Logo weiterlesen.de
Die Anatomie der Sportverletzungen: Der illustrierte Guide für Prävention, Diagnose und Behandlung

Brad Walker

Die Anatomie der

Sportverletzungen

Der illustrierte Guide
für Prävention, Diagnose
und Behandlung

images

Inhalt

Einleitung

Anatomische Grundbegrifflichkeiten

KAPITEL 1

Sportverletzungen – eine Definition

Was macht eine Sportverletzung aus?

Was kann durch eine Sportverletzung beeinträchtigt sein?

Ist die Sportverletzung akut oder chronisch?

Wie werden Sportverletzungen klassifiziert?

Wie werden Verstauchung und Überdehnungen klassifiziert?

KAPITEL 2

Prävention von Sportverletzungen

Einführung in die Prävention von Sportverletzungen

Aufwärmübungen

Abkühlen

Das FITT-Prinzip

Übertraining

Die Entwicklung von Fitness und Können

Dehnung und Flexibilität

Einrichtungen, Regeln und Schutzvorrichtungen

KAPITEL 3

Behandlung von Sportverletzungen und Rehabilitation

Einführung in das Sportverletzungsmanagement

Wiederherstellung der Fitnesskomponenten

KAPITEL 4

Sportverletzungen der Haut

001:Schnitte, Schürfwunden und Scheuerstellen

002:Sonnenbrand

003:Erfrierungen

004:Fußpilz (Tinea Pedis)

005:Blasen

006:Hühneraugen, Hornschwielen, Plantarwarzen (Verrucae)

KAPITEL 5

Sportverletzungen an Kopf und Hals 61

Akut

007:Kopfverletzungen: Gehirnerschütterung, Schädelprellung, Blutung, Bruch

008:Hals- und Nackenzerrung, Brüche, Prellungen

009:Burner-Syndrom

010:Schleudertrauma (Nackenzerrung)

011:Schiefhals (Torticollis)

012:Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule

013:Eingeklemmter Nerv (Zervikale Radikulitis)

014:Knochenspornbildung (Zervikale Spondylose)

015:Zähne

016:Auge

017:Ohr

018:Nase

Rehabilitationsübungen

KAPITEL 6

Sportverletzungen an Hand und Fingern

Akut

019:Frakturen der Mittelhandknochen

020:Bandverletzung am Daumen (Ruptur des ulnaren Seitenbandes)

021:Hammerfinger (Lange Strecksehne)

022:Gestauchter Finger

023:Fingerluxation (Fingerverrenkung)

Chronisch

024:Sehnenscheidenentzündung der Hand/Finger (Tendinitis)

Rehabilitationsübungen

KAPITEL 7

Sportverletzungen an Handgelenk und Unterarm

Akut

025:Fraktur von Handgelenk und Unterarm

026:Verstauchung des Handgelenks

027:Handgelenksluxation (Handgelenksverrenkung)

Chronisch

028:Karpaltunnelsyndrom

029:Ulnartunnelsyndrom

030:Handgelenksganglion (Überbein)

031:Tendinitis im Handgelenk

Rehabilitationsübungen

KAPITEL 8

Sportverletzungen am Ellenbogen

Akut

032:Ellbogenfraktur

033:Verstauchung (Distorsion) des Ellenbogens

034:Ellenbogenluxation

035:Riss der Sehne des M. triceps brachii

Chronisch

036:Tennisellenbogen

037:Golferarm (Golferellenbogen)

038:Werfer-Ellenbogen

039:Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen (Bursitis olecrani)

Rehabilitationsübungen

KAPITEL 9

Sportverletzungen an Schulter und Oberarm

Akut

040:Fraktur (Schlüsselbein, Humerus)

041:Schulterverrenkung (Schulterluxation)

042:Schultersubluxation

043:Schultereckgelenksluxation

044:Sternoclavikulargelenksluxation

045:Bizepssehnenriss

046:Bizepshämatom

047:Muskelzerrung (Bizeps, Brustmuskeln)

