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Die Aussenseiterin

 

Tesser war so feucht, dass es schon unanständig war. Neben Kevin, dem gut gebauten, jugendlich frischen 18-Jährigen kam sie sich schwer, sinnlich und wollüstig vor. Er konnte sein Glück kaum fassen und war sofort bereit, als ob Tesser ihr Angebot zurückziehen könnte, wenn er ihr nur genug Zeit zum Nachdenken ließe. Tesser hatte das Gefühl, sie wäre ein heißes Schokoladenkaramellbonbon und er eine Zitrone: Sie war hemmungslos, erfahren und verdorben, während er durchschaubar, unschuldig und gradlinig wirkte. Doch er war bereit, sich verderben zu lassen - und das war alles, was zählte.

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War Tesser die Einzige, der die Sache mit dem Starbucks-Logo jemals aufgefallen war? Okay, es war eine Meerjungfrau, aber eine mit gespreizten Beinen - oder vielmehr mit gespreiztem Schwanz. In jeder Hand hielt sie eine Hälfte ihres schuppigen und jetzt gespreizten Hinterteils. Das glich einem Firmenlogoporno. Eine fröhlich grinsende Sirene, die sich wie eine Exhibitionistin zur Schau stellte: Schau dir meine feuchte Stelle an, benetzt mit der Flüssigkeit, die ich dir verkauft habe, trink aus, und ich zeig dir noch mehr, und diesmal bekommst du auch ein Stück von mir …

Tesser presste ihre Beine fest zusammen und wandte den Blick einen Moment lang von ihrem Latte ab. Sie war so geil, dass sie schon begann, Fantasien über ihren gottverdammten Kaffee zu haben. Großer Gott! Außerdem war das Getränk ohnehin Geldverschwendung, da sie so was von pleite war. Aber, hey, sie musste einige Zeit totschlagen, und sie hatte geglaubt, wenn sie sich zehn Minuten hinsetzte, könnte sie ein wenig nachdenken. Etwas runterkommen. Denn wenn sie nicht bald gefickt würde, müsste sie sich die Hand unter den Bund ihres waldgrünen Rocks stecken und es sich hier, mitten in einem Coffeeshop auf der Liverpool Street Station, selbst besorgen. Ihre Muschi fühlte sich bereits klebrig an, und sie wäre für einen Fick gestorben.

Die ersten Monate nach ihrem Umzug von Seattle nach London hatte sie einen Fick nach dem anderen gehabt: einen üblen nach einem guten, einen drei Nächte andauernden nach einem One-Night-Stand sowie alles von dreckigen, heftigen, verstohlenen Ficks in einer Nebenstraße bis hin zu ruhigen, fast schon romantischen, sich langsam aufbauenden Ficks, nach denen ihre Klit zu brennen schien. Es war sogar eine monogame Beziehung darunter gewesen, die allein auf dem Ficken basiert hatte. Außerdem war sie im oberen Stockwerk von Reihenhäusern, im Keller von Sozialwohnungen, an der Rückwand von Tesco Metro in Islington, in der Mitte des Brockwell Parks, inmitten einer Menschenmenge in Glastonbury sowie in Hörweite von achtzehn aufmerksam lauschenden Masturbierenden in einem Zwanzig-Bett-Zimmer einer Jugendherberge gefickt worden.

Im Großen und Ganzen war sie davon ausgegangen, dass sie genug gefickt hatte.

Dann war sie Jamie begegnet.

Und jetzt war sie so geil, als wäre sie nicht mehr geleckt, gefickt oder befingert worden, seitdem sie im guten alten London gelandet war. Als hätte sie die Monate ihrer Eingewöhnung hier nicht damit verbracht, ihre eigene süße Muschi gegen dicke, harte Schwänze jeglicher Größe und darüber hinaus auch gegen einige heiße Muschis zu pressen. Doch jetzt fühlte sie sich wie eine gottverdammte Nonne, und zwar wie eine, die sich verzweifelt danach sehnte; wie eine junge, unschuldige, wohlriechende Nonne, die vor der Abendandacht in Schweiß ausbrach und in ihre abgeschiedene Klosterzelle verschwinden musste, um sich selbst einen schmutzigen, geheimen Orgasmus zu verschaffen, und an ihren Fingern roch, wenn sie sich zurück zum Abendgebet geschlichen hatte. So eine Nonne hatte Tesser gerade im Sinn.

Denn so fühlte sie sich wegen Jamie.

Und jetzt hatte sie beschlossen, ihn aus ihrem Kopf zu verbannen. Als sie also an diesem Morgen erneut mit diesem Geisterjäger-Gefühl aufgewacht war, hatte sie entschieden, ein wenig auf Männerjagd zu gehen. Sie hatte eine Nummer angerufen, die sie in der Break-Time gefunden hatte, und es war sogar noch ein Platz frei gewesen.

Zu den erfolgreichsten Methoden der Männerjagd, die Tesser je entdeckt hatte, gehörte die Geisterjagd - auch »verrücktes historisches Wichs-Abenteuer« genannt -, die in den billigen Kleinanzeigen von Wochenmagazinen angepriesen wurde. Sie hatte bereits Jack the Ripper und Die Frauen von Henry VIII. mitgemacht und freute sich jetzt darauf, einige Zeit mit den Prostituierten von Hoxton Village zu verbringen, wenn das nur bewirken würde, dass sie Jamie aus dem Kopf bekam. Ein wenig Frischfleisch, ein junger zwanzigjähriger Student, gelehrig, geil und scharf auf Indie-Musik, würde dazu schon ausreichen. Ja, sie würde ihn mitnehmen und in seinem Studentenwohnheim ficken - oder vielleicht würden sie einfach bei der Geisterjagd zurückbleiben und es dann in einem der imposanten Spukzimmer treiben, wo sie ihm einen blasen und er es ihr mit den Fingern machen würde, denn auf diese Weise konnte sie sich Jamie ganz bestimmt aus dem Kopf schlagen.

Sie schickte Kitty schnell eine SMS, da diese immer sehr amüsiert über Tessers räuberische Natur war - DIE JAGD BEGINNT. T WIRD ZUSCHLAGEN -, und trank noch einen Schluck von ihrem mittlerweile lauwarmen Latte. Ja, genau. Sie hatte bisher geglaubt, Jamie zu vergessen wäre genauso einfach, wie ihm aus dem Weg zu gehen. Es war auch nicht gerade hilfreich, dass sie dieselben eigentümlichen Interessen hatten - simple Spiele, Geisterjagden, No-Budget-Super-8-Filme, hiesige Flohmärkte, Gratis-Klassikkonzerte in der Kirche, Wohltätigkeitsbasare …

Großer Gott! Tesser verschluckte sich an ihrem Kaffee. Wenigstens hatte sie es auf den Punkt gebracht. Das, was sie und Jamie gemeinsam hatten, war, dass sie beide Billigheimer waren. Einen Augenblick lang hielt sie inne und sah auf ihre hurenrot lackierten Fingernägel und ihre zerrissene himmelblaue Netzstrumpfhose, dann betrachtete sie im Wandspiegel ihre kurzen, wasserstoffblonden Haare und ihren lilafarbenen Lidschatten. Sie hatte ihren einzigartigen Stil immer als funky angesehen, aber vielleicht war er auch einfach nur billig.

Billig, billig, billig.

