine Blutprobe entnommen hatte. Ich machte mir mit meinem tollen Schreibstift eine rasche Notiz, um nicht zu vergessen, mir dergleichen Proben für eine Untersuchung in unserem Familieninstitut zu besorgen.

Detective Gareth Alan Pitchford und eine junge Stenografin setzten sich Mr Griffith gegenüber, während Francis und ich an der Tür stehenblieben und versuchten, möglichst unauffällig zu erscheinen.

»Zunächst einmal interessiert mich vor allem der genaue zeitliche Ablauf der Ereignisse«, begann der Detective. »Wären Sie so nett, mir alles noch einmal so zu schildern, wie es sich aus Ihrer Sicht abgespielt hat?«

»Aber das habe ich doch bereits getan«, sagte Peter Samuel Griffith. »Ich habe an einem Aufsatz gearbeitet, als ich nebenan etwas hörte, das nach einer Auseinandersetzung klang.«

»Was für eine Art von Auseinandersetzung? Haben Sie lautes Geschrei vernommen, Kampfgeräusche vielleicht?«

»Nein. Nur Stimmen. Sie waren gedämpft, aber wer immer dort bei Justin gewesen ist, er war definitiv nicht seiner Meinung. So etwas merkt man, wissen Sie?«

»Haben Sie die andere Stimme erkannt?«

»Nein. Eigentlich hab ich sie nicht mal richtig gehört. Die andere Person dort hat ziemlich leise gesprochen. Es war Justin, der laut geworden ist. Dann hat er aufgeschrien. Das war so gegen halb zwölf. Da hab’ ich die Hausmeister angerufen.«

»Sofort?«

»Mehr oder weniger, ja.«

»Ah, sehen Sie, Peter, genau das ist mein Problem. Ich untersuche einen Mordfall, und dazu brauche ich harte Fakten. Und Sie kommen mir mit mehr oder weniger. Haben Sie sie sofort angerufen? Wenn nicht, dann wäre das kein Verbrechen. Sie haben sich richtig verhalten, aber ich muss die genauen Einzelheiten wissen.«

»Na ja, also schön … ich hab ein bisschen gewartet. Nur um zu hören, ob noch was kam. Dieser Schrei war ziemlich heftig. Als ich dann nichts mehr hörte, hab ich mir echte Sorgen gemacht und nach unten telefoniert.«

»Danke, Peter. Und was meinen Sie, wie lange haben Sie etwa gewartet?«

»Vielleicht eine Minute oder so. Ich … ich wusste zuerst nicht, was ich tun sollte … Die Hausmeister zu alarmieren, erschien mir ein wenig drastisch. Ich meine, es konnte ja sein, dass ich nur ein harmloses Herumgealber gehört hatte, das ein bisschen aus dem Ruder gelaufen war. Justin hätte nicht gewollt, dass ein Kamerad wegen ihm Schwierigkeiten bekam. Wissen Sie, er war ein Kumpel, auf den man sich hundertprozentig verlassen konnte; ein feiner Kerl.«

»Daran habe ich keinen Zweifel. Angerufen haben Sie also um …?«

»Zwei Minuten nach halb zwölf. Das weiß ich genau, weil ich dabei auf die Uhr gesehen hab›.«

»Und direkt im Anschluss daran haben Sie Mr Kenyon angerufen?«

»Genau. Obwohl ich dafür zwei Telefonate machen musste. Er war nicht an seinem College, aber sein Zimmergenosse hat mir eine Nummer gegeben. Kann allerdings höchstens dreißig Sekunden gedauert haben, bis ich ihn am Apparat hatte.«

»Was haben Sie ihm erzählt?«

»Nur, dass es in Justins Quartier irgendwelchen Ärger gegeben hat, und dass die Hausmeister bereits unterwegs sind. Justin und Carter sind gute Freunde, beste Freunde. Ich dachte mir, er würde wissen wollen, was da los gewesen ist. Inzwischen war mir klar geworden, dass es etwas Schlimmes sein musste.«

»Sehr löblich. Und nachdem Sie also mit Mr Kenyon telefoniert hatten, sind Sie nach draußen auf den Flur und haben gewartet, ist das korrekt?«

»Ja.«

»Wie viel Zeit, würden Sie sagen, ist zwischen dem Schrei und dem Eintreffen der Hausmeister vergangen?«

»Vielleicht drei oder vier Minuten. Ganz sicher kann ich das nicht sagen, aber nachdem ich auf den Flur gegangen bin, waren sie ziemlich schnell da.«

Der Detective drehte sich zu mir und Francis um. »Haben Sie noch irgendwelche Fragen?«

»Nein, vielen Dank«, sagte Francis, bevor ich etwas antworten konnte.