Chronisch

048:Subakromiales Impingement-Syndrom

049:Tendinitis (Sehnenentzündung) der Rotatorenmanschette

050:Schleimbeutelentzündung (Bursitis) der Schulter

051:Bizepssehnenentzündung

052:Entzündung des Brustmuskelansatzes

053:Steife Schulter (adhäsive Kapsulitis, »Frozen Shoulder«)

Rehabilitationsübungen

KAPITEL 10

Sportverletzungen an Rücken und Wirbelsäule

Akut

054:Muskelzerrung am Rücken

055:Bänderverletzung am Rücken

056:Brustkorbprellung

Chronisch

057:Bandscheibenvorfall

058:Bandscheibenvorwölbung

059:Stressfraktur der Wirbelsäule

Rehabilitationsübungen

KAPITEL 11

Sportverletzungen an Brust und Bauch

Akut

060:Rippenfraktur

061:Instabiler Thorax

062:Bauchmuskelzerrung

Rehabilitationsübungen

KAPITEL 12

Sportverletzungen der Hüfte, des Beckens und der Leiste

Akut

063:Verletzung der Hüftflexoren/Hüftbeuger

064:Hüftprellung

065:Abrissfraktur

066:Verletzungen der Leiste

Chronisch

067:Osteitis Pubis

068:Ermüdungsbruch

069:Piriformis-Syndrom

070:Sehnenentzündung des M. iliopsoas

071:Sehnenentzündung der Adduktormuskeln

072:Schnappende Hüfte/Coxa saltans

073:Bursitis Trochanterica

Rehabilitationsübungen

KAPITEL 13

Sportverletzungen der hinteren Oberschenkelmuskulatur und des Quadrizeps

Akut

074:Femurfraktur

075:Zerrung des Quadrizeps

076:Zerrung der hinteren Oberschenkelmuskulatur

077:Oberschenkelprellung

Chronisch

078:Iliotibialband-Syndrom (ITBS)

079:Tendinitis der Quadrizepssehne

Rehabilitationsübungen

KAPITEL 14

Sportverletzungen an Knie

Akut

080:Zerrung des Innenbands

081:Riss des vorderen Kreuzbands

082:Meniskusriss

Chronisch

083:Bursitis

084:Entzündung der Plica synovialis

085:Morbus Osgood-Schlatter

086:Osteochondrosis dissecans

087:Patellofemorales Schmerzsyndrom (PFSS)

088:Patellaspitzensyndrom (Springerknie)

089:Chondromalacia Patellae (Läuferknie)

090:Patelladislokation

Rehabilitationsübungen

KAPITEL 15

Sportverletzungen der Wade und des Schienbeins

Akut

091:Frakturen (Tibia, Fibula)

092:Wadenzerrung

093:Zerrung der Achillessehne

Chronisch

094:Entzündung der Achillessehne

095:Schienbeinkantensyndrom

096:Stressfraktur

097:Tibialis-Anterior-Syndrom

Rehabilitationsübungen

KAPITEL 16

Sportverletzungen des Knöchels

Akut

098:Knöchelfraktur

099:Knöchelzerrung

Chronisch

100:Tendinitis in der Tibialis-posterior-Sehne

101:Subluxation der Peronealsehne

102:Entzündung der Peronealsehnen

103:Osteochondritis Dissecans (Knochenläsion)

104:Supination (Auswärtsdrehung)

105:Pronation (Einwärtsdrehung)

Rehabilitationsübungen

KAPITEL 17

Sportverletzungen des Fußes

Akut

106:Fußfraktur

Chronisch

107:Bursitis an der Ferse

108:Stressfraktur

109:Tendinitis der Streck- und Beugesehnen

110:Morton-Neurinom

111:Sesamoiditis

112:Fußballenentzündung

113:Hammerzehe

114:Turf-Zehe

115:Plattfuß (Pes planus)

116:Hohlfuß (Pes cavus)

117:Plantarfasziitis

118:Fersensporn

119:Blutung unter dem Nagel (Subunguales Hämatom)