Sie war ein billiges Mädchen. Ein armes Mädchen. Aber das bedeutete, dass Jamie - Außenseiter-Künstler und momentaner Liebling der alternativen Presse - ein billiger Kerl war. Teufel noch mal, ja. Aber er lebte freiwillig in primitiven Verhältnissen, während ihr gar nichts anderes übrig blieb. Letztes Wochenende hatte er sich auf dem Konzert in der Conway Hall gezeigt (das zwar nicht gratis war, aber auch keine sechs Mäuse gekostet hatte, wodurch es immer noch - tja, sehen wir den Tatsachen ins Auge … billig war), und natürlich war Tesser der Fünfzig-Pfund-Schein aufgefallen, den er bei einem der musikalisch interessierten anarchistischen Achtzigjährigen, die die Konzertreihe ins Leben gerufen hatten, wechseln wollte. Fünfzig Pfund waren mehr Geld, als sie in einem Monat gesehen hatte. Ach was, scheiß auf ihn. Sie würde sich auch ohne ihn gut amüsieren. Und sie wollte verdammt sein, wenn sie jammernd zu Hause auf der Bettkante säße - wie es alle Briten taten, wenn sie pleite waren -, wo man doch so vieles praktisch umsonst tun und sehen konnte, wenn man nur ein Fahrrad hatte und es schaffte, morgens aus dem Bett zu kommen. Es gab schließlich Museen, oder nicht? Das einzige Problem war, dass Tesser letzte Woche in der National Gallery das Pech hatte, im Sainsbury Room Jamie zu begegnen. Ebenso wie am Samstagmorgen auf dem Flohmarkt an der Methodistenkirche in Hackney. Und dann am nächsten Tag schon wieder, beim Konzert in der Conway Hall.

Sie waren natürlich kultiviert miteinander umgegangen. Wie es für zwei Menschen, die eine Nacht mit überwältigendem Sex erlebt hatten und am nächsten Morgen übereingekommen waren, »nur Freunde« zu bleiben, angemessen war.

Und daher würde alles wieder besser werden, wenn Tesser nur damit aufhörte, an Jamies schlanken, muskulösen Körper und seine sexy, schwermütigen Augen zu denken, denen es gelang, gleichzeitig hundeartig wie auch unglaublich pervers zu blicken; und an die Art, wie er seine Finger durch ihr zu der Zeit rotes Haar gefahren hatte; und daran, wie sie sich geküsst hatten, als er in dieser Nacht seinen Schwanz in sie gleiten ließ, ganz langsam, einfach nur schön; und daran, wie ihr Herz eine gute halbe Stunde gebraucht hatte, um nicht mehr mit dreifacher Geschwindigkeit zu schlagen, nachdem er sie mit seinen langen, anmutigen Fingern berührt und zu einem unglaublichen Orgasmus massiert hatte. Wenn Tesser doch nur endlich aufhören könnte, an all diese Dinge zu denken.

Doch das war ihr bisher nicht gelungen, und jetzt musste sie einfach Sex haben. Sie war schließlich auch angemessen gekleidet. Sie überprüfte ihr Spiegelbild im vorderen Fenster des Coffeeshops. Verdammt, sie sah echt heiß aus. Sie wollte spüren, wie sich unbekanntes Fleisch gegen ihr eigenes presste, die Ungezwungenheit eines einmaligen Ficks, nur um ein wenig abzukühlen. Nur um sich ein wenig Erleichterung zu verschaffen. Und der Geisterjagdtrick war der beste, den sie kannte. Vergiss die Bars und Clubs am Meat Market - wenn man von einem nichtsnutzigen Kerl gevögelt werden wollte, machte man bei einer Geisterjagd mit.

Und die würde bald beginnen. Tesser stand auf, nahm einen letzten Schluck, wischte sich den Mund mit einer Serviette ab, auf der ebenfalls der Meerjungfrauenporno abgebildet war, und hob ihren überfüllten Rucksack auf. Dann schob sie sich an der Mittdreißiger-Geschäftsschlampe vorbei, die wichtig in ein Handy hineinplapperte, das gerade mal so groß wie Tessers Daumen war, und die sich vehement weigerte, aus dem Weg zu gehen.

Tesser erntete einen wütenden Blick von der Geschäftsfrau. Doch sie riss sich zusammen und kramte ihren gesamten Stolz hervor, und mit einer Art umgekehrter Noblesse oblige ignorierte sie die Yuppie-Tante und ging durch die Tür auf den Bahnhof hinaus, während ihre hohen roten Absätze auf dem Boden klapperten. Das elektrische Licht tat ihr in den Augen weh. Sie schirmte sie davor ab, während sie gleichzeitig nach dem Bishopsgate-Ausgang Ausschau hielt. In der Liverpool Street Station fand sie sich nie zurecht und hatte den Bahnhof schon manches Mal an einer völlig anderen Seite verlassen, als sie es eigentlich vorgehabt hatte. Doch diesmal fand sie den richtigen Ausgang, und dort stand auch, wie geplant, die Gruppe in der Nähe des Zeitungskiosks. Dazu gehörten die üblichen amerikanischen Touristen (die sich natürlich von Tesser unterschieden - sie war schließlich eine amerikanische Reisende!), mehrere Ehepaare, eine Familie mit zwei-dreiviertel Kindern (nun ja, das dritte Kind war zumindest sehr, sehr klein) und zwei junge Männer, die ihre Erwartungen voll und ganz erfüllten.

Oh, heute war wirklich ihr Glückstag. Jamie sollte verdammt sein! Genau das dachte sie. Sie würde schon bekommen, was sie wollte, und sie würde sehr viel Spaß dabei haben. Dachte er etwa, aus seinem Schwanz würden Rosen wachsen? Wohl kaum, Kumpel.

Sie musste unbedingt aufhören, an den blöden, sexy Jamie zu denken. Also zurück zu den Jungs. Einer der beiden Geisterjäger entsprach Tessers üblichem schlaksigen Typ - er wirkte wie ein Student und sah aus wie jemand, der in der Zeit, in der er seine Kurse schwänzte, schlechte Gedichte schrieb, die er dann abends im Pub leicht zu beeindruckenden Erstsemesterinnen vortrug. Hey, sie wusste, wie solche Typen tickten. Er hatte herabhängendes, hellblondes Haar und große blassblaue Augen, und er schien sie unter den langen Wimpern hindurch zu mustern. Oh ja, sie wusste, wie er tickte. Empfindsam erscheinen, um punkten zu können. Diese Art von Typen musste man nur richtig behandeln, um Spaß mit ihnen zu haben.

Der potenzielle Fickkandidat Nummer zwei war anders. Er war nicht gerade groß und ein wenig stämmig, was ihm allerdings gut stand. Er hatte einen niedlichen Arsch, dunkle Augen und schwarze Haare. Und auch er sah Tesser an. Sein Blick war fest auf ihre Brüste geheftet, die Tesser in ihrem Fünfziger-Jahre-Bustier aus dem Secondhand-Shop zugegebenermaßen wirksam zur Schau stellte. Sie stufte ihn eher als kanadischen Touristen ein - ein wohlhabender Junge, der durch Europa reiste, sich nur einen Tag in London aufhielt und etwas wirklich Abgefahrenes erleben wollte. Darum eigneten sich die Geisterjagden auch so gut zum Aufreißen: Sie zogen immer Leute an, die von Natur aus ein wenig eigentümlich und unkonventionell waren und daher auch nicht nur Interesse an zurückhaltendem, bequemem, vorhersehbarem Pärchensex hatten, und außerdem hielten sie sich nicht lange in der Stadt auf - was perfekt war für einmalige Sexabenteuer, die Tesser nun mal bevorzugte. Zumindest war es so gewesen, bis sie Jamie begegnet war.

