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Die Brüder von der Sunset Ranch (4-teilige Serie)

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1. KAPITEL

Sunset Ranch, Nevada

Sophia Montrose blickte in die kalten schwarzen Augen des Cowboys. Sein Mund war hart, die Lippen fast spöttisch verzogen.

„Du konntest es wohl nicht abwarten, hier wieder aufzutauchen, oder?“

Das war nun wirklich alles andere als ein „Herzlich willkommen zurück auf der Sunset Ranch“. Nicht, dass Sophia so etwas von Logan Slade erwartet hätte. Sein unhöfliches Benehmen machte ihr jedoch längst nichts mehr aus – schon vor langer Zeit hatte sie beschlossen, sich nie mehr von Logan verunsichern zu lassen.

Allerdings waren sie sich nicht mehr über den Weg gelaufen, seit sie als fünfzehnjähriges Mädchen die Sunset Ranch verlassen hatte. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass sie komplett vergessen hatte, wie sehr sein Aussehen und seine markanten Züge ihren Herzschlag beschleunigen konnten.

Trotzdem, auch wenn er mit den Jahren gefährlich attraktiv geworden war, ihr würde immer bewusst sein, dass Logan Slade sie nicht hier haben wollte. Genauso wenig wie damals, als die Ranch noch ihr Zuhause gewesen war.

„Ist Luke zu Hause?“ Sophia hoffte, schon bald das freundliche Gesicht von Logans jüngerem Bruder zu sehen.

„Nein. Er kommt erst morgen. Willst du wiederkommen?“

Sie schüttelte den Kopf, denn ihr blieb nichts anderes übrig, als hierzubleiben. Sie hatte ihr Apartment in Las Vegas aufgegeben und war stundenlang gefahren, um die Farm schon nachmittags zu erreichen. Und sie wollte sich kein Zimmer in Carson City nehmen. Sie wollte ihr neues Leben beginnen. Jetzt. In dieser Minute. „Ich bin gekommen, um mir die Schüssel zum Cottage zu holen.“

Er warf ihr einen unversöhnlichen Blick zu. „Ich gebe ihn dir.“

Logan hatte seinen Anwalt angewiesen, ihr die Schlüssel nicht im Voraus zu geben. Er hatte gewollt, dass Sophia sie sich persönlich abholte. Er wollte sehen, wie sie sich wand, zumindest sollte sie sich von dem Moment an, in dem sie einen Fuß auf das Anwesen setzte, in ihrer Haut unwohl fühlen.

Sie streckte die Hand aus, mit der Handfläche nach oben, und bemühte sich um Höflichkeit. „Bitte. Ich würde gern einziehen.“

Logan sah sie abschätzig an, drehte sich schließlich um und ging ins Haus, wobei er ihr über die Schulter zurief: „Komm mit.“

Das Haus war so wunderschön, wie Sophia es in Erinnerung hatte. Es strahlte Wärme und Behaglichkeit aus. Vor dem großen Kamin stand eine einladende Sitzgruppe. Antiquitäten, Bronzestatuen und teure Kunstwerke schmückten den Raum.

Wie oft hatte sie hier mit Luke gespielt? An wie vielen Geburtstagsfeiern und privaten Sunset Lodge Events hatte sie mit ihrer Mutter teilgenommen? Ein warmes Gefühl breitete sich in ihr aus.

Sie folgte Logan. Er war groß und muskulös, breite Schultern, schmale Hüften. Mit langen, kraftvollen Schritten ging er zum Arbeitszimmer seines verstorbenen Vaters Randall Slade. Seine glänzenden schwarzen Stiefel verursachten bei jedem Schritt ein klackendes Geräusch auf dem Holzboden. Er versuchte nicht, mit Sophia zu plaudern. Aber das erwartete sie auch nicht.

Sophia konnte nur ahnen, welche Tirade Logan losgelassen hatte, als der letzte Wille seines Vaters verlesen worden war. Mr Slade musste in letzter Minute entschieden haben, sie in seinem Testament zu bedenken, denn als Luke angerufen hatte – eine Stimme aus der Vergangenheit – war ihr sein überraschter Tonfall aufgefallen. Aber er hatte ihr Mut gemacht. Hatte gesagt, dass er es nicht erwarten könnte, sie nach all den Jahren wiederzusehen. Trotz der Umstände.

Niemand hätte überraschter als Sophia selbst gewesen sein können, als sie erfuhr, dass Randall Slade ihr die Hälfte von Sunset Lodge vermacht hatte. Die einzige Auflage war, dass sie ein Jahr lang das Gästehaus leiten musste, bevor sie ihren Anteil verkaufen konnte.

Zwölf Jahre waren vergangen, seit sie hier gewohnt hatte. Ihre Mutter, damals Managerin von Sunset Lodge, hatte das Gästehaus abrupt verlassen und jegliche Verbindung zu der Familie Slade abgebrochen. Dasselbe hatte sie von Sophia verlangt.

„Es ist besser so“, hatte ihre Mutter gesagt. Sophia hatte nicht verstanden, was gut daran sein sollte, ohne Vorwarnung im ersten Jahr aus der Highschool gerissen zu werden, die Freundschaft mit Luke aufgeben zu müssen und ihre Freundinnen sowie all ihre Träume zu verlieren. Und so hatte sie sich während der ersten Monate jede Nacht in den Schlaf geweint.

Jetzt, nachdem ihre Mutter den zweijährigen Kampf gegen den Krebs verloren hatte, war Sophia hier, um ihr unerwartetes Erbe anzutreten. Randall Slade war immer sehr nett zu ihr gewesen. Er hatte Sophia das Gefühl gegeben, zur Familie zu gehören, war für sie eine Vaterfigur gewesen, nachdem ihr eigener Vater sie verlassen hatte, als sie drei Jahre alt war.

„Hier herein“, sagte Logan und betrat das Arbeitszimmer.

Sie folgte ihm.

„Setz dich.“ Er deutete auf ein purpurrotes Ledersofa, das steril und neu wirkte. Sie blickte sich in dem Raum um und bemerkte, dass er insgesamt anders eingerichtet war.

Statt der Holzpaneele an den Wänden und der goldfarbenen Gardinen, die sie in Erinnerung hatte, waren die Wände jetzt hell tapeziert. Große Fenster öffneten sich zum Außenbereich. Der Kronleuchter war Halogenstrahlern gewichen, die auf den Schreibtisch gerichtet waren. Es war, als wäre jeder Hinweis auf Randall Slade und seine Herrschaft über die Sunset Ranch entfernt worden.

„Nein danke.“ Ihre Entscheidung, stehen zu bleiben, trug ihr einen flüchtigen Blick und dann ein Grummeln von Logan ein. Sophia lächelte in sich hinein. Sie würde sich an diese kleinen Siege klammern.

Sie wünschte, Luke hätte sie heute begrüßt. Ihn hätte sie gern als ersten bei ihrer Rückkehr auf die Sunset Ranch getroffen. Aber sie hatte ihre Ankunft ein paar Tage vorverlegen müssen, und vielleicht war es gar nicht schlecht, dass sie die Konfrontation mit Logan gleich hinter sich brachte, statt sie hinauszuzögern.

„Tut mir leid mit deinem Vater“, bekundete Sophia ihr Beileid. „Er war ein sympathischer Mann. Ich bin sicher, du vermisst ihn sehr.“

Logan verzog keine Miene. „Wir sind nicht hier, um über meine Beziehung zu meinem Vater zu sprechen.“

„Darf ich dir nicht einmal mein Beileid aussprechen?“ Sophia sprach leise. Es verletzte sie, dass Logan ihr nicht einmal das zubilligte. „Er war immer sehr nett zu mir.“

Leder quietschte, als Logan sich auf den Schreibtischstuhl setzte. „Er war zu den Montrose-Frauen auf Kosten meiner Familie nett.“

Sophia war ohne Schuhe schon über einen Meter siebzig groß, und doch schien Logan, hinter seinem Schreibtisch sitzend und den durchdringenden Blick auf sie gerichtet, der Dominierende zu sein. Sie schluckte. Der Tod ihrer Mutter schmerzte immer noch. Sie wusste, dass Logan ihre Mutter nicht mochte. Vielleicht hasste er sie sogar, doch Sophia würde nicht zulassen, dass er schlecht von ihr sprach. „Meine Mutter ist vor ein paar Monaten gestorben, Logan. Ich vermisse sie, und ich bin sicher, du vermisst auch deinen Vater. Ich bitte dich, deine Gedanken und das, was du zu wissen glaubst, für dich zu behalten.“

„Ich kenne die Wahrheit, Sophia. Und da gibt es nichts zu beschönigen.“ Seiner Stimme nach zu urteilen war er sehr überzeugt von dem, was er sagte. „Deine Mutter hatte eine Affäre mit meinem Vater, direkt vor der Nase meiner Mutter. Louisa wollte sein Geld, und er war zu geblendet von ihrer Schönheit, um das zu erkennen. Diese Geschichte hätte fast unsere Familie zerstört.“

Sophia blickte aus dem Fenster auf das wunderschöne Anwesen und die Ställe. Edle Pferde wurden hier gezüchtet, um dann gegen Höchstgebote verkauft zu werden. Die Lodge dahinter beherbergte elitäre Gäste, die das Leben auf einer Ranch erleben, aber nicht auf den gewohnten Luxus verzichten wollten.

Die Slade-Brüder – Justin, Luke und Logan – hatten den Tod ihrer Mutter und ihres Vaters ertragen müssen, aber sie hatten immer noch sich. Und sie hatten die Sunset Ranch, während Sophia völlig allein war. Egal, was die Slades durchgemacht hatten, es tat ihr wirklich leid. Aber was zwischen ihrer Mutter Louisa und Randall Slade geschehen war, war kompliziert und nicht so einfach zu erklären.

„Meine Mutter hat die Ehe deiner Eltern gerettet.“

Logan schoss zurück: „Auf den Bühnen von Las Vegas hast du offensichtlich nicht nur deine Kleidung abgelegt, sondern auch deinen Verstand, Sophia.“

Triumphierend sah er sie an. Eigentlich sollte es sie nicht überraschen, dass er über ihre Arbeit als Showgirl Bescheid wusste. Lange Zeit hatte sie es geschafft, dies geheim zu halten, doch als ihre Mutter krank wurde, hatte Sophia schwere Entscheidungen treffen müssen, um sie beide versorgen zu können, und sie schämte sich dessen nicht.

Fast jeder in Nevada hatte von ihrer Hochzeit mit einem alternden Millionär erfahren. Und was eigentlich privat sein sollte, wurde zu einem gefundenen Fressen für die Klatschpresse. Selbst in Las Vegas sorgte die heimliche Heirat eines sechsundzwanzigjährigen Showgirls mit einem fast siebzigjährigen Ölmagnaten für Gesprächsstoff.

„Du weißt es also?“

„Ich lese Zeitung, Sophia.“

„Meine Heirat und mein letzter Job gehen dich nichts an“, sagte sie leise. Sie wollte an ihrem ersten Tag auf der Ranch keinen Streit. Es würde noch zu vielen Wortgefechten mit Logan kommen, dessen war sie sicher, aber bitte nicht heute.

Abschätzig ließ er seinen Blick über sie gleiten. Er sah die schwarzen Strähnen, die sich aus ihrem strengen Knoten gelöst hatten, sah die bernsteinfarbenen Augen und die vollen Lippen. Bei ihrem Mund verweilte er, und sie fragte sich, ob er sich an den Kuss auf der Highschool erinnerte. Der Kuss, der Sophia mit klopfendem Herzen und heftigem Verlangen zurückgelassen hatte. Der Kuss, den Logan benutzt hatte, sie zu demütigen. Sie war nie über diesen ersten Kuss und das Leid hinweggekommen, das Logan ihr beschert hatte.

„Du bist wunderschön, Sophia.“ Mehr hatte der siebzehnjährige Logan damals nicht sagen müssen, als er sie hinter der Sporthalle in die Arme zog, sie an sich presste und küsste. Es war ein himmlischer, süßer und leidenschaftlicher Kuss, und Sophia gab sich ganz den wunderbaren Gefühlen und dem Kribbeln im Bauch hin.

Instinktiv schlang sie damals die Arme um Logans Nacken und ließ sich weiter von ihm küssen, bis lautes Gelächter den intimen Moment störte. Logan löste sich hastig von ihr. Einen Moment schaute er ihr tief in die Augen, dann ging er zu seinen Freunden und ließ Sophia sprachlos zurück.

Am nächsten Tag gab es nur ein Thema in der Schule. Die Wette, die Logan mit seinen drei Schulfreunden abgeschlossen und gewonnen hatte: Sophia stößt mich nicht zurück, wenn ich sie küsse. Sophia ist leicht zu haben. Genau wie ihre Mutter.

Noch heute wünschte sie, sie hätte sich nicht zu Lukes älterem Bruder hingezogen gefühlt. Und sie ärgerte sich, dass sein Blick sie jetzt schon wieder durcheinanderbrachte und dass sie diesen einen überraschenden Kuss nicht vergessen hatte. Es war, als hätte Logan ihr für immer seinen Stempel aufgedrückt.

Er ließ seinen Blick über den Ausschnitt ihres konservativen Sommerkleids wandern und verweilte bei ihren vollen Brüsten. So sehr sie sich auch bemühte, ihre Kleidung konnte ihre beachtliche Oberweite nicht kaschieren. Sie hatte sogar schon einmal über eine Brustverkleinerung nachgedacht. Das war zu einem Zeitpunkt gewesen, als sie sich noch keine Gedanken darüber machen musste, wie sie Essen auf den Tisch bringen und Krankenhausrechnungen bezahlen sollte. Später hatten ihr Körper und ihr exotisches spanisches Aussehen die Rechnungen bezahlt. Sie musste also dankbar dafür sein.

Schließlich wanderte Logans Blick über ihre Beine, die er von seinem Platz hinter dem Schreibtisch aus direkt vor Augen hatte. Sie wünschte jetzt, sie hätte sich gesetzt, als er ihr einen Platz angeboten hatte. Die Art, wie er sie beäugte, machte sie nervös.

