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Der weiße Regenschirm

~ Mein kleiner großer Nicki ~

In einem kleinen Bergdorf in den Schweizer Alpen, da lebt die kleine Dorle. Alle Erwachsenen der Gemeinde mögen das kapriziöse kleine Mädchen, wenn es ihnen auch ein wenig sonderbar und merkwürdig erscheint. Denn Dorle liebt es, mit ihrem aufgespannten weißen Regenschirm durchs Dorf zu marschieren. Dabei ist es ihr ganz egal ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint. Ihre Eltern haben sie schon oft gebeten, ihren Schirm doch lieber zu Hause zu lassen, denn einige Dörfler würden schon heimlich über sie lachen.

„Dann lasst sie doch über mich lachen!“, entgegnet Dorle ihnen jedes Mal, sie würde niemals ohne ihren Schirm aus dem Haus gehen, denn sie und den weißen Regenschirm verband ein Geheimnis, von dem außer ihrer Großmama niemand etwas wusste.

Den weißen Regenschirm ziert als einziger Schmuck ein blaues Bärchen mit sehr großen, aufgesetzten Knopfaugen. Wenn Dorle mit ihm durch die Dorfstraße läuft, dann klimpert Nicki mit seinen Augen und brummt dazu, genauso wie es auch ein echtes Bärchen tun würde. Den gebrauchten, aber hübschen Regenschirm hatte sie von ihrer Großmutter zu ihrem fünften Geburtstag bekommen. Bei ihrer Abreise hatte sie ihr dann noch leise ins Ohr geflüstert, dass es ein ganz besonderer Regenschirm wäre. Mit ihm würde sie noch  viele kleine Abenteuer erleben. Sie dürfte es aber niemandem verraten, sonst würde aus ihm ein ganz gewöhnlicher Regenschirm werden.

„Vielen Dank, Großmutter!“, hatte sie damals mit einem Schmunzeln auf ihren Lippen zu ihr gesagt. „Aber was ist so Besonderes an diesem Regenschirm?“ Ihr gefielen der weiße Schirm und das hübsche Bärchen darauf, aber so oft sie ihn auch in ihren Händen gedreht und mit ihren Augen abgesucht hatte, etwas Außergewöhnliches war ihr daran nicht aufgefallen. Nur das lustige Klappern der Augen, wenn sie den Regenschirm schüttelte.

„Ja weißt du Kind, es ist nämlich so!“, begann ihre Omi zu erzählen. “Du und der weiße Regenschirm, ihr müsst euch erst aneinander gewöhnen. Und erst das kleine blaue Bärchen, es muss erst sicher sein, dass es ein neues Zuhause hat. Du musst also noch ein wenig Geduld mit beiden haben!“

„Soso, Großmama!“, lachte Dorle über ihre Worte, denen sie keinen rechten Glauben schenken wollte.

Doch eines Tages, in einer sternenklaren Nacht, wurde sie an die Worte ihrer Großmama erinnert... Dorle erwacht aus ihrem Schlaf. Irgendetwas bewegt sich unter ihrer Bettdecke und kommt immer näher. Was war da ganz dich zu ihr gekrochen? Ängstlich flüchtet das Mädchen aus ihrem Bett. Da, schon wieder bewegt sie die Bettdecke. Dorle greift zu ihrem Schutz nach einem ihrer Hausschuhe und zieht dann, den Hausschuh hoch erhoben, mutig die Decke ein wenig zurück.

Als sie die Decke weiter nach unten zieht, blicken ihr zwei lachende Knopfaugen entgegen. Jetzt wurde die Decke ganz zur Seite geworfen und darunter ... Dorle traut ihren Augen kaum, kommt ein lebendiges braunes Bärchen zum Vorschein, dass, bis auf die braune Farbe, ganz genauso aussieht, wie ihr Nicki auf ihrem Regenschirm. Verwirrt blickt Dorle immer wieder hinüber zu ihrem Schirm, dann wieder auf das viel zu große Bärchen auf ihrem Bett. Niemand, auch kein Stoffbärchen kann an zwei Orten gleichzeitig sein, sagt sich das Mädchen, und will zu ihrem Schirm laufen.

„Du musst nicht nachschauen Dorle, dein kleiner Nicki ist nicht mehr auf deinem Regenschirm!“, ruft ihr das Bärchen zu. Das Mädchen lässt sich von seinen Worten aber nicht beirren und läuft geradewegs auf ihren Regenschirm zu, um ihn eingehend zu betrachten. Sprachlos starrt sie auf den hellen Fleck, an dem eigentlich ihr Nicki sein sollte.„Das ist doch ..., das ist doch aber …!“, bringt sie dann stockend hervor.

„Ganz unmöglich, willst du sagen!“, hilft ihr das Bärchen lachend den Satz zu beenden. „Weißt du noch, was dir deine Großmama über deinen weißen Regenschirm erzählt hat?“

"Großmutter!", überlegt die kleine Dorle laut. Dann hat sie mir doch kein Märchen aufgetischt!

"Aber natürlich weiß ich das noch!", antwortet sie dann. "Sag, bist du mein kleiner Nicki?"

"Aber ja! Wer soll ich denn sonst sein?", versichert ihr das Bärchen und damit sie ihm auch glaubt, lässt er sein altbekanntes Brummen ertönen und klimpert mit den Augen.

"Und wie ist das mit meinem Regenschirm, ist er auch lebendig, oder kann es werden?"

"Nein, lebendig wird er nicht, er kann dir aber deine Wünsche erfüllen! Es darf aber nichts sein, das man sich für Geld kaufen könnte!"

"Was man sich für Geld kaufen könnte!", wiederholt Dorle. "also kein Eis, Spielzeug, ein Fahrrad oder so etwas!"

"Leider nein, Dorle!", antwortet ihr das Stoffbärchen. "Aber da gibt es noch so viele andere Dinge, die du dir wünschen kannst!"

Was man sich ganz ohne Geld alles wünschen kann, darüber reden die beiden in dieser Nacht noch lange miteinander. Die kleine Dorle stellt Nicki viele Fragen auf die er nur selten eine Antwort hat. Sie werden es morgen einfach ausprobieren, beschließen sie dann gemeinsam. Beide sind jetzt schrecklich müde. Dorle drückt ihren Teddybär noch ganz fest an sich, dann schließt sie ihre Augen und fällt schnell in einen tiefen Schlaf.

Am Morgen darauf wundern sich ihre Eltern darüber, dass sie solange ungestört bleiben. Normalerweise ist ihre kleine Tochter schon lange bei ihnen, um mit ihrem Papa zu kuscheln, bevor er zur Arbeit muss. 

"Was ist denn mit unserer Kleinen los, ist sie krank?", fragt Thomas, Dorles Vater, mit leicht besorgter Mine.

"Aber nein Schatz, unserer Kleinen geht es gut!" antwortet ihm Sabine, Dorles Mama, lachend.

"Und wieso ist sie dann noch nicht hier?"

"Oh du Armer, fehlt dir das gemeinsame Kuscheln zur Morgenstunde schon?“, macht sie sich über ihn lustig.

"Schon möglich, ich bin es eben so gewöhnt!"

"Ich biete mich gerne als Kuschelersatz an, Schatz!"

Dieses verlockende Angebot lässt sich Thomas nicht entgehen und zieht seine Liebste mit Wonne in seine Arme. Unterdessen erwacht die kleine Dorle über ihren Köpfen und reibt sich noch schlaftrunken die Augen.

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