Ich muss gestehen, dass ich mich darüber ärgerte. Der Detective war auf ein paar vielleicht nicht unwesentliche Punkte überhaupt nicht zu sprechen gekommen – wie zum Beispiel, wieso Griffith, wenn es zuvor eine Auseinandersetzung gegeben hatte, sich so sicher sein konnte, dass es Justin gewesen war, der geschrien hatte; oder ob sich in dem Raum etwas Wertvolles befunden hatte; ob irgendwelche anderen Studenten zu dieser Zeit auf dem Flur gewesen waren, die seine ganze Geschichte bestätigen konnten. Aber da ich annahm, dass Francis wahrscheinlich seine Gründe hatte, hielt ich den Mund.

Als Nächstes war Carter Osborne Kenyon an der Reihe, der offenbar unter einer Art verzögertem Schock zu leiden schien. Man hatte ihn mit einem Becher Tee versorgt, an dem er sich nun, sei es um der Wärme oder um des tröstlichen Gefühls willen, festklammerte. Ich habe ihn während des ganzen Verhörs nicht davon trinken gesehen.

Seine Geschichte begann mit dem Dinner im Orange Grove an diesem Abend, an dem Justins andere engste Freunde neben Bethany Maria Caesar teilgenommen hatten: Antony Caesar Pitt, Christine Jayne Lockett und Alexander Stephan Maloney. »Wir haben oft was zusammen unternommen«, sagte Carter. »Opernabende, Restaurant- und Theaterbesuche, Sportveranstaltungen … Im Sommer waren wir sogar ein paar Tage in Frankreich – hatten eine Villa im Süden gemietet. Wir hatten jede Menge Spaß.« Er blinzelte sich die Tränen aus den Augen. »Gütige Mutter Maria!«

»Demnach kennen Sie sich alle untereinander schon länger?«, fragte Gareth Alan Pitchford.

»Ja. Sie wissen ja, wie das mit College-Freundschaften so ist. Die Leute finden über gemeinsame Interessen zueinander, und der gesellschaftliche Stand spielt wohl auch eine Rolle, nehme ich an. Unsere Familien haben alle einen gewissen Status. Wir sechs waren eine feste Clique, schon seit mehreren Jahren.«

»Ist das nicht ein bisschen schwierig?«

»Wie meinen Sie das?«

»Zwei Mädchen, vier Jungs?«

Carter stieß ein raues Lachen aus. »Es gibt bei uns keine formelle Mitgliedschaft, um alle anderen auszuschließen. Anhänge kommen und gehen, genauso wie andere Freunde und Bekanntschaften. Wir sechs waren der harte Kern, wenn Sie so wollen. An manchen Abenden sind wir zu mehr als zwanzig um die Häuser gezogen.«

»Sie kannten Justin also schon eine ganze Zeit. Wenn er sich demnach jemandem anvertrauen konnte, dann Ihnen oder einem der anderen?«

»Ja.«

»Und er hat keinerlei Andeutungen einem von Ihnen gegenüber gemacht, dass er mit irgendjemandem Ärger hatte oder einen ernsthaften Streit?«

»Nein, keine.«

»Wie war das bei Ihnen untereinander – es gab doch bestimmt auch Unstimmigkeiten?«

»Na ja, schon.« Carter wich dem Blick des Detectives aus und starrte düster in seinen Tee. »Aber nichts, weswegen man jemanden umbringen würde. Nur über so albernes Zeug … wem irgendein Spiel gefiel und warum, Bücher, Familienpolitik, Restaurantrechnungen, Philosophie, Naturwissenschaft – wir haben über alles Mögliche disputiert. Aber genau das ist ja bei einer Clique das Salz in der Suppe, sonst wäre es ja langweilig.«

»Was waren die heftigsten Differenzen, in die Justin derzeit involviert war?«

»Verdammt noch mal!«

»Hatte er sie mit Ihnen?«

»Nein!«

»Mit wem dann?«

Carters Hand schloss sich so fest um seinen Becher, dass seine Knöchel weiß hervortraten. »Hören Sie, es ist wirklich kaum erwähnenswert. So was passiert andauernd.«

»Was?«

»Also gut … Sie haben’s nicht von mir, aber Antony zockt ganz gern. Ich meine, wir machen das alle gelegentlich mal – ein Tag beim Pferderennen oder ein Abend im Kasino – bloß ein harmloses Vergnügen, bei dem es um keine großen Geldbeträge geht. Aber bei Antony wird die Sache allmählich zum Problem. Er hat mit Justin öfters Karten gespielt. Und dabei letztens eine ziemliche Summe verloren. Justin meinte, dass ihm das ganz recht geschähe, dass Antony mehr auf die Statistik hätte schauen sollen. Er sei schließlich Student der Rechtswissenschaft und hätte es besser wissen müssen, hätte wissen müssen, dass es so etwas wie Zufall nicht gibt.«