Als er fertig war, sagte er: „Was ist passiert? Hat der alte Kerl einen Herzinfarkt im Schlafzimmer bekommen?“

Sophia schnappte empört nach Luft. „Red nicht so von Gordon. Er ist nicht tot. Gott sei Dank. Wir sind … geschieden.“

Logan betrachtete sie einen Moment. „Kurze Ehe. War Gordon Gregory klug genug, einen Ehevertrag aufzusetzen?“

„Es geht dich zwar nichts an, aber ich war diejenige, die darauf bestanden hat.“

Logan lehnte sich zurück und lachte. „Du kannst mir nichts vormachen, Sophia. Du bist genau wie deine Mutter.“

„Danke. Das nehme ich als Kompliment. Meine Mutter war eine tolle Frau.“

Das Lächeln wich aus Logans Gesicht. Er beugte sich vor und sah ihr ernst in die Augen. „Hör zu, ich mache dir einen Vorschlag. Ich bin bereit, dir deine Hälfte der Lodge abzukaufen. Du musst nicht bleiben und das Gästehaus ein Jahr lang leiten. Ich kann dafür sorgen, dass mein Anwalt diese Bestimmung irgendwie umgeht. Ich würde dir ein großzügiges Angebot machen.“

„Nein.“

„Willst du nicht wissen, wie viel ich zu zahlen bereit bin?“ Er hatte einen Stift in der Hand und wollte eine Zahl aufschreiben.

„Für kein Geld dieser Welt werde ich auf dein Angebot eingehen.“

Logan zuckte mit den Schultern und dachte, sie wollte handeln. „Ich zahle dir doppelt so viel, wie es wert ist, Sophia.“

Sophia schnappte nach Luft, Logans Angebot traf sie wie ein Messerstich ins Herz. Er wollte sie loswerden. Unbedingt. Aber egal, wie viel er ihr bot, Sophia würde nicht gehen. „Nein. Ich bleibe. Ich werde Sunset Lodge leiten.“

Zwölf Jahre lang war das Cottage auf der Sunset Ranch ihr Zuhause gewesen. Jetzt war sie zurück, und sie würde sich von Logan Slade nicht vertreiben lassen.

Sie würde bleiben.

Und sie würde die Lodge genauso erfolgreich leiten, wie ihre Mutter es getan hatte.

„Und jetzt gib mir bitte die Schlüssel, Logan.“

Logan brachte Sophia zu ihrem Wagen. Der alte verbeulte Toyota Camry sah mit seinen abgefahrenen Reifen und dem stumpfen Lack ziemlich ramponiert aus. Ein Schrotthaufen, mindestens fünfzehn Jahre alt. Nicht gerade das Fahrzeug, das er bei einem Las-Vegas-Showgirl erwartet hätte, das mit einem millionenschweren Tycoon verheiratet gewesen war.

Er hielt die Schlüssel fest in der Hand und wünschte, sein verdammter Vater hätte Sophia nicht in seinem Testament bedacht. Sie war zu schön, zu vollkommen. Ihre Gesichtszüge waren makellos. Sie hatte golden schimmernde Augen, pechschwarzes Haar und eine Haut, die in der Sonne von Nevada leuchtete. Sie war der Typ Frau, der Männer dumme Dinge tun ließ. Er wollte gar nicht daran denken, welche Probleme es ihretwegen hier geben könnte. Die Männer würden sich ihretwegen ein Bein ausreißen, dessen war er sicher. Das hatten sie auch bei Louisa getan. Die Frau hatte nur hübsch lächeln müssen, und schon erfüllten ihr die Rancharbeiter jeden Wunsch.

„Frisch meine Erinnerung auf. Warum zum Teufel willst du hier draußen leben? Mit all dem Dreck und den Fliegen und Pferdedung?“

Sophia verdrehte die Augen und holte tief Luft. Dabei hob sich ihre üppige Oberweite, und ihr Kleid spannte sich bis ans Limit. Logan schoss sofort das Blut in die Lenden. Diese prompte Reaktion seines Körpers gefiel ihm überhaupt nicht.

„Sunset Ranch war auch mein Zuhause, Logan. Zwölf Jahre lang. Es war eine glückliche Zeit, und ich habe gern meiner Mutter bei ihrer Arbeit in der Lodge geholfen, die jetzt – dank der Freundlichkeit deines Vaters – zur Hälfte mir gehört. Warum sollte ich also nicht hier wohnen wollen?“

„Es ist kein besonders aufregendes Leben.“

„Nein, das ist es nicht.“

Logan zog die Augenbrauen hoch. „Willst du etwa behaupten, du hast nicht gern in Las Vegas gelebt? Eine Frau wie du?“

„Du hast keine Ahnung, wer ich bin, Logan.“

Er wusste, dass sie der Typ Frau war, der sich nicht zu schade war, mit einem älteren Mann zu schlafen, um an sein Geld zu kommen. Der Typ musste jedoch zur Vernunft gekommen sein, bevor sie ihn wie eine Weihnachtsgans ausgenommen hatte. Ehevertrag hin oder her.

„Ich kann die Vergangenheit nicht ändern“, sagte sie. „Aber ich bin hier, um ein neues Leben anzufangen.“

„Ausgerechnet auf dem Land der Slades.“

„Ja, genau hier. Also, willst du mir die Schlüssel noch länger vor die Nase halten, oder gibst du sie mir jetzt endlich?“

Logan blickte auf die Schlüssel in seiner Hand. „Seit ihr weggegangen seid, hat dort keiner mehr gewohnt.“

„Das Cottage ist noch genauso wie früher?“

Er nickte. „Mein Vater wollte nicht, dass irgendjemand anderes dort lebt. Noch ein Sieg für Louisa. Du kannst dir vorstellen, dass meiner Mutter diese Entscheidung gar nicht gefallen hat. Immer wieder habe ich gehört, wie sie spät abends darüber stritten.“

„Das ist nicht die Schuld meiner Mutter. Und meine auch nicht.“

„Du wirst die jetzige Leiterin des Gästehauses entlassen müssen.“

Sophia begegnete seinem selbstgefälligen Blick. „Entlassen? Was meinst du?“

„Ich meine, Mrs Polanski hat jetzt keinen Job mehr. Du wirst ihren Job übernehmen, Sophia. Zwei Vollzeitmanager sind nicht drin.“

„Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich reingehe und sie feuere, oder?“

„Nun, wenn du das nicht willst, dann soll sie bleiben, und ich zahle dich aus. Damit wäre unser Problem gelöst.

Sophia verschränkte die Arme unter der Brust und starrte ihn an. „Du kannst mich mal.“

Logan musste grinsen. Er hatte es geschafft, sie aus der Ruhe zu bringen. Bis jetzt war sie ganz cool geblieben. Aber, verdammt noch mal, die Frau war tatsächlich noch hübscher, wenn ihre Wangen vor Wut gerötet waren und ihre Augen Funken sprühten. „Ich sage nur, wie es ist, Sophia. Mrs Polanski leitet die Lodge seit acht Jahren. Sie ist erfolgreich, und die Gäste mögen sie.“

„Und du überlässt es mir, sie hinauszuwerfen. Wie nett von dir.“

„Irgendjemand muss es tun. Es scheint, mein Vater hat nicht an alles gedacht, als er unsere Lodge weggab.“

„Sie gehört mir nur zur Hälfte. Er hat sie nicht ganz weggegeben.“

„Ich wette, du wünschst dir, er hätte es getan.“

Sophia hob das Kinn und antwortete ohne zu zögern. „Ja, sicher. Ich wünschte, ich wäre Alleinbesitzer.“

Logan sah sie etwas konsterniert an. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie das einräumen würde.

„Dann müsste ich mich nicht mit dir herumärgern … oder eine Angestellte entlassen.“

Logan kochte vor Wut. „Die Lodge ist seit Generationen in Familienbesitz. Nach dem zweiten Weltkrieg war es eine Absteige für mittellose Soldaten, bis mein Großvater kam und die schöne Hotelanlage daraus machte, die sie heute ist. Und wie passt du in dieses Bild?“

„Ich weiß nicht, warum dein Vater so großzügig war, Logan. Und ich weiß nicht, was du mir sagen willst, aber offensichtlich hatte dein Vater Vertrauen in mich. Deshalb bin ich jetzt hier und werde die Lodge leiten. Wenn ich jemanden entlassen muss, dann werde ich es tun. Aber“, sie zeigte mit dem Finger auf seine Brust, „ich versichere dir, ich werde nicht vergessen, dass du mich in diese Lage gebracht hast.“

„Das war der Plan. Dann weißt du auch, dass ich dich von Zeit zu Zeit auf die Probe stellen werde, Sophia. Du gehörst nicht hierher, aber ich werde dir auch nicht im Weg stehen, wenn du gute Arbeit leistest. Und keine Sorge, ich werde meine Aufgaben in der Lodge Luke übertragen. Von jetzt an hast du mit ihm zu tun.“ Er ließ die Schlüssel in ihre Hand fallen.

„Ich habe mir den ersten Tag hier anders gewünscht, Logan.“

Er öffnete ihr die Wagentür und sprach so beherrscht, wie es ihm möglich war. „Ich bin sicher, du kennst den Weg noch.“

„Natürlich.“ Sie quetschte sich an ihm vorbei, um ins Auto zu kommen. Dabei streiften ihre Brüste seinen Oberkörper, und der Körperkontakt, zusammen mit dem aufregenden Duft ihres erotischen Parfüms, traf ihn wie ein Schlag in die Magengrube.

Er schloss die Tür und sah fluchend dem Camry nach, der am Horizont verschwand.

Kaum war Logan nicht mehr im Rückspiegel zu sehen, ließ Sophia die Schultern sinken und lockerte den verkrampften Griff um das Lenkrad. Sie nahm den Fuß von Gas und fuhr gemächlich die Straße entlang, die zur Sunset Lodge führte. Sie würde einfach nicht mehr an Logan Slade denken. Na ja, versuchen würde sie es wenigstens … Dieser Mann machte sie wütend, aber er faszinierte sie leider auch.

Sicherlich konnte sie ihm irgendwie aus dem Weg gehen, solange sie hier wohnte. Die Sunset Ranch, eingebettet zwischen der Sierra Nevada und Carson City, war riesig. Morgen kam Luke nach Hause. Sie würde ihre Freundschaft mit ihm erneuern und alle Angelegenheiten, die die Lodge betrafen, mit ihm besprechen. Auf ihn konnte sie zählen.

„Mach dir keine Gedanken“, hatte er gesagt. „Ich werde dafür sorgen, dass du hier herzlich willkommen geheißen wirst.“

Die Gipfel der Berge waren noch schneebedeckt. Sophia hatte fast vergessen, wie friedlich und wunderschön die Landschaft hier im Frühjahr war. Ganz anders als die belebten und lauten Straßen von Las Vegas.

In der Ferne konnte sie schon die Ställe erkennen, die zur Lodge gehörten. Es stimmte Sophia traurig, dass ihre Mutter nicht hier sein und das Gelände noch einmal sehen konnte. Louisa hatte sich in ihrer Freizeit gern um die Pferde gekümmert. „Es tut mir so leid, Mama“, flüsterte Sophia.

Langsam fuhr sie weiter und erblickte schließlich die Lodge. Das Haus war ein stattliches Gebäude, das Eleganz und Charme ausstrahlte. Auf den Wiesen ringsherum blühten Blumen in allen Farben.

Von den Angestellten wurde es als Privileg erachtet, das Anwesen zu pflegen und in den Ställen zu arbeiten, die meisten von ihnen arbeiteten schon sehr lange auf der Sunset Ranch.

Sophia fühlte sich höchst unwohl bei dem Gedanken, Mrs Polanski entlassen zu müssen, und sie verwarf die Idee, an der Lodge anzuhalten und kurz hineinzuschauen. Stattdessen beschloss sie, direkt zum Cottage zu fahren und einzuziehen und bis morgen zu warten, um mit Luke über die Frau zu sprechen.

Das Cottage lag versteckt hinter dem Gästehaus und war von dort nicht zu sehen. Es bot eine Menge Privatsphäre, genau das, was Sophia im Moment am dringendsten benötigte. Der Medienrummel um ihre Hochzeit und der verlorene Kampf ihrer Mutter gegen den Krebs hatten sie stark strapaziert. Sie musste sich neu orientieren und in die Arbeit stürzen, die ihr Spaß machen würde. Vor allem aber wollte sie sich selbst etwas beweisen.

Ihr ganzes Leben lang war sie mit ihrem guten Aussehen durchgekommen. Sie hatte nicht die Möglichkeit gehabt, aufs College zu gehen, aber sie hatte nie die Zeit bedauert, in der sie ihrer Mutter geholfen hatte, die kleinen Motels und Gasthäuser am Rand von Las Vegas zu leiten. Als ihre Mutter krank wurde, besann sich Sophia ihrer angeborenen tänzerischen Begabung, vervollkommnete ihr Können und verdiente als Showgirl genug, um sie beide zu versorgen.

Jetzt hatte sie die Chance, etwas zu tun, was sie liebte, und darin zu glänzen.

„Miss Montrose, hallo.“

Ein Reiter auf einer wunderschönen braunen Stute näherte sich dem Auto. Sophia war gar nicht bewusst gewesen, wie langsam sie tatsächlich fuhr. Sie kurbelte das Fenster ganz nach unten.

„Ward Halliday. Erinnern Sie sich an mich?“

Sie warf einen Blick auf den Pferdewirt der Slades. „Mr Halliday. Ja, ich erinnere mich an Sie. Wie geht es Ihnen?“

Er grinste. „Ich werde alt und miesepetrig“, sagte er und ritt neben ihrem Wagen her. „Aber Sie hier zu sehen, ist mir wirklich eine große Freude.“

„Danke. Es ist schön, wieder zu Hau … wieder hier zu sein.“

„Tut mir leid mit Ihrer Mutter.“

Sie bremste, und der Wagen kam zum Stillstand. „Danke. Es war eine schwere Zeit.“

„Ja, das kann ich mir vorstellen“. Ward zog an den Zügeln der Stute. „Sie war eine nette Frau. Sie hat ab und zu Plätzchen für Hunter gemacht, meinen Jungen.“

„Ich erinnere mich. Ich habe ihr dabei geholfen, Mr Ward.“

Er lächelte freundlich, und dabei erschienen unzählige feine Fältchen in seinem Gesicht. „Nennen Sie mich bitte Ward. Da kommt ja auch Hunter.“

Er drehte sich in seinem Sattel, als sich ein junger Mann auf einem Pferd näherte. „Er war noch ein Kind, als Sie die Ranch verließen. Jetzt hilft er mir hier bei der Arbeit. Im Herbst will er an die Texas A & M University gehen.“

Sophia schaltete den Motor ab und stieg aus. Sie legte die Hand schützend vor die Augen, um von der Sonne nicht geblendet zu werden, als sie zu dem jungen Mann hochblickte und ihn begrüßte. „Du bist also der kleine Hunter. Schön, dich wiederzusehen.“

„So klein bin ich nicht mehr, Miss“, erklärte er gutmütig.

