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Die Angst vor dem "Nichts"

1. Anna

Anna hatte sich gemeldet, nach so vielen Jahren hatte sie ihr Kommen in Aussicht gestellt.

Anna hatte sich gemeldet, sie wollte vorbeischauen, wäre in der Nähe, nur ein kurzer Besuch.

Anna hatte sich gemeldet, würde einen Abstecher machen zu dem kleinen Ort am Gardasee, den sie sich beide einmal gewählt hatten als die Erfüllung ihrer Wohnträume.

Anna!

Karl liebte Anna, er hatte sie immer geliebt, schon in sehr jungen Jahren ausgesucht als die Frau, mit der er sein Leben verbringen wollte. Anna hatte lange gezögert, dann Ja gesagt und ihn unendlich glücklich gemacht. Zwei Kinder von Anna und Karl machten das Eheglück komplett und bald galten die beiden als Vorzeigefamilie mit Bestand. Natürlich gab es Krisen, aber letztendlich war für beide immer klar, dass sie zusammenbleiben wollten.

Und Anna liebte Karl. Das erste Kind kam während ihres Studiums. Dann nach langer Werbung von Karls Seite endlich ihre Zustimmung zur Heirat. Dann kam das zweite Kind. Damals lebte man in Gemeinschaft mit anderen Paaren, weil die familiären Einbindungen fehlten. Großeltern oder ehelose Verwandte, die sich um die junge Familie und ihre Probleme, vor allem um die Kinderbetreuung kümmerten, gab es nur noch auf dem Lande. In der Stadt fehlte dieses manchmal schmerzhaft. Aber man wusste sich immer wieder zu arrangieren und zur Not nahm man die Kinder eben überall mit.

Während Anna ihr medizinisches Studium erfolgreich abschloss, betreute Karl die Kleinen, so gut er eben konnte. Dies war zwar nicht immer optimal, aber es wurde viel gelacht und jede Gelegenheit genutzt, mit der ganzen Familie Ausflüge zu machen oder auch nur ein gemeinsames Filmerlebnis zu genießen.

Dabei sprach Anna immer wieder vom Auslandseinsatz, was als Wunschgedanke durchaus seine Berechtigung hatte, angesichts der Familie aber kaum einem realen Hintergrund entsprach. Sie traf sich öfter mit Gleichgesinnten, die zum Teil dann auch als Ärzte nach Afrika gingen, aber dies blieb bei unverbindlichen Begegnungen. Meist wurden diese Auslandseinsätze von reger Briefmitteilung begleitet, in der die Kollegen über ihre Erfahrungen schwärmten. Negative Erlebnisse kamen selten in den Mitteilungen vor, und wenn, dann waren sie mit naheliegenden Lösungen verbunden. So entstand ein zunehmend optimistisches Bild der Arbeit im Ausland, was immer stärker in Kontrast zu Annas täglicher Arbeit trat.

Der tägliche Ablauf, den Anna nach der Assistenzzeit erlebte, und die zermürbende Verwaltungsmühle, die die Arbeit im Krankenhaus strukturierte, erzeugten schnell bei den Ärzten eine angepasste Lethargie oder zunehmenden Ärger, der sich dann an manch unpassender Stelle entlud, eben nicht selten Zuhause. Hinzu kamen die Einsparungsvorgaben, die nicht nur die Kollegenzahl und das Pflegepersonal reduzierten, sondern auch die Häufigkeit der Nachtschichten auf ein Höchstmaß an Erträglichkeit steigerten.

Trotzdem arbeitete Anna an der Klinik unbeirrt weiter, klagte nur wenig über die manchmal schier unerträglichen Dienstabläufe und verbrachte die wenige Zeit, die ihr blieb, lieber mit der Familie, ohne diese mit ihren Gedanken und Wünschen zu behelligen. Denn sie wusste sehr gut, dass ein Klagen über bestehende Verhältnisse diese nicht ändern würde. Und die Veränderung selbst durchzuführen, sah sie sich nicht mutig genug, zumal sie damit Familie und bestehende Lebensbedingungen hätte verlassen müssen.

Karl verirrte sich derweilen in ergänzenden Studienrichtungen, bis er schließlich mit universitären Lehraufträgen erste stabilere Verhältnisse bieten konnte. Dass fast die gesamte sichere Versorgung der Familie auf Anna lastete, blieb Karl zwar nicht verborgen, aber er realisierte die Folgen einer solchen Verantwortung nicht. Vor allem war ihm nicht klar, dass Anna alle ihre Wünsche hatte zurückstecken müssen, um ein stabiles Einkommen zu garantieren.