120:Eingewachsener Zehennagel

Rehabilitationsübungen

Glossar

Quellen und Literaturhinweise

Einleitung

Je mehr Menschen Sport treiben, umso häufiger treten auch sportbedingte Verletzungen auf. Sportbegeisterte sollten daher schnell und leicht verständlich Informationen an die Hand bekommen, die ihnen im Detail vermitteln, wie sie präventiv vorsorgen und Sportverletzungen, wenn sie doch einmal auftreten, erkennen sowie – so es sich nicht um drastischere Verletzungen handelt – lindern und die Heilung unterstützen können. Vielen bereits erhältlichen Ratgebern zu diesem Thema fehlt eine allgemeinverständliche Vermittlung wertvoller anatomischer Details, die in dieser Situation eine aufschlussreiche Hilfe sein können – für Hobbyjogger genauso wie für professionelle Athleten, für Personal-Trainer-»Greenhorns« ebenso wie für erfahrene Sportcoachs, für Sporthochschulabsolventen genauso wie für versierte Sportmediziner.

Brad Walker kombiniert in diesem Buch anschaulich praktische Erfahrung mit theoretischem Background. Bis ins Detail stellt er komplexe Präventions-, Behandlungs- und Managementstrategien so dar, dass jeder sie verstehen kann.

Detailreiche Illustrationen machen im Bild nachvollziehbar, was bei der Behandlung von Sportverletzungen im Körper passiert. Walkers professionelle Erklärungen können Lesern und Leserinnen dieses Buches helfen, Sportverletzungen zukünftig zu vermeiden. Kommt es aber doch einmal zu einer Verletzung, zeigt er auf, wie man – parallel zur Behandlung durch einen Spezialisten – den Heilungsprozesses selbst effektiv unterstützen und schon bald wieder zu seinen sportlichen Aktivitäten zurückkehren kann.

In diesem Buch betrachten wir die sportbedingten Verletzungen aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Kapitel 1 führt in die verschiedenen Begriffe der Thematik ein. Es erklärt die Klassifizierungen und möglichen Ausprägungsgrade von Sportverletzungen und beschreibt die beteiligten Körperstrukturen und Gewebeformen. In Kapitel 2 werden wichtige Strategien für die Prävention erläutert, die eine Verletzungsgefahr deutlich reduzieren können. Kapitel 3 skizziert einen umfassenden Behandlungs- und Rehabilitationsplan, der eine möglichst schnelle und vollständige Genesung zu gewährleisten hilft. Die Kapitel 4 bis 17 geben einen detaillierten Überblick über 120 relativ einfach selbst zu lokalisierende Sportverletzungen. Orientiert an den Schlüsselbereichen des Körpers, wird jede von ihnen in Anatomie und Physiologie, möglichen Ursachen, Anzeichen und Symptomen, Komplikationen sowie Sofortbehandlung, Rehabilitationsverfahren und Langzeitprognosen beschrieben.

Dieses Buch richtet sich an alle Fitness-Fans und Gesundheitsexperten, ganz unabhängig vom jeweiligen Vorwissen. Unterstützend zu Prävention, Behandlung und Rehabilitation bietet es eine Auswahl an Kraft- und Beweglichkeitsübungen an, die natürlich nicht erschöpfend sein kann oder soll, sondern zur Orientierung dient. Für individuelle gesundheitliche Probleme und eine auf Ihre besondere Symptomatik zugeschnittene medizinische Behandlung konsultieren Sie bitte grundsätzlich immer auch einen Arzt.

Anatomische Grundbegrifflichkeiten

Abduktion

Abspreizung (des Körpers, eines Fußes, einer Hand) von der Mittellinie.

Adduktion

Neigung (des Körpers, eines Fußes, einer Hand) zur Mittellinie hin.

Anatomische Position

Aufrechte Körperhaltung, die Handflächen zeigen nach vorne.

Anterior

Zur Vorderseite des Körpers hin (im Gegensatz zu posterior).

Bauchlage

Position des Körpers, in der die ventrale Fläche nach unten zeigt (im Gegensatz zur Rückenlage).

Depression

Absenkung eines Körperbereichs, Muldenbildung.

Distal

Weiter von der Körpermitte oder von einem Organ entfernt gelegen (im Gegensatz zu proximal).