Nein, das war er tatsächlich nicht. Hunter Halliday war größer als sein Dad und hatte breitere Schultern. „Das sehe ich.“

Ward blickte auf die Kartons auf dem Rücksitz ihres Wagens. „Brauchen Sie Hilfe? Hunter kann Ihnen beim Ausladen helfen.“

„Das wäre sehr nett, aber wenn du zu beschäftigt bist …“

„Überhaupt nicht“, sagte Hunter. „Mr Slade hat mich geschickt, damit ich mich erkundige, ob ich Ihnen helfen kann.“

Hatte er das? Sie hatte eher den Eindruck bekommen, dass es Logan egal war, ob sie beim Ausladen Hilfe hatte oder nicht. Er hatte seine Unterstützung nicht angeboten, wie es sich für einen Gentleman gehört hätte. Aber das hatte sie auch nicht von ihm erwartet. „Dann nehme ich deine Hilfe gern an. Wir treffen uns am Cottage.“

Hunter ritt los und schaffte es, als erster dort zu sein.

„Du warst schnell“, sagte Sophia, als Hunter ihr die Autotür öffnete.

Er grinste. „Ich kenne eine Abkürzung, Miss.“

„Natürlich.“ Sie erinnerte sich, dass die befestigten Wege nicht immer die schnellsten waren, um von A nach B zu kommen. „Bitte, nenn mich Sophia.“

„Gern.“ Er holte bereits den ersten Karton aus dem Wagen. Schließlich balancierte er drei aufeinander gestapelte Kisten zur Tür. Sophia steckte den Schlüssel ins Schloss. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Brust, und Hunter sprach die Worte aus, die ihr auf der Zunge lagen.

„Ich wette, es sieht genauso aus, wie Sie es in Erinnerung haben.“

Sie stieß einen langen Atemzug aus. „Ich hoffe es.“

Dann öffnete sie die Tür – zunächst zögerlich, doch dann beherzt – und betrat das gemütliche Dreizimmercottage. Sie blickte sich um und nahm schnell alles in sich auf. „Es ist wirklich noch genauso wie früher.“

Hunter ließ seinen Blick schweifen. „Wo soll ich die Kartons hinstellen?“

Langsam ging sie in das Schlafzimmer, das einst ihrer Mutter gehört hatte, und verdrängte wegen Hunter jegliche Sentimentalität. „Hier herein, das ist wohl am besten.“

Hunter lud die restlichen Kisten aus, und Sophia dankte ihm für seine Hilfe. Dann war sie allein. Sie setzte sich aufs Bett und sah sich um. Die Gardinen waren frisch, die Bettdecke flauschig. Nirgendwo ein Körnchen Staub. Alles befand sich in makellosem Zustand. Jemand hatte all die Jahre dafür gesorgt, dass das Cottage gepflegt wurde. Und sie hatte das Gefühl, dass dieser Jemand Randall Slade gewesen war.

Eine halbe Stunde später klingelte es an der Tür. Es war dieselbe Melodie, an die sie sich erinnerte. Neugierig ging sie an die Tür und warf einen Blick durch den Spion. Eine ältere Frau stand auf der Schwelle, in der Hand eine hübsche Vase mit rosa Rosen und grünen Zweigen.

Sophia öffnete die Tür.

„Miss Montrose?“

Sie nickte. „Ja, ich bin Sophia Montrose.“

„Ich heiße Ruth Polanski. Ich möchte Sie in der Sunset Lodge willkommen heißen.“

Sophia erschauerte. Ruth Polanski? Die Leiterin des Gästehauses? Das war die Frau, die sie würde entlassen müssen. Aber noch nicht jetzt. Sie hatte noch keine Zeit gehabt, sich darüber Gedanken zu machen, wie sie der Frau die schlechte Nachricht überbringen sollte. Falls Logan sie hierhergeschickt hatte …

„Möchten Sie nicht hereinkommen?“

„Nur für einen Moment“, sagte die Frau mit den silbernen Haaren. „Ich möchte nicht stören. Ich wollte Sie nur kennenlernen und Ihnen ein paar Blumen bringen.“ Sie reichte Sophia die Vase. „Herzlich willkommen“, sagte sie und lächelte freundlich.

Sophia hielt die Vase in der einen Hand, mit der anderen bedeutete sie der Frau einzutreten. Ihr Herz raste, und sie fragte sich, warum Luke nicht erwähnt hatte, dass sie die ältere Frau feuern musste, damit sie deren Position als Managerin einnehmen konnte. Er hätte wissen müssen, in welch delikate Lage sie dadurch gebracht wurde. „Danke. Der Strauß ist wunderschön.“

„Ich hoffe, es stört sie nicht, dass ich so schnell gekommen bin. Hunter war bei mir und hat mich über Ihre Ankunft informiert. Ich konnte es nicht abwarten, Sie zu treffen. Ich leite die Lodge jetzt seit acht Jahren.“

„Ja, das hat mir Logan heute erzählt.“

„Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich bin. Ich meine, ich bin traurig, dass Mr Slade verstorben ist. Er war ein guter Mann – streng, aber gut – und ich habe ihm etwas versprochen, als im letzten Jahr seine Herzprobleme begannen.“

„So?“

Ruth Polanski stand mitten im Flur und schien erleichtert, endlich darüber sprechen zu können. „Er hat mir das Versprechen abgenommen, dass ich als Managerin bleibe, bis Sie kommen und übernehmen.“

„Sie mussten ihm versprechen zu bleiben?“

„Ja. Jeder hier weiß, dass ich es nicht abwarten kann, in den Ruhestand zu gehen. Ich habe drei Enkel und einen Mann, der im letzten Jahr pensioniert wurde. Doch ich wollte mein Versprechen nicht brechen, und ich hatte keiner Menschenseele von dem Agreement erzählt. Er wollte es so. Mr Slade war gut zu mir, und Logan, nun, er ist ein Heiliger in Männerkleidung.“

Sophia hätte sich fast verschluckt bei den letzten drei Worten.

„Wollen Sie damit sagen, dass Sie froh sind, Ihre Stelle aufzugeben?“ Wut stieg in ihr hoch. Wut auf Logan.

„Ja. Warum? Hat Logan Ihnen das nicht gesagt? Ich habe Ihre Ankunft sehnlichst erwartet. Natürlich lasse ich Sie nicht ins kalte Wasser springen. Ich bleibe, bis Sie eingearbeitet sind.“

„D…danke.“

„Sehr gern. Es ist nicht viel anders als damals, als Sie hier gewohnt haben. Die Lodge genießt immer noch einen sehr guten Ruf, und wir bieten im Frühjahr und in den Sommermonaten dieselben Aktivitäten an wie früher. Ich bin sicher, Sie erinnern sich. Sobald Sie also bereit sind, weise ich Sie gern ein. Und wenn ich weg bin, dann kann Logan all Ihre Fragen beantworten.“

Sophia lächelte freundlich. Dieser „Heilige“ würde was von ihr zu hören bekommen. Sophia spielte nicht gern das Opfer. Sie würde einen Weg finden, Logan Slade heimzuzahlen, dass er sie absichtlich falsch informiert hatte. Von jetzt an war sie auf der Hut. „Ja, Mrs Polanski, wenn Sie nicht mehr hier sind, wird Logan mir sicherlich Rede und Antwort stehen.“

2. KAPITEL

Die Morgensonne fiel durch die Vorhänge und weckte Sophia. Einen Moment war sie desorientiert, doch sie erinnerte sich schnell, dass sie sich in dem früheren Schlafzimmer ihrer Mutter befand und dass heute ihr neues Leben begann.

Noch vor sechs Wochen hatte sie im Traum nicht daran gedacht, jemals wieder hierher zurückzukehren, in dem Cottage zu leben, in dem sie aufgewachsen war, und Mitinhaber der herrlichen Sunset Lodge zu sein. Slade Senior und ihre Mutter waren kurz hintereinander gestorben, und irgendwie glaubte sie daran, dass Louisa und Randall jetzt zusammen waren. Dieser Gedanke tröstete Sophia, als sie ihren geblümten Morgenmantel anzog und von dem weichen Teppich vor ihrem Bett auf den Steinfußboden trat, der in die Küche führte.

Sophia hatte die offene Küche immer geliebt, und da sich nichts verändert hatte, fiel es ihr leicht, gedanklich in die Zeit zurückzukehren, als sie glücklich gewesen war, als ihre Mutter noch lebte und als Angst für sie noch ein Fremdwort war.

Ein Schauer lief ihr über den Rücken, und sie dachte an ihre Zeit als Showgirl in Las Vegas, als sie sich aus gutem Grund alles andere als sicher fühlte. Gerade in diesem Moment blickte sie aus dem Fenster und sah einen schwarzweißen Border Collie am Cottage vorbeirennen. Im Maul hielt er einen Kuchenspachtel, von dem, wie es den Anschein hatte, Teig tropfte. Ein dunkelhaariger Junge jagte hinter ihm her und rief: „Blackie, komm zurück!“

Sophia musste lachen. Sie ging an die Haustür und trat auf die Veranda. Sie entdeckte das hintere Ende von Blackie, als er mit wedelndem Schwanz um das Cottage raste. Offensichtlich genoss er den Sport. Der kleine Junge dagegen schien das Spiel beenden zu wollen. Sein Gesicht war rot vor Anstrengung, und er wurde langsamer.

Sophia ging die Treppe hinunter und versteckte sich hinter der kleinen Mauer. In dem Moment, als der Hund um die Ecke kam, machte sie einen Satz nach vorn und rief. „Blackie, aus!“

Der Hund blieb abrupt stehen, der Teig tropfte aus seinem Maul, seine großen braunen Augen – dunkel und unschuldig – blickten sie neugierig an. Sein neckisches Spiel war vorbei.

Der kleine Junge bog als Nächster um die Ecke und blieb einige Meter entfernt stehen. Er atmete schwer, seine Brust hob und senkte sich. Und sein Gesichtsausdruck sagte: Ich darf nicht mit Fremden sprechen.

„Hallo. Ich heiße Sophia Montrose. Ich wohne jetzt hier und werde in der Sunset Lodge arbeiten.“

Der Junge nickte, dann warf er dem Hund einen schnellen Blick zu. Blackie hatte sich einige Schritte entfernt hingelegt, den Spachtel immer noch im Maul. Gelegentlich schnellte seine Zunge hervor und leckte etwas Teig ab.

„Wie heißt du?“, fragte sie den Jungen.

„Edward.“

„Hallo, Edward. Und wie alt bist du?“

„Z–zehn“, sagte er. „W–wie alt bist du?“

Der Junge stotterte. Sophia hoffte, dass es nicht daran lag, dass sie ihm Angst einjagte. „Ich bin fast achtundzwanzig. Es sieht so aus, als hätte der kleine Blackie etwas von dir, was du gern wiederhaben möchtest.“

„J–ja, Ma’am. A–allerdings gehört der Sp–Spachtel nicht mir. Blackie hat ihn aus O–Omas Küche g–geklaut. S–sie wird sauer sein. Er d–darf nicht in die K–Küche.“

„Verstehe. Ich wette, wenn wir uns einen Moment unterhalten und Blackie ignorieren, dann wird er zu uns kommen, und wir bekommen den Spachtel zurück.“

Edward warf einen Blick auf den Hund, der glücklich den Teig abschleckte, dann sah er Sophia zweifelnd an.

„Wohnst du hier?“, fragte sie.

Das zerzauste braune Haar fiel ihm in die Augen, als er nickte. „Ich w–wohne mit meiner Oma in der L–Lodge. Sie ist die K–Köchin.“

„Dann werde ich sie bald kennenlernen. Ab heute arbeite ich in der Lodge. Ist Blackie dein Hund?“

Der Junge schüttelte den Kopf. „Er gehört Mr S–Slade. Ich füttere ihn und führe ihn aus. Das ist mein J–Job.“

„Aha. Gehört der Hund Luke oder Logan?“

„Logan Slade. S–Sie werden es ihm nicht s–sagen, oder?“

„Dass Blackie in der Küche war?“

Er nickte.

„Nein“, versicherte sie ihm lächelnd. „Aber vielleicht solltest du deiner Großmutter erzählen, was passiert ist. Und als Entschuldigung pflückst du ihr auf der Wiese einen schönen Strauß und versprichst ihr, dass es nicht wieder vorkommt.“

Der Hund ließ schließlich den Spachtel fallen und kam zu Edward getrottet. „Siehst du“, sagte Sophia. „Da kommt er.“

Edward streichelte über den Kopf des Collies. „Er ist ein lieber H–Hund, normalerweise.“ Er ergriff den Spachtel und trollte sich. Der Hund blieb ihm auf den Fersen. Sophia wollte gerade zurück ins Haus gehen, als Edward sich noch einmal umdrehte und ihr einen langen nachdenklichen Blick zuwarf.

Sie winkte und verschwand im Haus, um zu duschen und sich für ihren ersten Arbeitstag fertigzumachen. Sorgfältig wählte sie ihre Kleidung aus. Von ihrer Mutter hatte sie gelernt, dass die Gäste in der Lodge zwar den Duft des Wilden Westens schnuppern, aber keinesfalls auf ihren Luxus verzichten wollten. Ein korallenrotes Seidenkleid mit einem schicken breiten Gürtel, dazu ein leichter Blazer und braune Lederstiefel vermittelten den richtigen Eindruck von Professionalität und Wildem Westen.

Nachdem sie sich angezogen hatte, trank sie noch schnell einen Kaffee und verschlang ein Müsli, bereit und begierig darauf, den Tag zu beginnen.

Sie wollte etwas beweisen.

Logan Slade.

Aber vor allem sich selbst.

Eine halbe Stunde später betrat Sophia die Sunset Lodge. Noch immer konnte sie kaum glauben, dass die Hälfte dieser wunderbaren Anlage jetzt tatsächlich ihr gehörte. Euphorisch durchschritt sie die hübsch eingerichtete Lobby und wandte sich nach links. Das Büro der Managerin befand sich noch genau dort, wo sie es in Erinnerung hatte. Die Tür stand offen. Sophia hob die Hand, um trotzdem höflich anzuklopfen, als Ruth Polanskis Stimme ertönte.