Vielleicht hätte Karl hier sensibler zuhören müssen, wenn Anna von anderen Welten und sozialen Aufgaben träumte, aber wie so oft im Leben glaubt man als Mann an das Funktionieren des Jetzt, solange dies nicht tatsächlich und massiv in Frage gestellt wird. Und damit verpasst man sehr oft Signale, die man hätte hören müssen. Aber man tut es eigentlich nicht aus Bosheit oder Ignoranz.

Als es Karl schließlich gelang, mit Frau und Kindern ein kleines Anwesen zu erwerben, fühlte er sich unsagbar glücklich. Die Arbeit belastete beide zwar zeitlich sehr umfassend, aber sie machte beiden Spaß und brachte genug Geld, um die kleine Familie gut durchzubringen und angenehm zu wohnen. Der Wohnraum bot jedem ein eigenes Zimmer und sogar ein wenig Hof und Garten gehörte zum Lebensumfeld.

Beide versuchten, so viele gemeinsame Erlebnisse mit den Kindern zu haben, wie nur irgend möglich. Dass manchmal zeitliche Engpässe auftauchten, war in vielen anderen jungen Familien, denen man freundschaftlich verbunden war, ebenso an der Tagesordnung. Aber man hatte das Gefühl, sich durch ordentliche Arbeit am Leben zu erhalten und sich auch den einen oder anderen Luxus im Urlaub gönnen zu können.

Vielleicht aber war dies alles zu viel für die beiden, elterliche Unterstützung fehlte zum Beispiel ganz. Und nicht selten trafen sich Anna und Karl bei der Übergabe der Kinder, eine längere Unterhaltung war dann oft nicht möglich. Und auch am Wochenende fehlte Anna schmerzhaft, wenn sie wieder einmal Zwölftagebereitschaft hatte und diese in der Klinik verbringen musste.

Auch die vielen Freunde in gleichem Alter und in ähnlichen Verhältnissen brachten zunehmend Probleme und Krisen mit, zogen sich zurück aus persönlichen Gründen oder bewegten sich auf Beziehungstrennungen zu. Vielleicht lag es daran, dass die meisten sich im Alter zwischen Dreißig und Vierzig befanden. Erste Überlegungen nach Kinderaufzucht und beruflich gesicherter Position steuerten dabei oft auf die alles entscheidende Frage hin, ob das, was man letztendlich erreicht hatte und tagtäglich machte, auch das war, was man mal irgendwann gewollt hatte. Und allzu oft blieb die der Beziehung zustimmende Antwort aus oder zeigte sich erst nach langer und mühsamer Überlegung.

„Ob ich diese Position des Lebens, so wie ich sie jetzt erreicht habe, überhaupt je gewollt habe? Ob ich diese Leben weiter so führen will?“

Anna hinterfragte oft das Jetzt und Karl war froh, wenn sie die Frage so formulierte, dass sie scheinbar keine Antwort erwartete. Denn er hätte sie nicht geben können, zumal er fürchtete, dass eine korrekte Antwort zur grundlegenden Veränderung des jetzigen Lebens führen würde. Aber Anna beklagte sich auch nie, dass ihr gemeinsames Leben immer mehr bürgerliche Züge annahm, und oft sagte sie auch bewusst „ja“ dazu. Denn, dass dies bis in alle Zukunft dauern würde, bedeutete in ihrem Alter noch eine kleine Ewigkeit, der man viele Änderungsmöglichkeiten zutraute.

Es war also durchaus normal, dass Ehepaare in dieser Altersperiode den Sinn ihres Daseins hinterfragten und mit Inhalt füllen wollten, der über tägliches Einerlei hinaus noch Perspektiven bot. Immerhin war man auch noch in einem Alter, welches jede Änderung mitmachen würde.

Die Bekanntschaften, die sich mehr oder weniger ebenso in Krisen befanden, versuchten diese leider zu verheimlichen, anstatt sie zu formulieren und mit anderen zu diskutieren, die Ähnliches erlebten. Hätte man sie angesprochen, wäre manch eine tragische Entwicklung im selbstgewählten Alleingang zu verhindern gewesen. So aber versuchte jeder für sich seine Probleme zu lösen und blieb letztendlich mit dem Partner allein, der aber selbst bis zum Hals in eigenen und gemeinsamen Konflikten steckte.