Dorsal

An der Rückseite des Körpers, eines Körperteils beziehungsweise Organs (im Gegensatz zu ventral).

Elevation

Das Anheben einer Extremität über einen Winkel von 90° zur vertikalen koronaren Ebene.

Eversion

Wie beim Knickfuß wird die Fußsohle nach außen gedreht.

Extension

Aktive oder passive Streckbewegung eines Gelenks, die zur Trennung zweier ventraler Flächen führt (im Gegensatz zur Flexion).

Flexion

Aktive oder passive Beugebewegung eines Gelenks, die zur Annäherung zweier ventraler Flächen führt (im Gegensatz zur Dehnung).

Horizontalebene

Transversalebene im rechten Winkel zur Längsachse des Körpers.

Inferior

Unten bzw. weiter unten gelegen, am weitesten vom Kopf entfernt.

Inversion

Drehung der Fußsohle nach innen.

Kontralateral

Auf der entgegengesetzten Körperseite gelegen.

Koronarebene

Eine vertikale Ebene im rechten Winkel zur Sagittalebene, die den Körper in einen vorderen und einen hinteren Teil teilt.

Lateral

Seitlich, von der Körpermitte oder seitlich des Organs (versus medial).

Medial

Körper- oder organmittig gelegen (versus lateral).

Median

In der Körpermitte gelegen.

Oppositionsbewegung

Für das Sattelgelenk des Daumens spezifische Bewegung, durch die der Daumen die Fingerspitzen derselben Hand berühren kann.

Palmar

Im Bereich der vorderen (Hand-)Fläche gelegen.

Plantar

Im Bereich der Fußsohle gelegen.

Posterior

Bezogen auf den Rücken oder die dorsale Seite des Körpers (im Gegensatz zu Anterior).

Pronation

Drehung aus der anatomischen Position heraus, z.B. der Handfläche nach unten zum Boden.

Protraktion

Transversale Vorwärtsbewegung oder Ausdehnung.

Proximal

Anatomisch näher zur Körpermitte oder zum Befestigungspunkt einer Extremität gelegen.

Retrakion

Horizontale Rückwärtsbewegung, Zusammenziehen.

Rotation

Bewegung rund um eine fixierte Achse.

Rückenlage

Position des Körpers, in der die ventrale Oberfläche nach oben zeigt (im Gegensatz zur Bauchlage).

Sagittalebene

Eine vertikale Ebene oder Körperachse, die sich von vorne nach hinten erstreckt und den Körper in zwei gleich große rechte und linke Hälften teilt.

Superfiziell

An oder knapp unter der Oberfläche (versus Tief).

Superior

Oben, am nächsten zum Kopf hin gelegen.

Supination

»Auswärtsdrehung«, durch die die Daumenseite nach außen und der Handrücken nach hinten gedreht wird.

Tief

Weg von der Oberfläche (im Gegensatz zu oberflächlich).

Ventral

Anatomisch auf den vorderen Teil des Körpers bezogen (im Gegensatz zu dorsal).

Zirkumduktion

Kreisende Bewegung, bei der das distale Ende eines Knochens rotierend bewegt wird, während das proximale Ende unbewegt bleibt.

KAPITEL 1

Sportverletzungen – eine Definition

Niemand bezweifelt die positiven Effekte regelmäßiger sportlicher Betätigung: Die kardiovaskuläre Fitness nimmt zu, Muskelaufbau und erhöhte Beweglichkeit führen zu einer signifikanten Steigerung der Lebensqualität. Einer der ganz wenigen Nachteile einer höheren Frequenz sportlicher Aktivitäten scheint das damit verbundene Risiko erhöhter Verletzungsgefahr zu sein. Tatsächlich treiben immer mehr Menschen aktiv Sport (was gut ist!), doch auch die Zahl der sportbedingten Verletzungen ist parallel messbar nach oben geklettert. So verletzen sich nach Angaben des Bundesinstituts für Sport von den 23 Mio. Bundesbürgern, die regelmäßig Sport treiben, pro Jahr 1,25 Mio. so schwer, dass sie ärztlich versorgt werden müssen. Die drei häufigsten Unfallsportarten im nicht organisierten Sport sind Fußball, alpiner Skilauf und Inline Skaten, im Schulsport sind es Fußball, Basketball und Turnen. Die drei häufigsten Unfallsportarten im Vereinssport sind Fußball, Handball sowie Volleyball (www.bisp-surf.de/Record/PU200401000169).