„Willkommen, Sophia. Kommen Sie bitte herein.“ Ruth erhob sich hinter ihrem Schreibtisch und ging lächelnd auf Sophia zu. Statt die Hand zum Gruß auszustrecken, umarmte die Frau Sophia herzlich. Sophia wurde warm ums Herz. Seit dem Tod ihrer Mutter war sie nicht mehr so liebevoll umarmt worden, und jetzt hieß diese freundliche Frau – die sie glücklicherweise nicht feuern musste – sie mit echter Zuneigung willkommen. Plötzlich vermisste sie ihre Mutter noch mehr.

„Guten Morgen.“

„Ich bin froh, dass Sie hier sind“, sagte Ruth. „Wie war Ihre erste Nacht auf der Sunset Ranch?“

Sophia entschied zu schwindeln. Ruth musste nicht wissen, dass Logan ihr letzte Nacht den Schlaf geraubt hatte. „Gut. Das Cottage ist noch genau so, wie ich es in Erinnerung hatte.“

„Schön, meine Liebe. Bevor wir uns hier im Büro an die Arbeit machen, halte ich es für wichtig, Sie durch die Lodge zu führen und unserem Personal vorzustellen. An einige der Angestellten erinnern Sie sich vielleicht sogar noch.“

„Könnte sein.“

„Sollen wir?“

„Ja, gern.“

Sophia genoss den Rundgang durch die Anlage und freute sich, bekannte Gesichter zu sehen. Viele Angestellte kannten sie noch als Kind und bekundeten ihr Beileid zum Tod ihrer Mutter. Es war eine Reise in die Vergangenheit, aber Sophia konzentrierte sich auf das Neue und auf das, was eventuell geändert werden musste.

Du bist keine Angestellte mehr, Sophia. Du besitzt die Hälfte des Anwesens.

Am späten Nachmittag verabschiedete Ruth sich von ihr. „Das sind jetzt Ihre“, sagte sie und legte Sophia die Schlüssel in die Hand. „Sie können das Büro abschließen, wann immer Sie wollen.“

Als Sophia ihre Überraschung zeigte, schüttelte Ruth den Kopf. „Ich lasse Sie nicht allein, keine Sorge. Ich werde bis Ende der nächsten Woche hier sein, um noch einige Dinge abzuschließen. Wenn Sie mich länger brauchen, dann ist das auch kein Problem.“

„Danke“, sagte Sophia. „Sie haben mir den ersten Tag sehr angenehm gemacht.“

„Ich habe Ihnen viel abverlangt“, sagte Ruth ernst, bevor sie dann den Mund zu einem Lächeln verzog. „Ich habe fast ein schlechtes Gewissen, aber ich bin überzeugt davon, dass Sie sich sehr schnell einarbeiten und die Lodge bald fest im Griff haben. Und das werde ich Logan auch berichten.“

„Sie meinen Luke, oder? Mir wurde gesagt, dass ich von jetzt an mit Luke zu tun habe.“

„Ja, das stimmt. Und … keiner der Jungs würde Ihnen jemals Steine in den Weg legen.“

Sophia hätte widersprechen können, doch sie hielt den Mund.

Auf dem Weg nach Hause dachte sie darüber nach, was sie heute erledigt hatte, was von ihr erwartet wurde und wie alles funktionieren würde. Wenige Minuten später saß sie im Cottage auf der Couch, hatte die Stiefel ausgezogen, den Blazer über das Sofa geworfen und hielt ein Glas Eistee in der Hand.

Einen Moment später hörte sie einen Wagen vorfahren. Der Motor wurde ausgestellt, eine Tür schlug zu. Schritte näherten sich der Veranda, und einen Moment später klopfte es. Sophia legte die Hand an den Türknauf, drehte, zog die Tür auf und blickte in das attraktive Gesicht von Luke Slade.

„Hallo“, sagte er. „Ich dachte, du kannst vielleicht einen Freund gebrauchen.“

„Also, wie geht es dir wirklich, Soph?“, fragte Luke zehn Minuten später, nachdem sie sich gegenseitig ihr Beileid bekundet hatten.

Soph?

Sophia hatte ganz vergessen, dass Luke gern ihren Namen abgekürzt hatte. Das vertraute Wort und sein leichtes Näseln weckten schöne Erinnerungen an die Zeit, die sie zusammen verbracht hatten. Wenn Sophia befürchtet hatte, die erste Begegnung könnte schwierig sein, dann war sie jetzt beruhigt. Luke war immer noch Luke. Sie war sehr erleichtert, dass der Freund, auf den sie sich immer hatte verlassen können, sich nicht verändert hatte – außer dass aus dem Jugendlichen ein selbstbewusster, attraktiver Mann geworden war.

„Ich vermisse Mama so sehr, Luke. So viele Jahre haben wir gemeinsam gegen den Rest der Welt gekämpft. Und jetzt ist sie nicht mehr da, und ich fühle mich etwas verloren.“

„Nicht verloren, gefunden, Süße. Sunset Ranch ist jetzt wieder dein Zuhause.“

Luke beugte sich vor, und als er seine Hand auf ihre legte, blickte sie auf ihre ineinander verflochtenen Finger, dankbar für seine Freundschaft. Dann drückte sie seine Hand und wartete darauf, dass sich ein Funken zwischen ihnen entzündete. Sie wartete darauf, dass sie schweißnasse Hände bekam. Sie wartete auf ein Kribbeln.

Die Sekunden verstrichen.

Nichts. Kein Kribbeln. Kein Feuer.

Sie hatte sich immer gefragt, ob sie mehr als nur Freundschaft für ihn empfinden würde, falls sie einmal zur Sunset Ranch zurückkehrte.

Sie ließ seine Hand los und hob langsam den Blick. Luke grinste sie vergnügt an. Offensichtlich hatte er ihre Gedanken gelesen und sich dasselbe gefragt.

„Du bist eine tolle Frau, Sophia, das steht fest.“

„Und du bist ein unglaublich attraktiver Cowboy, Luke.“

Er schaute zweifelnd drein und schüttelte den Kopf. Dann brachen beide in Gelächter aus.

Wie damals, als sie noch Kinder gewesen waren.

Sie waren Freunde. Punkt. Sophia war froh, dass sie das klargestellt hatten. Sie wollte ihr Leben nicht unnötig komplizieren. Die letzten Jahre waren schwer genug gewesen. Die Ehe mit einem Mann, der seine Hilfe angeboten hatte, damit ihre Mutter die beste medizinische Versorgung bekam, und das Hoffen auf ein Wunder, das ihre Mutter rettet. Sie hatte einen hohen Preis für ihre Hoffnung und Naivität gezahlt.

„Danke, Luke. Du hast immer gewusst, was du tun oder sagen musst, damit es mir besser geht.“

Er zwinkerte ihr zu. „Immer gern. Und jetzt sag, wie sieht dein Plan aus?“

„Ich hoffe, dass der Wechsel von Ruth Polanski zu mir reibungslos und schnell vonstattengeht. Ruth meint, dass ich Ende nächster Woche so weit bin. Ich habe da meine Zweifel.“ Sie neigte den Kopf zur Seite. „Übrigens, wäre schön gewesen, wenn du mich im Vorfeld gewarnt hättest, dass ich sie als Managerin ersetzen soll“, sagte sie ohne Vorwurf in der Stimme.

„Ich bin nicht auf die Idee gekommen, dass es ein Problem sein könnte. Sie kann es gar nicht abwarten, in den Ruhestand zu gehen.“

„Mittlerweile weiß ich das auch. Aber dein Bruder hat mich glauben lassen, dass ich Ruth feuern muss, um meine Stelle in der Lodge antreten zu können.“

Luke starrte sie einen Moment an, dann rieb er sich den Nacken. „Verdammt.“ Luke beugte sich vor, um sein Glas abzustellen. „Lass dir von ihm nicht die Laune verderben, Sophia. Er hat eine Macke, was die Vergangenheit betrifft. Er beruhigt sich schon wieder.“

„Glaubst du das wirklich?“

„Willst du meine ehrliche Antwort? Nein, ich glaube es nicht, ehrlich gesagt. Jedenfalls wird es nicht so schnell passieren. Er ist noch sturer als ich.“

Sie erinnerte sich an die Diskussionen, die sie mit Luke geführt hatte. Er wich nur selten von seinem Standpunkt ab, wenn er sich im Recht glaubte. „Das ist kaum möglich“, murmelte Sophia.

„He!“

Sie lächelte. „Ich spreche von damals. Ich bin sicher, dass du heute einsichtiger bist.“

„Auf jeden Fall. Ich meine, ich war eigentlich auch damals nicht stur, ich hatte eben immer recht.“

Sophia lachte. Es tat gut, mit Luke zu scherzen.

„Über was habt ihr gestern noch gesprochen?“

„Er hat versucht …“, begann sie, besann sich dann aber eines Besseren.

„Was hat er versucht?“

Sophia wollte nicht zwischen Luke und seinen Bruder geraten. Das war oft genug geschehen, als sie noch Kinder waren. Logan war frech zu ihr gewesen, oder schlimmer noch, hatte so getan, als existierte sie gar nicht, und Luke war zu ihrer Rettung gekommen. Das Ergebnis war, dass die beiden Brüder miteinander stritten – jedenfalls wenn es um sie ging. Sie wollte nicht wieder böses Blut erzeugen. „Nichts.“

„Irgendetwas war doch, Soph. Wenn du es mir nichts sagst, dann rede ich mit Logan. Ich werde es herausfinden.“

„Dräng mich nicht.“

„Ich dränge dich nicht. Aber du musst es mir sagen.“

Sophia schwieg.

Luke stand auf. „Okay, ich werde meinen Bruder fragen, ob du …“

„Okay, okay. Ich erzähle es dir.“

Er nahm wieder Platz.

„Du musst mir versprechen, dass du dich nicht einmischen wirst. Ich möchte nicht wieder zwischen euch stehen.“

Luke zögerte so lange, dass Sophia schon glaubte, er würde ihr das Versprechen nicht geben. „Okay“, sagte er schließlich. „Du hast mein Wort.“

„Logan hat mich nicht nur glauben lassen, dass ich Ruth feuern muss, er hat auch versucht, mich auszuzahlen. Er hat gesagt, dass sein Anwalt einen Weg finden würde, die Bedingung zu umgehen, dass ich ein Jahr die Lodge leiten muss. Er hat mir eine Riesensumme angeboten.“

„Mistkerl. Er lässt aber auch nichts unversucht. Dabei weiß er verdammt gut, dass er dich nicht auszahlen kann.“

„Er hat mir deutlich zu verstehen gegeben, dass ich hier unerwünscht bin.“

„Du kannst dir nicht vorstellen, wie leid es mir tut, dass ich gestern bei deiner Ankunft nicht da war.“

„Das ist nicht deine Schuld, Luke. Ich gebe zu, seit deinem Anruf konnte ich es nicht mehr abwarten, dich wiederzusehen, aber du kannst dein Leben nicht nach meinem ausrichten. Ich bin ein großes Mädchen, und Logan macht mir keine Angst.“

„Das vielleicht nicht, aber er hat dir wehgetan. Und das ist nicht in Ordnung.“

„Lass uns das Thema wechseln“, sagte sie. „Erzähl mir von dir, Luke. Du hast erwähnt, dass du einige Zeit Rodeos geritten bist. Wie war das?“

Sophia lehnte sich zurück und lauschte den Erzählungen ihres Freundes über sein Leben, nachdem sie die Ranch verlassen hatte. Und als er sie später zu dem schärfsten Chili im Westen der USA einlud, fing ihr Magen an zu knurren.

„Ja. Ich gehe gern mit dir essen.“

Das Einzige, was noch feuriger war als die schräge Musik im The Kickin’ Kitchen, waren die Red Savina Habaneros im Chili, die schärfsten Chilischoten der Welt. Sie brannten wie Feuer im Magen. Logan trank einen großen Schluck Bier. Nachdem er den ganzen Vormittag mit potenziellen Kunden gesprochen hatte und nachmittags den Papierkrieg erledigt hatte, war ihm für den Abend nichts Besseres eingefallen, als mit einem Freund Chili zu essen.

„Wie sieht es mit der nächsten Runde aus?“, fragte Ward Halliday, als er seinen Teller leer hatte. Ward hatte einen Magen aus Stahl, was ihm bei der All-you-can-suffer-Chili-Nacht im Kickin’ zugutekam.

Logan blickte auf die leere Schüssel vor sich. „Nein. Ich habe mich noch nicht von der letzten Runde erholt. Aber iss nur.“ Er gab der neuen Kellnerin, Shelby, ein Zeichen.

Sie kam zu ihnen und schenke Logan ein strahlendes Lächeln. „Hi, Jungs, bereit für einen Nachschlag?“

„Mein Freund will das Schicksal noch einmal herausfordern. Ihm können Sie noch etwas bringen“, sagte Logan. „Gibt es zum Nachtisch vielleicht etwas gegen Sodbrennen, Schätzchen?“

Die junge Frau lachte. „Keine schlechte Idee. Ich könnte damit ein Nebengeschäft aufziehen und in den Ruhestand gehen, bevor ich dreißig bin. Darf es vielleicht noch ein Bier sein?“

„Zwei bitte.“

„Gern.“ Sie drehte sich um, um auch am nächsten Tisch die Bestellung aufzunehmen.

Ein paar Minuten später kehrte Shelby mit Wards zweiter Schüssel Chili und zwei Bier zurück. Sie stellte alles auf den Tisch. „Bitte schön, Jungs.“

„Danke, Miss“, sagte Ward und nahm seinen Löffel.

„Wenn Sie noch etwas brauchen, dann rufen Sie mich.“

Als sie sich umdrehte, um einen anderen Gast zu bedienen, beobachtete Logan das sanfte Wiegen ihrer Hüften in dem kurzen blauen Rock.

„Ich glaube, ich könnte mal wieder eine Frau gebrauchen“, murmelte er.

Ward schien ihn nicht zu hören. Er blickte an Logan vorbei und winkte. „Sieh nur, wer da kommt“, sagte Ward gerade. „Luke und Miss Sophia. Sie kommen zu uns.“

„Verdammt, Ward. Nimm die Hand runter, und hör auf zu winken.“

„Warum … okay, okay.“ Er zuckte entschuldigend mit den Schultern.