Und nicht selten trafen sich dann die Betroffenen zum verzweifelten Austausch unter Tränen, wenn das Ausmaß der Geschehnisse eigentlich mit Gesprächen nicht mehr zu lösen war. Man steckte mitten in einer schwierigen Zeit, in der alles Reden und Zähneknirschen nicht wirklich half. Hätte man nur vorher mal geredet, sich einen Rat geholt. Aber wer wollte schon als Versager in einem perfekten Leben dastehen.

Denn erst im Krisengespräch, wenn längst Dinge passiert waren, die weit über akzeptable Grenzen reichten, wurden vergleichbare Fragen, ähnliche Überlegungen und Zweifel als gemeinsam erkannt, die aber keine rationale Lösungen finden konnten, da die Folgegeschehnisse eigentlich schon eine Beziehungsklärung und gemeinsame Zukunftsplanung mit dem Partner fast ausschlossen. Es hätte unter Umständen im Vorfeld noch Möglichkeiten der Einigung gegeben, nicht aber, wenn längst andere Beziehungen eine Rolle spielten oder gespielt hatten. Spätestens hier verweigerten sich die meisten einer Fortführung ihrer Ehe und verließen enttäuscht oder unauslöschlich verletzt das gemeinsame Bett.

Ob sich in diesen Fällen eine Fortführung der Beziehung wirklich positiv entwickelt hätte oder vielleicht eben später zerbrochen wäre, war unklar. Immerhin gab es eindeutig formulierte Gründe für die Trennungen, die wahrscheinlich noch aus der Erziehung der sechziger Jahre stammten und eine Beziehungsfortführung nach Fremderlebnissen ausschlossen.

Dabei war leider sehr oft die Liebe, die angeblich verloren war, nicht Grund der Trennung. Denn da, wo sie nicht mehr existierte, machte man sich auch keine größeren Gedanken über das, was weiter passieren sollte. Und dabei waren viel zu oft noch kleine Kinder weniger Hindernis als etwa ein gemeinsames Haus, was jetzt aufzuteilen war. Nicht selten stritten sich die Eheleute um diverse Tassen, Teller, Möbelstücke oder den Hund unter bereitwilliger Akzeptanz immenser Kosten, die dadurch für Gericht und Anwälte entstanden. Für den Unterhalt der Kinder zu sorgen, war dann auf einmal zu teuer Da aber, wo noch Liebe war, weinte man über Geschehenes, überlegte Zukunftswege und die Möglichkeiten, sie mit dem zu Recht verletzten Partner zu besprechen, und hoffte vielleicht auf eine wenigstens friedliche Einigung.

Immerhin eine schwierige Phase in den Beziehungsgeschichten vieler Paare, deren intensivste Bemühungen leider meist eher die Verschleierung ihrer Beziehungskiste als das Ansprechen ihrer Probleme war.

Früher hatte man dafür die Familie, sicherlich rigide in ihren Vorgaben, aber immerhin so streng, dass man zigmal nachdachte, ob man sich wirklich trennen musste. Jetzt blieb der Partner allein, selbst betroffen und für eigene Lösungen zu stark verstrickt in der Beziehung. Die Kinder waren aus dem Gröbsten heraus, aber doch noch zu klein, um dann wirklich beratende Helfer sein zu können. Sie blieben die Opfer der erlebten Trennungsgeschichten und hatten oft Jahre später mit der Aufarbeitung des Erlebten zu tun.

So existierte man auf Festen eher nebeneinander, bevorzugte Witze über problematisches Eheleben und glaubte zu beobachten, dass der Nachbar offensichtlich keine Krise hatte.

2.Die Sache mit Peter

Und dann war da die Sache mit Anna und Peter.

Anna hatte sich um eine Fortbildungsreihe bemüht, die sie zur Behandlung von Tropenkrankheiten spezialisierte. Allerdings befand sich die anbietende Einrichtung etwa tausend Kilometer von ihrem Wohnort entfernt in Verona in Norditalien, was für sie nahelegte, dort vorübergehend eine kleine Wohnung zu nehmen. Als Standort wählte sie einen kleinen Ort etwas oberhalb des Gardasees, da sie schon immer ein Flair für diese Gegend hatte. Die Entfernung zur weiterbildenden Klinik war mit dem Auto zu schaffen.

„Ich komme auch an den Wochenenden nach Hause und es ist ja nur für eine begrenzte Zeit“, versuchte sie die Familie zu beruhigen.

Aber Karl war nicht glücklich mit dieser Entscheidung, zumal er nicht unbedingt einsah, warum sie diese Zusatzqualifikation erwerben wollte.