Aber genug von ihm.

Der Dunkelhaarige - potenzielle Fickkandidat Nummer zwei - wirkte nett. Sie hoffte, er wusste, wie man fickte, und sie hoffte außerdem, dass er sich ein Hotelzimmer genommen hatte. Schließlich hatte sie nicht vor, das Erlebnis in der Jugendherberge noch einmal zu haben.

»Hallo! Sind alle von der Liste jetzt da?« Die Stimme der Führerin riss Tesser aus ihren schmutzigen Gedanken. »Ich erwarte sechzehn Teilnehmer. Sind alle da?« Während die vogelgesichtige ältere Frau, auf deren Schild HALLO, MEIN NAME IST CAROLYN stand, begann, die Gruppe zu zählen, sah Tesser erst in die blauen und dann in die dunklen Augen, um schließlich wieder in die blauen zu blicken. Oh ja. Das würde ein schöner Nachmittagsspaziergang werden. Ihre Klit war bereits hart, und ihr Höschen war so feucht, dass sie sich vermutlich erkälten würde, wenn sie nicht bald diesen Fick bekäme. Aber mit welchem von beiden? Tesser strich sich mit den Fingern durch das kurze blonde Haar, rückte ein Bein ihrer Netzstrumpfhose zurecht und grinste. Vielleicht mit beiden. Verdammt, warum nicht? Schließlich lächelten sie gerade zwei junge Männer an, und es war offensichtlich, dass sie die Gegenwart des jeweils anderen ebenfalls bemerkt hatten, da sie begannen, unruhig mit den Füßen zu scharren und einander neidische und trotzige Blicke zuzuwerfen. Es gefiel ihr, die beiden gegeneinander ausspielen zu können.

Tesser lächelte die beiden jungen Männer nacheinander verstohlen an.

»Tesser? Tesser Roget?« Die Führerin sprach Tessers Nachnamen aus, als wäre sie Französin, aber Tesser ließ sich dadurch von ihrem konzentrierten Gestarre nicht ablenken und antwortete. Sie drehte sich nicht einmal um, um die Führerin anzusehen, sondern lächelte einfach weiter.

»Roget. Rodge-it. Reimt sich auf Hobbit. Oder würde es zumindest, wenn in Hobbit ein »J« wäre. Es wird nicht so hochgestochen ausgesprochen. Sie wissen doch, wie unkultiviert wir Amis sind.«

Die Führerin räusperte sich, offenbar peinlich berührt von Tessers besserwisserischer Antwort und augenscheinlich unsicher, ob sie deren Aussage zustimmen sollte. Tesser stellte sich vor, wie die ältere Frau innerlich mit sich rang: Natürlich! Amerikaner kennen keine Ironie! Macht das Mädchen jetzt einen Witz oder nicht?

Doch Tesser wandte noch immer nicht den Kopf, um die Reaktion der Dame zu sehen. Sie hatte es jetzt eilig: Ihren Blick hielt sie bereits auf den Schritt von Dunkelauge gerichtet, ein nettes Paket, das in luxuriösen Cordsamt eingebettet war, wie ihn viele Männer am Wochenende trugen. Sie spürte, dass Blauauge über ihre mangelnde Aufmerksamkeit derart erzürnt war, dass er schon zu überlegen schien, ob er den jungen Mann mit den wunderschönen dunklen Augen und dem auf wunderbare Weise anschwellenden Schritt verprügeln sollte.

»Ich bin Alistair«, sagte Blauauge, und Tessers Blick wanderte aufgrund der Unterbrechung nach oben. Er streckte die Hand aus und schien zu erwarten, dass sie sich ebenfalls vorstellte. »Und du bist …?«

Widerwillig schüttelte Tesser Alistairs Hand. Dunkelauge starrte sie noch immer an. »Tesser Roget. Rodge-it.«

»Was für ein Name ist denn Tesser?« Jetzt sah sich Dunkelauge gezwungen, in der Arena anzugreifen. Das war ganz in Tessers Sinn. Es ging doch nichts über ein wenig gesunde Konkurrenz. Er war Nordamerikaner, Tesser hatte also richtig geraten.

»Das ist die Abkürzung von Contessa, dem Namen meiner Großmutter. Und ich hasse ihn wie die Pest. Daher lasse ich mich Tesser nennen, seit ich acht bin.«

»Ich werde mir deine Vorlieben garantiert merken, Tesser.« Dunkelauge schenkte ihr ein einschmeichelndes Lächeln, und einen Augenblick lang verspürte Tesser den Drang, ihn zu schlagen, der beinahe genauso stark war wie der, ihn besinnungslos zu ficken.

»Und wer bist du?«, fragte sie eher rüde.

Dunkelauge warf Alistair einen Blick zu, den Tesser nur als Abstecken seines Territoriums in Bezug auf sie interpretieren konnte, und dann erwiderte er: »Eric.«

»Habt ihr schon einmal bei einer Geisterjagd mitgemacht?«

Eric schüttelte den Kopf und verneinte, aber Alistair gab zu, in Cambridge schon einmal an einer teilgenommen zu haben.

»Du bist Absolvent von Cambridge?« Tesser klimperte ironisch mit ihren stark getuschten Wimpern, aber Alistair nickte nur und bejahte damit ihre Frage. »Und du bist zweifellos Kanadier«, fuhr Tesser fort und wandte sich erneut an Eric. Der Sohn reicher Eltern auf einer kurzen Urlaubsreise. So musste es einfach sein.

»Ich stamme aus Maine.« Einen Punkt Abzug für Tessers hellseherische Fähigkeiten. »Bin nur für eine Woche hier und quasi auf der Durchreise.« Einen Pluspunkt. Für sie war es ein Unentschieden. »Du kommst auch aus den Staaten?«

Innerlich aufstöhnend fügte sich Tesser und gewährte ihnen einen kurzen Abriss, indem sie ihnen erzählte, dass ihr Vater Brite, ihre Mutter aber Amerikanerin war, dass sie in Seattle aufgewachsen und zur Filmhochschule gegangen war, dass sie die doppelte Staatsbürgerschaft hatte und sich jetzt seit fünf Monaten in England aufhielt, nur um herauszufinden, wie das Leben hier so ist. Beide hörten höflich zu, und die Feindseligkeit zwischen ihnen schien sich ein wenig gelegt zu haben, was Tesser allerdings gar nicht so gut fand. Sie stand zwar nicht gerade auf den Scheiß mit den Rittern, die sich im Zweikampf übten, aber ihr war auch klar, dass ein knackiger Arsch wie der ihre durchaus ein kleines Duell wert war …

»Okay, Geisterjäger - es geht los!« Carolyn, die Führerin, legte den Enthusiasmus einer betagten Pfadfinderin an den Tag, und sie führte die Geisterjäger etwa eine Viertelstunde lang von Bishopsgate nach Hoxton, wobei sie unterwegs zwar auf zahlreiche geschichtlich interessante Punkte, aber nur auf sehr wenige Spukstätten hinwies. Tesser lauschte nur halbherzig, während Carolyn versuchte, ihnen einzureden, dass es in den Seuchegruben, an denen sie vorbeigingen, zweifellos spukte, doch diese Aussage wirkte viel zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Mehr und mehr hatte Tesser das Gefühl, dass ihr die ganze Sache auf die Nerven ging - sowohl Alistairs als auch Erics Interesse an ihr schien nachgelassen zu haben, seitdem sie sich ihnen vorgestellt hatte. Die beiden sprachen miteinander über so langweilige Männerthemen wie Fußball und ignorierten sie völlig, sodass es langsam danach aussah, als würde sie doch keinen Sex haben, und jetzt suchten sie nicht einmal richtige Spukhäuser auf. Vielleicht sollte sie Jamie doch anrufen. Er hatte ihr seine Nummer auf eine Visitenkarte geschrieben, aber bisher hatte sie nicht wirklich in Betracht gezogen, ihn auch anzurufen. Jetzt verzweifelte sie allerdings langsam. Sie war nicht so sehr wegen ihm verzweifelt, sondern einfach, weil sie endlich ficken wollte.