Wards Erleuchtung kam einen Moment zu spät. Die Slades hatten immer versucht, ihr Privatleben so zu belassen, wie es war – privat. Aber die Neuigkeit von Louisa Montroses heimlicher Affäre mit seinem Vater hatte sich damals wie ein Lauffeuer verbreitet, und Logan vermutete, dass jeder auf der Sunset Ranch wusste, dass er den Montrose-Frauen nicht freundlich gesonnen war. Und jetzt schon gar nicht. Nicht, nachdem Randall Slade die Hälfte der Lodge der Tochter seiner Geliebten vermacht hatte.

3. KAPITEL

Sophia hatte nicht damit gerechnet, Logan hier zu treffen. Sie hatte sich darauf gefreut, mit Luke zu essen. All-you-can-suffer-Chili klang großartig, aber All-you-can-suffer-Logan absolut nicht.

„Ich schwöre, ich wusste nicht, dass er hier sein würde“, flüsterte Luke.

„Ich glaube dir.“

„Wir bleiben nicht. Wir sagen nur hallo.“

„Nein, Luke“, entgegnete sie. „Ich lasse nicht zu, dass du deinem Bruder meinetwegen aus dem Weg gehst.“

„Logan wird es nicht stören, wenn wir uns an einen anderen Tisch setzen.

„Aber mich.“

Sophia fürchtete, dass sie bereits für eine Kluft zwischen den Brüdern gesorgt hatte. Egal wie, sie musste versuchen, in Logans Gegenwart höflich zu sein. Um ihrer aller willen.

„Hallo“, sagte Ward, als sie den Tisch erreichten. „Ich sehe, du zeigst Miss Sophia das schönste Lokal der Stadt.“

„Richtig. Es gibt nichts Besseres als das Kickin’.“ Luke lächelte Ward an, bevor er sich Logan zuwandte.

Dieser trank von seinem Bier, dann nickte er seinem Bruder zu.

Sophia würde nicht zulassen, dass Logan sie ignorierte, deshalb entschied sie, Größe zu zeigen. „Schön, Sie wiederzusehen, Ward. Und dich auch, Logan.“

Logan schaute in ihre Richtung, sein Blick blieb an dem Oberteil ihres korallenroten Kleides hängen. Er wehrte sich gegen den Blickkontakt mit ihr, als wäre sie seine Aufmerksamkeit nicht wert. „Sophia.“

Idiot.

„Ich habe schon die zweite Portion von Chili Nummer drei“, sagte Ward, um die Spannung am Tisch zu lösen. „Je höher die Zahl, desto schärfer das Gericht. Geht aber nur bis fünf. So mutig bin ich jedoch nicht.“

„Ich glaube, drei ist schon ziemlich tapfer.“ Kickin’ Kitchen hatte es damals noch nicht gegeben, und so war ihr Interesse jetzt groß. Da sie spanische Vorfahren hatte und ihre Mutter mit Gewürzen mehr als großzügig umgegangen war, waren ihr scharfe Gerichte nicht fremd.

„Anfänger starten mit Nummer eins und bleiben ein paar Jahre dabei“, sagte Logan selbstgefällig und sah sie herausfordernd an. „Einigen ist selbst das Chili schon zu scharf.“

Sophia richtete sich zu voller Größe auf. Dieser arrogante Kerl gab von sich aus doch tatsächlich etwas mehr als nur ein Grunzen von sich. Sie schob das Kinn vor und nahm die Herausforderung an. „Ich wette, ich schaffe Nummer drei.“

„Das möchte ich sehen“, sagte Logan zwischen zwei Schlucken Bier.

Luke schüttelte den Kopf. „Wow, Sophia, ich bin erst vor ein paar Monaten bis Nummer drei vorgerückt.“

Ward sah sie skeptisch an.

„Ihr werdet sehen“, sagte sie, sicher, dass sie diejenige sein würde, die zuletzt lachte.

Die Kellnerin brachte Getränke in die Nische. „Brauchen Sie einen Tisch?“, fragte sie Luke. „Dauert zwanzig Minuten.“

„Das ist in Ordnung. Wir warten.“ Es war offensichtlich, dass Luke Sophia schützen wollte. „Slade. Tisch für zwei.“

Logan stellte seine Bierflasche auf den Tisch und blickte Sophia scharf an. „Kneifst du?“

Luke gab Sophia daraufhin mit einem Kopfschütteln zu verstehen, dass sie sich nicht provozieren lassen sollte, doch seine Warnung kam zu spät. Ihr Entschluss stand fest. Erstens würde sie sich von Luke nicht bevormunden lassen, und zweitens musste Logan in seine Schranken verwiesen werden. Als Ward aufstand, um ihr einen Platz anzubieten, rutschte sie durch, damit er neben ihr noch Platz hatte.

„Ich kneife nicht“, sagte sie triumphierend zu Logan, dann lächelte sie Ward strahlend an. „Danke, sehr freundlich von Ihnen.“

Ward nickte verlegen. „Gern.“

Logan seufzte resigniert, als er für seinen Bruder Platz machte.

„Canceln Sie den Tisch für zwei“, sagte Luke zu der Kellnerin und setzte sich neben Logan. „Wir bleiben hier.“

„Gern. Ich hole die Speisekarten.“

Bevor die Kellnerin sich umdrehen konnte, rief Luke ihr zu: „Das ist nicht nötig. Wir wissen, was wir haben möchten.“ Luke begegnete noch einmal Sophias Blick. Sie nickte und gab ihre Bestellung auf. „Ich nehme Nummer drei.“

„Für mich auch bitte. Und zwei Bier.“

„Kein Bier für mich. Ein Wasser bitte.

„Bringen Sie ihr bitte gleich drei Glas eiskaltes Wasser“, sagte Ward. Er schien besorgt. „Dieses Chili hat es in sich.“

Luke beugte sich zu Sophia. „Du hättest besser auch ein Bier bestellt.“

„Ich trinke nicht.“

„Nie?“ Luke schien überrascht. „Tut mir leid, das wusste ich nicht.“

„Konntest du auch nicht“, erwiderte sie ruhig. „Mein Vater war Alkoholiker“, erklärte sie ihm. „Ich habe nie Gefallen an dem Zeug gefunden.“

Nicht, dass sie es nötig hätte, einen Grund zu liefern, warum sie keinen Alkohol trank, aber die Geschichte ihres Vaters war eine ständige Mahnung, wie anfällig die menschliche Natur war – und wie leicht zu verführen. Vor allem Logan sollte wissen, dass auch ihr Leben kein Ponyhof gewesen war. Sophias Vater hatte die Familie verlassen, als Sophia drei Jahre alt war. Bis heute konnte sie sein Verhalten nicht begreifen. Alberto Montrose hatte sich für eine Liebesaffäre mit dem Alkohol entschieden, die ihn letztendlich ruinierte. Das Letzte, was Sophia von ihrem Vater gehört hatte, war, dass er in San Francisco auf der Straße lebte. Und das war mehr als zehn Jahre her.

„Ich kann deine Abneigung gegen Alkohol verstehen“, sagte Luke mitfühlend.

Logan trank von seinem Bier und betrachtete Sophia gelassen. „Dein Magen wird in ein paar Minuten höllisch rebellieren.“

Dieses Mal widersprach Luke nicht. „Ich fürchte, Logan hat recht, Sophia. Aber du warst schon immer sehr waghalsig. Das weiß ich.“

„Ich? Du hast fünf Jahre deines Lebens mit bockenden wilden Pferden gerungen. Wie nennst du das denn?“

„Sechs Jahre“, sagten Ward und Luke gleichzeitig.

„Und ich habe nicht mit ihnen gerungen, Schätzchen. Ich habe sie neun Sekunden am Stück geritten.“

„Meistens waren er nur fünf Sekunden im Sattel. Den Rest der Zeit lag er auf dem Boden und hat Pferdedreck gegessen“, warf Logan ein. Es bereitete ihm Spaß, Luke zu ärgern.

„Dreck zu essen ist vielleicht einfacher, als Nummer drei zu essen.“

Sophia verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf. „Es reicht, ihr habt mich jetzt alle drei gewarnt.“

Sie strich ihre langen Haare zurück und rutschte auf dem Sitz herum, bis sie bequemer saß. Logan beobachtete ihre Bewegungen. Sein Blick wanderte über ihren Körper zu ihrem Gesicht. Herausfordernd sah er sie an. Flüchtig erkannte Sophia in seinen Augen den Hauch von Bewunderung für das, was sie tun wollte. Was, ihrer Einschätzung nach, gar nicht so bewundernswert war. Sie würde eine Schüssel Chili essen. Wie schwierig konnte das schon sein?

Und egal wie ungern sie es sich eingestand, in diesem Moment sah sie Logan in einem anderen Licht. Sie sah ihn als jemanden, der zu ihrem Temperament passte, jemand, dessen Gesellschaft sie genießen und der die klaffende Leere füllen könnte, die sie zu verschlingen drohte. Eine Leere, die nicht einmal ein so wundervoller Mann wie Luke jemals würde füllen können.

„Was zum Teufel?“ Ward sprang plötzlich auf, und alle Köpfe drehten sich zu ihm. „Entschuldigen Sie, Miss.“ Er zog sein Handy aus der Tasche. „Dieses verdammte Vibrieren. Erschreckt mich jedes Mal zu Tode.“

Logan lachte, dabei zeigten sich tiefe Falten an seinen Mundwinkeln. Er sah zum Anbeißen aus. Sophia holte kurz Luft und konzentrierte sich auf Ward, statt zuzulassen, dass sich diese verdammte wohlige Wärme weiter in ihrem Körper ausbreitete. Sie rief sich in Erinnerung, dass Logan sie hasste und zutiefst gekränkt hatte.

Ward blickte auf das Display. „Der Anruf ist von Hunter. Er würde nicht anrufen, wenn es nicht wichtig wäre.“

„Geh schon dran“, ermunterte Logan ihn.

Ward sprach mit seinem Sohn, nickte und sagte ein halbes Dutzend Mal: „Oh, oh.“ Schließlich beendete er das Telefonat mit: „Okay, ich bin gleich da.“

Dann steckte er das Handy zurück in seine Hosentasche. „Mein Sohn braucht meine Hilfe. Skylar fohlt. Er glaubt, dass es eine schwierige Entbindung werden könnte. Luke, sie ist deine Lieblingsstute. Kommt du mit?“

„Ja, natürlich. Tut mir leid, Sophia, ich muss los. Wir hätten sie das letzte Mal fast verloren, als sie fohlte.“

„Verstehe.“ Sophia nahm ihre Tasche. „Ich komme mit.“

„Auf keinen Fall“, entgegnete Luke. „Du bleibst und isst. Ich weiß, dass du Hunger hast. Da kommt dein Essen auch schon.“

„Aber, ich …“ Sophia blickte von Logan, dessen Gesichtsausdruck unergründlich war, zu Luke. „Ich muss nicht …“

„Mein Güte.“ Logan schüttelte den Kopf. „Ich beiße nicht. Ward kann mit Luke zur Ranch fahren. Ich bringe dich später nach Hause. Nachdem du Nummer drei gegessen hast.“

„Aber …“

„Versuchst du zu kneifen?“

„Nein!“

„Also gut.“ Logan warf seinem Bruder einen beruhigenden Blick zu. „Jetzt fahrt endlich. Und denkt an nichts anderes als daran, dass ihr Skylar und ihr Fohlen retten müsst.“

„Benimm dich.“ Luke deutete mit dem Finger auf Logan.

„Verschwinde endlich.“ Logan griff nach seinem Bier und zuckte gleichgültig mit den Schultern.

Luke rührte sich jedoch nicht vom Fleck. „Logan.“

„Verdammt, du hast mein Wort.“

Endlich zufrieden, nickte Luke. „Tut mir leid, Sophia. Aber Logan wird dich sicher nach Hause fahren. Ich muss mich jetzt wirklich beeilen.“

„Mach dir um mich keine Sorgen. Ich hoffe, mit der Stute geht alles in Ordnung.“ Im nächsten Moment war Sophia mit Logan Slade allein.

Für den Rest des Abends hatte er Sophia am Hals. Verdammt, einem Mann konnte Schlimmeres passieren, als eine Frau mit einem Wahnsinnskörper einen Abend zu unterhalten. Er würde sich von seiner besten Seite zeigen. Nicht, weil sich seine Meinung über Sophia geändert hatte, sondern einzig und allein, weil er es seinem Bruder versprochen hatte.

Nach einem langen Moment des Schweigens fragte sie: „Glaubst du, die Stute schafft es?“

Er atmete tief aus. „Ich weiß es nicht. Eine Geburt kann sehr schwierig sein. Skylar ist aber erfahren. Sie ist stark, und wenn ihr irgendjemand helfen kann, dann Luke.“

„Ich habe gehört, dass Luke eine Menge über Pferde weiß.“

„Ja, das tut er“, stimmte Logan im Plauderton zu. Wenn diese Frau seinen Bruder heute Abend in höchsten Tönen loben wollte, dann würde er sie nicht daran hindern. Es würde ihm nicht gefallen, aber er würde nichts dagegen tun. Die beiden waren schon wieder ein Herz und eine Seele.

Die Beziehung seines Bruders zu Sophia hatte Logan immer geärgert. Logan war der älteste der drei Brüder – Justin der jüngste. Logan und Luke hatten sich sehr nahegestanden, bis Sophia aufgetaucht war. Sie hatte sich mit Luke angefreundet, seitdem fühlte Logan sich ausgeschlossen. Die Montrose-Frauen schafften es offenbar irgendwie, die Slade-Familie zu entzweien. Dass Luke genauso blind war wie sein Vater, hinterließ einen bitteren Geschmack bei Logan. Bitterer als das Chili, das er gerade gegessen hatte. Sein einziger Trost war, dass Shelby gerade mit dem höllisch scharfen Chili auf ihren Tisch zusteuerte. „Dein Essen kommt.“

Die Kellnerin stellte die Schüssel vor Sophia. Die würzigen Aromen von Paprika, Zwiebeln und frischem Koriander schwebten zu ihm. „Danke, Shelby.“

„Gern.“ Wieder strahlte sie ihn an.

Sophia faltete ohne Hast ihre Serviette auseinander und legte sie auf den Schoß. Dann hob sie die Wimpern, und er konnte ihre glänzenden bernsteinfarbenen Augen mit den goldenen Flecken sehen. „Riecht lecker“, sagte sie.

