Logo weiterlesen.de
Die Bar-Bolz-Bande Band 1

Über die Autoren

Jan Birck, geb. 1963, arbeitet als Illustrator, Art Director (Werbung, Trickfilm, CD-ROM), Cartoonist und CD-ROM-Gestalter. Von ihm sind über 100 erfolgreiche Bücher und CD-ROM-Gestaltungen für verschiedene Verlage erschienen und er ist der Gestalter der Bestsellerreihe „Die Wilden Fußballkerle“

Birck lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in München.

Henry F. Noah, geb. 1973, arbeitete mehrere Jahre als Konzeptentwickler in einem Trickfilmstudio. Seit 1996 ist er freier Autor mit Schwerpunkt Kinder- und Animationsfilm. Noah schrieb Drehbücher für zahlreiche Film- und Fernsehprojekte und lebt heute in München.

 

Inhalt

Kicken oder quatschen wir?

Manchester gegen Barcelona

Schicksalswege

Grönlands Abschied

Die Farbe der Vorahnung

Das sprengte alles!

Ich gegen mich

Die Sechs

Der Cup

Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel

ED für Erstdiagnose

Barfuß auf Sieg

Großes Theater

Der Sieben-Jahre-Zyklus

Toastbrote lügen nicht

Der Cayenne-Joker

Die Flucht

Eine Reise ins Unbekannte

Das Meer

Samurai-Soccer

Der Aufbruch

Ein kolossales Stadion

Barbados

IMAGE

 

IMAGE

Alex ist die Tochter eines Fußballstars und lebt auf einer Luxusyacht. Doch glücklich ist sie dort nicht. Sie hat das Talent ihres Vaters geerbt, darf aber erst spielen, als Mark, Derik, Yo-Shi und Victor sie aus ihrem goldenen Käfig befreien.

 

IMAGE

Victor spielt Schlagzeug, liebt Hamburger und hatte einige Kilo zu viel auf den Rippen … bis die Bar-Bolz-Bande ihn aufnimmt. Denn er besitzt Fähigkeiten, von denen er selbst nichts ahnte.

 

IMAGE

Mark hat seit einem Autounfall ein Handicap: Sein linkes Bein ist zwei Zentimeter kürzer als sein rechtes. Dank harten Trainings und eisernen Willens hat er diesen Nachteil aber längst wieder wettgemacht. Barfuß auf Sand ist er nahezu unschlagbar.

 

IMAGE

Yo-Shi ist die Tochter einer Japanerin. Klar, dass sie manchmal Beachsoccer und fernöstliche Kampftechniken miteinander vermengt … mit durchschlagenden Ergebnissen.

 

IMAGE

Derik ist in Brasilien aufgewachsen und mit einem Fußball unter dem Arm geboren worden. Er lässt sich durch (fast) nichts aus der Ruhe bringen und ist auf dem Spielfeld ein wahrer Ballkünstler.

IMAGE

Kicken oder quatschen wir?

Die ganze Luft roch nach Erde. Der Asphaltweg, der zum Jahnstadion führte, war noch nass, aber das Gewitter, das sich heute über die Stadt ergossen hatte wie eine galaktische Wasserbombe, hatte sich längst verzogen. Die Sonnenstrahlen blitzten messerscharf durch die Baumkronen. Licht wie in Zeitlupe, dachte ich.

Hatte Gott nicht manchmal eine seltsame Art, sich mitzuteilen? Mit einer solchen Deutlichkeit, dass einem angst und bange wurde? Ich hatte schon oft überlegt, ob ihm vielleicht ab und zu langweilig war. Oder ob er sich zu wenig beachtet fühlte. So wie ich. Ein schöner harmloser Landregen hätte es an einem 1. Juni doch auch getan.

Mit diesen Gedanken bog ich am Ende des von Schlaglöchern übersäten Weges in den kleinen Trampelpfad ein, den ich in den letzten Wochen höchstpersönlich niedergetrampelt hatte, so oft war ich schon hier gewesen. Er führte direkt hinter das verfallene Clubhaus, und von dort konnte man das gesamte Spielfeld überblicken.