Doch da ließ Carolyn die Gruppe vor einem baufälligen, aber immer noch beeindruckenden sehr alten Gebäude anhalten, an dem in ausgeblichenen Buchstaben über der Tür THE CORNUCOPIA MUSIC HALL stand.

»Das«, erklärte Carolyn mit einigem Stolz in der Stimme, »ist der frühere Wohnsitz der berühmten Schauspielerin und Liebesdame Hettie LaFonche. Einigen dürfte sie bei ihren Studien als Mätresse des Königs über den Weg gelaufen sein. Aber sie war weitaus mehr als das. Überdies war sie eine sehr gute Schauspielerin, und ihr Geist soll noch immer in diesem Theater spuken, doch diese Geschichte werde ich erzählen, während wir durch dieses wirklich beeindruckende alte Gemäuer gehen. Damals, zu ihrer Zeit, hieß es natürlich noch Bainbridge Playhouse, und es wurde erst in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts umbenannt.«

Trotz ihrer Geilheit stellte Tesser fest, dass sie sich überraschenderweise sehr für Carolyns Anekdoten interessierte, als alle sechzehn Geisterjäger pflichtbewusst die Marmortreppe hinaufstiegen. Das Treppenhaus war mit üppigen rubinroten Vorhängen ausgestattet, und auf jedem Absatz stand eine prachtvolle Statue, deren Entwurf auf der klassischen Ästhetik zu beruhen schien, an deren Stelle jedoch viktorianische Arroganz getreten war. Die Treppe schien endlos zu sein, und Carolyn führte die Gruppe an wie eine erbarmungslose Schulsprecherin auf Speed, der zu entgehen schien, dass die Kinder jammerten und selbst die Erwachsenen zu keuchen begannen. Als sie den dritten Stock erreicht hatten, ließ sich Tesser zurückfallen. Sie wusste, dass sie in letzter Zeit zu viel Dope geraucht hatte. Ihre Lungen schienen nicht mehr richtig zu funktionieren. Sie musste erst einmal wieder zu Atem kommen.

Interessanterweise blieben auch Alistair und Eric zurück, als Tesser eine Pause einlegte. Und es war offensichtlich, dass sie über sie sprachen, auch wenn sie ihre Worte nicht genau verstehen konnte. Hey, hey, hey. Vielleicht war der Dreier ja doch nicht so abwegig. Bingo. Endlich.

Da machte es auch keinen Sinn, lange hinterm Berg zu halten. Sie würde ihre Karten einfach auf den Tisch legen.

Also blieb sie stehen und lächelte beide schüchtern an. Alistair lächelte ebenso zurückhaltend zurück und warf Eric dann einen schnellen Blick zu, als würde er ihn um Erlaubnis bitten, auch wenn Gott allein wusste, wieso er das tat. Tessers Herz begann erneut, freudig zu pochen. Sie mochten vielleicht glauben, dass sie eine Art Macho-Dreier erwartete, doch diese Sache würde allein nach Tessers Bedingungen ablaufen. Oh ja.

Tesser sah so gesittet, wie sie nur konnte, über die Schulter zu den beiden hin und deutete zu der Tür auf dem Treppenabsatz, auf dem sie sich gerade befanden. Carolyn hatte diese Etage mit keinem Wort erwähnt und schien begierig gewesen zu sein, zum fünften und letzten Stockwerk zu gelangen, auf dem offenbar jeden Morgen der Blutfleck einer Prostituierten erschien, auch wenn man vergeblich versucht hatte, ihn wegzuschrubben. Tesser legte die Hand auf den Messingtürknauf und drehte ihn. Die Tür ging auf. Tesser ging hinein. Die jungen Männer folgten ihr, und hinter ihnen schlug die Tür mit einem hörbaren Knall wieder zu.

Der Raum war karg und staubig, und es standen keine Möbelstücke mehr darin. Doch aufgrund der verstaubten Gemälde an den Wänden und den wunderschön verzierten Simsen wirkte er noch immer sehr opulent. Er sah aus, als hätte er früher als eine Art Wohnzimmer gedient - vielleicht hatten die gefeierten Schauspieler und Schauspielerinnen, die hier gewohnt hatten, hier ihre Freunde empfangen. Und sie musste sich eingestehen, dass er in Bezug auf die Hygiene kein völliger Reinfall war. Man hätte zwar mal abstauben und durchwischen können, doch schmutzig wirkte das Zimmer noch lange nicht. Tesser war sogar der Ansicht, dass dieser Raum den Begriff »verblasster Glanz« perfekt widergab. Dieser Eindruck wurde durch die Tatsache verstärkt, dass es hier sehr hell war - die Sonne strahlte durch die von den Vorhängen befreiten Fenster herein und erzeugte noch in den entferntesten Winkeln seltsame Schattenspiele.

Die drei starrten einander an. Tesser wusste, dass sie in dieser Situation die Oberhand gewänne, wenn sie als Erste den Mund aufmachen würde. Doch stattdessen bewegte sie sich, wobei ihr Herz immer schneller schlug und ihre Handflächen vor Nervosität ganz feucht wurden. Sie trat nah an Eric heran, der dicht neben ihr stand. Dieser starrte sie mit leerem Blick an und wirkte ebenso erstarrt wie all die Statuen, die sie in der Halle gesehen hatten. Tesser musterte seinen Körper von oben bis unten. Er wich keinen Millimeter zurück. Dann nahm sie ihren Rucksack herunter, schleuderte ihn in eine Ecke und ging in die Hocke - wobei ihr Rock sehr weit hochgeschoben wurde -, um den Reißverschluss seiner Cordhose zu öffnen.

Oh, Gott sei Dank. Sie würde doch noch Sex haben. Sie war so begierig darauf, dass sie vor Vorfreude beinahe zu zittern begann; und sie hatte Angst, den Mund aufzumachen, da sie sich fürchtete, etwas Falsches zu sagen, schließlich schien im Moment ja alles nach Plan zu laufen. Sex in einem öffentlichen Raum zu haben, in dem es spukte, genau das hatte sie im Sinn gehabt, als sie an diesem Morgen aufgewacht war. Doch Eric drückte ihre Schultern herab, und sie sank noch weiter nach unten, bis sie schließlich kniete. Der billige Stoff ihres grünen Rockes riss, als sie die Oberschenkel weit spreizte und sich vorbeugte, wobei sie ihre Hand eng um seinen Schwanz legte. Er war wunderschön: lang, fest und hart wie Beton. Tesser fing fast an zu sabbern. Sie rieb einige Male darüber, wobei sie die Hand über die gesamte Länge seines Penis gleiten ließ. Ihre roten Fingernägel gaben ein schönes pornografisches Bild ab. Es sah wirklich anrüchig aus, als würde sie ihm insgeheim und verstohlen einen runterholen. Er musste denselben Gedanken gehabt haben, denn er stöhnte noch lauter, als er hinabsah.