„Deshalb sind wir hier.“

In dem Moment, als er „wir“ sagte, beschleunigte sich sein Pulsschlag, und wirklich schöne Bilder schossen ihm durch den Kopf. Für jeden, der sie beobachtete, könnte es scheinen, als hätten sie ein Date.

Eher friert die Hölle zu, dachte er. Trotzdem konnte er den Blick nicht von ihr wenden.

Er beobachtete gespannt, wie sie den Löffel ins Chili tauchte. Dabei schürzte sie die Lippen und pustete leicht.

Logans Adamsapfel hüpfte auf und nieder. Sein verdammter Körper spannte sich an, und er saß wie hypnotisiert da, als Sophia sich darauf vorbereitete, den ersten Löffel von einem Chili zu nehmen, das an Schärfe kaum zu überbieten war.

Logan hatte nie gleichzeitig an Chili und Sex gedacht, aber jetzt konnte er nicht anders. Während er beobachtete, wie sie den Löffel in den Mund schob, schluckte und dann völlig unbeeindruckt zu ihm aufblickte, verspürte er eine prickelnde Erregung wie nie zuvor. Es war absolut verrückt.

„Weißt du“, sagte sie und rührte in ihrem Chili. „Es war nett von dir, Hunter zu bitten, mir beim Einzug zu helfen.“

„Wer sagt, dass ich ihn darum gebeten habe?“

„Hast du nicht?“ Überrascht sah sie ihn an.

Er zuckte mit den Schultern. „Doch, vielleicht.“

„Ich konnte mir nicht vorstellen, dass du daran denkst. Du hattest mir deine Hilfe nicht angeboten.“

„Hattest du damit gerechnet?“

„Ich hatte gehofft, dass du dich wie ein Gentleman benimmst. Ich wollte meine Zeit auf der Sunset Ranch nicht mit einem miesen Gefühl beginnen.“

Logan ignorierte den letzten Teil ihrer Bemerkung. Er war nicht in der Stimmung, heute Abend mit ihr darüber zu sprechen. „Ich bin kein Begrüßungskomitee. Ich muss eine Ranch leiten. Hunter hat dir geholfen. Reicht das nicht?“

„Doch. Geärgert hat mich aber diese Geschichte mit Ruth Polanski. Das war unfair und gemein, Logan. Du hast mich glauben lassen, ich müsse die Frau feuern.“

Logan rieb sich das Kinn. Er war nicht stolz darauf, was er getan hatte, aber er war wütend gewesen und wollte um sich schlagen. Sophia hatte recht. Das war gemein, fast schon niederträchtig. Normalerweise spielte er nicht unfair. Dennoch war er nicht bereit, sich zu entschuldigen. „Du musst doch angenehm überrascht gewesen sein, als du erfahren hast, dass du sie nicht rausschmeißen musst.“

„Sicher, aber dein Verhalten hat mich die ganze Nacht über beschäftigt.“

„Ich bin sicher, du hast trotzdem gut geschlafen.“

Sophia schüttelte den Kopf. Dabei fiel ihr langes Haar sanft über ihre Schulter auf ihre Brüste. „Du musst die Vergangenheit loslassen, Logan. Dann wärst du glücklicher.“

„Wie kommst du darauf, dass ich nicht glücklich bin? Ich sitze da und beobachtete gerade, wie du so tust, als würdest du das Chili locker vertragen. Gib es zu, Sophia. Es brennt höllisch.“

Zu seiner Überraschung legte sie ihre Hand direkt unter ihre Brüste, spreizte die Finger über ihrem Magen und lachte leise. „Das hättest du wohl gern.“

„Du willst es nicht zugeben?“

„Vielleicht macht es mehr Spaß, dich raten zu lassen. Wann hattest du das letzte Mal richtig Spaß?“

„Was geht dich das an?“

„So lange ist es her?“ Sophia schüttelte den Kopf und führte einen weiteren Löffel voll Chili zum Mund.

Die Frau ging ihm auf den Geist, aber verdammt, er amüsierte sich trotzdem. Nicht, weil er glaubte, Sophia würde sich den Mund an dem Chili verbrennen, sondern weil sie eine Frau war, die eine Herausforderung annahm und sich behauptete.

„Du vergisst, wer dich nach Hause fährt.“

„Oh nein. Das ist mir sehr wohl bewusst.“ Ihre bernsteinfarbenen Augen strahlten eine solche Wärme aus, dass ihm ganz heiß wurde.

Er hatte plötzlich einen Kloß im Hals und trank schnell einen Schluck Bier.

Sophia dagegen hatte immer noch nicht nach ihrem Wasser gegriffen.

Sophia sank auf den bequemen Sitz in Logans schwarzem Pick-up. Leise Country-Musik ertönte. Logan war an Komfort, Stil und die schönen Dinge des Lebens gewöhnt. Auch wenn er auf einer Ranch lebte, war alles erstklassig, was er besaß. Angefangen bei seinem klassischen Stetson und den teuren Lederstiefeln bis hin zu dem luxuriösen Farmhaus. Und seine Armbanduhr kostete vermutlich mehr, als ihre Mutter im Desert Breeze Motor Inn im Jahr verdient hatte.

Sophia bekam einen kleinen Einblick in das Dolce Vita, als sie heiratete. Auch wenn viele glaubten, sie hätte den wesentlich älteren Mann wegen seines Geldes geheiratet, Sophia hatte wenigstens ihre Mutter davon überzeugen können, dass sie die Ehe aus Liebe eingegangen war. In Wahrheit stimmte weder das eine noch das andere.

Plötzlich verspürte sie ein schmerzhaftes Ziehen im Magen. Sie schnappte lautlos nach Luft, und ließ die Hände dort liegen, wo sie waren, obwohl sie lieber ihren Bauch gerieben hätte. Der Schmerz war schnell vorbei. Sophia stieß den Atem aus, den sie angehalten hatte. Alles war in Ordnung. Das Chili war ihr gut bekommen.

Wieder ein Ziehen. Es schwoll zu einem krampfartigen Schmerz an. „Oh.“ Sie atmete so langsam und ruhig aus wie sie konnte. Dabei warf sie einen Blick auf Logan, der der Musik lauschte, den Blick auf die dunkle Straße gerichtet.

Der nächste brennende Schmerz. Sie griff nach ihrer Tasche, legte sie an ihren Bauch und schob die Hand darunter. So unauffällig wie möglich versuchte sie, den Krampf wegzumassieren.

„Oooh.“ Jetzt war der Schmerz so stark, dass sie sich vorbeugte und die Arme vor dem Bauch verschränkte. Schweißperlen traten ihr auf die Stirn.

Logan warf ihr einen Blick zu. „Bauchschmerzen?“

Sie biss sich auf die Lippe und nickte hilflos.

„Ist es schlimm?“

Wieder nickte sie.

„Halt durch. Ich bringe dich schnell nach Hause.“

Kurze Zeit später im Wagen brachte Logan den Motor auf Touren und raste über den Highway. Minuten später erreichten sie die Sunset Ranch, und Logan verlangsamte das Tempo. „Zu mir oder ins Cottage?“

„Bring mich bitte nach Hause.“ Sophia sehnte sich nach ihren eigenen vier Wänden, die zwar noch neu, aber dennoch vertraut waren.

Logan gab wieder Gas, und kurz darauf sahen sie schon das Licht der Laterne vor dem Cottage. Sophia dankte Gott, dass sie endlich zu Hause war.

Abrupt brachte Logan den Truck zum Stillstand. Er stieg aus, und sie hörte seine Schritte auf dem Kies, als er um den Wagen herum zur Beifahrerseite kam. Sophia krümmte sich jetzt vor Schmerzen und drückte beide Arme gegen ihren Bauch. Logan öffnete die Beifahrertür. Als sich ihre Blicke trafen, wurde sein angestrengter Gesichtsausdruck weicher. Er fluchte leise. „Ich trage dich ins Haus.“

Bevor sie protestieren konnte, beugte er sich über sie, um den Sicherheitsgurt zu lösen.

„Du musst mich nicht tragen“, flüsterte sie.

Ihre Bemerkung fiel auf taube Ohren. Er hob sie vom Sitz, wobei er einen Arm unter ihre Knie schob und den anderen um ihre Taille legte. Und als wäre das nicht schon beschämend genug, rutschte auch noch ihr Kleid nach oben. Logans Blick klebte an ihren Beinen, als er sie aus dem Wagen holte. Mit der Hüfte schlug er die Tür zu und lief in Richtung Haus.

Sophia schlang den Arm um seinen Nacken. Obwohl sie wusste, dass sie bei Logan vorsichtig sein musste, fühlte sie sich in seinen starken Armen sicher und beschützt. Auf der Veranda stellte er sie auf die Füße und holte ein Schlüsselbund aus der Hosentasche. Er schloss auf und stieß mit dem Fuß die Tür auf. Dann hob er Sophia wieder auf die Arme.

Das Mondlicht fiel ins Haus und erleuchtete die Diele gerade genug, um den Weg erkennen zu können. Logan bewegte sich mit der Anmut eines Panthers durchs Haus und fand ohne Schwierigkeiten das Sofa im Wohnzimmer. Vorsichtig legte er Sophia darauf.

Da sie die Arme noch um seinen Nacken geschlungen hatte, kam ihr sein Gesicht ganz nah, und ihre Blicke trafen sich in der Dunkelheit. Ein Moment verging, und statt Kälte sah sie ein Verlangen in seinen Augen, das sofort die Erinnerung an den einen wundervollen, erregenden Kuss aufleben ließ, den sie sich vor so langer Zeit gegeben hatten.

Für einen kurzen Augenblick hörten die Bauchschmerzen auf, sie war wie paralysiert. War es möglich, dass Logan … Bevor sie jedoch den Gedanken zu Ende gedacht hatte, blickten seine Augen wieder kalt und undurchdringlich. Sophia schluckte.

„Ich bin gleich zurück“, sagte er und löste sich von ihr.

Sie legte den Kopf auf die Armlehne und hörte, wie er zu seinem Truck ging. Als er zurückkehrte, schaltete er die Lampe auf dem Beistelltisch ein. Sanftes Licht durchflutete den Raum. Er nahm ihre Hand und legte zwei runde pinkfarbene Tabletten auf die Handfläche. „Nimm die“, sagte er.

Sie starrte auf die Pillen.

„Sie helfen.“

Auch wenn sie sicher war, dass sie nicht helfen würden, steckte sie sie in den Mund und lutschte.

„Und jetzt trink einen Schluck hiervon.“

Er ging neben dem Sofa in die Hocke. Behutsam hob er ihren Kopf an und setzte eine pinkfarbene Flasche an ihre Lippen.

Sie schüttelte den Kopf. Medikamente zu mischen, war unklug. „Besser nicht.“

„Vertrau mir, es funktioniert. Ich weiß, wie es dir geht. Ich habe das alles schon durchgemacht. Was glaubst du, warum ich dieses Zeug im Wagen habe, wenn ich ins Kickin’ gehe?“

Sophia schloss die Augen, um Logans besorgten Blick nicht zu sehen. Es passte nicht in ihr Bild von ihm, dass er ihr helfen wollte. Er hasste sie, und gestern wollte er noch, dass sie verschwand. Wie konnte sie ihm da vertrauen?

Ihr Magen verkrampfte sich wieder schmerzhaft. „Oh.“

Er hob ihren Kopf etwas höher an. „Komm, Sophia, trink das.“

Sie sah ein, dass es sie nicht weiterbrachte, wenn sie jetzt bockig war. Also gab sie nach und trank einige Schlucke.

„So ist es gut“, sagte Logan. „In ein paar Minuten geht es dir besser.“

Sie legte den Kopf wieder auf die Armlehne, nachdem sie die fürchterliche Flüssigkeit geschluckt hatte. „Du musst nicht bei mir bleiben.“

Als wenn er auf diesen Satz gewartet hätte, stand Logan auf und verließ wortlos das Zimmer. Sophia war etwas verdutzt und wartete darauf, dass die Haustür ins Schloss fiel, doch stattdessen hörte sie, wie Logan in der Küche hantierte. Er stellte die Mikrowelle an. Bei dem Gedanken an Essen wurde ihr sofort wieder übel.

Sie schloss die Augen und öffnete sie erst wieder, als sie etwas Warmes auf dem Bauch spürte. Das erwärmte Geschirrtuch wirkte fast wie ein Heizkissen, und schon bald ließen die Schmerzen nach.

„Du solltest später ein warmes Bad nehmen“, sagte Logan.

Sie sah ihn verwundert an.

„Ich könnte dir jetzt anbieten, dir auch dabei zu helfen“, wieder sah sie Verlangen in seinen Augen aufblitzen, „doch ich habe das dumpfe Gefühl, das käme nicht so gut an.“

Trotz ihrer Schmerzen schaffte Sophia ein Lächeln. „Wer weiß …?“

„Ich offenbar nicht“, konterte Logan, „so wie ich auch überhaupt nicht vorausgesehen habe, dass es dir schlecht gehen würde.“

Verärgert richtete Sophia sich auf. „Bist du deshalb hier? Um mir das unter die Nase zu reiben?“

Er legte eine Hand an ihre Schulter und drückte sie zurück aufs Sofa. „Leg dich hin. Lass dich nicht ärgern.“

„Warum kümmerst du dich um mich?“ Sie drehte den Kopf zu ihm.

„Du kennst meine mitfühlende Seite nicht.“

„Hast du eine?“

Logan nickte. „Ich trete niemanden, der bereits am Boden liegt.“

„Du meinst, du willst gleiche Ausgangsbedingungen, wenn du mich vernichtest?“

„Ich habe nicht gesagt, dass ich dich vernichten will, Soph.“

Soph?