»Über was für eine Summe reden wir?«

Carter zuckte die Achseln. »Keine Ahnung. Da müssen Sie schon Antony fragen. Aber hören Sie, Antony hätte wegen der Sache niemanden ermordet. Ich kenne Justin, er hätte es niemals zugelassen, dass die Dinge derart außer Kontrolle geraten.«

»Na gut«, sagte der Detective. »Wissen Sie, ob Justin etwas besaß, das sich gelohnt hätte zu stehlen?«

»Etwas Wertvolles?« Carter schien von der Vorstellung einigermaßen perplex. »Nein. Wir sind alle Studenten. Wir sind notorisch abgebrannt. Oh, verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich erhalten wir von unseren Familien Unterstützung, einen angemessenen Zuschuss, der es uns erlaubt, hier die Art von Leben zu führen, die wir gewohnt sind, mehr aber auch nicht. Fragen Sie Antony«, fügte er säuerlich hinzu.

»Ich habe nicht unbedingt an Bargeld gedacht. An ein Erbstück vielleicht, das er in seinem Quartier aufbewahrt hat.«

»Wenn, dann hab’ ich es niemals gesehen, und ich bin tausendmal bei ihm gewesen. Ich versichere Ihnen, wir sind nur der geistigen Werte wegen hier. Unser Kapital sind Gedanken. Was zugegebenermaßen Justin zu dem Vermögendsten von uns machte – sein Kopf quoll förmlich über vor innovativen Ideen. Aber alles nichts, das ein Dieb hätte einsacken können.« Er machte eine Gebärde, als ob er mit seinen kräftigen Händen einen um seinen Kopf schwirrenden Gedanken einfangen wollte.

»Ist Justin nicht Astrophysiker gewesen?«, warf Francis ein.

»Ja.«

»Was für wertvolle Ideen könnte er da wohl gehabt haben?«

»Gütige Mutter Maria.« Carter sah Francis mit einem mitleidigen Blick an. »Jedenfalls nichts in Richtung industrielle Innovationen, Maschinen oder irgendwelche Tinnefs für Ihre Fabriken. Wenn, dann sind es neue Denkansätze gewesen. Reine Wissenschaft, das war sein Spielplatz. Er hat angedeutet, er hätte da einen ziemlich radikalen Gedanken entwickelt. Sein Garant für einen Lehrstuhl, wie er es nannte.«

»Und was war das für ein Gedanke?«

»Ich habe keinen Schimmer. Er hat uns nie wirklich viel über seine Projekte erzählt. Justin konnte mitunter sehr konservativ sein, auch was Zurückhaltung betrifft. Ich weiß nur, dass es irgendwas mit Spektrographie zu tun gehabt hat … Sie wissen schon, die Erkennung der Signatur bestimmter Elemente aufgrund ihres Emissionsspektrums. Er ist die ganzen Fotoaufnahmen im Observatoriumsarchiv durchgegangen. Ein bisschen konnte ich ihm dabei helfen – Spektrographie ist simple Physik. Wir haben darüber nachgedacht, wie sich das Verfahren verbessern ließe, wie man es durch Automatisierung beschleunigen konnte, durch eine Art elektromechanisches Gerät. Aber über ein paar Kneipengespräche sind wir nie hinausgekommen.«

»Hat er irgendetwas bezüglich des Projekts schriftlich festgehalten?«, fragte der Detective. »Sich Notizen gemacht, eine Mappe angelegt?«

»Nicht, dass ich wüsste. Wie gesagt, eine abgedrehte Spekulation im Frühstadium. Reden Sie mit irgendeinem Studenten aus einem wissenschaftlichen Fachbereich, und Sie werden etwas ganz Ähnliches zu hören bekommen. Wir haben alle so unsere Lieblingstheorien, die das Universum auf den Kopf stellen werden, wenn sie erst einmal bewiesen worden sind.«

»Ich verstehe.« Der Detective tippte sich mit dem Ende seines Stifts an die Lippen. »Wie lange waren Mr Raleigh und Miss Caesar bereits ein Paar?«