„Du brauchst diese Qualifikation doch gar nicht bei deiner alltäglichen Arbeit. Es wird eine zusätzliche Belastung für die Familie. Warum also diesen Aufwand?“

Dass Anna ihm die Antwort schuldig blieb, hätte ihm zeigen müssen, dass vielleicht viel mehr hinter diesem Entschluss steckte als die vordergründige Zusatzausbildung. Aber die Entscheidung war nun mal von Anna getroffen worden und immerhin war die auf zu wendende Zeit begrenzt.

Anna erreichte mit dieser Entscheidung die Möglichkeit für sich, einmal aus der alltäglichen Routine von Familie und Beruf auszubrechen. Sie würde neue Menschen kennen lernen, die vom Auslandseinsatz erzählten oder ihre damit verbundenen Planungen diskutierten. Sie würde vielleicht neue Perspektiven des Umgangs mit Familie und Beruf erfahren. Und sie würde nach etwa acht Wochen wieder zurück sein, hoffentlich mit neuem Elan. Denn die Kraft, sich dem täglichen Einerlei zu stellen, war aufgebraucht und auch die Familie konnte diese Leere nicht mehr auffüllen.

Zudem ging Anna auf die vierzig zu, immer noch sehr attraktiv und jugendlich und körperlich fit, aber mit der drohenden Altersgrenze in naher Zukunft, die so vielen angeblich nichts ausmachte, aber kaum jemanden letztendlich mit Ängsten und Zweifeln verschonte.

„Wenn ich mal vierzig werde, habe ich es geschafft, weiß, wer ich bin und was ich will“, sie hatte dies immer wieder als Jugendliche formuliert und fest daran geglaubt. Und jetzt stand sie vor einem Trümmerfeld an Träumen und Wünschen in einem goldenen Käfig voller Einengungen und Vorgaben. Und was sie am allerwenigsten wusste, war, wie es weiter gehen sollte. Sie müsse zurückkehren in die Familie, dies war ihr klar, aber sie würde damit auch alle Träume aufgeben und sich für ihre eigentlich verhasste Bürgerlichkeit entscheiden. Vielleicht, so hoffte sie, würde die zeitliche Trennung neue Ansätze und neue Kraft geben.

Außerdem hatte sich in den letzten Jahren noch etwas anderes zunehmend breit gemacht in ihrem Kopf, die Unsicherheit, das Richtige zu tun. Während bis dahin die Überzeugung immer stärker geworden war, das Leben im Griff zu haben und damit Entscheidungen mit einem Gefühl der Überlegenheit zu treffen, begannen jetzt in zeitlicher Nähe zum vierzigsten Geburtstag immer mehr Zweifel an ihr zu nagen, ob sie auch beruflich und in der Familie korrekt handelte. Sie steckte tief in einer Krise. Und sie spürte die Bedrohung, die damit für ihre Entscheidungskraft einherging.

Und dann begegnete sie Peter, einem sehr jungen und unerfahrenen Mann, der seine Zeit als Zivildienstleistender in der Einrichtung absolvierte und sie unterstützen sollte. Als sie Peter, der schüchtern klopfend vor ihrer Bürotüre stand, öffnete, traf es sie wie ein Blitzschlag im Innersten ihres Körpers.

Peter, etwas größer als Anna und mit lang wallendem Haar, lächelte schüchtern, als sie voreinander standen und schwiegen. Dann gewann Anna ihre Fassung zurück, obwohl sie ein leichtes Zittern in ihrer Stimme nicht unterdrücken konnte, und bat ihn herein.

Und Peter erzählte, signalisierte sofort enges Vertrauen, schmiegte sich mit Worten an sie, tauchte tief ein in ihr Herz. Und schnell hatte Anna fast alles vergessen, was sie bis dahin auf einem vernunftorientierten Weg gehalten hatte, ihre Gefühle waren längst ins Chaos gestürzt. Und sie hatte sofort gespürt, so ihre späteren Worte zu Karl, dass sie diesem jungen Menschen und sich keine Gelegenheit schaffen durfte, welche ihnen ein Näherkommen erlauben würde. Denn sie würde Annäherungen nicht widerstehen und eher das Ganze noch forcieren.

Irgendwann stand Peter vor der Tür ihres kleinen Appartements. Sie wusste nicht, ob sie ihn vielleicht mit unbedachten Worten eingeladen oder er selbst die Initiative ergriffen hatte, den Weg auf sich zu nehmen, um sie hier zu besuchen. Er stand vor ihrer Tür und schaute sie schweigend an.