Und dann wurde ihr alles klar. Gerade als sie gedacht hatte, Logan hätte es sich anders überlegt und wollte höflich sein, gerade als sie dachte, die Vergangenheit wäre verziehen und sie könnten von vorn beginnen, gerade da begriff sie, was er tat. Sie war ihm noch ein Dankeschön für seine Hilfe heute Abend schuldig, aber jetzt wusste sie, warum er so freundlich zu ihr gewesen war. „Es ist wegen Luke, nicht wahr? Du hast ihm versprochen, mich sicher nach Hause zu bringen, und du hältst Wort. Du tust es für Luke. Nicht für mich.“

Logan zog unwillig die Augenbrauen zusammen. „Du hast eine merkwürdige Art, einem Mann zu danken.“

Jetzt wurde Sophia erst recht wütend. Bei Logan wusste sie nie, woran sie war. Einmal hü, einmal hott. Ihrem Frust machte sie in ihrer schnippischen Antwort Luft. „Und wie soll ich dir danken?“

Logan genoss es offensichtlich, zunächst einmal zu schweigen, anzüglich zu grinsen und dabei seinen Blick über ihren Körper schweifen zu lassen. Schließlich bequemte er sich doch zu einer Antwort: „Ich bade dich, und wir sind quitt.“

Ach du liebe Zeit! Mit allen möglichen Sticheleien hatte sie gerechnet, keineswegs aber mit dieser Reaktion. Ihr war sowieso schon schlecht, nun verursachte der Gedanke, mit Logan zu baden, obendrein ein anderes Unwohlsein in ihrem Magen. Aber war das wirklich ein Unwohlsein? Erotische Bilder tanzten plötzlich in ihrem Kopf.

Dann kam ihr ein anderer Gedanke, eine unangenehme Erinnerung, die absolut nichts mit Logan zu tun hatte. Denk nicht daran. Du musst keine Angst mehr haben, Sophia. Doch das Bild aus ihren Tagen in Las Vegas wollte nicht weichen.

Sie hatte vor ihrem Auftritt in der Garderobe vor dem Spiegel gesessen, als sie den ersten Zettel unter ihrem Kosmetikkoffer entdeckte. Ein eiskalter Schauer war ihr über den Rücken gejagt, als sie die Worte las.

Du bist so schön, Sophia. Eines Tages gehörst du mir.

Sie hatte fünf ähnliche Schreiben bekommen. Was ihr am meisten Angst bereitet hatte, war, dass die Person, die ihr diese Zettel schickte, eine Menge über sie wusste. Sie fand Umschläge mit ihrem Namen darauf an der Windschutzscheibe ihres Wagens. Oder sie wurden in dem Motel abgegeben, in dem ihre Mutter arbeitete. Die Worte an sich waren nicht bedrohlich – deshalb war sie auch nicht zur Polizei gegangen – aber allein die Tatsache, dass sie von jemandem verfolgt wurde, den sie möglicherweise sogar kannte und dessen Motivation ihr ein Rätsel war.

Nach einer Weile begann Sophia, sich die Männer genauer anzusehen, die zu ihren Shows kamen. Sie fragte sich, ob der Schreiber unter ihnen war und sie beobachtete.

„Denkst du tatsächlich darüber nach?“, fragte Logan provozierend in ihre Gedanken hinein.

Sophia richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Mann, der ihr heute Abend geholfen hatte.

„Du solltest jetzt besser gehen. Danke, dass du mich nach Hause gebracht hast.“

Er nickte kurz.

Sophia drehte sich auf die Seite. Sie war aufgewühlt und schloss die Augen, als sie hörte, wie Logan sich entfernte. Kein freundliches Wort zum Abschied. Kein „Ich hoffe, es geht dir besser.“ Kein „Ruf mich an, wenn du wieder meine Hilfe brauchst“. Es war die Mahnung, bei ihm auf der Hut zu sein.

Die Haustür wurde geöffnet und wieder geschlossen.

Erst jetzt begriff Sophia, dass Logan Slade einen Schlüssel zum Cottage hatte.

Er konnte jederzeit hereinplatzen.

4. KAPITEL

Constance Branford bot Sophia einen Erdbeermuffin an. Sophia hatte die Küchenchefin der Lodge gestern auf ihrer Tour mit Ruth kurz kennengelernt. Jetzt saß sie an dem langen rustikalen Eichentisch, dem einzigen Möbelstück in der blitzblanken Edelstahlküche, das nicht ersetzt und brandneu war. „Nein danke, Constance. Ich kann nichts essen.“

Edwards Großmutter zog den Korb zurück. Damit die Köchin nicht beleidigt war, erklärte Sophia schnell: „Ich hatte gestern Abend meine erste Begegnung mit dem Kickin’ Chili. Mein Magen reagiert noch ziemlich empfindlich.“

„Tztztz, das ist doch kein Essen.“ Constance schüttelte indigniert den Kopf. „Ich weiß nicht, warum die Männer dorthin gehen. Edward fängt auch schon damit an, dass er dort essen möchte, aber das ist nichts für ein Kind.“

Sophia lächelte. Die Chefköchin hatte sicherlich ihre eigenen Vorstellungen von einem guten und gesunden Essen. „Für mich offensichtlich auch nicht. Ich bleibe besser bei dem, was die Lodge zu bieten hat.“ Sophia blickte auf den bunten Feld- und Wiesenstrauß auf dem Tisch. Offenbar hatte Edward ihren Rat angenommen, seiner Großmutter Blumen zu pflücken. „Ihr Enkel ist ein netter Junge.“

„Er ist immer zu Streichen aufgelegt, wie jeder zehnjährige Junge, aber ja, er ist ein gutes Kind. Es war nicht immer leicht für ihn ohne Eltern.“ Constance, deren Augen strahlten, wenn sie von Edward sprach, passte absolut nicht in das Bild einer weißhaarigen, auf dem Schaukelstuhl sitzenden Oma. Die clevere Frau, die die Küche der Lodge leitete, war äußerst kompetent und agil, doch in ihrem Gesicht spiegelte sich auch eine innere Traurigkeit.

„Ich weiß, wie es ist, ein Elternteil zu verlieren.“

Constance schüttelte den Kopf. „Edwards Eltern sind nicht tot. Mein Sohn und seine Frau sind drogenabhängig. Es ist wirklich schlimm, und die ersten sieben Jahre in Edwards Leben waren turbulent. Jetzt lebt er Gott sei Dank bei mir.“

„Das tut mir leid.“

„Das Beste, was die zwei jemals getan haben, ist, dass sie mir widerstandslos das Sorgerecht überlassen haben. Sie wussten, dass Edward bei mir besser aufgehoben ist. Ich tue alles, damit er ein stabiles Zuhause hat.“

„Die Sunset Ranch ist der beste Ort dafür. Ich spreche aus Erfahrung.“

„Ich stimme Ihnen zu. Und Logan war so nett, meinem Enkel kleine Aufgaben zu geben, damit er das Gefühl hat, gebraucht zu werden.“

Wieder Logan? Warum hielt jeder den Mann für einen Heiligen? Sophia musste jedoch einräumen, dass er zu dem Jungen tatsächlich sehr nett war.

Constance blickte auf ihre Uhr. „Er müsste gleich von seinem Spaziergang mit dem Hund zurück sein. Wenn er zur Schule muss, steht er schon früh auf, um den Hund zu füttern und mit ihm Gassi zu gehen.“

„Sollen wir die Menüs für diesen Monat besprechen, bevor er kommt?“

„Gern. Meinen Sie, Sie vertragen einen Kaffee?“

„Sicher. Ich würde gern einen trinken.“

Constance schenkte zwei Tassen ein, dann machten sie sich an die Arbeit.

Zehn Minuten später kam Edward mit seinem Rucksack in die Küche. Sophia winkte ihm zu. „Hallo, Edward, schön dich zu sehen.“

„Hi.“

„Hast du dein Lunchpaket eingepackt?“, fragte Constance.

Wieder nickte er.

„Okay, dann los. Du willst doch den Bus nicht verpassen, oder?“ Constance nahm seine Hand und brachte ihn an die Tür. Er umarmte seine Großmutter, und Constance drückte ihn und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. „Viel Spaß in der Schule, Schätzchen.“

Gleich darauf trank Sophia ihren Kaffee aus, beendete das Gespräch mit Constance und verließ die Küche, in der es so appetitlich duftete, um in ihr Büro zu gehen.

Wie aus dem Nichts lief plötzlich Luke neben ihr her. „Guten Morgen. Kann ich dich kurz sprechen?“

„Guten Morgen, Luke. Ich wollte dich sowieso gleich anrufen. Wie geht es der Stute?“

„Soweit ganz gut. Es war eine schwere Geburt, doch sie hat es geschafft. Ihr Fohlen ist wunderschön. Du musst es dir ansehen.“

„Das werde ich.“

„Ich habe gehört, dass du gestern Abend ziemliche Schmerzen hattest.“

„Ach, dein Bruder hat dir bereits erzählt, dass mir Nummer drei nicht so gut bekommen ist.“ Es gefiel Sophia gar nicht, dass die Brüder über sie gesprochen hatten.

Luke machte ein schuldbewusstes Gesicht. „Ich hätte nicht mit dir dorthin gehen sollen.“

„Luke, es ist nicht deine Schuld. Ich hätte es besser wissen müssen. Dies war eine anstrengende Woche für mich. Die Rückkehr auf die Ranch und all die Veränderungen in meinem Leben. Nächstes Mal geht es besser.“

„Das nächste Mal? Honey, wenn du glaubst, dass ich noch mal mit dir ins Kickin’ gehe …“

„Ich werde wieder dorthin gehen, Luke. Irgendwann.“

„Ich bin nur froh, dass Logan dort war, um dir beizustehen.“

„Ja, dein Bruder ist ein wahrer Held. Mein Retter“, maulte sie.

Luke warf den Kopf zurück und lachte. Sophia konnte nicht anders, sie stimmte ein. Dann nahm er ihren Arm und zog sie nach draußen auf die Veranda. Dort sah er nach rechts und nach links, als wollte er sicher sein, dass sie keine Zuhörer hatten.

„Ich möchte etwas mit dir besprechen“, begann er. „Ruth hat demnächst ihren letzten Arbeitstag. Ich würde gern eine Überraschungsparty für sie organisieren.“

„Das ist eine gute Idee, Luke. Sie wird sich sicherlich darüber freuen.“

„Ich würde die Party lieber in unserem Haus als in der Lodge geben. Um sie aus ihrem Arbeitsumfeld herauszuholen, weißt du. Ich dachte, wir feiern draußen, im Garten. Logan gefällt die Idee auch. Die Sache ist die, dass Ruth normalerweise die Vorbereitungen für ein Fest koordiniert hat, und … nun, ich kann sie in diesem Fall schlecht darum bitten. Und ich habe überhaupt keine Ahnung, wie man so etwas macht.“

„Soll ich dir helfen?“

„Das wäre super.“

Sophia musste nicht zweimal nachdenken. „Das tue ich gern.“

Luke seufzte erleichtert. „Großartig. Du ahnst nicht, wie froh ich darüber bin. Komisch, aber ich vertraue dir mehr als dem Eventmanager, den wir in der Vergangenheit hatten.“

„Ich werde mir allergrößte Mühe geben.“

„Wird es dir nicht zu viel? Du bist gerade erst angekommen. Du hast ein neues Zuhause, in das du dich eingewöhnen musst, und einen neuen Job.“ Er machte ein besorgtes Gesicht.

„Ich bin sicher, ich schaffe es. Wie viele Gäste werden es sein?“

„Etwa sechzig? Wir würden alle Angestellten einladen, dazu einige treue Stammgäste, die Ruth von Anfang an kennen, und natürlich ihre Familie.“

„Okay. Das bekomme ich hin.“

„Hättest du heute Abend Zeit, die Details zu besprechen? Ich bringe etwas zu essen mit. Nichts Scharfes, keine Chilis, ich verspreche es.“

Sophia hatte jeden Abend Zeit. Sie hatte keine heißen Dates und außer Luke keine Freunde, mit denen sie etwas unternehmen konnte. Eine Party für Ruth zu planen, würde ihr helfen, die Angestellten besser kennenzulernen. Es war also eine Win-win-Situation. „Sieben Uhr?“

„Ich werde da sein.“

Luke stieß einen erleichterten Seufzer aus. „Danke, Soph.“ Er küsste sie freundschaftlich auf die Wange und lächelte sie an. „Du bist meine Rettung.“

Punkt sieben klopfte es. Sophias Appetit war mittlerweile zurückgekehrt, und sie freute sich auf ein leckeres, fades Essen mit einem guten Freund. Sie hatten den Tisch für zwei gedeckt, und den Laptop für die Planung der Party hochgefahren. Barfuß ging sie zur Tür. Sie trug eine bequeme schwarze Caprihose und ein weißes Tank-Top, das in der Taille an einer Seite gebunden war.

Erfreut, Gesellschaft zu bekommen, öffnete sie schwungvoll die Tür, sah dann zweimal hin und schüttelte den Kopf.

„Mit mir hast du nicht gerechnet, oder?“

Sophia starrte den Mann an, der vor ihrer Tür stand. Logan. Ihr Herz machte einen kleinen Satz. Warum war sie so anfällig für ihn? Er ist doch nichts Besonderes, dachte sie. Andererseits konnte sie sich nichts vormachen. Er hatte alles, was ihn für eine Frau zu einem besonderen Mann machte. Er war klug, attraktiv, kompetent und zu jedem Menschen auf der Welt freundlich. Außer zu ihr.

„Was willst du?“

Kein besonders freundlicher Gruß. Obwohl ihr Körper auf Logan reagierte, war sie nicht bereit für eine weitere Runde Zank und Streit. Sie hatte sich auf einen Abend mit ihrem Freund Luke gefreut.

„Luke hatte einen Unfall. Er ist im Krankenhaus.“

Entsetzt schnappte sie nach Luft und legte die Hand an die Brust. „Mein Gott, was ist passiert?“

„Ein ziemlich lebhafter Hengst hat sich in der Scheune losgerissen, und Luke hat den Halt verloren, als er versuchte, ihn zu bändigen. Er ist gestürzt, und Trib hat ihn mit den Vorderhufen getroffen.“

„Oh nein! Wie geht es ihm?“

„Er hat drei Rippen und den Arm gebrochen und eine Gehirnerschütterung.“

„Das tut mir so leid. Der arme Luke. Wo ist er?“

„Im Carson City Memorial.“

„Kann ich zu ihm?“

Logan schüttelte den Kopf. „Die Ärzte haben mich nach Hause geschickt. Ich war den ganzen Nachmittag bei ihm. Er darf heute Abend keinen Besuch bekommen. Er braucht Ruhe. Wegen der Gehirnerschütterung steht er aber die ganze Nacht unter Beobachtung. Wenn er Glück hat, kommt er morgen oder übermorgen wieder nach Hause. Er wird aber eine Zeit lang das Bett hüten müssen.“

Sophia wurde bewusst, dass sie Logan immer noch nicht ins Haus gebeten hatte. „Komm doch herein.“ Sie wünschte, Logan hätte sie vom Krankenhaus aus angerufen. Sie hätte alles stehen und liegen lassen, um zu Luke zu fahren.