»Oh, seit mindestens einem Jahr. Wurde auch Zeit, sie hatten schon, seit ich sie kannte, miteinander geflirtet. War ’ne ziemliche Erlösung, als sie endlich die Kurve gekriegt haben, wenn Sie wissen, was ich meine. Und sie haben so gut zueinander gepasst. Ist bisweilen ganz förderlich, wenn man vorher erst mal ’ne Zeitlang nur befreundet gewesen ist. Und sie waren beide ziemlich helle Köpfe.« Er lächelte traurig. »Da haben Sie es. Wenn Sie ein Qualifikationsmerkmal für unsere Clique möchten, dann ist es wohl das. Wir spielen alle in dem, was wir machen, in der oberen Liga. Abgesehen natürlich von der guten alten Chris. Aber deshalb hat sie trotzdem noch einiges auf dem Kasten. Hält immer so gut es geht mit.«

Gareth Alan Pitchford durchwühlte seine Notizen. »Sie sprechen von Christine Jayne Lockett?«

»Ja. Sie ist unsere Vorzeigekünstlerin. Wir anderen sind alle Naturwissenschaftler, außer Antony, er studiert auf Jurist. Chris ist, als sie schwanger wurde, mehr oder weniger ausgestiegen. Sie liebt es, in der Mansarde zu hausen. Findet das romantisch. Ihre Familie teilt diese Ansicht nicht unbedingt, aber Chris kommt zurecht.«

»Was ist Ihr Studiengebiet?«, fragte Francis.

Carter schaute überrascht auf, als ob er völlig vergessen hätte, dass wir beide auch noch da waren. »Nukleartechnik. Und ich kann Ihnen sagen, da geht die Post ab. Wussten Sie, dass das Madison-Team in Deutschland nur ein paar Jahre davon entfernt ist, einen funktionierenden Atomreaktor zu bauen? Sobald das geschieht und wir zur Stromerzeugung kommerzielle Reaktoren hochziehen, wird die Welt nie wieder einen Brocken Kohle verbrennen. Ist das nicht fantastisch! Das ist die Wissenschaft der Zukunft.« Er unterbrach sich, offensichtlich von schmerzlichen Erinnerungen übermannt. »Genau darüber haben Justin und ich uns immer gestritten. Verdammt!«

»Justin war bezüglich Atomkraft mit Ihnen nicht einer Meinung? Ich dachte, er war Astrophysiker.«

»War er auch. Deswegen gingen unsere Meinungen ja auseinander. Verdammter blöder Sternengucker. Er blieb stur bei seinem Standpunkt, dass Kernfusion der Schritt nach vorne war, nicht Spaltung. Dass wir eines Tages zur Energiegewinnung direkt die Sonne anzapfen würden. Was für ein schöner Traum. Aber so war Justin. Immer gleich mit dem Kopf durch die Wand.«

»Können Sie mir ungefähr sagen, um wie viel Uhr Sie den Anruf von Mr Griffith erhielten, um Sie darüber zu informieren, dass irgendetwas nicht in Ordnung war?«, fragte der Detective.

»Sicher. Das war kurz nach halb zwölf.«

»Ah ja. Und wo befanden Sie sich zu diesem Zeitpunkt?«

Carter wurde leicht rot. »Ich war mit Chris in ihrem Atelier. Wir sind nach dem Essen gemeinsam dorthin zurück.«

»Verstehe. Kam das häufiger vor?«

»Ich war hin und wieder dort, ja. Daran war nichts Ungewöhnliches.«

»In welcher konkreten Beziehung stehen Sie zu Miss Lockett? Ihre Nummer war die erste, die Ihr Mitbewohner Mr Griffith gab.«

»Wir haben da was am Laufen. Eher was Lockeres. Jedenfalls nichts Ernstes. Ist das von Belang?«

»Nur insofern, als dass es etwas über Ihren und Miss Locketts genauen Aufenthaltsort zur Tatzeit aussagt.«

»Aufenthaltsort …« Seine Augen weiteten sich. »Sie meinen ein Alibi.«

»Ja. Vorausgesetzt, Miss Lockett bestätigt Ihre Angaben.«

»Ach du Scheiße, Sie meinen das ernst, hab ich recht?«

»Absolut. Also erzählen Sie mir, was Sie gemacht haben, nachdem Sie den Anruf von Mr Griffith erhielten.«

»Ich bin direkt zum Dunbar. Mit dem Taxi. Hat ungefähr zwanzig Minuten gedauert. Inzwischen hatten sie die Leiche natürlich schon entdeckt. Ich glaube, Sie selbst sind zu der Zeit auch schon da gewesen.«

»Vermutlich, ja.«

»Sie sagten, Sie seien von Miss Locketts Atelier aus direkt zum Dunbar College aufgebrochen«, sagte ich. »Wann haben Sie Miss Caesar angerufen?«

»Sowie ich am Dunbar war. Überall rannte Polizei herum, also konnte ich mir an allen Fingern abzählen, dass etwas Schlimmes passiert war. Ich hab’ Peters Telefon benutzt, bevor ich in Justins Bude rüber bin.«

»Wo hielt sie sich auf?«

»Auf ihrem Zimmer im Uffers … Uffington College.«

»Und sie war sofort da?«, fragte Gareth Alan Pitchford.