Hinter sich konnte Tesser hören, wie sich Alistair hastig an seinem Reißverschluss zu schaffen machte, als könne er es ebenfalls kaum erwarten, von ihr berührt zu werden. Sie fühlte sich schmutzig. Schmutzig, anrüchig, frech und frei. Sie hielt den Schwanz eines Mannes in der rechten Hand, und er war wie ein Fels - sie hätte damit Nägel in die Wand schlagen können, so steif war er. Tesser schluckte schwer, bewegte die Hand immer schneller und spürte, wie sich der Schweiß auf ihrer Stirn ausbreitete, ihr Mund trocken, ihre Armbeugen jedoch umso feuchter wurden. Aber alles verlief irgendwie umgekehrt: Er war derjenige, der fast den Verstand verlor. Nicht sie. Er. Doch das war ihr in diesem Moment scheißegal. Sie wollte ihren Mund weit öffnen und diesen dicken Schwanz darin aufnehmen, bis ihr übel wurde. Doch zuvor leckte sie ihn vom Ansatz bis zu der feuchten Spitze genüsslich ab, und über ihr begann Eric zu zittern. Tessers Hände zitterten auch, aber sie hatte ihre Gedanken noch so weit beisammen, dass sie zu ihm aufsehen konnte, um ihm zu zeigen, dass sie die Kontrolle hatte, obwohl sie es war, die kniete. Er hingegen sah sie mit einem Gesichtsausdruck an, der an Verzweiflung grenzte. Er konnte nicht einmal mehr sprechen.

Tesser starrte ihn einige Sekunden lang an, dann neigte sie den Kopf nach vorn, bewegte ihren Mund über seinen steifen Schwanz, ließ bedächtig ihre Lippen darübergleiten, wobei sie eine dünne Lippenstiftspur hinterließ. Oh, jetzt war er ein gezeichneter Mann.

Er stöhnte erneut, und endlich nahm Tesser ihn zwischen ihre Lippen und ließ seinen Penis in die warme, rote, feuchte Höhle gleiten. Augenblicklich begann er, zuzustoßen, und sie kniff die Augen zu und saugte so fest, wie sie nur konnte. Verdammt, sie war feucht, sie konnte ihren himbeerfarbenen Lippenstift noch immer auf seinem Schwanz schmecken, ebenso wie seinen moschusartigen, tierischen Geruch. Er stöhnte unverständliche Worte, aber es war, als wäre Tesser auf einmal taub geworden, da sie ein seltsames Brüllen in den Ohren hatte. Ihr Geist, ihr Mund und ihre Kehle schienen voll mit seinem Schwanz zu sein. Das war genau das, wofür sie geboren worden war. Oh, Scheiße. Sie saugte stärker, und Eric stieß wie ein gottverdammter Kolben in sie hinein und pumpte sich in ihren Mund. Tesser zitterte derart, dass sie schon glaubte, ihre Knie würden unter ihr nachgeben. Ihre Muschi war feucht, ihre Klit war so hart wie der Schwanz, an dem sie saugte, und sie musste es einfach besorgt kriegen. Und zwar sofort.

Sie wechselte ein wenig die Position und rammte eine Hand unter den Bund ihres Rockes, direkt bis in ihren Schritt, und während sie ihn mit dem Mund so kraftvoll bearbeitete, wie sie nur konnte, bewegte sie einen Finger über ihrer Klit immer wieder hoch und runter. Je stärker sie seinen Schwanz mit ihrer Spucke benetzte und je härter sie ihn bearbeitete, desto wilder rieb sie auch an sich selbst. Er stieß immer wieder in sie hinein. Sie versuchte, immer mehr und mehr von ihm in ihrem Mund aufzunehmen, allein durch die Kraft ihrer Lippen. Und sie rieb sich so fest, dass sie schon glaubte, ihre Hand würde abfallen.

Tesser wollte mehr. Jedes Mal, wenn sie sich selbst berührte und wenn ihr Mund über seinem Schwanz hin und her strich, spürte sie diese unglaubliche Freude. Sie hatte das Gefühl, ihre Brüste würden derart anschwellen, dass sie wie die eines Pornostars aussahen, und sie spürte, wie ihre Beine zitterten, während sie verzweifelt darum bemüht war, die Position zu halten, sie spürte, wie ihre blaue Netzstrumpfhose immer weiter gedehnt wurde und schließlich nachgab und riss. Sie saugte den ganzen himbeerfarbenen Lippenstift von ihm ab, und als er seine Ladung in ihren Mund schoss und sie begann, diese gierig und durstig herunterzuschlucken, als sie das Sperma schluckte, das sie aus ihm herausgesaugt hatte - in diesem Moment spürte sie, dass auch ihr Höhepunkt nahe war. Sie bewegte die Hand immer schneller über ihre Klit.

»Verdammte Scheiße!«, murmelte Tesser. Dann grinste sie.

Und dann brachte sie ihn dazu, sie aufstehen zu lassen, damit er sich selbst hinknien und sie lecken konnte. Sie zog ihm währenddessen das T-Shirt aus, und er hielt kurz inne, damit sie es ihm über den Kopf streifen konnte. Er hatte einen schönen Rücken, und sie sah wohlwollend auf diesen hinab, während er sich gehorsam hinkniete und ihre nasse Muschi zu lecken begann. Seine Haut war braun und fest, und er hatte eine merkwürdige Tätowierung mit einem umgedrehten Herzen auf dem Oberarm. Eine bewegliche Tätowierung, die sich wellte, wenn er seine Muskeln bewegte, als er sich ans Werk machte und es ihr ordentlich besorgte.

Die ganze Zeit über konnte sie Alistair aus dem Augenwinkel sehen, der heftig masturbierte und seinen Blick immer zwischen Eric und ihr hin und her schweifen ließ. Sie war so feucht und ihr war so schwindlig vom Sex, dass sie den Rücken gegen die Wand lehnte und ihren Rock mit beiden Händen hochhielt, damit er ihr blassblaues Nylonhöschen beiseiteschieben und sie ordentlich lecken konnte. Doch dann hatte sie Alistair tatsächlich vergessen, und als sie so das zweite Mal gekommen war und Eric sich ihren süßen Saft vom Mund abwischte, bedeutete sie Alistair, doch näher zu kommen.

»Er ist noch nicht gekommen«, informierte Tesser Eric. »Obwohl er sich sehr angestrengt hat, nicht wahr, Alistair?«

Alistair trat näher, sagte aber kein Wort.

»Ich dachte, ihr Jungs wollt euch vielleicht ein wenig zur Hand gehen.«

Tesser sah zu, wie sie einander prüfend musterten. Eric war bereits wieder steif, weil er sie geleckt hatte. Auf diese Weise erkannte man am besten, ob ein Typ Muschis mochte - wenn er hart wird, weil er es dir mit dem Mund besorgt. Und ein durch Muschilecken hart gewordener Schwanz ist ein wirklich schöner Anblick.