Das Jahnstadion wurde seit Jahren nicht mehr genutzt und hätte eigentlich längst abgerissen werden sollen. Aus irgendeinem Grund geschah das aber nicht. Wahrscheinlich weil die Stadt kein Geld hatte. Oder keine Lust.

So schritt der natürliche Verfall der alten Sportstätte Jahr für Jahr fort und man konnte regelrecht zusehen, wie die Natur sich ihren Lebensraum langsam zurückeroberte. Mir gefiel das. Die steinernen Zuschauerränge waren schon komplett überwuchert, hauptsächlich mit Brombeerbüschen und Efeu. Selbst die vielen „Betreten verboten“-Schilder, für die sich sowieso kein Mensch interessierte oder je interessiert hatte, dienten höchstens noch als Kletterstangen für Schlingpflanzen und Schnecken. Ein geheimnisvoller Ort mitten in einer geheimnislosen Stadt, die zusehends in die Höhe wuchs. Was hier unten passierte, interessierte kaum noch jemanden.

Mich allerdings schon.

Hollywood und die Jungs waren gerade eingetroffen und kickten sich routiniert ein paar Bälle zu. Ich blieb wie immer ganz still, damit sie mich nicht bemerkten. Wie echte Profis sahen sie aus, und wieder einmal musste ich mir eingestehen, dass ich alles dafür gegeben hätte, einer von ihnen zu sein. Aber das war wohl nur Typen wie diesem Derik vorbehalten. Er war neu in der Schule und sprach nur, wenn er gefragt wurde. Außerdem lag sein Notendurchschnitt irgendwo zwischen vier und fünf. Perfekte Voraussetzungen für eine steile Karriere als Fußballer.

Hollywood und seine Clique, die sich als „Team Amerika“ seit dem letzten Jahr einen Namen in der Streetsoccer-Szene gemacht hatten, suchten seit einiger Zeit einen neuen Allrounder für ihre Mannschaft. Einen der schießen, passen und Tore machen konnte. Einen Goalgetter wie man in Fachkreisen sagt, technisch top, blitzschnell und zäh wie Schweinsleder. Kurzum: einen, der alles hatte, was mir niemand zutraute. Sich auf den freien Platz im Team zu bewerben, wäre in meinem Fall so sinnvoll gewesen wie Pudelmützen in der Wüste zu verkaufen. Wirklich gute Talente müssen nicht auf sich aufmerksam machen, sie werden entdeckt. Den Satz hatte ich mal irgendwo gelesen. Und leider brachte er die Wahrheit auf den Punkt.

Es war Viertel nach vier, als Derik sich endlich blicken ließ. Fünfzehn Minuten später als vereinbart und für Hollywood Grund genug, ihm einen Anschiss de Luxe zu verpassen. Das konnte er gut. Zu meinem Erstaunen ließ Derik das allerdings völlig kalt. Nachdem er seinen Rüffel kassiert hatte, schnappte er sich den Ball und legte ihn einfach auf den Anstoßpunkt. „Kicken oder quatschen wir, Holly?“ Das war das Einzige, was er sagte und so verdammt cool, dass ich es mir am liebsten aufgeschrieben hätte. Aber dafür blieb keine Zeit mehr, denn schon eine Sekunde später hatte er sein Feuerwerk gezündet.

Mit einem kurzen Lupfer hob er das Leder auf seine Fußspitze und balancierte es auf dem Spann, während seine blitzschnellen Augen nach einem geeigneten Korridor Ausschau hielten, durch den er seinen Triumphzug antreten konnte. Zwei, drei Mal hüpfte der Ball vom linken auf den rechten Fuß, bevor Derik ihn sich Volley vorlegte und mit einer dreiviertel Körperdrehung die Mitte zwischen Rock the Rock und Santiago suchte – und fand.