»Das wissen Sie doch. Sie waren es doch, der uns in Justins Privaträume gelassen hat, schon vergessen? Das Uffers liegt vom Dunbar aus nur ein Stück die Straße herunter, weniger als vier Minuten zu Fuß. Und ich gehe mal davon aus, dass sie gerannt ist.«

»Also schön.« Der Detective klappte seinen Notizblock zu. »Bis hierher vielen Dank. Wir werden aber sicher noch einmal auf Sie zurückkommen. Ich lasse Ihnen einen Wagen rufen, um Sie nach Hause zu bringen.«

»Ich bleibe hier, danke. Ich würde lieber auf die anderen warten, bis sie mit ihrer Befragung fertig sind.«

»Natürlich.«

Nach Carter betrat Antony Caesar Pitt den Verhörraum. Inzwischen war es fast drei Uhr morgens. Mit ihm kam ein Repräsentant der Familie Caesar herein: Neill Heller Caesar. Etwas jünger als Francis, war er in einen sündhaft teuren Geschäftsanzug gekleidet. Es war unmöglich, von seinem Auftreten her auf die rücksichtslose Uhrzeit zu schließen. Er war tadellos rasiert, hellwach und zu den Polizisten ausgesucht freundlich. Ich beneidete ihn um die Fähigkeit, mit einer Selbstverständlichkeit zu agieren, als wäre seine Anwesenheit ein unentbehrlicher Bestandteil der Ermittlung. Auch so etwas, was ich mir unbedingt zulegen musste. Leute wie wir mussten glatt wie ein Flusskiesel sein.

Die Welt nennt uns Repräsentanten, aber Vermittler wäre wohl zutreffender. Wir sind die Manager, das Öl in den Zahnrädern des Römischen Kongresses. Die Familien – jedenfalls die großen wie meine, deren Ahnenreihen in die Zeit des Zeitvertreibs der Kaiser zurückgehen – können es sich ja wohl schwerlich leisten, sich untereinander die Köpfe einzuschlagen, wenn es zwischen ihnen mal zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Über kurz oder lang wird es der Gewalt genauso wie den Kurzlebigen ergehen, irgendwann wird sie aus unserem Dasein herausgezüchtet sein. Stattdessen gibt es uns.

Familien haben ihre eigenen internen Verhaltensnormen und -regeln, während der Römische Kongress die Rahmenbedingungen für die Gesamtstaatsführung schafft. Wenn also zwei Familien wegen irgendetwas aneinandergeraten – einer neuen Erfindung zum Beispiel oder dem Zugang zu neuen Rohstoffvorkommen –, setzen sich Leute wie Francis und Neill Heller Caesar zusammen und handeln hinsichtlich Verteilung und Rechtegleichheit ein Abkommen aus. Vor zweihundert Jahren, als die beiden amerikanischen Kontinente zur Erschließung freigegeben wurden, war es bei den Streitfragen im Wesentlichen darum gegangen, welche Gebiete jede Familie zur Besiedlung zugesprochen bekam – was gleichzeitig der Moment war, in dem unsere Profession einen immensen Aufschwung erfuhr. Heute drehen sich die größeren Zänkereien zumeist um wirtschaftliche Interessen – unausbleiblich angesichts dessen, wie die ganze Welt Hals über Kopf auf wissenschaftliche Industrialisierung zusaust.

Doch die Vertretung von Familieninteressen geht auch bis auf eine private, persönliche Ebene hinab. Um es mit der Ungeschminktheit der Ersten Epoche zu sagen: Wir, Francis und ich, waren an diesem Abend dort, um verdammt noch mal dafür zu sorgen, dass die Polizei den Hurensohn, der einen der Unsrigen abgeschlachtet hatte, auch tatsächlich schnappte. Während Neill Heller Caesar erschienen war, um zu verhindern, dass Angehörigen seiner Familien ein Geständnis abgepresst wurde. Es sei denn natürlich, sie waren schuldig. Bei all unseren Differenzen würde doch keine Familie einen Mörder tolerieren oder decken.

Neill Heller Caesar gab uns beiden die Hand und brachte mir die gleiche Hochachtung wie meinem Lehrmeister Francis entgegen. Und wie das bei Bauchpinseleien nun mal so ist, muss ich zugeben, dass er damit einen kleinen taktischen Vorteil errang.