Logan trat ein. „Trib ist genauso eigensinnig wie Luke. Natürlich macht Luke nicht das Tier verantwortlich für den Unfall. Er gibt sich selbst die Schuld.“

Es grenzte schon an ein kleines Wunder, dass Logan ihr nicht vorwarf, seinem Bruder Unglück zu bringen.

Erst jetzt bemerkte Sophia, dass Logan eine weiße Tüte aus einem Restaurant mit Straßenverkauf in der Hand hielt.

„Was macht dein Bauch?“

„Meinem Bauch geht es gut. Aber Luke tut mir leid. Er wird doch wieder ganz gesund?“

„Es wird etwas dauern, aber ja, er wird wieder gesund.“

„Wenigstens eine gute Nachricht“, stieß sie hervor.

Logan blickte sie aus zusammengekniffenen Augen an, sein Mund zuckte, aber was auch immer ihm auf der Zunge lag, er sprach es nicht aus. Er ging an ihr vorbei in die Küche. Sie folgte ihm und sah zu, wie er die Tüte auspackte. „Was ist das?“

„Unser Abendessen.“

Jeder Idiot konnte sehen und riechen, was er auf dem Tisch arrangierte, aber dass Logan derjenige war, der es brachte und der dann auch noch mit ihr zusammen essen wollte, überraschte sie. „Wie bitte?“

„Jetzt sieh mich nicht so entgeistert an. Sollte ich deshalb mit meinem Bruder streiten? Ich musste ihm versprechen, dass ich dir etwas zu essen bringe und mit dir die Details für Ruths Party bespreche.“

Sophia war sprachlos.

„Tatsache ist, dass wir beide für ihn in der Lodge einspringen müssen. Luke wird längere Zeit ausfallen.“

„Du meinst, wir beide müssen von jetzt an zusammenarbeiten?“

Logan nickte. Er sah jedoch nicht besonders erfreut aus.

„Du musstest ihm versprechen, höflich zu mir zu sein?“

Logan zuckte mit der Schulter. „Wie ich schon sagte, ich streite nicht mit meinem Bruder, wenn er flachliegt.“

„Wenn du nicht eine zweite Ruth-Polanski-Geschichte abziehst, dann können wir vielleicht zusammenarbeiten. Kannst du dich darauf einlassen? Um Lukes willen?“

Logan kniff die Augen zusammen und betrachtete sie eingehend. Sophia hatte das Gefühl, von ihm verschlungen zu werden. Es dauerte ein paar Sekunden, dann stimmte er schließlich zu. „Um Lukes willen.“

Sie aßen in der kleinen Nische in der Küche. Auf dem Tisch stand eine Vase mit bunten Wiesenblumen, die Gläser funkelten im Licht. Sophia war sich des attraktiven, kompromisslosen Mannes, der ihr gegenübersaß, nur allzu bewusst. Er hatte ein leckeres, mild gewürztes Essen mitgebracht, das ihrem empfindlichen Magen gut bekam. Aber er hatte auch seine Streitlust mitgebracht, doch davon würde Sophia sich ihren Appetit nicht verderben lassen.

Immerhin … hierher zu kommen und ihr von dem Unfall zu erzählen, war seine Entscheidung gewesen. Er hätte sie genauso gut anrufen können. Ebenso hätte er sie warnen können, dass er zum Essen kommen würde. Stattdessen hatte er unangekündigt vor ihrer Tür gestanden.

Als könnte er ihre Gedanken lesen, sagte er: „Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals in dieser Küche sitzen und mit dir essen würde.“

„Unglaublich. Das zweite gemeinsame Essen innerhalb von zwei Tagen.“ Sophia lächelte zuckersüß. Sie würde sich nicht einschüchtern lassen.

„Lass es uns nicht zur Gewohnheit werden. Ich mag dieses Haus nicht.“

„Das Haus ist wundervoll. Ich bin es, die du nicht magst. Sei einfach ehrlich.“

Logan trank einen Schluck Wasser, dann betrachtete er sie eingehend. „Mein Bruder hat dich heute geküsst.“

Jetzt fing es an, interessant zu werden. Sophia wurde hellhörig. „Hat er dir das gesagt?“

Logan starrte auf ihre Lippen, dann hob er den Blick und sah ihr direkt in die Augen. „Ich war heute Morgen in der Lodge.“

„Du hast also gesehen, wie Luke mir einen harmlosen Kuss gegeben hat. Wo ist das Problem?“

„Vielleicht glaube ich nicht, dass bei dir irgendetwas harmlos ist.“

Sophia bekam wieder Bauchschmerzen. Dieses Mal aber nicht vom Essen, sondern von der Unterhaltung. „Und warum nicht?“

„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“

Eigentlich sollte sie Logan jetzt rausschmeißen, endschied sich aber für die freundliche Tour.

„Das also ist deine festgefahrene Meinung von mir, Logan? Ich habe dir bereits gesagt, dass ich es als Kompliment auffasse, wenn du mich mit meiner Mutter vergleichst. Sie war eine wundervolle Frau. Ich wünschte, ich wäre noch mehr wie sie.“

„Ja, ich wollte auch mal wie mein Vater sein. Blinde Verehrung funktioniert nicht. Früher oder später findest du heraus, dass der Mensch, den du zu kennen glaubtest, ganz anders ist.“

Es war sinnlos, mit ihm zu streiten. Sophia wollte ihre Zeit nicht damit vergeuden, sich selbst oder ihre Mutter zu vertei­digen. Logan hatte sich seine Meinung gebildet, und nichts, was sie sagte, würde daran etwas ändern. Auch wenn sie die Wahrheit über ihre Mutter und seinen Vater kannte, er würde ihr nie glauben. Er vertraute ihr nicht, und sie hatte keine Lust mehr, sich um sein Vertrauen zu bemühen und sich ihm zu beweisen. Das Einzige, was sie interessierte, war, dass sie in der Lodge gute Arbeit leistete und sich selbst bewies, dass sie Randall Slades Großzügigkeit verdient hatte.

„Tut mir leid, Logan. Es muss für dich ein Schlag gewesen sein zu erfahren, dass dein Vater nicht perfekt war. Aber niemand ist das.“

Sie stand auf, um den Tisch abzuräumen. Als sie sich über Logan beugte und nach seinem Teller griff, streifte sie seine Schulter. Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt. Er roch nach Erde, Leder und Moschus. Ihr Atem ging schneller, als sich ihre Blicke trafen. Er war ein blendend aussehender Mann, der sie hasste, aber in diesem Moment sah sie die Begierde in seinen Augen, und das stellte erstaunliche Dinge mit ihrem empfindlichen Magen an. Sie stand so nah, dass sie, wenn sie stolperte, auf seinem Schoß landen würde. Diese Vorstellung amüsierte sie bei Weitem nicht so sehr, wie sie ihr Lust bereitete.

„Ich spüle dies schnell, damit wir uns an die Arbeit machen können und du nicht länger als unbedingt nötig bleiben musst“, flüsterte sie dicht vor seinem Gesicht. Sie gab ihrer Stimme einen erotischen Klang und spielte die Verführerin, für die er sie hielt. Ihr Atem streifte seine Lippen.

Logan starrte sie an, und dann berührte er den Streifen nackte Haut an ihrer Taille. Ihr stockte der Atem, und all ihre Sinne waren hellwach, als er mit den Fingern über den Saum ihres Shirts strich. Magie lag in der Luft. Sophia genoss das Gefühl, von ihm berührt zu werden. Sie schloss die Augen. Zwischen ihnen gab es eine Verbindung, etwas ganz Elementares, das jeder Logik und genauen Prüfung trotzte. Wenn er sie berührte, dann reagierte sie.

Er zog sie auf seinen Schoß, und sie spürte seine muskulösen Beine, die kräftige Hand, die sie festhielt, während er sie mit der anderen weiter streichelte und ein Feuer in ihrem Körper entfachte.

Sie wusste, dass sie dies nicht zulassen dürfte. Sie konnte nicht erlauben, dass er wieder die Oberhand gewann, doch sie schaffte es nicht, ihn zu stoppen. Zu sehr sehnte sie sich nach der Wärme und dem Nervenkitzel, den Logans zärtliche Berührung auslöste. Geschickt löste er den Knoten ihres T-Shirts, und sie wartete gespannt und sehnsuchtsvoll.

Er schluckte, als er die Hand unter ihr Shirt schob. Bedächtig ließ er sie höher wandern. Ihre empfindlichen Brustwarzen pochten erwartungsvoll, und zwischen den Schenkeln wurde ihr heiß. Seit Jahren war sie nicht mehr mit einem Mann zusammen gewesen. Der Gedanke, dass Logan sich nun die Freiheit herausnahm, ihren Körper zu erforschen, war ein Schock für ihren Verstand. Doch ihr Körper gab ihm alles, was er haben wollte.

Sie drückte den Rücken durch und bewegte sich leicht auf seinem Schoß, während er ihren BH hinunterschob und ihre vollen Brüste entblößte, die ungeduldig auf seine Berührung warteten. Als es endlich so weit war und sie die wunderbare Berührung spürte, ging ein Beben durch ihren Körper. Seine Finger umschlossen erst die eine, dann die andere Brust. Ein lustvolles Stöhnen entwich ihrer Kehle, als er begann, die empfindlichen Spitzen zwischen Daumen und Zeigefinger zu reiben.

Das Gefühl war intensiv und erregend und das, was Logan tat, war höchst willkommen, doch Sophia musste dem Spiel ein Ende bereiten. Sie würde sich Logan nicht hingeben. Sie würde nicht zulassen, dass das geschah, was sie sich beide wünschten. Er würde es nur gegen sie verwenden und ihr das Leben auf der Sunset Ranch unerträglich machen. Sie vertraute ihm nicht. Außerdem wollte sie ihm zurückzahlen, was er ihr vor vielen Jahren angetan hatte.

Ihr Atem ging so schnell wie seiner, als sie die Hände an sein Gesicht legte und sich zu ihm beugte. Dies musste von ihr ausgehen. Als er versuchte, sie zu küssen, wich sie etwas zurück. Er sollte wissen, dass es ihr Wunsch und ihre Entscheidung war, wenn sie sich küssten.

Sie wartete, und als sie schließlich ihren Mund auf seinen legte, war es zunächst nur eine zarte Berührung, ein sinnlicher Moment, den sie ausdehnte. Es war genauso schön, wie sie es als unschuldiges fünfzehnjähriges Mädchen empfunden hatte, nur dass es dieses Mal von ihr ausging. Sie presste die Lippen fester auf seine und vertiefte den Kuss. Und die Welt begann sich um sie zu drehen.

Logan nahm die Hand von ihrer Brust, schlang den Arm um ihre Taille und zog sie enger an sich. Leise stöhnend öffnete Sophia die Lippen und schob die Zunge in seinen Mund. Ein erotisches Spiel begann.

Auch wenn sie sich freute, dass Logan ihr die Führung überließ, durfte sie nicht zu weit gehen. Bis heute hatte Logan das Sagen gehabt. Doch sich Logans Leidenschaft entgegenzustellen, war nicht so einfach, wie sie gedacht hatte. Er war ein Mann, der sie faszinierte und aufs Höchste erregte. Er, und nur er, weckte einen unglaublichen, fast unersättlichen Hunger in ihr. Seit sie sich das erste Mal geküsst hatten, träumte sie von ihm. Gleichzeitig hasste sie ihn, weil er eine wunderschöne Erinnerung in etwas Schmutziges verwandelt hatte.

Unter Aufbringung all ihrer Willenskraft wich sie zurück und löste sich von seinen Lippen.

Logans Blick fiel auf ihren Mund. Sein Gesichtsausdruck wandelte sich von Lust in Entschlossenheit. Er griff nach ihr, presste sie an sich und zog sie mit sich hoch. Sie standen sich jetzt gegenüber. Heftiges Verlangen blitzte in seinen Augen und sagte ihr, dass er sie hier und jetzt nehmen würde.

Eine schockierende Erregung durchfuhr sie, ihr wurde heiß, und sie fragte sich, ob sie einen Fehler machte, wenn sie zurückwich. Alles in ihr sagte Ja zu diesem Mann. Nur ihr Verstand befahl ihr, zu widerstehen und Logan nicht zu geben, was er haben wollte. Was sie selbst haben wollte.

„Nein, Logan“, flüsterte sie atemlos. Sie drückte mit den Händen gegen seine Brust. Er bewegte sich nicht. Frustriert trat sie selbst einen Schritt zurück, um Abstand zwischen sich zu schaffen. „Wir werden es nicht tun.“

Er blinzelte und sah sie an. Die Begierde in seinen Augen erlosch.

Ihr Kussangriff auf Logan war von Anfang an eine schlechte Idee gewesen. Zu spät erkannte sie, dass sie mit dem Feuer gespielt hatte. Und dass sie sich verbrennen würde. Trotzdem durfte sie nicht nachgeben.

„Lass mich raten. Du willst mir die Sache in der Highschool und mit Ruth Polanski heimzuzahlen?“

Sophia schloss die Augen. Ihr kleiner Racheplan war nach hinten losgegangen. Sie weigerte sich, ihm eine Antwort zu geben. Als sie stattdessen die Augen wieder öffnete, sah sie auf seinen schönen Mund und wünschte sich Dinge, die niemals wahr werden würden. Die Luft knisterte vor Spannung.

„Zwei Brüder an einem Tag, Sophia. Ist das jetzt deine Art?“

„Luke hat mir einen rein freundschaftlichen Kuss gegeben“, erklärte sie schnell. „Als Dank dafür, dass ich ihm helfe, die Party für Ruth zu organisieren.“ Warum kamen sie immer wieder auf Luke zurück. „Es war ein Küsschen auf die Wange. Mehr nicht. Und jetzt hör bitte auf damit.“

„Und warum hast du mich geküsst? Um etwas zu beweisen? Um dich für etwas zu rächen, was ich als Jugendlicher getan habe?“

Sie hörte zum ersten Mal, dass Logan mit Bedauern von jener Zeit sprach. Sie nickte. „Ja, ich gebe es zu, Logan. Du solltest es mit gleicher Münze heimgezahlt bekommen, damit du von deinem hohen Ross herunterkommst und aufhörst, dein unfaires Urteil über mich zu fällen. Es gefällt dir nicht, wenn die Rollen getauscht sind, nicht wahr? Wenn du derjenige bist, mit dem gespielt wird?“

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