Tesser wusste aber auch, wie die meisten heterosexuellen Männer drauf waren. Sie würden eher ihre eigene Großmutter ficken als einen anderen Mann - wenn sie nüchtern waren. Sie wusste auch, wie die meisten heterosexuellen Männer wurden, nachdem sie etwas getrunken hatten. Ihre Hemmungen schwanden, und sie nahmen, was sie kriegen konnten, ob Schwanz oder Muschi. Das war dann völlig egal. Aber das entsprach der Realität: Alkohol war und ist der stärkste Auslöser von Bisexualität. In vino veritas und so weiter. Vielleicht sollten die Menschen einfach immerzu betrunken sein. Möglicherweise hatte Baudelaire ja recht.

Diese jungen Männer waren nicht betrunken, aber sie waren definitiv vom Sex high, und das war sogar noch besser.

Und so rückte Alistair Eric immer näher. Zuerst sah Eric aus, als würde er einen Rückzieher machen, doch dann schloss er die Augen, als Alistair seinen hübschen Mund um seinen Schwanz legte, und er stöhnte vor Wonne, als er seinen zweiten Blowjob an diesem Nachmittag bekam, der Glückspilz.

Als die beiden begannen, sich miteinander zu beschäftigen, machte Tesser einen Schritt nach hinten. Sie gaben hier im hellen nachmittäglichen Sonnenschein einen schönen Anblick ab, wobei ihre Gesichter abwechselnd angespannt vor Erwartung und dann wieder entspannt und strahlend vor Vergnügen waren, wenn die nächste Welle des Verlangens über sie hereinbrach.

Auf seltsame Weise sah es aus wie ein Bild aus den vierziger Jahren, als hätte Henri Cartier-Bresson ein Standbild in Schwarz-Weiß aufgenommen, wie Julian Sands einem jungen Marlon Brando einen blies. Natürlich in einem alternativen Universum.

Tesser zog ihr verrutschtes feuchtes Höschen zurecht, ließ ihren Rock wieder über die Hüften gleiten und versuchte, einige Karos in der ramponierten Netzstrumpfhose zu reparieren, wobei sie die Action die ganze Zeit im Auge behielt. Mit geschlossenen Augen sahen die beiden jungen Männer hinreißend aus - wenn nicht gar episch.

Es war wunderschön. Sie musste es einfach filmen. Langsam ging sie zu ihrem Rucksack hinüber, öffnete ihn und holte leise ihre Super-8-Kamera heraus, wobei ihre Finger kurz über das Klappmesser glitten, das sie stets bei sich trug. Sie war davon überzeugt, dass der Akku der Canon-Kamera immer noch genug Saft hatte. Und Alistair war noch mit Eric beschäftigt; sie bewegten sich in einem stetigen Rhythmus vor und zurück. Eric stöhnte wieder, und sein Gesicht verzog sich, sodass Tesser wusste, dass er gleich kommen würde.

Sie begann zu filmen. Sie versuchte, den Schnittbild-Entfernungsmesser zu benutzen, doch es schien ein Problem mit der Fokussierung zu geben. Eric machte jetzt so viel Krach, als er schnaufte und keuchte, dass Tesser etwa eine halbe Minute lang glaubte, sie würde mit ihrer Aktion durchkommen. Aber dann gab es eine dieser kurzen Pausen, wie sie immer auftreten, kurz bevor man richtig zur Sache kommt. Eigentlich ist es eher eine Anspannung, also das genaue Gegenteil von einer Pause. Dummerweise bemerkten die beiden jungen Männer in diesem Augenblick der Stille das leise Surren von Tessers Kamera.

Eric zog sich so schnell aus Alistairs Mund zurück, dass Tesser schon glaubte, ihm würden seine Kronjuwelen abgebissen.

»Du verdammte Schlampe!«, schrie er, schnappte sich seine Cordhose und stieß Alistair aus dem Weg, damit er zu Tesser gelangen konnte.

In diesem Moment rannte Tesser los. Mit wackelnden Brüsten, die von ihrem Bustier aus den Fünfzigern nur halbwegs bedeckt wurden, hochgeschobenem Rock und nur noch einem Schuh an den Füßen steckte Tesser die Kamera in ihren Rucksack und sprintete zur Treppe. Sie hatte einen leichten Vorsprung, weil Eric noch immer damit beschäftigt war, seine Hose anzuziehen, daher zog sie schnell den verbliebenen hochhackigen roten Schuh aus (dessen Farbe natürlich perfekt zu dem Lippenstift passte, den sie heute trug) und rannte nun mit bloßen Füßen, die nur noch von der dünnen Strumpfhose geschützt wurden, los. Sie glitt so schnell sie konnte die Treppe hinunter und hastete auf die große viktorianische Tür des Schauspielhauses zu, durch deren Fenster sie bereits das Tageslicht von draußen hereinschimmern sah!

Flucht.

»Schlampe!« Hinter sich, etwa einen Treppenabsatz weiter oben konnte Tesser hören, wie Eric die Treppe hinunterrannte, wobei seine nackten Füße auf dem Marmorfußboden platschende Geräusche machten.

Und jetzt, verdammt noch mal, war sie endlich an der Tür. Sie packte den Türknauf, schob die Tür auf und versuchte, hinauszugelangen, ohne den Rucksack fallen zu lassen, der über ihrer Schulter hing und hin und her baumelte. Sie hatte nur wenige Sekunden, um sich umzusehen. Auf der rechten Seite erhaschte sie gerade noch einen Blick auf die anderen Geisterjäger, die hinter einer Mauer verschwanden. Sie mussten den Hinterausgang genommen haben. Der gewissenhaften Carolyn war anscheinend noch nicht aufgefallen, dass sie drei ihrer Schützlinge auf dem Weg verloren hatte. Auf der linken Seite war nichts zu sehen. Also rannte Tesser nach links.

Sie hastete um die Ecke, rannte drei Blocks weiter und beschloss dann, zu der Stelle zurückzukehren, an der die Geisterjägergruppe ihren Spaziergang begonnen hatte und die sich in der Nähe der Sozialwohnungen von Hoxton befand, da sie nicht davon ausging, dass Eric und Alistair hier nach ihr suchen würden. Sie rannte immer noch, den Rucksack über eine Schulter geworfen, die Schuhe in einer Hand und im Großen und Ganzen eher spärlich bekleidet. Sie atmete immer noch schwer und war völlig erschöpft. Außerdem war sie immer noch in Panik - und seltsamerweise immer noch geil.

Dann hastete sie um eine Ecke und prallte direkt gegen Jamie.

2

»Großer Gott! Was machst du denn hier?« Tesser keuchte nach dem Sprint, lehnte sich mit dem Rücken an die Ziegelsteinwand und sah Jamie an, während sie versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Er schien nicht sehr überrascht zu sein, sie zu sehen.

»Ähm … tja …« Jamie stockte. Er sah zu Tesser herab, und seine hochgewachsene Gestalt bildete einen starken Kontrast zu ihrer eher geringen Größe. Selbst mit acht Zentimeter hohen Absätzen war sie gerade mal einen Meter fünfundsechzig groß. »Ich schätze, ich wollte dich sehen«, gab er angespannt zu. Tesser sah ihn genau an und versuchte, seinen Gesichtsausdruck zu deuten. Seine dunklen Augen funkelten hinter seiner Brille, seine Worte klangen irgendwie abgehackt, als wäre er unruhig, nervös oder so. Vielleicht war er das ja auch.