»Ich hoffe, es stört Sie nicht, wenn ich dabei bin«, sagte er freundlich. »Bisher sind zwei von unseren Küken in die Angelegenheit involviert. Jemand sollte ein Auge darauf haben, dass sie sich jetzt korrekt verhalten. Könnte uns später eine Menge Zeit ersparen. Ich denke, wir wollen alle, dass dieser schreckliche Vorfall so rasch wie möglich aufgeklärt wird. Ach, und bei der Gelegenheit, mein aufrichtiges Beileid.«

»Danke«, erwiderte Francis. »Ich bin höchst erfreut, Sie hier zu sehen. Je mehr Personen an den Ermittlungen beteiligt sind, umso schneller werden wir den Fall lösen. Ich hoffe nur, es wird Ihnen hier nicht zu eng. Der Raum ist nicht gerade für ein großes Publikum ausgelegt.«

»Kein Problem.« Neill Heller Caesar nahm neben Antony Platz und lächelte den jungen Mann ermutigend an. Etwas in der Art hatte Antony auch dringend gebraucht. Ganz offensichtlich hatte er eine ziemlich heftige Nacht hinter sich; seine Krawatte war aufgeknotet und hing ihm lose um den Kragen, sein Jackett zerknittert und voller Flecken. Sah man jedoch davon ab, so machte er einen absolut durchschnittlichen Eindruck: ein Mann mittlerer Größe mit breiten Schultern, der sich körperlich fit und gesund hielt.

»Sie haben mit Mr Raleigh und Ihren anderen Freunden gestern gemeinsam zu Abend gegessen?«, fragte Gareth Alan Pitchford.

»So ist es.« Antony Caesar Pitts Stimme klang angespannt, bemüht herausfordernd, geringschätzig. Er bekam den Tonfall jedoch nicht so ganz hin, dazu fehlte es ihm an innerem Selbstvertrauen. Er kramte in seinen Jackentaschen herum und beförderte ein silbernes Zigarrenetui zutage. Griff sich einen der schlanken Rauchstängel heraus und zündete ihn sich an – letztlich nur ein weiterer Versuch, vermeintliche Gelassenheit zu demonstrieren. Er nahm einen tiefen Zug.

»Wenn ich es richtig verstanden hab›, endete das Abendessen etwa gegen zehn Uhr. Wohin gingen Sie anschließend?«

»Zu ein paar Freunden.«

»Und das sind …?«

»Das möchte ich eigentlich lieber nicht sagen.«

Der Detective lächelte dünn. »Und ich möchte eigentlich lieber, dass Sie es tun.«

Neill Heller Caesar legte Antony freundschaftlich eine Hand aufs Bein. »Na los.« Die zwei Worte waren wirkungsvoller, als jede Aufforderung des Detective es je hätte sein können.

Antony stieß eine dicke Rauchwolke aus. »Ich war in einem Club, in den ich gelegentlich gehe. Im Westhay.«

»Auf der Norfolk Street?«

»Ja.«

»Warum waren Sie dort?«

»Es ist ein Club. Warum geht man wohl in einen Club?«

»Für gewöhnlich, um zu tanzen und einen netten Abend zu verbringen. Aber bei diesem liegt die Sache anders. Die Leute gehen ins Westhay, Mr Caesar, weil dort an den meisten Abenden unerlaubt Karten gespielt wird. Wenn Sie mich fragen, sieht es danach aus, als wären Sie ein Spieler.«

»Ich mag hin und wieder einen kleinen Nervenkitzel. Wer tut das nicht? Ist doch kein Schwerverbrechen, ein kleines Spielchen unter Freunden.«

»Das ist hier nicht das Sittenderzernat. Ihre persönlichen Unzulänglichkeiten interessieren mich nicht, ich untersuche den Mord an Ihrem Freund. Wie lange waren Sie dort?«

Antony kaute auf dem Zigarrenende herum. »Ich hab um kurz nach eins aufgehört. Sie hatten mich komplett ausgenommen, und glauben Sie mir, im Westhay bittet man nicht um Kredit. Da geht’s grundsätzlich nur um Cash. Ich bin zurück zu meinem College gegangen, wo Ihre Polizeibeamten bereits auf mich gewartet haben. Aber hören Sie, selbst wenn ich Ihnen die Namen von den Typen gäbe, mit denen ich gespielt hab’, würde Ihnen das nichts nützen. Ich kenne nur ihre Vornamen, und sie werden bestimmt abstreiten, dass sie überhaupt dort waren.«

»Das soll im Augenblick nicht Ihre Sorge sein, Mr Pitt. Wie ich hörte, haben Sie und Mr Raleigh regelmäßig miteinander Karten gespielt.«

»Grundgütige Mutter Maria! Ich würde Justin doch nicht wegen ein paar Hundert Pfund umbringen.«