WAS MACHT EINE SPORTVERLETZUNG AUS?

Generell betrachtet man jede Belastung für den Körper, durch die sein Organismus nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren kann, als Verletzung. Der Körper muss in einen »Reparaturprozess« eintreten. Eine Sportverletzung definiert sich also als die Art von Verletzung, Schmerz oder körperlicher Versehrtheit, die infolge eines Trainings oder einer sportlichen Aktivität auftreten. Obwohl der Begriff »Sportverletzung« im Grunde jedes physische Trauma bezeichnen kann, das durch Sport und Bewegung verursacht wird, beschreibt er in der Regel nur die Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates (Muskuloskelettales System). Schwerere Verletzungen, wie Kopf-, Hals- und Rückenmarkstraumata, werden in der Regel getrennt von den häufiger vorkommenden, vergleichsweise harmloseren Sportverletzungen wie Verstauchungen, Zerrungen, Brüchen und Prellungen betrachtet.

WAS KANN DURCH EINE SPORTVERLETZUNG BEEINTRÄCHTIGT SEIN?

Sportverletzungen sind meistens mit dem Bewegungsapparat verbunden, also Muskeln, Knochen, Gelenken und den dazugehörigen Geweben, wie Bändern und Sehnen. Im Folgenden werden die Komponenten des Bewegungsapparates kurz erläutert..

Muskeln

Ein Muskel besteht zu 75 % aus Wasser, 20 % aus Eiweiß und 5 % aus Mineralsalzen, Glykogen und Fett. Man unterscheidet drei Arten von Muskeln: Skelettmuskeln, Herzmuskel und die glatte Muskulatur. Der an der Bewegung beteiligte Muskeltyp ist die (quergestreifte, somatische) Skelettmuskulatur, die wir willkürlich einsetzen können. Sie macht etwa 40 Prozent des gesamten menschlichen Körpergewichts aus.

Die Skelettmuskulatur überzieht unser Knochengerüst und/oder ist mit Sehnen daran befestigt. Sie ist zu schnellen starken, aber auch längeren konstanten Kontraktionen in der Lage. So ermöglicht uns die Skelettmuskulatur sowohl physische »Kraftakte« als auch feine, kontrollierte Bewegungen. Der obere Punkt, an dem ein Muskel direkt oder über eine Sehne an einem relativ konstanten Punkt eines Knochens angesetzt ist, wird als sein »Ansatz« oder »Ursprung« bezeichnet. Zieht sich der Muskel zusammen, überträgt er die Spannung über ein oder mehrere Gelenke auf das Knochenskelett und es kommt zu einer Bewegung. Die untere Ansatzstelle des Muskels an den sich bewegenden Knochen wird »Insertion« genannt.

Überblick über die Skelettmuskulatur

Die funktionelle Einheit des Skelettmuskels, die Muskelfaser, ist eine längliche, zylinderförmige Zelle mit mehreren Kernen, die ca. 10–100 Mikrometer breit und zwischen einigen Millimetern bis zu über 30 Zentimetern lang sein kann. Das Zytoplasma der Muskelfaser wird als Sarkoplasma bezeichnet; es ist in einer Zellmembran, dem Sarkolemm, verkapselt. Jede einzelne Muskelfaser ist von einer zarten Membran, dem sogenannten Endomysium, umgeben.

Die Muskelfasern sind in Bündeln zusammengefasst, die vom Perimysium umschlossen werden. Diese Bündel sind gruppiert, und der gesamte Muskel ist von einer Bindegewebshülle umgeben, die man als Epimysium bezeichnet. Diese Muskelmembranen durchziehen die gesamte Länge des Muskels, von der Ursprungssehne bis zur Insertionssehne. Die komplette Struktur wird auch als muskulotendinöse Einheit bezeichnet.