Dann traf sie die Wucht seiner Worte wie ein heftiger Schlag in den Bauch. Sie sah ihm in die Augen, und ein Lächeln blitzte in ihrem Gesicht auf. Eine Sekunde lang ignorierte sie die Tatsache, dass sie von ihren vorherigen Bewunderern verfolgt wurde. »Du bist mir doch nicht etwa gefolgt, oder? Gib es zu.«

Verdammt, der Außenseiter-Künstler Jamie Desmond folgte ihr durch die ganze Stadt. Das war irgendwie schmeichelhaft.

Jamie blickte noch immer auf sie herab. Erneut konnte Tesser seinen Gesichtsausdruck nicht deuten. Er konnte ebenso wütend wie neugierig sein. Dann grinste Jamie breit, wodurch sein ganzes Gesicht zu strahlen schien. »Ich gebe es zu. Du bist unwiderstehlich. Dieses Blond, das du dir da zugelegt hast, ist einfach der Hammer.«

Als sie Jamie das letzte Mal gesehen hatte, war sie noch rothaarig gewesen. Blond war eine Vision, die ihr gestern Nachmittag erschienen war, und sie hatte sich von ihrer Mitbewohnerin Jana ein Bleichmittel geliehen, um die Vision Realität werden zu lassen.

»Na komm schon, Tesser. Ich geb dir einen Kaffee aus, damit du wieder runterkommen und mir erzählen kannst, warum du es eben so eilig hattest.«

Der Plan klang gut - möglicherweise. Nervös blickte sie um die Hausecke. Doch da war niemand.

»Wie wär's, wenn wir in diese Richtung weitergehen und den Spitalfields Market hinter uns lassen?«, schlug Jamie vor. »Dort gibt es einige coole alte Gebäude und angeblich auch einige Theater, in denen es spukt und die wir uns ansehen könnten. Hast du mir nicht erzählt, dass du auf solche Sachen stehst?«

»Na gut, obwohl ich gerade aus dieser Richtung komme«, erwiderte Tesser rasch, und dabei führte sie Jamie genau den Weg zurück, auf dem sie gerade gekommen war. Das war ein alter Detektivtrick: Wenn man auf der Flucht war, musste man kehrtmachen und sich seinen Verfolgern auf die Fährte setzen. Oder seinen eigenen Weg komplett zurückgehen. Auf diese Weise konnten sie einen nie fangen. »Dieser Mist über Geister-Theater basiert doch nur darauf, dass einige Leute mit der Jack-the-Ripper-Geschichte Geld verdienen wollen. Das ist ein alter Hut, die wollen einen bloß übers Ohr hauen. Einige ermordete Prostituierte, die angeblich diese Gegend heimsuchen, und so weiter. Daran ist eigentlich nichts Außergewöhnliches.«

»Wenn du das sagst.« Jamie nahm Tessers Hand, und sie gingen am Bishopsgate entlang, wobei sie dann an einer Stelle abbogen und in Richtung Old Street weitermarschierten. Sie musste zugeben, dass es ihr gefiel, so mit ihm über die Straße zu laufen, insbesondere dann, wenn er ihre Hand drückte. Sie sah ihm ins Gesicht, und er zwinkerte.

Das Café in der Old Street war vornehm und protzig, voller nouveau Hoxtoniten, die gerade erst West London hinter sich gelassen hatten und nun freiwillig in einer einfacheren Gegend lebten. Sie stellte sich brav in der Schlange an, hielt den Kopf hoch und tat so, als würde es ihr nichts ausmachen, dass sie die anderen Kundinnen musterten und ihren ganzen Körper nach Designerlabeln absuchten, diese jedoch nicht finden konnten. Sie beschloss, dass sie Jamie beim Wort nehmen und sich von ihm einen Kaffee ausgeben lassen würde, wenn sie endlich an der Reihe wären. Sie sagte der Frau, die ihre Bestellung entgegennahm, dass sie einen großen teuren Cappuccino trinken wollte, und konzentrierte sich dann darauf, ihren Rock zurechtzurücken und ihr Haar wieder in Ordnung zu bringen, weil sie spürte, dass es in wilden blonden Strähnen von ihrem Kopf abstand. Großer Gott. Nach dem Nachmittag, den sie hinter sich hatte, konnte sie eine Auffrischung gut gebrauchen. Daher nahm sie sich vor, so bald wie möglich auf die Toilette zu gehen und den Zustand ihres Lippenstifts zu überprüfen, denn sie hatte irgendwie das Gefühl, dass er über ihr halbes Gesicht verschmiert war.

»Hier drüben, Tesser«, sagte Jamie. Er hatte die beiden schaumigen Cappuccinos in der Hand und bahnte sich einen Weg durch das überfüllte Café, wobei er mit seinen kurzen Dreadlocks und der Brille mit dem breiten Rahmen umwerfend gut aussah - wie eine Mischung aus Malcolm X und einem wütenden jungen Independent-Filmemacher. Im Sentinel war am vergangenen Wochenende ein speichelleckerischer Artikel erschienen, in dem es allein um Jamie Desmond ging - »Der Außenseiter-Künstler, der noch kein einziges Bild verkauft hat« -, und seitdem schien Jamie überall erkannt zu werden - einige der jungen Damen, die Tesser mit abschätzenden Blicken bedacht hatten, schienen sie nun mit weitaus größerem Respekt anzusehen, als wäre sie seine East-End-Muse oder so etwas, mit ihren Klamotten vom Flohmarkt.

»Entschuldigung«, murmelte Tesser, als sie sich an allen vorbeizwängte und versehentlich - oder doch eher absichtlich - auf einen in italienisches Leder gezwängten Zeh trat. Die Besitzerin des Fußes schrie auf, aber Tesser sah es nicht ein, sich ein zweites Mal zu entschuldigen. Diese »It-Girls« rafften es einfach nicht. Sie steckten ihre Körper in einfache Grunge-Kleidung und sahen immer noch so poliert und unpersönlich aus wie dieses Café. Das war bisher mit jedem Look von der Straße so gewesen - Punk, Grunge, Gangsta Rap, was auch immer. Die teuren Prada-Stiefel an dieser Tussi waren ein eindeutiges Zeichen, trotz ihrer sorgsam ausgeblichenen Jeans. Die Frau warf Tesser einen wütenden Blick zu, doch diese hatte nicht die geringste Absicht, sich den Gepflogenheiten der oberen Mittelklasse zu unterwerfen. Wenn es eine Sache gab, die sie auf den Tod nicht ausstehen konnte, dann war das diese ständige »Entschuldigung, tut mir leid, Verzeihung«-Litanei der Briten, wenn ein einfaches »Entschuldigung« völlig ausreichte. Die Schlampe hätte ihre Füße ja auch nicht mitten in den Weg stellen müssen, oder?