Der Detective breitete seine Hände aus. »Habe ich das behauptet?«

»Nein, aber durchklingen lassen.«

»Ich bitte um Verzeihung, falls dieser Eindruck entstanden sein sollte. Ist Ihnen jemand bekannt, der irgendeine Art von Streit mit Mr Raleigh hatte?«

»Nein. Niemand. Justin war wirklich ein Prachtkerl.«

Der Detective lehnte sich zurück. »Das erzählt uns jeder. Vielen Dank, Mr Pitt. Wahrscheinlich werden wir Ihnen zu einem späteren Zeitpunkt noch weitere Fragen stellen müssen. Bitte bleiben Sie in der Stadt.«

»Sicher.« Antony Caesar Pitt zog sich, als er aufstand, die Jacke glatt und schaute Neill Heller Caesar mit leicht gereiztem Blick an.

Als Antony den Raum verließ, kam eine der Sekretärinnen der Polizeiwache herein und übergab Gareth Alan Pitchford ein Klemmbrett. Während der Detective die drei losen Blätter darauf überflog, verfinsterte sich sein Gesichtsausdruck zusehends.

»Schlechte Neuigkeiten?«, fragte Francis.

»Das ist der vorläufige forensische Bericht.«

»Tatsächlich? Befanden sich irgendwelche Fingerabdrücke auf dem Messer?«

»Nein. Und auch nicht auf dem Fensterriegel. Das Team vor Ort ist gerade dabei, die drei Räume einzustäuben. Sie werden jeden Abdruck, der irgendwo hinterlassen wurde, genauestens protokollieren.«

»Und anschließend versuchen, über ein Ausschlussverfahren schlauer zu werden«, sagte Francis. »Das einzig Blöde daran ist nur, dass es völlig legitim ist, wenn dort überall die Fingerabdrücke sämtlicher Freunde Justins zu finden sind.«

»Ist das nicht ein wenig voreilig?«, wandte Neill Heller Caesar ein. »Sie können nicht wissen, ob nicht doch ein unbekannter Abdruck darunter ist.«

»Da haben Sie natürlich recht.«

Mir fiel auf, wie beunruhigt Francis war. Ich wusste nicht, wieso. Er musste doch mit derartigen Fehlanzeigen in dem Bericht gerechnet haben. Ich jedenfalls hatte nichts anderes erwartet.

»Haben Sie ein Problem damit?«, fragte ihn Neill Heller Caesar.

»Nein. Nicht mit dem Bericht. Es ist nur die Art und Weise, wie Justins Freunde alle dasselbe sagen: Er besaß keine Feinde. Und in der Tat, warum sollte er auch? Ein junger Mann an der Universität, was könnte der getan haben, das jemanden so gegen ihn aufgebracht hat?«

»Nun, irgendwas offenbar.«

»Aber das entspricht so gar nicht seinem Charakter. Irgendeiner der anderen müsste doch den Grund dafür bemerkt haben.«

»Vielleicht hat es einer und ist sich dessen nur nicht bewusst.«

Francis nickte zögerlich. »Möglicherweise.« Dann schaute er den Detective an. »Sollen wir weitermachen?«

Interessanterweise – zumindest aus meiner Sicht – entschloss sich Neill Heller Caesar, in dem Verhörraum zu bleiben. Maloney hatte keinen Familienrepräsentanten an seiner Seite. Nicht, dass es den Maloneys an Einfluss gemangelt hätte; es hätte nur des sprichwörtlichen Fingerschnippens bedurft, und jemand wäre sofort zur Stelle gewesen. Unwillkürlich fragte ich mich, wer Neill eigentlich angerufen hatte. Ich machte mir eine rasche Notiz, um die Polizei später zu fragen. Der Grund dafür konnten Schuldgefühle gewesen sein oder, wahrscheinlicher, Angst.

Alexander Stephan Maloney war von den befragten Personen, die wir bisher gesehen hatten, die mit Abstand nervöseste. Ich hielt es für relativ unwahrscheinlich, dass ausschließlich die Ermordung seines Freundes dafür verantwortlich war. Etwas anderes machte ihm zu schaffen. Ich fand die Tatsache, dass ihn in so einem Augenblick irgendetwas mehr zu beschäftigen vermochte, höchst interessant. Den Grund für seine Nervosität sollte ich bald schon erfahren: Es war sein Alibi, es stand auf ziemlich wackligen Beinen. Er behauptete, er hätte zur Tatzeit in einem Labor im Leighfield-Chemietrakt gearbeitet. Allein.

»Nummer achtzehn«, sagte er. »Das ist im ersten Stock.«

»Und es hat Sie dort niemand gesehen?«, fragte Gareth Alan Pitchford mit einer unüberhörbaren Portion Skepsis in der Stimme.