HINWEIS: Bei der Kontraktion erzeugen alle Muskelarten Wärme, die für die Aufrechterhaltung einer normalen Körpertemperatur elementar ist. Man schätzt, dass 85 % der gesamten Körperwärme durch Muskelkontraktion erzeugt wird.

Zu den wichtigsten Muskeln gehören der M. quadrizeps des Oberschenkels und der M. bizeps brachii des Oberarms.

Knochen

Babys kommen mit etwa 350 Knochen auf die Welt. In der Kindheit verschmelzen diese miteinander, bis wir in der Pubertät nur noch 206 einzelne Knochen besitzen. Knochen bilden die innenliegende tragende Struktur unseres Körpers; insgesamt nennt man sie das Endoskelett. (Bei der Klasse der wirbellosen Lebewesen spricht man von einem Exoskelett; beim Menschen ist dies nur noch an den Zähnen, Nägeln und Haaren zu erahnen.) Vollentwickelter Knochen ist der härteste Gewebetyp unseres Körpers. Er besteht zu 20 % aus Wasser, 30 – 40 % aus organischer und 40 – 50 % aus anorganischer Substanz.

Knochenentwicklung und -wachstum

Der größte Teil der Knochen entsteht aus einer knorpeligen Grundsubstanz, die mit der Zeit verkalkt und dann zu echtem Knochen wird. Dieser Prozess erfolgt in vier Schritten:

1.Im zweiten oder dritten Entwicklungsmonat eines Embryos werden sogenannte Osteoblasten, knochenbildende Zellen, aktiv.

2.Zunächst bilden die Osteoblasten eine stoffliche Matrix zwischen den Einzelzellen, die mit dem faserigen Protein Kollagen angereichert ist. Dieses Kollagen verstärkt das Gewebe. Mithilfe von Enzymen wird schließlich die Ablagerung von Calciumverbindungen in der Matrix ermöglicht.

images

Die Struktur des Muskelgewebes von der mikroskopischen bis zur äußeren Anatomie

images

Knochenentwicklung und -wachstum

3.Das interzelluläre Material härtet um die Zellen herum aus, die zu Osteozyten werden: lebende Zellen, die den Knochen erhalten

4.Andere Zellen, die als Osteoklasten bezeichnet werden, bauen den Knochen ab, um und reparieren ihn. Dieser Prozess dauert ein Leben lang an, verlangsamt sich aber mit zunehmendem Alter. Folglich sind die Knochen älterer Menschen schwächer und zerbrechlicher.

Kurz gesagt, sind Osteoblasten und Osteoklasten die Zellen, die den Knochen aufbauen bzw. abbauen, damit sich die Knochen in Form und Stärke ganz langsam nach Bedarf anpassen können.

Knochenzellen sitzen in Hohlräumen, den sogenannten Lacunae (Singular: Lacuna), umgeben von kreisförmigen Schichten einer sehr harten Matrix, die Kalziumsalze und größere Mengen an Kollagenfasern enthält. Knochen schützen die inneren Organe und erleichtern die Bewegunglichkeit. Zusammen bilden sie eine starre Struktur: das Skelett. Zu den wichtigsten Knochen gehören der Oberschenkelknochen und der Oberarmknochen

Knochenarten nach Dichte

Kompakter Knochen

Kompakter Knochen ist dicht und sieht mit bloßem Auge glatt aus. Durch das Mikroskop erscheint kompakter Knochen als eine Verdichtung Havers’scher Systeme, die Osteonen genannt werden. Jedes System bildet einen länglichen Zylinder, der entlang der Längsachse des Knochens ausgerichtet ist und aus einem zentralen Havers’schen Kanal besteht, der Blutgefäße, Lymphgefäße und Nerven enthält, die von konzentrischen Knochenplatten, den Lamellen, umgeben sind. Mit anderen Worten, jedes Havers’sche System ist eine Gruppe von Hohlrohren aus Knochenmatrix (Lamellen), die ineinander übergehen. Zwischen diesen Lamellen befinden sich Lücken (»lacunae«), die Lymphe und Osteozyten enthalten.