»Ich folge dir«, meinte Tesser zu Jamie und zwängte sich an einigen noch schickeren Mädels in ihren auf einfach getrimmten Jeans und Manolo-Bla-bla-bla-nik-Schuhen vorbei. Sie war eher eine Manolo-Verweigerin. Auf wundersame Weise hatte Jamie einen freien Tisch am Fenster gefunden, direkt an der Rückwand des Ladens, und Tesser folgte ihm dorthin. Gott, Jamie sah von hinten umwerfend aus. Sein Arsch allein war schon ein Kunstwerk. Er trug eine Designerjeans, die sich verlockend um die muskulösen Rundungen eines Fiorentino-Nackten zu schmiegen schien. Der Gedanke an diese homoerotische Kunst ließ Tesser wieder an die jungen Männer in dem Schauspielhaus denken, und sie spürte, dass sie rot wurde, gerade als sie den Tisch erreichte. Sie zog sich einen Stuhl heran und setzte sich dicht an den Tisch, unter dem bereits Jamies lange Beine weit hervorragten. Oh Mann, dachte Tesser, ich mag große Männer.

»Du scheinst ein wenig durch den Wind zu sein«, stellte Jamie fest. »Ich mache dich doch nicht etwa nervös, oder?«

Tesser war nicht klar, was er mit dieser Aussage bezwecken wollte.

»Nein, nein, nein«, antwortete sie. »Ich hatte nur einen … interessanten Nachmittag, das ist alles.«

»Inwiefern interessant?« Jamie drehte sich weiter zu ihr um, und Tesser konnte nicht anders, als zu bemerken, wie sich seine Jeans in seinem Schritt dehnte. Wie nett.

»Interessant auf heiße Weise. Auf dreifach heiße Weise.« Sie sah Jamie direkt in die Augen, denn sie wollte ihm klarmachen, dass sie keine Frau war, die sich als feste Freundin eignete, dass sie ihre Freiheit liebte und dass sie ficken würde, wen sie wollte und wann sie es wollte. Selbst wenn sie in diesem Moment ihn ficken wollte. Trotzdem sollte er das begreifen.

»Ach ja?« Anstatt eifersüchtig oder aufgebracht zu wirken, begannen Jamies Augen auf einmal zu glänzen, und er beugte sich weiter vor. Wenn sie genauer darüber nachdachte, hätte sie ein wenig Eifersucht durchaus schmeichelhaft gefunden. Er schien allerdings überhaupt nicht verlegen zu sein, nachdem ihm Tesser gerade freudig ihre eigene Promiskuität gestanden hatte. »Möchtest du mir mehr darüber erzählen?« Er blickte ihr tief in die Augen, und dann senkte er den Blick immer weiter, bis er sich in der genaueren Betrachtung ihrer Oberweite verlor.

Tesser wurde rot, als Jamie weiter auf ihre Titten starrte, die von dem schwarzen, im Kellnerinnenstil gehaltenen Bustier zur Schau gestellt wurden, und dabei hätte sie doch überhaupt nicht rot werden müssen. Unbehaglich rutschte sie auf ihrem Stuhl herum. Doch dann bekam sie sich wieder in den Griff. Sie hatte in dieser Nicht-Beziehung doch die sexuelle Oberhand, oder nicht? Er war derjenige, der ihr gefolgt war, nicht andersrum. Und jetzt versuchte er, Kontrollpunkte zu erzielen. Damit sie sich unbehaglich fühlte. Tesser fuhr sich mit den Fingern durch ihr blondiertes Haar, beugte sich vor und leckte sich über die Lippen. Jamie schluckte schwer, und sie widerstand dem Impuls, ihm ihre Titten direkt ins Gesicht zu schieben - denn dieses Spiel konnten schließlich auch zwei spielen, oder nicht? Stattdessen setzte sie sich aufrecht hin und ließ ihren Tonfall bewusst beiläufig und langsam klingen. »Tja-ha«, begann sie und zog das Wort auf texanische Weise in die Länge, was für ein Mädchen von der Westküste, wie sie eins war, schon eine reife Leistung darstellte. »Nu-hun, ich bin zufällig zwei sehr netten jungen Männern begegnet, die heute mit mir an einer der Geisterjagden teilgenommen haben.«

»Ein Pärchen?«

Tesser blinzelte. »Wie kommst du denn auf die Idee?«

»Das kam mir einfach nur in den Sinn. Aber erzähl weiter.«

Er wirkte ein wenig zu lässig und sorglos, und das ließ in Tesser die Entschlossenheit aufkeimen, ihm einen genauen Bericht der Dinge, die sich zugetragen hatten, zu geben. Offenbar musste er mal schockiert werden. »Sie waren absolut kein Pärchen, Jamie. Das waren zwei Typen, die durch und durch hetero waren, Männer wie du …«

»Also schwarze Männer. Zwei aufrechte schwarze Männer aus der Mittelklasse, die durch und durch hetero sind, genau wie ich.«

»Ach, komm schon, Jamie - soll ich die Geschichte jetzt erzählen oder nicht?«

»Schon okay. Red weiter.«

»Jedenfalls habe ich während der Geisterjagd eine Situation herbeigeführt, in der ich nicht nur mit einem, sondern gleich mit beiden dieser unglaublichen Knackärsche in einem verlassenen Hinterzimmer eines Spuktheaters alleine war.«

»Von diesen Hinterzimmern habe ich schon gehört. Aber ich dachte, du hättest gesagt, diese ganzen Spukgeschichten über die Theater wären nichts als Mist? Und du hast auch behauptet, dass diese Männer durch und durch hetero waren.«

»So ist es auch. Das waren sie. Zumindest bis ich die Situation derart manipuliert hatte, dass sie sich gegenseitig einen geblasen haben, und ich kann dir sagen, Mister, das war wahrlich ein wunderschöner Anblick.«

»Und du bist abgehauen, bevor es zur homosexuellen Panik kommen konnte, um dem Schwulenhass aus dem Weg zu gehen? Gut gemacht, Tesser. Ich habe dich schon immer als jemanden gesehen, der auf sich aufpassen kann.« Tesser konnte nicht einschätzen, ob seine Stimme eher sarkastisch oder eher bewundernd klang. Vielleicht hatte sie diese britische Ironie ja trotz allem noch nicht wirklich begriffen.

»Eigentlich bin ich nicht so abgebrüht. Ich würde die verborgenen Emotionen zweier überaus hetero angelegter Jungs nicht wecken und dann einfach abhauen. Das heute war eher ein Fall künstlerischer Neugier.« Tesser trank einen Schluck Cappuccino und holte dann tief Luft, damit sie gleich weiterreden und Jamie die ganze Sache mit der Kamera und der darauf folgenden Verfolgungsjagd erzählen konnte. »Also …«

Doch da beugte sich Jamie noch näher zu ihr. »Halt doch einfach mal einen Augenblick den Mund, okay?« Er schob seine Hand direkt unter ihren linken Oberschenkel, sodass diese ihre Netzstrumpfhose noch weiter in ihr Fleisch drückte.

So eine Frechheit! Tesser hasste es, wenn ihr andere sagten, sie solle den Mund halten, selbst wenn das Teil eines erotischen Vorspiels war. »Ich werde nicht den Mund halten, verstanden?« Jamies Hand fuhr nun über den Rand ihres grünen Rockes, und seine Finger tauchten in die diamantförmigen Löcher ihrer Strumpfhose. Das fühlte sich gut an, und sie schloss die Augen, um das Gefühl zu genießen. »Wenn ich den Mund halte«, fuhr sie fort, »dann nur, weil ich das auch selber will.« Verdammt, aber seine Hand fühlte sich so gut auf ihrem Bein an, wie sie sie dort streichelte.

»Okay«, erwiderte Jamie.

Tesser schloss erneut die Augen, damit sie sich besser darauf konzentrieren konnte, wie sich Jamies ...

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