»Es war abends Viertel vor elf. Außer mir führt dort zurzeit niemand Langzeitversuche durch. Ich war allein.«

»Um wie viel Uhr sind Sie wieder in Ihrer Unterkunft eingetroffen?«

»So gegen Mitternacht. Die College-Hausmeister können Ihnen das bestätigen.«

»Das können sie bestimmt. Wie sind Sie von dem Labor zurück zum College gekommen?«

»Ich bin gelaufen. Wie immer, wenn nicht gerade echtes Dreckswetter ist. Ich kann dabei gut nachdenken.«

»Und unterwegs ist Ihnen niemand begegnet?«

»Natürlich waren da Menschen auf der Straße, aber niemand, den ich kannte. Irgendwelche Leute halt, auf dem Weg nach Hause ins Bett. Hören Sie, Sie können sich gerne bei meinem Professor erkundigen. Er dürfte Ihnen wahrscheinlich bescheinigen können, dass ich zu der angegebenen Zeit dort gewesen bin.«

»Wie das?«

»Wir lassen dort eine Reihe Kohlenstoffakkumulatoren laufen. Sie müssen auf ganz besondere Weise reguliert werden, und wir haben die Apparatur selbst zusammengebaut. Es gibt auf der ganzen Welt nur fünf Personen, die wissen, wie das geht. Wenn er morgen früh nachguckt, wird er die vorgenommenen Anpassungen sehen.«

»Dann sollte ich mit ihm wohl mal reden, was?«, erwiderte der Detective. Er kritzelte sich eine kurze Notiz auf seinen Block. »Ich habe das alle Ihre Freunde gefragt und jedes Mal dieselbe Antwort erhalten: Wissen Sie, ob Justin irgendwelche Feinde hatte?«

»Nein, hatte er nicht. Nicht einen.«

Nachdem Alexander Stephan Maloney gegangen war, herrschte in dem Verhörraum eine Zeitlang Schweigen. Wir alle dachten über seine blank liegenden Nerven und sein nicht vorhandenes Alibi nach. Ich für meinen Teil war nach wie vor der Ansicht, dass das alles viel zu offensichtlich war, als dass er es wirklich getan haben konnte. Natürlich war davon auszugehen gewesen, dass nicht alle Verdächtigen ein Alibi hatten: Wenn sie damit gerechnet hätten, dass sie eins brauchen würden, hätten sie sich nach ihrem gemeinsamen Abendessen nicht getrennt. Fragen Sie mich, was ich in der letzten Woche jeden Abend unternommen habe, und ich geriete hinsichtlich der Benennung von Zeugen dafür ganz schön ins Schleudern.

Schließlich kam Christine Jayne Lockett in den Verhörraum geschwirrt. Ich sage geschwirrt, weil ihren Bewegungen eine Aufgeregtheit anhaftete, die mich spontan an das Klischee von einer achtunggebietenden altjüngferlichen Tante denken ließ. Wenn Christine Jayne Lockett einen Raum betrat, bekamen alle es mit. Wenn sie etwas sagte, dann in einem Ton und mit einer Lautstärke, die jeden zum Zuhören zwangen. Gleichwohl war sie mit ihrem hochfrisierten langen Haar eine recht attraktive Erscheinung. Etwas älter als die anderen, etwa Mitte zwanzig, was ihr ein gewisses Fluidum verlieh. Ihre Lippen kamen stets in einem freundlichen Lächeln zur Ruhe. Sogar jetzt, unter den gegebenen Umständen, hatte sie ihre Bonhomie nicht gänzlich verloren.

»Und dabei fing der Tag so wunderbar an«, sagte sie wehmutsvoll, während sie auf dem Stuhl Platz nahm. Mehrere Halsketten klimperten und klapperten bei der Bewegung, und goldene heidnische Amulette und Kreuze klackerten gegeneinander. Sie legte ein kleines Gedichtbändchen auf den Tisch. »Haben Sie schon irgendeine Ahnung, wer es getan hat?«

»Nicht direkt«, erwiderte Gareth Alan Pitchford.

»Und jetzt möchten Sie von mir wissen, ob ich eventuell eine habe. Nun, ich fürchte, da muss ich Sie enttäuschen. Wer um alles in der Welt könnte den armen Justin umbringen wollen? Er war so ein wunderbarer Mann, einfach wunderbar. Das sind alle meine Freunde. Und darum liebe ich sie auch so, trotz ihrer Fehler. Oder vielleicht gerade deswegen.«

»Fehler?«

»Sie sind jung. Sie sind oberflächlich. Haben zu viele Meinungen.

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