Es war später Nachmittag und ihn zurückzuschicken hätte bei der Entfernung nach Verona kaum Sinn gehabt, also bat sie ihn herein, wobei sie sich einredete, dass sie den Moment kontrollierte. Aber schon sein Begrüßungskuss reichte aus, ihr Herz wie Trommelfeuer revoltieren zu lassen. Fast schweigend zog sie ihn aus, nicht ohne jede Stelle seines Körpers zu liebkosen. Dann versanken sie in gieriger Vereinigung.

Es war sicherlich auch ihre Wonne, die sie steuerte. Einem Menschen höchste Freuden zu geben, der nicht erwartend und fordernd von Angebot zu Angebot eilte, sondern in seiner Unerfahrenheit eher aufgeregt erwartungsvoll und fasziniert ihrer Führung folgte, war grandios und etwas Neues. Sie genoss dabei seine überschwängliche Lust und blieb doch Herrin über ihre Geschlechtlichkeit auch in der höchsten Erfüllung. Die anfänglichen Bedenken, dass sie ihn überfahren, gar erschrecken könnte mit der Kraft ihrer eigenen Lust, waren schnell zerstreut angesichts seiner Bereitschaft, sich neugierig auf alles einzulassen, was sie ihm bot. Und dabei fühlte sie sich zunehmend stark und selbstsicher.

Als sie schweratmend nebeneinander ein wenig Ruhe gefunden hatten, holten sie die Gedanken an Karl und die Kinder ein und machten sie traurig. Und je länger sie nachdachte, desto weniger erschlossen sich die Gründe für ihre Gier nach Peter und seinen Umarmungen, die nichts hatten von zielgerichtetem Vorgehen, sondern fast hoffend sich ihren Liebkosungen entgegenstreckten. Als sie spürte, dass er wieder erstarkte, nahm sie ihn erneut auf und vergaß dabei sehr schnell alle ihre Zweifel.

Am nächsten Morgen nahm Anna Peter im Wagen mit nach Verona, um ihn dort für immer zurück zu lassen, aber schon am Nachmittag saß er auf der Rückfahrt wieder neben ihr.

Es war der dritte Freitag und Anna hatte eigentlich wie jedes Mal am Wochenende geplant, zur Familie zu fahren, doch die Absage unter der Nennung verschiedenster Gründe am Telefon blieb recht einsilbig.

„Ich muss doch noch mehr lernen, als ich angenommen habe“, sagte sie und es klang wenig überzeugend. „Grüße die Kinder, ich komme dann nächstes Wochenende vielleicht ein bisschen früher, schon am Donnerstag.“

Karl sagte etwas von eigener Entscheidung und schade, man hätte sich schon so gefreut, aber seine Stimme klang nicht so, als ob er glaubte, was sie vorbrachte. Ein wenig murrend stimmte er zu, wünschte ihr guten Lernerfolg und sagte, dass er sie liebe.

Und dann blieb das Wochenende für Anna und Peter. Peter genoss die vielfältigen Praktiken seiner älteren und erfahrenen Geliebten und Anna tauchte ein in grenzenloses Dahinschweben auf Wolken der Lust und der Macht, Peter bei der Einführung in die Liebe zu steuern, wie sie es wollte. Dazwischen zeigte sie ihm die Schönheit des Gardasees und seiner kleinen Dörfer und lud ihn zu ausgiebigem und extravagantem Essen ein.

Die folgende Arbeitswoche verging wie im Flug. Anna und Peter turtelten wie Verliebte, schauten sich tief in die Augen, wenn sie sich begegneten oder warfen sich Küsse und Blicke zu, die, wie sie meinten, den Außenstehenden verborgen blieben. Wenn diese etwas bemerkten, so schauten sie diskret weg oder belächelten die beiden, aber die Beziehung war nichts, was man hätte bemängeln müssen, zumal Anna immer jugendlicher zu werden schien.

Dann rückte das nächste Wochenende heran und Anna begann verzweifelt nach Ausreden zu suchen, um die anstehende Heimfahrt auch dieses Mal zu umgehen. Schließlich fiel ihr eine Autopanne ein, ein nicht vor Montag zu behebender Schaden am Motor ihres Fahrzeuges. Auf den Hinweis von Karl, dass sie sich doch einen Leihwagen leisten könne, suchte sie nach Ausflüchten, die zunehmend weniger überzeugend klangen. Schließlich beendete Karl das Telefongespräch mit der Frage, ob er wohl am Ende kommen solle und wie sie sich das vorstelle.

Am Freitag saß Peter wieder neben ihr, als sie zu ihr nach Hause fuhren, und das Telefongespräch mit Karl war fast vergessen.

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